Captain America: The First Avenger (2011)

Aktualisierung: Ich habe „Captain America: The First Avenger“ am 4. April 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Als ich vor zwei Wochen damit begonnen habe die Prequel-Filme zu „The Avengers“ zu sichten, hatte ich noch angenommen, dass ich frühestens zu dessen Heimkino-Auswertung mit ihnen durch bin. Jedoch weit gefehlt: Gestern Abend stand mit „Captain America: The First Avenger“ auch schon die letzte der aktuellen Marvel-Verfilmungen auf dem Programm. Fünf Filme in knapp zwei Wochen – das dürfe die höchste Filmdichte seit Beginn des Jahres sein…

Captain America: The First Avenger (2011) | © Walt Disney

Captain America: The First Avenger (2011) | © Walt Disney

Nach größtenteils durchwachsenen Kritiken waren meine Erwartungen gedämpft. Doch bereits nach den ersten paar Minuten war mir klar, dass „Captain America: The First Avenger“ genau den richtigen Ton trifft, um mich bei der Stange zu halten. Was wurde nicht alles geschrieben: übertriebener US-Patriotismus, selbstgerechte Charaktere und generell nehme sich der Film viel zu ernst. Ich jedoch war hoch erfreut hier weniger einen Kriegsfilm mit Superheld zu sehen, als einen Abenteuerfilm mit Retro-Sci-Fi-Anleihen. Schon von Anfang an war klar, dass es sich hier um eine Fantasiewelt handelt und eben nicht das uns nur allzu bekannte WW2-Szenario. Insofern sticht der Film unter den bisherigen Marvel-Verfilmungen auch heraus, da er mehr an Abenteuerfilme, wie die „Indiana Jones“-Reihe oder den Retro-Sci-Fi-Klassiker „Sky Captain and the World of Tomorrow“, als an „Iron Man“ und Co. erinnert.

Patriotismus und Heldenverehrung gibt es natürlich auch, aber was will man bei einem Film namens „Captain America“ auch erwarten, der zudem auf einem Comic basiert, das 1941 mit den Nazis als Gegenspieler eingeführt wurde? Insofern kann man noch froh sein, dass sich der Film deutlich dazu bekennt ein phantastisches Werk zu sein und durchaus mit Humor an die Sache herangeht. Besonders die erste Hälfte des Films fand ich richtig gelungen und nach Tony Starks Verwandlung zu Iron Man wohl die beste Heldenentstehung der bisherigen Marvel-Verfilmungen: langsam, ausführlich und mit bedacht auf die Charaktere erzählt. So lobe ich mir das!

Auch wenn Hugo Weavings Red Skull als Bösewicht durchaus Potential geboten hätte, sehe ich hier doch den Schwachpunkt des Films. So richtig fies und hassenswert will der Rotschädel nicht erscheinen, zumal er sich auch meist im Hintergrund hält. Auch die finale Konfrontation fand ich eher schwach und durch die erzählerische Klammer war das Schicksal des Captains ohnehin prädestiniert. Die angedeutete Liebesgeschichte verpufft natürlich ebenso, wie die Beziehung zu all den anderen Charakteren. Schade, doch das wäre in Bezug auf „The Avengers“ wohl nicht anders möglich gewesen.

Fazit

Ingesamt bin ich sehr zufrieden mit dem Film und wurde mindestens ebenso gut unterhalten, wie von „Thor“ – und mit diesem darf sich „Captain America: The First Avenger“ auch um den zweiten Platz in der Prequel-Reihe streiten. Wirklich gute Unterhaltung mit ein paar offensichtlichen Schwächen, die jedoch nicht allzu schwer ins Gewicht fallen: 7/10 Punkte mit Option zur Aufwertung…

Thor (2011)

Aktualisierung: Ich habe „Thor“ am 2. April 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Irgendwie habe ich mich bei meiner filmischen Vorbereitung zu Marvels „The Avengers“ doch deutlich verschätzt. So sah ich gestern mit „Thor“ bereits den vorletzten Prolog zu Joss Whedons Superheldenepos. Wer hätte gedacht, dass meine Begeisterung für diese Art von Film so lange anhält? Teils hatte ich beinahe schon das Gefühl eine überlange Episode einer imposant inszenierten TV-Serie zu sehen. Marvel ist mit dieser übergreifenden Filmstruktur wirklich ein Coup gelungen – und das nicht nur aus Marketing-Sicht.

