Shameless (US) – Season 1

Über die US-Fassung von „Shameless – Season 1“ habe ich in den letzten Jahren schon viel Gutes gelesen. So viel Gutes, dass ich mir inzwischen schon die ersten drei Staffeln zugelegt habe, obwohl ich mir nicht ganz sicher war, dass diese Serie tatsächlich auf meiner Wellenlinie liegt. Nun habe ich mit der Sichtung begonnen und kann nur in den allgemeinen Begeisterungstaumel einstimmen. Die Gallaghers sind wirklich eine ganz besondere Familie…

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Mit US-Remakes von UK-Erfolgsserien ist das so eine Sache. Oft werden diese komplett an die Wand gefahren und verschwinden noch innerhalb ihres ersten Jahres von der Bildfläche – oder kann sich jemand von euch noch an die Remakes von „Coupling“ oder „The IT Crowd“ erinnern? Eben. Andere Remakes bzw. US-Versionen, wie  zum Beispiel „The Office“, konnten dagegen große Erfolge verbuchen. Vermutlich auch, weil sie sich über ihre Laufzeit von der UK-Version emanzipiert haben. In diese Kategorie fällt wohl auch „Shameless“, was sich spätestens mit der zweiten Staffel komplett vom UK-Original lösen soll. Ich kann dies jedoch (noch) nicht beurteilen, zumal ich auch die UK-Fassung, von ein paar Ausschnitten auf YouTube einmal angesehen, nicht gesehen habe.

Wenn man unvoreingenommen an die Serie herangeht, dann erlebt man doch ein paar Überraschungen. So unverblümt und schamlos werden in anderen Serien wohl selten politisch unkorrekte Themen verarbeitet. Einzig „It’s Always Sunny in Philadelphia“ würde mir hier einfallen, wobei „Shameless“ was die Charaktere angeht doch ein wenig komplexer ist: Die Gallaghers bewegen sich am sozialen Rand, den wir in unserer Gesellschaft nur zu gerne ignorieren. Anders als man es erwarten würde, zieht die Serie daraus nicht nur Drama, sondern vor allem viel Humor. Die Autoren gehen dabei komplett mitleidslos mit ihren Charakteren um und schwenken oft in einem Bruchteil von Sekunden von Mitleid zu Abscheu, wobei die Sympathie mit den Gallaghers meist die Oberhand behält. Zumindest mit den Kindern, denn Familienoberhaupt Frank, kongenial gespielt von William H. Macy (bekannt aus „Fargo“ oder „Magnolia“), ist einer der selbstzerstörerischsten und narzisstischsten Charaktere, die mir jemals untergekommen sind – und dennoch schaut man ihm sehr gerne zu.

Es wäre leicht gewesen, die Charaktere der Lächerlichkeit Preis zu geben oder sie aus der Distanz belächeln zu lassen, doch man ist ganz nahe bei ihnen. Ihre Probleme werden greifbar und selbst aus den absurdesten Situationen entwickelt sich glaubwürdiges Drama. Da es sich um eine Pay-TV-Serie handelt, wird auch mit Sex und Gewalt nicht gegeizt, was glücklicherweise nicht aufgesetzt wirkt, sondern gut in diese Welt passt. Ebenfalls perfekt gewählt wurde der Soundtrack, der sich größtenteils aus Alternative Rock von Punk bis Indie-Ballade zusammensetzt. Wahrlich großartig. Hierzulande unbekanntere Bands wechseln sich mit großen Namen wie Jimmy Eat World (mit „Littlething“ aus INVENTED in der letzten Montage der Staffel) ab, was für eine ganz besondere Atmosphäre sorgt.

Aufgrund der Thematik hatte ich im schlimmsten Fall ein selbstzweckhaftes Sozial-Drama erwartet, das die falschen Töne trifft. Tatsächlich ist „Shameless“ eine wunderbar entfesselte Familienserie, die nah an ihren Charakteren dran ist und uns Zuschauer ohne jegliche Distanz involviert. Die Handlungsstränge sind ungewöhnlich, die Autoren nehmen kein Blatt vor dem Mund – und über kurz oder lang sind einem die Gallaghers einfach ans Herz gewachsen. Ich freue mich schon extrem auf die zweite Staffel: 9/10 (8.8) Punkte.

