One Tree Hill – Season 3

Kaum zu glauben, schon wieder eine Serienstaffel abgeschlossen – inzwischen gehört „One Tree Hill – Season 3“ auch zum allabendlichen Ritual. Selbst wenn wir die Sichtungen aufgrund von Planungsgesprächen (und anderen lustigen Tätigkeiten) oft erst spät abends begonnen hatten, so ließen wir die langen Tage doch meist mit einer Episode ausklingen. Ob das immer ein Vergnügen war, lest ihr in der folgenden Besprechung… Spoiler sind zu erwarten.

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Über den Großteil der Laufzeit setzt „One Tree Hill“ im dritten Jahr konsequent dort an, wo man die Serie am Ende der zweiten Staffel verlassen hat: Die Ehe von Nathan und Haley ist eines der zentralen Themen, weiterhin spielt Lucas‘ Herzkrankheit eine große Rolle, und es gibt – keine Überraschung an dieser Stelle – etliche Paar-Konstellationen, welche kleinere bis größere Dramen zu überwinden haben. Keinesfalls vergessen darf man natürlich Dan Scott, der in einer irrwitzigen Aktion zum Bürgermeister aufsteigt und diese neue Machtposition natürlich schamlos ausnutzt.

Alles beim alten – könnte man zumindest meinen, doch im letzten Drittel schlägt „One Tree Hill“ mit den beiden Episoden „With Tired Eyes, Tired Minds, Tired Souls, We Slept“ und „Who Will Survive, and What Will Be Left of Them“ einen komplett neuen Weg ein. Dies kam für mich sehr überraschend und hätte ich so von der Serie auch nicht erwartet. Das Thematisieren eines Amoklaufs an einer amerikanischen Highschool mag nicht sonderlich innovativ erscheinen, im Rahmen dieses doch meist eher seichten Teenie-Dramas fielen diese Episoden jedoch stark aus dem Rahmen.

Speziell der Ausgang des Amoklaufs war denkwürdig, da es nicht nur den Charakter Dan Scott in einem komplett neuen Licht zeigt, sondern auch den weiteren Verlauf der Serie verändert. Ich weiß bisher noch nicht, was ich vom eiskalten Mord an Keith Scott halten soll. Bisher war Dan eine Figur, die völlig übertrieben geschrieben war, welche jedoch auch Grauzonen aufwies, d.h. es gab durchaus Momente, in denen hätte man dem Bösewicht von Tree Hill tatsächlich ein Gewissen zusprechen können – dies gilt nun nicht mehr: keine Grauzone, nur noch Schwarz und Weiß. Ein interessanter Schritt, der jedoch auch gewisse Möglichkeiten nimmt, die Geschichte weiterzuerzählen.

Weiterhin erwähnenswert ist abermals die musikalische Untermalung: Mit Fall Out Boy und Nada Surf gibt es erneut ein paar bekannte Bands zu sehen. Daneben wird der bisher äußerst generische Score (d.h. wenn gerade keine Pop-Songs zu hören sind) erstmals von Explosions in the Sky eingespielt, was eine wahre Freude ist! Die Post-Rock-Band hatte bereits der Serie „Friday Night Lights“ ihren unverwechselbaren Stempel aufgedrückt, und auch „One Tree Hill“ gewinnt atmosphärisch unglaublich durch die neuen Klangwelten. Wäre mein Leben vertont, würden im Hintergrund wohl auch Explosions in the Sky laufen. Einfach großartig!

Das Finale birgt erneut etliche Cliffhanger und zwingt mich vermutlich möglichst bald mit der vierten Staffel zu beginnen. Das dritte Jahr fand ich bisher am gelungensten, weil die Abstimmung der Charaktere aufeinander inzwischen perfektioniert wurde, und sich die Autoren dieses Mal auch etwas mehr getraut haben. Ob die Richtung, in die sich die Serie nun entwickelt, tatsächlich über mehrere Staffeln trägt, wird sich allerdings noch zeigen müssen: 8/10 (8.1) Punkte.

