Nachts im Museum 2 – OT: Night at the Museum: Battle of the Smithsonian (2009)

Aktualisierung: Ich habe „Nachts im Museum 2“ am 27. November 2021 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Wie bei der Besprechung des ersten Teils angekündigt, habe ich heute – nach inzwischen knapp vier Jahren – Shawn Levys „Nachts im Museum 2“ nachgeholt. Eigentlich wären noch unzählige andere Filme im Regal gestanden, denen ich lieber den Vorzug gegeben hätte, doch Krankheit und Müdigkeit forderten exakt diese Art der seichten Unterhaltung ein…

Nachts im Museum (2006) | © 20th Century Fox

Nachts im Museum 2 (2009) | © 20th Century Fox

„Night at the Museum: Battle of the Smithsonian“ ist die typische Fortsetzung eines Erfolgsfilms: eine leicht veränderte Handlung, mehr Action und Effekte und ein erweitertes Ensemble. War bereits die Geschichte des ersten Teils nur Makulatur, so ergibt sich die Fortsetzung endgültig in ihr Spiel mit den lebendig gewordenen Ausstellungsstücken. Dies war nicht anders zu erwarten und hat mich auch nicht gestört, denn die Ideen sind nett, der Humor lädt zum Schmunzeln ein und das Herz irgendwie am rechten Fleck.

Einen deutlichen Pluspunkt kann die Besetzung mit Amy Adams verbuchen, die die Flugpionierin Amelia Earhart wunderbar charmant und übermütig verkörpert. Hank Azaria als Oberbösewicht ist zwar reichlich albern, doch sehe ich ihn einfach immer wieder gerne und auch hier macht er seine Sache wirklich gut. Die anderen Stars rund um Ben Stiller sind spielfreudig und lassen auch im zweiten Teil die 100 Minuten wie im Flug vergehen.

Letztendlich muss man auch „Nachts im Museum 2“ nicht gesehen haben, doch fand ich es zumindest schön abermals das Smithsonian zu besuchen – und für mehr Film hätte meine Aufmerksamkeit heute sowieso nicht mehr gereicht. Nett, harmlos und dennoch irgendwie unterhaltsam: 6/10 Punkte.

Wer ist Hanna? – OT: Hanna (2011)

Nach einer 60-Stunden-Woche (zugegebenermaßen in zwei Jobs) war mein Kopf gestern Abend eigentlich nicht mehr sonderlich aufnahmefähig, doch die neuen Filme stapeln sich und somit habe ich „Wer ist Hanna?“ in den Player geschoben. Ich hatte sehr gemischte Meinungen darüber gelesen, fand jedoch den Trailer interessant genug, um mich zu einer Sichtung hinreißen zu lassen…

hanna

Erwartet hatte ich im schlimmsten Fall eine uninspirierte Kopie von „Die Bourne Identität“, sprich einen weiteren Agententhriller nach Schema F. Auf die Geschichte trifft das auch zu und die gesamte Handlung fände wohl auf einer Briefmarke Platz. Für mich ist „Hanna“ – so der Originaltitel – jedoch einer der wenigen Filme, die sich hauptsächlich durch ihre formalen Merkmale definieren – und, was selten vorkommt, dennoch exzellent funktionieren. Hinzu kommt die titelgebende Hauptfigur, die den Film meiner Meinung nach mühelos trägt, da man diese fremdartige und seltsam künstlich wirkende Welt durch ihre Augen kennenlernt. Eine fantastische Leistung von Saoirse Ronan (Susie Salmon, „In meinem Himmel“).

Man könnte erwarten, dass durch die überstilisierte Inszenierung im Zusammenhang mit dem hypnotischen Elektroscore von THE CHEMICAL BROTHERS – der Jugend der 90er noch durch ihren Hit BLOCK ROCKIN‘ BEATS bekannt – eine große Distanz zu den Charakteren aufgebaut wird, doch überraschenderweise wirken diese sehr lebendig und innerhalb ihrer stilisierten Welt glaubwürdig. Überhaupt ist die märchenhafte Atmosphäre die ganz große Stärke des Films, da sie uns auf eine Wahrnehmungsebene mit Hanna bringt.

