Die Abenteuer von Tim und Struppi: Das Geheimnis der Einhorn – OT: The Adventures of Tintin (2011)

Aktualisierung: Ich habe „Die Abenteuer von Tim und Struppi: Das Geheimnis der Einhorn“ am 25. Februar 2022 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Mit Hergés Comic-Universum rund um die Abenteuer des Reporters Tim und seines Hundes Struppi hatte ich bisher nur wenige Berührungspunkte. So kann ich mich zwar nicht daran erinnern die Comics gelesen zu haben, doch die Zeichentrickfilme wurden damals im örtlichen Kino zur Kindervorstellung aufgeführt. Kann Steven Spielbergs „Die Abenteuer von Tim und Struppi: Das Geheimnis der Einhorn“ noch einmal das gleiche Gefühl von Abenteuer vermitteln, das ich damals empfunden habe? Nach den ersten Trailern war ich skeptisch, doch aufgrund der größtenteils äußerst positiven Kritiken wollte ich den Film dann doch sehen. Ins Kino habe ich es jedoch nicht geschafft, was ich nach der gestrigen Sichtung allerdings nicht als großen Verlust empfinde…

Die Abenteuer von Tim und Struppi: Das Geheimnis der Einhorn (2011) | © Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Die Abenteuer von Tim und Struppi: Das Geheimnis der Einhorn (2011) | © Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Anfangs konnte mich die fantastisch gestaltete Welt noch begeistern: äußerst detailgetreu und mit viel Liebe in Szene gesetzt. Als Beispiel sei hier z.B. der Straßenkünstler genannt, der Tim in der Hegré-Version aufs Blatt zaubert. Grandios! Während des Prologs hatte ich somit noch das Gefühl ein wahrlich fantastisches Filmerlebnis vor mir zu haben. Bereits an diesem Punkt ist mir jedoch einmal wieder aufgefallen, wie schwer es mir fällt zu real gestaltete Charaktere, die mittels Performance Capture aufgenommen wurden, zu akzeptieren ohne mir stets ihrer Künstlichkeit bewusst zu sein. Manche Bewegungen reißen mich immer wieder aus dem Film heraus und die Technik dominiert die Geschichte. So beeindruckend ich die oft fotorealistischen Renderings auch finde, so sind sie dem Film letztendlich doch abträglich. Insofern war ich beinahe schon etwas enttäuscht, dass Spielbergs Film noch mit den gleichen Problemen zu kämpfen hat, wie bereits Zemeckis mit „Der Polarexpress“ oder auch „Die Legende von Beowulf“ – beide Filme fand ich zum damaligen Zeitpunkt allerdings zumindest technisch imposanter.

Inhaltlich macht „The Adventures of Tintin“ einiges richtig. Besonders in der ersten Filmhälfte kommt das Gefühl von Abenteuer schon ziemlich gut rüber. Durch die Figur des Captain Haddock wird das Ensemble um exakt den nötigen Grad von Wahnsinn bereichert, der für einen unterhaltsamen Abenteuerfilm nötig ist. So weit, so gut. In der zweite Hälfte verkommt der Film jedoch leider zu einem völlig überdrehten Actionspektakel. Bereits zuvor war mir die oft überstürzt wirkende Erzählweise aufgefallen, doch gegen Ende nimmt sich Spielberg überhaupt keine Zeit mehr für seine Figuren. Dies schlägt sich auch in der Inszenierung nieder. Die Kamera ist völlig losgelöst und richtet sich nur in den seltensten Fällen nach den bekannten Regeln der Montage. Anfangs mag das noch unterhaltsam wirken, doch schon nach kurzer Zeit hätte ich mir klassischere Einstellungen und Schnitte gewünscht.

In Bezug auf „Die Abenteuer von Tim und Struppi“ habe ich oft gelesen, dass Spielberg keine effekthascherischen 3D-Effekte verbaut habe. Doch selbst ohne 3D-TV ist mir in unzähligen Einstellungen aufgefallen, dass man hier nur nach dem 3D-Effekt geschielt hat. Die Kamera kreist beständig um unsere Protagonisten, der Spazierstock des Bösewichts wird stets mitten in die Kamera gehalten usw. Wirklich penetrant und für ein gelungenes Filmerlebnis überflüssig. Ohne den 3D-Effekt beständig im Hinterkopf zu haben, hätte man den Film zumindest inszenatorisch deutlich angenehmer gestalten können. Schade um die netten Ansätze und die aufwändig gestalteten Sets und Charaktere.

Fazit

Insgesamt bin ich wirklich etwas enttäuscht von Spielbergs Abenteuerspektakel. Besonders Kritiken, die ihn auf nahezu eine Stufe mit den alten „Indiana Jones“-Filmen heben, kann ich nun wirklich nicht nachvollziehen. Da hat mir ja sogar der vielgescholtene „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ besser gefallen. Trotz großer Kritikpunkte ist „The Adventures of Tintin“ größtenteils unterhaltsames Actionkino, das – aufgrund seiner Ambitionen im technischen Bereich – inhaltlich weit hinter seinen Möglichkeiten bleibt. Schade um die netten Ansätze. Das können Sie besser Mr. Spielberg: 6/10 Punkte.