One Tree Hill – Season 2

Wie zu erwarten habe ich auch „One Tree Hill – Season 2“ in kürzester Zeit verschlungen. Trotz etlicher Filmsichtungen während meines Urlaubs, wollten wir auf einen kurzen Abstecher nach Tree Hill nicht verzichten. Ob sich die Serie im Vergleich zu ihrem ersten Jahr steigern konnte, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

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Nachdem die erste Staffel mit mehr Cliffhangern endete als das durchschnittliche „Lost“-Staffelfinale, gaben sich die Autoren größte Mühe den Status quo möglichst schnell wieder herzustellen. Typisch für Drama-Serien dieser Art. Trotz dieses auf Dauer etwas nervigen Schachzugs, wurde ich schnell wieder in die Handlung hineingezogen. Nachdem ich zu Beginn befürchtete Dan Scott hätte aufgrund seiner Krankheit an Biss verloren, wurde ich schnell eines besseren belehrt: Der Meister der Manipulation ist zurück – und das stärker denn je! Es ist einfach großartig, wie konsequent die Autoren diese Figur mit allen Charaktereigenschaften eines typisch klischeehaften Filmbösewichts ausgestattet haben. Herrlich!

In der sonstigen Handlung wird es auch dramatischer, da Beziehungen auf dem Spiel stehen, Figuren von ihrer Vergangenheit eingeholt und auch neue Charaktere eingeführt werden. Auch wenn „One Tree Hill“ oft sehr durchschaubar bleibt, so ist der Rhythmus, in dem gewisse Ereignisse passieren bzw. Figuren wieder auftauchen, einfach perfekt gewählt. Auch wenn dies stets negative Assoziationen weckt, so haben die Showrunner den süchtig machenden Soap-Opera-Stil in dieser Serie perfektioniert.

Herausragend fand ich erneut die Musikwahl. So viele tolle Bands, so viele perfekte Montagen, von denen mir besonders der Einsatz von Jimmy Eat Worlds „23“ in der Episode „Don’t Take Me for Granted“ in Erinnerung geblieben ist. Kein Wunder also, dass die Episode „The Tide That Left and Never Came Back“ mein persönliches Highlight war: Die gesamte Episode wird parallel zu einem Jimmy Eat World-Konzert erzählt, was absolut großartig ist und auch schön mit der Handlung verknüpft wurde. Fantastisch!

Das Finale zieht dann wieder alle Register in Sachen Cliffhanger; fast schon zuviel des Guten, aber doch irgendwie passend – und dabei einfach unglaublich unterhaltsam. In all dem Beziehungschaos, den leichteren Momenten und dem teils aufgesetzt wirkenden Drama, hat die Serie inzwischen ihre Balance gefunden. Sie funktioniert und die Charaktere sind mir ans Herz gewachsen. Zwar kein zweites „Friday Night Lights“, doch wunderbare Unterhaltung für verregnete Abende: 8/10 (7.9) Punkte.

One Tree Hill – Season 1

Nachdem die letzte Serienbesprechung bereits über einen Monat zurückliegt, startet mit diesem Eintrag ein neuer Serienmarathon, den ich so eigentlich nicht geplant hatte. Wohlige Erinnerungen an eine der Serien meiner Jugend, ein guter Preis und und der Bedarf an entspannender Unterhaltung im Feierabend haben „One Tree Hill – Season 1“ in den letzten Wochen zur Serie der Wahl gemacht. Da müsst ihr jetzt durch, liebe Leser!

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Während der Sichtung dieser ersten Staffel habe ich eine interessante Korrelation zwischen dem Konsum von TV-Serien und meinem sonstigen Leben festgestellt: Geht alles seinen gewohnten Gang, sprich dominiert der Alltag Job und Privatleben, dann habe ich eine Vorliebe für aufregende Geschichten, die auch gerne spannend und düster sein dürfen. Stehe ich dagegen unter Anspannung, wie aufgrund der Hausplanungen zurzeit eigentlich dauerhaft, dann besuche ich gerne unaufgeregte Serienwelten – und um eine solche handelt es sich bei „One Tree Hill“.

