Prisoners (2013)

Nach einer kurzen Nacht und einem noch längeren Tag hat der entspannte Teil des Abends eigentlich viel zu spät begonnen, um noch einen Film zu schauen. Dennoch wollte ich endlich den viel gelobten „Prisoners“ sehen, was mit einer Laufzeit von über 150 Minuten ein gewagtes Unterfangen war. Um 23:30 Uhr saßen meine Frau und ich schließlich wie gebannt vor dem Fernseher und mussten das Gesehe erst einmal verdauen. Ein besseres Zeichen kann es für einen gelungenen Film wohl nicht geben – doch lest selbst die spoilerfreie Besprechung…

prisoners_2

Glücklicherweise wusste ich zuvor kaum etwas über den Film, außer seiner groben Prämisse und dass er eben sehr gelungen sein soll. Ich bin jemand, der bei mehr oder weniger klassischen Whodunits beständig am Rätseln ist – und meist treffen meine Theorien dann auch ziemlich früh ins Schwarze. Auch bei „Prisoners“ hatte ich mir mehrmals eingebildet, den Film durchschaut zu haben. Fehlanzeige. Aaron Guzikowskis Drehbuch wartet mit etlichen Wendungen auf, die ich meist nur mit kurzem Vorsprung erkennt hatte – wenn überhaupt. Äußerst angenehm fand ich zudem Denis Villeneuves zurückgenommene Inszenierung, die den Schauspielern und den von Kameramann Roger A. Deakins‘ wunderbar trostlos eingefangenen Bildern entsprechend viel Freiraum gibt. Die letzte große Wendung, mag man sie als solche bezeichnen, wird zudem völlig nebenbei und im Sinne der Geschichte erzählt. Keine Effekte, kein Tusch, kein erzwungener Aha!-Effekt. Nur die Emotionen der Charaktere. Großartig!

Ich habe schon lange keinen Film mehr gesehen, bei dem ich unter solch konstanter Spannung stand. Dabei gibt es kaum Actionszenen oder Schockmomente. Der Film ist stets sehr nah an seinen Figuren dran und lässt uns Zuschauer an ihrer Innenwelt teilhaben, ohne jedoch jeden Gedanken auszuformulieren. Themen wie Glaube, Determinismus, Selbstjustiz und Schuld bestimmen die kargen Bilder, doch gibt „Prisoners“ weder seinen Figuren noch uns Zuschauern eindeutige Lösungsansätze an die Hand. Einzig das oft wiederholte Zitat ‚Pray for the best, but prepare for the worst.‘ scheint stellvertretend für den gesamten Film zu stehen und hat mich beinahe über die gesamte Laufzeit an der Sofakante sitzen lassen.

Da ich nicht mehr zum Inhalt verraten möchte – schaut euch den Film einfach selbst an! –, bleibt mir nur noch seine formalen Aspekte, die großartigen Schauspieler und das packende Drehbuch zu loben. Obwohl, oder gerade weil, die Geschichte sehr langsam erzählt wird, entfaltet sie einen Sog, dem ich mich nur schwer entziehen konnte. Solltet ihr dieses Jahr nur einen Thriller schauen, dann legt „Prisoners“ in den Player – ihr werdet es nicht bereuen: 9/10 Punkte.

Girls – Season 1

Da ich seit einiger Zeit darauf verzichte TV-Serien live zu verfolgen, sammelt sich stets ein ziemliches Programm an, das es nachzuholen gilt. Auch die HBO-Produktion „Girls – Season 1“ gehört dazu. Zu Beginn war ich ein wenig skeptisch, denn teils habe ich durchaus so meine Probleme mit Judd Apatow, der Lena Dunhams Serie unter seine Fittiche genommen hat. Vielleicht war die positive Überraschung deshalb umso größer…

girls_season_1

Oft wurde „Girls“ im Vorfeld als „Sex and the City“ für eine neue Generation beschrieben. Auch dies hatte mich im Vorfeld abgeschreckt, konnte ich mit dem HBO-Hit der späten 90er/frühen 2000er Jahre nie etwas anfangen. Doch schon nach der ersten Episode kam mir Dunhams Serie viel wahrhaftiger vor, was auch dadurch unterstützt wird, dass es mit Shoshanna eine Figur gibt, die wie eine Satire auf die typischen „Sex and the City“-Fans angelegt ist. Überhaupt nimmt die Serie sich und ihre Figuren nie zu ernst und betrachtet ihre scheinbar ziellose Generation stets mit einem gewissen Augenzwinkern.