Prince of Persia: Der Sand der Zeit – OT: Prince of Persia: The Sands of Time (2010)

Nachdem der Film im Dibbelabbes-Blog kürzlich positiv erwähnt wurde und er zudem günstig zu erstehen war, gab ich „Prince of Persia: Der Sand der Zeit“ trotz Vorbehalte eine Chance. Damals hätte ich die Videospielverfilmung sogar beinahe im Kino gesehen, doch es kam letztendlich anders. Aus heutiger Sicht muss ich sagen, dass dies kein sonderlich großer Verlust war, doch lest selbst…

Mit der direkten Vorlage kam ich selbst nie in Berührung. Ich kenne nur das Ursprungsspiel aus dem Jahr 1989, das ich damals ab und zu auf dem Computer (286er mit Monochrom-Bildschirm) des Vaters eines Freundes spielte. Heute erinnere ich mich hauptsächlich an die flüssige Animation der Spielfigur, einige Frustmomente und die herrlich düdelige Orientalmusik. Mit diesem Klassiker hat der Film nicht mehr viel gemein, obwohl die Umsetzung dessen Geschichte auch nicht viel platter hätte ausfallen können. Nun also eben der Sand der Zeit, ein magischer Dolch und allerlei Verschwörungsunfug.

An sich habe ich mich ja durchaus auf die Zeitreise-Thematik gefreut. Nach der kürzlichen Sichtung der „Zurück in die Zukunft“-Trilogie sogar sehr. Leider jedoch macht der Film – außer ein paar netten Effektspielereien – so rein gar nichts aus diesem Potential. Alles läuft sehr linear nach dem 08/15-Abenteuerschema ab, ohne dass es auch nur die geringsten Überraschungsmomente gibt. Selbst die Nazgûl-Verfolgung aus „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ wird nahezu identisch inszeniert nachgestellt. Einzig und allein die Orientatmosphäre weiß teilweise zu gefallen, bleibt aber aufgrund der nur zu bekannten westlichen Schauspieler viel zu generisch.

Anfangs hatte ich große Probleme den von mir sehr geschätzten Jake Gyllenhaal als Prinz Dastan ernst zu nehmen. Damit meine ich weniger seinen extra für diese Rolle gestählten Körper oder die übertriebenen Actioneinlagen, sondern eher die Figur, wie sie im Drehbuch angelegt ist: ein Draufgänger, stets ein flotter Spruch auf den Lippen, ein Außenseiter unter seinen Brüdern und doch von seinem Vater bevorzugt sowie als vernünftiger und edler Erlöser gefeiert? Irgendwie passt hier Einiges nicht zusammen. Genauso wie bei den meisten anderen Charakteren, die oft handeln als wäre ihren Schauspielern kurz vor der Szene eine neue Drehbuchfassung unter die Nase gehalten worden.

Auch wenn ich mich in meiner Kritik eher auf die negativen Aspekte des Films konzentriert habe, so bleibt doch festzuhalten, dass „Prince of Persia: The Sands of Time“ ein recht unterhaltsamer Film ist. Die Action ist nett in Szene gesetzt, sieht aber oft zu künstlich aus. Geschichte, Schauspieler (positiv: Gemma Arterton, negativ: Ben Kingsley) und Score (typisch Hans Zimmer-Schmiede) schaffen es dagegen nicht den Film über den Durchschnitt zu heben. Kann man sehen, muss man aber nicht: 5/10 Punkte.

Zurück in die Zukunft III – OT: Back to the Future Part III (1990)

Aktualisierung: Ich habe „Zurück in die Zukunft III“ am 24. Januar 2023 zum zweiten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Gestern Abend habe ich wieder einmal Abschied von Marty McFly und Doc Brown genommen. Ich bin mir auch sicher, dass die nächste Sichtung von „Zurück in die Zukunft III“ einige Zeit auf sich warten lassen wird. Früher dauerte dies – so ich denn meine Eltern davon überzeugen konnte – höchstens bis zur nächsten TV-Ausstrahlung der Trilogie. Heute allerdings warten zu viele neue Filme darauf gesehen zu werden, andere Klassiker stehen in der Warteschlange und Zeit hat sich ohnehin zu einer viel wertvolleren Ressource entwickelt. Schade eigentlich…

Zurück in die Zukunft III (1990) | © Universal Pictures Germany GmbH

Zurück in die Zukunft III (1990) | © Universal Pictures Germany GmbH

Auch wenn ich den dritten Teil schon immer am schwächsten fand, so hatte ich doch immer eine ganz besondere Beziehung zum Abschluss der Trilogie. Ich konnte – und kann heute teils immer noch – große Teile des Films mitsprechen. Warum? Natürlich aufgrund der Hörspiel-Kassette von Europa, die ich als Kind rauf und runter gehört habe, und deren Konsum die Anzahl der Filmsichtungen bei weitem übersteigt. Somit kollidierte meine Fantasie stets etwas mit der Filmhandlung, doch bei der gestrigen Sichtung konnte ich diesem Problem ganz einfach aus dem Weg gehen, da ich zum ersten Mal auf die englische Originaltonspur zurückgegriffen habe. Zwar keine ganz neue Erfahrung, doch zumindest nicht mehr so verstörend nostalgisch, wie die synchronisierte Fassung, die auch Grundlage des Hörspiels war.

