Poseidon (2006)

Wolfgang Petersen. Der alte Mann und das Meer. Seine Wiederbelebung der „Poseidon“ bildet den Abschluss seiner Meerestrilogie, die 1985 so furios mit „Das Boot“ eingeläutet wurde. Ich mag das Meer. Ich mag Filme, in denen das Meer beinahe schon ein eigener Charakter ist. Leider ist es in „Poseidon“ auch der einzige interessante Charakter.

Petersen hechelt in „Poseidon“ alle Stationen ab, die man von solch einem Katastrophenfilm erwartet: Die Charaktere werden eingeführt, die Katastrophe bricht los, die bekannte Gruppe wird isoliert, es kommt zu Verlusten, Menschen werden in letzter Sekunde gerettet, der Held opfert sich, Sicherheit. Keine Überraschung, kein nicht schon einmal da gewesenes Element, kein Grund diese Geschichte noch einmal zu erzählen. Klingt hart, ist aber so.

Bereits nach ein paar Minuten konnte ich sagen, dass sich der Vater am Ende des Films opfert. Als es dann wirklich so kam, habe ich das eher mit Gelassenheit hingenommen. So wie den gesamten Film. Er ist ja gut inszeniert, die Schauspieler machen ihre Sache auch nicht schlecht, doch leider sind ihre Charaktere so schablonenhaft gezeichnet, dass ich stets das Gefühl hatte nur einen Film zu sehen. Ich war nicht dabei. War nicht auf dem Schiff. Die Geschehnisse waren mir insofern irgendwie gleichgültig.

Ich frage mich bei solch teuren Filmen immer, warum da niemand darauf achtet, dass wenigstens die Grundvorraussetzungen – sprich ein gutes Drehbuch – für einen Erfolg vorhanden sind. Da lässt man lieber Josh Lucas minutenlang über ein CGI-Schiff rennen. Warum auch immer. Die Optik ist sicherlich bombastisch und es macht Spaß das Wasser beim Eindringen in das Schiff zu beobachten, die Räume auf dem Kopf stehen zu sehen. Aber das sind nur die Effekte. In der einzigen Szene, die mich wirklich mitgerissen hat, waren die Figuren im Lüftungsschaft gefangen und wurden vom steigenden Wasser bedrängt, während sie ein Gitter am Ende lösen mussten und teils mit Platzangst zu kämpfen hatten. Garantiert eine der günstigsten Szenen im Film und doch so wunderbar packend.

Bei den Schauspielern habe ich ein paar bekannte Gesichter wieder entdeckt. Es war schön Kurt Russell und Richard Dreyfuss einmal wieder zu sehen, wenngleich sie auch nicht annähernd gefordert werden. Besonders gefreut habe ich mich über Mía Maestro (Nadia aus „ALIAS“) und Kevin Dillon (Johnny Drama aus „Entourage“). Auch hier sollte man allerdings keine besonderen Leistungen erwarten.

Insgesamt ist „Poseidon“ weder gut noch schlecht. Man sieht sich das Treiben an, wird aber emotional in keinster Weise involviert. Der Film plätschert eben so vor sich hin. Unterhaltsam ist er trotzdem irgendwie. Wenn man allerdings das Budget bedenkt, dann kommen mir einmal mehr Zweifel an Hollywood. Knappe 5/10 Punkte sind dennoch drin.

Slither

Es gibt nur wenige Schauspieler, die mich dazu bewegen, einen Film zu sehen. Nathan Fillion gehört – seitdem ich ihn in Joss Whedons Kultserie „Firefly“ gesehen habe – eindeutig dazu. Da mir „Slither“ zudem noch aufgrund seines Genres vielversprechend erschien, habe ich mich wirklich auf die Sichtung gefreut. Eine berechtigte Vorfreude.

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Ich liebe Monsterhorrorfilme. Besonders solche, die leicht selbstironisch inszeniert sind und sich nicht all zu ernst nehmen. Der beste Film dieser Art ist wohl nach wie vor „Tremors“ (deutsche Titel: „Im Land der Raketenwürmer“). Da in diesem Genre gute Filme wirklich Mangelware sind, kam „Slither“ gerade zur rechten Zeit. James Gunn versucht in seinem Film nie seine Vorbilder zu toppen. Er nimmt sie nie bewusst auf die Schippe. Er nimmt sie ernst – und deshalb funktioniert der Film. „Slither“ ist keine Parodie und doch kein ernsthafter Horrorfilm. Er bewegt sich irgendwo dazwischen. Das hat er mit „Tremors“ gemein, auch wenn er nie an diesen Klassiker heranreicht.

