Der Staatsfeind Nr. 1 – OT: Enemy of the State (1998)

An manchem Filmen sieht man erschreckend deutlich, wie schnell doch die Zeit vergeht. Tony Scotts „Staatsfeind Nr. 1“ aus dem Jahr 1998 gehört unzweifelhaft zu dieser Art von Film. Dabei erinnere ich mich noch, als wäre es gestern gewesen, dass ich vor inzwischen über 15 Jahren aus dem Kino kam und mich ob der Bilderflut ein wenig überfordert fühlte. Überhaupt war mir die ganze Inszenierung zu modern und das Drehbuch zu übertrieben. Wie sieht es 2014 aus?

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Das Actionkino der späten 90er Jahre stand ganz im Zeichen von Jerry Bruckheimer. Auch in „Enemy of the State“ ist deutlich sein Einfluss spürbar, wenngleich auch die Handschrift Tony Scotts zu erkennen ist. Was mir damals noch zu modern und schnell geschnitten vorkam, wirkt heute eher zeitgemäß. Einzig an der verwendeten Technik – Computer, Mobiltelefone, Speichermedien – lassen sich die vergangenen 15 Jahre nur allzu deutlich ablesen. Und inhaltlich, ja inhaltlich hat die schöne neue Welt den Film wohl überholt:

The government’s been in bed with the entire telecommunications industry since the forties. They’ve infected everything. They get into your bank statements, computer files, email, listen to your phone calls… Every wire, every airwave. The more technology used, the easier it is for them to keep tabs on you. It’s a brave new world out there. At least it’d better be. (Gene Hackman als Brill)

Aus heutiger Sicht wirkt der Inhalt des Films somit weniger paranoid und auch nachvollziehbarer. Natürlich bleibt „Staatsfeind Nr. 1“ auch weiterhin ein recht glatt gebügelter Actionthriller, doch besitzt er weit mehr Substanz und Inhalt als so manch moderner Film des Genres. Die Schauspieler machen ihre Sache gut (Will Smith) bis sehr gut (Gene Hackman) und es ist erfreutlich zu sehen, dass selbst kleinste Nebenrollen mit bekannten Gesichtern (u.a. Jason Lee, Jack Black, Anna Gunn, Seth Green) besetzt sind.

Erstaunlicherweise hat mir „Enemy of the State“ heute deutlich besser gefallen, als noch damals vor 15 Jahren. Das Actionkino der 80er und 90er Jahre ist eben durch nichts zu ersetzen und wirkt aus heutiger Sicht angenehm klassisch. Zwei wirklich äußerst unterhaltsame Stunden – danke Tony Scott: 8/10 Punkte.

Cloverfield (2008) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Cloverfield“ am 12. September 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Auch wenn mich Gareth Edwards „Godzilla“-Verfilmung nicht 100%-ig überzeugen konnte, so hat sie mir doch enorm Lust auf weitere Monsterfilme gemacht. Was war also naheliegender als mit „Cloverfield“ erneut der Zerstörung einer Metropole durch ein gigantisches Monster beizuwohnen? Spoiler sind zu erwarten.

Cloverfield (2008) | © Paramount Pictures (Universal Pictures)

Cloverfield (2008) | © Paramount Pictures (Universal Pictures)

Im Gegensatz zu meiner ersten Sichtung von „Cloverfield“ hatte ich dieses Mal tatsächlich realistische Erwartungen, die nicht durch eine großartig effektive Marketingkampagne in den Himmel geschraubt wurden. So wusste ich bereits im Vorfeld, dass der Film, um den im Vorfeld solch ein Hype geschürt wurde, letztendlich ein simpler Monsterfilm ist. Viel bessere Voraussetzungen also, als noch bei der Erstsichtung vor sechs Jahren. Ebenso spielt die Übersättigung an Found-Footage-Filmen – eine Genrebezeichnung, die es damals noch nicht gab – dem Film in die Hände. Man kennt die Mechanismen und weiß die J. J. Abrams-Produktion heute als ikonischen Wegbereiter zu schätzen.