Vermutlich kann ich nicht richtig beurteilen, ob „Girls“ das Lebensgefühl junger Frauen Anfang 20 tatsächlich treffend wiedergibt, schließlich bin ich ein Mann und inzwischen auch bestimmt 10 Jahre älter als die Charaktere der Serie. Für mich fühlen sich gewisse Themen, Probleme und Zukunftsängste allerdings durchaus authentisch an, einzig der starke Fokus auf Sex wirkt – typisch für HBO – teils ein wenig forciert. Hinzu kommt ein Look, der direkt Instagram zu entspringen scheint und diese seltsame Art der beinahe schon zu perfekten Retro-Indie-Ästhetik trifft, die man heute eben schick findet – und es funktioniert auch hier tadellos.

Am meisten beeindruckt hat mich wohl Lena Dunham selbst, die nicht nur Serie und Charaktere erfunden hat, sondern sich auch für die Drehbücher verantwortlich zeigt, in den meisten Episoden Regie geführt hat und die Hauptrolle der Hannah Horvath gar wunderbar verkörpert. Ein echtes Multitalent. Großartig! Ich war wirklich oft überrascht, wie unkonventionell und überraschend so mancher Handlungsstrang doch weitergeführt wird. Die 10 Episoden à 27 Minuten mögen kurz erscheinen, jedoch sichert dieses Format auch die beständig hohe Qualität. Ich vermisse die „Girls“ bereits jetzt und freue mich unbandig auf die zweite Staffel: 9/10 (9.3) Punkte.

Der Schatzplanet – OT: Treasure Planet (2002)

Aktualisierung: Ich habe „Der Schatzplanet“ am 22. August 2021 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Für den gestrigen Abend hatte ich mir einen persönlichen Klassiker ausgesucht, der leider viel zu wenig geschätzt wird. Die modernisierte Literaturverfilmung „Der Schatzplanet“ ist einer der letzten klassisch animierten Disney-Filme, die vor der Ausrichtung auf 3D – und mit „Küss den Frosch“ aus dem Jahr 2009 der Rückkehr zu 2D – produziert wurden. Leider wird der Film oft gerne vergessen, wenn es um die großen Disney-Filme geht. Für mich gehört er allerdings unzweifelhaft zu meinen Lieblings-Disney-Filmen…

treasure_planet

Mit „Atlantis: The Lost Empire“ und auch der „Der Schatzplanet“ versuchte Disney einen etwas erwachseneren Ansatz bzw. schielte auf die Zielgruppe der Teenager. Das bedeutet auch kein Gesang und gleich mehrere Todesfälle – und hätte leicht in die Hose gehen können, doch haben die Autoren mit „Die Schatzinsel“ eine klassische Vorlage des Autors Robert Louis Stevenson genommen und sie erstaunlich originalgetreu in ein futuristisches Setting übertragen. Der jugendliche Held Jim Hawkins (gesprochen von Joseph Gordon-Levitt) ist ein typischer Draufgänger mit Herz, doch verzichtet Disney dankenswerter Weise darauf, eine zusätzliche Liebesgeschichte einzubauen. Der Film konzentriert sich ganz auf seine Beziehung zur Vaterfigur John Silver, durch die beide Charaktere definiert werden.

Disney wäre jedoch nicht Disney, wenn es nicht eine Vielzahl an Nebencharakteren gäbe, die einen großen Unterhaltungswert besitzen: Aus dem Einsiedler Ben Gunn wurde z.B. der verrückte Roboter B.E.N. und John Silvers Papagei ist dem Formwandler Morph gewichen. Überhaupt strotzt das steampunkig angehauchte Sci-Fi-Setting nur so vor visuellen Ideen, dass es eine wahre Freude ist! Besonders die Kombination aus 3D-Hintergründen und 2D-Charakteren ist wirklich gelungen und lässt den Film sehr dynamisch wirken: eine audiovisuelle Pracht.

Meine Lieblingsszene ist wohl die Montage zu John Rzezniks I’M STILL HERE, die mich emotional jedes Mal aufs Neue mitreißt. Überhaupt schafft es der Film in kürzester Zeit uns seine Charaktere ans Herz wachsen zu lassen. Mein einziger Kritikpunkt ist wohl, dass die erste Hälfte von „Der Schatzplanet“ noch ein wenig stärker ist als die zweite, die zu sehr auf Effekte und eine Auflösung der Geschichte setzt. Da mochte ich die Charakterszenen auf dem Schiff doch lieber, wenngleich diese Struktur natürlich durch die Vorlage bedingt ist.

