Arctic with Bruce Parry (2011)

Es war lange ruhig im Doku-Bereich – und neben Bruce Parry wartet auch Louis Theroux darauf, dass ich ihn endlich einmal wieder auf seinen Abenteuern begleite. Mit „Arctic with Bruce Parry“ habe ich mich jedoch zunächst dem nettesten aller Briten angeschlossen, um ihn auf seiner Reise in die Arktis zu begleiten…

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Wie bereits bei der vorangegangenen Doku-Serie „Amazon with Bruce Parry“ liegt auch der Fokus des Nachfolgers darin, komplexe Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Lebensmodellen in einer speziellen Region (u.a. Grönland, Alaska und Kanada) zu zeigen. Bei Arktis denkt man zunächst nur an schneebedeckte Flächen, doch tatsächlich machen diese nur einen Bruchteil des faszinierenden Lebensraums aus. Aufgrund dieser Vielfalt bleibt die Serie sowohl inhaltlich als auch visuell stets abwechselnd.

Auch dieses Mal liegt die Faszination in den unterschiedlichen Lebensweisen begründet, die man als Zuschauer durch die Augen des Abenteurers kennenlernt. Nicht so vielfältig, wie bei Parrys Doku-Serie „Tribe“, doch dafür umso fokussierter versucht der Filmemacher wieder alle Aspekte möglichst wertfrei zu dokumentieren, einzig die Bedrohung durch die globale Erwärmung zieht sich als dunkler Schatten durch alle Begegnungen.

Auch mit seiner dritten Doku-Serie hat mich Bruce Parry erneut begeistert. In nur fünf Episoden schafft er es die Augen für einen Lebensraum zu öffnen, dabei zu unterhalten und sehr persönliche Geschichten zu erzählen. Ich würde mich wirklich freuen, wenn dies nicht die letzte Dokumentation des sympathischen Menschenfreunds gewesen wäre: 9/10 Punkte.

The Wire – Season 1

Es wird Zeit den am längsten laufenden Running Gag dieses Blogs zu beenden: Ich habe endlich „The Wire – Season 1“ gesehen! Nach unzähligen Aufforderungen und Empfehlungen kann ich nun endlich auch mitreden, was den von vielen als beste Serie angesehenen TV-Meilenstein betrifft. Wird David Simons Show ihren zahlreichen Vorschusslorbeeren gerecht?

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Ich bin zutiefst enttäuscht. Überall habe ich gelesen „The Wire“ wäre unglaublich anstrengend, es gäbe keine zentralen Charaktere und den unterschiedlichen Handlungssträngen zu folgen wäre schon fast ein Ding der Unmöglichkeit. Von der Sprache einmal ganz zu schweigen. Da saß ich nun also nach drei doppelten Espresso mit meinem Notizbuch auf dem Schoß und machte mich bereit für ein hartes Stück Arbeit – die Erweiterung des Serien-Horizonts will schließlich verdient werden! Und was bekam ich zu sehen? Ein unglaublich unterhaltsames Crime-Drama! Kein Stück Arbeit, sondern allerbeste Unterhaltung. Puh, die folgenden Abende waren somit glücklicherweise gerettet…

Nach der Sichtung kann ich gut verstehen, warum „The Wire“ als qualitativ so hochwertige Serie wahrgenommen wird. Sie ist fantastisch geschrieben, kunstvoll inszeniert und gut gespielt. Warum man sie allerdings oft als anstrengend oder extrem kompliziert beschreibt, mag sich mir nicht erschließen. Natürlich bin ich inzwischen ein geübter Zuschauer, was serielle Erzählformen angeht, doch empfand die Serie als sehr zugänglich und die Charaktere wunderbar ausgearbeitet. Jeder Zuschauer, der Gefallen an den anderen großen HBO-Serien, wie z.B. „The Sopranos“, „Six Feet Under“ oder „Boardwalk Empire“ gefunden hat, wird absolut keine Probleme mit „The Wire“ haben – behaupte ich zumindest.