Thor (2011) | © Walt Disney

Thor (2011) | © Walt Disney

Als ich hörte, dass Kenneth Branagh die Regie von „Thor“ übernimmt, war zumindest mein Interesse geweckt. Was hatte man bei dieser seltsam anmutenden Kombination zu erwarten? Nachdem ich den Film nun gesehen habe, macht die Wahl Branaghs durchaus Sinn. Die Szenen in Asgard wirken fast schon wie eine Parodie auf die Shakespeare-Verfilmungen, für die der Regisseur und Schauspieler bekannt ist. Man kann die Inszenierungsfreude in jeder Szene spüren und ich bin mir sicher, dass es für Branagh ein großer Spaß war Thor, Odin, Loki und Co. ihre Wortgefechte austragen zu lassen.

„Thor“ ist anders, als die bisherigen Marvel-Verfilmungen. Zu Beginn wähnt man sich eher in einem klassischen Fantasyfilm, der mit bombastischen Bildern und übermäßigem CGI-Einsatz auftrumpft. Die Schlacht auf Jotunheim ist großer Actionquatsch, der einfach nur Spaß macht. Im krassen Gegensatz zu diesem effektüberladenem Prolog, ist Thors Ankuft in einem kleinen Kaff in New Mexico beinahe schon intim inszeniert. An dieser Stelle wird der Film zunächst zur Komödie, die ihren Humor größtenteils aus dem Zusammenprall der Kulturen zieht. Mit Natalie Portman, Stellan Skarsgård und Kat Dennings trifft unser gefallener Gott zudem auf ein merkwürdiges Trio, dessen Besetzung stellvertretend für den gesamten Film zu sein scheint.

Innerhalb des Marvel-Universums knüpft „Thor“ direkt an „Iron Man 2“ an und man bekommt erstmals einen Eindruck, wie groß und mächtig S.H.I.E.L.D. tatsächlich zu sein scheint. Durch die Aufteilung der Handlung auf zwei große Schauplätze – die Erde und Asgard/Jotunheim – kam es mir vor, als hätte ich jeweils nur einen Bruchteil der Geschichte gesehen. Als der Film zu seinem wenig einfallsreichen Showdown einsetze und kurz danach auch schon wieder vorbei war, hatte ich das Gefühl maximal die ersten zwei Akte gesehen zu haben. Das konnte es doch nicht schon gewesen sein? Trotz seiner teils absurden Handlung und Inszenierung hatte ich folglich enorm viel Spaß mit dem Film und die Zeit ist nur so verflogen.

Fazit

Wie soll ich „Thor“ nun bewerten? Es ist sicherlich die experimentellste der bisherigen Marvel-Verfilmungen und auch eine der kurzweiligsten. Leider fühlt sich der Film über weite Strecken sehr gehetzt an und ich hätte von beiden Schauplätzen und ihren Charakteren gerne mehr gesehen. Die Bilder sind teils kitschig, teils beeindruckend bombastisch und teils einfach nur irritierend. Die Schauspieler in ihren Rollen zwar oft verschenkt, doch man merkt die Spielfreude in jeder Szene. Ich zücke zunächst vorsichtig die 7/10 Punkte – mit deutlicher Tendenz nach oben…

Iron Man 2 (2010)