Bei der heutigen Sichtung hat mich die Handkamera seltsamerweise überhaupt nicht gestört. Ich mochte die beinahe 20-minütige Introsequenz sowie die folgende Non-Stop-Action. Wenn man darauf achtet, ist es auch interessant zu sehen, wie minutiös Regisseur Matt Reeves („Let Me In“) den so spontan wirkenden Film durchinszeniert hat. Schon alleine die unzähligen anderen Schaulustigen, die das Geschehen filmen, fotografieren usw. verleihen dem Setting Glaubwürdigkeit, wenngleich man sich als Zuschauer natürlich auch auf die typische Found-Footage-Dauerfilmerei einlassen muss. Für mich ist dies allerdings ein ähnlich fester Bestandteil des Genres, wie z.B. der unverwundbare Held in Actionfilmen.

Fazit

Grandios fand ich erneut das Monster sowie die Mittendrin-Atmosphäre. Gerade in diesem Setting, das man bereits unzählige Male aus der Vogelperskeptive verfolgt hat, ist solch ein intimer Blick tatsächlich ein aufregender Twist. Einzig das Finale fand ich zu vorhersehbar und generisch. Vielleicht aber auch gerade deshalb passend, da der Film bereits zuvor plötzlich von lockeren Sprüchen zu panischer Ausweglosigkeit schwenkt. Insgesamt hat mir „Cloverfield“ noch einmal deutlich mehr Spaß gemacht, als bei der Erstsichtung. Auch wenn der Film nicht perfekt ist, sollten Monsterfilmfreunde unbedingt einmal reinschauen: 8/10 Punkte.

Godzilla (2014)

Aktualisierung: Ich habe „Godzilla“ am 24. April 2021 zum zweiten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Der Mai ist noch nicht einmal vorbei – und schon habe ich es zum ersten Mal in diesem Jahr ins Kino geschafft. Unglaublich! Mit der Neuinterpretation von „Godzilla“ fiel die Wahl auf einen Film, für den sich Kino auch richtig lohnt. Mit Dolby Atmos und 3D wurde folglich auch genug Schnick-Schnack geboten, um den Preis von 12 Euro(!) zu, ähm, rechtfertigen. Die Kritiken, die ich im Vorfeld überfolgen hatten, ließen entweder den Film des Jahrhunderts oder die größte Gurke aller Zeite erwarten – die Wahrheit liegt, wie so oft, irgendwo dazwischen… Spoiler sind zu erwarten.

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Auch wenn ich zu Godzilla als Filmmonster keine besonders tiefe Beziehung habe, so erinnere ich mich doch noch gut an regnerische Sonntagnachmittage, an denen ich mich von den japanischen Originalfilmen habe berieseln lassen. An die Handlung der Filme kann ich mich nicht mehr erinnern, doch hatte ich Spaß an den Monstern und Effekten – zumindest bis ich 1993 „Jurassic Park“ im Kino sah. Auch mit Godzilla sollte ich 5 Jahre später noch eine Begegnung auf der großen Leinwand haben: Nachdem mich Roland Emmerichs „Independence Day“ 1996 in einen Actionrausch versetzte, ließ ich es mir natürlich nicht nehmen 1998 auch seine stark amerikanisierte Interpretation von „Godzilla“ zu sehen. Auch wenn der Film viel Kritik einstecken musste, so hatte ich doch Spaß mit der großen, albernen Monsterhatz. Gut 16 Jahre später wählt Gareth Edwards einen gänzlich anderen Ansatz, der das Düsterkino moderner Blockbuster, wie z.B. „The Dark Knight“, mit dem Setting und den Themen der klassischen „Godzilla“-Filme kombiniert.

Man merkt dem Film an, dass Edwards seine Vorbilder genau studiert hat. Der eröffnende Helikopterflug erinnert unweigerlich an Steven Spielbergs „Jurassic Park“ und lässt in Gedanken John Williams eingängigen Score erklingen. Welch Freude! Auch die Ankuft der Wissenschaftler an der Ausgrabungsstätte weckt diese Assoziation – herrlich altmodisch erzählt und auf Ereignisse anspielend, die ihren Schatten vorauswerfen. Auch der familienlastige Teil der Geschichte weiß anfangs zu gefallen: Bryan Cranston (Walter White, „Breaking Bad“) als Nuklearwissenschaftler, der seine Frau bei einem Unfall verliert und daraufhin manisch nach den Gründen für das Unglück sucht. Da hätte man wirklich etwas draus machen können. Leider lässt man mit ihm einen der wenigen interessanten Charaktere des Films viel zu früh (und ohne Grund oder emotionale Wirkung) sterben und verlagert den Fokus vollkommen auf seinen Sohn; dargestellt von Aaron Taylor-Johnson (Kick-Ass, „Kick-Ass“), der mit leerem Blick unter seinen Muskelbergen leider immer ein wenig dümmlich wirkt. Da ich leider nur die synchronisierte Fassung gesehen habe, mag ich aber auch nicht zu harrsch mit der Schauspielleistung ins Gericht gehen. Toll war es jedoch nicht.