Masters of Sex – Season 1

Nach einem Ausflug zu den Anfängen meiner Serienleidenschaft ins Jahr 1993, ging es mit „Masters of Sex – Season 1“ wieder zurück zum modernen Serienkino der 2010er Jahre. Bei dem Titel (und zugegebenermaßen auch Pay-TV-Sender Showtime) könnte man leicht eine Serie mit Schmuddel-Touch erwarten, doch bekommt man ein historisches Drama präsentiert, das am ehesten an „Mad Men“ erinnert. Sex gibt es dennoch zu genüge, jedoch ist dieser tatsächlich ausnahmsweise relevant für die Handlung. Alles nur Show oder tatsächlich ernsthaftes Drama?

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Während der ersten paar Episoden war ich wirklich schwer begeistert: eine absolut famose Ausstattung, grandiose Schauspieler sowie ein spannendes und ungewöhnliches Thema. Man ist es heutzutage ja gewohnt recht explizite Sexszenen in TV-Serien zu sehen, doch sind diese meist selbstzweckhaft und dienen oft nicht wirklich der Handlung. Aufgrund der Thematik der Serie ist dies in „Masters of Sex“ natürlich nicht so, wenngleich man sich auch fragen könnte, ob nicht das Thema an sich schon einen gewissen Selbstzweck verfolgt. Egal wie man es dreht und wendet, die Serie stellt nicht nur Sex wunderbar offensiv in den Mittelpunkt, sondern auch das damit einhergehende Beziehungsgeflecht: Sex, Liebe, Vertrauen. Es lässt sich eben nicht alles durch pure Zahlen beschreiben.

Mit Michael Sheen und Lizzy Caplan hat die Serie zwei fantastische Hauptdarsteller, welche die Geschichte mühelos tragen. Dies ist auch bitter nötig, denn speziell ihre Beziehung untereinander könnte schlechter gespielt leicht ins Unglaubwürdige abdriften. So aber ist es eine Freude den beiden Charakteren dabei zuzusehen, wie sie für ihre Studie kämpfen und, im wahrsten Sinne des Wortes, alles dafür geben. Doch auch was die Nebendarsteller angeht (u.a. Beau Bridges und Allison Janney als dysfunktionales Ehepaar) hat die Serie einiges zu bieten. Auch Ausstattung und Inszenierung sind über jeden Zweifel erhaben und wirken, wie die meisten heute produzierten Serien, eher wie für die große Leinwand gemacht.

Zu Beginn habe ich „Masters of Sex“ mit „Mad Men“ verglichen, was aufgrund der formalen Aspekte auch unbedingt nahe liegt. Über den Verlauf der Staffel musste ich jedoch feststellen, dass Drehbuch und Handlung nicht ganz mit dem fantastisch geschriebenen AMC-Drama mithalten können. Die Serie bleibt stets unterhaltsam, doch so manche Charakterentwicklung wirkt überhastet und auch die Dialoge könnten geschliffener sein. Letztendlich schadet das dem Unterhaltungswert kaum, doch überstrahlt das soapig anmutende Beziehungsdrama oft die eigentlich spannendere Handlung rund um die Studie und größere Themen.

Auch wenn „Masters of Sex“ nicht das große neue Drama ist, so weiß das historische Setting, das komplexe Beziehungsgeflecht und – wie sollte es anders sein? – das Thema Sex, aus mehr oder weniger wissenschaftlicher Sicht, bestens zu unterhalten. Man sollte sich aber keine Illusionen machen, dass das Gezeigte historisch besonders fundiert wäre; es ist eine fiktionale Serie, die ein gewisses historisches Setting sowie reale Personen aufgreift. Der Rest ist pure Unterhaltung in hochwertigstem Gewand: 9/10 (8.5) Punkte.