David Simons Serie lebt von den ausgefeilten Charakteren, die – jeder Charakter auf seine Weise – allesamt faszinierend sind. Der Wechsel zwischen Polizeiarbeit und Gangstermilieu bringt dabei die nötige Würze und man bekommt ein wahres Kaleidoskop an Aspekten zu sehen, welche Baltimore nicht gerade in ein gutes Licht rücken. Neben der eigentlichen Ermittlungstätigkeit und dem Gangsteralltag werden auch politische Verstrickungen angeschnitten, welche schlussendlich auch den Ermittlungen in die Quere kommen. Sehr deprimierend, speziell wenn man bedenkt welche Opfer der Fall gefordert hat.

Ich könnte nun noch über viele Aspekte schreiben, z.B. den wunderbaren Charakter Omar oder die Chancenlosigkeit der Jugend, die in solch einem Umfeld aufwächst. Die großartige Leistung von „The Wire“ ist es jedoch sich nicht zu sehr im Leid zu wälzen, sondern eben gerade menschliche Geschichten zu erzählen, die uns an dieser Welt teilhaben lassen. Dazu gehört neben all der kaltblütigen Grausamkeit eben auch Humor und Mitgefühl. Ich bin nun gespannt, welche Facetten der Stadt David Simon in den folgenden Staffeln noch abdecken wird. Meine Empfehlung: Schaut diese außergewöhnlichen Serie und lasst euch nicht, wie ich, davon abschrecken, dass sie zu kompliziert wäre: 9/10 (9.4) Punkte.

Fargo (1996)

Während alle Welt über den Golden Globe-Gewinner „Fargo“ berichtet, habe ich mir heute einmal wieder den zugrunde liegenden Film der Coen-Brüder angesehen. Ihr 1996er „Fargo“ begleitet mich schon seit etlichen Jahren – und auch diese inzwischen bestimmt schon dritte oder vierte Sichtung war ein großes Vergnügen…

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Manchmal ist es schon seltsam, wie die eigene Erinnerung in Bezug auf Filme funktioniert. Ich hätte schwören können, der Film beginnt mit Marge und Norm Gunderson im Bett, dann der Anruf und die Fahrt zum Tatort. Tatsächlich lernen wir Marge erst nach über einer halben Stunde kennen. Auch hatte ich keinen so geradlinigen Film in Erinnerung und hatte vermutet, dass alle vorherigen Geschehnisse erst während der Ermittlungen in Flashbacks aufgelöst werden. Wirklich seltsam. Trotz meiner verschobenen Wahrnehmung was die Chronologie angeht, waren mir die einzelnen Szenen jedoch noch bestens im Gedächtnis – und was für Szenen das sind!

„Fargo“ ist bestimmt einer der zugänglichsten Filme der Coen-Brüder. Man erlebt eine ziemlich geradlinige Kriminalgeschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht wirklich wunderbar geschrieben ist. Viele Coen-Welten wirken extrem artifiziell und satirisch. Auch in „Fargo“ sind die Charaktere überzeichnet und erinnern oft eher an Karikaturen, als an echte Personen, doch weit nicht so extrem wie, zum Beispiel, in „Barton Fink“ oder „Burn After Reading“. Speziell Marge Gunderson, gespielt von der großartigen Frances McDormand, bietet eine gewisse Erdung, die man als Besucher dieser seltsamen Zwischenwelt gerne annimmt.

