Ralph reichts – OT: Wreck-It Ralph (2012)

Aktualisierung: Ich habe „Ralph reichts“ am 28. Januar 2022 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Seit sich Pixar im Animationsfilm etabliert hat, ist meine Vorfreude auf Disney-Eigenproduktionen stetig gesunken. Dabei hat das altehrwürdige Studio mit Filmen wie „Bolt“ oder „Tangled“ durchaus mehr als nur Achtungserfolge vorzuweisen. Auch „Ralph reichts“ reiht sich nahtlos in die Liga der hochwertigen Eigenproduktionen ein – zumal durch ihn eine breite Zielgruppe abgedeckt wird: vom Spieleveteranen bis zum Zocker-Kiddie. Geht die Rechnung auf?

Ralph reichts (2012) | © Walt Disney

Ralph reichts (2012) | © Walt Disney

Im Vorfeld hatte ich bereits viel Gutes über den Film gehört. Eine Offenbarung für Spieler sei er, der mit unzähligen Anspielungen lockt – zumindest in der ersten Hälfte. Danach soll er nach Schema F ablaufen und sich an alten Disney-Strukturen abarbeiten. Insofern war ich wirklich gespannt, wie sich der Film – Retro-Hype hin oder her – tatsächlich entwickeln würde. Die Eröffnungstitel samt Disney-Logo in 8-Bit-Pixelgrafik waren zwar zu erwarten, hatten mein Retro-Herz aber sofort erweicht und ich war erst einmal offen für alles, was der Film mir so präsentieren würde.

Die erste Hälfte ist wahrlich ein Sammelsurium an Anspielungen auf die Videospielgeschichte. Besonders über „Street Fighter II“ hatte ich mich gefreut, da man über diese Szenen noch nicht in jedem Vorbericht lesen konnte. Auch waren es oft eher die kleinen Details oder Nebensätze, die mich schmunzeln ließen. Sowohl inhaltlich als auch inszenatorisch (Übergang von 8-Bit-Grafik in 3D-Welt etc.) hat der Film wahrlich einiges zu bieten. Doch wie sieht es nun in der gescholtenen zweiten Filmhälfte aus?

In der zweiten Hälfte greift der Film weniger auf etablierte Marken zurück, als auf ganze Spielmechaniken. Seien es Shooter oder Rennspiele, hier werden Klischees bedient und auf die Schippe genommen. Eine wahre Freude. Ebenso baut „Wreck-It Ralph“ seine eigene Welt auf und erzählt seine eigene Geschichte, was ich auf jeden Fall positiv bewerte, denn Videospiel-Referenzen allein hätten den Film nicht über die gesamte Laufzeit getragen. Glücklicherweise ist die Geschichte rund um Ralph, Vanellope, Felix usw. temporeich bis herzerweichend und hat mich am Ende glücklich seufzend mit einem der schönsten Abspänne der letzten Jahre zurückgelassen.

Mit „Ralph reichts“ hat Disney bewiesen, dass das Studio auch ohne Pixar sehenswerte Animationsfilme produzieren kann. Alleine die Idee und das Drehbuch müssen stimmen. Auch wenn ich die Schwerpunkte teils ein wenig anders gesetzt hätte, so ist „Wreck-It Ralph“ – unbedingt im Original schauen – auf jeden Fall ein Animationsfilm-Highlight, das sich besonders Videospieler der vergangenen drei Jahrzehnte auf jeden Fall ansehen sollten. Großartige Unterhaltung: 9/10 Punkte.

Vielleicht lieber morgen – OT: The Perks of Being a Wallflower (2012)

Auch wenn ich nach dieser Woche noch kaum Energie für einen Film aufbringen konnte, so habe ich mich doch vor die Filmsammlung gestellt und – nach einer langwierigen Entscheidungsphase – die Literaturverfilmung „Vielleicht lieber morgen“ aus dem Regal gezogen. Eine gute Entscheidung, denn selbst ohne die Unterbrechungen in Form von weinenden Kindern (ja, wir haben wieder gut 30 °C in der Wohnung) wäre ich nicht eingeschlafen – und das hätte heute wahrlich nicht jeder Film geschafft…

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Bemerkenswert an „The Perks of Being a Wallflower“ (so der fantastische Originaltitel) ist zunächst, dass Stephen Chbosky – der Autor der Vorlage – nicht nur das Drehbuch verfasst, sondern auch Regie geführt hat. Das sieht man nicht oft in Hollywood und hat sich hier wohl ausgezahlt. Obwohl ich den Roman nicht kenne, wirkt der Film flüssig erzählt und lässt keine Elemente vermissen oder andere zu sehr in den Vordergrund treten. Wirklich rundum gelungen. Neben der Handlung hat Chbosky auch inszenatorisch Großes vollbracht und die Atmosphäre der frühen 90er Jahre dicht und glaubwürdig auf die Leinwand übertragen. Vom fantastischen Soundtrack einmal ganz zu schweigen.

