Video Kings

Sneak Preview. Seit langem einmal wieder. Überall wird zurzeit anscheinend Tarantinos „Death Proof“ gesneakt. Nur nicht in Nürnberg. Dafür gab es im Vorfeld der Sneak wieder einmal eine lustige Verlosung. Dieses Mal – dank „König der Wellen“-Promotion – mit Glücksfee im Pinguinkostüm. Bei dieser hat der Zukünftige meiner Schwester doch tatsächlich den „Death Proof“-Soundtrack abgegriffen. Das Highlight des Kinoabends. Dann wurde es dunkel und es erschien das Gesicht von Fabian Busch auf der Leinwand. Ein deutscher Film. Der Titel: „Video Kings“. Nicht „Death Proof“.

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Normalerweise bin ich deutschen Filmen gegenüber eher patriotisch eingestellt. So hätte ich z.B. supergerne „Beste Zeit“ – den neuen Film von Marcus H. Rosenmüller – gesehen. In der Sneak habe ich bis jetzt allerdings nur äußerst schlechte Erfahrungen mit dem deutschen Film gemacht. Leider ist „Video Kings“ hier keine Ausnahme. Eher das Paradebeispiel. Ich nehme die Spannung gleich einmal vorweg und verkünde, dass sich „Video Kings“ als mein schlechtestes Sneakerlebnis – knapp hinter „Kevin und Perry tun es“ – einordnen lässt. Warum das so ist, versuche ich Folgenden zu erläutern.

Der Film ist auf DV gedreht. Mag ich im Kino schon einmal überhaupt nicht sehen. Es sei denn, es dient dem Film stilistisch. Oder es ist aufgrund von Budgetgründen nicht anders zu lösen. Hier ist beides nicht der Fall. Der Look wirkt billig und äußerst amateurhaft. Das Budget hat zudem anscheinend für große Namen gereicht. Anders kann ich mir das Mitwirken teils wirklich guter Schauspieler nicht erklären. Am grandiosen Drehbuch kann es nämlich nicht gelegen haben.

Gerne würde ich nun die Handlung von „Video Kings“ erzählen. Geht aber nicht. Irgendwie geht es um Flo. Der arbeitet mit Hotte in einer Videothek. Flo liebt eine Frau und hat Geldprobleme. Dann gibt es noch bescheuerte Traumsequenzen und Engel. Achja, Til Schweiger nicht zu vergessen. Die meiste Zeit hängen Flo und Hotte in der versifften Videothek rum. Das ganze ist dann auch genauso langweilig, wie es sich anhört.

Der Clou an dem Film sollen wohl die unzähligen Filmnennungen im Voice-over der Hauptfigur sein. Einem – welch Überraschung – Filmfreak. Diese sind aber so platt und aufdringlich eingebaut, dass es beinahe schon peinlich ist. Beispiel gefällig? ‚Vielleicht sollte ich die rote Pille schlucken… so wie in „Matrix“.‘ Maßlos übertriebene Betonung natürlich auf den Filmtitel. Gefehlt hätte nur noch: ‚Ja, dies ist eine Anspielung auf „Matrix“. Rote Pille und so, ihr wisst schon…‘ Wenn ich Filmreferenzen inflationär nutze, dann muss man seinem Zielpublikum doch wenigstens etwas den Spaß am Entdecken lassen – und dann noch bei solch einem Allerweltsfilm, wie „Matrix“. Die restlichen Anspielungen (Don Corleone aus „Der Pate“ etc.) sind nicht besser. Ich habe mich teils schon peinlich berührt im Kinosessel gewunden.

All diese Filmreferenzen wirken so, als hätte ein Schüler mit seinen Freunden einen Film gedreht, in dem er möglichst all seine Lieblingsfilme unterbringen wollte. Besonders amateurhaft wirkt das Herumreiten auf der Genialität von „Memento“. Wieder solch ein peinlicher Moment. Auf der gleichen Schiene fährt der Soundtrack. Stets ansprechende Mucke – SNUFF, NERF HERDER, BEATSTEAKS etc. – doch so eingesetzt, dass man genau gemerkt hat, hier wollte nur jemand seine Lieblingssongs unterbringen. Wieder peinlich und wieder wie in einem Amateurfilm.