Aktualisierung: Ich habe „Iron Man 2“ am 1. April 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Nach einer anstrengenden Arbeitswoche, freute ich mich heute ganz besonders auf einen entspannten Filmabend. Meine Sichtung der Prolog-Filme zu Marvels „The Avengers“ geht mit „Iron Man 2“ somit bereits in die dritte Runde. Damit komme ich schneller vorwärts, als ich ursprünglich gedacht hatte. Das Franchise bereitet mir immer noch großen Spaß und inzwischen ist die Vorfreude auf das große Finale schon ziemlich gewachsen…

Iron Man 2 (2010) | © Walt Disney

Iron Man 2 (2010) | © Walt Disney

Nach der letztwöchigen Sichtung von „Der unglaubliche Hulk“, ging es heute wieder zurück zu den Anfängen der Superheldensaga. Die Geschichte setzt ein paar Monate nach dem ersten Teil ein und ich hatte irgendwie das Gefühl die Hochphase des eisernen Helden verpasst zu haben. Man erfährt zwar, dass Iron Man der Welt Frieden gebracht hat, doch springt der Film sofort zur Demontage seines Ansehens in der Öffentlichkeit. Dies fand ich ein wenig schade, doch letztendlich brauchte man wohl das persönliche Drama, um die Handlung zügig nach vorne zu bringen.

Die Bösewichte sind meiner Meinung nach wieder die Schwachpunkte des Films. Nach dem großartigen ersten Auftritt Whiplashs (Mickey Rourke), lässt man diesen wieder verschwinden, nur um ihn am Ende gegen langweilige Dronen und einen weiteren Roboteranzug auszutauschen. Sehr schade, denn das erste Design war fantastisch und dürfte wohl die ikonografischste Szene des Films bilden – von Black Widows (Scarlett Johansson) erstem Kampfeinsatz einmal abgesehen.

Im Vergleich zu „Iron Man“ wirkt das Sequel holpriger erzählt und unstrukturierter. Der erweiterte Cast (u.a. Sam Rockwell) hat mir zwar sehr gut gefallen, doch bleiben die neuen Figuren größtenteils leider recht blass. Sehr schön fand ich dagegen die größere Rolle, welche die S.H.I.E.L.D.-Agenten in dem Film einnehmen. Habe ich Scarlett Johansson schon erwähnt? Sehr sehenswert. Auch Samual L. Jacksons Nick Fury bekommt langsam Profil und wirkt nicht mehr nur wie eine undefinierbare graue Eminenz.

Fazit

Insgesamt wirkte „Iron Man 2“ auf mich etwas schwächer als sein Vorgänger. Dieser hatte mich bei seiner Erstsichtung allerdings auch noch nicht vollständig überzeugt. Letztendlich bin ich mit dem Film durchaus zufrieden, da er wie das typische Sequel von allem einfach nur mehr bietet, was natürlich nicht immer der ideale Weg ist, doch hier größtenteils funktioniert: 7/10 Punkte.

Der unglaubliche Hulk – OT: The Incredible Hulk (2008)

Aktualisierung: Ich habe „Der unglaubliche Hulk“ am 28. März 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

In meinen Bestrebungen die Prolog-Filme zu Marvels „The Avengers“ zu sehen, habe ich mich heute an „Der unglaubliche Hulk“ herangewagt. Zugegebenermaßen interessierte mich der Film noch vor ein paar Wochen überhaupt nicht. Noch ein Film über den großen, grünen Wüterich? Doch als Filmfreund ist man ja bekanntlicherweise Komplettist, weshalb ich mich auf den Reboot eingelassen habe. Ob er jedoch wirklich nötig war?