Im Gegensatz zum Original und besonders der ersten Fortsetzung, wirkt „Zurück in die Zukunft III“ viel geradliniger und weniger komplex konstruiert. Marty muss Doc zurückholen, bevor er erschossen wird. Viel mehr gibt die Zeitreisehandlung nicht her. Das Besondere ist eher das Setting, welches – für Westernfreunde – wahrlich famos eingefangen wurde. Somit fällt der dritte Teil interessanterweise ein wenig aus dem Rahmen, was besonders verwunderlich ist, da ja die beiden Fortsetzungen back-to-back gedreht wurden. In meiner Wahrnehmung werden jedoch stets die ersten beiden Teile inhaltlich näher zusammengehören.

Aufgrund der abnehmenden Komplexität, konzentriert sich der Film mehr auf seine Figuren und insbesondere auf Doc Brown, der 1885 seine große Liebe findet. Man gönnt ihm als Zuschauer dieses private Glück und drückt auch allen anderen Beteiligten die Daumen für das große Happy End – und dennoch mochte ich Doc als verrückten Erfinder lieber, ebenso wie Marty als völlig überforderten Wanderer zwischen den Zeiten. Somit ist der dritte Teil eher romantisches Western-, als konfuses Zeitreiseabenteuer. Das funktioniert durchaus gut, kann mich aber nicht mehr so vollständig begeistern, wie die beiden Vorgänger. Das Ende ist zudem etwas zu over-the-top und zuckersüß, was ich den Figuren aber durchaus zugestehen möchte.

Fazit

Auch wenn der Film etwas abfällt, so liebe ich „Zurück in die Zukunft III“ dennoch. Der Abschluss ist inhaltlich rund, die Actionszenen sind famos gefilmt und es gibt genügend Referenzen zu den beiden Vorgängern. Am Ende des Films bin ich dann stets etwas traurig, dass dieses fantastische Abenteuer – immerhin fügen sich alle drei Filme ja nahtlos aneinander – nun erst einmal wieder vorbei ist. Eigentlich würde ich mir wünschen jedes Jahr mindestens einmal Zeit für die Trilogie zu finden, doch Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude… ein wirkliches gelungenes Finale: 9/10 Punkte.

Zurück in die Zukunft II – OT: Back to the Future Part II (1989)

Aktualisierung: Ich habe „Zurück in die Zukunft II“ am 10. Februar 2023 zum zweiten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Heute musste ich nicht lange überlegen, welchen Film ich denn aus dem Regal holen würde, denn wie bereits angekündigt ging es mit Marty McFly und Doc Brown in „Zurück in die Zukunft II“ auf zu einem neuen Zeitreiseabenteuer. Lange Zeit war die erste Fortsetzung mein Lieblingsteil der Reihe, doch das änderte sich über die letzten Jahre und Sichtungen – nicht dass das Sequel schlecht wäre, doch an den famosen Auftakt der Trilogie kommt der Film nicht ganz heran…

Zurück in die Zukunft II (1989) | © Universal Pictures Germany GmbH

Zurück in die Zukunft II (1989) | © Universal Pictures Germany GmbH

Die Handlung setzt exakt dort ein, wo man unsere liebgewonnenen Charaktere in „Zurück in die Zukunft“ verlassen hat. Es fällt auf, dass Claudia Wells, die Schauspielerin der Jennifer Parker, durch Elizabeth Shue ersetzt wurde. Nur ein kleines Details, das ich bei den bisherigen Sichtungen jedoch nie bemerkt hatte. Ehe man sich versieht, befinden wir uns im Hill Valley der Zukunft und auch wenn es hier einige Parallelen zur Handlung des ersten Teils gibt, so kommt man als Zuschauer aus dem Staunen erst einmal nicht heraus: Hologramme, fliegende Autos und – nicht zu vergessen – Hoverboards! Eine bunte und verrückte Vision der Zukunft, wie sie nur den 80er Jahren entspringen konnte. Hinzu kommen nahezu alle bekannten Charaktere, was diesen Teil des Films zu einem durchgeknallten Spaß werden lässt.