Was ich wirklich nicht verstehe: Wie haben sich Til Schweiger, Bela B. Felsenheimer, Wotan Milke Möhring, Fabian Busch, Oliver Korittke und Peter Thorwarth nur zu einer Mitarbeit überreden lassen? Ist an dem Film etwas dran, das mir völlig entgangen ist? Wie kann es solch ein Film auf die Leinwand schaffen? Spätestens jetzt weiß ich zumindest, dass es die  Jungs von filmtrip.de mit ihrer „Mitfahrgelegenheit“ (AT) garantiert auf die große Leinwand schaffen werden, da sie den Mangel an Prominenz locker mit Talent wettmachen werden.

Wenn „Video Kings“ ein Film ohne Stars und sinnlos eingesetzte VFX gewesen wäre, den ein paar Freunde an ihren freien Wochenenden gedreht hätten, könnte ich über so manchen Mangel hinwegsehen. Mit dieser geballten Starpower und offensichtlichen Mitteln, bleibt allerdings nur Kopfschütteln: Nee, das war ja wohl einmal gar nichts.

„Video Kings“ will lustig, kultig und hip sein. Er wirkt dagegen einfach nur trashig – und das meist nicht einmal auf charmante Art und Weise. Der Soundtrack mach Spaß. Das Drehbuch ist dagegen für die Tonne. Fast schon an der Schmerzgrenze. Selbst für die Sneak: 2/10 Punkte (1 für Hottes Frisur, 1 für den peinlichen – aber doch irgendwie witzigen – Gastauftritt von Til Schweiger).

Die Zeitmaschine – OT: The Time Machine (1960)

Wie nach der Sichtung der Neufassung angekündigt, habe ich mir zum Vergleich noch einmal George Pals „Die Zeitmaschine“ angesehen. Diese gestrige Sichtung werde ich wohl noch länger in Erinnerung behalten, da sich zu den stroboskobartigen Effekten der Zeitreise die stroboskobartigen Effekte eines Gewitters gesellt hatten. Film in der dritten Dimension sozusagen. Wer braucht da schon ein 3D-Kino?

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Natürlich sind mir bei der gestrigen Sichtung besonders die Unterschiede zur Version von Simon Wells aufgefallen – und derer gibt es gar viele. Interessant fand ich, dass die Qualitätskurve der beiden Filme nahezu gleich ist – wenn auch auf gänzlich unterschiedlichem Niveau. Auch bei George Pal konnten mich besonders die Szenen vor dem Auftauchen der Morlocks mitreißen. Die Einleitung ist grandios erzählt und die Zeitreisen gefallen mir – trotz veralteter Tricktechnik – noch um einiges besser als in der 2002er Version. Der Kampf in der Höhle ist meiner Meinung nach auch hier der schwächste Teil des Films, wenngleich er auch nie den qualitativen Abgründen des Remakes nahe kommt. Zusammenfassend kann man sagen, dass Pals Adaption die von H.G. Wells Urgroßenkel in jeder Hinsicht meilenweit schlägt.

Der größte Unterschied der beiden Filme zeigt sich in der Motivation des Zeitreisenden: Hat er bei Simon Wells rein persönliche Gründe, so sucht er bei George Pal gerade einmal nach einer Lösung für die Probleme der Menschheit. Dadurch bekommt der Film eine ganz andere Tragweite. Eigentlich sollte man meinen, dass man sich mit dem pesönlichen Verlust von Alexander Hartdegen (2002)  eher identifizieren könnte, als mit dem wissenschaftlichen Ehrgeiz von George (1960) – doch mitnichten. Durch die Erzählstruktur mit umschließender Klammer und das daraus resultierende Voice-over ist man viel näher mit dem Zeitreisenden verbunden und kann seine Motivation besser nachvollziehen.

