Toy Story 3 (2010)

Aktualisierung: Ich habe „Toy Story 3“ am 1. August 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Die „Toy Story“-Trilogie von Disney/Pixar wird für mich wohl stets die Animationsfilmreihe sein, der ich mich am meisten verbunden fühle. Den ersten Teil sah ich erstmals vor genau 15 Jahren und war damit exakt halb so alt, wie bei der gestrigen Sichtung von „Toy Story 3“ – dem Finale der Trilogie. Man könnte somit sagen, ich bin mit den Filmen aufgewachsen, wenn nicht sogar erwachsen geworden.

Toy Story 3 (2010) | © Walt Disney

Toy Story 3 (2010) | © Walt Disney

In „Toy Story 3“ dreht sich alles um den Abschied von der Kindheit und das Eintreten in einen neuen Lebensabschnitt. Stärker als bei den Vorgängern rückt damit Andy ins Zentrum der Geschichte. Bisher war er nur der Auslöser, der die Geschichte ins Rollen brachte – doch dieses Mal wird auch er emotional in sie eingebunden, was zu einem wunderschönen, sentimentalen Ende führt, bei dem wahrlich kein Auge trocken bleibt.

Bevor die Handlung jedoch dort ankommt, gibt es allerlei bunte Abenteuer zu bestehen, unzählige neue Spielzeuge zu treffen und fiese Hindernisse zu überwinden. Die Geschichte ist abermals mitreißend und flott erzählt, nimmt sich dennoch Zeit für ihre Charaktere und bietet herrlichen Humor sowie nachdenkliche Momente. Wie bereits in „Toy Story 2“ fügen sich die neuen Figuren perfekt in das bereits etablierte Universum ein. Pixar beweist zudem abermals ein Händchen für perfektes Timing und eine ausgewogene Erzählweise.

Audiovisuell ist der Film eine wahre Augenweide, was besonders bemerkenswert ist, da er dennoch nahtlos an die alten Filme anschließt – und dazwischen liegen immerhin 15 Jahre technischer Fortschritt. Ein Meisterwerk der Animationskunst. Auch die Geschichte ist erwachsener geworden und oft beherrscht ein beinaher schon erschreckend düsterer Grundton die einzelnen Handlungsabschnitte. Wie da wohl die absolut unpassende FSK-Freigabe (ohne Altersbeschränkung) zustande gekommen sein mag? Wirklich unfassbar.

Am meisten überzeugt hat mich „Toy Story 3“ abermals von der emotionalen Seite. Selten war ich so ergriffen, wie in der Szene als sich die Spielzeuge alle an den Händen fassten, um tapfer ihrem sicheren Ende entgegen zu sehen. Ich bekomme jetzt noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke. Ebenso fantastisch ist natürlich das Finale der Geschichte, welches mit der real gewordenen Wolkentapete aus Andys Kinderzimmer in „Toy Story“ endet. Absolut fantastisch.

Fazit

Pixar ist mit diesem Film wohl der Abschluss zu einer der hochwertigsten Trilogien überhaupt gelungen – und das meine ich genreübergreifend und nicht nur auf Animationsfilme bezogen. Auch der dritte Teil hat sich sofort und unabdingbar in mein Herz gespielt. Ich freue mich jetzt schon darauf einmal zusammen mit meiner Tochter die gesamte Filmreihe zu sehen und mich am Leuchten in ihren Augen zu erfreuen. Ein größeres Kompliment kann man einem Film wohl nicht machen: 10/10 Punkte.

Schöne Bescherung – OT: Christmas Vacation (1989) (WS2)

Ich sehe „Schöne Bescherung“ jedes Jahr und bespreche den Film danach auf meinem Blog. Du möchtest die komplette Dosis Griswolds? Du findest alle Besprechungen hier!