Der unglaubliche Hulk (2008) | © Walt Disney

Der unglaubliche Hulk (2008) | © Walt Disney

Meine Sichtung von Ang Lees „Hulk“ liegt schon einige Jahre zurück. Ich weiß heute nur noch, dass ich von der Montage und den Schauspielern sehr beeindruckt war. Die comichafte Animation des titelgebenden Giganten war für meine Sehgewohnheiten jedoch ein beständiger Störfaktor und wollte nicht so recht zum Rest des Films passen. Ich muss allerdings zugeben die Comicvorlage nicht zu kennen, weshalb Fans des grünen Riesen vermutlich auch mit dem Kopf schütteln werden: Für mich persönlich ist jedoch die Darstellung des Hulks – zumindest im Rahmen des Mediums Film – in Louis Letteriers Version sinnhafter.

Im Gegensatz zum ersten „Hulk“ oder auch der vorangegangenen „Iron Man“-Verfilmung, wird die Verwandlung Bruce Banners schnell und bereits während der Intro-Sequenz abgehandelt. Man wird als Zuschauer in die – zugegebener recht simple – Handlung hineingeworfen und begleitet Bruce Banner auf der Suche nach einem Heilserum. Ich mochte den sehr geerdet wirkenden Einstieg in den Favelas sehr gerne und auch dass man sich zu Beginn auf den menschlichen Charakter konzentrierte. Leider stellte sich in den Dialogszenen dann recht schnell heraus, dass das Drehbuch doch recht flach ist und man sich augenscheinlich mehr auf die Actionszenen konzentriert hat. Diese sind aber immerhin wahrlich grandios anzusehen.

Fazit

Der Endkampf lässt Erinnerungen an „Iron Man“ wach werden, denn auch der Hulk sieht sich mit einem Nahezu-Klon konfrontiert, der jedoch zumindest Freunde von Monsterfilmen jubeln lassen dürfte. Ich für meinen Teil fühlte mich auf jeden Fall erstaunlich gut unterhalten und auch wenn der Film nicht ohne Fehler war, so hat er mich doch wirklich positiv überrascht. Schön auch Lou Ferrignos Gastauftritt samt ausformulierter Übergabe des Zepters. Macht Spaß und kann man sich in Vorbereitung auf „The Avengers“ durchaus anschauen: 7/10 Punkte.

Ein (un)möglicher Härtefall – OT: Intolerable Cruelty

Nach einem durchaus fordernden und arbeitsreichen Samstag, war ich am Abend nur für leichte Unterhaltung zu haben. Die Wahl fiel letztendlich auf ein „Ein (un)möglicher Härtefall“ der Coen-Brüder, den ich damals sogar im Kino gesehen habe. Nach knapp 10 Jahren konnte ich mich kaum noch an die Handlung erinnern, doch immerhin wusste ich noch genau, dass mich der Film weit besser unterhalten hatte, als sein Ruf vermuten ließ…

Ich weiß noch genau welch ein Raunen durch die Reihen der Kritiker ging, als damals der neue Coen-Film anlief. Als lahme 08/15-RomCom verschrien, ließ kaum jemand ein gutes Haar an dem Werk des Regie-Duos. Somit war ich umso überraschter eine äußerst unterhaltsame Satire auf das Beziehungsleben der selbsternannten High Society zu sehen. Zwar konnte sich der Film nicht mit den großen Coen-Filmen, wie „The Big Lebowski“ oder „Fargo“ messen, doch hatte er mich einfach nur gut unterhalten und war zumindest wesentlich besser als 99% aller tatsächlichen 08/15-RomComs, die Hollywood sonst so hervorbringt.

Auch bei der heutigen Sichtung hat mich das gut gelaunte Spiel von George Clooney und Catherine Zeta-Jones erfreut. Ziemlich überdreht, doch für diese Art von Film absolut passend. Überhaupt wirkt jeder einzelne Charakter wie eine lebendig gewordene Karikatur, was zudem dadurch verstärkt wird, dass nahezu jeder Name eine Alliteration bildet: Miles Massey, Rex Rexroth, Donovan Donely, Sarah Sorkin usw. Mit Figuren, wie Heinz, the Baron Krauss von Espy, gibt es natürlich auch Ausnahmen von der Regel. Durch die völlige Überzeichnung der Charaktere droht der Film zwar manchmal zu kippen, doch schafft er es den Zuschauer durch seine wendungsreiche, doch leider etwas vorhersehbare Geschichte, stets am Ball zu halten.