Veronica Mars (2014)

Nachdem ich heute nach der Arbeit noch spontan meine zwei Wasserratten ins Freibad entführt hatte, war ich danach eigentlich reif für einen ausgiebigen Sofaschlaf. Doch es kam ein neues Päckchen mit zwei Filmen an – und „Veronica Mars“ war einer davon. Eigentlich sollte man meinen, dass ich nach acht Jahren des Wartens (dem Ende meiner Sichtung der dritten Staffel) noch einen Abend länger hätte warten können, doch dem war nicht so. Und somit ging es zurück nach Neptune, Kalifornien…

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Als ich damals von der Kickstarter-Kampagne hörte, war ich sehr erfreut, aber auch nicht übermäßig gehypt, da meine Sichtung der Serie doch schon wieder sehr lange zurücklag. Dennoch verfolgte ich die Neuigkeiten um die Entstehung des Films mit großem Interesse und markierte mir den Kinostart im Kalender. Ins Kino geschafft habe ich es aufgrund der verschwindend geringen Anzahl an O-Ton-Kopien natürlich nicht – und wie man am Datum der Sichtung merkt, hat die Blu-ray auch nicht sofort ihren Weg in mein Filmregal gefunden. Vorfreude war zwar noch vorhanden, doch die Erwartungen eher gemäßigt. Vielleicht einer der Gründe, warum mich der Film deshalb umso mehr überzeugte. Hach, toll!

Schon nach ein paar Minuten sahen meine Frau und ich uns an und sprachen zeitgleich aus, wie sich der Film anfühlt: Es ist als würde man nach Hause zurück kommen. So, damit habe ich es gesagt. Spätestens jetzt sollte allen Lesern klar sein, dass ich trotz meiner gedämpften Erwartungen im Vorfeld ein komplett rosarotes Fanboy-Erlebnis hatte. Well, you know what they say: Veronica Mars, she’s a marshmallow. Auch heute noch. Auch nach acht Jahren ist die Magie wieder da gewesen, die Dialoge waren schmissiger denn je und alle wichtigen Charaktere haben Neptune einen Besuch abgestattet. Es gab Fanservice an allen Ecken, jedoch nie aufdringlich und plump, sondern immer sympathisch und authentisch.

Wie zu erwarten fühlt sich die Geschichte an, wie eine große Episode der TV-Serie. Dies mag für Zuschauer, welche die Serie nicht kennen, seltsam erscheinen, doch Fans werden sich sofort zu Hause fühlen. Auch wenn eine Produktion wie „Veronica Mars“ natürlich auf finanziellen Erfolg aus ist, so wirkt die Fan-Komponente hier echt und sympathisch genug, dass ich dem gesamten Erlebnis unglaublich wohlwollend gegenüberstand – ganz ähnlich wie „Hit & Run“, dem Film von Kristen Bells Ehemann Dax Shepard, der auch im Film seiner Frau einen urkomischen Cameo-Auftritt absolvieren durfte.

Was soll ich sagen? Ich bin begeistert und fast ein wenig traurig, dass es nur ein Film war und kein Pilot einer neuen Serienstaffel. Zu gerne würde ich noch weitere Fälle mit Veronica Mars lösen und Neptune auf den rechten Pfad bringen. Aber man muss ja dankbar sein für das, was man bekommt – und nach „Firefly“ und „Serenity“ hat es nun also auch mit „Veronica Mars“ geklappt. Dass beide Filme kein großer finanzieller Erfolg waren, unterstreicht den Fan-Gedanken und macht sie deshalb wohl umso exotischer und besonders für die Serien- bzw. Filmgeschichte. Schon lange hat kein Film mehr so konsequent über seine gesamte Laufzeit ein Lächeln auf meine Lippen gezaubert – deshalb lautet die Fanboy-Wertung: 9/10 Punkte.

12 Years a Slave (2013)

Zu manchen Filmsichtungen muss man sich fast schon durchringen. So ging es mir zumindest mit „12 Years a Slave“ – wahrlich keine leichte Feierabendunterhaltung. Doch eine solche hätte es nach dem phänomenalen „Mad Max: Fury Road“ auch schwer gehabt. Steve McQueens 2014er Oscar-Gewinner hat mich jedoch von der ersten Sekunde an in seinen Bann gezogen. Es war keine einfache Sichtung, doch bin ich wirklich froh den Film gesehen zu haben. Manche Geschichten sind es einfach wert erzählt und gehört bzw. gesehen zu werden.