Adventszeit: Glühwein, Lebkuchen und gemütliches Zusammensein. Was darf da nicht fehlen? Natürlich der Weihnachtsfilmklassiker der 80er Jahre: „Schöne Bescherung“ nach einem Drehbuch von John Hughes und mit Chevy Chase als fanatisches Oberhaupt der Familie Griswold. Die gestrige Sichtung war insofern etwas Besonderes, als dass sie für ein Zuschauerpaar tatsächlich eine Premiere darstellte – unglaublich, oder?

Vielleicht liegt es auch an den beiden Neuzugängen, doch so viel Spaß wie gestern hatte ich schon lange nicht mehr mit dem Film – und das wohlgemerkt, obwohl ich nahezu jedes Jahr enorm viel Spaß mit „Schöne Bescherung“ habe. Der Film bietet einfach so viele unglaublich gelungene Gags und Slapstickeinlagen, dass man ununterbrochen lachen könnte. Daneben gibt es während der Vorbereitungen zum Weihnachtsfest der Griswolds aber durchaus besinnliche Momente, die einen wunderbar auf die Feiertage einstimmen.

„Christmas Vacation“ ist wohl der Film, den ich in meinem bisherigen Leben am häufigsten gesehen habe. 20 Sichtungen dürften es wohl mindestens gewesen sein. Umso erstaunlicher, dass ich immer noch lachen kann und sogar neue Details entedecke. So ist es mir bisher tatsächlich entgangen, dass Rusty Griswold von niemand geringerem als Johnny Galecki (Leonard Hofstadter, „The Big Bang Theory“) gespielt wird.

Eigentlich hätte ich die Sichtung gerne näher zu Weihnachten verlagert, doch ist nahezu jeder Abend bis dahin schon verplant. Insofern war der gestrige Abend gar nicht schlecht gewählt, denn somit ist eines der jährlichen, vorweihnachtlichen Rituale – für mich zudem eines der schönsten – bereits vollzogen. Ich bin einmal gespannt, wann die restlichen Filmblogger mit ihren Einträgen folgen. We’re gonna have the hap hap happiest christmas since Bing Crosby tapdanced with Danny fucking Kaye: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Willow (1988)

Aktualisierung: Ich habe „Willow“ am 5. November 2022 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nachdem ich in letzter Zeit viel über Genres geschrieben habe, die mich normalerweise nicht sonderlich interessieren, habe ich mich gestern einem meiner Lieblingsgenres zugewandt. Mit Ron Howards „Willow“ hielt der klassische Fantasyfilm Einzug in mein Wohnzimmer und zauberte einmal mehr ein Lächeln auf mein Gesicht.

Willow (1988) | © Walt Disney

Willow (1988) | © Walt Disney

Die George Lucas-Produktion aus dem Jahr 1988 zählt wohl zu den meistgesehenen Filmen meiner Jugend. Die unzähligen Sichtungen diverser TV-Ausstrahlungen und später dann der DVD wurden erst von Peter Jacksons „Der Herr der Ringe“-Trilogie in ihrer Bedeutung und Häufigkeit abgelöst. Doch auch heute noch muss ich oft an die Abenteuer Willow Ufgoods denken und somit war es einmal wieder an der Zeit dem Land der Nelwyns und Daikinis einen Besuch abzustatten.

Die Geschichte ist nicht sonderlich originell, sondern liest sich wie ein Best of der Fantasyliteratur. Hauptsächlich stand wohl tatsächlich Tolkiens berühmte Saga Pate für die grobe Handlung und ihre Charaktere. Dies fällt jedoch nicht negativ auf, da „Willow“ andere Schwerpunkte setzt und z.B. viel mehr auf Humor und Action setzt. Der Film ist – für seine Zeit – auch sehr effektlastig, was ihn heut teils recht angestaubt (z.B. Stop-Motion-Drache) wirken lässt. Allerdings wurde in „Willow“ zum ersten Mal erfolgreich computerunterstütztes Morphing eingesetzt, was den Film für VFX-Freunde durchaus interessant macht.