„Vielleicht lieber morgen“ ist auf jeden Fall auch ein Schauspielerfilm. Besonders beeindruckt hat mich das Ensemble der drei jugendlichen Hauptdarsteller: Logan Lerman, Ezra Miller und Emma Watson (Hermine, „Harry Potter“-Reihe) spielen allesamt hervorragend. Doch auch die Nebendarsteller sind nicht zu verachten. So geben u.a. Mae Whitman (Amber, „Parenthood“), Paul Rudd oder Tom Savini (Sex Machine, „From Dusk Till Dawn“) ihr Stelldichein und verleihen ihren Rollen das gewisse Etwas.

Der Film hätte für mich wohl perfekt als Coming-of-Age-Geschichte funktioniert. Ein Außenseiter, der sich nach dem Tod seines besten Freundes wieder in der Welt zurechtfinden muss. Dabei lernt er eine Gruppe von außergewöhnlichen Leuten kennen, die ihm zeigen, dass das Leben lebenswert ist. Emotional, mitreißend und toll erzählt. Leider zieht der Film gegen Ende (Andeutungen gab es schon vorher) noch ein paar Handlungselemente aus dem Hut, die meiner Meinung nach nicht nötig gewesen wären. Zuviel Drama für meinen Geschmack. Teen Angst in Kombination mit dem Tod des Freundes wären für mich Motivation genug für die Geschehnisse gewesen.

Auch wenn „The Perks of Being a Wallflower“ letztendlich nicht so perfekt ist, wie ich zu Beginn gehofft hatte, so macht er wirklich viel Freude. Schauspieler, Atmosphäre und Sountrack sind großartig und auch emotional konnte mich der Film packen. Sicher einer der gelungensten High-School-Filme der letzten Jahre. Sollte man nicht nur als Literatur- und Musikfreund auf jeden Fall gesehen haben: 8/10 Punkte.

James Bond 007: Ein Quantum Trost – OT: Quantum of Solace (2008)

Aktualisierung: Ich habe „James Bond 007: Ein Quantum Trost“ am 1. März 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Nachdem ich vor zwei Tagen meiner Erinnerungen an „Casino Royale“ aufgefrischt habe, war es an der Zeit mir erstmalig die direkte Fortsetzung „James Bond 007: Ein Quantum Trost“ anzusehen. Der Film wird unter den Bond-Fans gemeinhin als schwächster der Craig-Ära angesehen, weshalb meine Erwartungen von Beginn an ein wenig gedämpft waren. Konnte mich Marc Forsters Film dennoch überzeugen?

James Bond 007: Ein Quantum Trost (2008) | © Warner Bros (Universal Pictures)

James Bond 007: Ein Quantum Trost (2008) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Ungewöhnlich für Bond ist „Quantum of Solace“ eine direkte Fortsetzung der Geschehnisse des Vorgängers. Für mich als Freund des seriellen Erzählens also ein dicker Pluspunkt. Inszenatorisch versucht Forster – noch mehr als Martin Campbell mit „Casino Royale“ – James Bond in der heutigen Zeit zu verankern und biedert sich stark an moderne Sehgewohnheiten an, d.h. Bond wirkt über weite Strecken eher wie Jason Bourne, was sich auch in einer übertriebenen Wackelkamera zeigt. Dennoch macht es weiterhin Spaß Daniel Craig in der Rolle des 007 zu sehen. Man hätte nur nicht auf Teufel komm raus versuchen sollen alles anders machen zu wollen.

