Edge of Tomorrow (2014)

Nach zwei Tagen Weihnachtstrubel bin ich, ehrlich gesagt, ziemlich geschafft. Noch drei Tage (ja, auch das Wochenende) liegen vor uns. Da muss man bereit sein – wie Tom Cruises Charakter Cage in Doug Limans „Edge of Tomorrow“ eindrucksvoll beweist. Tag für Tag. Deshalb hat sich Warner Bros. wohl auch gedacht es wäre eine gute Idee, den Film für den Heimkinomarkt nur noch mit der Tagline „Live. Die. Repeat.“ zu vermarkten. Glücklicherweise ist damit schon der negativste Aspekt des Films abgehandelt…

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Mit „Swingers“ hat Doug Liman einen der Filme geschaffen, die mich in meiner Jugend stark beeindruckten. Danach hatte ich den Regisseur irgendwie aus den Augen verloren: „Die Bourne Identität“ fand ich nur ganz gut, „Mr. und Mrs. Smith“ ist an mir vorbeigegangen und „Jumper“ hatte zwar eine nette Prämisse, sonst aber nur wenig zu bieten. Mit „Edge of Tomorrow“ hat es Doug Liman zurück auf meinen Radar geschafft. Dabei sieht der Film in so manchen Momenten wie ein generischer Sci-Fi-Actioner aus. Doch wie so oft schafft es der Kniff der Zeitmanipulation den Unterhaltungswert des Films enorm zu steigern. Macht euch also bereit für „Und täglich grüßt das Murmeltier“ auf Speed!

Harold Ramis‘ „Groundhog Day“ ist wohl der bekannteste Film, der eine Zeitschleife ins Zentrum stellt. Doch auch die Sci-Fi-Thriller „12:01“, „Déjà Vu: Wettlauf gegen die Zeit“ oder „Source Code“ spielen mit dieser famosen Grundidee. Die meiner Meinung nach beste Zeitschleifengeschichte, Ken Grimwoods Roman „Replay: Das zweite Spiel“, wurde bisher leider noch nicht verfilmt – bis es einmal soweit sein sollte, bietet „Edge of Tomorrow“ auf jeden Fall beste Unterhaltung.

Doug Liman schafft es erstaunlicherweise die knallharte Kriegsaction mit enorm viel Humor aufzubrechen. Teils wähnt man sich mehr in einer Komödie, als in einem Alien-Kriegsfilm. Obwohl die Struktur des Films aus den oben genannten Werken bekannt ist, gelingt es Liman stets einen besonderen Kniff zu finden, der uns Zuschauer jedes Mal aufs Neue überrascht. Großartig! Das Gefühl, das ein Videospieler beim Erkunden neuer Level hat, wird hier gekonnt eingefangen – und nein, dieser Vergleich ist ausnahmsweise einmal nicht abwertend gemeint.

Das Finale ist leider ein wenig konventionell geraten; hier sieht man tatsächlich nur noch einen recht unterhaltsamen Sci-Fi-Actioner. Alles davor ist ein großer Spaß und ich kann „Edge of Tomorrow“ jedem nur ans Herz legen, der auch nur ein wenig mit Sci-Fi anfangen kann. Für die Hater noch der Hinweis: Ja, Tom Cruise ist abermals exzellent. Und es war eine Freude Bill Paxton zu sehen. Emily Blunt als Überheldin macht ebenso eine gute Figur. Selbst wenn der Film nicht ewig in Erinnerung bleiben wird, so ist er doch weit unterhaltsamer als die meisten anderen Sci-Fi-Streifen der letzten Jahre: 8/10 Punkte.