Zurück in der Gegenwart erleben wir den dunkelsten Abschnitt der gesamten Trilogie. Eine Dystopie, in der all unsere Charaktere dem Untergang geweiht sind. Auch in dieser alternativen Zeitlinie treffen wir auf bekannte Figuren, die hier jedoch mit ganz neuen Problemen zu kämpfen haben. Erstmals geht Doc Brown näher auf die Zeitreisetheorie ein, was die „Zurück in die Zukunft“-Reihe noch stärker in der Popkultur verankerte. Der finale Akt in der uns bereits bekannten Vergangenheit ist schließlich ganz großes Kino: Zusammen mit Marty erleben wir ganze Szenen des ersten Teils aus neuen Blickwinkeln und sehen uns unzähligen Herausforderungen gegenüber. Das Finale schließlich dürfte wohl einer der spannendsten Cliffhanger der Filmgeschichte gewesen sein – zumal man es damals als Zuschauer noch nicht gewohnt war, dass Filme back-to-back gedreht wurden, was auch den überflüssigen Ausblick in den dritten Teil erklärt.

Auch wenn der zweite Teil bei weitem nicht so rund und stimmig wirkt, wie der erste Film der Reihe, so beeindruckt er doch gerade durch seine Vielfältigkeit und seinen Ideenreichtum. Bestimmte Motive werden zudem wieder aufgegriffen, doch anstatt sich auf eine kleine persönliche Geschichte zu konzentrieren, wird die Faszination Zeitreise auf die Spitze getrieben – mit all ihren möglichen Auswirkungen. Der Film wirkt dadurch etwas zerfahren, doch stecken auch in ihm unzählige famose Szenen (u.a. das Hoverboard-Rennen) und Zitate, wie Martys ‚Niemand nennt mich eine feige Sau!‘ bzw. ‚Nobody calls me chicken!‘ oder ‚Sie sind der Doc, Doc.‘

Fazit

Aus heutiger Sicht mag der Film nicht mehr ganz so gut funktionieren, wie durch die Augen eines begeisterungsfähigen Kindes gesehen. Auch wenn „Zurück in die Zukunft“ sicherlich der erwachsenere Film ist, so hatte ich jedoch wieder nahezu ebensoviel Spaß mit dem Sequel. Es ist Robert Zemeckis und Bob Gale gelungen den Geist des Originals einzufangen, ohne einen Abklatsch zu produzieren. Die hinzugekommene Ideenvielfalt mag zunächst überwältigend wirken, ist aber gerade deshalb umso beeindruckender. Eine absolut stimmige und sehenswerte Fortsetzung: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Zurück in die Zukunft – OT: Back to the Future (1985)

Aktualisierung: Ich habe „Zurück in die Zukunft“ am 27. Januar 2023 zum zweiten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Wie so oft stand ich gestern Abend vor dem DVD-Regal und überlegte mir welcher Film als Abendunterhaltung denn angemessen wäre. Nach dem harten Tobak vom Vortag sollte der Unterhaltungswert auf jeden Fall nicht zu kurz kommen – und sind wir einmal ehrlich: Ist Robert Zemeckis „Zurück in die Zukunft“ nicht einer der unterhaltsamsten Filme überhaupt? Als mein Blick auf die bisher noch ungesehene Blu-ray-Fassung fiel, war die Entscheidung auch schon gefallen. Somit machte ich mich nach Jahren wieder nach Hill Valley auf, um Marty McFly und Doc Brown einen Besuch abzustatten…

Zurück in die Zukunft (1985) | © Universal Pictures Germany GmbH

Zurück in die Zukunft (1985) | © Universal Pictures Germany GmbH

Noch heute erinnere ich mich an diese magische erste Sichtung als wäre es erst gestern gewesen: Es muss irgendwann während meiner Grundschulzeit gewesen sein. Die Geburtstagsfeier eines Freundes. Nachdem wir draußen gespielt hatten, ging es zurück in die Wohnung und es wurde eine VHS-Kassette in den Rekorder geschoben. Ich erinnere mich nur noch an Fragmente und bin mir sicher nicht den gesamten Film verfolgt zu haben, doch was ich sah packte mein junges Ich in seinem Innersten. Vielleicht sollte ich dazu sagen, dass ich damals sehr unerfahren war, was Filme angeht. Wir hatten lange nur die ersten drei Programme und auch keinen Videorekorder. Dieser Nachmittag war für mich eine kleine Offenbarung – und dennoch sollte es noch Jahre dauern, bis ich den Film zum ersten Mal komplett und bewusst sah.

Etliche TV-Sichtungen später, zählte „Zurück in die Zukunft“ samt Fortsetzungen zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Jede weitere Begegnung mit den Charakteren versetzte mich zudem an jenen magischen Nachmittag zurück. Spätestens mit Veröffentlichung der DVDs habe ich „Zurück in die Zukunft“ bewusster wahrgenommen und ihn auch außerhalb der nostalgischen Aspekte zu schätzen gelernt. Wie die anderen großen Trilogien und Lieblingsfilme meiner Kindheit war jede Sichtung dennoch immer etwas Besonderes. Kein Film, den man einfach einmal so einlegt. Kein Wunder also, dass seit der letzten Sichtung inzwischen wieder mindestens 6 Jahre vergangen sind.

