Smash – Season 1

Ich hatte in der letzten TV-Saison etliche Neustarts auf dem Radar, doch mit „Smash – Season 1“ hatte ich irgendwie nicht gerechnet. Eine weitere Musicalserie? Das roch mir zu sehr danach auf der Erfolgswelle von „Glee“ mitschwimmen zu wollen. Nach einer Empfehlung des Fortsetzung folgt-Podcasts, habe ich mich jedoch zu einer Sichtung hinreißen lassen und sollte mit einem der gelungensten Serienstarts des vergangenen Jahres belohnt werden…

Gleich zu Beginn kann ich sagen, dass der Vergleich zur unglaublich erfolgreichen Teen-Musical-Comedy „Glee“ nur bedingt funktioniert. In „Smash“ geht es nicht darum bekannte Popnummern entsprechend aufwendig in Szene zu setzen und die Handlung dazwischen mit möglichst vielen satirischen Spitzen anzureichern – nein, die Serie nimmt sich und ihre Figuren durchaus ernst. Zwar sind die einzelnen – wohl gemerkt extra für die Serie geschriebenen – Musicalnummern durchaus wichtig, doch bekommt man im Grunde eine klassiche Hinter den Kulissen-Show zu sehen. Wer also schon immer einmal wissen wollte, wie ein Broadway-Musical – und zwar aus Sicht der Autoren, Produzenten, Regisseure und Performer – entsteht, der dürfte viel Spaß mit der Serie haben.

Wie so viele Serien in letzter Zeit (z.B. „Falling Skies“ oder „Terra Nova“), rühmt sich auch „Smash“ damit Steven Spielberg als Produzent mit an Bord zu haben. Doch das ist nicht der einzige berühmte Name, welchen die Produktion mit sich assoziieren kann: Debra Messing („Will & Grace“) spielt die Autorin, Jack Davenport („Coupling“) den Regisseur und Anjelica Huston („Die Addams Family“) ist als Produzentin zu sehen. Hinzu kommt Uma Thurman als exzentrische Schauspielerin, die als Zugpferd für das Musical „Bombshell“ über das Leben von Marilyn Monroe eingespannt werden soll. Daneben dürfen etliche Newcomer – insbesonders Katharine McPhee und Megan Hilty – zeigen, was sie drauf haben und runden das Ensemble somit perfekt ab.

Da ich mir durchaus recht gerne Musicals ansehe und auch selbst schon dem Zauber des Broadways erlegen bin, ist „Smash“ bei mir natürlich auf fruchtbaren Boden gefallen. Diese zauberhafte (und natürlich recht stilisierte) Atmosphäre fängt die Serie wirklich exzellent ein, doch im mag New York City als Schauplatz von Filmen oder Serien ja ohnehin sehr. Einzig die teils doch etwas soapigen Intrigen und Beziehungskisten hätte man gerne reduzieren dürfen, aber somit bleibt noch Entwicklungspotential für die glücklicherweise bereits bestellte zweite Staffel. Ein wahres Fest für Musical-Freunde: 8/10 (8.4) Punkte.

Parenthood – Season 3

Von keiner zweiten laufenden Serie fühle ich mich als Zuschauer so verstanden und werde so gut unterhalten, wie durch die Abenteuer der Familie Braverman. Somit gelingt es „Parenthood – Season 3“ auch im aktuellen Serienjahr den Titel Beste Show einzustreichen – zumindest in meinen Augen. Deshalb freut es mich auch unglaublich, dass NBC die Serie um eine vierte Staffel verlängert hat. Doch nun erst einmal zurück zum turbulenten dritten Jahr…

Es hat sich so einiges getan bei den Bravermans: Adam und Crosby machen sich selbstständig und übernehmen ein berühmtes Aufnahmestudio, Julia und Joel sind dabei ein Baby zu adoptieren, Kristina bekommt ein Baby und fängt wieder an als Kampagnenberater zu arbeiten, Sarah und Mark wollen den nächsten Schritt wagen und Zeek muss sich mit unangenehmen Neuigkeiten auseinandersetzen. Dies war wohlgemerkt nur ein Bruchteil der Handlungsstränge, die zudem alle miteinander verwoben und mit unzähligen kleinen Details und wunderschönen Momenten angereichert sind. Idealisierter Familienwahnsinn, wie er nicht schöner erzählt werden könnte.