Die Geschichte ist in großen Teilen vorhersehbar. Sie ist nicht sonderlich originell. Die Dramaturgie ist teils etwas holprig und man hat stets das Gefühl, alles schon einmal in ähnlicher Form gesehen zu haben. Doch „Slither“ macht Spaß, hat tolle Figuren und ist einfach sympathisch. Mehr braucht es für diese Art von Film gar nicht.

Die Effekte sind – so man Blut, Schleim und Gekröse abkann – grandios, die Inszenierung ist flott und die Schauspieler verleihen ihren Figuren genau das richtige Maß an Authentizität, um in dieser Welt des selbstironischen Horrorfilms zu funktionieren. Allen voran natürlich Nathan Fillion, der – wie immer – das gewisse Etwas zu seiner Rolle beiträgt.

Zwar kein neuer Genreklassiker, aber immerhin ein großer, schleimiger Spaß: 7/10 Punkte.

Born to be Wild – OT: Wild Hogs

Nach über einem halben Jahr war ich gestern endlich einmal wieder in der Sneak. Gehofft hatte ich auf „300“, meine schlimmste Befürchtung war – nach Sichtung des Trailers – „Herr Bello“. Mit dem letztendlich gezeigten „Born to be Wild“ hatte ich überhaupt nicht gerechnet, doch bereits nach den ersten paar Minuten war klar, was für ein Film die Zuschauer in den nächsten 100 Minuten erwartet.

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So kam es dann auch: Eine seichte, stargespickte Hollywood-Komödie von den ersten Minuten bis zum bitteren Ende. Tim Allen sehe seit „Galaxy Quest“ sehr gerne. Auch John Travolta mag ich ich als Schauspieler. William H. Macy ist sowieso über jeden Zweifel erhaben. Eigentlich also gute Voraussetzungen. Doch leider kann das Skript mit der eigentlich witzigen Grundidee überhaupt nicht mithalten. Bereits die Charakterisierung der Hauptfiguren läuft nach Schema F ab: In getrennten Kapiteln ohne Zusammenhang und Ausnutzung der durchaus vorhandenen Gruppendynamik. Zudem wird der Prolog viel zu breitgetreten und bis die Truppe endlich losfährt, stellen sich bereits erste Ermüdungserscheinungen ein.

Doch dann startet die Bikertour und damit kommt auch der Film in Fahrt. Im Mittelteil kommt es somit zu einigen gelungenen Scherzen und einem superlustigen Gastauftritt von John C. McGinley – dem Menschenfreund Dr. Cox – als schuler Cop. Im Laufe der Handlung finden unsere vier Freunde ihren Erzrivalen in dem – von Ray Liotta verkörperten – Kopf einer Bikergang. Nach einigen Desastern trifft die Truppe in der kleinen Stadt Madrid ein, in der unser Computerfreak (William H. Macy) endlich sein Mädchen (immer gerne gesehen: Marisa Tomei) findet und es zum Showdown mit den verfeindeten Bikern kommt.

Die letzte halbe Stunde kocht gerade zu über vor übermäßigem Kitsch, vorhersehbaren Handlungen und schlechten Scherzen. Einzig der Gastauftritt von Peter Fonda – als Übervater aller Biker – konnte noch ein Schmunzeln auf meine Lippen zaubern. Ansonsten ist das Ende des Films eine Ansammlung all der Faktoren, die mir Hollywood-Komödien teils wirklich madig machen. Schade drum.

Letztendlich ist „Born to be Wild“ ein typischer Sneak-Film. Ohne Anspruch, für einen normalen Kinoabend undenkbar und im Rahmen der Sneak trotzdem unterhaltsam: 5/10 Punkte (1 für iCat, 1 für John C. McGinleys schwulen Cop, 1 für Marisa Tomei, 1 für Peter Fonda und 1 für teils ganz nette Gags).