Gestern Abend war ich zunächst etwas skeptisch, ob sich die ursprüngliche Begeisterung erneut einstellen würde – ein absolut unbegründeter Zweifel. Sofort habe ich mich wieder zu Hause in Hill Valley gefühlt und mich mit den Charakteren identifiziert, als hätte ich Marty McFlys rote Weste nie abgelegt. Dennoch gab es eine Neuerung, denn gestern habe ich den Film erstmals im Original gesehen. Kein ‚Hallo McFly, jemand zu Hause?‘ mehr, sondern ein ‚Hello McFly, anybody home?‘ – anfangs ungewohnt, doch letztendlich ein großer Genuss. Trotz der wunderbar nostalgischen Gefühle, die der Film jedes Mal bei mir weckt, wirkte er bei der gestrigen Sichtung äußerst modern und einfach unfassbar unterhaltsam.

Trotz seiner Leichtigkeit ist es ein wahres Vergnügen mitzuverfolgen, wie pefekt Robert Zemeckis und Bob Gale das Drehbuch gestaltet haben. Jede einzelne noch so nebensächlich wirkende Szene hat ihren Platz in der Geschichte. Jede Aktion in einer Zeitebene wirkt sich auf die andere aus. Die komplexe Handlung wirkt dabei zu keinem Zeitpunkt konstruiert oder steif, was auch den famosen Darstellern zu verdanken ist. Michael J. Fox und Christopher Lloyd spielen die Rolle ihres Lebens und auch die Nebenfiguren sind mit Lea Thompson (Beverly, „Howard the Duck“), Crispin Glover und Tom Wilson perfekt besetzt. Das Motiv der Zeit ist stets präsent (z.B. die Rolle der Uhr im Finale) und die Möglichkeiten der Zeitreisethematik (z.B. Marty wird selbst Zeuge seines Starts ins Abenteuer) werden zu 100% ausgeschöpft – zumindest wenn man den zweiten Teil noch außen vor lässt.

Fazit

Ich könnte nun noch mehrere Seiten über einzelne Elemente des Films schreiben, doch stehen die beiden Fortsetzungen ja auch noch an. Wenn man die schwierigen Umstände der Produktion bedenkt, dann grenzt es schon an ein Wunder, dass der Film so rund und in sich absolut schlüssig wirkt. Es ist eines dieser seltenen Werke voller Magie, die Hollywood nur alle Jubeljahre hervorbringt und an denen ich keinen, aber wirklich auch keinen Kritikpunkt finden kann. Ich freue mich nun unglaublich auf die Fortsetzung, die ich – wenn alles klappt – schon heute Abend genießen werde. Das war noch Kino, wie es sein soll: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Trust (2010)

Der Film wurde mir von einer geschätzten Kollegin mit der Warnung empfohlen, dass er für Väter wohl besonders harte Kost sei. Wahrscheinlich ist „Trust“ auch nicht die beste Wahl für einen entspannten Feierabend, doch manchmal muss man sich eben auch unbequeme Filme ansehen – und wie unbequem die Sichtung war. Manche Filmerlebnisse wollen hart erarbeitet werden und das trifft auf David Schwimmers eindringliches Vergewaltigungsdrama zweifellos zu.

Wenn man sich das Cover anschaut und sich die Inhaltsangabe durchliest, dann wird dem potentiellen Zuschauer vom Verleih ein knallharter Rachethriller suggeriert. Nichts jedoch könnte ferner von der Wahrheit sein. Die perfide Tat wird bereits innerhalb der ersten halben Stunde verübt. Zuvor gibt es Bilder einer ganz normalen Familie zu sehen: liebevolle Eltern und lebensfrohe Kinder. Von Anfang an nimmt digitale Kommunikation einen großen Stellenwert im Leben der älteren Tochter ein. Die Eltern setzen sich damit auseinander und zeigen durchaus Interesse am (digitalen) Leben ihrer Kinder. Auch wenn die Entwicklung bis zum Treffen mit dem Täter recht schnell geht, so wird der Weg dorthin doch erschreckend realistisch und ohne platte Erklärungsversuche (unaufmerksame Eltern o.ä.) dargestellt.

Richtig interessant wird der Film erst nach der Vergewaltigung durch den für den Zuschauer nahezu gesichtslosen Täter. Eine Allerweltsperson, die ihre Machtposition gegenüber der verunsicherten Annie (grandios gespielt von Liana Liberato) schamlos ausnutzt. Ab hier beginnt die Familie in sich zusammenzufallen: die Eltern sind rat- und fassungslos, die Tochter gebrochen und Freunde hilflos. In der folgenden Stunde wird schmerzhaft gezeigt, welchen emotionalen Tribut die Tat fordert. Besonders Annies Unverständnis und Verdrängung dessen, was ihr in dem Hotelzimmer angetan wurde, ist wirklich nur schwer zu ertragen. Auf der anderen Seite steht der Vater (Clive Owen), der absolut verloren ist und sich Rachefantasien hingibt.