Ich bin immer noch begeistert, wie natürlich die Charaktere bzw. ihre Schauspieler in „Parenthood“ agieren. Das Leben der Bravermans wirkt echt und dennoch wohnt dem Familienportrait dieses kleine Quentchen Magie inne, das im echten Leben dann doch so häufig fehlt. Die in der vorangegangenen Staffel angerissenen Handlungsstränge werden konsequent fortgeführt, was jeden Fan der Serie restlos begeistern dürfte. Jeder Charakter bekommt wieder ausreichend Platz eingeräumt und dennoch hatte ich nach den 18 Episoden erneut das Gefühl, dass ich gerne mehr gesehen hätte. Glücklicherweise wird dieser Wunsch in Erfüllung gehen.

Die Inszenierung und besonders die musikalische Untermalung ist wieder einmal pefekt gelungen. Nicht nur gegen Ende der Staffel gibt es etliche Gänsehautmomente: Ob nun Noras Geburts mit SUCH GREIGHT HEIGHTS der wunderbaren THE POSTAL SERVICE unterlegt wird oder DEATH CAB FOR CUTIEs 8-minütiges I NEED YOU SO MUCH CLOSER die Wiedervereinigung von Jasemine und Crosby untermalt, emotional hat die Serie bei mir abermals voll ins Schwarze getroffen. Einfach nur schön und das ohne kitschig oder völlig aus der Luft gegriffen zu sein.

Ich für meinen Teil kann nur hoffe, dass die Serie in der nun leider wohl finalen vierten Staffel einen würdigen Abschluss findet. Ebenso wünsche ich mir eine europäische Veröffentlichung der Serie „Friday Night Lights“, die ebenfalls Showrunner Jason Katims‘ Feder entsprungen ist. Das kann doch nicht so schwer sein? Bereits jetzt konnte sich „Parenthood“ einen Platz unter meinen Top 5 der Dramaserien sichern. Genau so müssen TV-Serien geschrieben, gespielt und inszeniert sein: 10/10 (9.5) Punkte.

Last Man Standing – Season 1

Auch wenn die gelungensten Comedys der letzten Jahre besonders durch innovative Konzepte und Meta-Humor auftrumpfen konnten, sehe ich auch klassische Sitcoms immer noch sehr gerne. Dies liegt wohl in den Anfängen meines Serienkonsums begründet, weshalb sich „Last Man Standing – Season 1“ für mich auch wie eine Zeitreise zurück in die 1990er Jahre anfühlt. Weder innovativ, noch subversiv oder sonderlich spannend – einfach nur nette Unterhaltung für die ganze Familie. Eben wie früher…

Meine erste Sitcom war „Die Bill Cosby Show“ – und ich habe sie trotz äußerst unregelmäßiger Sichtung geliebt. Das nächste große Ereignis stellte dann etliche Jahre später „Friends“ dar und irgendwann nahm ich dann mit, was das Genre sonst noch so hergab. Auch wenn ich nie ein sonderlich großer Fan von „Home Improvement“ – bzw. damals natürlich noch „Hör mal, wer da hämmert“ – war, so habe ich über die Jahre doch bestimmt nahezu alle Episoden der Show gesehen. Heute ist mir die Serie noch in guter Erinnerung, doch nimmt sie in meiner persönlichen TV-Laufbahn keinen sonderlich großen Stellenwert ein.

Warum ich das alles erzähle? Weil „Last Man Standing“ in jeder Hinsicht wie eine nur leicht modernisierte Neuauflage des Tim Allen-Hits aus längst vergangenen Tagen wirkt. Tim Taylor heißt nun Mike Baxter, statt drei Jungs hat er drei Mädchen und statt Binford Tools gibt es Outdoor Man – ansonsten bleibt alles beim Alten. Natürlich sieht die Serie etwas moderner aus und auch die Handlung ist nicht mehr ganz so formelhaft, wie in den 1990er Jahren, doch wirkt diese inoffizielle Fortsetzung gut 10 bis 20 Jahre später doch ziemlich altmodisch – und das sowohl im positiven, wie auch im negativen Sinne.