Nach dem schönen Prolog ist der restliche Handlungsaufbau leider ein wenig schleppend. Auch der zweite große Handlungsstrang, der die Wissenschaftler um Ken Watanabe (in seiner Rolle leider völlig verschenkt) verfolgt, bleibt seltsam ereignislos, erinnert dabei aber stark an die Originalfilme um die Riesenechse. Ich hätte gerne mehr abenteuerliche und unterhaltsame Set Pieces gesehen, die der Film durchaus zu bieten hat (z.B. die Szenen auf der Eisenbahnbrücke), welche jedoch hinter etlichen bemüht wirkenden Dialogszenen hintenanstehen. Und jetzt komm mir keiner mit „Der weiße Hai“, „Jurassic Park“ oder ähnlichen Vergleichen, denn Spielberg spielte damals in einer ganz anderen Liga. Wenn es allerdings zur Sache geht, dann zieht Edwards wirklich alle Register und schafft unglaublich atmosphärische Bilder, die großartig komponiert sind. Die Action bleibt stets überschaubar und die Monster sind beeindruckend in Szene gesetzt. Ein audiovisueller Hochgenuss.

Insgesamt ist die 2014er Neuauflage von „Godzilla“ somit ein inhaltlich relativ flacher Actionfilm, der gerne mehr sein würde als er eigentlich ist. Wenn man über das schwache Drehbuch hinwegsehen kann und auch nicht mehr Anspruch erwartet, als bei den alten „Godzilla“-Filmen, dann sollte man sich zurücklehnen und ein mit ca. 2 Stunden Laufzeit etwas zu lang geratenes Bombastkinoerlebnis genießen. Auch wenn mir Guillermo del Toros vergleichbarer Kaiju-Klopper „Pacific Rim“ noch einmal deutlich besser gefallen hat, so haben sich mir manche Bilder des gestrigen Kinobesuchs doch eingebrannt. Kein Überflieger, aber für Monsterfreunde wirklich gute Unterhaltung: 7/10 Punkte.

World War Z – Extended Action Cut (2013)

Inzwischen ist es wirklich schwierig geworden einen Film zu sehen, ohne bereits im Vorfeld eine gewisse Meinung zu ihm zu haben. Im aktuellen Fall von „World War Z“ wusste ich bereits im Vorfeld, dass mir der Film unmöglich gefallen kann: Das komplette Missachten der Buchvorlage, die fehlende Härte und rennende Zombies hatten die Entrüstung der Genrefans befeuert – und ich war mir sicher einen deutlichen Verriss schreiben zu müssen…

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Nachdem ich erstmals von der Ankündigung des Films gehört hatte, stellte ich es mir schwierig bis unmöglich vor aus Max Brooks‘ Vorlage mit dem seltsamen deutschen Titel „Wer länger lebt, ist später tot: Operation Zombie“ eine kohärente Filmhandlung zu adaptieren. Dann kam der Trailer und schnell war klar, dass der Film nicht mehr viel mit der fiktiven Interviewsammlung gemeinsam haben würde. Die CGI-lastigen Zombie-Wellen sahen zudem albern aus und Brad Pitt als Hauptdarsteller in einem Zombie-Film ließ auch nichts Gutes vermuten. Die größtenteils vernichtenden Kritiken taten ihr Übriges, um meine Erwartungen gegen Null tendieren zu lassen. Dennoch war ich neugierig und gespannt, was Marc Forster („James Bond 007: Ein Quantum Trost“) denn aus der Vorlage gebastelt hat.

Was soll ich sagen? Ich mochte den Film. Die erste halbe Stunde fand ich sogar ziemlich großartig, da sie mich emotional komplett involviert hatte und mich nicht von der Sofakante weichen ließ. Hier wurden Erinnerungen an den Anfang von „28 Days Later“ wach, nur eben im familiären Umfeld – und mit deutlich mehr Budget. Auch den weiteren Verlauf der Handlung fand ich interessant, hat man aus Brooks‘ Vorlage doch tatsächlich nur den Titel „World War Z“ als grundlegendes Element genommen und eben auch einen Kriegsfilm inszeniert: So gibt es etliche Schauplätze, viel Action und Militärgedöns zu sehen. Eben etwas anderes, als ein klassischer Zombiefilm vermuten lassen würde.