Die Inszenierung erinnert sehr an die „Star Wars“-Filme und selbst James Horners Score könnte von John Williams komponiert worden sein. Es ist offensichtlich, dass George Lucas mit „Willow“ ein weiteres erfolgreiches Franchise schaffen wollte, was ihm letztendlich leider nicht gelang. Die Abenteuer Willows und Elora Danans wurden aber immerhin in einer Buchtrilogie („Schattenmond“, „Schattendämmerung“ und „Schattensonne“) fortgesetzt, welche – zumindest bei uns – leider nicht mehr erhältlich ist.

Da ich beinahe jeden Dialog des Films mitsprechen kann und die zauberhafte Fantasy-Atmosphäre einfach liebe, fällt es mir natürlich schwer „Willow“ objektiv zu bewerten. Wer also nach solch einer Einschätzung sucht, sollte sich wohl lieber woanders umsehen. Für mich kommt Ron Howards Ausflug in die fantastischen Welten direkt hinter Peter Jacksons Verfilmung von Tolkiens Epos und stellt damit eines der seltenen Genrehighlights dar: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Die glorreichen Sieben – OT: The Magnificent Seven (1960)

Obwohl ich jedem Genre etwas abgewinnen kann, wenn mich Geschichte und Umsetzung eines Films ansprechen, so gibt es jedoch Genres mit denen ich mehr und Genres mit denen ich weniger anfangen kann. Western gehören eindeutig zur zweiten Kategorie. John Sturges „Die glorreichen Sieben“ hat es dennoch auf die Liste meiner persönlichen Klassiker geschafft, was als großes Kompliment für den Film zu verstehen ist.

Wenn ich an „Die glorreichen Sieben“ denke, dann denke ich an einen speziellen Fernsehabend meiner Kindheit. Obwohl meine Eltern sehr strikt waren, was den TV-Konsum anging, hatte ich aus irgendeinem Grund diesen Western gesehen. Ich war zutiefst beeindruckt. Noch heute kann ich mich an das Gefühl erinnern, das ich während der Sichtung hatte. Yul Brunner war mein Held. Der Inbegriff der Coolness – auch wenn ich damals mit diesem Begriff wahrscheinlich noch nichts anfangen konnte. Es begann die Zeit, während der ich später unbedingt einmal Cowboy werden wollte.

In den vergangenen Jahren sah ich den Film noch bei diversen TV-Ausstrahlungen, doch dieses magische Gefühl der ersten Sichtung wollte sich nie wieder einstellen. Dafür lernte ich den Film aus anderen Gründen zu schätzen: Den wunderbaren Bildern, dem fantastischen Score, der mitreißenden Geschichte und dem unglaublichen Aufgebot an Schauspielern. Eine Sache hat sich nämlich seit damals nicht geändert: Yul Brynner spielt hier immer noch den coolsten Charakter, der je die Leinwand betreten hat. Da können heutige Stars einpacken.

Meine Lieblingsszene ist wohl auch die Einführung von Chris (Yul Brynner) und Vin (Steve McQueen), die einfach so dermaßen lässig daherkommt, dass es eine wahre Freude ist. Auch die weitere Vorstellung der fünf verbleibenden Revolverhelden ist fantastisch: Ob Charles Bronsons lakonischer erster Auftritt als Bernado oder James Coburns Messerwurf. Diese Szenen haben zu Recht Filmgeschichte geschrieben. Neben den offensichtlich herausragend besetzten Helden, gibt es auch zwei Schauspieler zu sehen, deren Besetzung etwas seltsam anmutet: Eli Wallach als fieser Bösewicht Calvera und Horst Buchholz als junger Heißsporn Chico. Ich könnte mir heute keine anderen Darsteller in diesen Rollen vorstellen, doch mutet unser Horst Buchholz als heißblütiger Mexikaner teils durchaus etwas befremdlich an.

Bevor ich zum Ende meiner Besprechung kommen, muss ich unbedingt noch ein paar Worte zu Elmer Bernsteins Score verlieren, der auch heute noch zu meinen absoluten Lieblingsfilmmusiken zählt. Nicht nur das Hauptthema in seinen unzähligen Variationen, sondern auch die unbekannteren Elemente fügen sich zu einer wahren Westernoper zusammen, welche die klassische Geschichte der sieben Helden mit den nötigen Emotionen unterfüttert.