„Intolerable Cruelty“ ist weit davon entfernt der beste Film der Coen-Brüder zu sein, doch handelt es sich deswegen um einen schlechten Film? Auf keinen Fall! Wenn man in der Stimmung für eine seichte Komödie ist, dann sollte man sich den Film trotz Vorbehalte ruhig einmal anschauen – und ich bin mir sicher, dass er zumindest für knapp 100 Minuten für einfach nur gute Unterhaltung sorgen wird. Zu unrecht unterbewertet: 7/10 Punkte.

Buried: Lebend begraben – OT: Buried (2010)

Wieder einmal habe ich einen Film gesehen, der mich alleine aufgrund seiner Prämisse reizte. Rodrigo Cortés‘ „Buried“ versprach einen unkonventionellen Ansatz, wenngleich die Idee dahinter auch nicht so originell ist, wie man vielleicht vermuten würde. Die Kombination aus lebendig begraben sein und Thriller wurde bereits in diversen TV-Serien (u.a. von Quentin Tarantino für „CSI: Las Vegas“) umgesetzt. So konsequent wie Cortés ist zuvor jedoch noch niemand an die Thematik herangegangen… Spoiler sind zu erwarten.

Zunächst einmal muss ich dem Team rund um „Buried“ meinen Respekt zollen, dass man die Grundidee konsequent bis zum Ende durchgezogen hat. Sicher hätte es ein paar Kameraspielereien nicht gebraucht, um die Situation noch realer und beängstigender erscheinen zu lassen, doch auch mit diesen wird die klaustrophobische Enge deutlich spürbar. Ziemlich beeindruckend fand ich Lichtgestaltung, die ihre Wirkung aus den im Film vorkommenden natürlichen Lichtquellen zieht. Wirklich sehr gelungen. Auch Ryan Reynolds‘ Leistung als Schauspieler ist durchaus herausragend und kann insbesondere als One-Man-Show voll und ganz überzeugen.

Die Handlung an sich ist dagegen weit weniger verzwickt, als man dies anfangs noch vermuten würde. Erzählt wird ein ziemlich geradliniger Thriller, der sich letztendlich einzig und allein um die Rettung Paul Conroys (Ryan Reynolds) dreht. Wird sie gelingen oder nicht? Alles dazwischen lebt einzig und allein vom Spiel mit der Urangst lebendig begraben zu sein – und dies macht der Film auch ziemlich gut. Wenn er 20 Minuten kürzer gewesen wäre und man sich z.B. die Schlangen-Episode gespart hätte, wäre der Film in seiner Wirkung meiner Meinung nach jedoch noch deutlich intensiver gewesen.

Nicht gelungen fand ich dagegen den Twist am Ende. Dieser wirkte weder sonderlich originell noch wäre er nötig gewesen. Auch wenn ein Happy End für mich als Zuschauer befriedigender gewesen wäre, so hadere ich nicht einmal so sehr mit dem Ausgang, sondern eher der plumpen Umsetzung. Die vorherigen 90 Minuten verpuffen völlig und gerade die unnötig erzählten Sequenzen fallen rückblickend betrachtet umso stärker ins Gewicht. Auch wenn Cortés versucht sich – wie man schon alleine an den sich an Saul Bass orientierenden Opening Titles sieht – an Alfred Hitchcock anzunähern, so bleibt es in meinen Augen jedoch bei diesem Versuch.

Mich hat „Buried“ durchaus beeindruckt und ich werde die Sichtung bestimmt in Erinnerung behalten. Letztendlich verspielt der Film etliche Möglichkeiten jedoch aufgrund seiner zu sehr auf Effekt setzender Inszenierung und der zu aufgeblasenen Handlung. Auch mit dem Ende kann ich mich nicht anfreunden, was potentiell interessierte Leser jedoch nicht davon abschrecken sollte, dem Film eine Chance zu geben. Interessant und sehenswert, wenn auch nicht frei von Fehlern: 7/10 Punkte.