Was die häufig kritisierte fehlende Härte angeht, so kann ich dies nicht nachvollziehen. Natürlich fehlen Ausweideszenen, doch hätte dies meiner Meinung nach auch nicht zu diesen Zombies bzw. Infizierten gepasst. Mit Blut wird – zumindest im sogenannten Extended Action Cut – dennoch nicht gespart und mich hätte vor ein paar Jahren auch eine 18er Freigabe für diesen Film nicht gewundert.

Man muss sich einmal vor Augen halten, wie sich dieses Subgenre entwickelt hat: In den 90er Jahren war es noch nahezu unmöglich ungeschnitten an irgendeinen Zombiefilm heranzukommen. Die Toten wandelten höchstens in den Schmuddelecken der Videotheken. Dann kamen die ersten Mainstream-Filme, wie Zack Snyders „Dawn of the Dead“-Remake oder Danny Boyles „28 Days Later“ – ja selbst Romero meldete sich mit „Land of the Dead“ zurück. Und heute? Heute findet man die TV-Serie „The Walking Dead“ ungeschnitten im DVD-Regal, die grafisch härter ist als alles, was man in den 80er Jahren auf den Index gestellt hat. Und nun eben ein Big Budget-Zombiefilm mit Brad Pitt in der Hauptrolle. Für einen kleinen Teil von mir ist dies auch heute noch vor allem eines: unfassbar!

Wie man es auch dreht und wendet: Ich hatte großen Spaß mit „World War Z“. Der Film ist sicher nicht perfekt und ab dem Mittelteil oft auch unsauber in seiner Dramaturgie. Mit den Zombie-Wellen wird es teils auch übertrieben und das Quasi-Happy-End kommt auch zu plötzlich. Dennoch kann ich die große Schelte absolut nicht nachvollziehen und kann den Film tatsächlich selbst Genrefreunden empfehlen. Lasst euch nicht verrückt machen und schaut, wie weit es eure Zombies in Hollywood gebracht haben: 7/10 Punkte.

Man of Steel (2013)

Auch wenn mich der Film nie so wirklich interessiert hat, wurde ich nun doch schwach und habe mir Zack Snyders „Man of Steel“ angesehen. Superman und ich sind bisher keine großen Freunde. Auch mit Zack Snyder habe ich so meine Schwierigkeiten. Keine sonderlich guten Voraussetzungen – auch wenn der Trailer, der letztes Wochenende vor „Battleship“ lief, schon verdammt gut aussah. Und was hatte der Film selbst nun zu bieten?

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In meiner damaligen Besprechung zu Bryan Singers „Superman Returns“ hatte ich mir noch eine echte Modernisierung im Stile von „Batman Begins“ gewünscht. Diese habe ich nun auch bekommen. So irgendwie. Zumindest werden sich dies Zack Snyder, David S. Goyer und Christopher Nolan wohl gedacht haben. Auch mag es sein, dass sie die Comics – ich selbst kenne sie nicht – perfekt auf die Leinwand transportiert haben. Selbst wenn das alles so ist, komme ich doch nicht umhin festzustellen, dass der Film komplett an meiner Vorstellung von Superman (die zugegebenermaßen größtenteils durch Jerry Seinfeld und „Die Abenteuer von Lois & Clark“ geprägt wurde) vorbeigeht.

Während der ersten 20 Minuten wusste ich nicht, ob ich weinen oder lachen soll. Da steht doch tatsächlich ein bärtiger Russell Crowe, der in gnadenlosem Overacting überkandidelte Dialoge von sich gibt. Als seltsam kostümiertes Alien-Mensch-Wesen. Achja, auf einen Flugdrachen springt er auch noch. Durch die von Pathos geschwängerte Ernsthaftigkeit der Inszenierung wirkt das alles einfach nur befremdlich – dabei bin ich eigentlich immer für Sci-Fi, Monster und Fantasyelemente zu haben.