Überhaupt diese Charaktere und ihre Schauspieler! William H. Macy endlich in einer Hauptrolle, die er gar wunderbar trägt. Die geheimen Stars des Films sind jedoch Steve Buscemi und Peter Stormare als ungleiches Gangsterduo, das sowohl für die lustigsten als auch schockierendsten Szenen des Films sorgt. Dieses Ungleichgewicht aus Humor und exzessiver Gewalt in der hypnotisch weißen Landschaft hat zudem ein eigenes Subgenre geprägt: Filme wie „Ein einfacher Plan“ oder „The Big White“ kombinieren ebenfalls schwarzhumorige Gangstergeschichten mit typischen Alltagsfiguren und übernehmen dabei das Setting im ewigen Schnee.

Obwohl mir die Geschichte, abseits ihrer genauen Reihenfolge, noch im Detail bekannt war, hat mich „Fargo“ abermals wahnsinnig gut unterhalten. Ich muss auch die neu abgetastete Blu-ray von MGM/20th Century Fox lobend erwähnen, die den Film aussehen lässt, als wäre er erst gestern gedreht worden – mit Filmkorn und allem. Großartig! Für mich ein Kleinod des Coen-Universums, das man sich tatsächlich immer wieder anschauen kann. Nun bin ich umso gespannter auf die zugehörige TV-Serie: 9/10 Punkte.

Total Recall: Die totale Erinnerung (1990)

Die Frau ist außer Haus, die Kinder schlafen, draußen tobt ein unglaublicher Sturm. Nachdem mir John Carpenters „Die Mächte des Wahnsinns“ bereits während der ersten fünf Minuten zu unheimlich war, habe ich mich mit „Total Recall: Die totale Erinnerung“ für einen längst überfälligen Klassiker entschieden. Nach unzähligen Sichtungen der geschnittenen TV-Version, liegt selbst die letzte Sichtung der damals noch indizierten DVD-Fassung bestimmt 10 Jahre zurück. Wie schlägt sich der Film heute nach all der Zeit?

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Vor ziemlich genau zwei Jahren hatte ich mir Len Wisemans 2012er Verfilmung der Philip K. Dick-Geschichte angeschaut. Diese bot komplett generische und glattgebügelte Sci-Fi-Action, welche man bereits dutzendfach besser gesehen hatte. Gerade in Anbetracht dieser Tatsache ist es aus heutiger Sicht umso erstaunlicher wie roh, ungeschliffen und mitreißend Paul Verhoeven seine Version vor 25 Jahren inszeniert hat. Auch wenn so mancher Effekt aus heutiger Sicht ein wenig angestaubt wirken mag, so funktionieren die echten Sets und Miniaturen doch ungleich besser, als die komplett digitalen Welten der Neuverfilmung – so gut diese auch aussehen mögen. Nach 5 bis 10 Minuten hatte ich mich an den Look der späten 80er bzw. frühen 90er gewöhnt und wurde wieder von der Geschichte mitgerissen.

Auch wenn ich im Vorfeld dachte, mich nicht mehr an jedes Detail erinnern zu können, so hatten sich doch unglaublich viele Bilder in mein filmisches Gedächtnis eingebrannt. Beinahe jede Szene hat mindestens eine ikonografische Einstellung zu bieten, die sich aus der Popkultur nicht mehr wegdenken lässt. Hinzu kommen unzählige Oneliner (z.B. „Consider this a divorce!“) und eine erstaunlich vielschichtige Handlung. Dabei nimmt sich der Film nicht komplett ernst, rutscht aber auch nicht in platte 80er Jahre Action ab. Paul Verhoeven trifft in „Total Recall“ stets den richtigen Ton und schuf somit einen der ultimativen Unterhaltungsfilme der 80er/90er Jahre.

Was soll ich sagen? „Total Recall“ funktioniert heute noch genauso gut wie damals. Ich beineide nur die heutige Jugend, die den inzwischen mit FSK 16-Freigabe versehenen Film einfach im Supermarkt mitnehmen können, während wir damals die Videotheken nach der ungeschnittenen Fassung abgrasen mussten. Aber vielleicht macht das die Filme dieser Ära heute auch so besonders. Für mich zweifellos einer der besten, wenn nicht sogar der beste Schwarzenegger-Film und auch im Werk Verhoevens ganz vorne mit dabei: 9/10 Punkte.