Slither (2006) (WS1)

Heute Abend stand ich einmal wieder vor dem DVD-Regal und konnte mich nicht wirklich für einen Film entscheiden. Eigentlich absurd, da unzählige unsehene und interessante Filme nur auf ihre Sichtung warten. Dennoch ist die Wahl auf James Gunns „Slither“ gefallen, der mich bereits bei der Erstsichtung gut zu unterhalten wusste. Irgendjemand muss dem in der Blogosphäre um sich greifenden Oscar-Wahn ja Paroli bieten…

Stärker als noch bei der letzten Sichtung sind mir die verschiedenen Subgenres aufgefallen, die James Gunn mit seiner Horrorkomödie abarbeitet. So gibt es Cronenberg’schen Körperhorror à la „Die Fliege“ zu sehen, Tierhorror mit Wuselfaktor, Sci-Fi-Horror und letztendlich hat auch noch der gute alte Zombie seinen Auftritt. Erstaunlicherweise fügt sich all das zu einer recht plausiblen Geschichte zusammen, die oft verstörender ist, als man das von der Prämisse erwartet hätte. Dies betrifft besonders die erste und die letzte Viertelstunde, die sich auf die Beziehung zwischen Starla und Grant konzentriert – und das nicht nur aufgrund der Ekeleffekte.

Natürlich kommt auch der Humor nicht zu kurz, doch besitzt dieser nicht den Stellenwert, wie in anderen Genreparodien – falls man „Slither“ überhaupt als eine solche bezeichnen sollte. Letztendlich lebt der Film von seinen relativ gut ausgearbeiteten Charakteren, der schön eingefangenen Kleinstadtatmosphäre und den gut geschriebenen Dialogen. Die Schauspieler – allen voran Nathan Fillion (Captain Malcolm Reynolds, „Firefly“ und Richard Castle, „Castle“) – sind perfekt besetzt und es ist eine Freude ihnen bei ihrem abstrusen Abenteuer zuzusehen.

Horrorfreunde, die übertriebenem Körperhorror mit deftigen Splattereinlagen etwas abgewinnen können, sind bei dem Film an der richtigen Adresse. Ich für meinen Teil hätte durchaus auf so manche Effektorgie (besonders im Finale) verzichten können, doch hat das dem Spaß keinen Abbruch getan. Auf jeden Fall ist „Slither“ eines der interessanteren Werke im Genre-Einheitsbrei und sollte dem geneigten Horror-Fan zumindest einen Blick wert sein: 7/10 Punkte.

Tödliche Weihnachten – OT: The Long Kiss Goodnight (1996)

Aufgrund der winterlichen Wetterverhältnisse, habe ich gestern Abend einmal wieder einen thematisch passenden Film hervorgeholt, den ich bestimmt schon seit gut 10 Jahren nicht mehr gesehen hatte. Die Rede ist von Renny Harlins „Tödliche Weihnachten“, der mich damals bei nahezu jeder TV-Ausstrahlung ziemlich gut zu unterhalten wusste. Trügt die Erinnerung an vergnügliche Stunden oder kann der Film auch heute noch überzeugen?

Ich muss gestehen, dass mir die Handlung des Films nur noch sehr rudimentär im Gedächtnis war. An die Eckpfeiler der Geschichte – eine Art Vorwegnahme der Verfilmung von Robert Ludlums „Die Bourne Identität“ – konnte ich mich jedoch noch recht gut erinnern, weshalb die Aufdeckung der Identität Samantha Caines bzw. Charly Baltimores keine große Überraschung darstellte. Der Weg zum großen Finale ist mit diversen Actioneinlagen gespickt, die allesamt herrlich altmodisch inszeniert sind. Ein typischer Actionfilm der 90er Jahre eben – und hier macht es einem der Film manchmal nicht gerade leicht,  denn oftmals ist es nur ein schmaler Grat zwischen herrlich altmodisch und einfach nur altbacken, was sich besonders in der Figur des Mitch Henessey äußert. Ein typischer Sidekick dieser Epoche.