Viele Themen werden in dem Film nur am Rande angesprochen und wirken deshalb vielleicht umso nachhaltiger. Sei es die Sexualisierung von Tweens (Kinder zwischen 10 und 13) in der Werbung oder das Herunterspielen von emotionalem und körperlichem Missbrauch in der Gesellschaft – der Film geht dahin, wo es wehtut und gibt weder dem Zuschauer noch den Charakteren Erlösung in Form von Gerechtigkeit oder ausgelebten Rachegelüsten. Konsequent konzentriert sich der Film bis zum Ende auf die Aufarbeitung der Tat und zeigt, dass man gemeinsam weitergehen muss. So schmerzhaft dies auch sein mag.

Auch wenn ich mir sicher bin, dass ich „Trust“ wohl kein zweites Mal sehen werde, so hat mich der Film doch stark beeindruckt. Er hebt keinen Zeigefinger und lässt falsche Moral außen vor. Er ist grausam, verstörend und doch hoffnungsvoll. Das Leben geht weiter. Auch für den Täter, dessen Auftritt im Abspann noch einmal ein Tritt in die Magengrube war. David Schwimmer (Ross aus der TV-Serie „Friends“) hat mit „Trust“ einen nachdenklich machenden Film abgeliefert, dessen Inszenierung angenehm zurückhaltend ist und der nahezu vollständig von seinen Schauspielern lebt. Willkommen in der schönen neuen Kommunikationswelt: 8/10 Punkte.

Die Monster AG – OT: Monsters, Inc. (2001)

Gestern Abend stand ich einmal wieder vor dem DVD-Regal und konnte mich partout nicht für einen Film entscheiden. Er sollte aufgrund der vorhergehenden recht kurzen Nacht nicht zu lang sein und zudem den Zuspruch von Frau bullion finden. Da sprang mir die Blu-ray von „Die Monster AG“ ins Auge und in diesem Moment war die Entscheidung schon gefallen. Obwohl ich den Film liebe liegt die letzte Sichtung inzwischen schon mindestens 6 Jahre zurück. Somit war es höchste Zeit für eine Auffrischung…

Bereits bei der Kinosichtung, die inzwischen bereits unglaubliche 11 Jahre zurückliegt, war ich hin und weg. Es folgten Sichtungen auf VHS, DVD und sogar eine Analyse des Films während des Studiums. Langweilig wurde er nie. Mit „Monsters, Inc.“ hat Pixar seinen bis heute kreativsten Film abgeliefert: Während die Geschichten aller anderen Filme irgendwie in unserer Welt – sei es aus der Perspektive von Spielzeugen, Nagetieren oder Robotern der Zukunft – spielen, so wurde hier eine komplette neue Welt geschaffen. Eine Welt mit eigenen Bewohnern, eigenen Regeln und einem komplett neuen Industriezweig: der Schrei-Energie-Gewinnung. Wenn man sich den Film ansieht, wirken all diese Elemente, als würden sie wie selbstverständlich zusammenpassen. Als gäbe es gar keine Alternative – und genau hier liegt die Kunstfertigkeit Pixars: im Welten bauen und Geschichten erzählen.

Natürlich sind auch die grafische Gestaltung und die Animation der Charaktere wieder über jeden Zweifel erhaben. Besonders auf Blu-ray ist es eine Freude die detailreichen Sets und Figuren zu bewundern. Jedes einzelne Element passt perfekt in diese Welt und auch wenn die Technik in den letzten 10 Jahren große Sprünge gemacht hat, was die Darstellungsqualität von Texturen, Haaren usw. angeht, wirkt „Die Monster AG“ zu keinem Zeitpunkt altmodisch oder angestaubt. Ruhige Szenen voller Charaktertiefe wechseln sich dabei mit äußerst rasanten Actionszenen ab. Besonders das Finale im Türenlager ist mit seinen im Sekundentakt wechselnden Locations eine wahre Freude!

Als Vater eines Mädchens, das sich im ungefähr gleichen Alter wie Boo befindet, war ich mehr als überrascht, wie exakt es dem Animationsteam von Pixar gelungen ist die Eigenheiten in den Bewegungsabläufen und dem Verhalten eines Kindes abzubilden. Einfach nur großartig! Auch Sully (John Goodman) und Mike (Billy Chrystal) sind fantastische Charaktere, die mehr Leben besitzen als so manche reale Filmfigur. Die unzähligen Nebencharaktere, die Monstropolis bevölkern, sind zudem bis ins letzte Detail liebevoll gestaltet und man kann in wahrlich jeder einzelnen Szene unzählige kleine Gags und Anspielungen entdecken.