Captain Phillips (2013)

Nach einer viel zu langen Silvesternacht folgte heute Morgen das böse Erwachsen. Leckere Kiwi-Bowle, wenig Schlaf und Kinder sind keine gute Mischung. Umso erstaunlicher, dass ich nach den ersten Anlaufschwierigkeiten doch recht fit war und es letztendlich sogar für eine Filmsichtung reichte. Mit Paul Greengrass‘ „Captain Phillips“ hätte ich wohl auch keinen gelungeneren Einstieg in das neue Filmjahr finden können…

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Mein bisher einziger Kontakt mit Regisseur Paul Greengrass beschränkt sich auf „Die Bourne Verschwörung“ – und dieser Film ist mir nicht besonders positiv im Gedächtnis geblieben. Greengrass ist am ehesten wohl für seine Doku-Dramen bekannt, weshalb sein dokumentarischer Stil im fiktiven Bourne-Universum vielleicht auch so aufgesetzt und übertrieben wirkte. Auch in „Captain Phillips“ bedient sich der Regisseur viel der Handkamera und bevorzugt eine naturalistische Kameraführung, doch ist mir dies in keiner einzigen Szene negativ aufgefallen. Ich wurde regelrecht in die Handlung hineingezogen, was auch dem authentischen Schauspiel zu verdanken ist. Wirklich erstaunlich realistisch – soweit man dies eben bei solch einer dramatisierten Geschichtsstunde beurteilen kann.

Trotz der zugrunde liegenden wahren Begebenheit war mir der Ausgang des Geiseldramas nicht bekannt. Ein Umstand, der die beinahe körperlich spürbare Spannung wohl noch zusätzlich verstärkte. Am Ende der Tortur war ich sichtlich mitgenommen, was durch die ultrabrutale Auflösung der Geschichte noch gesteigert wurde. Greengrass erzählt die Geschichte so, wie sie sich nach den Aussagen des tatsächlichen Captain Phillips zugetragen hat, d.h. es überwiegt stark die US-Perspektive, doch versucht er gleichzeitig den somalischen Piraten ein Gesicht zu geben und sie, zumindest in gewissen Teilen, als Opfer der Umstände zu zeichnen. Trotz übergeordneter politischer Perspektive ist „Captain Phillips“ in erster Linie allerdings ein sehr persönliches und menschliches Drama.

Bei Antritt der Sichtung hätte ich wahrlich nicht gedacht, dass ich a) überhaupt über die gesamte Laufzeit wach bleiben und b) so stark mitgerissen werden würde. Tom Hanks spielt großartig und seine somalischen Gegenspieler stehen ihm in nichts nach. Den starken Fokus auf die Militärpräsenz hätte es im letzten Filmdrittel meiner Meinung nach nicht gebraucht, doch musste Greengrass ja auch diesen Aspekt der Geschichte übernehmen. Die emotionale Wirkung wurde dadurch nicht beeinträchtigt und ich nehme mir nun vor, Paul Greengrass (abseits des Bourne-Universums) doch noch ein paar Chancen einzuräumen: 9/10 Punkte.

Gravity (2013) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Gravity“ am 27. September 2024 zum dritten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Als ich vor etwas über einem Jahr Alfonso Cuaróns „Gravity“ im Kino sah, war ich davon begeistert. Ziemlich begeistert sogar. Gleichzeitig hatte ich aber auch die starke Vermutung, dass die Begeisterung ihren Ursprung hauptsächlich in der großartigen Technik hatte, die ich während der Erstsichtung genießen durfte. In IMAX 3D mit Dolby Atmos war der Film atemberaubend – wie jedoch sah es in 2D auf 42 Zoll und mit 2.1-Ton aus?