Überraschungen braucht man als Zuschauer nicht zu erwarten. Der Humor ist harmlos und die Handlung nahezu vernachlässigbar. Dennoch hatte ich stets ein gutes Gefühl bei der Sichtung: Die Serie hat mich in eine nostalgische Wolke eingehüllt und an längst vergangene Tage denken lassen. Genau die richtige Art von Unterhaltung kurz bevor man nach einem stressigen Tag ins Bett fällt. Perfekt zum Runterkommen und Abschalten. Nicht großartig, nicht intelligent, nicht brüllend komisch – einfach nur harmlos und nett. Manchmal reicht das vollkommen: 7/10 (7.3) Punkte.

Castle – Season 4

Auch in diesem Jahr befand sich erstaunlicherweise eine simple Krimiserie unter meinen Serienhighlights. So habe ich mich jede Woche auf die neue Episode von „Castle – Season 4“ gefreut und wurde jedes Mal bestens unterhalten. Was hat die Staffel also im Detail zu bieten? Spannende Fälle, viel Humor, Liebesgeplänkel, eine Zeitreise, Zombies – und natürlich Nathan Fillion.

Gleich zu Beginn der Staffel wird natürlich der Cliffhanger des vorhergehenden Jahres aufgelöst, der zwar schockierend war, doch letztendlich nur einen Ausweg erlaubte. Auch über den Verlauf der Staffel wird die Handlung rund um Detective Becketts Ermittlungen nach dem Mörder ihrer Mutter immer wieder aufgegriffen. Dieser Handlungsstrang gipfelt im Staffelfinale letztendlich in einer erneut äußerst spannenden Episode, welche die Weichen für das kommende Jahr neu stellt – und das in absolut jeder Hinsicht. Man darf also gespannt sein…

Den Großteil machen jedoch auch im vierten Jahr die in sich abgeschlossenen Einzelfälle aus, welche teils wirklich erstaunlich überraschend und oft mit einem inhaltlichen Twist erzählt werden. So werden unsere Helden z.B. mit einer Geistergeschichte konfrontiert, jagen einen selbsternannten Superhelden, werden in einem Banküberfall als Geisel genommen, lösen einen Fall in den 1940er Jahren, finden sich in einem anfangs an „Saw“ erinnernden Szenario wieder, decken eine CIA-Verschwörung auf und flüchten vor einer Zombie-Horde. Für Abwechslung ist also – sowohl für die Ermittler, als auch für uns Zuschauer – auf jeden Fall gesorgt.

Ein weiteres Highlight war für mich als großer „Firefly“-Fan natürlich die Wiedervereinigung von Nathan Fillion und Adam Baldwin, der in einer Episode einen tragenden Gastauftritt in einer Rolle absolvieren durfte, die ihm wirklich auf den Leib geschrieben war. Für mich stellte die vierte Staffel somit noch einmal eine kleine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr dar und ich weiß jetzt schon, dass ich meine wöchentliche Dosis „Castle“ vermissen werde: 9/10 (8.8) Punkte.

Terra Nova – Season 1

Eine der mit am meisten Spannung erwarteten Serien des vergangenen Jahres dürfte wohl „Terra Nova – Season 1“ gewesen sein. Die – wie bereits „Falling Skies“ – von Steven Spielberg produzierte Serie versprache kinoreife Unterhaltung und fantastische Spezialeffekte. Doch bereits für die Pilotfolge hagelte es größtenteils schlechte Kritiken und mit zunehmender Laufzeit kristallisierte sich heraus, dass der Serie wohl nicht der erhoffte Erfolg beschieden werden sollte. Wie ist Spielbergs Sci-Fi-Saga jedoch bei mir angekommen?

Ich habe jede Minute genossen. Als Kind hätte ich die Serie sogar geliebt. Dinosaurier, Zeitreisen, Science-Fiction und Mystery. Erwähnte ich schon Dinosaurier? Der Stoff aus dem meine Träume gemacht waren. Auch heute noch verfalle ich diesen Elementen erstaunlich leicht. Hinzu kommt eine Bilderbuchfamilie à la Spielberg, was bei mir stets funktioniert. Man sieht: Auch wenn die Serie alles andere als perfekt ist, so drückt sie bei mir doch nahezu alle Knöpfe, um als nahezu perfekte Unterhalung wahrgenommen zu werden – es ist schon beinahe unheimlich.