Ich für meinen Teil bin großer Anhänger des 80er/90er Jahre Actionkinos, weshalb mir der Film auch heute noch enorm viel Spaß macht. Dieser Wahrnehmung liegt allerdings ein nicht zu vernachlässigender Grad an nostalgischer Verklärung zugrunde, weshalb ich vermute, dass „The Long Kiss Goodnight“ für die Sehgewohnheiten heutiger Zuschauer ziemlich überholt wirkt. Auch wenn Geena Davis in diesem Film oftmals überfordert wirkt, so freut es mich doch stets eine weibliche Actionheldin zu sehen, die den starken Part in der Geschichte übernimmt und dabei wahrlich keine Gefangenen macht.

Auch wenn Look und Inszenierung heute schon ein wenig Staub angesetzt haben, so beweist Renny Harlin auch in „The Long Kiss Goodnight“ sein Händchen für imposante Action. Besonders das Finale an den Niagara-Fällen hat es mir besonders angetan. Was für ein herrlich übertriebenes Actionfeuerwerk! Von den großen Genreklassikern ist der Film weit entfernt, Shane Black hat auch schon deutlich bessere Drehbücher geschrieben und wenn man nicht mit dem Film aufgewachsen ist, sollte man vermutlich nicht zu viel erwarten. Ich jedoch hatte wieder enorm viel Spaß mit dem Ausflug zurück in eine einfachere Zeit, in der Action noch Action war und Mobiltelefone ein Kilo wogen: 7/10 Punkte.

Kill the Boss – OT: Horrible Bosses (2011)

Gestern Abend stand wieder einmal eine Komödie auf dem Plan, auf die ich mich sehr gefreut hatte. Seth Gordons „Kill the Boss“ versprach überdrehte Unterhaltung, die einem „The Hangover“ in nichts nachsteht. Auf die Kinosichtung hatte ich jedoch aufgrund des fehlenden Angebots der englischen Originalfassung verzichtet, auf die ich – insbesondere bei Komödien – unbedingt Wert lege. So kam es also, dass der Film sein gesamtes Humorpotential auf dem heimischen Bildschirm wohl nicht entfalten konnte…

Die Idee des Films ist so einfach wie genial. Wer hat seinen Boss nicht schon einmal zum Teufel gewünscht? „Horrible Bosses“ – so übrigens der dezentere Originaltitel – geht noch einen Schritt weiter und lässt unsere drei Hauptcharaktere ihre Mordfantasien ausleben. Zumindest scheint es anfangs so. Auf jeden Fall bietet der Film eine Prämisse, die wohl jeder bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen kann. Um auch das größtmögliche Publikum zu erreichen lässt der Film deshalb kein Klischee aus. Man kann sich bis zu einem gewissen Grad sowohl in den Identifikationsfiguren wiederfinden, als auch die immense Antipathie gegen ihre Bosse verstehen. Von nachvollziehbar (Jason Bateman vs. Kevin Spacey) bis total überdreht (Charlie Day vs. Jennifer Anniston) ist alles dabei.

Die Handlung bleibt dabei oft erschreckend vorhersehbar – und gerade hier ist der Unterschied zum gerne als Vergleich herangezogenen „The Hangover“ enorm. „Horrible Bosses“ setzt eher auf Starpower und weiß diese auch effektiv einzusetzen. Kevin Spacey, Jennifer Anniston und Colin Farrell als fiese Chefs auftreten zu lassen, ist das Ergebnis eines wahrlich großen Besetzungscoups. Auch Jamie Foxx weiß als Kleinkrimineller zu überzeugen. Doch am meisten begeistert haben mich immer noch die Darsteller der drei Hauptcharaktere – allen voran Jason Bateman (Michael Bluth, „Arrested Development“) und Charlie Day (Charlie Kelly, „It’s Always Sunny in Philadelphia“).