Der Hobbit: Smaugs Einöde – OT: The Hobbit: The Desolation of Smaug – Extended Edition (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Der Hobbit: Smaugs Einöde“ am 23. Dezember 2015 und am 26. Dezember 2023 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Nachdem ich letztes Jahr mit „Der Hobbit: Smaugs Einöde“ eines meiner schlimmsten Kinoerlebnisse hatte, war ich umso gespannter wie der Film nun mit den gewohnten 24 Bildern pro Sekunde wirken würde. Ebenfalls eine Neuerung war die um 25 Minuten erweiterte Fassung, was bei dieser ausgewalzten Filmtrilogie auch leicht ein Rückschritt hätte sein können. Warum das nicht der Fall ist, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

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Nach der letztwöchigen Sichtung von „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ war ich noch komplett in Mittelerde und die Vorfreude – trotz des letztjährigen Desasters – groß. Schon nach ein paar Sekunden begannen die Erinnerungen an die grauenhafte Videoästhetik zu verblassen. Trotz viel CGI und unnatürlich wirkenden Kamerafahrten wirkte „Der Hobbit: Smaugs Einöde“ endlich wie ein Film – und nicht mehr wie das Urlaubsvideo Peter Jacksons. Was die restlichen technischen Aspekte angeht, so überzeugt der Film nahezu auf ganzer Linie. Speziell Erebor und Smaug sind über jeden Zweifel erhaben. Man sieht deutlich, dass diesen Sequenzen ein Großteil des Budgets zugute kam. Fantastisch!

Auch inhaltlich hat mir der Film viel Freude bereitet. Das in meinen Augen größte Manko (die im Vergleich zum Buch veränderte Ankunft bei Beorn) wurde in der erweiterten Fassung wieder im Film ergänzt. Hier blitzt dann auch tatsächlich die kinderfreundliche Vorlage auf, wovon ich gerne noch mehr gesehen hätte. Aber auch die düstereren Szenen, mit denen Peter Jackson die Brücke zu seiner „Der Herr der Ringe“-Trilogie schlägt, funktionieren in der erweiterten Fassung einfach besser. Einzig auf die verlängerten Szenen in Seestadt hätte ich verzichten können, denn so gerne ich auch Stephen Fry sehe, so wenig haben diese Ergänzungen zur Handlung beigetragen.

Die Schwächen des Vorgängers (digitale Orks, Azog usw.) ziehen sich übrigens auch durch diesen Film, allerdings gibt es auch ein paar klassische Masken zu bewundern, die ungleich besser funktionieren. Seltsam, dass das niemandem in der Produktion aufgefallen ist. Letztendlich war meine damalige Schätzung gar nicht so schlecht und mit 24 fps und den sinnvollen Handlungserweiterungen schafft es „The Hobbit: The Desolation of Smaug“ tatsächlich an seinen Vorgänger aufzuschließen. Zwar immer noch meilenweit von den chronologischen Nachfolgern entfernt, doch immerhin ein unterhaltsamer und bombastisch inszenierter Trip nach Mittelerde. Das letzte Kapitel kann kommen: 8/10 Punkte.

Der Hobbit: Eine unerwartete Reise – OT: The Hobbit: An Unexpected Journey – Extended Edition (2012) (WS2)

Aktualisierung: Ich habe „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ am 19. Dezember 2015 und am 25. Dezember 2023 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine aktualisierte Besprechungen veröffentlicht.

Vorweihnachtszeit ist Reisezeit, zumindest auf dem Bildschirm. Wie es bereits seit Jahren Tradition ist, habe ich mich abermals nach Mittelerde begeben. Ob die inzwischen dritte Sichtung von „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ (zum zweiten Mal in der Extended Edition gesehen) meinen bisherigen Eindruck von Peter Jacksons Prequel-Trilogie verändert hat?

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Wie bereits bei der Zweitsichtung vor einem Jahr, hatte ich die Hoffnung, dass dieses Mal der Funke endgültig überspringt. In gewisser Weise ist er das auch. Die erste Stunde fand ich großartig. Die Ankunft der Zwerge in Beutelsend trifft genau den Ton der Vorlage, wie ich sie mir stets vorgestellt hatte – und fügt sich auch perfekt in Peter Jacksons Version von Mittelerde ein. Ich liebe dieses Gefühl von Abenteuer und Aufbruch, das beständig in der Luft liegt. Kein Wunder, war doch der ähnlich gelagerte „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ lange mein Lieblingsteil der Ursprungstrilogie. Leider jedoch gelingt es dem Film nicht seine Stärken bis zum Schluss auszubauen.