John Sturges Western-Adaption von Akira Kurosawas „Die sieben Samurai“ ist einer der großen amerikanischen Filmklassiker, welche man einfach gesehen haben muss. Die Blu-ray bringt das Epos in bisher nicht gekannter Qualität in die heimischen Wohnzimmer und nach unzähligen TV-Ausstrahlungen kann der Film seine audiovisuellen Trümpfe endlich vollständig ausspielen. Großes Kino: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Mary Poppins (1964)

Mit Walt Disneys Kinderbuchverfilmung „Mary Poppins“ bin ich zu einer nostalgische Reise aufgebrochen. Einerseits weil ich den Film seit meiner Kindheit nicht mehr gesehen habe und andererseits, weil er wunderschöne Erinnerungen an das Broadway Musical heraufbeschwört, das ich vor zwei Jahren während meiner Hochzeitsreise gesehen habe.

Man kann wirklich sagen, was man will, doch Disneys Klassiker sind einfach wunderbare Filme. Sie mögen teils naiv erscheinen, es wird viel gesungen, die Geschichte samt ihrer Botschaft ist leicht zu durchschauen und doch verströmen sie unwiderlegbar eine ganz eigene Kinomagie. Mir persönlich fällt es ziemlich leicht diese Filme mit staunenden Kinderaugen zu betrachten. Besonders im heutigen Kino, in dem es besonders angesagt ist der Welt mit möglichst großem Zynismus zu begegnen, finde ich diese Art von Film einfach nur erfrischend und herzerwärmend.

Mit „Mary Poppins“ hat Regisseur Robert Stevensen unter der Aufsicht von Walt Disney ein ganz besonderes Meisterwerk geschaffen. Julie Andrews und Dick Van Dyke spielen ihre Rollen so ungezwungen, dass es eine wahre Freude ist. Die Geschichte wird durch kunterbunte Bilder erzählt, welche man so vorher noch nie auf der Leinwand gesehen hatte. Doch am meisten wissen wohl Richard M. und Robert B. Shermans Songs zu begeistern, welche sich aus der Musicalgeschichte heute nicht mehr wegdenken lassen.

Wie in jedem Disneyfilm gibt es auch hier eine Botschaft, die allerdings – zumindest wenn man sich auf den Film einlassen kann – erfreulich unaufdringlich daherkommt. Überhaupt finde ich es wunderbar, wie viel man auch als Erwachsener aus dem Film mitnehmen kann und komplett auf schwarzen Humor hat man hier schließlich auch nicht verzichtet. Ein wunderbar zeitloser Film, der sich umfassend wohl nur mit dem Wort Supercalifragilisticexpialidocious beschreiben lässt. Absolutes Pflichtprogramm für alle Disney- und Musicalfreunde: 10/10 Punkte.

Absolute Giganten (1999)

Der Film war eine meiner ersten DVDs. Ich weiß auch nicht genau, warum ich ihn mir damals gekauft habe. Vermutlich war er einfach günstig. In den ersten Jahren habe ich „Absolute Giganten“ schließlich so oft gesehen wie keinen zweiten Film. Teils nur im Abstand von Monaten. So sehr berührte mich Sebastian Schippers Ode an die Freundschaft.

Es ist fantastisch wieviel diese kleine Film in seinen knapp 80 Minuten zu erzählen weiß. Man kennt seine Figuren ganz genau. Ihre Gefühle, ihre Wünsche und ihre Ängste. Man lebt, lacht und leidet mit ihnen. So als wäre man selbst dabei in dieser einen letzten Nacht. Als würde man selbst Abschied nehmen. Ich kenne keinen zweiten Film, der das Gefühl der Melancholie so wunderbar herzzerreißend einfängt, wie „Absolute Giganten“. Nicht durch große Dialoge, nicht durch eine voranpeitschende Handlung. Nein, allein durch Atmosphäre. Durch den wundervollen Score, durch Blicke und durch die magischen Bilder dieser wundervollen Stadt.