Inhaltlich wandelt die Serie auf bekannten Pfaden. Handlungselemente und Anmutung erinnern an „Avatar“ (inklusive dem großartigen Stephen Lang als Commander Taylor), die Dinos sind „Jurassic Park“ entsprungen, mysteriöse Ereignisse und geheimnisvolle Andere hat man aus „Lost“ entliehen, und der Look der Zukunft ist eine Nachahmung des „Blade Runner“-Produktionsdesigns. Nicht innovativ, aber es funktioniert. Zumindest für mich. Die Charaktere wachsen einem zudem recht schnell ans Herz, die Handlung ist seicht aber lädt zum Dranbleiben an – und auch wenn die Effekte mehr nach TV, denn Kino aussehen, so gefiel mir der exotische Look doch ausgesprochen gut.

Ich kann durchaus verstehen, wenn man so sein Problem mit der Serie hat. Wie bereits „Falling Skies“ erinnert auch die Handlungsstruktur von „Terra Nova“ eher an 90er Jahre TV-Serien, als an komplexe Geschichten, wie man sie heute in Serien findet. Dennoch funktioniert die Serie für mich noch um einiges besser, als die ähnlich gelagerte Alienhatz. Es ist wie eine Rückkehr in die Sonntagnachmittage der eigenen Kindheit. Dinos, Sci-Fi, Mystery und dennoch eine heile Welt. Spätestens seit der Absetzung der Serie weiß ich, dass ich mit dieser Meinung ziemlich alleine dastehe – doch ich fand die nostalgische Zeitreise ziemlich gut: 8/10 (7.7) Punkte.

The Mentalist – Season 1

Nachdem die Serie im Fortsetzung folgt-Podcast jede Folge gefühlte zwölfeinhalbmal lobend erwähnt wird, habe ich mir die ersten zwei Staffeln gegönnt und „The Mentalist – Season 1“ inzwischen auch komplett gesehen. Da es sich um ein Krimi-Procedural handelt, hat sich die Sichtung über etliche Wochen hingezogen, doch so ein- bis zweimal pro Woche war es durchaus ein Vergnügen mit Patrick Jane die Untiefen des menschlichen Verhaltens zu erforschen…

Im Prinzip ist „The Mentalist“ nur ein weiteres Crime Procedural wie dutzend andere, die unsere TV-Bildschirme bevölkern. Nicht mein bevorzugtes Genre, doch ab und zu ist es tatsächlich auch ganz angenehm eine Episode ohne großes Vorwissen sehen zu können – und sei es nur, damit man sich nicht ärgert nach einem wieder mal viel zu langen Tag bereits bei der Hälfte eingeschlafen zu sein. So haben sich über die letzten Jahre ein paar solcher Procedurals in mein Serienprogramm geschlichen, von denen „Castle“ wohl das Highlight darstellen dürfte. An dieses reicht auch „The Mentalist“ nicht heran, Spaß hatte ich dennoch damit.

Die Stärke der Serie ist wohl eindeutig die unkonventionelle Art und Weise der Ermittlung und die sympathische Darstellung des Hauptcharakters durch Schauspieler Simon Baker. Hier tritt – trotz tragischem Hintergrund der Figur – der humoristische Aspekt der Ermittlungsarbeit deutlich zutage, was dem Unterhaltungswert der doch recht konventionellen Fälle auf jeden Fall zugute kommt. Die anderen Mitglieder des CBI-Teams bleiben für meinen Geschmack jedoch noch etwas blass.

Inzenatorisch sieht „The Mentalist“ auch wirklich nach TV-Serie aus, d.h. relativ gleichmäßige Ausleuchtung, kaum dramatische Effekte und klassische Kameraführung ohne Spielereien. Dies alles lässt die Serie recht altmodisch erscheinen und kann keinesfalls mit der kinoreifen Inszenierung mithalten, die man heute von anderen Serien gewohnt ist. Technisch sauber, aber insgesamt eben zu glatt und langweilig.

Auch wenn ich kein Fan der Serie wurde, so hatte ich größtenteils doch wirklich Spaß mit Patrick Jane und Co. Da die zweite Staffel bereits bereit liegt, werde ich auch diese noch schauen, doch ob ich danach am Ball bleibe? Vielleicht wenn der Haupthandlungsstrang um Red John mehr ins Zentrum rückt und sich die Gruppendynamik im Team interessanter gestaltet. Bis dahin bleibt „The Mentalist“ nette Krimiunterhaltung ohne große Stärken und Schwächen: 7/10 (6.7) Punkte.