The Cooler: Alles auf Liebe (2003)

Nachdem ich den Film vor einigen Jahren bereits auf dem Fantasy Filmfest verpasst hatte und die DVD seit einiger Zeit ungesehen im Regal steht, habe ich gestern endlich „The Cooler“ gesehen. Regisseur Wayne Kramer ist mir vor einiger Zeit durch seinen visuell und inhaltlich interessanten Thriller „Running Scared“ aufgefallen. Umso gespannter war ich, wie er wohl eine eher ruhig anmutende Liebesgeschichte umzusetzen vermag.

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In „The Cooler“ stehen die Menschen im Vordergrund. Allen voran die titelgebende Figur des Bernie Lootz und mit ihm William H. Macy, der ewige Nebendarsteller. Hier bekommt er endlich eine Hauptrolle, die ihm wie auf den Leib geschneidert scheint. Seine Darstellung ist wirklich grandios. Besonders im Zusammenspiel mit Maria Bello. Beide Figuren ergänzen sich perfekt und die Schauspieler wissen die ungewöhnliche Liebesgeschichte glaubwürdig zu verkaufen.

Die Inszenierung trägt ihren teil zur Glaubwürdigkeit bei. Allein die Sexszene ist alles andere als romantisch oder perfekt choreographiert. Sie wirkt roh, unbeholfen und – ja eben – glaubwürdig. Wirklich schön gemacht – wie eigentlich alle Szenen, bei denen Macy und Bello im Mittelpunkt stehen. Die restlichen Darsteller können zwar auch überzeugen (wie z.B. der immer gern gesehene Alec Baldwin), doch bleiben deren Charaktere – im Gegensatz zu den Hauptfiguren – eher etwas blass.  Dies liegt zu großen Teilen leider an der etwas unausgewogenen Handlung des Films.

Im Mittelpunkt stehen eindeutig der Cooler und seine Liebesgeschichte. Die restliche Handlung ist durchsetzt mit Versatzstücken des Gangsterfilms à la Scorsese, welche meiner Meinung nach teilweise wie Fehlkörper in der Geschichte wirken. Auch die Szenen mit Bernies Sohn erscheinen meiner Meinung nach etwas aufgesetzt. Da hätte noch einiges an Arbeit in den Feinschliff des Drehbuchs gesteckt werden müssen.

„The Cooler“ ist ein Charakterfilm. Als dieser funktioniert er auch ganz vorzüglich. Die Inszenierung ist ruhig und weit weniger verspielt, als in Krames Folgewerk. Nur die Geschichte kann meiner Meinung nach nicht voll und ganz überzeugen. Trotzdem ein wirklich sehenswerter Film: 7/10 Punkte.

Hitcher: Der Highway Killer – OT: The Hitcher (1986)

Pünktlich zum Kinostart des Remakes war es einmal wieder an der Zeit für eine Sichtung von Robert Harmons „Hitcher: Der Highway Killer“ (OT: „The Hitcher“). Der Film erinnert vom Setting an Steven Spielbergs „Duell“ oder Jonathan Mostows „Breakdown“. Er schafft es jedoch eine ganz besondere Stimmung zu schaffen, welche unbestritten den tollen Landschaftsaufnahmen und dem Hitcher höchstpersönlich zuzuschreiben ist.

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Star des Films ist ohne Zweifel Rutger Hauer, ohne dessen Mitwirkung ich wohl auch nie auf diesen kleinen, aber feinen Thriller aufmerksam geworden wäre. Neben Ridley Scotts „Blade Runner“ wohl sein beeindruckendster Auftritt. Wirklich schade, dass Hauer ansonsten größtenteils nur noch in schlechten B-Movies mitgewirkt hat. In „The Hitcher“ konnte er auf jeden Fall noch einmal zeigen, was in ihm steckt. Bedrohlich. Düster. Verrückt. Tödlich. Und doch steckt mehr in dem Charakter. Besonders gegen Ende wird deutlich, wonach sich John Ryder eigentlich sehnt. Was das Ziel des perfiden Spiels gewesen ist. Leider kann C. Thomas Howell nie ganz mithalten. Am stärksten ist er beim Kampf mit der eigenen Verzweiflung. Dennoch funktioniert das Zusammenspiel. Es entsteht eine fast schon homoerotische Spannung zwischen den Kontrahenten, welche sich am Ende entlädt. Allerdings wird nur Ryder seine Katharsis zugestanden. Der Held reitet nicht in den Sonnenuntergang. Er verharrt.