Ich weiß nicht wie er es geschafft hat, doch Sebastian Schipper („Ein Freund von mir“) ist mit seinem Debütfilm etwas ganz Besonderes gelungen. Die Charakatere wirken einfach echt. Ihre Welt wirkt echt. Nicht unbedingt realistisch, aber echt. Vor allem von einem emotionalen Standpunkt aus gesehen. Schippers nächtliches Hamburg ist bevölkert von skurrilen Figuren, welche den Stellenwert dieser letzten Nacht unterstreichen. Irgendwann vergessen unsere Helden, was sie ziel- und ruhelos umtreibt. Sie werden in letzte Abenteuer verstrickt, doch irgendwann sind auch diese überstanden und es graut unausweichlich der Morgen.

Neben einem fantastisch inszenierten Kickerspiel und der wohl besten Tanzchoreografie der Filmgeschichte, bietet „Absolute Giganten“ das poetischste Filmende, das mir jemals untergekommen ist. Wer da keine Träne verdrückt war wohl noch nie an einem Wendepunkt in seinem Leben gestanden, musste noch nie Freunde zurücklassen und hat wohl so einiges verpasst in seinem Leben.

Für mich ist „Absolute Giganten“ ein ganz besonderer Film. Nur wenige Filme schaffen es, etwas so tief in einem drin zu berühren. Obwohl ich ihn bestimmt schon ein halbes dutzend Mal gesehen habe, hat er keine Unze seiner Wirkung verloren. Allen da draußen, die nun skeptisch sind, weil es sich um einen deutschen Film handelt, weil sich der Film nicht richtig einordnen lässt oder weil ihr ihn gerade nicht griffbereit habt, sei gesagt: Geht und schaut euch diesen Film an! Ihr werdet es nicht bereuen. Und wenn doch, dann schaut ihn euch noch einmal an, bis auch euer perfekter Moment hängen bleibt. Es lohnt sich: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

GoodFellas: Drei Jahrzehnte in der Mafia (1990)

Kurz bevor meine Sichtung von „The Sopranos“ in die letzte Runde geht, habe ich mit Martin Scorseses „GoodFellas: Drei Jahrzehnte in der Mafia“ noch einen echten Klassiker des Genres zwischengeschoben. Die letzte Sichtung liegt inzwischen Jahre zurück und somit war ich überrascht wie viele Parallelen es zwischen den beiden Ganstersagas doch gibt.

Für mich ist „GoodFellas“ seit jeher der Inbegriff des modernen Gangsterfilms. Auch heute noch kann ihm sein Alter nichts anhaben. Der Film hat Stil. So unglaublich viel Stil. Was Martin Scorsese zusammen mit Michael Ballhaus hier auf die Leinwand gezaubert hat, ist wahrlich ein Augen- und Ohrenschmaus. Elegant und dennoch authentisch. Bilder für die Ewigkeit der Kinogeschichte.

Die Verfilmung der Lebensgeschichte von Henry Hill mitreißend zu nennen wäre – zumindest für Freunde des Genres – wohl die Untertreibung des Jahrhunderts. Man wird hineingesogen in die Welt des organisierten Verbrechens und es gibt kein Zurück mehr. Die Mischung aus Coming-of-Age Drama und knallharter Mileustudie besitzt eine unglaubliche Dynamik und Energie, der man sich nur schwer entziehen kann. Scorsese ist der perfekte Gegenentwurf zu Coppolas „Der Pate“ gelungen und steht somit sinnbildlich für eine neue Generation der Mafia.

Sowohl inszenatorisch, als auch inhaltlich muss man bei der Sichtung von „GoodFellas“ zwangsläufig an „The Sopranos“ denken. Seit der gestrigen Sichtung war mir nie bewusst, wie sehr der Film David Chase bei der Entwicklung seiner Serie beeinflusst haben musste. Neben inhaltlicher Parallelen erinnern selbst manche Figuren an das große Vorbild. Ich denke hier nur an Joe Pantolianos Ralph Cifaretto, für den ohne Zweifel Joe Pescis Tommy DeVito Pate gestanden hat.