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Mir ist die Geschichte der Sklaverei noch aus dem Schulunterricht bekannt. Ebenso habe ich während der Schulzeit Steven Spielbergs „Amistad“ gesehen, an den ich mich jedoch kaum noch erinnern kann. Steve McQueens „12 Years a Slave“ hat mich erstmals emotional das Ausmaß dieser düsteren Periode nachvollziehen lassen. So gut das eben ein Film schaffen kann. Der historisch belegte Tatsachenroman aus Solomon Northups Perspektive bildet zudem eine erschreckend greifbare Grundlage. Man kann sich nur zu gut mit Northup identifizieren, was die Unbegreiflichkeit der unmenschlichen Handlungen umso schockierender macht. Auch wenn mich so schnell keine fiktive Gewaltszene mehr aus der Fassung bringt, so musste ich meinen Blick in manchen Szenen doch abwenden. McQueen beschönigt nichts – und das ist gut so.

Überhaupt ist die Inszenierung unglaublich. Obwohl man sich in den pittoresken Südstaaten befindet, wirkt selbst jede Landschaftsaufnahme wie ein Gefängnis. Es gibt kaum Kamerafahrten und oft ist das Bild durch natürliche Bildelemente, wie zum Beispiel ein Holzgerüst oder Bäume, zusätzlich dichter kadriert. Auch die Wahl langer Brennweiten verstärkt das Gefühl der Enge und der Ausweglosigkeit. All dies findet jedoch nicht aufdringlich statt, sondern bildet die perfekte Form für diese Art von Geschichte. Selbst Hans Zimmers Score ist wunderbar unaufdringlich und bleibt oftmals sogar komplett aus. Man könnte sagen, dass „12 Years a Slave“ unsentimental erzählt ist, hätte er nicht diese emotional mitreißende Wirkung.

Müsste ich einen Kritikpunkt finden, dann dass die 12-jährige Tortur zu komprimiert erzählt wirkt. Allerdings wäre mehr innerhalb eines Filmes wohl auch nicht möglich gewesen – und in einer Serie wäre das Thema in dieser drastischen Form (auch wenn sich mit „Roots“ bereits dieser Thematik angenommen wurde) wohl nur schwer zu ertragen. Letztendlich bleibt ein tieftrauriger Film, der uns leicht den Glauben an die Menschheit verlieren lassen könnte. Das Finale mag deshalb vielleicht übermäßig versöhnlich erscheinen, doch darf man nicht vergessen, dass Solomon Northup einer der Wenigen war, die ein glückliches Ende erfahren durften. Erschütternd, tieftraurig und dennoch unbedingt sehenswert: 9/10 Punkte.

The Wire – Season 5

Es ist vorbei. Eines meiner bisher besten Serienerlebnisse, das ich zuvor viel zu lange aufgeschoben hatte. Nachdem die letzten Minuten von „The Wire – Season 5“ nun über den Bildschirm geflimmert sind, kann ich mich emotional noch nicht wirklich aus dieser Welt lösen. Das über die letzten drei Monate erlebte war einfach zu intensiv, erschütternd, aufwühlend und – ja, auch das – unterhaltsam. Was werde ich diese Serie vermissen… Spoiler sind zu erwarten.

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Auch wenn es Kritik auf sehr hohem Niveau ist, so wird die fünfte Staffel von „The Wire“ eher als schwächer wahrgenommen. Auch ich hatte mit einem speziellen Handlungsstrang anfangs so meine Probleme und der Fokus auf den Journalismus bzw. das Zeitungswesen war mir für die gerade einmal 10 Episoden zu weich. Gerne hätte ich mehr darüber erfahren, doch bleibt David Simon dabei ziemlich an der Oberfläche, zumal etliche andere Elemente der vorhergehenden Staffeln noch weitergeführt werden. Dies funktioniert aber, wenn man ehrlich ist, erstaunlich gut und die Serie schöpft das Potential, das in den vielen losen Enden liegt, vollkommen aus. Es ist eben ein Abschied. Und Abschied schmerzt und ist selten harmonisch. Warum sollte das gerade bei „The Wire“ anders sein?