Das Ende des Films ist stark. Sehr stark. Genauso wie sein Anfang. In den ersten Minuten zeichnet sich ein schönes Psychoduell zwischen den Figuren ab. Ein paar Worte. Ein paar Blicke. Das genügt Harman schon um Spannung zu erzeugen. Der Mittelteil des Films ist dagegen deutlich schwächer ausgefallen. Die unzählige Verfolgungsjagden mit mehr oder weniger stereotypen Cops wirken eher ermüdend, denn spannungsfördernd. Zwar nett anzusehen, aber ich denke der Film wäre noch stärker gewesen, hätte man sich allein auf das Duell der beiden Kontrahenten konzentriert. Die Figur Jennifer Jason Leighs wirkt zwar nicht unbedingt fehl am Platz, ich hatte aber das Gefühl, dass hier mehr herauszuholen gewesen wäre. Ihr Ende ist schockierend, doch hätte es mehr Vorbereitung gebraucht, um auch auf emotionaler Ebene zu erschüttern.

„The Hitcher“ ist ein klassischer Roadmovie. Ruhig inszeniert. Weite Landschaften. Endlose Straßen. Man fühlt sich von der Außenwelt abgeschnitten – und ist doch nicht allein. Dieses Gefühl fängt Harmon sehr gut ein. Insgesamt ist ihm zwar kein herausragender Genreklassiker gelungen, aber einer der ehrlichsten und sympathischsten Thriller der horrorgetränkten 80er. Sehr sehenswert: 8/10 Punkte.

The Cave (2005)

Aktualisierung: Ich habe „The Cave“ am 11. Juni 2009 und am 15. August 2025 erneut gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Es gibt Filme, die sieht man sich trotz unzähliger schlechter Kritiken im Vorfeld an. Manchmal kann das lohnend sein, manchmal nicht. Bruce Hunts Höhlenabenteuer mit dem einfallsreichen Titel „The Cave“ gehört glücklicherweise zur sich lohnenden Gattung.

The Cave (2005) | © Constantin Film (Universal Pictures)

The Cave (2005) | © Constantin Film (Universal Pictures)

Der Film hat mein Interesse allein durch die thematische Verwandschaft zu Neil Marshalls Horrorhit „The Descent“ geweckt. Im Vorfeld wurde „The Cave“ häufig als Plagiat verschrien, doch ging diese höherbudgetierte Version der Geschichte früher in Produktion, als Marshalls Film. Beide Varianten des Höhlenthemas müssen sich allerdings den Vergleich mit Jeff Longs Roman „Im Abgrund“ (OT: „The Descent“) gefallen lassen, der für beide Filme ziemlich wahrscheinlich als Inspirationsquelle gedient hat und der selbst nach einer Verfilmung schreit.

Zurück zu „The Cave“: Man sollte den Film nicht mit „The Descent“ vergleichen. Hunts Version ist mehr Abenteuer- denn Horrorfilm. Die Erforschung und die visuellen Wunder des ausladenden Höhlensystems stehen klar im Vordergrund. Die Bilder sind teils wirklich grandios. Besonders die Aufnahmen am und im Wasser können überzeugen. „The Cave“ ist durch die tollen Bilder sehr atmosphärisch, schafft es aber nie ein wirkliches Gefühl von Klaustrophobie zu erzeugen. Allerdings habe ich das auch gar nicht sonderlich vermisst, da der – für einen Höhlenfilm – recht offene Inszenierungsstil recht gut zur Handlung passt.

Die Handlung ist dann auch der Knackpunkt. Weder sonderlich innovativ, noch besonders spannend oder außerordentlich wendungsreich. Trotzdem habe ich mich wirklich gut unterhalten. Bis auf das Finale und den Schlussgag gab es für mich auch keine größeren Ausreißer in den qualitativen Keller. Nett anzusehen und mit einem stets präsenten Hauch von Abenteuer. Die Figuren waren genau so klischeehaft, wie man es in solch einer Art Film erwartet. Dies trifft übrigens auch auf die Monster zu.

