Nach einigen Einzelstaffeln habe ich mit Aaron Sorkins „The West Wing – Season 1“ einmal wieder einen regelrechten Serienmarathon begonnen. Sieben Staffeln gilt es zu sichten. Ein enormer Zeitaufwand. Doch wenn die kommenden Seasons auch nur halb so gut werden, wie es dieser Auftakt verspricht, dann freue ich mich jetzt schon auf jede einzelne Episode.

Mein Interesse für „The West Wing“ begründet sich vor allem in Aaron Sorkins Nachfolgeserie „Studio 60 on the Sunset Strip“, welche mir – trotz Mängeln – wirklich ausgezeichnet gefiel. Zum Kauf der zurzeit wirklich unverschämt günstigen Komplettbox hat mich allerdings das beständige Lob auf sablog.de bewegt. Nach der Sichtung der ersten Staffel kann ich mich den Lobeshymnen nur anschließen, doch ich möchte nichts vorwegnehmen.
Nach den ersten paar Minuten des Piloten bleibt man vermutlich erst einmal sprachlos vor dem Bildschirm sitzen. Was hat sich hier gerade abgespielt? Wovon reden diese Personen und können sie nicht langsamer sprechen? Die Informationsflut der noch unbekannten Stimmen ist schier unglaublich. Von den politischen Fachbegriffen einmal ganz zu schweigen. Man muss anfangs wahrlich etwas Geduld mitbringen, um sich in den Jargon und Aaron Sorkins Schnellfeuerdialoge einzuhören. Hat man dies allerdings erst einmal geschafft, dann birgt beinahe jede Zeile einen scharfzüngigen Witz, den zu überhören eine Schande wäre. Es lohnt sich folglich stets am Ball zu bleiben.
Neben herausragenden Dialogen bietet „The West Wing“ auch ansprungsvolle Geschichten. In jeder Episode sieht man sich bzw. die handelnden Figuren mit einer Eigenheit des amerikanischen politischen Systems konfroniert. Sei es nun die Todesstrafe, ein neuer Gesetzesentwurf oder das Bildungssystem. Dabei wird nicht um den heißen Brei herumgeredet und man sieht deutlich, dass auch mit der wirklich sehr idealistischen Regierungspolitik von Präsident Bartlet durchaus Kompromisse eingegangen werden müssen. Das System ist nicht perfekt und wird auch nicht so dargestellt. Es sind auch eher die fiktiven Figuren, die dem Zuschauer den Glauben an ein funktionierendes politisches System zurückgeben. Doch auch dabei sollte man nicht vergessen, dass es sich eben nur um eine fiktive Regierung handelt.
Auch die audiovisuellen Aspekte der Serie geben keinen Grund zur Klage. Großes Kino in jeder Hinsicht. Hinzu kommen großartige Schauspieler, die ein perfektes Ensemble bilden. Hier jemanden gesondert herauszupicken wäre schwer. Selbst Martin Sheens Präsident Bartlet ist nur einer weitere Figur unter vielen. Zwar Dreh- und Angelpunkt, doch erst im Zusammenspiel mit seinem White House Staff läuft Sheen – und mit ihm Bartlet – zur Höchstform auf.
Mängel konnte ich keine feststellen und sollte es sie geben, so haben es nur allzu bekannte Kameraeinstellungen aus Washington, D.C. wieder mehr als wett gemacht. Für mich ist diese erste Staffel wahrlich schon perfekt. Kaum zu glauben, aber wahr. Wie soll sich diese Serie noch steigern? Ich bin wirklich hochgradig gespannt und das nicht nur aufgrund des nervenaufreibenden Cliffhangers. Unzweifelhaft herausragende Unterhaltung: 10/10 Punkte.