Wenn man die Serie beschreiben mag, dann wohl als eine Mischung aus „Dawson’s Creek“, „Gilmore Girls“ und „Friday Night Lights“. Wie in der stilbildenden Jugendserie rund um Dawson Leery aus den späten 90er Jahren, steht eine Gruppe von Teenagern im Mittelpunkt, die versucht ihren Platz im Leben und der Liebe zu finden. Interessanterweise hatten etliche Darsteller von „One Tree Hill“ zuvor Gastauftritte bei „Dawson’s Creek“ und ihre Charaktere wirken, wie ihre Vorbilder, ebenfalls deutlich zu reif für ihr Alter. An „Gilmore Girls“ erinnert dagegen die Mutter-Sohn-Beziehung sowie die verhinderte Liebe zwischen Karen und Keith (analog zu Lorelei und Luke). Der starke Highschool-Sport-Fokus lässt dagegen an das drei Jahre später gestartete „Friday Night Lights“ denken.

Ich war bei der Sichtung wirklich erstaunt, wie altmodisch bzw. fast schon klassisch die Serie wirkt, wenn man sie mit neueren Produktionen vergleicht. Es schwingt eine gewisse Naivität mit, was Inszenierung und auch Dramaturgie angeht, die einem erst einmal bewusst werden lässt, dass seit der Erstausstrahlung bereits über 10 Jahre vergangen sind. Ich empfand das als angenehm, da das Zeitgefühl der frühen 2000er Jahre, unterstützt durch die passende Alternative-Rock-Untermalung, dadurch recht gut transportiert wird. Ist eben doch schon ein wenig her.

Was die Handlung angeht, so bekommt man das, was man auch erwartet: Coming-of-Age, Highschool, Sport, Sex und Liebe sind die beherrschenden Themen – und bilden damit auch den Rahmen für die Versatzstücke der gestreiften Genres. Erstaunlicherweise sind die jugendlichen Charaktere allesamt glaubwürdiger und besser geschrieben, als die Erwachsenen der Serie. Speziell Dan, der Vater der beiden Hauptcharaktere, wird so abgrundtief böse gezeichnet, dass es in seiner übertriebenen Klischeehaftigkeit manchmal schon unfreiwillig komisch wirkt. Dies besitzt jedoch einen erstaunlich großen Unterhaltungswert, dem man der Serie ohnehin nicht absprechen kann.

Ich für meinen Teil war bereits nach ein paar Episoden angekommen in Tree Hill. Die heimelige Kleinstadtatmosphäre, gepaart mit (größtenteils) sympathischen Charakteren und unterhaltsamen Handlungsbögen, verlockt stets weiterzuschauen – der berühmte Soap-Opera-Effekt eben, der für mich z.B. bereits bei „Brothers & Sisters“ funktioniert hat. Die erste Staffel von „One Tree Hill“ weiß glücklicherweise auch abseits ihres Guilty-Pleasure-Charmes zu unterhalten und macht Lust auf mehr: 8/10 (7.8) Punkte.

Raising Hope – Season 1

Mit „Raising Hope – Season 1“ habe ich einmal mehr eine Sitcom nachgeholt, die ich schon längere Zeit auf dem Schirm hatte. Okay, ich gebe zu, ausschlaggebend war hauptsächlich der Fokus der Handlung auf das Kind im Haushalt – und die Neugier, ob diese Prämisse besser genutzt wurde als in der Serie „Up All Night“, die ein Jahr später starten sollte…

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Schon in den ersten Minuten wird schnell klar, dass hinter der Serie die gleichen kreativen Köpfe stecken, die sich auch schon für „My Name is Earl“ verantwortlich zeigten. Ein ähnliches White-Trash-Setting, in dem die Figuren mit viel Herz und Sympathie gezeichnet werden. Die Handlung reicht von nett bis völlig abgefahren und der Humor ist doch eher speziell, was die Serie aber umso sehenswerter macht. Jeder, der die Geschichten um Earl Hickey mochte, wird wohl auch mit Familie Chance seinen Spaß haben.

Was die Handlung angeht, so zeichnet es sich schon bald ab, dass Baby Hope auch nur der Aufhänger ist und eher andere Charaktere und Gegebenheiten im Mittelpunkt stehen. Die Serie findet aber stets wieder zu ihrer Prämisse zurück, indem die Autoren Hope als moralische Instanz etablieren – für mich eine sehr gelungene Art, ein Baby als Handlungselement sinnvoll in eine Serie zu integrieren. Manchmal bringt ein Kind eben doch die positivsten Seiten der Menschen in seinem Umfeld hervor.