Dann befinden wir uns auf der Erde und der Film wird in meinen Augen richtig gut. Clark Kent muss sich selbst finden und wir bekommen Rückblenden in seine Kindheit zu sehen. Sonnendurchflutete Bilder einer Farm in Kansas, Kevin Costner als Ziehvater und erste Heldentaten. So hatte ich mir das vorgestellt! Auch das erste Auftreten von Lois Lane fand ich gelungen. Zwischen Henry Cavill, der einen wirklich guten Superman abgibt, und Amy Adams entsteht tatsächlich eine gewisse Chemie, auch wenn die Szenen der beiden viel zu knapp bemessen sind und – was ich extrem schade fand – nie ein Geheimnis um die Identität Supermans gemacht wird.

Ab der Hälfte des Films tritt dann Michael Shannon als General Zod auf den Plan, der Crowes Overacting fortführt und viel Alien-Trara veranstaltet. Auf mich wirkte das auch inhaltlich unglaublich billig, vermutlich weil Snyder diese Elemente so bedeutungsschwanger inseniert hat. Zudem wird jeder Hauch einer Zweideutigkeit eliminiert, da wirklich jeder Charakter meint, den Zuschauern durch ein Substitut auf der Leinwand alles haarklein erklären zu müssen. Langweilig! Ebenso wie die Action, die zwar toll anzusehen, letztendlich aber ermüdend redundant ist.

Die beste Einstellung folgt übrigens in einer Rückblende kurz vor dem Ende, als der junge Clark Kent in einem selbstgebastelten Umhang vor seinen Zieheltern posiert. Diese ist übrigens bereits im Trailer zu finden. Auch die Daily Planet-Szene nach dem Finale macht Lust auf mehr, doch war die Zerstörungsorgie davor einfach zuviel, so dass ich selbst in einer Fortsetzung wohl nicht mehr unbefangen an diese Art von Superman anknüpfen könnte.

All dies liest sich nun vermutlich extrem negativ, doch hatte ich durchaus Spaß mit dem Film. Leider hatte ich zu oft das Gefühl, dass man mit nur kleinen Änderungen am Drehbuch so viel mehr hätte erreichen können. Potential ist auf jeden Fall vorhanden und teils zaubert Snyder wahrlich tolle Bilder auf die Leindwand, doch dann taucht wieder General Zod auf und gestikuliert wild herum. Für mich ungefähr auf einem Level mit Bryan Singers 2006er „Superman Returns“ – nur mit ganz anderen Stärken und leider ebenso vielen Schwächen: 6/10 Punkte.

Battleship (2012)

Kennt ihr das? Manchmal schwört man sich Filme nie zu sehen, nur um dann in einem schwachen Moment doch einzuknicken. Peter Bergs „Battleship“ ist da so ein Kandidat. Schon alleine dass es sich um eine Verfilmung des Brettspieles „Schiffe versenken“ handelt, lässt mich verzweifelt mit dem Kopf schütteln. Von den miserablen Kritiken einmal ganz zu schweigen. Warum nur konnte ich meine Finger dann doch nicht von dem Film lassen?

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Neulich hatte ich mir noch einmal den Trailer angesehen, weil ich wissen wollte wie Taylor Kitsch in dem Film wirkt, der mich in jeder Episode von „Friday Night Lights“ (FNL) aufs Neue begeistert. Plötzlich sehe ich da auch Jesse Plemons, der in der Football-Serie ebenfalls eine der Hauptrollen besetzt, mich zudem als fieser Todd in „Breaking Bad“ überzeugt hat und in „Star Wars VII“ die Hauptrolle spielen soll. Dann fällt mir noch auf, dass Regisseur Peter Berg ja ebenfalls bei FNL hinter der Kamera stand und als Produzent tätig war. Schon war meine Neugierde geweckt – und das obwohl der Trailer nur nach Krawall-Action aussah.

Die ersten paar Minuten fand ich wirklich herrlich: Taylor Kitsch als Verlierertyp mit langen Haaren könnte direkt FNL entsprungen sein. Tim Riggins wie er leibt und lebt. Leider nur ohne dessen Charme. Nach der Verwandlung zum 08/15-Actionhelden hatte ich auch schon beinahe wieder vergessen, was mich eigentlich an dem Film gereizt hatte. Schon unglaublich, wie viel ein gutes Drehbuch für einen Schauspieler ausmachen kann. Wirklich schade, dass Kitsch bisher nur Kinoflops hatte – obwohl ich ihn in „John Carter: Zwischen zwei Welten“ ja wirklich gut fand. Eigentlich kann er mehr, wie er in FNL beständig bewiesen hat.