Alcatraz – Season 1

Eine der größen Serienhoffnungen der vergangenen TV-Saison war für mich „Alcatraz – Season 1“ von J.J. Abrams. Doch schon bald sollte sich herausstellen, dass es die Serie nicht nur bei den Kritikern, sondern auch bei der geneigten Fangemeinde schwer haben sollte. Dabei bekam man genau das zu sehen, was die Trailer versprachen: Mystery, eine Geschichte auf mehreren Zeitebenen und mit Jorge Garcia einen „Lost“-Alumni. Wo liegt also das Problem?

Die Serie funktioniert sowohl als Procedural, als auch als Serial – und das dürfte wohl auch gleichzeitig das große Problem darstellen: Wie bereits die erste Staffel von „Fringe“ stützt sich auch „Alcatraz“ größtenteils auf Einzelepisoden nach dem Fall der Woche- bzw. Gefangener der Woche-Prinzip. Dieser Ansatz sorgte auch im ersten Jahr von „Fringe“ für Enttäuschung, doch wurde man dort mit interessanteren Charakteren belohnt. Ein anderer und durchaus wichtiger Aspekt der Serie ist, dass die Handlung auf zwei Zeitebenen spielt – Abrams‘ Mysterserie „Lost“ lässt grüßen. Schon alleine die Art der Inszenierung erinnert verdächtig an den Serienhit, nur dass die Flashbacks auf das Gefängnissetting reduziert sind, was auch nicht allen Zuschauern gefallen dürfte.

Nachdem ich nun die Schwachpunkte der Serie aufgeführt habe, sollte ich auch auf ihre Stärken eingehen – und davon hat sie meiner Meinung nach eine ganze Menge. So fand ich das Ermittlerduo Detective Madsen und Dr. Soto sehr sympathisch und perfekt besetzt. Sarah Jones (very cute, by the way) und Jorge Garcia ergänzen sich wirklich gut und heben ihre Figuren somit erfrischend von den typischen TV-Ermittlern ab. Auch Sam Neils Charakter mochte ich recht gerne, wenngleich ich mir für ihn eine ausführlichere Hintergrundgeschichte gewünscht hätte. Leider jedoch werden dem Zuschauer in dieser Hinsicht wieder nur kleine Häppchen serviert, was erschreckend an „Lost“ erinnert. Da hätte ich eher die Anzahl der Gefangenen reduziert, bei denen ich nach ein paar Episoden ehrlich gesagt auch schon völlig den Überblick verloren hatte.

Letztendlich ist „Alcatraz“ nicht der große Mysteryhit, den ich mir erhofft hatte. Dennoch bin ich weit nicht so enttäuscht, wie viele andere Zuschauer. Ich mochte die Atmosphäre in den Rückblenden und die teils ziemlich überzeichneten Figuren (z.B. Warden James) sehr gerne. Auch die Geschichte birgt Potential, was leider nur sehr rudimentär ausgeschöpft wird. Die Zukunft der Serie steht noch in den Sternen und auch wenn sie nicht ohne Fehler war, so würde ich mich doch sehr über eine Fortführung der Geschichte freuen – schon alleine aufgrund des ziemlich fiesen Cliffhangers: 7/10 (7.4) Punkte.

Men of a Certain Age – Season 2

Mit dem Staffelfinale von „Men of a Certain Age – Season 2“ hieß es zugleich auch von der Serie Abschied nehmen. Auch wenn die Show nie zu meinen absoluten Favoriten zählte, so muss ich doch zugeben, dass mir die drei Hauptfiguren ziemlich ans Herz gewachsen sind. Aufgrund der außerhalb der 14- bis 49-Jährigen liegenden Zielgruppe, kam die Absetzung der Serie jedoch leider nicht überraschend. Fernsehen ist in erster Linie eben auch nur ein Geschäft.

Wie bereits in der ersten Staffel verfolgen wir auch im zweiten Jahr der Serie die mehr oder weniger aufregenden Abenteuer von Joe Tranelli, Terry Elliott und Owen Therau Jr. Abenteuer trifft es jedoch nicht ganz, da wir als Zuschauer nur am ganz normalen Leben der drei Freunde teilhaben. Für mich ist das in diesem Fall jedoch völlig ausreichend, da man in den meisten Serien sowieso mit völlig überzogenen Prämissen und Handlungssträngen überschüttet wird. Somit funktioniert „Men of a Certain Age“ auch immer genau dann am besten, wenn die Charaktere in ihrem Alltag gefangen sind bzw. dort kleine und oft wunderbar bizarre Erlebnisse haben.

