Merida: Legende der Highlands – OT: Brave (2012)

Früher, d.h. vor den Kindern, hätte ich mir noch jeden Pixar-Film im Kino angesehen. Heute bin ich schon froh, wenn ich ihn zeitnah auf DVD bzw. Blu-ray nachholen kann. So bin ich auch recht spät in den Genuss von „Merida: Legende der Highlands“ gekommen. Aber die Kinder werden älter und somit rückt auch der erste gemeinsame Kinobesuch in greifbare Nähe – und was wäre da passender als ein Pixar-Film?

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Vom Trailer zu „Brave“ war ich begeistert. Nach „Cars 2“ endlich wieder ein Film, der ganz anders aussieht, als alles was Pixar bisher gemacht hatte. Die Kritiken waren größtenteils jedoch sehr verhalten und es wurde geschimpft, dass Pixar eigentlich nur einen typischen Disney-Film abgeliefert hat. Nach Schema F. Inklusive Prinzessin. Ich konnte und wollte das nicht glauben – und vielleicht liegt es auch daran, dass ich dem Film sehr viele positive Aspekte abgewinnen konnte. Merida eine typische Disney-Prinzessin? No way!

Zunächst einmal muss ich sagen, wie fantastisch ich es finde, dass der Trailer nur auf die ersten 20 Minuten des Films eingeht und der Rest völlig neu für Zuschauer ist, die spoilerlastige Kritiken vermieden haben. Weiterhin ist es bemerkenswert, dass Pixar mit „Merida: Legende der Highlands“ eine völlig neue Zielgruppe anspricht, als in seinen bisherigen Filmen. Es war ja stets so, dass die ganz Kleinen etwas aus dem Film mitnehmen konnten und es eine zusätzliche Ebene gab, auf der sich die Erwachsenen amüsieren konnten. „Brave“ vernachlässigt die ganz jungen Zuschauer beinahe völlig und stürzt sich mit Elan auf die Altersgruppe Teenager. Das hatte ich so nicht erwartet.

Wer nun Merdia mit x-beliebigen Disney-Prinzessinen vergleicht (so gerne ich diese auch mag), hat wohl einen anderen Film gesehen als ich. Hier geht es nicht um die Suche nach der großen Liebe, sondern um Selbstbestimmung, Mut und Erwachsenwerden. Im Zentrum des Films steht die Eltern/Kind- bzw. Mutter/Tochter-Beziehung und alles was in der zweiten Filmhälfte geschieht, ist eine Metapher für die zwangsweise Entfremdung in einem gewissen Alter, der Auseinandersetzung mit Traditionen und dem Zusammenprall der Wünsche und Vorstellungen von Kindern und Eltern. Sicher funktioniert das alles auch wunderbar als fantastischer Abenteuerfilm, doch diese zusätzliche Ebene macht aus Merida eben so viel mehr, als nur eine weitere Disney-Prinzessin.

Auch wenn ich etwas anderes erwartet hatte und der Film sicherlich nicht zu den besten Pixar-Werken gehört, so bin ich doch sehr positiv überrascht. Wie den zugehörigen Kurzfilm „La Luna“ werde ich auch „Brave“ – wenn die Zeit gekommen ist – gemeinsam mit meiner Tochter anschauen. Wenn schon eine Disney-Prinzessin, dann gerne eine wie Merida: 9/10 Punkte.

James Bond 007: Ein Quantum Trost – OT: Quantum of Solace (2008)

Aktualisierung: Ich habe „James Bond 007: Ein Quantum Trost“ am 1. März 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Nachdem ich vor zwei Tagen meiner Erinnerungen an „Casino Royale“ aufgefrischt habe, war es an der Zeit mir erstmalig die direkte Fortsetzung „James Bond 007: Ein Quantum Trost“ anzusehen. Der Film wird unter den Bond-Fans gemeinhin als schwächster der Craig-Ära angesehen, weshalb meine Erwartungen von Beginn an ein wenig gedämpft waren. Konnte mich Marc Forsters Film dennoch überzeugen?