Abseits von den Schauspielern bietet der Film einige Schauwerte, laute Actionszenen und doofen Humor. Ich hatte dabei meinen Spaß, wusste aber in jedem Moment, dass dieser nicht anhalten wird. Über kurz oder lang stellten sich erste Ermüdungserscheinungen ein und die unzähligen Explosionen haben angefangen mich zu langweilen. Wer nun am Ende welches Schiff zerstört, war im Prinip auch egal. Viel Bumm, wenig Hirn. Noch weniger Herz.

Letztendlich fand ich „Battleship“ auch nicht doofer als die anderen Krawall-Actioner da draußen, aber auch nicht gelungener. Das Design der Alien-Schiffe fand ich launig, das der Aliens selbst dagegen unglaublich mies. Über Jesse Plemons hatte ich ich mich in jeder Szene gefreut und am Ende war der Film dann eben irgendwann vorbei. Unterhaltsam, aber auch schon wieder vergessen. Eben am unteren Ende des Durchschnitts: 5/10 Punkte.

Pacific Rim (2013)

Momentan lese ich – zumindest sporadisch wenn es die Zeit erlaubt – das wunderbare „Cabinet of Curiosities: My Notebooks, Collections, and Other Obsessions“ über Guillermo del Toros filmisches Schaffen. Mein Interesse für den Regisseur befindet sich zurzeit folglich auf dem Höhepunkt, was meine Vorfreude auf „Pacific Rim“ nur noch weiter anfeuerte. Heute war es dann endlich soweit. Ob mich der Film trotz der durchwachsenen Kritiken begeistern konnte, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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„Pacific Rim“ ist wahrlich der bildgewordene Big-Budget-Traum eines jeden Jungen. Riesige Roboter kloppen sich mit fantastischen Monstern. Während des Prologs bekam ich den Mund vor Staunen gar nicht mehr zu. So viele Details, so viele Bilder, so viel zu entdecken. Selten hätte ich mir mehr gewünscht einen Film auf der großen Leinwand gesehen zu haben. Es gelingt Guillermo del Toro unglaublich gut diese Welt lebendig und, bei aller Überzogenheit, glaubwürdig erscheinen zu lassen. Endlich einmal wieder eine originäre Mythologie – selbst wenn diese nur aus Versatzstücken bereits bekannter Werke besteht. Bravo!

Für kleine und große Jungs ist der Film folglich bereits aufgrund seiner Monster und Roboter eine Erfahrung. Wer als Kind auch gerne mal mit Actionfiguren gespielt hat und sonntagnachmittags den einen oder anderen „Godzilla“-Streifen im Privatfernsehen verfolgte, bei dem dürfte der Film ohnehin schon gewonnen haben. Leider können die Charaktere nicht mit der liebevoll austaffierten Welt mithalten, denn weder Konflikte, Entwicklungen oder Dialoge sind hier der Rede wert. Dies schadet dem Unterhaltungswert von „Pacific Rim“ zwar kaum, doch hätte mit ein wenig mehr Feinschliff am Drehbuch noch ein deutlich besserer Film entstehen können.

Unter den unzähligen überladenen Effektfilmen der vergangenen Jahre wüsste ich keinen, der unterhaltsamer und sympathischer wäre, als Guillermo del Toros Ausflug in die Spielzimmer unserer Kindheit. Ein Film, der Charlie Day („It’s Always Sunny in Philadelphia“) als verrückten Wissenschaftler besetzt, kann auch gar nicht so verkehrt sein. Keinesfalls perfekt und möglicherweise schon bald wieder vergessen, doch für zwei Stunden einfach nur wow! Davon dürfte gerne ein Sequel kommen: 8/10 Punkte.

Die Herrschaft des Feuers – OT: Reign of Fire (2002)

Es gibt Filme, die sowohl bei den Kritikern durchfallen, als auch beim Massenpublikum schlecht ankommen – und dennoch schaue ich sie mir immer wieder gerne an. Zu diesen Filmen gehört auch „Die Herrschaft des Feuers“, der mich nun schon seit ca. 10 Jahren stets wieder vor den Bildschirm lockt. Warum ist das so? Und konnte mich Rob Bowmans Genremix auch bei der inzwischen dritten oder vierten Sichtung überzeugen?