Ich habe es schon angeschnitten: Der Handlungsstrang rund um Jimmy McNultys Serienkiller hat für mich zu Beginn nicht in die Serie gepasst. Er wirkte wie ein Fremdkörper, konnte dann später in Verbindung mit der Bloßstellung des ehrlichen Journalisten aber doch noch Punkte sammeln. Dennoch bleibt das Gefühl, dass dieser Aspekt ein wenig konstruiert wirkt. Was mich in dieser Staffel wohl am meisten schockiert und bewegt hat, ist Omars Schicksal. Eigentlich war klar, dass er die Serie nicht als strahlender Held verlassen kann, doch selten wurde das Ableben eines solch beliebten Charakters so nebenbei und unspektakulär erzählt. Noch Tage danach war ich vollkommen perplex – und auch wenn ich die Autoren dafür gehasst habe, so war es doch im Sinne der Serie die richtige Entscheidung. Einfach nur ein Schlag ins Gesicht.

Was die Qualität der individuellen Staffeln angeht, so ist diese auf einem durchgängig sehr hohen Niveau. Rückblickend hätte ich wahrscheinlich sogar noch ein paar Punkte mehr an die einzelnen Episoden vergeben müssen, da sich manche Handlungsstränge erst über etliche Folgen bzw. teils sogar Staffeln entwickeln. Letztendlich ist es ein Kopf-an-Kopf-Rennen, welches speziell für die tolle zweite Staffel aus heutiger Sicht ein wenig unfair erscheint:

  1. „The Wire – Season 4“ (9.5 Punkte)
  2. „The Wire – Season 3“ (9.5 Punkte)
  3. „The Wire – Season 5“ (9.5 Punkte)
  4. „The Wire – Season 1“ (9.4 Punkte)
  5. „The Wire – Season 2“ (9.3 Punkte)

Nun ist mein Besuch in Baltimore also vorerst vorüber – und ja, die Serie ist tatsächlich so gut wie ihr Ruf. Wenn ihr also, wie ich, bis vor ein paar Monaten, noch nicht in „The Wire“ reingeschaut habt, dann soll euch diese Besprechung als Inspiration dienen. Gerade die letzte Episode mit über 90 Minuten Laufzeit ist so unglaublich gut, dass sie die gesamte Staffel trotz des durchwachsenen Anfangs aufwertet. Jeder Handlungsstrang findet noch einmal Beachtung und auch wenn die Botschaft nur ist, dass das Leben auf der Straße weitergeht, so wird dies doch absolut brillant in Szene gesetzt. Der Kreis schließt sich und jeder Archetyp wird neu besetzt. Ein ewiger Kreislauf. Dennoch für viele Charaktere versöhnlich – und das ohne milde zu wirken. Perfekt. Eine der besten, wenn nicht tatsächlich sogar die beste Serie, die ich bisher gesehen habe: 9/10 (9.5) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Veep – Season 2

Knapp ein halbes Jahr nachdem ich Julia Louis-Dreyfus erstmals in ihrer neuen Paraderolle als amerikanische Vizepräsidentin bewundern durfte, bin ich mit „Veep – Season 2“ endlich wieder ins fiktive Washington, D.C. zurückgekehrt. Dieses Mal sogar für zwei Episoden mehr, was ein weiterer Grund für Freude war!

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Auch wenn ich es eigentlich geplant hatte, so bin ich noch nicht dazu gekommen, mir die britische Mutterserie „The Thick of It“ anzusehen. Immerhin steht der zugehörige Kinofilm „In the Loop“ bereits im Regal und wartet auf seine Sichtung. Doch auch ohne Kenntnis der anderen Schauplätze in diesem politischen Universum hatte ich erneut wieder enorm viel Spaß mit Selina Meyer und ihrem verrückten Team – zumal ich mich bereits in dieser Welt zu Hause fühlte und nicht die Hälfte der ohnehin sehr kurzen Staffel brauchte, um mich darin zurechtzufinden.