Wie soll man also „Wer ist Hanna?“ am besten beschreiben? Agententhriller? Roadmovie? Actionfilm? Irgendwie etwas von all dem und doch dominiert kein Element die anderen eindeutig. Der Film passt in keine Schublade und wenn man ihn in eine stecken wollte, müsste man für diese wohl die Kategorie Actionmärchen erfinden. Auch wenn der Film inhaltlich nicht besonders ausgefeilt ist, so überzeugt er doch durch seine Charaktere und kann durch seine formalen Aspekte beeindrucken. Ich freue mich jetzt schon auf die nächste Sichtung: 8/10 Punkte.

The Hunter (2011)

Aufgrund der wiederholten Erwähnung im Celluleute-Podcast, habe ich mir heute „The Hunter“ angesehen. Die Romanverfilmung mit Willem Dafoe in der Hauptrolle versprach einen packenden Kampf zwischen Mensch und Natur à la „The Grey“, den es letztendlich aber nicht zu sehen gab. Warum der Film dennoch sehenswert ist, lest ihr in der folgenden Besprechung.

the_hunter_2011_2

Müsste ich mich auf nur einen Grund festlegen, warum es sich lohnt „The Hunter“ zu sehen, dann wäre dieser wohl Willem Dafoe. Die Rolle des schweigsamen Einzelgängers, der notgedrungen lernt zwischenmenschliche Beziehungen einzugehen, ist ihm wahrlich auf den Leib geschrieben. Dafoe spielt wirklich fantastisch und überzeugt sowohl als einsamer Jäger in der tasmanischen Wilndnis, als auch als zunächst unfreiwilliger Vaterersatz. Auch wenn die Motivation seines Handelns gegen Ende ein wenig mit dem Holzhammer kommt, so stellt er die Zerrissenheit seiner Figur doch bis zur letzten Sekunde absolut glaubwürdig und mitreißend dar.

Das Marketing des Films war einmal wieder ziemlich irreführend. Angepriesen als ‚Adrenalin-Thriller, der einen einzelnen Jäger und eine unbezähmbare Wildnis in einen atemberaubenden Zweikampf schickt.‘ hätte ich einen komplett anderen Film erwartet. Es gibt jedoch weder sonderlich spannende Szenen, eine unbezähmbare Wildnis, noch einen atemberaubenden Zweikampf zu sehen. Auch der gejagte Tasmanische Tiger ist keinesfalls eine reißende Bestie, sondern eher ein Symbol für die Jagd an sich und die Hoffnung verschiedenster Parteien. Der Film lebt von seinen zwischenmenschlichen Szenen, den fantastischen Naturaufnahmen und dem beeindruckend eingefangenen Ritual der Jagd. Hinzu kommt eine beunruhigende Atmosphäre, die von Ungewissheit und der Feindseligkeit der ortsansässigen Bevölkerung geschürt wird.

Kritik üben muss ich am Finale, das einerseits etwas überstürzt, andererseits auch nur bedingt glaubwürdig motiviert scheint. Hier hätte ich mir mehr Feingefühl in der Inszenierung gewünscht. Dennoch schafft es Dafoe auch die Schwachpunkte des Films auszugleichen und sorgt somit für ein einigermaßen zufriedenstellendes Ende. Neben Willem Dafoe spielt übrigens der kaum wieder zu erkennende Sam Neill sehr imposant einen zwielichtigen Einheimischen.

„The Hunter“ richtet sich weniger an Freunde des Subgenres der Mensch gegen die Natur, sondern vielmehr an Zuschauer, die ruhig erzählte Dramen in ungewöhnlichen Settings zu schätzen wissen. Ich für meinen Teil war – trotz der nicht erfüllten Erwartungen und der Schwächen im letzten Drittel – positiv überrascht und kann den Film nur weiterempfehlen: 8/10 Punkte.