Gravity (2013) | © Warner Bros (Universal Pictures Germany GmbH)

Gravity (2013) | © Warner Bros (Universal Pictures Germany GmbH)

Erstaunlicherweise gar nicht einmal so anders. Der Film hatte mich bereits wieder aber der ersten Minute in seinen Bann gezogen. Die Handlung lässt uns Zuschauern keine Verschnaufpause und die von Sandra Bullock verkörperte Hauptfigur Dr. Sarah Stone stolpert von einer Katastrophe in die nächste. Mitreißend und – ja, auch auf kleinem Bildschirm und in 2D – atemberaubend. Nachdem ich nun einen Blick in das absolut sehenswerte Making of werfen konnte, habe ich noch mehr Respekt vor den Filmemachern. Mit „Gravity“ kann man jetzt schon einen Blick in die Zukunft des Kinos werfen.

Und wie funktioniert „Gravity“ mit bereits bestehender Kenntnis der einzelnen Handlungselemente? Erstaunlich gut. Die Geschichte wirkte auf mich dieses Mal noch kondensierter und fokussierter. Sehr angenehm in Zeiten überlanger Blockbuster. Auch emotional konnte mich Cuaróns futuristisches Überlebensdrama erneut packen; vielleicht sogar noch mehr als beim ersten Mal. Die Symbolik der Wiedergeburt ist omnipräsent, doch macht dies im Rahmen eines solch persönlichen Katastrophenfilms auch absolut Sinn.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass ich immer noch von „Gravity“ begeistert bin. Ich hätte nicht gedacht, dass ich nach nur einem Jahr wieder so viel Lust auf den Film haben würde. Er funktioniert auch in den eigenen vier Wänden immer noch fantastisch. Sollte irgendwann einmal ein Upgrade des Heimkinos anstehen, dann wird „Gravity“ wohl einer der ersten Filme sein, die es einweihen dürfen – und dann auch wieder gerne in 3D. Er war mir erneut ein Vergnügen, Herr Cuarón: 9/10 Punkte.

Alles eine Frage der Zeit – OT: About Time (2013)

Normalerweise stehe ich abends länger vor dem Regal und überlege, welcher Film uns für die nächsten zwei Stunden unterhalten darf. Heute ist die Wahl kurz und schmerzlos auf „Alles eine Frage der Zeit“ gefallen, der mir erst kürzlich vom wohl größten Filmfreund ans Herz gelegt wurde, den ich in meinem realen Umfeld kenne. Und was soll ich sagen? Vielen Dank für die Empfehlung!

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Bei „About Time“ kommen einige Dinge zusammen, die ich an Filmen liebe: Zunächst einmal wäre da das Zeitreisen. Seit ich damals auf der Geburtstagsfeier eines Grundschulfreundes ein paar Minuten von „Zurück in die Zukunft“ erhaschen durfte, war es um mich geschehen. Dann Richard Curtis, in dessen Geschichten ich mich bereits mit „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ verliebt hatte und dessen „Notting Hill“ in meinem Leben stets einen ganz besonderen Platz einnehmen wird. Hinzu kommt eine wunderbare Vater-Sohn-Geschichte, für welche ich ohnehin empfänglich bin. Kein Wunder also, dass all diese Elemente bei mir Eindruck hinterlassen sollten…

Ich finde es toll, wie beiläufig das doch sehr fantastische Element der Zeitreise in den Film eingearbeitet wurde. Es wirkt zu keiner Zeit störend oder wie ein reines Gimmick. Typische Themen, wie der Schmetterlingseffekt oder der Einsatz der Fähigkeit um Reichtum zu erlangen, werden zwar direkt angesprochen, doch mit einer wunderbaren Leichtigkeit wegerklärt, dass es eine Freude ist. Somit konzentriert man sich eher auf Charaktere und Emotionen, als auf die Logik – bzw. deren temporäre Abwesenheit. Speziell die Schauspieler (allen voran der großartige Bill Nighy sowie die bezaubernden Domhnall Gleeson und Rachel McAdams) verleihen dem Film eine Bodenständigkeit, die man bei der ausgefallenen Prämisse leicht hätte vermissen können.