Wer Disney-Animationsfilme mag und aufgrund diverser Vorurteile bisher einen großen Bogen um „Treasure Planet“ gemacht hat, der sollte diese spätestens jetzt schleunigst über Bord werfen und auf der R.L.S. Legacy anheuern. Für mich 90 Minuten perfekte Unterhaltung – und neben „Titan A.E.“ der zweite große Sci-Fi-Animationsfilm, den ich immer wieder gerne sehe: 9/10 Punkte.

Friday Night Lights – Season 4

Mit knapp zwei Wochen Sichtungszeit hat mich „Friday Night Lights – Season 4“ noch intensiver am Leben in Dillon teilhaben lassen, als die vorhergehenden Staffeln. Ich finde es nach wie vor unglaublich, wie stark die Sogwirkung ist, die von dieser TV-Serie über High School-Football in Texas ausgeht. Das  hätte ich zuvor niemals gedacht. Doch auch die vorletzte Staffel hat bewiesen, dass man ohne Vorurteile an solch eine Serie herangehen sollte… Spoiler sind zu erwarten.

fnl_s4

Das vierte Jahr in Dillon, doch auch das vierte Jahr mit den Dillon Panthers? Es hatte sich ja bereits im Finale der dritten Staffel abgezeichnet, dass große Veränderungen anstehen – und das sollte sich auch bewahrheiten. Die Änderungen sind teils sogar so gravierend, dass man als Kenner der ersten drei Staffeln beinahe das Gefühl hat, in einem Reboot gelandet zu sein. Es gibt viele neue Charaktere und mit der Verlagerung des Handlungsschwerpunkts an die East Dillon High fühlt sich auch die texanische Kleinstadt anders an, als in den Staffeln zuvor. Überhaupt wird die Serie düsterer und dramatischer, bleibt dabei aber realistisch und glaubwürdig – und bindet uns Zuschauer somit noch enger an ihre Charaktere.

Trotz der Veränderungen besteht zu keiner Sekunde ein Zweifel, dass man man weiterhin „Friday Night Lights“ vor sich hat. Dies liegt vor allem natürlich an den Taylors, die weiterhin das Zentrum nahezu aller Handlungsstränge bilden. Mit Tim Riggins entwickelt sich zudem ein Charakter beständig weiter, den man bereits seit der ersten Staffel verfolgt. Weiterhin gelingt es den Autoren auch in diesem Jahr liebgewonnenen Figuren einen emotional packenden und inhaltlich zufriedenstellenden Abschluss zu gewähren. Das habe ich besser wohl noch in keiner anderen Serie erlebt, zumal die meisten Figuren auch nicht einfach weg sind, sondern weiterhin Gastauftritte haben und ihre Bedeutung für die Zurückgelassenen stets greifbar bleibt.

Mit Vince Howard und Luke Cafferty gibt es zwei neue Hauptfiguren, die sich wunderbar in die Serie einfügen und dabei doch komplett neue Wege beschreiten. Ich kannte die beiden Schauspieler zudem bereits aus Jason Katims aktuell laufender Serie „Parenthood“, in der Michael B. Jordan und Matt Lauria ebenfalls fantastisch spielen. Überhaupt sind die Schauspieler allesamt großartig und es ist für mich abermals unvorstellbar, wie Taylor Kitschs Kinokarriere mit u.a. „Battleship“ so gnadenlos floppen konnte. Sein Handlungsstrang ist einer der bewegendsten der gesamten Staffel.

Auch wenn ich das vierte Jahr in Dillon erneut großartig fand, so waren die Änderungen zu Beginn doch so einschneidend, dass ich eine gewisse Eingewöhnungszeit benötigt habe. Dennoch kann ich den Autoren nur meinen Respekt zollen, dass sie sich für solch einen mutigen Schritt entschieden haben. Für das fünfte Jahr erhoffe ich mir noch Großes und sehe dem Ende der Serie bereits jetzt mit dickem Kloß im Hals entgegen: 9/10 (9.2) Punkte.