Insgesamt hat mir die zweite Staffel sogar noch etwas besser gefallen als das ohnehin schon sehr gute erste Jahr rund um die amerikanische Vizepräsidentin. Julia-Louis Dreyfus scheint noch entfesselter und so manche Episode ist – ‚She walked through a glass door? What is that, code?‘ – einfach nur großartig! Das kommende dritte Jahr scheint zudem noch einmal ordentlich Schwung in die Handlung zu bringen, worauf ich mich schon sehr freue. Hoffentlich wird die Wartezeit nicht zu lang: 9/10 (8.5) Punkte.

The Wire – Season 2

Nachdem ich mich jahrelang vor einer Sichtung gedrückt hatte, kann ich inzwischen nicht genug von dieser Serie bekommen. Es ist wirklich faszinierend, wie stark „The Wire – Season 2“ das Serienuniversum erweitert und den Zuschauer somit noch tiefer in dieses fiktive und doch nur allzu realistisch wirkende Abbild Baltimores hineinzieht. Die Serie entwickelt einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann…

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Während der ersten Episode hat mich ein wenig das Gefühl beschlichen, dass mich der Hochmut, mit dem ich mich zur Komplexität der ersten Staffel geäußert habe, in den Hintern beißen sollte. Neues Setting, neue Charaktere und eine anders wirkende Atmosphäre. Ich war zunächst mindestens so verloren, wie unsere Hauptfiguren, die sich allesamt neu orientieren mussten. Hinzu kommt der komplett neue Mikrokosmos des Containerhafens von Baltimore, welcher fremd und seltsam wirkt. Ab der zweiten Episode hatte mich die Serie jedoch wieder komplett im Griff, was unter anderem auch gerade an den neuen Handlungssträngen lag. Wer hätte das gedacht?

David Simon ist das Kunststück gelungen, die ohnehin schon nicht kleine Welt der ersten Staffel völlig organisch zu erweitern. Auch wenn das Setting am Hafen anfangs wie ein Fremdkörper wirkt, so kann ich mir inzwischen nicht mehr vorstellen, die Serie ohne diesen Schauplatz zu sehen. Vermutlich wird mir das nun bei jeder weiteren Staffel so gehen, was absolut als Kompliment an die Autoren zu verstehen ist. Bei „The Wire“ gibt es keinen Stillstand, sondern nur beständige Weiterentwicklung, ohne dabei jedoch auf völlig abstruse Cliffhanger zu setzen, wie man es von anderen Serien kennt. Großes Erzählkino, wie man es besser noch kaum gesehen hat.

Ein kleines, nicht unbedeutendes Element möchte ich an dieser Stelle noch hervorheben: Normalerweise sieht man in Filmen oder TV-Serien immer völlig abstruse Benutzeroberflächen und die eingesetzte Software besitzt Fähigkeiten, die sie eher in den Bereich Sci-Fi katapultiert, als in einem Krimi bzw. Thriller verorten lassen würde. In „The Wire“ befindet man sich dagegen in der Windows-Welt und die eingesetzte Abhörsoftware sieht so unspektakulär aus, dass man sie einfach, zumindest als jemand außerhalb des Polizei-Umfelds, für bare Münze nehmen kann. Auch diese kleinen Details machen David Simons Serie zu etwas Besonderem.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass auch die zweite Staffel von „The Wire“ ihrem Ruf absolut gerecht wird. Ich fand sie fast noch erschütternder, als die erste, da sie den Schwerpunkt eher auf die Opfer der Umstände legt, als die Drahtzieher professionell organisierter Kriminalität. Speziell Chris Bauer spielt als Frank Sobotka teils herzzerreißend, bis hin zum tragischen Finale. Absolut ergreifend, wie auch viele andere Schicksale. Somit kann die zweite Staffel trotz des schwierigeren Einstiegs nahtlos an die Qualität der ersten Staffel anschließen – und ist in letzter Konsequenz beinahe noch deprimierender: 9/10 (9.3) Punkte.