Auch wenn ich verhältnismäßig lange gebraucht habe, um mich in der Serie endgültig zu Hause zu fühlen, so hätte ich Familie Chance am Ende am liebsten gar nicht mehr verlassen wollen. Die Gastauftritte aller wichtigen „My Name is Earl“-Schauspieler haben zudem dazu beigetragen, dass ich mich in der Serie wirklich wohl gefühlt habe. Nach einem etwas holprigen Einstieg ein tolles, frisches Comedy-Erlebnis: 8/10 (7.7) Punkte.

Friday Night Lights – Season 5

Es ist vorbei. Mein vorerst letzter Besuch in Dillon. Während ich über die vergangenen vier Monate beinahe täglich in der texanischen Kleinstadt vorbeigeschaut habe, breitet sich nun nach der Sichtung von „Friday Night Lights – Season 5“ eine gewisse Leere aus. Das war es nun? Nie wieder an einem Training von Coach Taylor teilnehmen? Nie mehr Panthers vs. Lions? Es ist wirklich unfassbar, wie sehr mir diese Serie und ihre Charaktere ans Herz gewachsen sind. Ich hoffe nach diesem Eintrag habt auch ihr den Wunsch nach Dillon, Texas zu reisen. Es lohnt sich!

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Wie bereits in den vorangegangenen Staffeln muss man als Zuschauer auch in diesem Jahr von einigen liebgewonnenen Figuren Abschied nehmen. Bereits in der ersten Episode verlassen uns Landry, Tim und Julie – wie man es von „Friday Night Lights“ kennt, sind dies jedoch keine Abschiede für immer. Es gibt immer wieder Begegnungen mit der Vergangenheit, die glücklicherweise nie aufgesetzt und gezwungen wirken. Das damit geschaffene Serienuniversum ist glaubwürdig und wirkt in der Realität verankert. Emotional darf man sich somit auch auf einige wirklich ergreifende Szenen gefasst machen. Großartig geschrieben, inszeniert und gespielt.

Rein inhaltlich knüpft das finale Jahr in Dillon ziemlich übergangslos an die vierte Staffel an. Kein erneuter Reboot, aber auch kein Status quo. Eine konsequente Weiterentwicklung aller Handlungsstränge, die – besonders gegen Ende – für alle Figuren interessante Möglichkeiten eröffnet, was letztendlich ein absolut stimmiges Gesamtbild im Hinblick auf das Finale liefert. Für mich bildet die fünfte Staffel somit das Highlight dieser ohnehin schon großartigen Serie:

  1. „Friday Night Lights – Season 5“ (9.6 Punkte)
  2. „Friday Night Lights – Season 3“ (9.4 Punkte)
  3. „Friday Night Lights – Season 4“ (9.2 Punkte)
  4. „Friday Night Lights – Season 1“ (9.0 Punkte)
  5. „Friday Night Lights – Season 2“ (8.4 Punkte)

Zur absoluten Höchstform läuft die Serie in ihren letzten Episoden auf. Speziell das Finale ist Serienkino in Perfektion. Mitreißend, höchst emotional und allen Charakteren gerecht werdend. Dies ist umso bemerkenswerter, schaffen es die meisten Serien doch nicht ihre treuen Zuschauer mit einem befriedigenden Ende wieder in die Realität zu entlassen. Das Finale von „Friday Night Lights“ ist perfekt in jeder Hinsicht: es erzählt neue spannende Geschichten, führt alle offenen Handlungsstränge zu Ende und lässt uns Zuschauer von jeder einzelnen auch nur annhähernd wichtigen Figur Abschied nehmen. Für mich wohl das bisher beste Serienfinale, das ich jemals sehen durfte.

Es ist mir schon lange nicht mehr so schwer gefallen, von einer Serienwelt bzw. deren Charakteren Abschied zu nehmen. Ich würde sogar soweit gehen und behaupten seit „The West Wing“ keine bessere Serie gesehen zu haben. Somit reiht sich „Friday Night Lights“ in die elitäre Riege meiner Lieblingsserien ein. Ich werde sie vermissen und hoffe sehnlichst, dass Jason Katims Nachfolgeserie „Parenthood“ baldmöglichst eine entsprechende DVD-Verwertung erfährt und uns noch ein paar Jahre erhalten bleibt. Ein wirkich ganz besonders Serienerlebnis: 10/10 (9.6) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Friday Night Lights – Season 4

Mit knapp zwei Wochen Sichtungszeit hat mich „Friday Night Lights – Season 4“ noch intensiver am Leben in Dillon teilhaben lassen, als die vorhergehenden Staffeln. Ich finde es nach wie vor unglaublich, wie stark die Sogwirkung ist, die von dieser TV-Serie über High School-Football in Texas ausgeht. Das  hätte ich zuvor niemals gedacht. Doch auch die vorletzte Staffel hat bewiesen, dass man ohne Vorurteile an solch eine Serie herangehen sollte… Spoiler sind zu erwarten.