Friday Night Lights – Season 3

Während ich diese Zeilen schreibe, weiß ich bereits dass die letzten zwei Staffeln dieser fantastischen Serie viel zu schnell an mir vorbeiziehen werden. Auch „Friday Night Lights – Season 3“ habe ich in knapp zweieinhalb Wochen verschlungen, was aufgrund der verringerten Zahl von nur 13 Episoden auch kein Wunder ist. Vielleicht gelingt es der Serie aber gerade deshalb ihre Stärken weiter auszubauen und ohne Längen eine mitreißende Geschichte zu erzählen. Spoiler sind zu erwarten.

fnl_s3_1

Im Vergleich zu den teils ein wenig absonderlich wirkenden Handlungssträngen der zweiten Staffel, fokussieren sich die Autoren im dritten Jahr wieder mehr auf die Charaktere und deren Entwicklung. Am meisten hat es mich wohl beeindruckt, wie konsequent die Geschichten einzelner Figuren zu Ende erzählt werden: die letzten Auftritte von Smash Williams und Jason Street haben bei mir einen dicken Kloß im Hals hinterlassen. Toll geschrieben, ergreifend und fantastisch gespielt – und das ohne jeglichen Anflug von Kitsch oder falscher Sentimentalität. Auch im kommenden Jahr gibt es einige Senior-Spieler, was erneut sehr emotional werden dürfte.

Auch wenn es zu Beginn ein wenig plötzlich erschien, Tami Taylor als Rektorin der Dillon High zu sehen, so war dieser Schritt in Bezug auf das Spannungsfeld zwischen Bildung und Football sowie zwischen ihr und Coach Taylor doch absolut richtig. Die Figuren entwickeln sich weiter ohne dabei ihre markanten Charakterzüge zu verlieren. Genau so müssen TV-Serien geschrieben sein und ich kann immer noch kaum glauben, dass sich solch herausragende Qualitäten gerade in einer scheinbar schnöden Football-Serie finden lassen. Hier spielen einige Faktoren zusammen, die für mich einfach funktionieren: Drehbuch, Schauspiel und Inszenierung. So will ich das sehen!

Aufgrund der nur 13 Episoden vergeht die Staffel wie im Flug. Auch das Football-Jahr ist schneller vorbei, als man glauben mag. Mit J.D. McCoy gibt es einen einen neuen Spieler, der in jeder Hinsicht für Spannungen sorgt, besonders was die Beziehung zwischen Eltern und Kindern sowie gegenseitigen Erwartungen angeht. In diesem Spannungsfeld stecken auch Lyla und Buddy Garrity, was anderen Figuren (in diesem Fall Tim Riggins) neue Möglichkeiten eröffnet. Ihr seht schon: Das Beziehungsgeflecht ist hochgradig komplex, was die Serie so spannend macht.

Für mich stellt die dritte Staffel bisher das Highlight dar. Auch wenn ich gerne wieder volle 22 Episoden gesehen hätte, so glaube ich dass die Staffel gerade durch die komprimierte Erzählweise an Qualität gewonnen hat. Das großartige Finale stellt zudem die Weichen neu und ich kann mir jetzt schon vorstellen, dass sich mit dem vierten Jahr so einiges ändern wird in Dillon. Solange die Qualität so hoch bleibt, soll es mir recht sein: 9/10 (9.4) Punkte.

Friday Night Lights – Season 1

Seit ich vor ein wenig über zwei Jahren erfuhr, dass sich Jason Katims (der Showrunner hinter „Parenthood“) auch für „Friday Night Lights – Season 1“ verantwortlich zeichnet, habe ich versucht an die Serie heranzukommen. Vor ein paar Monaten war es endlich soweit und in UK erschien eine preiswerte Komplettbox mit allen fünf Staffeln der Serie. Nach dem Ende von „Brothers & Sisters“ war mein nächstes Großprojekt also gesichtert…

fnl_s1_4

Auch wenn ich mich sehr auf die Serie gefreut habe, so war ich aufgrund der Thematik doch eher skeptisch. Eine Serie mit American Football als dem zentralen Thema? Nicht nur, dass ich mich nicht für American Football interessiere – nein, jeglicher im TV übertragener Massensport (allen voran Fußball) ist mir völlig fremd und lässt mich dementsprechend kalt. Kein Wunder also, dass mich die erste Episode ein wenig überforderte. In dieser stand der Sport zentral im Mittelpunkt – so kam es mir bei der Sichtung zumindest vor, wenngleich mich Julies wunderbarer Vergleich bereits hätte aufhorchen lassen müssen: ‚Moby Dick is actually the perfect metaphor for this town. The cold black sea representing the season in all its uncertainties. The magical white whale is the Holy Grail.‘