Fazit

Alles in Allem kann „The Cave“ hauptsächlich durch sein Setting und die tollen Bilder Punkten. Nette Szenen, wie im unterirdischen See nach dem Wasserfall, bringen den Film auch noch einmal nach vorne. Erwähnenswert ist für „Lost“-Fans zudem die Teilnahme von Daniel Dae Kim (Sun Kwon) an der Expedition. Wer ohne großartige Erwartungen an den Film herangeht und etwas für Höhlen übrig hat, wird bestimmt gut unterhalten: 7/10 Punkte.

Trainspotting (1996)

Es gibt Filme, bei denen lässt sich nicht eindeutig sagen, was genau ihre Faszination ausmacht. Zu diesen gehört Danny Boyles „Trainspotting“. Ein Film über kaputte Typen. Junkies. Nicht neue Helden – wie die deutsche Tagline vermuten lässt – sondern verlorene Helden. Die Adaption von Irvine Welshs Romanvorlage hatte mich bereits bei der ersten Sichtung auf ihre Seite gezogen. Weitere Sichtungen folgten und der Soundtrack hat Kultstatus erlangt. Im Englisch LK war Irvine Welshs Kurzgeschichtensammlung „Acid House“ gleichermaßen abstoßend und faszinierend. Ich war gespannt, was mir „Trainspotting“ – der inzwischen überall als Kultfilm gehandelt wird – heute noch gibt.

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Ins Auge springt sofort die Inszenierung. Schnell. Roh. Hart. Modern. Danny Boyle hat das britische Kino durch „Trainspotting“ neu definiert. Ich vermute, dass die Filme von Guy Ritchie in dieser Form nicht existieren würden, hätte Boyle nicht den Wegbereiter gespielt. Doch das Junkiedrama ist mehr. Die klassischen Themen des britischen Kinos à la Ken Loach – Arbeitslosigkeit, mangelnde Perspektiven, soziale Missstände etc. – werden hier in eine neue Generation transportiert. Der Drogenkonsum zieht sich dabei wie ein roter Faden durch den Film. Er hat auch vom Erzähler Besitz ergriffen. Auch vom Zuschauer. Man steckt tief drin in dieser selbstzentrierten und hoffnungslosen Welt eines Junkies.

Dem Film wurde häufig vorgeworfen, er würde den Drogenkonsum glorifizieren. Zu positiv darstellen. Diese Kritik kann ich nicht nachvollziehen. Ich kenne kaum einen Film, der die Auswirkungen der Sucht abstoßender darstellt als „Trainspotting“. Natürlich hört der Zuschauer aus dem Off, wie toll es ist auf Heroin zu sein. Natürlich wird man durch die audiovisuelle Gestaltung in andere Sphären getragen. Man erlebt den Film schließlich durch die Augen von Renton. Doch genauso lebt man den kalten Entzug. Die Schmach. Die Hoffnungslosigkeit. Den Identitätsverlust. Angst. Paranoia. Tod.

Die Kunst des Films ist ja gerade, dass Drogen nicht verteufelt werden. Dass man nicht von Anfang an die negativen Auswirkungen sieht. Könnte man sich sonst mit den Figuren identifizieren? Könnte man sonst nachvollziehen, was die Faszination ausmacht? Gerade die Verbindung von abgedrehtem Humor und grausamsten Bildern, die einem das Lachen im Hals stecken lassen, ist die Stärke des Films. Dadurch werden die kaputten Charaktere sympathisch und liebenswert. Man interessiert sich für sie und bekommt die Konsequenzen ihres Handelns umso unmittelbarer zu spüren.

Danny Boyle hat mit „Trainspotting“ ein kleines Meisterwerk geschaffen. Unbequem, hart und doch unterhaltsam. Eine Gradwanderung. Für die Beteiligten und den Zuschauer. Zudem spielt Ewan McGregor hier die Rolle seines Lebens. Ganz groß. Für mich einer der stärksten Filme der 90er: 9/10 Punkte.

Der Polarexpress – OT: The Polar Express (2004)

Edelkitsch oder fantasievolles Weihnachtsmärchen? Robert Zemeckis „Der Polarexpress“ ist beides. Im Vorfeld hat der Film große Wellen aufgrund seiner neuartiger Technik – oder besser: aufgrund seines neuartigen Einsatzes bekannter Technik – geschlagen. Umgesetzt wurde damit allerdings nur ein Weihnachtsmärchen. Ein zutiefst amerikanisches Weihnachtsmärchen. Bunt, kitschig, mit etwas aufgesetzt wirkender Moral und dabei doch äußerst unterhaltsam.