Es gibt unzählige weitere Beispiele, warum die 1960er Fassung der von 2002 überlegen ist. Um nur ein paar zu nennen: Die Masken der Morlocks, die Darstellung der Eloi, das komplexere Verhältnis von Eloi und Morlock etc. Man sieht, wer als deutlicher Gewinner aus diesem Rennen geht. Im Nachhinein müsste ich die Neufassung wohl auch abwerten.

Auch für sich betrachtet kann „Die Zeitmaschine“ heute noch in allen belangen überzeugen. Eine fantastische Ausstattung trifft auf den Sci-Fi-Charme der 60er Jahre. Wer sich auch nur etwas für den phantastischen Film interessiert, sollte George Pals Version der H.G. Wells-Geschichte zum Pflichtprogramm zählen: 9/10 Punkte.

The Time Machine (2002)

Das Original „Die Zeitmaschine“ von George Pal ist mir aus frühester Kindheit noch in dunkler Erinnerung. Besonders die Begriffe Eloi und Morlock haben sich mir ins Gedächtnis gegraben. Ansonsten weiß ich nicht mehr viel von dem Film. Gestern habe ich mir – krankheitsbedingt – nun die Zeit genommen und die Adaption von 2002 gesehen: Simon Wells „The Time Machine“. Trotz durch die Bank schlechter Kritiken wollte ich mir auf jeden Fall selbst eine Meinung bilden, da die Vorraussetzungen gar nicht so schlecht waren: Regie führte nämlich Simon Wells, Urgroßenkel des Autors H.G. Wells. Dieser dürfte demnach an einer äußerst werkgetreuen Umsetzung des Stoffs interessiert gewesen sein.

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Der Film beginnt auch recht gelungen. Das viktorianische London ist mit viel Liebe zum Detail inszeniert und auch die Umsetzung der Geschichte weiß zu gefallen. Ich war hier sehr positiv überrascht. Die erste Zeitreise kommt dann etwas plötzlich. Hier hätte ich mir mehr etwas mehr Vorbereitung gewünscht. Die zweite Zeitreise wird dann grandios visualisiert und ist dementsprechend mitreißend. Einzig die Zwischenstops erscheinen mir etwas gehetzt, was aber wohl teils erschwerten Produktionsbedingungen zuzuschreiben ist. Die Museumsszene mit Vox finde ich allerdings wirklich gelungen. Kurze Zeit später findet sich unser Zeitreisender auch schon 800.000 Jahre in der Zukunft wieder. Seiner letzten Station.

Auch diese letzte Station ist aufwengig gestaltet und kann von der Geschichte überzeugen – zumindest bis die bösen Morlocks die Bühne betreten. Diese sind der Multimillionendollarproduktion absolut unwürdig und wirken wie einem B-Movie entsprungen. Auch die Handlung wird hier billigen Actionsequenzen geopfert. Mit dem Auftritt von Jeremy Irons als Über-Morlock rutscht der Film dann gänzlich in die Schwachsinnigkeit ab. Zwar immer noch ansehbar, aber es ist nichts mehr vom Charme der ersten Filmhälfte vorhanden. Wirklich schade.

Man merkt dem Film – besonders in den letzten Minuten – deutlich an, dass es Schwierigkeiten bei der Produktion gab. Nicht nur wurde in letzter Sekunde der Regisseur ersetzt, es musste mit einem Schauspielerstreik gekämpft werden und eine aufwändige Szene – die Zerstörung von New York – wurde nach dem 11. September aus dem Film geschnitten. Diese und weitere Faktoren haben dem Film bestimmt viel genommen, was schade ist, da sich durchaus Potential bemerkbar gemacht hat.

Insgesamt bleibt von „The Time Machine“ ein zwiespätiger Eindruck zurück. Für Zeitreisefreunde kann ich dennoch eine Empfehlung aussprechen. Man sollte nur nicht zu viel erwarten. Ich werde demnächst auf jeden Fall eine Sichtung der 1960er Version nachschieben. Hierfür gibt es knappe 6/10 Punkte.