Ein paar Episoden später hatten mich die Charaktere gefesselt und spätestens nach der Hälfte der Staffel gab es kein Halten mehr. Ich war ein waschechter Fan der Dillon Pathers: Clear eyes, full hearts, can’t loose! Wer nun meint, ich hätte plötzlich meine Begeisterung für American Football entdeckt, der irrt. Das Spiel ist mir weiterhin fremd, ich verstehe die Spielzüge nicht – und doch schafft es die Serie diesen großen, aberwitzigen Zirkus auch für mich mitreißend und spannend zu inszenieren. Wie Julie in der ersten Episode korrekt festgestellt hatte, ist das Spiel für die Stadt Dillon ein völlig verklärtes und überstilisiertes Ziel. Eskapismus für die Massen. Absurd und doch auf seltsame Weise einnehmend.

In der Serie ist American Football jedoch nur das Setting für allzu menschliche Dramen. Es werden große Themenkomplexe, wie körperliche Behinderung, Sex unter Teenagern, die Beziehung zwischen Eltern und Kindern, Drogenmissbrauch, Alkoholimus usw. angesprochen, ohne dass sich diese in den Vordergrund spielen oder die Charaktere der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Wie auch „Parenthood“ ist „Friday Night Lights“ sehr dokumentarisch inszeniert: Die Kamera ist in ständiger Bewegung, Dialoge überschneiden sich und man hat als Zuschauer das Gefühl stets live dabei zu sein. Sozusagen das „The Shield“ unter den Familienserien.

Am meisten begeistert haben mich jedoch die Charaktere, die wunderbar gezeichnet sind und von denen jeder einzelne wichtig für die Serie ist. Im Zentrum stehen natürlich Coach Eric Taylor (Kyle Chandler) und seine Frau Tami (Connie Britton), die unzweifelhaft das glaubwürdigste und sympathischste Serienpaar aller Zeiten sein dürften. Einfach nur großartig geschrieben. Doch auch die anderen Hauptfiguren besitzen Tiefe und Charakter. Was die Schauspieler angeht, so hat mich wohl Taylor Kitsch am positivsten überrascht, über den in „Battleship“ und „John Carter“ ja nur geschimpft wurde. Manchmal sind Serien für Schauspieler eben das bessere Kino.

Kritikpunkte konnte ich keine finden. Inzwischen sehe ich selbst die Football-Szenen recht gerne und würde mir sogar manchmal wünschen ein wenig mehr zu verstehen. Aber vermutlich ist das auch das größte Lob, das man der Serie machen kann: mich trotz einer Thematik, für die ich mich kein bißchen interessiere, bei der Stange zu halten, ist schließlich auch eine Kunst! Ohne die Anlaufschwierigkeiten während der ersten Episoden, wäre eine 10er Wertung durchaus denkbar gewesen – aber es ist auch schön noch Steigerungspotential zu haben: 9/10 (9.0) Punkte.

Django Unchained (2012)

Dieses Wochenende ist das Wochenende der verpassten Filme: gestern das letzte James Bond-Abenteuer nachgeholt, heute den jüngsten Tarantino. Vor ein paar – okay, zugegebenermaßen ein paar mehr – Jahren wäre es für mich undenkbar gewesen, einen neuen Tarantino-Film nicht im Kino zu sehen. Letztendlich musste „Django Unchained“ sogar unwürdig lange im Filmregal warten, doch knapp drei Stunden Zeit wollen erst einmal gefunden werden. Heute war es jedoch endlich soweit – und es hat sich gelohnt…

django_unchained_5

Bereits die Eröffnungstitel fühlen sich so richtig nach Film an. Nach einem großen Film. Tarantino gelingt es abermals spielend gleichzeitig Hommage und stilbildendes Original zu inszenieren. Großartig! Der erste Auftritt von Christoph Waltz als Dr. King Schultz steht dem aus „Inglourious Basterds“ in nichts nach, auch wenn er eine ganz andere Grundstimmung besitzt und wohl nicht in die Filmgeschichte eingehen wird. Überhaupt ist mir sein Charakter schnell ans Herz gewachsen – und auch wenn es ein paar Parallelen zwischen Dr. King Schultz und Hans Landa gibt, so finde ich nicht, dass Tarantino und Waltz (wie man häufig liest) diesen Charakter nur recycelt haben.