Inhaltlich hatte ich mir eine mitreißende Rachegeschichte erhofft. Bond sinnt auch auf Rache, doch verpufft diese emotional leider größtenteils. Vielleicht hätten sowohl „Casino Royale“ als auch „Quantum of Solace“ gewonnen, wenn man die letzten 20 Minuten des ersten Films direkt vor den zweiten gepackt hätte. In seiner aktuellen Form hat mich der Film dem Geschehen leider recht unbeteiligt zuschauen lassen. Dabei gab es ein paar tolle Schauplätze zu bestaunen, deren Vielfalt tatsächlich an die alten Bond-Filme erinnert hat. Mein Favorit ist hier die Opernszene in Bregenz. Eine tolle Idee, die zudem sehr schön inszeniert wurde.

Das Finale, das eigentlich den Höhepunkt der Rache hätte darstellen müssen, verpufft leider vollkommen. Selbst für mich, als Zuschauer, der den Vorgänger erst vor ein paar Tagen gesehen hatte, war Vesper nur noch ein Name und die nicht wirklich ausgeübte Rache hing seltsam bedeutungslos in der Luft. Dabei hätte die Geschichte durchaus Potential gehabt und gerade Wasser als Motiv des Bösewichts zu benutzen, schien mir besonders gelungen. Man hätte mehr daraus machen müssen.

Fazit

Letztendlich ist „Ein Quantum Trost“ kein schlechter Film. Doch eben auch kein wirklich guter. Bond-Feeling kommt selten auf und die schönen Schauplätze können über die unbefriedigende Rachegeschichte leider auch nicht hinwegtäuschen. Schade also, dass der Fortsetzungscharakter verschenkt und so nur ein netter Actionfilm daraus wurde: 6/10 Punkte.

Nachts im Museum 2 – OT: Night at the Museum: Battle of the Smithsonian (2009)

Aktualisierung: Ich habe „Nachts im Museum 2“ am 27. November 2021 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Wie bei der Besprechung des ersten Teils angekündigt, habe ich heute – nach inzwischen knapp vier Jahren – Shawn Levys „Nachts im Museum 2“ nachgeholt. Eigentlich wären noch unzählige andere Filme im Regal gestanden, denen ich lieber den Vorzug gegeben hätte, doch Krankheit und Müdigkeit forderten exakt diese Art der seichten Unterhaltung ein…

Nachts im Museum (2006) | © 20th Century Fox

Nachts im Museum 2 (2009) | © 20th Century Fox

„Night at the Museum: Battle of the Smithsonian“ ist die typische Fortsetzung eines Erfolgsfilms: eine leicht veränderte Handlung, mehr Action und Effekte und ein erweitertes Ensemble. War bereits die Geschichte des ersten Teils nur Makulatur, so ergibt sich die Fortsetzung endgültig in ihr Spiel mit den lebendig gewordenen Ausstellungsstücken. Dies war nicht anders zu erwarten und hat mich auch nicht gestört, denn die Ideen sind nett, der Humor lädt zum Schmunzeln ein und das Herz irgendwie am rechten Fleck.

Einen deutlichen Pluspunkt kann die Besetzung mit Amy Adams verbuchen, die die Flugpionierin Amelia Earhart wunderbar charmant und übermütig verkörpert. Hank Azaria als Oberbösewicht ist zwar reichlich albern, doch sehe ich ihn einfach immer wieder gerne und auch hier macht er seine Sache wirklich gut. Die anderen Stars rund um Ben Stiller sind spielfreudig und lassen auch im zweiten Teil die 100 Minuten wie im Flug vergehen.

Letztendlich muss man auch „Nachts im Museum 2“ nicht gesehen haben, doch fand ich es zumindest schön abermals das Smithsonian zu besuchen – und für mehr Film hätte meine Aufmerksamkeit heute sowieso nicht mehr gereicht. Nett, harmlos und dennoch irgendwie unterhaltsam: 6/10 Punkte.

The Hunter (2011)

Aufgrund der wiederholten Erwähnung im Celluleute-Podcast, habe ich mir heute „The Hunter“ angesehen. Die Romanverfilmung mit Willem Dafoe in der Hauptrolle versprach einen packenden Kampf zwischen Mensch und Natur à la „The Grey“, den es letztendlich aber nicht zu sehen gab. Warum der Film dennoch sehenswert ist, lest ihr in der folgenden Besprechung.