„The Hobbit: An Unexpected Journey“ besitzt ein paar Elemente, mit denen ich mich einfach nicht anfreunden kann. Den übermäßigen CGI-Einsatz empfinde ich nach wie vor als zu viel des Guten, jedoch ist der Film technisch zweifellos gut gemacht und oft auch toll anzusehen. Auch Radagast der Braune sehe ich immer noch zwiespältig, wenngleich ich mich so langsam an ihn gewöhne. Dagegen funktioniert der Antagonist Azog der Schänder überhaupt nicht für mich. Ich kann verstehen, dass Jackson eine beständige Bedrohung aufbauen wollte und auch die Hintergrundgeschichte finde ich durchaus brauchbar – nur was soll dieses künstliche und absolut austauschbare Design? Wirklich eine Schande, besonders wenn man sich die fabelhaften Orks aus der Originaltrilogie ansieht. Da wäre jeder Ork aus dritter Reihe eine bessere Wahl gewesen. Kein Charisma, nichts.

Es ist wirklich nicht einfach mit diesem Film: Auch wenn ich bei der heutigen Sichtung gewisse Punkte (noch) stärker und andere wiederum (noch) schwächer fand, als während der letzten beiden Male, so ändert sich an der Gesamtwertung jedoch nichts. Für mich ist „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ immer noch ein wunderbar unterhaltsames Fantasy-Abenteuer, das jedoch einfach nicht an seinen 10 Jahre alten Vorgänger (bzw. Nachfolger) anschließen kann – und auch was die Fortsetzung angeht, so kann ich noch überhaupt nicht absehen, wie sie mir bei der kommenden Sichtung gefallen wird: 8/10 Punkte.

Sunshine (2007) (WS1)

Nachdem ich in letzter Zeit mit „Europa Report“ und „Interstellar“ meine Vorliebe für Weltraumfilme wiederentdeckt habe, wollte ich unbedingt Danny Boyles „Sunshine“ eine weitere Chance einräumen. Nicht dass ich den Film vor 7 Jahren bei der Erstsichtung im Kino schlecht gefunden hätte, doch wurde ich seitdem das Gefühl nicht los, sein volles Potential nicht erkannt zu haben. Ein berechtigter Gedanke?

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Wenn ich mir meine damalige Besprechung so durchlese, dann kann ich sie auch heute noch unterschreiben – und doch habe ich den Film dieses Mal deutlich positiver wahrgenommen. Die ersten zwei Drittel sind wahrlich famos! Ich mag das Design, die beinahe schon fiebrige Atmosphäre je näher die Icarus II der Sonne kommt und die Konflikte, die sich unter der Crew entwickeln. Ein packendes Sci-Fi-Abenteuer, das uns – ähnlich wie andere Genrevertreter – in die Schuhe der Protagonisten zwängt und uns fragen lässt, wie wir wohl an ihrer Stelle gehandelt hätten.

Im letzten Drittel schlägt „Sunshine“ dagegen ziemlich unerwartet in einen Slasher um, was mich bei der ersten Sichtung wahrlich aus der Bahn geworfen hatte. Dieses Mal war ich allerdings darauf gefasst und konnte somit besser damit umgehen. Auch wenn die Jagdszenen auf der Icarus II durchaus spannend inszeniert sind und Bösewicht Pinbacker mehr Tiefe zu besitzen scheint, als man ihm zunächst zugestehen möchte, so hätte man den Film meiner Meinung nach stimmiger zum Abschluss bringen können.

Auf jeden Fall bin ich froh „Sunshine“ eine weitere Sichtung zugestanden zu haben, hatte ich doch viel Spaß bei dieser Reise ins Zentrum unseres Sonnensystems. Wahrlich kein perfekter Film, doch für Genrefreunde schon alleine aufgrund seiner audiovisuellen Stärken Pflicht. Nicht so episch wie Nolans jüngster Ausflug ins All, doch in den Weltraumszenen mindestens ebenso mitreißend. Auch wenn das letzte Drittel immer noch viel kaputt macht, so mag ich dem Film nach der heutigen Sichtung die Aufwertung um einen knappen Punkt nicht verwehren: 8/10 Punkte.