Wie man bis hier wahrscheinlich herauslesen konnte, bin ich von „Monsters, Inc.“ immer noch absolut begeistert. Für mich ist es sogar der bis dato gelungenste Pixar-Film – und das mag bei der beständig hohen Qualität etwas heißen! 2013 soll es eine Fortsetzung bzw. ein Prequel geben und wenn diese nur annähernd so hochwertig werden sollte, wie der 2010 erschienene „Toy Story 3“, dann sollte sich jeder Animationsfreund den Kinostart ganz dick im Kalender markieren. Ich für meinen Teil freue mich so oder so auf ein Wiedersehen mit Mike, Sully und Co. Die perfekte Kinounterhaltung: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Slither (2006) (WS1)

Heute Abend stand ich einmal wieder vor dem DVD-Regal und konnte mich nicht wirklich für einen Film entscheiden. Eigentlich absurd, da unzählige unsehene und interessante Filme nur auf ihre Sichtung warten. Dennoch ist die Wahl auf James Gunns „Slither“ gefallen, der mich bereits bei der Erstsichtung gut zu unterhalten wusste. Irgendjemand muss dem in der Blogosphäre um sich greifenden Oscar-Wahn ja Paroli bieten…

Stärker als noch bei der letzten Sichtung sind mir die verschiedenen Subgenres aufgefallen, die James Gunn mit seiner Horrorkomödie abarbeitet. So gibt es Cronenberg’schen Körperhorror à la „Die Fliege“ zu sehen, Tierhorror mit Wuselfaktor, Sci-Fi-Horror und letztendlich hat auch noch der gute alte Zombie seinen Auftritt. Erstaunlicherweise fügt sich all das zu einer recht plausiblen Geschichte zusammen, die oft verstörender ist, als man das von der Prämisse erwartet hätte. Dies betrifft besonders die erste und die letzte Viertelstunde, die sich auf die Beziehung zwischen Starla und Grant konzentriert – und das nicht nur aufgrund der Ekeleffekte.

Natürlich kommt auch der Humor nicht zu kurz, doch besitzt dieser nicht den Stellenwert, wie in anderen Genreparodien – falls man „Slither“ überhaupt als eine solche bezeichnen sollte. Letztendlich lebt der Film von seinen relativ gut ausgearbeiteten Charakteren, der schön eingefangenen Kleinstadtatmosphäre und den gut geschriebenen Dialogen. Die Schauspieler – allen voran Nathan Fillion (Captain Malcolm Reynolds, „Firefly“ und Richard Castle, „Castle“) – sind perfekt besetzt und es ist eine Freude ihnen bei ihrem abstrusen Abenteuer zuzusehen.

Horrorfreunde, die übertriebenem Körperhorror mit deftigen Splattereinlagen etwas abgewinnen können, sind bei dem Film an der richtigen Adresse. Ich für meinen Teil hätte durchaus auf so manche Effektorgie (besonders im Finale) verzichten können, doch hat das dem Spaß keinen Abbruch getan. Auf jeden Fall ist „Slither“ eines der interessanteren Werke im Genre-Einheitsbrei und sollte dem geneigten Horror-Fan zumindest einen Blick wert sein: 7/10 Punkte.

Howard: Ein tierischer Held – OT: Howard the Duck (1986)

Für den heutigen Filmabend zum Start ins Wochenende habe ich mir ein ganz besonderes Werk ausgesucht. Wie vor einigen Wochen bereits bei der Aufzählung der Top 10 meiner Guilty Pleasures erwähnt, gehörte „Howard: Ein tierischer Held“ in meiner Kindheit bzw. Jugend zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Jede TV-Zeitschrift wurde nach neuerlichen Ausstrahlungen durchsucht, wodurch es der Film auf eine bestimmt stattliche Anzahl an Sichtungen brachte. Die DVD steht inzwischen schon seit geraumer Zeit ungesehen im Regal und somit war ich gespannt, wie sich Howard denn heute so schlägt…

Ich sollte vorausschicken, dass ich den Film bei der heutigen Sichtung zum ersten Mal im englischen Originalton genießen durfte. Dies war zu Beginn etwas ungewohnt, doch hat sich letztendlich ausgezahlt: Es ist unglaublich, wie viel Wortwitz in dem Film steckt. Da jagt tatsächlich ein Oneliner den nächsten. Ebenso dürfte ich den Film heute zum ersten Mal in der ungeschnittenen Fassung gesehen haben. Da wir lange Zeit keinen VHS-Rekorder besaßen, musste ich als Kind stets auf die – meist sonntagnachmittags stattfindende – TV-Ausstrahlung zurückgreifen, die doch um etliche harrsche Szenen erleichtert war. Den Film habe ich dennoch geliebt. Ebenso wie Lea Thompson, die mit ihrem Auftritt in „Howard the Duck“ wohl zu einer der ersten Frauen gehört haben dürfte, die ich wirklich heiß fand.