The Shield – Season 1

Nachdem die sieben Staffeln umfassende Komplettbox der Serie bereits seit einem knappen Jahr bei mir im Regal steht, war es höchste Zeit mit „The Shield – Season 1“ in die düsteren Gefilde Los Angeles‘ abzutauchen. Somit steht ein neuer Serienmarathon an, dem ich nach dieser ersten Staffel bereits freudig entgegenblicke. Dabei war ich anfangs eher skeptisch und dachte die Serie würde es schwer bei mir haben…

the_shield_s1

Von allen Seriengenres, denen ich bisher begegnet bin, rangieren Cop-Shows oder Krimis in meiner Gunst nur knapp über Arzt- oder Anwaltsserien. Doch hat ja z.B. gerade die Anwaltsserie „Damages“ – die übrigens ebenfalls auf dem Sender FX lief – gezeigt, dass sich Serien durchaus über ihre Genregrenzen hinwegsetzen können. Auch wenn „The Shield“ durchaus Anätze eines klassischen Procedurals besitzt, so sind die Erzählstränge nach einer Episode jedoch so gut wie nie abgeschlossen, sondern werden oft etliche Folgen später erneut aufgegriffen. Weiterhin gibt es einige dominierende Handlungsbögen, welche sich über die gesamte Staffel erstrecken und besonders im letzten Drittel für etliche Höhepunkte sorgen. Genial!

Neben dem dramaturgischen Aufbau, fällt besonders die Inszenierung aus dem Rahmen. Wenn man nach ein paar Folgen „The Shield“ wieder ein paar klassische Ermittlungsserien – z.B. „Bones“ oder „The Mentalist“ – sieht, dann fühlt man sich wie in einer anderen Welt. Auf Erholungsurlaub mit Mord, netten Witzchen zwischen Kollegen und heiterer Musikuntermalung. „The Shield“ ist anders. Los Angeles ist der Schmelztiegel des Verbrechens. Die wackelige Handkamera nimmt grobkörnige Bilder auf und versetzt den Zuschauer ohne Filter oder Beschönigung mitten ins Geschehen.

Ebenso roh und hart wie die Bilder sind nicht nur die eingespielten Musikstücke, sondern auch die Charaktere. Ob Freund oder Feind wird nie so richtig klar. Besonders Vic Mackey (grandios verkörpert von Michael Chiklis) ist eine Figur, der Ambiguität auf die Stirn tätowiert scheint. Wir als Zuschauer wissen, dass er ein egomanisches Arschloch ist, der nur nach seinen eigenen Regeln spielt – und doch kann man nicht umhin, ihn in manchen Situationen zu bewundern und seine mehr als fragwürdige Vorgehensweise angebracht zu finden. Diese Wahrnehmung des Charakters erinnert mich stark an Tony Soprano oder Dexter Morgan, mit denen man ebenso mitfiebert, obwohl man genau weiß, dass ihre Aktionen falsch sind. Neben Mackey gibt es noch etliche andere wirklich gut geschriebene und interessante Figuren, doch ist er – bis jetzt – eindeutig die schillerndste Gestalt der Serie.

Nach ein paar Episoden Eingewöhnungszeit hatte mich die Serie mit ihrem Charme aus äußerst realistisch wirkenden Aufnahmen, überdrehten Actionszenen und mitreißendem Charakterdrama völlig in den Bann gezogen. Trotz der beständigen Schläge in die Magengrube bleibt die Show unglaublich unterhaltsam, was für eine gute Balance spricht. Packendes, toll gespieltes und exzellent inszeniertes Serienkino: 9/10 (8.9) Punkte.

Die Tribute von Panem: Tödliche Spiele (Suzanne Collins)

tribute_von_panem_1Nach der erneuten Sichtung der Verfilmung, war ich doch zu neugierig zu erfahren, wie die Geschichte um Katniss Everdeen weitergeht, als dass ich das Lesen der Trilogie länger hätte aufschieben können. Somit habe ich George R. R. Martins vierten Band der „A Song of Ice and Fire“-Reihe nach knapp 500 Seiten zur Seite gelegt, um mich mit „Die Tribute von Panem: Tödliche Spiele“ dem ersten Teil der Trilogie rund um die Hungerspiele zu widmen. Trotz wenig Freizeit, hatte ich das Buch in knapp zweieinhalb Wochen durch, was für den Roman spricht und zeigt, wie stark eine fokussierte Erzählweise eine Geschichte voranbringen kann.