Indie Game: The Movie (2012)

Eigentlich wollte ich nur einmal kurz in den Dokumentarfilm „Indie Game: The Movie“ reinschauen, dessen Besprechung im Second Unit-Podcast mich damals recht neugierig gemacht hatte. Doch ich blieb hängen. Nur noch schnell 10 Minuten, dann doch noch die Stunde voll machen – und schon saß ich staunend vor dem Abspann. Das kann eigentlich nur ein gutes Zeichen sein…

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Ich bin mit Computer- bzw. Videospielen aufgewachsen. Eine ganz eigene Welt, die ich mir – mangels Interesse der Eltern – selbst erschließen musste. Zunächst auf dem Commodore C64, dann über den Game Boy und das legendäre SNES, bis hin zum PC. Noch ein kurzes Aufflackern der Liebe zum elektronischen Spiel mit dem GameCube, doch seit ca. 8 Jahren ist Schluss damit – auch wenn ich mir das in meiner Jugend niemals hätte träumen lassen. Interesse für die Spieleszene ist dennoch ungebremst vorhanden, wenngleich ich mich nur noch passiv via Podcasts und Blogs informiere. Kein Wunder also, dass auch „Indie Game: The Movie“ irgendwann auf meinem Radar auftauchten musste…

Der über Crowdfunding finanzierte Film ist formal wahrlich eine Pracht: wunderschön gefilmt und montiert, und mit einem tollen Soundtrack versehen. Das Zuschauen macht einfach Spaß. Auch inhaltlich bleiben kaum Wünsche offen, zeigt der Film doch einen sehr persönlichen und emotionalen Blick auf die unterschiedlichen Stadien diverser Indie-Game-Produktionen. Einzig ein wenig mehr Einblick in die tatsächlichen Arbeitsschritte hätte ich mir gewünscht, welche in der Dokumentation nur angedeutet werden. Dafür rücken die Entwickler und ihr Umfeld stark in den Vordergrund, was den einzelnen Geschichten eine sehr persönliche Note gibt.

Insgesamt kann ich „Indie Game: The Movie“ jedem ans Herz legen, der sich auch nur ein wenig für die Spielebranche interessiert. Ich war wirklich fasziniert und hätte mir gerne noch tiefere Einblicke gewünscht, die den Indie-Trend vielleicht mit der Spielentwicklung vor 30 Jahren in Bezug setzen, als ebenfalls Einzelkämpfer wahre Kultspiele produzieren konnten. Dennoch ein Doku-Highlight, das man sich nicht entgehen lassen sollte: 8/10 Punkte.

Interstellar (2014)

Aktualisierung: Ich habe „Interstellar“ am 25. Mai 2018 und am 16. Juni 2025 erneut gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Normalerweise schreibe ich meine Besprechungen direkt im Anschluss an die Sichtung. Meist ändert sich meine Einstellung zum Film danach auch nicht mehr. Aufgrund der fortgeschrittenen Stunde habe ich es gestern allerdings nicht mehr geschafft, meine Kritik zu Christopher Nolans „Interstellar“ zu verfassen – und siehe da: Mein Eindruck des Films ist heute tatsächlich um einiges positiver als gestern direkt nach dem Kinobesuch. Kleinere Spoiler sind zu erwarten, allerdings werde ich keine konkreten Handlungselemente beschreiben.

Interstellar (2014) | © Warner Home Video

Interstellar (2014) | © Warner Home Video

Vorausschicken sollte ich wohl, dass der Rahmen des Kinobesuchs ungewöhnlich war, sprich ich habe erstmals einen der berühmten Deluxe-Kinosäle ausprobiert. Neben den exorbitanten Kosten von über 16 Euro pro Karte war ich tatsächlich angetan vom Erlebnis, doch dazu folgt eventuell noch ein gesonderter Eintrag. Der Rahmen war, sowohl von der Bequemlichkeit als auch von technischer Seite her gesehen, also perfekt. Und der Film? Nachdem ich im Vorfeld alles von ziemlichen Verrissen über reine Mittelmäßigkeit bis hin zu euphorischen Lobgesängen gelesen hatte, war ich zwar voller Vorfreude, aber dennoch etwas skeptisch.