Die Handlung wird für Taratino unüblich ziemlich geradlinig erzählt, doch schließlich handelt es sich hierbei um einen Western (bzw. Southern) – ein durch und durch geradliniges Genre. Die erste Hälfte ist beinahe schon ein ungewöhnlicher Buddy-Movie mit einigem Abenteuerflair. Übertriebene Schießereien, skurrile Momente und viel Humor prägen diesen Abschnitt des Westerns. Bei der Ku-Klux-Klan-Szene musste ich mehr lachen, als bei den meisten ausgewiesenen Komödien über ihre gesamte Laufzeit. Einfach nur herrlich! Doch Tarantino wäre nicht Tarantino, würde die Atmosphäre nicht irgendwann komplett kippen.

Mit der Ankunft in Candyland, und dem damit verbundenen Auftritt von Leonardo DiCaprio (gebt dem Mann endlich einen Oscar!) als Calvin Candie, weicht die übertrieben und unterhaltsam inszenierte Gewalt von „Django Unchained“ plötzlich fiesem Realismus. An dieser Stelle beweist Tarantino erneut sein Können, indem er seinen Kritikern in klaren Bildern zeigt: all das kann Gewalt in Filmen sein – von spaßigen Blutfontänen in Großaufnahme, bis zum unangenehmen Einschlagen eines Schädels. Letzteres off-screen wohlgemerkt. Ein unverdauliches Fressen für seine üblichen Kritiker.

Trotz der immensen Laufzeit habe ich mich zu keiner Sekunde gelangweilt. Ich mochte die fantastischen Dialoge, die extrem motivierten Schauspieler, die Zwischentöne, die plötzlichen Stilbrüche, die tollen Landschaftsaufnahmen und den abermals mehr als perfekt zusammengestellten Soundtrack. Für mich ein echter Gewinner. Vor 15 Jahren hätte ich den Film in den kommenden Wochen bestimmt noch ein paar Mal gesehen. Heute bleibt vorerst dieser erste Eindruck – und der ist verdammt gut: 9/10 Punkte.

The Walking Dead – Season 3

Wie im vergangenen Jahr die zweite Staffel, hat mich auch „The Walking Dead – Season 3“ stark in ihren Bann gezogen. Dabei ist es mir anfangs schwer gefallen, mich nach dem ruhigen Aufbau des Vorjahres an das neue Tempo zu gewöhnen – auch wenn dies viele Zuschauer anders sahen und die vorübergehende Ausrichtung auf Action und Splatter willkommen hießen. Bietet das dritte Jahr also ein grundlegend anderes Serienerlebnis?

the_walking_dead_s3_1

Im Gegensatz zu vielen anderen Zuschauern mochte ich das in der zweiten Staffel präsentiere Setting „Unsere kleine Farm“ während der Zombie-Apcalypse sehr gerne. Man vergaß mitunter die stets vorhandene Bedrohung, weshalb die Angriffe der wandelnden Toten meist noch viel drastischer wirkten. Ganz anders der Beginn der dritten Staffel: Unsere Helden wirken abgeklärt und eine knallharte Zombie-Metzelei folgt auf die Nächste. Das war mir schon fast zuviel des Guten, machte im Gesamtzusammenhang der Staffel aber Sinn, denn spätestens mit Auftreten des Governors entsteht ein ganz neues Spannungsfeld – und die Zombie-Apocalypse verkommt abermals zum reinen Setting für menschliche Dramen.

Den Mittelteil der Staffel (ca. Episode 4 bis Episode 10) fand ich am stärksten: Es kommt zu interessanten Konstellationen, Beziehungen werden auf die Probe gestellt und die Spannungsschraube wird beständig angezogen. Leider verpufft der aufgestaute Druck im weiteren Verlauf ein wenig, doch mit den letzten beiden Episoden gibt es noch einmal Drama par excellence zu sehen. Das Warten auf die kommende Staffel wird folglich nicht einfach werden, doch hat es sich dieses Jahr auf jeden Fall gelohnt. Mal sehen, welchen Weg die Showrunner nun einschlagen und ob ich es bis dahin schaffe, doch einmal in die Vorlage reinzulesen.

Auch wenn die dritte Staffel von „The Walking Dead“ aufgrund so mancher dramaturgischer Entscheidung nicht perfekt ist, so wurde ich doch bestens unterhalten. Und wer weiß schon, ob man in solch einer Zombie-Apokalypse selbst stets einen kühlen Kopf bewaren und sinnvolle Entscheidungen treffen würde? Hat definitiv Spaß gemacht und ich bin immer noch erstaunt, wie sich solch eine Genrenische im Mainstream-TV etablieren konnte – und dazu noch so erfolgreich. Gerne mehr davon: 9/10 (8.5) Punkte.