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Mich hatte damals die Idee des Films begeistert: Drachenkämpfe in der Moderne. Wahnsinn! Das Filmposter versprach auch viel Action, was wohl für die größten Enttäuschungen sorgte: Entgegen der Erwartungen zeigt „Reign of Fire“ nicht den Kampf der Menschheit gegen die Drachen, sondern die Zeit danach. Die Erde ist verwüstet und letzte Überlebende versuchen in einem Endzeit-Setting, das „Mad Max“ Konkurrenz machen könnte, zu überleben. Ab und zu schaut auch ein Drache vorbei, doch die erwartete Helikopter vs. Drachen-Action beschränkt sich auf ein paar wenige – und deshalb vermutlich umso effektivere – Szenen.

Wie bei den meisten Geschichten, die eine kleine Gruppe Überlebender ins Zentrum stellen, welche gegen eine Bedrohung von außen (seien es nun Zombies oder Drachen) kämpfen müssen, stehen die zwischenmenschlichen Konflikte im Mittelpunkt. Christian Bales Charakter Quinn muss sich schon bald mit dem cowboyhaften Drachentöter Denton Van Zan (großartig verkörpert von Matthew McConaughey) herumschlagen, der eine ganz eigene Agenda verfolgt. All dies ist kein großes Drama, doch hat mir das Setting und die Dynamik zwischen den Figuren wirklich gut gefallen.

Was die Geschichte angeht, so wirkt sie teils nicht sonderlich durchdacht und oft ein wenig konstruiert. Sei es drum. Die Drachen sind absolut spektakulär und fantastisch in Szene gesetzt. Die Dialoge bewegen sich eher auf B-Movie-Niveau, doch gibt es immerhin ein paar schöne Oneliner. Außerdem kann wohl niemand einem Film böse sein, in dem Christian Bale und Gerard Butler in schlecht sitzenden Kostümen und mit Holzlichtschwertern einer Horde von Kindern „Star Wars“ vorspielen, da es in dieser Zukunft keinerlei Unterhaltungsmedien mehr gibt.

„Die Herrschaft des Feuers“ mag kein perfekter Film sein, doch kann ich die teils vernichtende Kritik absolut nicht nachvollziehen. Wer Drachen, Endzeit und „Star Wars“ mag, der sollte unbedingt einmal reinschauen. Ein originelles Konzept, das leider nur bedingt aufgeht – und mir dennoch bei jeder Sichtung viel Freude bereitet: 7/10 Punkte.

James Bond 007: Skyfall (2012)

Aktualisierung: Ich habe „James Bond 007: Skyfall“ am 3. März 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Nachdem mir „Ein Quantum Trost“ ein wenig die Lust auf den britischen Geheimagenten genommen hatte, stand „James Bond 007: Skyfall“ für gut acht Monate unangetastet im Regal. In dieser Zeit hatte ich immer mal wieder über den Film gelesen und von ihm gehört, doch so richtig konnte ich mich nie zu einer Sichtung aufraffen. Heute jedoch war ich bereit – und gespannt, was Sam Mendes aus der klassischen Filmfigur herausholen würde…

James Bond 007: Skyfall (2012) | © Warner Bros (Universal Pictures)

James Bond 007: Skyfall (2012) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Von Beginn an fällt auf, dass man es nicht mehr mit dem durch und durch gebrochenen Bond des Vorgängers zu tun hat. Dieser James Bond lässt sogar ab und zu ein paar Oneliner fallen. Wer hätte das bei Daniel Craig für möglich gehalten? Überhaupt fühlt man sich sofort an die klassischen Bond-Filme erinnert: seien es die internationalen Schauplätze, die wilden Verfolgungsjagden oder der comichafte Bösewicht – James Bond scheint seine Wurzeln wiedergefunden zu haben. Sam Mendes sei Dank!

Doch ist dies nur die eine Seite der Geschichte: Neben den klassischen Action-Set-Pieces gibt es tiefergehende Handlungselemente. So überzeichnet und theatralisch Bösewicht Silva (grandios verkörpert von Javier Bardem) auch sein mag, so ist es nicht sein Ziel die Weltherrschaft an sich zu reißen – nein, er besitzt rein persönliche Motive. Auch die Spannungen zwischen M und Bond sind eher auf der Beziehungsebene, als im professionellen Rahmen verankert. Gegen Ende zaubert Mendes sogar noch so etwas wie eine Origin-Story für unseren 007 aus dem Hut. Ein Stilbruch, der im Rahmen des Films aber durchaus erfrischend wirkt.