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Das vierte Jahr in Dillon, doch auch das vierte Jahr mit den Dillon Panthers? Es hatte sich ja bereits im Finale der dritten Staffel abgezeichnet, dass große Veränderungen anstehen – und das sollte sich auch bewahrheiten. Die Änderungen sind teils sogar so gravierend, dass man als Kenner der ersten drei Staffeln beinahe das Gefühl hat, in einem Reboot gelandet zu sein. Es gibt viele neue Charaktere und mit der Verlagerung des Handlungsschwerpunkts an die East Dillon High fühlt sich auch die texanische Kleinstadt anders an, als in den Staffeln zuvor. Überhaupt wird die Serie düsterer und dramatischer, bleibt dabei aber realistisch und glaubwürdig – und bindet uns Zuschauer somit noch enger an ihre Charaktere.

Trotz der Veränderungen besteht zu keiner Sekunde ein Zweifel, dass man man weiterhin „Friday Night Lights“ vor sich hat. Dies liegt vor allem natürlich an den Taylors, die weiterhin das Zentrum nahezu aller Handlungsstränge bilden. Mit Tim Riggins entwickelt sich zudem ein Charakter beständig weiter, den man bereits seit der ersten Staffel verfolgt. Weiterhin gelingt es den Autoren auch in diesem Jahr liebgewonnenen Figuren einen emotional packenden und inhaltlich zufriedenstellenden Abschluss zu gewähren. Das habe ich besser wohl noch in keiner anderen Serie erlebt, zumal die meisten Figuren auch nicht einfach weg sind, sondern weiterhin Gastauftritte haben und ihre Bedeutung für die Zurückgelassenen stets greifbar bleibt.

Mit Vince Howard und Luke Cafferty gibt es zwei neue Hauptfiguren, die sich wunderbar in die Serie einfügen und dabei doch komplett neue Wege beschreiten. Ich kannte die beiden Schauspieler zudem bereits aus Jason Katims aktuell laufender Serie „Parenthood“, in der Michael B. Jordan und Matt Lauria ebenfalls fantastisch spielen. Überhaupt sind die Schauspieler allesamt großartig und es ist für mich abermals unvorstellbar, wie Taylor Kitschs Kinokarriere mit u.a. „Battleship“ so gnadenlos floppen konnte. Sein Handlungsstrang ist einer der bewegendsten der gesamten Staffel.

Auch wenn ich das vierte Jahr in Dillon erneut großartig fand, so waren die Änderungen zu Beginn doch so einschneidend, dass ich eine gewisse Eingewöhnungszeit benötigt habe. Dennoch kann ich den Autoren nur meinen Respekt zollen, dass sie sich für solch einen mutigen Schritt entschieden haben. Für das fünfte Jahr erhoffe ich mir noch Großes und sehe dem Ende der Serie bereits jetzt mit dickem Kloß im Hals entgegen: 9/10 (9.2) Punkte.

Friday Night Lights – Season 3

Während ich diese Zeilen schreibe, weiß ich bereits dass die letzten zwei Staffeln dieser fantastischen Serie viel zu schnell an mir vorbeiziehen werden. Auch „Friday Night Lights – Season 3“ habe ich in knapp zweieinhalb Wochen verschlungen, was aufgrund der verringerten Zahl von nur 13 Episoden auch kein Wunder ist. Vielleicht gelingt es der Serie aber gerade deshalb ihre Stärken weiter auszubauen und ohne Längen eine mitreißende Geschichte zu erzählen. Spoiler sind zu erwarten.