Am Ende von „About Time“ war ich gerührt, glücklich und – auch wenn die Botschaft des Films nicht sonderlich innovativ ist – nachdenklich. Natürlich habe ich nach dem Betreten der dunklen Küche auch die Türe hinter mir geschlossen, die Fäuste geballt und an einen bestimmten Moment gedacht. Und ich habe mir vorgenommen den Film garantiert nicht zum letzten Mal gesehen zu haben. Um eben alle Details noch einmal genießen zu können. Ein größeres Kompliment kann man Richard Curtis wohl nicht machen. Wenn man nicht der weltgrößte Zyniker ist, dann sollte man dieser fantastischen Romanze auf jeden Fall eine Chance geben – ihr werdet es nicht bereuen: 9/10 Punkte.

The LEGO Movie (2014)

Ich habe „The LEGO Movie“ am 22. Juni 2019 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Eine anstrengende Woche geht zu Ende – und doch komme ich meinen Bloggerpflichten nach und bespreche mit „The LEGO Movie“ einen (sogar noch recht aktuellen) Film. Wie sich diese Spielzeug-Verfilmung im Vergleich zu Peter Bergs „Schiffe versenken“ bzw. „Battleship“ schlägt, erfahrt ihr in der kommenden Besprechung zwar nicht, doch solltet ihr dennoch unbedingt weiterlesen…

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Vermutlich sollte ich zunächst etwas zu meiner persönlichen Beziehung zu den bunten Bausteinen schreiben: Als Kind war LEGO für mich das Größte. Ich konnte mich tagelang hinsetzen und immer wieder die verschiedensten Sachen bauen. Zwar hatte ich auch etliche Fertigbausätze (z.B. eine Ritterburg oder ein riesiges Piratenschiff), doch am meisten Spaß hatte ich damit eigene Welten zu entwerfen und die kleinen gelben Figuren darin Geschichten erleben zu lassen. Mein vor weit über 20 Jahren gebautes Prachtexemplar (ein individuell gebautes Raumschiff) liegt übrigens immer noch beinahe vollständig aufgebaut in einer Kiste im Keller.

Für mich sind die schönsten Kindheitserinnerungen, zumindest was das alleine Spielen angeht, untrennbar mit LEGO verbunden. Was allerdings animierte LEGOs – speziell auch die schon seit Jahren existierenden Videospiele – angeht, so hat sich der Reiz für mich nie erschlossen. Insofern war ich umso gespannter, wie denn „The LEGO Movie“ bei mir ankommen würde.

Anfangs war ich fast schon ein wenig überfordert von den knallbunten Farben und dem beinahe etwas hakeligen Animationsstil (der das LEGO-Spielen aber natürlich perfekt trifft). Es passiert unglaublich viel und man muss schon wirklich am Ball bleiben, um keinen Gag zu verpassen. Und Gags gibt es reichlich! Was die Art des Humors angeht, so hat mich der Film oft an eine etwas harmlosere Variante von „Die Simpsons“ erinnert, und der popkulturelle Overkill steht den Anspielungen eines „Ralph reichts“  in der Videospielwelt in nichts nach. Wirklich großartig!

Die Geschichte ist dabei einerseits wunderbar simpel gestrickt, sie besitzt andererseits allerdings auch etliche Ebenen, über die man in vielerlei Hinsicht schmunzeln kann. Auch wenn „The LEGO Movie“ im Prinzip als ein einziger, großer Werbespot für das dänische Spielzeugunternehmen gesehen werden könnte (und er es zu gewissen Teilen bestimmt auch ist), so wäre das doch eine zutiefst zynische Sicht auf das Werk. Man könnte Elemente des Films sogar als gewisse Kritik an den Franchise-Baukästen der letzten Jahre sehen, wodurch die wilde Kombinierwut mit den einfachen Bausteinen gehemmt wurde. Letztendlich funktioniert der Film auf jeder Ebene erstaunlich gut – und wenn durch den Erfolg mehr LEGO-Sets verkauft werden, was dann evtl. einen zweiten Film anstößt, soll es mir nur recht sein.