The Shield – Season 7

Mit diesem Eintrag heißt es einmal wieder von einer Serie Abschied nehmen. Knapp 9 Monate hat es somit gedauert, bis ich mit „The Shield – Season 7“ das Epos rund um die Polizeidienststelle The Barn abgeschlossen hatte. Eine aufregende Zeit mit stets neuen Wendungen und Charakterentwicklungen. Insbesondere das Finale setzt noch einmal neue Maßstäbe und wird mir bestimmt noch lange in Erinnerung bleiben… Spoiler sind zu erwarten.

the_shield_s7

Die letzte Staffel von „The Shield“ führt konsequent weiter, was in den vorhergehenden Staffeln begonnen wurde: den endgültigen Untergang des Strike Teams. Am Ende ist die Rechnung für Vic Mackey aufgegangen, doch für welchen Preis? Ein komplexer Plan wurde auf Kosten aller auch nur am Rande beteiligten Personen – sei es seine Familie, Kollegen oder sogar Freunde – in die Tat umgesetzt. Nicht nur aufgrund diese Kompromisslosigkeitdeshalb erinnerte mich das Finale stark an eine andere Serie, deren letzte Episode ich vor nur wenigen Tagen sah, nämlich „Breaking Bad“ – insbesondere die Gemeinsamkeiten zwischen beiden Hauptfiguren.

Die Parallelen zwischen Vic Mackey und Walter White sind enorm: Beide sind skrupellose Soziopathen, wenn es darum geht ihre Pläne in die Tat umzusetzen. Beide genießen den Kick ihres illegalen Handelns, geben jedoch vor es nur für ihre Familie zu tun. Beide wenden sich offen und versteckt gegen Freunde und Verbündete. Beide Charaktere schaffen es, dass man trotz ihrer unglaublichen Taten – was besonders in der vorletzten Episode „Possible Kill Screen“ wunderbar auf den Punkt gebracht wird – weiterhin mit ihnen mitfiebert. Und trotz aller Qualitäten, die „Breaking Bad“ ausmachen, hat mich das Finale von „The Shield“ weit mehr schockiert, überrascht und mitgenommen.

Generell ist der Konsens, dass die Qualität von „The Shield“ in den späteren Staffeln steigt. Auch für mich waren die letzten drei Staffeln am stärksten, da sich in diesen die Schlinge rund um das Strike Team immer enger zieht, was dazu führt dass sich dessen Mitglieder gegeneinander stellen. Ein wahrer Quell für unfassbar mitreißende Charaktermomente. Auch wenn es eine knappe Entscheidung war, so empfand ich die letzte Staffel tatsächlich als den Höhepunkt der Serie:

  1. „The Shield – Season 7“ (9.4 Punkte)
  2. „The Shield – Season 5“ (9.4 Punkte)
  3. „The Shield – Season 6“ (8.9 Punkte)
  4. „The Shield – Season 3“ (8.9 Punkte)
  5. „The Shield – Season 1“ (8.9 Punkte)
  6. „The Shield – Season 4“ (8.8 Punkte)
  7. „The Shield – Season 2“ (8.8 Punkte)

Neben Vics Handlungsstrang fand ich auch alle anderen Charaktere schön zu Ende erzählt. Besonders Claudette und Dutch wurde noch ein sehr emotionaler Moment spendiert, der ihre Beziehung wunderbar zusammenfasst. Letztendlich sind es aber die letzten Minuten mit Vic, die am stärksten in Erinnerung bleiben: Wie er in seinem Anzug ungelenk vor seinem Schreibtisch sitzt, die Sirenen wahrnimmt und machtlos aus dem Fenster sieht. Am Ende ein kurzes Glitzern in seinen Augen, als er in die Nacht zieht. Was er wohl für neue Pläne verfolgt?

Nach knapp 9 Monaten heißt es für mich nun Abschied nehmen von „The Shield“ – und ich kann sagen: Es war eine tolle Zeit. Die Serie ist roh, unangenehm, spannend und mitreißend. Oft haben mich diverse Wendungen überrascht und Entscheidungen schockiert. Dennoch hatte ich stets perfiden Spaß daran Vic Mackey und Co. auf ihren Streifzügen durch Farmington zu begleiten. Nicht nur für Fans von Cop-Shows eine äußerst empfehlenswerte Serie: 9/10 (9.4) Punkte.