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Es wird die Geschichte eines kleinen Jungen (Tom Hanks) erzählt, der am Weihnachtsmann zu zweifeln beginnt. Um ihm wieder den Glauben zu schenken, wird er im Polarexpress auf eine Reise zum Nordpol mitgenommen, wo er – wer hätte es gedacht – auf den Weihnachtsmann (Tom Hanks) trifft. Bis er dort ankommt, gilt es einige Abenteuer zu überstehen, bei denen ihm neue Freunde, ein Schaffner (Tom Hanks) und der sinnbildliche Geist der Weihnacht (Tom Hanks) zur Seite stehen. Viel mehr Geschichte steckt nicht im Film. Das Ende kommt dann genau so, wie man es seit den ersten paar Minuten erwartet hat und auch sonstige Überraschungen halten sich in Grenzen.

Was also macht den Film so wirklich sehenswert? Ganz klar: Die Optik. Audiovisuell ist der Film wirklich eine Wucht. Selten habe ich einen technisch so bemerkenswerten Film gesehen. In manchen Szenen – meist Totalen – kann man wirklich kaum unterscheiden, ob da nun CGI-Figuren oder echte Menschen spielen. Wirklich fantastisch. In den meisten Szenen offenbart der Film aber ganz deutlich seine Herkunft. Die Bewegungen sind zu flüssig und kleine Details im Bewegungsablauf fehlen einfach. Dennoch bin ich manchmal aus dem Staunen nicht mehr heraus gekommen. Allerdings hat dieser Umstand auch vom eigentlichen Film abgelenkt. Zu konzentriert war ich auf den technischen Aspekt.

„Der Polarexpress“ verbreitet zwar durchaus eine weihnachtliche Atmosphäre, doch ist diese so überstilisiert, dass es schwer fällt einen Bezug dazu herzustellen. Zudem ist der Junge eine Figur, die leider am emotionslosesten geraten ist, was die Identifikation wiederum erschwert. Geschichte und Emotionen gehen im bunten Lichtermeer einfach unter. Die letzten Szenen im Haus des Jungen haben es dann doch geschafft zu mir durchzudringen und mich an die Weihnachtsfeste meiner Kindheit denken lassen. Insofern ein versöhnlicher Abschluss.

Robert Zemeckis ist mit „Der Polarexpress“ eine technische Meisterleistung gelungen, bei der die Geschichte leider etwas untergeht. Der Film wird es somit wohl auch nie unter meine persönlichen Weihnachtsfilme schaffen, doch sehenswert ist die audiovisuelle Pracht allemal: 7/10 Punkte.

Schöne Bescherung – OT: Christmas Vacation (1989)

Ich sehe „Schöne Bescherung“ jedes Jahr und bespreche den Film danach auf meinem Blog. Du möchtest die komplette Dosis Griswolds? Du findest alle Besprechungen hier!

Die Zeit um Weihnachten war für mich schon immer eine besondere Zeit für gewisse Filme. So ist seit ein paar Jahren die „Der Herr der Ringe“-Trilogie untrennbar mit den stillen Tagen des Jahres verbunden. Doch schon davor haben Filme, wie „Das letzte Einhorn“ oder „Schöne Bescherung“ (OT: „Christmas Vacation“), einen festen Platz im persönlichen Vorweihnachtsprogramm eingenommen. In den letzten Jahre bin ich zwar immer weniger dazu gekommen mir diese Filme anzusehen, doch dieses Jahr war es einmal wieder an der Zeit, Weihnachten mit den Griswolds einzuläuten.

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Ich weiß gar nicht wie oft ich den Film schon gesehen habe. Als Kind unzählige Male. So wie die meisten Abenteuer um die Chaosfamilie Griswold. Ins Erwachsenenalter hat sich jedoch nur „Christmas Vacation“ hinüber retten können. Bisher habe ich nur die synchronisierte Version gehen, doch heute habe ich festgestellt, dass Familienoberhaupt Clark Griswold (grandios: Chevy Chase) im Original noch besser flucht. Auch wenn es anfangs ungewohnt ist, kann ich jedem nur empfehlen, sich die „Schöne Bescherung“ auch einmal auf Englisch anzusehen.