Neben den wunderbaren Sprechern (u.a. Chris Pratt, Will Arnett, Alison Brie, Charlie Day) sticht vor allem die großartige Inszenierung heraus, welche die bespielte LEGO-Welt fantastisch in CG-Bilder überträgt. Die Figuren sind nie 100%-ig glatt und wirken nur wie aus dem Computer, nein, sie haben Schrammen, kleine Fehler und bewegen sich wie von Hand, was im Rahmen der Handlung natürlich auch nur Sinn macht. Ihr merkt, ich bin rundum begeistert und kann euch die Sichtung von „The LEGO Movie“ nur ans Herz legen: 9/10 Punkte.

Guardians of the Galaxy (2014)

Aktualisierung: Ich habe „Guardians of the Galaxy“ am 20. Februar 2016 und am 18. Mai 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nur ein gutes Vierteljahr ist seit meinem letzten Kinobesuch vergangen, kaum zu glauben! Mit „Guardians of the Galaxy“ stand erneut ein Blockbuster auf dem Programm, der entsprechend zelebriert werden wollte, sprich mit 3D und IMAX. Leider jedoch gab es keine Vorstellung im englischen Originalton, was ich bei diesem Film besonders schade fand. Ob er mich trotz Synchro überzeugen konnte, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Guardians of the Galaxy (2014) | © Walt Disney

Guardians of the Galaxy (2014) | © Walt Disney

Zunächst einmal hatte mich der Prolog fast ein wenig aus der Bahn geworfen – wer hätte gedacht, dass mich der Film bereits in den ersten Minuten emotional so packen kann? Ist vielleicht auch ein Elternding, doch damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Dieser Schock war jedoch schnell wieder vergessen, denn bereits die Eröffnungstitel sind so wunderbar unterhaltsam inszeniert, dass es eine wahre Freude ist! Man lernt Hauptcharakter Peter ‚Starlord‘ Quill kennen, indem wir ihn (mit 60er/70er Jahre Sound im Ohr) über einen lebensfeindlichen Alien-Planeten tanzen sehen. Großartig! Auch die restlichen Guardians werden zeitnah eingeführt, was glücklicherweise völlig organisch geschieht während die Geschichte fortschreitet – Charaktere, Action, Dialoge und Humor bilden dabei eine Einheit, die untrennbar miteinander verbunden ist.

Der Film lebt vom Zusammenspiel der Charaktere. Wie bereits Marvels „The Avengers“ überzeugt auch „Guardians of the Galaxy“ hauptsächlich als Ensemblefilm, wofür Regisseur James Gunn mindestens ein ebenso geschicktes Händchen beweist wie Joss Whedon. Auch wenn ich ab und zu über die Synchro gestolpert bin, so sind die Dialoge doch frisch und pfeilschnell – ich freue mich jetzt schon unbandig auf die Sichtung im englischen Originalton! Die Schauspieler tragen ihren Teil zur gelungenen Chemie bei, allen voran der sympathische Chris Pratt (Andy Dwyer, „Parks and Recreation“), der es schafft dem draufgängerisch auftretenden Starlord auch die nötige emotionale Tiefe zu verleihen. Dies gilt übrigens für alle Figuren: selbst Rocket, Groot und Drax können als echte Charaktere überzeugen. Freunde von James Gunn werden übrigens einige Schauspieler aus seinen vorherigen Werken (u.a. „Slither“) entdecken.