James Bond 007: Ein Quantum Trost (2008) | © Warner Bros (Universal Pictures)

James Bond 007: Ein Quantum Trost (2008) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Ungewöhnlich für Bond ist „Quantum of Solace“ eine direkte Fortsetzung der Geschehnisse des Vorgängers. Für mich als Freund des seriellen Erzählens also ein dicker Pluspunkt. Inszenatorisch versucht Forster – noch mehr als Martin Campbell mit „Casino Royale“ – James Bond in der heutigen Zeit zu verankern und biedert sich stark an moderne Sehgewohnheiten an, d.h. Bond wirkt über weite Strecken eher wie Jason Bourne, was sich auch in einer übertriebenen Wackelkamera zeigt. Dennoch macht es weiterhin Spaß Daniel Craig in der Rolle des 007 zu sehen. Man hätte nur nicht auf Teufel komm raus versuchen sollen alles anders machen zu wollen.

Inhaltlich hatte ich mir eine mitreißende Rachegeschichte erhofft. Bond sinnt auch auf Rache, doch verpufft diese emotional leider größtenteils. Vielleicht hätten sowohl „Casino Royale“ als auch „Quantum of Solace“ gewonnen, wenn man die letzten 20 Minuten des ersten Films direkt vor den zweiten gepackt hätte. In seiner aktuellen Form hat mich der Film dem Geschehen leider recht unbeteiligt zuschauen lassen. Dabei gab es ein paar tolle Schauplätze zu bestaunen, deren Vielfalt tatsächlich an die alten Bond-Filme erinnert hat. Mein Favorit ist hier die Opernszene in Bregenz. Eine tolle Idee, die zudem sehr schön inszeniert wurde.

Das Finale, das eigentlich den Höhepunkt der Rache hätte darstellen müssen, verpufft leider vollkommen. Selbst für mich, als Zuschauer, der den Vorgänger erst vor ein paar Tagen gesehen hatte, war Vesper nur noch ein Name und die nicht wirklich ausgeübte Rache hing seltsam bedeutungslos in der Luft. Dabei hätte die Geschichte durchaus Potential gehabt und gerade Wasser als Motiv des Bösewichts zu benutzen, schien mir besonders gelungen. Man hätte mehr daraus machen müssen.

Fazit

Letztendlich ist „Ein Quantum Trost“ kein schlechter Film. Doch eben auch kein wirklich guter. Bond-Feeling kommt selten auf und die schönen Schauplätze können über die unbefriedigende Rachegeschichte leider auch nicht hinwegtäuschen. Schade also, dass der Fortsetzungscharakter verschenkt und so nur ein netter Actionfilm daraus wurde: 6/10 Punkte.

James Bond 007: Casino Royale (2006) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „James Bond 007: Casino Royale“ am 22. Februar 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Nach einem äußerst zermürbenden Tag, fiel mir die Filmwahl heute ziemlich schwer. Letztendlich entschied ich mich dafür, meine Erinnerungen an „James Bond 007: Casino Royale“ aufzufrischen, da inzwischen beide Nachfolger im Regal stehen und auf ihre Sichtung warten. Zudem wollte ich mich nicht auf unbekanntes Terrain begeben, da es um meine Konzentration nicht mehr sonderlich gut bestellt war…

James Bond 007: Casino Royale (2006) | © Warner Bros (Universal Pictures)

James Bond 007: Casino Royale (2006) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Ich war erstaunt, wieviel von der Erstsichtung vor ca. 2 Jahren ich bereits wieder vergessen hatte. Sehr gut konnte ich mich noch an die einzelnen Actionszenen und die Casino-Sequenz erinnern, doch die Rahmenhandlung kam mir nur noch in Bruchstücken bekannt vor. Dies mag auch daran liegen, dass sie letztendlich austauschbar ist und – sieht man einmal vom letzten Drittel ab – in ähnlicher Form über die Jahre bereits ein paar dutzend Mal zu sehen war: Ein Bösewicht mit außergewöhnlichen körperlichen Merkmalen, eine Verschwörung, heiße Frauen und ein Actionheld, der stets einen flotten Spruch auf den Lippen zu haben scheint. Sicher alles viel moderner inszeniert, als in den vergangenen Jahrzehnten, doch irgendwie auch typisch Bond bzw. Agententhriller.