Christopher Nolans „Interstellar“ beginnt zunächst als Familiendrama, das uns eine unbestimmte Zukunft zeigt, welche beinahe schon dystopische Züge trägt. Ich mochte diesen langsamen Aufbau, der uns die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander näherbringt, wirklich sehr. Da ich selbst Vater einer Tochter bin, hat mich dieses zentrale Handlungselement natürlich besonders angesprochen. Teil wirklich sehr emotional, wenngleich mich besonders das Finale in dieser Hinsicht auch ein wenig enttäuscht hatte. Da wurde wohl zu sehr auf ein sorgloses Ende gesetzt, was nicht zwangsweise zur Stimmung des vorherigen Films passte.

Während des Verlaufs der Geschichte gab es ein paar Stellen, da stolperte ich direkt über die Handlung. Der große Zufall, zum Beispiel, warum nun ausgerechnet Cooper (Matthew McConaugheys Charakter) für die Mission ausgewählt wurde, macht im ersten Moment überhaupt keinen Sinn. Die Auflösung erfährt man erst zwei Stunden später – und diese Art von abstrusem Logiksprung passiert nicht nur einmal. Hier hätte ich mir ein etwas weniger überkonstruiertes Drehbuch gewünscht, denn sonderlich komplex ist die Geschichte nicht.

Was die Balance zwischen Weltraumabenteuer und Familiendrama angeht, so hat der Film für mich wirklich gut funktioniert. Speziell die Montage während Coopers Aufbruch fand ich herausragend. Überhaupt bietet „Interstellar“ ein paar großartig inszenierte Momente, welche emotional voll ins Schwarze treffen. Auch die Rückkehr von der ersten Planetenmission fand ich fantastisch inszeniert, da die vorher viel diskutierte Relativitätstheorie in einem kurzen Moment ihre komplette Schockwirkung entfaltet. Wahrlich herausragend!

Am meisten Probleme hatte ich wohl mit dem Ende des Films, welches auch symptomatisch für die vorherigen Schwachpunkte steht: Es wirkt irgendwie ein wenig neben der Spur, was den Erzählton des Films angeht. Hier hätte ich mir mehr Mut zur Konsequenz gewünscht, was dem Film auch in einigen vorhergehenden Szenen abgeht. Der pompöse und fast schon klerikale Score Hans Zimmers dröhnt ebenso bedeutungsschwanger wie so mancher Monolog – dem gegenüber stehen schmissige Oneliner und überaus kitschig wirkende Szenen (ich sage nur Heureka). In diesen Momenten wirkt „Interstellar“ wie gewollt und nicht gekonnt; glücklicherweise hatte ich dieses Gefühl eher selten.

Fazit

Insgesamt ist „Interstellar“ nicht der erhoffte Meilenstein, wenngleich ich auch glaube, dass er bei einer weiteren Sichtung im Originalton durchaus noch hinzugewinnen kann. Allerdings hat Christopher Nolan den Film auch nicht verbockt, wie man anderswo teils lesen kann. Wenn ich einen Vergleich ziehen müsste, würde ich das Weltraumabenteuer weniger im Dunstkreis von „2001: Odyssee im Weltraum“ als Robert Zemeckis‘ fantastischem „Contact“ sehen, der einen ähnlich emotionalen Weg beschreitet. Für mich rückblickend eine wahrlich lohnenswerte Kinoerfahrung, die ich nicht mehr missen möchte – inzwischen freue ich mich tatsächlich schon sehr auf die Zweitsichtung: 8/10 Punkte.