Zum Film selbst brauche ich wohl nicht mehr viel zu sagen. Er funktioniert einfach. Die Versatzstücke aus Slapstick, Sitcom, Brachialhumor, Satire und auch leiseren Tönen überzeugen auch heute noch. Teils sind die Szenen zwar unglaublich platt und man fragt sich, wie man das jemals lustig finden konnte – so geht es mir jedes Mal im Epilog – doch bereits im nächsten Moment wird man in das Weihnachtschaos hineingesogen und fühlt sich einfach pudelwohl bei den Griswolds. Der Film schafft es trotz seiner Bruchstückhaftigkeit eine Eigenständigkeit zu erzielen, die eine ganz besondere Atmosphäre ausstrahlt. Aber das kann man wohl nur verstehen, wenn einen der Film bereits über so viele Jahre begleitet hat.

Ich finde es auch jedes Mal toll wieder neue alte Darsteller zu entdecken: Julia Louis-Dreyfus (Elaine Benes, „Seinfeld“), Doris Roberts (Marie Barone, „Everybody Loves Raymond“) und viele andere. Ein tolles Ensemble! Alles überragend natürlich: Chevy Chase. Eine seiner besten Leistungen.

Für mich gehört „Christmas Vacation“ einfach zu Weihnachten und ich bin froh, den Film auch dieses Jahr wieder einmal gesehen zu haben. Objektiv betrachtet ist die folgende Wertung bestimmt zu hoch, doch der Film hat mich einfach schon zu oft zu gut unterhalten, als dass weniger als 9/10 Punkte gerechtfertigt wären.

Stay (2005)

Ich habe „Stay“ am 25. Januar 2020 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Marc Forsters „Stay“  ist ein filmisches Rätsel. In den letzten Jahren gab es einige Filme dieser Art.  Kultfilme, wie „Donnie Darko“. Mainstreamvarianten, wie „Butterfly Effect“. Anspruchsvollere Vertreter, wie „The Jacket“. Diese Filme werden häufig als Lynch light abgestempelt. Diese Bezeichnung trifft zwar teils zu, wird den erzählten Geschichten aber nicht immer gerecht.

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Stay (2005) | © STUDIOCANAL

„Stay“ spielt – wie alle Filme diesen Genres – mit der Realitätswahrnehmung seiner Figuren. Auch der Zuschauer hat damit zu kämpfen. Man weiß, dass irgend etwas nicht in Ordnung ist. Dass es eine Lösung für die verzerrte Wahrnehmung geben muss. Die Suche nach dieser Lösung macht bei dieser Art von Film am meisten Spaß. Die Lösung selbst ist häufig leider enttäuschend oder offensichtlicher, und damit weit weniger mysteriös, als man sich gewünscht hätte. So auch in „Stay“. Zu oft hat man diese Auflösung bereits gesehen. Zu viel wurde mit der Erwartungshaltung gespielt – und dennoch: Der Film lässt mich als Zuschauer nicht unbefriedigt zurück.

Marc Forster gelingt es, eine äußerst eindringliche Atmosphäre zu schaffen. Die Welt ist trist. Es überwiegen dreckige Gelbtöne, die nur durch sterilkaltes Blau unterbrochen werden. Auch das Leitthema von Selbstmord, Schuld und Sühne trägt zur beinahe schon hoffnungslosen Atmosphäre bei. Die Dunkelheit wird etwas durch Ewan McGregors Charakter gebrochen, der stets noch etwas Optimismus auszustrahlen imstande ist. Das Finale des Films mag letztendlich geschichtlich enttäuschen, doch werden hier manche stilistische Entscheidungen erst offensichtlich (z.B. die angesprochenen Gelbtöne). Überhaupt wirkt der Film sehr genau durchkomponiert. Jedes Bild und jeder Übergang wirken wie ein kleines Kunstwerk, was wiederum durch die Geschichte des Kunststudenten reflektiert wird und somit nicht aufgesetzt wirkt.

„Stay“ bietet tolle Unterhaltung und lädt zum Mitraten ein. Das Ende ist dann leider etwas enttäuschend, was dem Film einen Spitzenplatz unter seinen Genrekollegen verwehrt. Punkten kann Marc Forster jedoch mit Stilsicherheit und Anspruch. Insgesamt ein wirklich tolles Seherlebnis: 8/10 Punkte.