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Müsste ich mich auf nur einen Grund festlegen, warum es sich lohnt „The Hunter“ zu sehen, dann wäre dieser wohl Willem Dafoe. Die Rolle des schweigsamen Einzelgängers, der notgedrungen lernt zwischenmenschliche Beziehungen einzugehen, ist ihm wahrlich auf den Leib geschrieben. Dafoe spielt wirklich fantastisch und überzeugt sowohl als einsamer Jäger in der tasmanischen Wilndnis, als auch als zunächst unfreiwilliger Vaterersatz. Auch wenn die Motivation seines Handelns gegen Ende ein wenig mit dem Holzhammer kommt, so stellt er die Zerrissenheit seiner Figur doch bis zur letzten Sekunde absolut glaubwürdig und mitreißend dar.

Das Marketing des Films war einmal wieder ziemlich irreführend. Angepriesen als ‚Adrenalin-Thriller, der einen einzelnen Jäger und eine unbezähmbare Wildnis in einen atemberaubenden Zweikampf schickt.‘ hätte ich einen komplett anderen Film erwartet. Es gibt jedoch weder sonderlich spannende Szenen, eine unbezähmbare Wildnis, noch einen atemberaubenden Zweikampf zu sehen. Auch der gejagte Tasmanische Tiger ist keinesfalls eine reißende Bestie, sondern eher ein Symbol für die Jagd an sich und die Hoffnung verschiedenster Parteien. Der Film lebt von seinen zwischenmenschlichen Szenen, den fantastischen Naturaufnahmen und dem beeindruckend eingefangenen Ritual der Jagd. Hinzu kommt eine beunruhigende Atmosphäre, die von Ungewissheit und der Feindseligkeit der ortsansässigen Bevölkerung geschürt wird.

Kritik üben muss ich am Finale, das einerseits etwas überstürzt, andererseits auch nur bedingt glaubwürdig motiviert scheint. Hier hätte ich mir mehr Feingefühl in der Inszenierung gewünscht. Dennoch schafft es Dafoe auch die Schwachpunkte des Films auszugleichen und sorgt somit für ein einigermaßen zufriedenstellendes Ende. Neben Willem Dafoe spielt übrigens der kaum wieder zu erkennende Sam Neill sehr imposant einen zwielichtigen Einheimischen.

„The Hunter“ richtet sich weniger an Freunde des Subgenres der Mensch gegen die Natur, sondern vielmehr an Zuschauer, die ruhig erzählte Dramen in ungewöhnlichen Settings zu schätzen wissen. Ich für meinen Teil war – trotz der nicht erfüllten Erwartungen und der Schwächen im letzten Drittel – positiv überrascht und kann den Film nur weiterempfehlen: 8/10 Punkte.

Die Tür (2009)

Besprechungen zu deutschen Filme sind zu einer Seltenheit auf meinem Blog geworden, doch freue ich mich immer wenn es etwas Sehenswertes aus unserem Land zu sichten gibt. Anno Sauls Verfilmung des Akif Pirinçci-Romans „Die Tür“ steht bereits auf meiner Liste, seitdem mir der Sneakpod vor gut drei Jahren davon vorschwärmte. Zudem handelt es sich um einen Genrefilm, was meine Neugier zusätzlich entfachte…

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Bei „Die Tür“ handelt es sich – wenn man den Film in eine Schublade stecken möchte – wohl am ehesten um ein Mysterydrama. Ein Mann verschuldet den Tod seine Tochter, geht fünf Jahre später durch eine mysteriöse Tür und findet sich am Tag des Unfalls wieder. Er kann seine Tochter retten und wird mit seinem jüngeren Ich konfrontiert. Allein diese Prämisse ist in meinen Augen ziemlich interessant und erinnert an Filme, wie „The Butterfly Effect“, erzählt dabei aber eine – zumindest zu Beginn – viel intimere Geschichte.

Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel vorwegnehmen, doch nimmt der Film ein paar Wendungen, die ich so nie erwartet hätte. Besonders in der letzten halben Stunde überschlagen sich die Ereignisse und aus dem sehr persönlichen Drama wird unerwarteterweise ein spießbürgerlicher Nachbarschaftshorror, der beinahe schon schwarzhumorig an der Satire kratzt. Dennoch schaffen es sowohl Drehbuch als auch Inszenierung trotz dieses Bruchs die Handlung recht glaubwürdig bis zum bitteren Finale zu führen. Auch wenn ich die Wendungen so nicht erwartet hatte und durchaus interessant fand, so hätte ich mir dennoch gewünscht, dass sich die Geschichte mehr auf das persönliche Schicksal David Andernachs (Mads Mikkelsen) konzentriert.