Crimson Tide (1995)

Mit Wolfgang Petersens „Das Boot“ (in der TV-Fassung) verbinde ich eine meiner ersten ernsthaften Erinnerungen an eine audiovisuell erzählte Geschichte, die mich noch Tage nach der Sichtung nicht losgelassen hat. Seitdem konnte kein anderer U-Boot-Film an dieses Erlebnis heranreichen. Auch an Tony Scotts „Crimson Tide“ bin ich erst gar nicht mit diesem Anspruch herangetreten, sondern habe mir nur einen spannenden Thriller erhofft…

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Schon während der ersten paar Minuten weiß man als Filmfreund wo und wann man sich befindet: in einer Jerry Bruckheimer-Produktion inmitten der 90er Jahre. Geleckte Bilder von aufmarschierenden Soldaten, dazu ein Hans Zimmer-Score, der auch aus „The Rock“ hätte stammen können. Pathos wird groß geschrieben und leicht könnte man „Crimson Tide“ als Propaganda abtun, doch dann kommt es zu ersten Spannungen zwischen unseren Hauptfiguren – und, wow, das Knistern in der klaustrophobischen Enge des U-Boots wird förmlich spürbar. Mit Denzel Washington (Doug Carlin, „Déjà Vu“) und besonders Gene Hackman (Edward Lyle, „Der Staatsfeind Nr. 1“) liefern sich zwei Schauspieler ein Duell, das von der ersten Sekunde an mitreißt und uns Zuschauer bei der Stange hält.

Mit James Gandolfini (Tony Soprano, „The Sopranos“) und Viggo Mortensen (Aragorn, „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“) sind auch die Nebenrollen erstklassig besetzt, was die Handlung in der bedrückenden Enge des U-Boots fast schon zu einem Kammerspiel werden lässt. Tony Scott wäre allerdings nicht Tony Scott, hätte er nicht auch visuell alle Register gezogen. Somit gibt es enorm temporeiche Actionszenen, die dem beengten Drehort entgegenwirken. Tolle anzusehen und der Handlung stets förderlich.

Auch inhaltlich hat „Crimson Tide“ mehr zu bieten, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Zwar wird nicht direkt Position bezogen, doch durch Denzel Washingtons Charakter klar gegen stumpfen Gehorsam Position bezogen. Man sollte sich somit nicht vom Militärgehabe blenden lassen, denn der Film regt – auch wenn er inhaltlich nicht perfekt ist – durchaus zum Nachdenken an und bietet mehr als plumpe Kriegsaction. Spannendes Unterwasserkino, das man sich als Genrefreund nicht entgehen lassen sollte: 8/10 Punkte.

The Conjuring (2013)

Halloween ist jedes Jahr eine Freude. Dieses Mal wollten sich ein paar halbstarke Gören an den Reifen unseres Autos vergehen, nachdem wir ihren Ruf nach Süßem oder Saurem nicht erhört hatten. Nachdem ich sie in meiner Rolle als spießiger (zumindest beinahe) Hausbesitzer verscheucht hatte, war es Zeit sich mit „The Conjuring“ dem gemütlichen Teil des Abends zu widmen. Endlich einmal wieder Zeit dem wohligen Grusel zu frönen…

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James Wan hat mit „The Conjuring“ einen wahren Hype entfacht, der nicht nur ein Franchise, sondern sogar etliche Spin-offs nach sich ziehen sollte – mit „Annabelle“ ist das erste sogar schon in die Kinos gekommen. Der Mann hinter der nicht ganz uneinflussreichen Horror-Saga „Saw“ besinnt sich bereits seit geraumer Zeit auf die Wurzeln des Gruselkinos, denen er bereits mit „Dead Silence“ neues Leben einhauchen wollte. Dieser Film war jedoch zu sehr auf eine überraschende Auflösung getrimmt und ist schnell wieder in der Versenkung verschwunden. Mit „Insidious“ und besonders „The Conjuring“ konnte er sich letztendlich jedoch seinen Ruf als fähiger Genre-Regisseur sichern.