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Im Vergleich zu den teils ein wenig absonderlich wirkenden Handlungssträngen der zweiten Staffel, fokussieren sich die Autoren im dritten Jahr wieder mehr auf die Charaktere und deren Entwicklung. Am meisten hat es mich wohl beeindruckt, wie konsequent die Geschichten einzelner Figuren zu Ende erzählt werden: die letzten Auftritte von Smash Williams und Jason Street haben bei mir einen dicken Kloß im Hals hinterlassen. Toll geschrieben, ergreifend und fantastisch gespielt – und das ohne jeglichen Anflug von Kitsch oder falscher Sentimentalität. Auch im kommenden Jahr gibt es einige Senior-Spieler, was erneut sehr emotional werden dürfte.

Auch wenn es zu Beginn ein wenig plötzlich erschien, Tami Taylor als Rektorin der Dillon High zu sehen, so war dieser Schritt in Bezug auf das Spannungsfeld zwischen Bildung und Football sowie zwischen ihr und Coach Taylor doch absolut richtig. Die Figuren entwickeln sich weiter ohne dabei ihre markanten Charakterzüge zu verlieren. Genau so müssen TV-Serien geschrieben sein und ich kann immer noch kaum glauben, dass sich solch herausragende Qualitäten gerade in einer scheinbar schnöden Football-Serie finden lassen. Hier spielen einige Faktoren zusammen, die für mich einfach funktionieren: Drehbuch, Schauspiel und Inszenierung. So will ich das sehen!

Aufgrund der nur 13 Episoden vergeht die Staffel wie im Flug. Auch das Football-Jahr ist schneller vorbei, als man glauben mag. Mit J.D. McCoy gibt es einen einen neuen Spieler, der in jeder Hinsicht für Spannungen sorgt, besonders was die Beziehung zwischen Eltern und Kindern sowie gegenseitigen Erwartungen angeht. In diesem Spannungsfeld stecken auch Lyla und Buddy Garrity, was anderen Figuren (in diesem Fall Tim Riggins) neue Möglichkeiten eröffnet. Ihr seht schon: Das Beziehungsgeflecht ist hochgradig komplex, was die Serie so spannend macht.

Für mich stellt die dritte Staffel bisher das Highlight dar. Auch wenn ich gerne wieder volle 22 Episoden gesehen hätte, so glaube ich dass die Staffel gerade durch die komprimierte Erzählweise an Qualität gewonnen hat. Das großartige Finale stellt zudem die Weichen neu und ich kann mir jetzt schon vorstellen, dass sich mit dem vierten Jahr so einiges ändern wird in Dillon. Solange die Qualität so hoch bleibt, soll es mir recht sein: 9/10 (9.4) Punkte.

Friday Night Lights – Season 2

Wieder ist es einer Serie gelungen, beinahe meine komplette Feierabendaufmerksamkeit™ auf sich zu ziehen. Die Rede ist von „Friday Night Lights – Season 2“, die ich innerhalb von nur zwei Wochen verschlungen habe. Interessanterweise war besonders die erste Staffelhälfte bedeutend schwächer als das großartige erste Jahr der Serie, was die Sogwirkung jedoch kaum beeinträchtigen konnte. Umso bedauerlicher, dass aufgrund des 2007/2008er Autorenstreiks nur 15 Episoden produziert wurden, worunter gerade die starke zweite Hälfte zu leiden hatte. Spoiler sind zu erwarten.

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Was nun folgt ist natürlich Jammern auf hohem Niveau, dennoch fand ich es schade, dass eine Serie, die sich bisher durch feine Charakterzeichnung auszeichnete, nun auf eher grobschlächtigen Pfaden wandelte – doch von Anfang an: Coach Taylor hat tatsächlich den University Football Coaching Job angenommen, was ich für eine mutige Entscheidung hielt. Das Grundgefüge der Serie wird zunächst aufgebrochen und es entwickeln sich neue Spannungen mit einer interessanten Dynamik zwischen den Figuren. Leider jedoch übertreiben es die Autoren hier teils, was dazu führte, dass ich manchmal das Gefühl hatte in einer komplett anderen Serie zu sein.