Neben der größtenteils dahinplätschernden Gesamthandlung gibt es einige Episoden, die versuchen das Drama in den Vordergrund zu rücken. Hier kam es mir teils vor, als würde der natürliche Fluss der Serie stagnieren. Dennoch wirkt die Serie erstaunlich lebensnah und realistisch, was natürlich auch im dokumentarisch angelegten Inszenierungsstil begründet liegt. Auch die allesamt wunderbar sympathischen Darsteller spielen so natürlich, dass man sich gut vorstellen könnte sie abends in einer beliebigen Bar anzutreffen.

Die drei großen Erzählstränge der Staffel sind die Übernahme des Famliliengeschäfts für Owen, die Teilnahme an der Senior Tour für Joe und die Neuausrichtung seines Lebensstils für Terry. All diese Handlungsbögen werden angenehm unaufdringlich miteinander verknüpft und funktionieren somit sowohl in der Gruppe, als auch für die einzelnen Charaktere. Einzelne Handlungsbögen, wie die Entwicklung von Joes Spielsucht und ihre Auswirkungen auf seine Beziehung zu Manfro, fand ich dagegen weniger gelungen und zu aufgesetzt dramatisch.

Insgesamt hat mir auch die zweite Staffel der Serie sehr gut gefallen. Rückblickend betrachtet bin ich mit ihr in meiner Bewertung der Einzelepisoden (auch bei Staffel 1) zu hart ins Gericht gegangen, denn immerhin sind mir die Charaktere so sehr ans Herz gewachsen, wie dies nur wenige Serienfiguren schaffen. Somit fällt mir der Abschied von Joe, Owen und Terry auch wirklich nicht leicht und ich hätte sie gerne noch während einer weiteren Staffel begleitet. Für Freunde der entspannten Unterhaltung abseits von Action, Crime und Mystery: 8/10 (7.8) Punkte.

The Walking Dead – Season 2

Die Zombies sind zurück! Nachdem die Serie letztes Jahr einen richtigen Hype erlebte, wurde es – zumindest in gewissen Kreisen – recht schnell still, wenn es um „The Walking Dead – Season 2“ ging. Insofern war ich nach den recht durchwachsenen Kritiken doch außerordentlich positiv überrascht, wie sich die Serie entwickelt hat. Im Vergleich zur ersten Staffel wurde die Episodenzahl zudem verdoppelt, was der Geschichte und ihren Charakteren auf jeden Fall zugute gekommen ist. Doch der Reihe nach…

Nach dem Finale der letzten Staffel mussten sich die Überlebenden neu sammeln und sind zu neuen Ufern aufgebrochen. Nach nur einer Episode stagniert die Reise aufgrund unvorhergesehener Ereignisse jedoch bereits wieder und eine Farm soll zum vorübergehenden Lebensmittelpunkt unserer Gruppe werden. An dieser Stelle wird der gestörten Gruppendynamik Raum gegeben sich komplett zu entfalten. Handfeste Zombie-Action gibt es nur in sehr geringen Dosen zu sehen, die aber gerade deshalb umso verstörender wirkt. Ich mochte diese verstörend malerische und dennoch stets bedrohliche Atmosphäre auf der Farm sehr, sehr gerne und habe mich zu keiner Sekunde gelangweilt – und kann somit den größten Kritikpunkt an der zweiten Staffel nicht wirklich nachvollziehen.

Die Gruppendynamik ist stets spannend und entlädt sich immer wieder in äußerst brutalen und mitreißenden Gewaltspitzen. Der Höhepunkt zur Staffelmitte hat mich wirklich mitgenommen und obwohl er – nachträglich betrachtet – nur konsequent und logisch war, so wurde ich davon vollkommen überrumpelt. Auch die Ereignisse, die zum großen Finale führten, waren größtenteils harter Tobak und man sieht deutlich, dass die Serie nicht gerade zimperlich mit ihren Figuren umgeht. Ich bin nun wahrlich gespannt, wie die Autoren die Serie in der kommenden Staffel fortführen werden – die sonnendurchfluteten Bilder der idyllischen Farm werde ich auf jeden Fall vermissen.