Eine weitere Bestätigung des Einflusses von Scorseses Meisterwerk ist die unglaubliche Anzahl an Schauspielern, die in die Mafiaserie übernommen wurden. So ist Michael Imperioli (Christopher Moltisanti) als Handlanger Spider zu sehen, Lorraine Bracco (Dr. Jennifer Melfi) spielt an der Seite von Ray Liotta die weibliche Hauptrolle, Tony Sirico (Paulie Gualtieri) und Tony Lip (Carmine Lupertazzi) sind in kleineren Nebenrollen zu sehen und Frank Vincent (Phil Leotardo) gibt eine denkwürdige Vorstellung als Billy Batts. Zudem bin ich mir sicher auch irgendwo Vincent Pastore (Pussy Bonpensiero) gesehen zu haben.

Für Freunde des modernen Gangsterfilms gehört „GoodFellas“ ganz klar zum Pflichtprogramm. Doch auch abseits der Genregrenzen ist Martin Scorsese ein beeindruckendes Kunstwerk gelungen, das jeder Filmfreund gesehen haben sollte. Ganz großes Kino: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Der Pate – OT: The Godfather (1972)

Aktualisierung: Ich habe „Der Pate“ am 3. März 2022 erneut in der 4K-Kinoversion zum 50. Jubiläum gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Es gibt Filme, denen ein besonderer Ruf vorauseilt. Filme mit Bedeutung. Großes Kino. Klassiker. Und dann gibt Francis Ford Coppolas „Der Pate“ – wohl einer der bedeutendsten Filme seit Anbeginn des Kinos. Ein Film nach dessen Sichtung man sich unweigerlich fragt, warum man sich überhaupt noch mit durchschnittlichen Filmen aufhält. Ein Meilenstein.

Der Pate (1972) | © Paramount (Universal Pictures Germany GmbH)

Der Pate (1972) | © Paramount (Universal Pictures Germany GmbH)

Meine letzte Sichtung liegt bestimmt schon fünf Jahre zurück, dennoch konnte ich mich noch an nahezu jedes Details erinnern. Warum? Vermutlich weil ich innerhalb dieser Zeit gewisse Szenen oder Dialoge des Films auf die eine oder andere Art und Weise dennoch gesehen, gelesen oder gehört habe. „Der Pate“ hat die moderne Popkultur durchdrungen, wie kaum ein zweites Werk. Man wird sich schon anstrengen müssen, wenn man ein paar Tage Medienkonsum ohne Anspielung auf Coppolas Meisterwerk erleben möchte.

Ich könnte nun unzählige Lieblingsszenen aufzählen, doch eigentlich besteht der Film nur aus Lieblingsszenen. Am meisten beeindruckt mich jedoch immer wieder die eröffnende Hochzeitssequenz. Wie geschickt Coppola hier die Figuren einführt, bedrückende Dunkelheit mit gleißendem Licht und Lebensfreude zu verbinden weiß sowie Geschäft und Familie als Grundpfeiler der Geschichte etabliert, ist Kino in Perfektion. Ich könnte dem bunten Treiben stundenlang zusehen und doch schreitet die Geschichte unerbittlich weiter und entwickelt einen solchen Sog, dass man sich ihm unmöglich entziehen kann.