Bubba Ho-Tep (2002)

Nach etlichen Jahren hat es „Bubba Ho-Tep“ nun endlich auch bei uns auf DVD geschafft. Der Film wurde mit vielen Vorschusslorbeeren bedacht und hat dann doch viele Zuschauer enttäuscht. Was soll man auch erwarten von einer Geschichte, in der ein schrumpliger Elvis Presley und ein schwarzer John F. Kennedy eine seelensaugende Mumie in einem Altersheim jagen? Vermutlich eine Horrorkomödie im „Evil Dead“-Stil, zumal Bruce Campbell der große Name in der Produktion ist.

„Bubba Ho-Tep“ lässt sich allerdings nicht so leicht in eine Schublade stecken. Ist er ein Horrorfilm? Eine Komödie? Gar ein Drama? Erstaunlicherweise ist der Film tatsächlich oft näher am Drama, als an den anderen Genres. Das hat mich wirklich erstaunt und wurde von den meisten Zuschauern wohl auch nicht so erwartet und dementsprechend skeptisch aufgenommen. Ich war jedoch von Anfang an gefangen von der dichten Atmosphäre, sowie der Betrachtung des Alters durch die Augen des dahinsiechenden Elvis Presley. Teils – trotz derber Sprache – fast schon poetisch und wirklich ergreifend.

Die Geschichte um die Mumie – und damit der Horroranteil – dient eigentlich nur als Funke, die den letzten Lebenswillen der beiden geschichtsträchtigen Helden entfacht. Ihr Dasein bekommt wieder einen Sinn. Etwas, das den meisten alten Menschen in solchen Heimen wohl abgeht. Man kann sich – auch durch die Visualisierung der Erinnerungen – gut in Elvis hineinversetzen und ist sich des Verlusts der Jugend bewusst. Dieser Sehnsucht nach längst vergangener Zeit. Hier steckt weit mehr in „Bubba Ho-Tep“, als sich auf den ersten Blick vermuten ließe.

Neben den ruhigen, emotionalen Szenen gibt es dennoch genügend Albernheiten. Allein die beiden Hauptcharaktere sind so absurd, dass es eine wahre Freude ist. Ihre Erklärungen für das Auftauchen der Mumie und die dementsprechenden Nachforschungen sind teils irre komisch. Der Kampf gegen die Mumie ist dann noch auf typische B-Movie-Art inszeniert und verbreitet trotz offensichtlichem Gummianzug mehr Charme, als jegliches CGI-Gewitter. Dabei wird der Film von einem fantastischen Score unterstützt, der wirklich ins Ohr geht.

„Bubba Ho-Tep“ hat sich als viel mehr entpuppt, als ein simpler Horrorfilm. Er besitzt Tiefe und echten Charakter. Teils regt er sogar zum Nachdenken an. Sicherlich gibt es einige budgetbedingte Abstriche zu machen und die Dramaturgie könnte etwas ausgefeilter sein, doch all das trübt den Spaß nicht im Geringsten. Wer Freude an skurrilen Geschichten hat, sollte auf jeden Fall einmal im Altersheim von Elvis reinschauen: 8/10 Punkte.

Poseidon (2006)

Wolfgang Petersen. Der alte Mann und das Meer. Seine Wiederbelebung der „Poseidon“ bildet den Abschluss seiner Meerestrilogie, die 1985 so furios mit „Das Boot“ eingeläutet wurde. Ich mag das Meer. Ich mag Filme, in denen das Meer beinahe schon ein eigener Charakter ist. Leider ist es in „Poseidon“ auch der einzige interessante Charakter.

Petersen hechelt in „Poseidon“ alle Stationen ab, die man von solch einem Katastrophenfilm erwartet: Die Charaktere werden eingeführt, die Katastrophe bricht los, die bekannte Gruppe wird isoliert, es kommt zu Verlusten, Menschen werden in letzter Sekunde gerettet, der Held opfert sich, Sicherheit. Keine Überraschung, kein nicht schon einmal da gewesenes Element, kein Grund diese Geschichte noch einmal zu erzählen. Klingt hart, ist aber so.