So gerne ich Gruselfilme schaue, so sehr hasse ich mich teils dafür. Ich kann mich (zu) gut in diese Welten fallen lassen und die Atmosphäre zerrt teils extrem an meinen Nerven, was meist für Amusement bei meinen Mitschauern sorgt. Auch James Wan gelingt es in „The Conjuring“ eine unglaublich dichte Atmosphäre aufzubauen, was vom 70er Jahre Setting perfekt unterstützt wird. Dabei spielt er, zumindest in der ersten Filmhälfte, Schockeffekte fast nie aus, sondern belässt es bei Andeutungen. Eine wahre Wohltat. In der zweiten Hälfte drückt er deutlich mehr auf die Tube, was oft nicht nötig gewesen wäre. Dennoch hat es der Film geschafft mich bis zum erwarteten Ende zu fesseln.

Überall wird „The Conjuring“ für seine klassische Inszenierung gelobt, doch empfand ich sie auch nicht gelungener als z.B. die Inszenierung von Alejandro Amenábars „The Others“ oder Juan Antonio Bayona „Das Waisenhaus“. Hervorzuheben ist dagegen der Aufbau der Geschichte und seiner unterschiedlichen Protagonisten: Man beobachtet nicht nur die Familie, die gerade ins typische Spukhaus gezogen ist, sondern begleitet auch Lorraine und Ed Warren, zwei selbsternannte Geisterjäger. Einmal abgesehen vom ‚Nach einer wahren Geschichte‘-Stempel, bekommt der Film dadurch eine ganz eigene Dynamik.

Mich hat „The Conjuring“ über die letzten knapp 120 Minuten wirklich gut unterhalten. Leider hat man im letzten Drittel ein wenig zu sehr auf gruselige Fratzen gesetzt, doch davon abgesehen bietet der Film wahrlich wunderbar anzusehenden, klassischen Grusel. Zwar keine Offenbarung im Genre (das können die Spanier schon seit Jahren besser), doch der richtige Weg zurück zu den Wurzeln ohne Blut und Gekröse; das ist mir doch zumindest knappe 8/10 Punkten wert.

Sneakers: Die Lautlosen (1992)

Schon der dritte Film diese Woche – und es ist erst Donnerstag! Alleine dafür liebe ich Urlaub, auch wenn wir aufgrund unseres Hausbaus nicht weggefahren und alle mehr oder weniger krank sind. Heute ist die Wahl mit „Sneakers: Die Lautlosen“ auf einen persönlichen Klassiker gefallen, den ich während meiner Jugend unzählige Male im TV gesehen habe. Die letzte Sichtung liegt allerdings bestimmt schon 12 Jahre zurück – es war also spannend zu sehen, ob mich dieser 22 Jahre alte Film auch heute noch mitreißen konnte…

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Zunächst einmal fand ich es wieder einmal faszinierend, wie selektiv mein Filmgedächtnis doch zu funktionieren scheint: An den Prolog konnte ich mich überhaupt nicht mehr erinnern, dann gab es in der ersten Filmhälfte nur noch die Weihnachtsfeier, die bei mir etwas klingeln ließ, dafür war mir die zweite Filmhälfte beinahe noch komplett vertraut. Davon einmal abgesehen hatte ich das Gefühl mich mit einem guten, alten Bekannten zu unterhalten. Es war wie früher, selbst wenn die Technik heute ein wenig angestaubt wirkt. Regisseur Phil Alden Robinson hat „Sneakers“ – zumindest aus heutiger Sicht – im besten Sinne klassich inszeniert und lässt uns Zuschauer ohne zu viel Aufregung an einem sympathischen Heist-Movie teilhaben.

„Sneakers“ lebt viel von seiner ausgewogenen Mischung aus Humor, leichtem Drama und Spannung. Hinzu kommt ein Ensemble, das mit Robert Redford, Sydney Poitier, Dan Aykroyd, Mary McDonnell und River Phoenix gar wunderbar aufgestellt ist. Speziell Redford und Poitier scheinen wie für diese Art von Film gemacht und es ist eine Freude ihnen beim unkonventionellen Ermitteln zuzusehen. Als Antagonist darf Ben Kingsley einen völlig überzognenen Bösewicht geben, dem nur noch die Katze auf dem Arm fehlt, um einen guten „James Bond“-Bösewicht abzugeben. Hier wäre weniger mehr gewesen, doch letztendlich mag ich dem Film deshalb auch nicht böse sein.