Die größten WTF-Momente hatte für mich eindeutig der Handlungsstrang rund um Landry und Tyra. Während der ersten Staffel fand ich Landrys Bemühungen um Tyra wirklich unterhaltsam. Der typisch nette Typ eben, der versucht beim heißesten Mädchen der Schule zu landen, das zudem nicht allen Highschool-Klischees entspricht. Eine nette kleine Nebenhandlung. Zu Beginn der zweiten Staffel verändert sich die Dynamik jedoch schlagartig als Landry einen Vergewaltiger erschlägt und zusammen mit Tyra dessen Leiche entsorgt. Irgendwie mochte sich dieser Handlungsstrang für mich nicht harmonisch in die Serie einfügen. Auch so manche daraus resultierenden Entscheidungen (z.B. von Landrys Vater) wirkten seltsam – besonders da nach Auflösung des Konflikts alles wieder auf den Status quo zurückkehrt.

Auch andere Handlungselemente waren teils nicht mehr so durchdacht wie im ersten Jahr, doch gab es – besonders in der zweiten Staffelhälfte – einige großartige Szenen. Besonders mochte ich wieder alle Handlungsstränge rund um Coach Taylor sowie den Charakterbogen von Smash Williams. Selbst die schwächer geschriebenen Figuren haben aufgrund großartiger Schauspieler und der unmittelbaren Inszenierung Spaß gemacht. Mit „Leave No One Behind“ gab es gegen Ende sogar noch einen waschechten 10 Punkte-Kracher, was die Tatsache des fehlenden Staffelfinales umso tragischer wirken ließ. Immer noch sehr gut, doch nach dem herausragenden ersten Jahr hätte ich mir (noch) mehr erwartet: 8/10 (8.4) Punkte.

Friday Night Lights – Season 1

Seit ich vor ein wenig über zwei Jahren erfuhr, dass sich Jason Katims (der Showrunner hinter „Parenthood“) auch für „Friday Night Lights – Season 1“ verantwortlich zeichnet, habe ich versucht an die Serie heranzukommen. Vor ein paar Monaten war es endlich soweit und in UK erschien eine preiswerte Komplettbox mit allen fünf Staffeln der Serie. Nach dem Ende von „Brothers & Sisters“ war mein nächstes Großprojekt also gesichtert…

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Auch wenn ich mich sehr auf die Serie gefreut habe, so war ich aufgrund der Thematik doch eher skeptisch. Eine Serie mit American Football als dem zentralen Thema? Nicht nur, dass ich mich nicht für American Football interessiere – nein, jeglicher im TV übertragener Massensport (allen voran Fußball) ist mir völlig fremd und lässt mich dementsprechend kalt. Kein Wunder also, dass mich die erste Episode ein wenig überforderte. In dieser stand der Sport zentral im Mittelpunkt – so kam es mir bei der Sichtung zumindest vor, wenngleich mich Julies wunderbarer Vergleich bereits hätte aufhorchen lassen müssen: ‚Moby Dick is actually the perfect metaphor for this town. The cold black sea representing the season in all its uncertainties. The magical white whale is the Holy Grail.‘

Ein paar Episoden später hatten mich die Charaktere gefesselt und spätestens nach der Hälfte der Staffel gab es kein Halten mehr. Ich war ein waschechter Fan der Dillon Pathers: Clear eyes, full hearts, can’t loose! Wer nun meint, ich hätte plötzlich meine Begeisterung für American Football entdeckt, der irrt. Das Spiel ist mir weiterhin fremd, ich verstehe die Spielzüge nicht – und doch schafft es die Serie diesen großen, aberwitzigen Zirkus auch für mich mitreißend und spannend zu inszenieren. Wie Julie in der ersten Episode korrekt festgestellt hatte, ist das Spiel für die Stadt Dillon ein völlig verklärtes und überstilisiertes Ziel. Eskapismus für die Massen. Absurd und doch auf seltsame Weise einnehmend.

In der Serie ist American Football jedoch nur das Setting für allzu menschliche Dramen. Es werden große Themenkomplexe, wie körperliche Behinderung, Sex unter Teenagern, die Beziehung zwischen Eltern und Kindern, Drogenmissbrauch, Alkoholimus usw. angesprochen, ohne dass sich diese in den Vordergrund spielen oder die Charaktere der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Wie auch „Parenthood“ ist „Friday Night Lights“ sehr dokumentarisch inszeniert: Die Kamera ist in ständiger Bewegung, Dialoge überschneiden sich und man hat als Zuschauer das Gefühl stets live dabei zu sein. Sozusagen das „The Shield“ unter den Familienserien.