Ähnlich wie Tim Fehlbaums „Hell“ oder die animierte Verfilmung von Pirinçcis „Felidae“, muss sich auch „Die Tür“ nicht vor der internationalen Genrekonkurrenz verstecken. Teilweise fand ich das Drehbuch etwas holprig und die Entscheidungen des Hauptcharakters nicht immer nachvollziehbar, doch wollte ich stets wissen, wie es mit dieser abstrusen Situation weitergeht. Zumindest für eine einmalige Sichtung kann ich den Film somit nur jedem Mysteryfreund ans Herz legen. Schade, dass man sonst kaum etwas über den Film liest. Verdient hätte er es: 7/10 Punkte.

Kampf der Titanen – OT: Clash of the Titans (2010) (WS1)

Nach beinahe zwei Wochen notgedrungener Filmpause, sollte man wohl nicht gerade mit einer Wiederholungssichtung von Louis Leterriers „Kampf der Titanen“ in die Welt der bewegten Bilder zurückkehren. Doch die anderen Filme auf meiner Liste sprengen die 140-Minuten-Grenze, der Tag war anstrengend, die Uhrzeit schon fortgeschritten und die Fortsetzung „Zorn der Titanen“ steht schließlich auch schon zu lange ungesehen im Regal…

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Um es kurz zu machen: Heute war ein actiongeladener, bereits bekannter Popcornfilm nötig, bei dem ich notfalls auch hätte wegdämmern können. Doch auch wenn ich ein paar Mal kurz davor stand, so schaffte es der Schlaf nicht, mich zu übermannen. Somit erlebte ich – nach der Erstsichtung vor gut zwei Jahren – abermals, wie sich Halbgott Perseus mit allerlei Gestalten der griechischen Mytologie kloppt und gegen Zeus und Co. aufbegehrt. Die Handlung bleibt dabei auf das Wesentliche beschränkt und lenkt nicht mit so etwas wie Charakterzeichnung oder intelligenten Dialogen ab. Alles ist leicht verdaulich und morgen werde ich den Film abermals wieder vergessen haben.

Normalerweise sind alle Fantasyfilme der Post-„Der Herr der Ringe“-Ära episch und ausufernd, besonders in ihrer Laufzeit, der Anzahl der Charaktere und der Beschreibung der Welt, in der die Geschichte spielt. In dieser Hinsicht ist es beinahe schon erfrischend, wie wenig sich das 2010er „Clash of the Titans“-Remake um all das kümmert. Es geht Schlag auf Schlag und der Film macht in seiner wilden Hetzjagd durch die meisten Genreklischees keine Gefangenen. Wer hier wirklich kritisiert, dass Leterrier die griechische Mythenwelt nicht ernst nimmt, der sollte am besten bei Phoenix bleiben.

Ich für meinen Teil wurde erneut ziemlich gut unterhalten und freue mich tatsächlich schon auf die Fortsetzung, von der ich mir vor allem zwei Dinge erhoffe: noch mehr Monster und noch mehr Gekloppe. Zur kritisieren gibt es natürlich zuhauf, doch das wisst ihr schließlich selbst. Ich habe die erneute Sichtung nicht bereut und auch wenn der Film neben seinen Schauwerten kaum etwas zu bieten hat, so reichen diese vollkommen aus mich alle paar Jahre für knapp 100 Minuten bei Laune zu halten: 6/10 Punkte.

Gesetz der Rache – OT: Law Abiding Citizen

Mit F. Gary Grays „Gesetz der Rache“ habe ich mir heute einen Film angesehen, von dem ich im Vorfeld nicht wirklich viel wusste. Zum Glück, wie sich im Nachhinein herausstellen sollte. So bekam ich einen spannenden und wendungsreichen Rachethriller zu sehen, der sich durch einen netten Twist von seinen Genrekollegen abzuheben weiß. Spoiler sind zu erwarten.

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Der Prolog war für mich wieder einmal harter Tobak: Ein Familienvater, der mit ansehen muss, wie seine Frau und seine Tochter bei einem Raubüberfall ermordet werden. Puh! Dies geschieht so schnell und hart, dass man als Zuschauer ziemlich überrumpelt wird. Kurz danach sieht man, wie der Staatsanwalt – gegen den Willen des Vaters – mit einem der Täter einen Deal eingeht, woraufhin dieser schneller als gewünscht auf freien Fuß kommt. 10 Jahre später folgt dann der zu erwartende Rachefeldzug gegen die Täter und eigentlich hätte der Film nach 30 Minuten schon zu Ende sein können – wenn der Vater nicht die Korruptheit des gesamten Justizsystems an den Pranger hätte stellen wollen.