Zu Beginn hatte ich noch so meine Probleme mit dem Ich-Erzähler in Gegenwartsform. Es liest sich irgendwie ungewohnt. Hinzu kommt, dass Suzanne Collins sich nicht groß mit beschreibenden Adjektiven aufhält und der Erzählstil somit etwas nüchtern und fast schon zweckgebunden erscheint. Ich habe mich öfter gefragt, wie ich mir denn die Welt von Panem vorgestellt hätte, wenn ich zuvor den Film noch nicht gekannt hätte. Vermutlich bin ich aber auch durch die vorher gelesenen 3500 Seiten „A Song of Ice and Fire“ durch die minutiösen Beschreibungen jedes auch noch so unbedeutenden Kleidungsstücks oder aufgetischten Gerichts geschädigt. Nach ein paar Seiten hatte ich mich aber auch schon an Collins‘ Stil gewöhnt und wurde von der Geschichte mitgerissen.

Überraschungen gab es für mich kaum, da Gary Ross die Geschichte nahezu perfekt für die Leinwand adaptiert hatte. Auch wenn es natürlich Kürzungen im Handlungsverlauf gibt, so wurden keine besonders wichtigen Details ausgelassen. Besonders die Vorbereitungszeit wurde nahezu 1:1 umgesetzt, was ich auf jeden Fall positiv bewerte. In der Arena ist der Roman dann doch ausführlicher, wenngleich man auch im Film die Essenz und Schlüsselszenen beibehalten hat. Alleine der Beziehung zwischen Katniss und Peeta wird im Buch weit mehr Platz eingeräumt, was den Charakteren und ihrer Motivation einen etwas anderen Drall gibt.

Letztendlich ist „Die Tribute von Panem: Tödliche Spiele“ wirklich unterhaltsam zu lesen und ich freue mich bereits enorm auf die nächsten beiden Teile. Man sollte sich keine Offenbarung erwarten, doch wer einfach nur gut unterhalten werden möchte und mit dem Setting – Sci-Fi, Menschenjagd und Dystopie light – etwas anfangen kann, der sollte sich nicht davon abschrecken lassen, dass es sich letztendlich um ein Jugendbuch handelt: 8/10 Punkte.

Moonrise Kingdom (2012)

Mit dieser Besprechung werde ich abermals den Unmut der filmischen Blogosphäre auf mich ziehen. Dabei war mir nach unzähligen Sichtungen des Trailers bereits im Vorfeld klar, dass ich eine weitere der üblichen Lobeshymnen schreiben würde. Ich wollte den Film lieben, doch leider hat mich „Moonrise Kingdom“ völlig kalt gelassen. Dabei hätte der märchenhafte Film rund um die erste Liebe aus Kinderperspektive bei mir doch ins Schwarze treffen müssen. Warum hat er es nicht?

moonrise_kingdom_1

An Wes Andersons gewöhnungsbedürftigem Stil kann es kaum liegen, fand ich doch seinen weit seltsameren „The Life Aquatic with Steve Zissou“ großartig. Bei „Moonrise Kingdom“ hatte ich jedoch stets das Gefühl, Anderson hätte sich auf seinem artifiziellen Inszenierungsstil ausgeruht: noch eine ein bühnenhaftes Set, noch eine Einstellung in Zentralperspektive und noch einmal Bill Murray und Jason Schwartzman in absurden Rollen. Wir haben es ja verstanden. Die Geschichte an sich ist nett und hat einen emotionalen Kern, für den ich durchaus anfällig sein müsste, doch habe ich absolut keinen Zugang zu den Figuren gefunden. Zuviel künstlerische Spielerei, zu wenig Gefühl.

Einige Einzelszenen fand ich wunderbar anzusehen und wirklich unterhaltsam, z.B. das erste Kennenlernen, die Brief-Montage oder die Konfrontation mit den anderen Pfadfindern. Auch die Charaktere waren in ihrer verschrobenen Art amüsant, doch war die gefühlte Distanz zu groß, um mich auch nur annährend ernsthaft für sie zu interessieren. Der gesamte Film wirkt für mich, als hätte Anderson auf Teufel komm raus versucht der Geschichte seinen Stil aufzudrücken. Was bei „Die Tiefseetaucher“ wunderbar funktioniert hat, lässt mich hier zwar anerkennend nicken, doch mein Herz bleibt kalt.

Trotz meiner Kritik war der Film in seiner 60er Jahre Postkartenatmosphäre wunderschön anzusehen. Er hat mich oft schmunzeln lassen und ich musste Anderson für seine absurden Ideen loben, doch habe ich – und das ist für mich das Kriterium überhaupt – zu keiner Sekunde wirklich mitgefiebert oder war emotional in irgendeiner Weise involviert. Vielleicht war es der falsche Tag für den Film, vielleicht ist er auch einfach nicht mein Ding. Nett anzusehen, doch zu gewollt anders(on): 6/10 Punkte.