Inszenatorisch ist die Serie weiterhin über jeden Zweifel erhaben. Sie wirkt roh, unvermittelt und authentisch – soweit man das bei einer Zombie-Serie sagen kann. Auch wenn die Zombies oft dem Rechner entspringen, so fällt das dem (un)geübten Auge kaum auf und man darf sich an teils wirklich gruseligen Untoten erfreuen. Überhaupt wird die Bedrohung durch die Zombies sehr glaubhaft dargestellt. So gibt es zwar keine neumodischen Sprint-Zombies zu sehen, doch durch ihre schiere Masse und Beharrlichkeit stellen die Zombie-Herden in „The Walking Dead“ stets eine echte Gefahr dar. Besonders das Staffelfinale überzeugt an dieser Stelle durch ein wirklich unangenehmes Gefühl der Ausweglosigkeit.

Zu kritisieren habe ich einzig und allein die teils redundanten und zudem recht sprunghaften Verhaltensmuster unserer Gruppenmitglieder, doch durch die emotionale Extremsituation erscheinen selbst solche Ausfälle und die daraus resultierenden Diskussionen recht glaubhaft. Für mich hat die Serie in ihrem zweiten Jahr noch einmal an Qualität gewonnen und auch wenn man jetzt schon vermuten kann, dass die folgende Staffel eher noch düsterer werden wird, so freue ich mich dennoch auf eine Rückkehr ins zombieverseuchte Amerika: 9/10 (8.7) Punkte.

Dexter – Season 6

In den vergangenen Jahren stellte die Serie stets eines der Highlights der aktuellen Saison dar. Bereits letztes Jahr ließen sich jedoch erste Abnutzungserscheinungen feststellen und mit „Dexter – Season 6“ hat die Serie nun endgültig ihren Stellenwert als Ausnahmeserie verloren. Bietet „Dexter“ dennoch weiterhin gute Unterhaltung oder ist der Qualitätsabfall ein Grund nicht mehr einzuschalten? Spoiler sind zu erwarten.

Bei Beginn der Staffel habe ich – wie bereits im letzten Jahr – noch über die schlechten Kritiken geschmunzelt und wurde selbst erneut sehr gut unterhalten. Schließlich gab es verrückte Serienkiller, spannende Mordfälle und eine durchaus vielversprechende Ausgangssituationen für unsere Charaktere zu bewundern. Doch bereits noch während der ersten Staffelhälfte häuften sich Füllepisoden und es zeichnete sich – noch viel schlimmer – bereits die große Wendung dieser Staffel ab. Ganze 13 Jahre nach „Fight Club“ oder auch „The Sixth Sense“ zaubern die Autoren doch tatsächlich den alten Huch, der ist ja schon tot!-Trick aus dem Hut. Die Heranführung ist dabei so penetrant offensichtlich, dass mich wirklich einmal interessieren würde, wer nicht spätestens nach der Manifestation von Dexters Dark Passenger in Form seines Bruders um das Schicksal von Professor Gellar wusste.

Der groß angelegte Twist der Staffel hat mich somit nur verärgert. Mindestens 10 Jahre zu spät und viel zu plump inszeniert. Das hatte ich von den „Dexter“-Autoren wahrlich nicht erwartet. Einmal davon abgesehen hat mir die Rahmenhandlung rund um den religiösen Fanatiker recht gut gefallen und auch den Gegenpol in Gestalt von Brother Sam fand ich gelungen. Hinzu kommen einige interessante Nebenhandlungen, wie z.B. Masukas Assistenten oder das Call Girl mit Überdosis, die zudem Potential für die kommende Staffel offenbaren. All dies täuscht jedoch nicht darüber hinweg, dass ich oft das Gefühl hatte die Autoren der einst so dicht und mitreißend geschrieben Serie wären nachlässig geworden; besonders was die Charakterzeichnung angeht. Wenigstens das Finale macht einen längst überfälligen Schritt in die richtige Richtung. Was für ein Cliffhanger!

Insgesamt bietet auch das sechste Jahr mit dem viel zu sympathisch gezeichneten Serienkiller gute Unterhaltung. Keine Frage. Spannung ist vorhanden, es ist nett wieder Dexters verqueren Gedanken zu lauschen und Debra fluchen zu hören. Das große Ganze mag aber nicht mehr reibungslos funktionieren. Sand hat sich im Getriebe der Serie festgesetzt – und ich hoffe sehr, dass die Autoren diesen bis zum Start der nächsten Staffel wieder zu entfernen wissen. Immer noch sehenswert, doch für „Dexter“ leider auch etwas enttäuschend: 7/10 (7.4) Punkte.