Ein Mann sieht rot. Und dieses Mal muss eine ganze Institution dran glauben. Damit hatte ich zu Beginn wahrlich nicht gerechnet und war entsprechend positiv überrascht. Das Vorgehen des Vaters ist dabei weniger subtil und wird sehr actionreich in Szene gesetzt. Während des Rachefeldzugs erinnert der Film zu Beginn oft eher an Filme wie „Saw“ (inklusive deftigem Splatter und mysteriöser Stimme am Telefon) oder TV-Serien wie „Prison Break“ (Planung über Jahre hinweg, Gefägnis-Setting) werden wach. Der Rächende ist allen Beteiligten mindestens drei Schritte voraus und entsprechend überraschend wirken die meisten seiner Fallen Einfälle.

Die Twists gegen Ende waren für meinen Geschmack dann doch etwas zuviel des Guten. Der Tunnel in seine Zelle? Das einfache Transportieren der Bombe (ob nun von Butlers Figur gewollt oder nicht)? Man muss über so manchen Logikfehler hinwegsehen, um sich nicht den Spaß verderben zu lassen. Den macht „Law Abiding Citizen“ (so der weit gelungenere Originaltitel) auf jeden Fall. Ein netter Thriller für Zwischendurch, der oft wirkt als hätte er mehr sein können, als nur ein simpler Actionthriller. So ist die beste Szene in meinen Augen die, in der eine Richterin Butlers auf der Anklagebank sitzenden Charakter nach ein wenig Justiz-Bullshit-Bingo auf Kaution gehen lassen möchte und dieser sie und das Rechtssystem scharf verbal attakiert. Davon hätte ich gerne mehr gesehen.

Für Freunde von Rachethrillern und Actionfilmen härerer Gangart ist „Law Abiding Citizen“ eine nette Abwechslung. Trotz komplexerer Handlung sollte man sich von der Geschichte letztendlich nicht zu viel erwarten. Einer Zweitsichtung wird der Film aufgrund der fehlenden Spannung wohl nicht standhalten. Für einmalige Unterhaltung ist der Film jedoch ziemlich gut geeignet: 7/10 Punkte.

Kevin: Allein zu Haus – OT: Home Alone (1990)

Aktualisierung: Ich habe „Kevin: Allein zu Haus“ am 11. Dezember 2020 zum zweiten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Während die gesamte filmische Blogosphäre Kritiken zu Peter Jackson jüngstem Ausflug nach Mittelerde verfasst, schreibe ich heute meine erste Filmkritik nach knapp sieben Wochen unfreiwilliger Pause. Die Wahl fiel mit „Kevin: Allein zu Haus“ auf einen der Jahreszeit angemessenen und wohlbekannten Klassiker meiner Jugend. Ob die erste Sichtung seit bestimmt 12-15 Jahren an den Erfolg von damals anschließen konnte?

Kevin: Allein zu Haus (1990) | © 20th Century Fox

Kevin: Allein zu Haus (1990) | © 20th Century Fox

Früher war „Home Alone“ einer dieser Filme, bei denen man eben eingeschaltet hat bzw. die Eltern überredete einzuschalten. Zwar war ich bei den ersten TV-Ausstrahlungen schon etwas älter, als der im Deutschen titelgebende Kevin, doch hatte der Film bei mir ganz klar einen Nerv getroffen. Als Teenager habe ich ihn dann jedoch aus den Augen verloren und so war ich heute umso erfreuter, zu erkennen, was John Hughes und Chris Columbus damals tatsächlich geschaffen haben: einen der zurecht großen Weihnachtsklassiker meiner Generation.

John Hughes hatte schon immer ein Händchen dafür die Gefühle von Kindern bzw. meist Jugendlichen auf die Leindwand zu bannen und ihnen somit eine Stimme zu geben. Auch wenn „Kevin: Allein zu Haus“ anders ist, als die meisten seiner Filme, so lassen sich gewisse Themen doch auch darin wiederfinden. Die Beziehung zwischen Eltern und Kindern wird in der Eingangsszene herrlich auf die Spitze getrieben und der wohl nur allzu bekannte Wunsch endlich einmal alleine sein zu wollen, bildet die Grundlage eines Feuerwerks aus Slapstick auf der einen und berührenden Weihnachtsszenen auf der anderen Seite.