Die Tür (2009)

Besprechungen zu deutschen Filme sind zu einer Seltenheit auf meinem Blog geworden, doch freue ich mich immer wenn es etwas Sehenswertes aus unserem Land zu sichten gibt. Anno Sauls Verfilmung des Akif Pirinçci-Romans „Die Tür“ steht bereits auf meiner Liste, seitdem mir der Sneakpod vor gut drei Jahren davon vorschwärmte. Zudem handelt es sich um einen Genrefilm, was meine Neugier zusätzlich entfachte…

die_tuer_1

Bei „Die Tür“ handelt es sich – wenn man den Film in eine Schublade stecken möchte – wohl am ehesten um ein Mysterydrama. Ein Mann verschuldet den Tod seine Tochter, geht fünf Jahre später durch eine mysteriöse Tür und findet sich am Tag des Unfalls wieder. Er kann seine Tochter retten und wird mit seinem jüngeren Ich konfrontiert. Allein diese Prämisse ist in meinen Augen ziemlich interessant und erinnert an Filme, wie „The Butterfly Effect“, erzählt dabei aber eine – zumindest zu Beginn – viel intimere Geschichte.

Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel vorwegnehmen, doch nimmt der Film ein paar Wendungen, die ich so nie erwartet hätte. Besonders in der letzten halben Stunde überschlagen sich die Ereignisse und aus dem sehr persönlichen Drama wird unerwarteterweise ein spießbürgerlicher Nachbarschaftshorror, der beinahe schon schwarzhumorig an der Satire kratzt. Dennoch schaffen es sowohl Drehbuch als auch Inszenierung trotz dieses Bruchs die Handlung recht glaubwürdig bis zum bitteren Finale zu führen. Auch wenn ich die Wendungen so nicht erwartet hatte und durchaus interessant fand, so hätte ich mir dennoch gewünscht, dass sich die Geschichte mehr auf das persönliche Schicksal David Andernachs (Mads Mikkelsen) konzentriert.

Ähnlich wie Tim Fehlbaums „Hell“ oder die animierte Verfilmung von Pirinçcis „Felidae“, muss sich auch „Die Tür“ nicht vor der internationalen Genrekonkurrenz verstecken. Teilweise fand ich das Drehbuch etwas holprig und die Entscheidungen des Hauptcharakters nicht immer nachvollziehbar, doch wollte ich stets wissen, wie es mit dieser abstrusen Situation weitergeht. Zumindest für eine einmalige Sichtung kann ich den Film somit nur jedem Mysteryfreund ans Herz legen. Schade, dass man sonst kaum etwas über den Film liest. Verdient hätte er es: 7/10 Punkte.

30 Rock – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 7)

Kaum zu glauben, dass meine erste Begegnung mit „30 Rock“ inzwischen schon sieben Jahre zurückliegen soll. Damit heißt es Abschied nehmen von einer der intelligentesten und stets aktuellsten Comedys, die je über meinen Bildschirm geflimmert ist. Was werde ich die Wortgefechte zwischen Liz Lemon und Jack Donaghy vermissen. Keine tagesaktuellen Witze oder Anspielungen auf den Heimsender NBC mehr. Kein Tracey, keine Jenna, kein Kenneth. Schade, doch es war eine verdammt gute Zeit!

30 Rock | © NBC

30 Rock | © NBC

„30 Rock“ lief damals in direkter Konkurrenz zu Aaron Sorkins „Studio 60 on the Sunset Strip“ und es sollte sich schon bald abzeichnen, dass nur eine Serie, die hinter die Kulissen einer großen Unterhaltungssendung blickt, überleben sollte. Auch wenn die Genres grundsätzlich verschieden sind, so konnte in der Wahrnehmung der Zuschauer – und wohl auch der Networks – anscheinend nur eine Sendung überleben. Ich für meinen Teil habe beide Serien sehr gerne gesehen und hätte damals wohl sogar Aaron Sorkins Drama bevorzugt – letztendlich bin ich doch wirklich sehr froh, dass die Serie rund um die fiktive Sketch Comedy „TGS with Tracy Jordan“ überlebt hat.