Dem Film wird häufig vorgeworfen, er würde ein zu romantisches und idealisiertes Bild des organisierten Verbrechens zeichnen. Ich möchte diese Vorwürfe auch gar nicht entkräften, nur mag mich diese Tatsache auch nicht stören. Man weiß ja heute, wie Michael Corleones Geschichte weitergeht. Welch gequältes Leben er doch führt. Betrachtet man diesen ersten Teil der Mafiasaga für sich, dann mag man den Vorwurf der Romatisierung jedoch zurecht treffen. Dennoch sollte man auch nicht vergessen, dass „Der Pate“ in erster Linie eine übersteigerte Form des Kapitalismus aufzeigt und somit durchaus kritischer mit gewissen Themen umgeht, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Nun möchte ich noch ein paar Worte zur aktuellsten Präsentation des Films auf Blu-ray verlieren: Grandios! Absolut grandios. Das Bild des Films hat – im Vergleich zur ersten DVD-Version – nicht nur eine komplette Überarbeitung in Bezug auf Kratzer, Bildstand usw. erfahren, sondern auch eine von Gordon Willis und Francis Ford Coppola überwachte Farbkorrektur erhalten. Anfangs mag das beinahe schon sepiafarbene Bild ungewohnt erscheinen, doch schon bald erlebt man den Film in völlig neuer Pracht. Schon alleine die Szenen auf Sizilien vermitteln einem das Gefühl, als wäre man wirklich selbt vor Ort. Ein echter Zugewinn.

Über die an Perfektion grenzende Inszenierung, den erstklassigen Schnitt, die famosen Schauspieler oder den herrlichen Score könnte ich nun noch seitenweise schreiben. Jedoch wird es hier wohl kaum einen Leser geben, der sich nicht schon selbst ein Bild von Coppolas Epos gemacht hat. Für mich hält der Film seinen Status völlig zurecht: Wohl der Filmklassiker überhaupt. Ohne ihn wäre das moderne Kino heute nicht da, wo es ist. Auch die Serienwelt würde in Ermangelung eines Tony Soprano anders aussehen. Ein Film, den man einfach gesehen haben muss: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Into the Wild (2007)

Manche Filme erzählen eine mitreißende Geschichte. Manche Filme berühren einen tief im Herzen. Manche Filme regen zum Nachdenken an. Nur ganz wenigen Filmen gelingt jedoch all das zusammen. Sean Penns „Into the Wild“ gehört zu diesen seltenen Ausnahmen. Ein Film, der mich noch sehr lange beschäftigen wird.

Vor der Sichtung wusste ich nur wenig über die Handlung. Eine wahre Begebenheit mit tragischem Ende. Anscheinend schwere Kost. Die DVD stand auch schon seit Monaten im Regal und ich konnte mich nie so recht zu einer Sichtung durchringen. Gestern jedoch tat ich es und der Film hat mich umgehauen. Im Nachhinein kann ich nun gar nicht sagen, was mich am meisten faszinierte: War es die virtuose Montage? Die bewegende Geschichte? Die tollen Naturaufnahmen? Der fantastische Soundtrack? Die famosen Darsteller? Vermutlich all diese Dinge zusammen.

Durch die Verwendung von verschiedenen Erzählstimmen, die sich als Voice over über die oft hypnotischen Bilder legen, werden die episodenhaften Fragmente des Films zusammengehalten. Die Handlung wird nicht chronologisch erzählt. Eher bildet der emotionale Zustand der Hauptfigur den Anker. Es wird vom Weg zum Ziel gesprungen. Begegnungen werden der Einsamkeit gegenübergestellt. Das Leben dem Tod. Der Fortschritt dem Stillstand. Wirklich eine herausragende Montage.

Kritiker werfen dem Film und Jon Krakauers Vorlage vor, dass Chris McCandless‘ Abenteuer idealisiert und er somit zum tragischen Helden stilisiert würde. Ich kann mich dem überhaupt nicht anschließen. Es wird zu keinem Zeitpunkt gesagt, dass Chris‘ bzw. Alex Supertramps Ideale die einzig richtigen sind. Es kommt auch deutlich heraus, dass er viel zu blauäugig und unvorbereitet in die Wildnis aufgebrochen ist. Dennoch hat mich sein früher Tod tief berührt. Besonders da er am Ende erkannt hat, dass das Glück eben nicht in der Isolation liegt. Dass er ohne seine Reise und seine Begegnungen nie dieses Glück erfahren hätte.