Breaking Bad – Season 5

Vermutlich bin ich der letzte Film- bzw. Serien-Blogger, der über „Breaking Bad – Season 5“ berichtet. Als ich die Serie vor zwei Jahren für mich entdeckte, war ich sehr angetan, konnte jedoch nicht verstehen, warum gerade diese Show – im Vergleich zu anderen, ebenso hochwertigen Serien – solch einen durchschlagenden Erfolg hat. Im letzten Jahr hat sich der Hype um die Serie noch vervielfacht – alles nur geschicktes Marketing, oder völlig zu Recht?

breaking_bad_s5_2

Ein paar Minuten nach Sichtung des Finales kann ich nur sagen: Ja, „Breaking Bad“ wird seinem Ruf mehr als nur gerecht. Wie bereits in den letzten Jahren feuert die Serie in ihren letzten vier Episoden ein wahres Feuerwerk an Superlativen ab. Seien es die Schauspieler, sorgfältig aufgebaute Wendungen oder perfekt inszenierte Schläge in die Magengrube – Showrunner Vince Gilligan hat für seine Serie ein perfektes Ende gefunden. Der Kreis schließt sich an Walter Whites Geburtstag und nicht nur uns Zuschauern wird ein Moment der stillen Erinnerung gegeben. An die Anfänge eine der spannendsten Charakterentwicklungen der Seriengeschichte.

An dieser Stelle ist es Zeit Bryan Cranston zu loben. Der Schauspieler, der bisher nur durch seine Rolle als Familienvater in „Malcolm mittendrin“ und Nebenfigur in einigen Sitcoms (z.B. „The King of Queens“) auf sich aufmerksam gemacht hat. Vergleicht man den Walter der ersten Staffel mit Heisenberg auf dem Höhepunkt seines Schaffens, dann ist dies ein Unterschied wie Tag und Nacht – und das obwohl sich die Motivation der Figur kaum verändert, was besonders in den letzten Episoden noch einmal deutlich herauskommt und durch das grandiose Schauspiel Cranstons unterstrichen wird.

Betrachtet man die Handlung an sich, so ist es faszinierend zu sehen, was die Autoren nach dem großen Knall am Ende der vierten Staffel noch aus der Serie und ihren Figuren herausgeholt haben. Die Einführung eines Global Players im Drogengeschäft war zu Beginn ungewöhnlich, doch hat dies die Situation noch einmal verschärft. Der eigentliche Höhepunkt war für mich aber die längst überfällige Konfrontation zwischen Walter und Hank, die ich mir gerne noch ein wenig ausführlicher gewünscht hätte.

Wie man an der folgenden, qualitativen Einordnung der einzelnen Staffeln erkennen kann, ist „Breaking Bad“ eine der wenigen Serien, die sich seit ihrem ersten Jahr konsequent steigern konnten. Mit der fünften Staffel schaffen es die Showrunner rund um Vince Gilligan dann tatsächlich – trotz des unfassbaren Erfolgs – auf einem Höhepunkt auszusteigen, was sowohl ihnen als auch ihrem Sender AMC hoch anzurechnen ist. Doch seht selbst:

  1. „Breaking Bad – Season 5“ (9.1 Punkte)
  2. „Breaking Bad – Season 4“ (8.9 Punkte)
  3. „Breaking Bad – Season 3“ (8.7 Punkte)
  4. „Breaking Bad – Season 2“ (8.5 Punkte)
  5. „Breaking Bad – Season 1“ (8.3 Punkte)

Warum schafft es die Serie bei mir nicht die Höchstpunkzahl einzufahren? Es waren für mich immer wieder Episoden dabei, die eben nicht die vollen 10 Punkte wert waren. Daneben haben mich die Charaktere emotional nicht so packen können, wie dies anderen Serienfiguren gelingt. Auch eine Wiederholungssichtung von „Breaking Bad“ stelle ich mir schwierig vor, da doch die meisten Szenen von der aus ihren ungewissen Ausgang resultierenden Spannung leben.

Auch wenn es für mich nicht ganz zur Lieblingsserie reicht, so kann ich „Breaking Bad“ nur jedem empfehlen, der sich auch nur annährend für episches Erzählen in Serienform interessiert. Für AMC freut mich der Erfolg besonders, da es sich um eine der ersten großen Eigenproduktionen handelte, die erst weitere Serien dieses Formats ermöglichten. Düstere, lustige, spannende und beklemmende Unterhaltung in Bestform: 9/10 (9.1) Punkte.