Auch nach sieben Jahren war kaum ein Qualitätseinbruch zu erkennen, was eine Seltenheit bei solch langlebigen Serien darstellt. Sicher war die erfrischende und selbstironische Art politische, popkulturelle und zeitgeschichtliche Ereignisse zu verarbeiten gegen Ende nicht mehr neu, doch hatte ich nie das Gefühl die Serie hätte sich selbst überlebt. Auch das Finale hat mir ausgezeichnet gefallen, da z.B. selbst die Doppelfolge als Event zum Serienende selbstreflektierend in die Handlung eingearbeitet wurde. Die letzte Szene nach den Credits hat mich zudem mit einem großen Grinsen zurückgelassen. Auf welchem anderen Weg hätte die Serie auch enden sollen?

Natürlich war „30 Rock“ stehts überdreht, hat auf mehr Metaebenen gespielt, als alle Serien die ich kenne („Community“ vielleicht ausgenommen) und konnte dennoch eine glaubhafte eigene Welt aufbauen. Ebenso waren die Charaktere allesamt vollkommen überzeichnet, doch blieben sie dabei sympathisch und innerhalb ihrer Welt glaubhaft. Loben muss ich auch die Schauspieler, die allesamt fantastisch gespielt haben – allen voran Tina Fey, die für mich wohl die lustigste Frau auf Erden ist, und Alec Baldwin, der den republikanischen Großkapitalisten mit Herz besser gibt, als man sich das in seinen kühnsten Träumen hätte ausmalen können.

Erwähnenswert finde ich noch die beiden Live Shows, die sowohl für die Ost- als auch Westküste jeweils live ausgestrahlt wurden, was die Kreativität aller Beteiligten noch einmal zusätzlich forderte und für etliche Gaststars sorgte. Wirklich sehr gelungen. Wenn ich an „30 Rock“ denke, dann muss ich übrigens auch immer an meinen eigenen Besuch von 30 Rockefeller Plaza denken. Schade nur, dass nicht Kenneth Parcell die Führung geleitet hat.

Fazit

Wir ihr merkt bin ich selbst nach sieben Jahren immer noch begeistert von dieser Serie und auch wirklich traurig, dass ich in ein paar Monaten nicht mehr in die fiktive Version des NBC-Studios im Rockefeller Center zurückkehren werde. Wer die Serie noch nicht kennt, dem kann ich sie nur ans Herz legen. Alle anderen dürften ohnehin bereits entschieden haben, ob sie mit dieser Art von Humor klar kommen. Ich für meinen Teil werde Liz, Jack und Co. vermissen. Ihr gehört zu den Guten: 9/10 Punkte.

Die Tribute von Panem – OT: The Hunger Games (2012) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Die Tribute von Panem: The Hunger Games“ am 26. Januar 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Auf vielfachen Wunsch meiner besseren Hälfte haben wir uns heute noch einmal „Die Tribute von Panem: The Hunger Games“ angeschaut. Schließlich hat sie seit Weihnachten die Bücher gelesen und war dementsprechend neugierig, wie die Verfilmung mit Kenntnis der Vorlage wirkt. Auch ich hatte mir vorgenommen bis zur nächsten Sichtung die Trilogie zu lesen, doch wollen bis dahin noch ca. 400 Seiten „A Song of Ice and Fire“ bezwungen werden…

Die Tribute von Panem (2012) | © Studiocanal

Die Tribute von Panem (2012) | © Studiocanal

Im Vergleich zur letzten Sichtung ist für mich der titelgebende Kampf in der Arena eher in den Hintergrund getreten. Zwar gibt es hier Action und Drama, doch die interessanten Aspekte der Geschichte finden sich eher abseits der Arena. Insofern macht es auch Sinn, dass sich Gary Ross so viel Zeit (immerhin gut die Hälfte der Laufzeit) nimmt, um das Show-Konzept samt seinen Anklängen an bereits heute praktiziertes Fernsehen (Reality-TV, Casting-Shows usw.) zu beleuchten. Medienkritik zielgruppengerecht aufbereitet. Sicherlich nicht sonderlich innovativ, doch auf jeden Fall wirkungsvoll.