Im Vergleich mit den bisherigen Daniel Craig-Bonds schlägt sich „Skyfall“ auf jeden Fall sehr gut – nach aktuellem Stand würde ich ihn sogar als neuen Favoriten, knapp vor „Casino Royale“ sehen:

  1. „James Bond 007: Skyfall“
  2. „James Bond 007: Casino Royale“
  3. „James Bond 007: Ein Quantum Trost“

Fazit

Auch wenn die Bond-Reihe wohl nie zu meinen Lieblingsfranchises zählen wird, so bin ich doch hoch erfreut in welche Richtung sie sich entwickelt. Nachdem Sam Mendes mit den schwermütigen – und damals zugegebenermaßen erfrischenden – Altlasten aufgeräumt hat, könnte der nächste Bond nach diesem Bindeglied tatsächlich die 70er/80er Jahre aufleben lassen. Schließlich ist Retro zurzeit ja angesagt. Ich würde mich freuen: 8/10 Punkte.

The Last Stand (2013)

Mein erster Film im Jahr 2014! Das wurde auch Zeit. Was bietet sich für mein Comeback als Filmblogger also besser an, als das Comeback der 80er Jahre Action-Ikone Arnold Schwarzenegger zu besprechen? Kim Jee-Woons „The Last Stand“ musste im vergangenen Jahr viel Schelte einstecken, was meine Erwartungen auf ein Minimum reduzierte, konnte ich doch schon mit der Sylvester Stallone-Variante „The Expendables“ eher wenig anfangen…

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Jee-Woon verbindet in seinem ersten amerikanischen Film modernes und klassisches Actionkino. Aufbau der Geschichte, das Setting und die Charaktere sind altbekannt. Ich hatte großen Spaß daran Arnie als alternden Sheriff im ruhigen Summerton Junction zu begleiten. Hier wird nicht, wie bei Stallone, versucht nahtlos an die vorangegangene Karriere anzuknüpfen – nein, es wird offensiv damit umgegangen, dass Sheriff Owens bereits seine besten Tage hinter sich hat. Fand ich sympathisch, wenngleich natürlich auch Arnie im Finale ungeahnte Kräfte entwickeln darf. Dennoch für mich die deutliche gelungenere Variante einen Mythos wiederzubeleben.

Modern ist dagegen eindeutig die Inszenierung: da gibt es wilde Kamerafahrten, schnelle (wenn auch nicht hektische) Schnitte und leider auch viel CGI. Insgesamt eine durchaus brauchbare Mischung, wenngleich ich mich wirklich fragen muss, wer denn die miese Ausleuchtung auf dem virtuellen Brückenset verbrochen hat. Hallo Greenscreen! Hätte man nicht irgendwo in der Wüste diese Brücke bauen können? Hat bei mir leider einen äußerst faden Beigeschmack hinterlassen – und das ausgerechnet im Finale!

Schauspielerische Höchstleistungen sind natürlich nicht zu erwarten. Ich fand es nett Zach Gilford zu sehen, der mich zurzeit in der Serie „Friday Night Lights“ begleitet, ebenso mag ich Peter Stormare in nahezu jeder Rolle und Forest Whitaker hat beinahe 1:1 seinen Charakter Jon Kavanaugh aus „The Shield“ aufleben lassen. Herrlich! Angenehm fand ich auch die durchaus vorhandene Härte, wenngleich man die NRA-freundliche Waffenshow natürlich eher kritisch betrachten sollte. Aber das war in den 80er Jahren schließlich auch schon so – und immerhin nimmt sich der Film oft nicht sonderlich ernst, was auch die Logiklöcher nicht ganz so klaffend wirken lässt.

„The Last Stand“ ist sicher nicht die große Offenbarung, doch wer Lust auf ein Arnie-Comeback hat, der verlebt mit dem geradlinigen Actioner auf jeden Fall 100 unterhaltsame Minuten. Ich hatte meinen Spaß und vergebe die folgende Wertung mit knapp einem Symapthiepunkt – der alten Zeiten willen: 7/10 Punkte.