Arctic with Bruce Parry (2011)

Es war lange ruhig im Doku-Bereich – und neben Bruce Parry wartet auch Louis Theroux darauf, dass ich ihn endlich einmal wieder auf seinen Abenteuern begleite. Mit „Arctic with Bruce Parry“ habe ich mich jedoch zunächst dem nettesten aller Briten angeschlossen, um ihn auf seiner Reise in die Arktis zu begleiten…

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Wie bereits bei der vorangegangenen Doku-Serie „Amazon with Bruce Parry“ liegt auch der Fokus des Nachfolgers darin, komplexe Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Lebensmodellen in einer speziellen Region (u.a. Grönland, Alaska und Kanada) zu zeigen. Bei Arktis denkt man zunächst nur an schneebedeckte Flächen, doch tatsächlich machen diese nur einen Bruchteil des faszinierenden Lebensraums aus. Aufgrund dieser Vielfalt bleibt die Serie sowohl inhaltlich als auch visuell stets abwechselnd.

Auch dieses Mal liegt die Faszination in den unterschiedlichen Lebensweisen begründet, die man als Zuschauer durch die Augen des Abenteurers kennenlernt. Nicht so vielfältig, wie bei Parrys Doku-Serie „Tribe“, doch dafür umso fokussierter versucht der Filmemacher wieder alle Aspekte möglichst wertfrei zu dokumentieren, einzig die Bedrohung durch die globale Erwärmung zieht sich als dunkler Schatten durch alle Begegnungen.

Auch mit seiner dritten Doku-Serie hat mich Bruce Parry erneut begeistert. In nur fünf Episoden schafft er es die Augen für einen Lebensraum zu öffnen, dabei zu unterhalten und sehr persönliche Geschichten zu erzählen. Ich würde mich wirklich freuen, wenn dies nicht die letzte Dokumentation des sympathischen Menschenfreunds gewesen wäre: 9/10 Punkte.

The Wire – Season 1

Es wird Zeit den am längsten laufenden Running Gag dieses Blogs zu beenden: Ich habe endlich „The Wire – Season 1“ gesehen! Nach unzähligen Aufforderungen und Empfehlungen kann ich nun endlich auch mitreden, was den von vielen als beste Serie angesehenen TV-Meilenstein betrifft. Wird David Simons Show ihren zahlreichen Vorschusslorbeeren gerecht?

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Ich bin zutiefst enttäuscht. Überall habe ich gelesen „The Wire“ wäre unglaublich anstrengend, es gäbe keine zentralen Charaktere und den unterschiedlichen Handlungssträngen zu folgen wäre schon fast ein Ding der Unmöglichkeit. Von der Sprache einmal ganz zu schweigen. Da saß ich nun also nach drei doppelten Espresso mit meinem Notizbuch auf dem Schoß und machte mich bereit für ein hartes Stück Arbeit – die Erweiterung des Serien-Horizonts will schließlich verdient werden! Und was bekam ich zu sehen? Ein unglaublich unterhaltsames Crime-Drama! Kein Stück Arbeit, sondern allerbeste Unterhaltung. Puh, die folgenden Abende waren somit glücklicherweise gerettet…

Nach der Sichtung kann ich gut verstehen, warum „The Wire“ als qualitativ so hochwertige Serie wahrgenommen wird. Sie ist fantastisch geschrieben, kunstvoll inszeniert und gut gespielt. Warum man sie allerdings oft als anstrengend oder extrem kompliziert beschreibt, mag sich mir nicht erschließen. Natürlich bin ich inzwischen ein geübter Zuschauer, was serielle Erzählformen angeht, doch empfand die Serie als sehr zugänglich und die Charaktere wunderbar ausgearbeitet. Jeder Zuschauer, der Gefallen an den anderen großen HBO-Serien, wie z.B. „The Sopranos“, „Six Feet Under“ oder „Boardwalk Empire“ gefunden hat, wird absolut keine Probleme mit „The Wire“ haben – behaupte ich zumindest.

David Simons Serie lebt von den ausgefeilten Charakteren, die – jeder Charakter auf seine Weise – allesamt faszinierend sind. Der Wechsel zwischen Polizeiarbeit und Gangstermilieu bringt dabei die nötige Würze und man bekommt ein wahres Kaleidoskop an Aspekten zu sehen, welche Baltimore nicht gerade in ein gutes Licht rücken. Neben der eigentlichen Ermittlungstätigkeit und dem Gangsteralltag werden auch politische Verstrickungen angeschnitten, welche schlussendlich auch den Ermittlungen in die Quere kommen. Sehr deprimierend, speziell wenn man bedenkt welche Opfer der Fall gefordert hat.