Bereits nach ein paar Minuten konnte ich sagen, dass sich der Vater am Ende des Films opfert. Als es dann wirklich so kam, habe ich das eher mit Gelassenheit hingenommen. So wie den gesamten Film. Er ist ja gut inszeniert, die Schauspieler machen ihre Sache auch nicht schlecht, doch leider sind ihre Charaktere so schablonenhaft gezeichnet, dass ich stets das Gefühl hatte nur einen Film zu sehen. Ich war nicht dabei. War nicht auf dem Schiff. Die Geschehnisse waren mir insofern irgendwie gleichgültig.

Ich frage mich bei solch teuren Filmen immer, warum da niemand darauf achtet, dass wenigstens die Grundvorraussetzungen – sprich ein gutes Drehbuch – für einen Erfolg vorhanden sind. Da lässt man lieber Josh Lucas minutenlang über ein CGI-Schiff rennen. Warum auch immer. Die Optik ist sicherlich bombastisch und es macht Spaß das Wasser beim Eindringen in das Schiff zu beobachten, die Räume auf dem Kopf stehen zu sehen. Aber das sind nur die Effekte. In der einzigen Szene, die mich wirklich mitgerissen hat, waren die Figuren im Lüftungsschaft gefangen und wurden vom steigenden Wasser bedrängt, während sie ein Gitter am Ende lösen mussten und teils mit Platzangst zu kämpfen hatten. Garantiert eine der günstigsten Szenen im Film und doch so wunderbar packend.

Bei den Schauspielern habe ich ein paar bekannte Gesichter wieder entdeckt. Es war schön Kurt Russell und Richard Dreyfuss einmal wieder zu sehen, wenngleich sie auch nicht annähernd gefordert werden. Besonders gefreut habe ich mich über Mía Maestro (Nadia aus „ALIAS“) und Kevin Dillon (Johnny Drama aus „Entourage“). Auch hier sollte man allerdings keine besonderen Leistungen erwarten.

Insgesamt ist „Poseidon“ weder gut noch schlecht. Man sieht sich das Treiben an, wird aber emotional in keinster Weise involviert. Der Film plätschert eben so vor sich hin. Unterhaltsam ist er trotzdem irgendwie. Wenn man allerdings das Budget bedenkt, dann kommen mir einmal mehr Zweifel an Hollywood. Knappe 5/10 Punkte sind dennoch drin.

Slither

Es gibt nur wenige Schauspieler, die mich dazu bewegen, einen Film zu sehen. Nathan Fillion gehört – seitdem ich ihn in Joss Whedons Kultserie „Firefly“ gesehen habe – eindeutig dazu. Da mir „Slither“ zudem noch aufgrund seines Genres vielversprechend erschien, habe ich mich wirklich auf die Sichtung gefreut. Eine berechtigte Vorfreude.

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Ich liebe Monsterhorrorfilme. Besonders solche, die leicht selbstironisch inszeniert sind und sich nicht all zu ernst nehmen. Der beste Film dieser Art ist wohl nach wie vor „Tremors“ (deutsche Titel: „Im Land der Raketenwürmer“). Da in diesem Genre gute Filme wirklich Mangelware sind, kam „Slither“ gerade zur rechten Zeit. James Gunn versucht in seinem Film nie seine Vorbilder zu toppen. Er nimmt sie nie bewusst auf die Schippe. Er nimmt sie ernst – und deshalb funktioniert der Film. „Slither“ ist keine Parodie und doch kein ernsthafter Horrorfilm. Er bewegt sich irgendwo dazwischen. Das hat er mit „Tremors“ gemein, auch wenn er nie an diesen Klassiker heranreicht.

Die Geschichte ist in großen Teilen vorhersehbar. Sie ist nicht sonderlich originell. Die Dramaturgie ist teils etwas holprig und man hat stets das Gefühl, alles schon einmal in ähnlicher Form gesehen zu haben. Doch „Slither“ macht Spaß, hat tolle Figuren und ist einfach sympathisch. Mehr braucht es für diese Art von Film gar nicht.

Die Effekte sind – so man Blut, Schleim und Gekröse abkann – grandios, die Inszenierung ist flott und die Schauspieler verleihen ihren Figuren genau das richtige Maß an Authentizität, um in dieser Welt des selbstironischen Horrorfilms zu funktionieren. Allen voran natürlich Nathan Fillion, der – wie immer – das gewisse Etwas zu seiner Rolle beiträgt.