Nach den knapp zweieinhalb Stunden findet man sich, auch ohne die Vorlage zu kennen, recht gut in der Welt von Panem zurecht. Eine gelungene Zukunftsvision, die ganz einfach funktioniert. Gary Ross‘ Inszenierung bildet diese beinahe dokumentarisch ab, ist dabei stets nah am Geschehen dran und für solch ein Jugend-Franchise erstaunlich rau. Cinéma vérité mag zu hoch gegriffen sein, doch macht hier die – auch von mir oft gescholtene – Wackelkamera endlich einmal Sinn und versetzt den Zuschauer mitten ins Geschehen.

Fazit

Mir hat der Film auch beim zweiten Durchgang sehr gut gefallen und bis zum nächsten Mal werde ich mit Sicherheit die Vorlage kennen. Auf die bin ich nun wieder ziemlich heiß, was ein weiterer Punkt ist, der für den Film spricht. Unter den unzähligen Franchises dieser Art auf jeden Fall eines der sehenswertesten: 8/10 Punkte.

Wir kaufen einen Zoo – OT: We Bought a Zoo

Zunächst eine Warnung: Zyniker sollten einen großen Bogen um diesen Film machen und besser auch meine Rezension meiden. Wer nun noch übrig bleibt und beim Titel „Wir kaufen einen Zoo“ nicht das Weite sucht, der könnte die Chance haben mit diesem Film für zwei Stunden in eine bessere Welt zu entfliehen. Eine vorhersehbare und idealisierte Welt, doch gleichzeitig wahrhaftig und emotional reichhaltig. Außerdem mag ich Zoos…

wir_kaufen_einen_zoo_1

Cameron Crowe hat mich bisher noch nie enttäuscht. Sein „Singles“ war für mich stets die bessere „Reality Bites“-Variante, seinen Erfolgsfilm „Jerry Maguire“ fand ich äußerst unterhaltsam, obwohl ich mit der Sportsthematik nichts anfangen kann, „Almost Famous“ würde ich sogar fast zu meinen Lieblingsfilmen zählen und selbst das Remake „Vanilla Sky“ konnte mich in Teilen begeistern. Auch „We Bought a Zoo“ merkt man die typische Handschrift Crowes an, was sich besonders durch den Soundtrack und die darin eingesetzt Musik bemerkbar macht. Doch was hat der Film inhaltlich zu bieten?

Der Titel ist Programm. Benjamin Mee (Matt Damon) kauft nach dem Tod seiner Frau einen Zoo, um mit seinen beiden Kindern dem Schatten der Vergangenheit zu entfliehen und einen Neubeginn zu wagen. So einfach, so absurd, so erstaunlich. Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit und wirkt dennoch wie eine Fantasie. Der Film ist äußerst emotional und manche Szenen drücken durchaus manipulativ auf die Tränendrüse des Zuschauers, was mich hier jedoch nicht sonderlich gestört hat. Der Film ist einfach – und das können heute nicht mehr viele Filme von sich behaupten – schön. Kein Hintergedanke, keine Meta-Ebene – einfach nur schön.

Neben Matt Damon finden sich Scarlett Johansson, Thomas Haden Church und Elle Fanning im Zoo der Familie Mee ein. Eine absolut runde Besetzung, die für mich jedoch von Maggie Elizabeth Jones übertrumpft wurde – aber hier bin ich wahrscheinlich voreingenommen, denn mich hat noch keine andere Kinderdarstellerin so sehr an meine eigene Tochter erinnert, wie sie. Unglaublich und in manchen Szenen beinahe schon unheimlich. Einen Bonuspunkt hat der Film dadurch auf jeden Fall schon sicher.

Auch wenn es keine Überraschungen gibt, so hat mich der Film über seine komplette Laufzeit bestens unterhalten. Das Drehbuch ist oft nicht perfekt und manchmal hätte ich mir eine etwas dezentere Inszenierung gewünscht. Dennoch hat mich der Film berührt, mich zum Lachen gebracht und mit einem warmen Gefühl ums Herz zurückgelassen. Das braucht man nicht immer, doch ist in unserer Welt, in der Zynismus – besonders in Filmen – häufig mit Coolness verwechselt wird, ab und zu durchaus eine nette Abwechslung. Einfach nur schön und mit einem Bonuspunkt für das Zappelinchen-Look-Alike: 8/10 Punkte.