Fazit

Der Film besitzt eine nahezu perfekte Balance in all seinen Versatzstücken. Man muss sich schon fast wundern, wie es sein kann mit einem Film, in dem ein sprechender Waschbär und ein laufender Baum tragende Figuren sind, solch einen großen Erfolg zu haben – zumal die meisten Zuschauer die Comicvorlage wohl nicht kennen dürften. Auch die stets präsenten 80er Jahre Anspielungen sind perfekt platziert – und ich bin mir sicher, dass wir als Kinder der 80er auch die eigentliche Zielgruppe von „Guardians of the Galaxy“ sind. Zumindest dürften wir am meisten Spaß mit dem Film haben. Und was für einen Spaß ich hatte! Schon lange war ich nicht mehr so überrascht, als der Film (übrigens mit einem grandiosen Finale) zu Ende ging. Das sollen 120 Minuten gewesen sein? Die wohl unterhaltsamsten 120 Minuten, die man zurzeit mit einem Film verbringen kann. Für mich der bisher gelungenste Marvel-Film. Unbedingt anschauen: 9/10 Punkte.

Beginners (2010)

Bei manchen Filmen weiß ich schon im Vorfeld, dass sie mir gefallen werden. Und dennoch zögere ich die Sichtung aus irgendeinem Grund hinaus. Auch Mike Mills‘ „Beginners“ ereilte dieses Schicksal: Obwohl ich den Trailer großartig fand und die Blu-ray bereits seit Monaten im Regal steht, habe ich mich nie überwinden können den Film tatsächlich einzulegen. Heute jedoch war es endlich soweit…

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Geschichten welche die Beziehung zwischen Vater und Sohn in den Mittelpunkt stellen, haben seit jeher eine starke emotionale Wirkung auf mich. Seit dem Tod meines Vaters vor nicht einmal drei Jahren umso mehr. Auch „Beginners“ stellt diese Beziehung in den Mittelpunkt der Geschichte. Der Film beginnt zudem damit, dass Oliver Fields (Ewan McGregor) die Wohnung seines verstorbenen Vaters ausräumt. Bereits während dieser ersten Szene hatte ich feuchte Augen – und das sollte sich über den Verlauf des Films nicht ändern, obwohl er alles andere als deprimierend oder hoffnungslos ist. Mills erzählt in seinem autobiographisch angehauchten Film eine Geschichte über das Alter, Neuanfänge und die pure Lust am Leben.

So herrlich absurd das Coming-out des 75jährigen Hal Fields (Christopher Plummer) teils wirkt, so schwingt doch beständig eine Ernsthaftigkeit mit, die uns die Last der gesellschaftlichen Konventionen stets vor Augen hält. Der Film umspannt Generationen, was uns durch wunderbare Stillbild-Montagen nahe gebracht wird. Zutiefst tragische Momente wechseln sich mit solchen der Glückseeligkeit ab, was zu Beginn – ebenso wie die unterschiedlichen Zeitebenen – ein wenig anstrengend wirkt. Doch mit jeder weiteren Minute zeigt sich, dass jede fragmentarisch angehauchte Erinnerung ihren Platz in der Geschichte hat. Der Film fügt sich letztendlich wie ein großes Puzzle der Emotionen zusammen.

Die drei vier Hauptdarsteller Ewan McGregor, Christopher Plummer, Mélanie Laurent sowie Hund Cosmo spielen allesamt fantastisch und es war eine Freude ihnen beim Lachen, Weinen und Herumalbern zuzusehen. Das Ende hat mich emotional noch einmal so richtig mitgenommen, wenngleich es auch eine positive Art der Traurigkeit war. Schwierig zu erklären. Schon lange hat mich kein Film mehr so im tiefsten Inneren packen können. Mike Mills hat mit „Beginners“ ein kleines Meisterwerk geschaffen, das auch aufgrund seiner naturalistischen Inszenierung zu packen weiß: 9/10 Punkte.