Ich könnte nun noch über viele Aspekte schreiben, z.B. den wunderbaren Charakter Omar oder die Chancenlosigkeit der Jugend, die in solch einem Umfeld aufwächst. Die großartige Leistung von „The Wire“ ist es jedoch sich nicht zu sehr im Leid zu wälzen, sondern eben gerade menschliche Geschichten zu erzählen, die uns an dieser Welt teilhaben lassen. Dazu gehört neben all der kaltblütigen Grausamkeit eben auch Humor und Mitgefühl. Ich bin nun gespannt, welche Facetten der Stadt David Simon in den folgenden Staffeln noch abdecken wird. Meine Empfehlung: Schaut diese außergewöhnlichen Serie und lasst euch nicht, wie ich, davon abschrecken, dass sie zu kompliziert wäre: 9/10 (9.4) Punkte.

Fargo (1996)

Während alle Welt über den Golden Globe-Gewinner „Fargo“ berichtet, habe ich mir heute einmal wieder den zugrunde liegenden Film der Coen-Brüder angesehen. Ihr 1996er „Fargo“ begleitet mich schon seit etlichen Jahren – und auch diese inzwischen bestimmt schon dritte oder vierte Sichtung war ein großes Vergnügen…

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Manchmal ist es schon seltsam, wie die eigene Erinnerung in Bezug auf Filme funktioniert. Ich hätte schwören können, der Film beginnt mit Marge und Norm Gunderson im Bett, dann der Anruf und die Fahrt zum Tatort. Tatsächlich lernen wir Marge erst nach über einer halben Stunde kennen. Auch hatte ich keinen so geradlinigen Film in Erinnerung und hatte vermutet, dass alle vorherigen Geschehnisse erst während der Ermittlungen in Flashbacks aufgelöst werden. Wirklich seltsam. Trotz meiner verschobenen Wahrnehmung was die Chronologie angeht, waren mir die einzelnen Szenen jedoch noch bestens im Gedächtnis – und was für Szenen das sind!

„Fargo“ ist bestimmt einer der zugänglichsten Filme der Coen-Brüder. Man erlebt eine ziemlich geradlinige Kriminalgeschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht wirklich wunderbar geschrieben ist. Viele Coen-Welten wirken extrem artifiziell und satirisch. Auch in „Fargo“ sind die Charaktere überzeichnet und erinnern oft eher an Karikaturen, als an echte Personen, doch weit nicht so extrem wie, zum Beispiel, in „Barton Fink“ oder „Burn After Reading“. Speziell Marge Gunderson, gespielt von der großartigen Frances McDormand, bietet eine gewisse Erdung, die man als Besucher dieser seltsamen Zwischenwelt gerne annimmt.

Überhaupt diese Charaktere und ihre Schauspieler! William H. Macy endlich in einer Hauptrolle, die er gar wunderbar trägt. Die geheimen Stars des Films sind jedoch Steve Buscemi und Peter Stormare als ungleiches Gangsterduo, das sowohl für die lustigsten als auch schockierendsten Szenen des Films sorgt. Dieses Ungleichgewicht aus Humor und exzessiver Gewalt in der hypnotisch weißen Landschaft hat zudem ein eigenes Subgenre geprägt: Filme wie „Ein einfacher Plan“ oder „The Big White“ kombinieren ebenfalls schwarzhumorige Gangstergeschichten mit typischen Alltagsfiguren und übernehmen dabei das Setting im ewigen Schnee.

Obwohl mir die Geschichte, abseits ihrer genauen Reihenfolge, noch im Detail bekannt war, hat mich „Fargo“ abermals wahnsinnig gut unterhalten. Ich muss auch die neu abgetastete Blu-ray von MGM/20th Century Fox lobend erwähnen, die den Film aussehen lässt, als wäre er erst gestern gedreht worden – mit Filmkorn und allem. Großartig! Für mich ein Kleinod des Coen-Universums, das man sich tatsächlich immer wieder anschauen kann. Nun bin ich umso gespannter auf die zugehörige TV-Serie: 9/10 Punkte.