Zwar kein neuer Genreklassiker, aber immerhin ein großer, schleimiger Spaß: 7/10 Punkte.

Born to be Wild – OT: Wild Hogs

Nach über einem halben Jahr war ich gestern endlich einmal wieder in der Sneak. Gehofft hatte ich auf „300“, meine schlimmste Befürchtung war – nach Sichtung des Trailers – „Herr Bello“. Mit dem letztendlich gezeigten „Born to be Wild“ hatte ich überhaupt nicht gerechnet, doch bereits nach den ersten paar Minuten war klar, was für ein Film die Zuschauer in den nächsten 100 Minuten erwartet.

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So kam es dann auch: Eine seichte, stargespickte Hollywood-Komödie von den ersten Minuten bis zum bitteren Ende. Tim Allen sehe seit „Galaxy Quest“ sehr gerne. Auch John Travolta mag ich ich als Schauspieler. William H. Macy ist sowieso über jeden Zweifel erhaben. Eigentlich also gute Voraussetzungen. Doch leider kann das Skript mit der eigentlich witzigen Grundidee überhaupt nicht mithalten. Bereits die Charakterisierung der Hauptfiguren läuft nach Schema F ab: In getrennten Kapiteln ohne Zusammenhang und Ausnutzung der durchaus vorhandenen Gruppendynamik. Zudem wird der Prolog viel zu breitgetreten und bis die Truppe endlich losfährt, stellen sich bereits erste Ermüdungserscheinungen ein.

Doch dann startet die Bikertour und damit kommt auch der Film in Fahrt. Im Mittelteil kommt es somit zu einigen gelungenen Scherzen und einem superlustigen Gastauftritt von John C. McGinley – dem Menschenfreund Dr. Cox – als schuler Cop. Im Laufe der Handlung finden unsere vier Freunde ihren Erzrivalen in dem – von Ray Liotta verkörperten – Kopf einer Bikergang. Nach einigen Desastern trifft die Truppe in der kleinen Stadt Madrid ein, in der unser Computerfreak (William H. Macy) endlich sein Mädchen (immer gerne gesehen: Marisa Tomei) findet und es zum Showdown mit den verfeindeten Bikern kommt.

Die letzte halbe Stunde kocht gerade zu über vor übermäßigem Kitsch, vorhersehbaren Handlungen und schlechten Scherzen. Einzig der Gastauftritt von Peter Fonda – als Übervater aller Biker – konnte noch ein Schmunzeln auf meine Lippen zaubern. Ansonsten ist das Ende des Films eine Ansammlung all der Faktoren, die mir Hollywood-Komödien teils wirklich madig machen. Schade drum.

Letztendlich ist „Born to be Wild“ ein typischer Sneak-Film. Ohne Anspruch, für einen normalen Kinoabend undenkbar und im Rahmen der Sneak trotzdem unterhaltsam: 5/10 Punkte (1 für iCat, 1 für John C. McGinleys schwulen Cop, 1 für Marisa Tomei, 1 für Peter Fonda und 1 für teils ganz nette Gags).

The Cooler: Alles auf Liebe (2003)

Nachdem ich den Film vor einigen Jahren bereits auf dem Fantasy Filmfest verpasst hatte und die DVD seit einiger Zeit ungesehen im Regal steht, habe ich gestern endlich „The Cooler“ gesehen. Regisseur Wayne Kramer ist mir vor einiger Zeit durch seinen visuell und inhaltlich interessanten Thriller „Running Scared“ aufgefallen. Umso gespannter war ich, wie er wohl eine eher ruhig anmutende Liebesgeschichte umzusetzen vermag.

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In „The Cooler“ stehen die Menschen im Vordergrund. Allen voran die titelgebende Figur des Bernie Lootz und mit ihm William H. Macy, der ewige Nebendarsteller. Hier bekommt er endlich eine Hauptrolle, die ihm wie auf den Leib geschneidert scheint. Seine Darstellung ist wirklich grandios. Besonders im Zusammenspiel mit Maria Bello. Beide Figuren ergänzen sich perfekt und die Schauspieler wissen die ungewöhnliche Liebesgeschichte glaubwürdig zu verkaufen.