Am meisten begeistert haben mich jedoch die Charaktere, die wunderbar gezeichnet sind und von denen jeder einzelne wichtig für die Serie ist. Im Zentrum stehen natürlich Coach Eric Taylor (Kyle Chandler) und seine Frau Tami (Connie Britton), die unzweifelhaft das glaubwürdigste und sympathischste Serienpaar aller Zeiten sein dürften. Einfach nur großartig geschrieben. Doch auch die anderen Hauptfiguren besitzen Tiefe und Charakter. Was die Schauspieler angeht, so hat mich wohl Taylor Kitsch am positivsten überrascht, über den in „Battleship“ und „John Carter“ ja nur geschimpft wurde. Manchmal sind Serien für Schauspieler eben das bessere Kino.

Kritikpunkte konnte ich keine finden. Inzwischen sehe ich selbst die Football-Szenen recht gerne und würde mir sogar manchmal wünschen ein wenig mehr zu verstehen. Aber vermutlich ist das auch das größte Lob, das man der Serie machen kann: mich trotz einer Thematik, für die ich mich kein bißchen interessiere, bei der Stange zu halten, ist schließlich auch eine Kunst! Ohne die Anlaufschwierigkeiten während der ersten Episoden, wäre eine 10er Wertung durchaus denkbar gewesen – aber es ist auch schön noch Steigerungspotential zu haben: 9/10 (9.0) Punkte.

Brothers & Sisters – Season 5

Bei charaktergetriebenen Familienserien fällt mir der Abschied meist noch etwas schwerer, als bei handlungsgetriebenen Shows. Auch wenn „Brothers & Sisters – Season 5“ kein perfekter Abschluss der Serie war, so werde ich die Großfamilie Walker doch sehr bei meinem abendlichen Programm vermissen. Insofern an dieser Stelle noch einmal mein Dank an Inishmore für diese Serienempfehlung! Spoiler sind zu erwarten.

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Anfangs hatte ich so meine Probleme mit dieser Staffel. Irgendwie fühlte sich die Serie nach dem Verkauf von Ojai Foods nicht mehr 100%-ig nach „Brothers & Sisters“ an. Hinzu kommt, dass etliche Charaktere (z.B. Robert und Holly) aus der Serie geschrieben wurden, was ich auch schade fand. Über den Verlauf der Staffel verkommt neben Tommy auch noch Kitty zur Nebenfigur, was die gesamte Handlung auf nur wenige Schultern verteilt – und dies kommt so manchem Handlungsstrang leider nicht immer zugute.

Kevin und Scotty adoptieren eine Tochter und bekommen unter abstrusesten Umständen in den letzten Episoden noch einen Sohn zugespielt. Das Liebesleben von Nora wird durcheinander gewirbelt – und am Ende ist ihre Jugendliebe tatsächlich der Vater von Sarah gewesen, die folglich gar keine gebürtige Walker war. Von Saul, Kitty und Tommy fange ich gar nicht erst an. Dennoch funktionieren diese Handlungsstränge irgendwie. Man kennt die Charaktere inzwischen zu gut und das ganze Drama wird einfach unglaublich unterhaltsam erzählt. Und die Schaupieler! Ich liebe Sally Field. Was werde ich diese Bande vermissen.

Wäre dies die erste Staffel gewesen, hätte ich sie wohl nicht so wohlwollend bewertet. In ihrem fünften Jahr reiht sie sich allerdings knapp über meiner ersten Begegnung mit den Walkers ein:

  1. „Brothers & Sisters – Season 3“ (8.4 Punkte)
  2. „Brothers & Sisters – Season 2“ (8.4 Punkte)
  3. „Brothers & Sisters – Season 4“ (8.3 Punkte)
  4. „Brothers & Sisters – Season 5“ (7.9 Punkte)
  5. „Brothers & Sisters – Season 1“ (7.7 Punkte)

Das Finale war leider eindeutig nicht als solches konzipiert und man kann erkennen, das einige neue Handlungsstränge aufgemacht wurden. Dennoch hat man mit Noras Monolog eine schöne Klammer geschaffen – und was gibt es Passenderes für die Walkers, als mit einer großen Familienhochzeit von der Serienwelt Abschied zu nehmen? Sie sind ja noch irgendwo da draußen, mit all ihren kleinen und großen Problemen: 8/10 (7.9) Punkte.