Ob ich genauso begeistert gewesen wäre, hätte ich „Sneakers“ heute zum ersten Mal gesehen? Vermutlich wäre es ohne die Vorkenntnis gar nicht dazu gekommen. Ich freue mich auf jeden Fall, ihn einmal wieder aus dem Regal geholt und mit frischem Blick seine Qualitäten entdeckt zu haben. Zurecht ein Film, den man durchaus bei jeder TV-Ausstrahlung mitnehmen kann, wenngleich die heutige Jugend darauf nicht mehr angewiesen ist und deshalb vermutlich so einige Klassiker unentdeckt bleiben: 8/10 Punkte.

Déjà Vu: Wettlauf gegen die Zeit (2006)

Heute habe ich einmal wieder einen Film nachgeholt, der mich schon seit Jahren reizt. Tony Scotts „Déjà Vu: Wettlauf gegen die Zeit“ hat inzwischen schon unglaubliche 8 Jahre auf dem Buckel – mir kommt es allerdings so vor, als hätte ich ihn erst gestern im Kino verpasst. Zeitwahrnehmung ist eben sehr subjektiv, was der Film auch inhaltlich am laufenden Band beweist…

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Den Trailer hatte ich über die letzten Jahre verteilt öfter gesehen. Insofern wusste ich von dem Zeitreisethematik – und war deshalb wohl auch so erstaunt, dass das Thema erst relativ spät im Film aufgegriffen wird. Die Jerry Bruckheimer-Produktion strahlt Hochglanz aus jeder Pore bzw. jedem einzelnen digitalen Filmkorn aus, allerdings auf die sympathische Art und Weise der 2000er Jahre. Irgendwo zwischen hypermodern und schon ein wenig veraltet. Inzwischen mag ich das. Denzel Washington macht sich wie immer gut und New Orleans kurz nach Hurrikan Katrina bietet ein interessantes Setting für diesen ungewöhnlichen Sci-Fi-Thriller.

Was Zeitreisegeschichten angeht, so bin ich wohl am stärksten von den Regeln fasziniert, die unterschiedliche Filme aufstellen. Anfangs versucht „Déjà Vu“ noch den ganz wissenschaftlichen Weg zu gehen: Man blickt gar nicht in die Vergangenheit, sondern sieht nur eine 3D-Rekonstruktion. Natürlich ist dies auf die dargestellte Art und Weise nicht möglich, der Kern der 3D-Rekonstruktion aus 2D-Fotos bzw. -Videobildern wird jedoch bereits heute durchgeführt – der Film zeigt uns nur die übernächste Stufe. Als jemand, der mit dem Thema ein wenig vertraut ist, war dies ein wahrlich interessanter Versuch den Blick in die Vergangenheit tatsächlich einigermaßen glaubwürdig zu erklären. Kurz darauf packt Val Kilmer (leider nur in einer kleinen Nebenrolle) allerdings das Wurmloch aus und wir befinden uns in einem klassischen Zeitreisefilm.

Rein audiovisuell hat Tony Scott auch in „Déjà Vu“ alle Register gezogen, ohne jedoch in den Stakkato-Schnitt zu verfallen, wofür seine letzten Filme (z.B. „Domino“) berühmt und berüchtigt waren. Inhaltlich muss man, wie es für das Genre üblich ist, eine gesunde Portion Suspension of Disbelief aufbringen, was mir allerdings nicht schwer gefallen ist. Der emotionale Kern des Thrillers, die angedeutete Liebesgeschichte, hatte mich ebenfalls voll auf seiner Seite. Insgesamt bin ich wirklich zufrieden mit dem Film, der mich ein wenig an „Frequency“ (ebenfalls mit Jim Caviezel) und „Source Code“ erinnerte. Für Fans von Zeitreisegeschichten wirklich bestens geeignet: 8/10 Punkte.