Die Inszenierung trägt ihren teil zur Glaubwürdigkeit bei. Allein die Sexszene ist alles andere als romantisch oder perfekt choreographiert. Sie wirkt roh, unbeholfen und – ja eben – glaubwürdig. Wirklich schön gemacht – wie eigentlich alle Szenen, bei denen Macy und Bello im Mittelpunkt stehen. Die restlichen Darsteller können zwar auch überzeugen (wie z.B. der immer gern gesehene Alec Baldwin), doch bleiben deren Charaktere – im Gegensatz zu den Hauptfiguren – eher etwas blass.  Dies liegt zu großen Teilen leider an der etwas unausgewogenen Handlung des Films.

Im Mittelpunkt stehen eindeutig der Cooler und seine Liebesgeschichte. Die restliche Handlung ist durchsetzt mit Versatzstücken des Gangsterfilms à la Scorsese, welche meiner Meinung nach teilweise wie Fehlkörper in der Geschichte wirken. Auch die Szenen mit Bernies Sohn erscheinen meiner Meinung nach etwas aufgesetzt. Da hätte noch einiges an Arbeit in den Feinschliff des Drehbuchs gesteckt werden müssen.

„The Cooler“ ist ein Charakterfilm. Als dieser funktioniert er auch ganz vorzüglich. Die Inszenierung ist ruhig und weit weniger verspielt, als in Krames Folgewerk. Nur die Geschichte kann meiner Meinung nach nicht voll und ganz überzeugen. Trotzdem ein wirklich sehenswerter Film: 7/10 Punkte.

Hitcher: Der Highway Killer – OT: The Hitcher (1986)

Pünktlich zum Kinostart des Remakes war es einmal wieder an der Zeit für eine Sichtung von Robert Harmons „Hitcher: Der Highway Killer“ (OT: „The Hitcher“). Der Film erinnert vom Setting an Steven Spielbergs „Duell“ oder Jonathan Mostows „Breakdown“. Er schafft es jedoch eine ganz besondere Stimmung zu schaffen, welche unbestritten den tollen Landschaftsaufnahmen und dem Hitcher höchstpersönlich zuzuschreiben ist.

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Star des Films ist ohne Zweifel Rutger Hauer, ohne dessen Mitwirkung ich wohl auch nie auf diesen kleinen, aber feinen Thriller aufmerksam geworden wäre. Neben Ridley Scotts „Blade Runner“ wohl sein beeindruckendster Auftritt. Wirklich schade, dass Hauer ansonsten größtenteils nur noch in schlechten B-Movies mitgewirkt hat. In „The Hitcher“ konnte er auf jeden Fall noch einmal zeigen, was in ihm steckt. Bedrohlich. Düster. Verrückt. Tödlich. Und doch steckt mehr in dem Charakter. Besonders gegen Ende wird deutlich, wonach sich John Ryder eigentlich sehnt. Was das Ziel des perfiden Spiels gewesen ist. Leider kann C. Thomas Howell nie ganz mithalten. Am stärksten ist er beim Kampf mit der eigenen Verzweiflung. Dennoch funktioniert das Zusammenspiel. Es entsteht eine fast schon homoerotische Spannung zwischen den Kontrahenten, welche sich am Ende entlädt. Allerdings wird nur Ryder seine Katharsis zugestanden. Der Held reitet nicht in den Sonnenuntergang. Er verharrt.