Es ist schon erstaunlich, wie einen die Erinnerung trügen kann. Die eigentliche Konfrontation Kevins mit den beiden tölpelhaften Einbrechern (grandios gespielt von Joe Pesci und Daniel Stern) dauert tatsächlich nicht einmal 20 Minuten, doch hätte ich schwören können, dass diese Szenen einen Großteil des immerhin 100-minütigen Films ausmachen. Dennoch sind es gerade der Spannungsaufbau sowie Kevins Auskosten des Alleineseins, die den Ton setzen und „Home Alone“ wohl für nahezu alle Zielgruppen zu solch einem durchschlagenden Erfolg werden ließen.

Obwohl Chris Columbus‘ Weihnachtskomödie heute bereits über 20 Jahre alt ist, so wirkt sie immer noch erstaunlich frisch und ich musste bei den Slapstickeinlagen erneut herzlich lachen. Man mag von Macaulay Culkin – der mir mit „My Girl“ eines der traumatischsten Filmerlebnisse meiner Jugend bescherte – halten, was man will, doch damals war er wahrlich die perfekte Wahl für Kevin McCallister. Die Bewertung mag nostalgisch gefärbt sein, doch ist „Kevin: Allein zu Haus“ auch heute noch einer der am besten durchkomponierten – und das nicht nur aufgrund John Williams‘ famosen Scores – Feiertagsfilme: 9/10 Punkte.

The Ides of March: Tage des Verrats (2011)

Passend zur amerikanischen Präsidentschaftswahl am 6. November habe ich mir heute George Clooneys „The Ides of March: Tage des Verrats“ angesehen. Spätestens seit Aaron Sorkins „The West Wing“ habe ich ohnehin ein Faible für den US-amerikanischen Wahlzirkus, doch bereits während meines Englisch LKs (vor inzwischen 14 Jahren; damals war gerade die Lewinsky-Affäre aktuell) war ich von der pompös inszenierten US-Politik fasziniert. Kann George Clooney dem Thema neue Facetten abgewinnen?

Zu Beginn des Films wähnt man sich noch in ähnlichen Gefilden, wie bei Aaron Sorkins leider nur fiktiver Bartlet-Administration. Alle Figuren scheinen von idealistische Ansichten und einer hohen Motivation getrieben. Der aufstrebende Kandidat Mike Morris (gespielt von George Clooney selbst) scheint alles zu haben, was man sich von einem Politiker wünscht: eine Vision, Integrität und das gewisse Etwas. Folglich kann man sich anfangs gut mit Wahlkampfmanager Stephen Meyers (Ryan Gosling) identifizieren, der voller Überzeugung zu sein scheint. Doch schon bald wird die angeblich so perfekte Welt rund um Morris und sein Wahlkampfteam Risse bekommen, die nicht wieder zu kitten sind.

Ich war erstaunt, wie drastisch der Ton des Films wechselt. Anfangs noch idealistisch und patriotisch (auch wenn nie Sorkin-Ausmaße erreicht werden), dann plötzlich düster und zynisch. Darauf war ich nicht vorbereitet und fühlte mich teils etwas vom Film überrumpelt. Doch gerade das macht ihn aus. „The Ides of March“ zeichnet ein wahrscheinlich viel realistischeres Bild vom Weg zur Macht, als vergleichbare Filme oder auch Sorkins Serie. Opportunismus ist an der Tagesordnung und letztendlich geht es nur darum vorwärts zu kommen. Ideale werden über den Haufen geworfen und kein einzelner Charakter bleibt seiner Linie treu. Was ist verantwortbar um ein übergeordnetes Ziel zu erreichen?

„The Ides of March“ ist ein Schauspielerfilm. Neben Gosling und Clooney beeindrucken vor allem Philip Seymour Hoffman und Paul Giamatti, die auch die beeindruckendsten Szenen des Films prägen. Ansonsten merkt man dem Film an, dass er auf einem Theaterstück basiert. Er wirkt teils etwas statisch und zu formelhaft, doch gerade die unaufgeregte Art die Geschichte zu erzählen sehe ich durchaus als Pluspunkt. George Clooneys Film ist teils unerwartet bitteres Politkino, das man durchaus gesehen haben sollte: 8/10 Punkte.