Emile Hirsch spielt hier die Rolle seines noch jungen Lebens. Gegen Ende des Films sieht er dem echten Chris McCandless tatsächlich zum Verwechseln ähnlich. Sein Charakter macht über die vorangegangenen zwei Stunden dabei eine absolut glaubhafte Entwicklung durch. Auch die Nebendarsteller müssen sich nicht verstecken und tragen zum realistischen Eindruck bei, den der Film bei mir hinterlassen hat.

Ich könnte nun noch viel schreiben, z.B. über Eddie Vedders intensiven Soundtrack oder die wunderschön integrierten Tagebucheinträge. Letztendlich kann ich Sean Penn nur mein Kompliment aussprechen. So berührt hat mich schon lange kein Film mehr. Ich werde mir nun auch Krakauers Vorlage zulegen und mir bei der nächsten Gelegenheit die Blu-ray zulegen. Der Film ist es wert in der bestmöglichen Qualität gesehen zu werden. Wohl die einprägsamste und intensivste Erstsichtung, die ich dieses Jahr erleben durfte: 10/10 Punkte.

Braveheart (1995) (WS1)

Normalerweise ist die technische Präsentation eines Films für mich nebensächlich, so lange sich diese keine groben Schnitzer leistet. Es ist der Inhalt, der überzeugen muss. Nach meiner gestrigen Sichtung von Mel Gibsons „Braveheart“ auf Blu-ray muss ich den Zusammenhang zwischen Inhalt und Technik für mich jedoch neu definieren. Ich habe mich in den Film verliebt. Ein zweites Mal. Und das nach all den Jahren.

Meine innige persönliche Beziehung zu Mel Gibsons Epos habe ich ja bereits in meinem ersten Eintrag zu diesem dargelegt. Die gestrige Sichtung unterstützt die damals gewonnenen Eindrücke nicht nur. Es ist tatsächlich so, als hätte ich den Film mit neuen Augen gesehen. Als wäre ein Schleier verschwunden. Bisher waren meine Sichtungen von Filmen auf Blu-ray zwar nett, aber eben auch nicht mehr. Doch bei der Sichtung von „Braveheart“ hat mir diese neue Technik zu einem ganz neuen Filmerlebnis verholfen. Absolut beeindruckend.

Der Film selbst ist für mich immer noch über jeden Zweifel erhaben. Es gibt wohl nur wenige Filme, die ich als so perfekt empfinde. Leiseste Töne, lauteste Action. Messerscharfe Dialoge und große Emotionen. Der Film besitzt einfach alles. Auch war ich nach dem Ende wieder ziemlich mitgenommen und das obwohl ich es bestimmt schon ein dutzend Mal gesehen habe. Pathos in seiner ergreifendsten Form. Danach hätte ich den Film am liebsten noch einmal von vorne gesehen, was ja wohl alles sagt.

Äußerst beeindruckt haben mich dieses Mal die Nebendarsteller, welche perfekt in ihre Rollen passen. Es ist eine Freude ihnen zuzusehen. Trotz der enormen Lauflänge von knapp drei Stunden gibt es keinerlei Längen und jede Szene ist wichtig für den Film. Erwähnen muss ich auch noch einmal James Horners famosen Score, welcher für mich stets zu den besten seiner Art gehören wird. Einfach nur traumhaft.

„Braveheart“ ist nach wie vor einer meiner absoluten Lieblingsfilme und endlich der Grund, warum sich der Umstieg auf Blu-ray gelohnt hat. Ein famoses Filmerlebnis, dem hoffentlich noch weitere folgen werden. Inzwischen begleitet mich der Film tatsächlich schon beinahe 15 Jahre. Unglaublich. Ich möchte kein Jahr davon missen: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Anmerkung: Dieses Prädikat werde ich in Zukunft Filmen verleihen, welche ich zu meinen absoluten Lieblingsfilmen zähle. Es mag Filme geben, die ihre 10 Punkte absolut verdienen. Jedoch gehört mehr dazu, um einen Platz unter meinen Lieblingsfilmen zu bekommen. Diese Unterscheidung soll ab sofort hiermit getroffen werden.