Das Ende des Films ist stark. Sehr stark. Genauso wie sein Anfang. In den ersten Minuten zeichnet sich ein schönes Psychoduell zwischen den Figuren ab. Ein paar Worte. Ein paar Blicke. Das genügt Harman schon um Spannung zu erzeugen. Der Mittelteil des Films ist dagegen deutlich schwächer ausgefallen. Die unzählige Verfolgungsjagden mit mehr oder weniger stereotypen Cops wirken eher ermüdend, denn spannungsfördernd. Zwar nett anzusehen, aber ich denke der Film wäre noch stärker gewesen, hätte man sich allein auf das Duell der beiden Kontrahenten konzentriert. Die Figur Jennifer Jason Leighs wirkt zwar nicht unbedingt fehl am Platz, ich hatte aber das Gefühl, dass hier mehr herauszuholen gewesen wäre. Ihr Ende ist schockierend, doch hätte es mehr Vorbereitung gebraucht, um auch auf emotionaler Ebene zu erschüttern.

„The Hitcher“ ist ein klassischer Roadmovie. Ruhig inszeniert. Weite Landschaften. Endlose Straßen. Man fühlt sich von der Außenwelt abgeschnitten – und ist doch nicht allein. Dieses Gefühl fängt Harmon sehr gut ein. Insgesamt ist ihm zwar kein herausragender Genreklassiker gelungen, aber einer der ehrlichsten und sympathischsten Thriller der horrorgetränkten 80er. Sehr sehenswert: 8/10 Punkte.

The Cave (2005)

Aktualisierung: Ich habe „The Cave“ am 11. Juni 2009 und am 15. August 2025 erneut gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Es gibt Filme, die sieht man sich trotz unzähliger schlechter Kritiken im Vorfeld an. Manchmal kann das lohnend sein, manchmal nicht. Bruce Hunts Höhlenabenteuer mit dem einfallsreichen Titel „The Cave“ gehört glücklicherweise zur sich lohnenden Gattung.

The Cave (2005) | © Constantin Film (Universal Pictures)

The Cave (2005) | © Constantin Film (Universal Pictures)

Der Film hat mein Interesse allein durch die thematische Verwandschaft zu Neil Marshalls Horrorhit „The Descent“ geweckt. Im Vorfeld wurde „The Cave“ häufig als Plagiat verschrien, doch ging diese höherbudgetierte Version der Geschichte früher in Produktion, als Marshalls Film. Beide Varianten des Höhlenthemas müssen sich allerdings den Vergleich mit Jeff Longs Roman „Im Abgrund“ (OT: „The Descent“) gefallen lassen, der für beide Filme ziemlich wahrscheinlich als Inspirationsquelle gedient hat und der selbst nach einer Verfilmung schreit.

Zurück zu „The Cave“: Man sollte den Film nicht mit „The Descent“ vergleichen. Hunts Version ist mehr Abenteuer- denn Horrorfilm. Die Erforschung und die visuellen Wunder des ausladenden Höhlensystems stehen klar im Vordergrund. Die Bilder sind teils wirklich grandios. Besonders die Aufnahmen am und im Wasser können überzeugen. „The Cave“ ist durch die tollen Bilder sehr atmosphärisch, schafft es aber nie ein wirkliches Gefühl von Klaustrophobie zu erzeugen. Allerdings habe ich das auch gar nicht sonderlich vermisst, da der – für einen Höhlenfilm – recht offene Inszenierungsstil recht gut zur Handlung passt.

Die Handlung ist dann auch der Knackpunkt. Weder sonderlich innovativ, noch besonders spannend oder außerordentlich wendungsreich. Trotzdem habe ich mich wirklich gut unterhalten. Bis auf das Finale und den Schlussgag gab es für mich auch keine größeren Ausreißer in den qualitativen Keller. Nett anzusehen und mit einem stets präsenten Hauch von Abenteuer. Die Figuren waren genau so klischeehaft, wie man es in solch einer Art Film erwartet. Dies trifft übrigens auch auf die Monster zu.

Fazit

Alles in Allem kann „The Cave“ hauptsächlich durch sein Setting und die tollen Bilder Punkten. Nette Szenen, wie im unterirdischen See nach dem Wasserfall, bringen den Film auch noch einmal nach vorne. Erwähnenswert ist für „Lost“-Fans zudem die Teilnahme von Daniel Dae Kim (Sun Kwon) an der Expedition. Wer ohne großartige Erwartungen an den Film herangeht und etwas für Höhlen übrig hat, wird bestimmt gut unterhalten: 7/10 Punkte.