Erstaunlicherweise hat mich besonders die erste halbe Stunde des Films relativ kalt gelassen, in der man den größten Teil der Interaktion mit den titelgebenden Chefs sieht. Wahrscheinlich auch deshalb, weil wieder einmal zu viel durch den Trailer verraten wurde. Danach haben es mir besonders die teils absurden Wortgefechte angetan, wenngleich ich auch stets das Gefühl hatte, dass hier noch mehr möglich gewesen wäre. Am Ende ist der Film zu brav und in seiner Erzählstruktur zu konventionell, um 100%-ig überzeugen zu können. Durchaus unterhaltsam, doch ohne Starpower und die mir ans Herz gewachsenen Seriendarsteller würde die Bewertung deutlich schlechter ausfallen. Knappe 7/10 Punkte.

Welcome to the Jungle – OT: The Rundown

Es gibt Filme, von denen weiß ich bereits zuvor, dass sie mir gefallen werden. Ebenso gibt es Filme, denen gehe ich bewusst aus dem Weg, da ich weiß, dass sie nicht auf meiner Wellenlinie liegen. Dann wiederum gibt es Filme, die kann ich überhaupt nicht einschätzen und deren Erstsichtung somit zum Glücksspiel verkommt. Peter Bergs „Welcome to the Jungle“ ist solch ein Film. Schon oft dachte ich mir, dass er eigentlich recht unterhaltsam sein müsste, doch gewisse Faktoren hielten mich stets von einer Sichtung ab. Bis heute. Und das Ergebnis dieses filmischen Glücksspiels?

Ich wurde tatsächlich erfolgreich unterhalten. Zwar habe ich kein Meisterwerk des Actionkinos gesehen, doch war die Dschungelreise von Dwayne ‚The Rock‘ Johnson (Boxer Santaros, „Southland Tales“) und Seann William Scott (Stifler, „American Pie“) erfreulich kurzweilig. Irgendwie hat mich der Film stets etwas an Sylvester Stallones „The Expendables“ erinnert, nur dass die dort misslungenen Elemente – übertriebene Kampfszenen mit nur mangelhaftem 80er/90er Jahre Actiongefühl – in „The Rundown“ viel besser funktionieren. Herrlich, wie bereits in einer der ersten Szenen Arnold Schwarzenegger das Action-Zepter symbolisch an den Star des Films weiterzureichen scheint: „Have fun!“ Ganz soweit ist es ja nicht gekommen, doch der Spaß war ohne Zweifel vorhanden.

Neben dem launigen Setting und den gut aufgelegten Darstellern (inklusive Christopher Walken als Bösewicht), gibt es wahrlich wunderbar choreographierte Kampfszenen zu bewundern. Leider jedoch ist die Kamera stets etwas zu hektisch unterwegs und mit diversen Schnittspielereien hätte sich Peter Berg auch gerne zurückhalten dürfen. Hier geht dem Film viel von seinem Potential ab, da die an sich klassiche Inszenierung und Handlung – übrigens ähnlich wie in „The Expendables“ – dadurch zu einem gewissen Teil wieder zerstört wird.

„The Rundown“ ist wahrlich kein Meisterwerk, doch Actionfreunde dürften garantiert ihren Spaß damit haben. Hinzu kommt ein wenig Indiana Jones-Feeling für Arme und ein paar knackige Oneliner. Fertig ist der nahezu perfekte Feierabendfilm. Wäre ich bei der heutigen Sichtung nicht ganz so müde gewesen, hätte ich vermutlich noch mehr Spaß mit dem Film gehabt: 7/10 Punkte.