Doch wie schlägt sich der viel gescholtene Film heute? Ist er letztendlich ein filmisches Desaster, das nur durch Kinderaugen gesehen glänzte? Mitnichten! Ich war ja wirklich skeptisch und während des Prologs auf Howards Heimatplaneten musste ich mich beinahe fremschämen: Das sollte einer der Klassiker meiner Kindheit gewesen sein? Doch schon schnell hatte mich der Film wieder in seinem Bann. Der Humor ist köstlich, die 80er Jahre-Atmosphäre perfekt eingefangen und die Geschichte geht allem so gegen den Strich, dass es eine wahre Freude ist! Wie konnte George Lucas nur jemals davon ausgehen, dass dieser Film ein finanzieller Erfolg werden würde? Für ihn gibt es keine Zielgruppe: Erwachsene finden ihn zu albern, für Kinder ist er zu brutal und zu sehr mit anzüglichen Anspielungen durchsetzt. Die Actionszenen sind völlig übertrieben und chaotisch, die Charaktere grandios over-to-top und der Bösewicht äußerst abstoßend. Seltsamerweise funktioniert der Film dennoch tadellos – zumindest für mich. So viel Spaß hatte ich schon lange bei keiner Sichtung mehr.

Ich bin wirklich froh Howard nach all den Jahren noch eine Chance gegeben zu haben. Der Film ist einfach herrlich! Alleine um den jungen Tim Robbins (Andy Dufresne, „Die Verurteilten“) als völlig hysterischen Wissenschaftsassistenten Phil Blumburtt zu sehen, lohnt sich das Reinschauen. Mal abgesehen von aller Nostalgie und Verklärung ist der Film weit nicht so schlecht, wie er stets gemacht wird. Er nimmt sich selbst nicht ernst und das sollte man auch nicht als Zuschauer, denn wenn man ihn als abgedrehten Genremix mit starkem 80er Jahre-Einfluss sieht, dann dürfte man auf jeden Fall seinen Spaß damit haben. Simply ducktastic: 8/10 Punkte.

Unknown Identity – OT: Unknown (2011)

Freitagabend. Filmzeit. Der Ausklang einer durchaus fordernden Arbeitswoche. Was kann es Schöneres geben? Natürlich muss auch der Film mitspielen. Dieses Mal gab es Jaume Collet-Serras „Unkown Identity“ zu sehen und die Wahl des Films stellte sich glücklicherweise als gelungen heraus. Einem unterhaltsamen Einstieg ins Wochenende sollte somit nichts im Wege stehen… Spoiler sind zu erwarten.

Nach Sichtung des Trailers erwartete ich mir eine Art „96 Hours“ in Berlin. Liam Neeson sehe ich ohnehin gerne und seine aktuelle Neuausrichtung als alternder Actionstar gefällt mir äußerst gut. Hinzu kommt natürlich der Handlungsort Berlin, für den der Film besonders in Deutschland doch für eine gewisse Aufmerksamkeit sorgte. Welche andere Actionfilmreihe der letzten Jahre ist für seine europäischen Schauplätze bekannt? Richtig, die Agententhriller rund um Jason Bourne. Ein Vergleich drängt sich folglich auf und wird auch von der Presse forciert. Wie also schneidet „Unknown Identity“ in diesem Vergleich ab? Meiner Meinung nach deutlich besser, als die überschätzte Bourne-Trilogie.

In der ersten Stunde bekommen wir – anders als ich erwartet hatte – eher einen ruhigen Mindfuck-Thriller zu sehen, als einen Actionfilm. Hier wäre wirklich alles möglich gewesen: von der abgedroschenen ‚Ich liege seit dem Unfall im Koma und spinne mir die Handlung nur zusammen‘-Prämisse bis hin zur ‚Eine böse Geheimorganisation hat mein Gedächtnis ausgelöscht‘-Rahmenhandlung. Der eigentliche Twist kommt zwar relativ unaufgeregt daher, doch hatte ich ihn wahrlich nicht in dieser Form erwartet. Letztendlich ist es lediglich ein Zufall – man mag es auch Schicksal nennen –, dass Liam Neesons Figur die im Film gezeigte Wandlung durchmacht.

Auch wenn mann die Logik nicht zu sehr hinterfragen sollte, so ist die Handlung des Films innerhalb seines Universums erstaunlich konsistent und nachvollziehbar aufgebaut. Selbst die Motivation der einzelnen Charaktere wird nicht sprunghaft in andere Bahnen gelenkt, wodurch sich ein äußerst rundes Gesamtbild ergibt. Dieses wird durch die teils erstaunlich ruhige, teils äußerst tempramentvolle Inszenierung unterstützt. Berlin als Handlungsort ist zudem wirklich gut gewählt, besonders da die Zusammensetzung des Ensembles aus deutschen und amerikanischen Charakteren aufgrund der überzeugenden Schauspieler auch ausgezeichnet funktioniert.

Ich hatte mit „Unknown Identity“ wirklich extrem viel Spaß. Eine Bewertung fällt mir nun dennoch nicht leicht, da es einer dieser Filme ist, die wohl nur bei der Erstsichtung 100%-ig mitreißen. Eine potentielle Folgesichtung kann nur verlieren. Dennoch bewerte ich mit dieser Besprechung natürlich den ersten Eindruck und dieser war einfach nur sehr gut. Jedem Thrillerfan kann ich diese mitreißende Suche nach der der eigenen Identität im nächtlichen Berlin nur ans Herz legen: 8/10 Punkte.