Selbst die als stets so realistisch beschriebene Action ist ähnlich übertrieben und comichaft, wie in den alten Filmen, nur eben moderner inszeniert – und ohne Raumstationen, Unterwasserlabore und Kätzchen auf dem Arm der Bösewichte. Ich muss zugeben, dass mir diese Art von Bond in den ersten beiden Dritteln – die Folterszene einmal ausgenommen – wirklich ausgezeichnet gefallen hat. Im letzten Drittel verrennt sich der Film etwas in seiner Liebesgeschichte, die jegliche, zuvor durchaus vorhandene, Spannung zwischen Bond und Vesper Lynd (die bezaubernde Eva Green) vermissen lässt. Der Plot wird zudem undurchsichtiger und in seiner Dramaturgie holprig. All das will modern wirken und den Figuren Tiefe geben, doch letztendlich hätte ich lieber mehr vom klassischen, neuen Bond gesehen.

Fazit

Wie bereits bei der ersten Sichtung teilt sich meine Wahrnehmung von „Casino Royale“ in zwei Teile: die wirklich fantastisch unterhaltsamen ersten zwei Drittel und das etwas aufgesetzt wirkende Finale. Insgesamt ein erfrischender Neustart der Reihe, der viel Spaß macht und meine Vorfreude auf die beiden Nachfolger kräftig anschürt. Zudem eignet er sich durchaus zum wiederholten Anschauen, was stets ein gutes Zeichen ist: 8/10 Punkte.

Cloud Atlas (2012)

Nachdem die letzte Nacht wieder einmal recht kurz war und der heutige Tag der Arbeit größtenteils zum Arbeiten genutzt wurde, war ich heute kaum noch in Stimmung für einen längeren Filmabend. Da meine Frau jedoch gerade die Vorlage beendet hat, bot sich die Sichtung von „Cloud Atlas“ an, der – nach anfänglichem Zögern – in den letzten Wochen mein Interesse geweckt hatte. Ob sich die knapp drei Stunden gelohnt haben und ob ich tatsächlich wach geblieben bin, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Literaturverfilmung und Tom Tykwer. Wer muss da nicht an „Das Parfum“ (übrigens meine erste Besprechung, die auf diesem Blog kommentiert wurde) denken? Doch „Cloud Atlas“ ist noch größer, noch epischer, noch internationaler angelegt, was sowohl an der Vorlage liegt, als auch daran, dass sich Tykwer den Regiestuhl mit den Wachowski-Geschwistern – ihres Zeichens für die „Matrix“-Trilogie verantwortlich – geteilt hat. Was ich von David Mitchells Roman wusste, fand ich eher anstrengend und so erwartete ich 180 Minuten, die meine volle Aufmerksamkeit fordern würden und von denen mich nur ein Bruchteil unterhalten könnte. Verkopftes Kunstkino, das man gesehen haben sollte, um mitreden zu können. Glücklicherweise lag ich mit meiner Einschätzung komplett daneben.

Während der ersten Szenen war ich zugegebenermaßen ziemlich verwirrt und froh jemanden mit Kenntnis des Romans neben mir zu haben. Doch bereits als man zum zweiten Mal in jeden Erzählstrang eintauchte, was bereits innerhalb der ersten 10 Minuten geschieht, hatten mich die Geschichten gepackt und – was noch erstaunlicher ist – ich habe dieses wilde Sammelsurium an Zeitsprüngen, Charakteren und Genres als eine funktionierende Geschichte gesehen. Hinzu kommt, dass von Verkopftheit oder erzwungenem Arthouse-Stil absolut nichts zu spüren ist. Man kann der Handlung eindeutig folgen, wird dennoch zum Mitdenken angeregt und das Wichtigste: Ich wurde blendend unterhalten.

Aufgrund der fragmentierten Erzählweise bekommt man alle paar Minuten ein neues Genre präsentiert: Drama, Komödie, Thriller, Sci-Fi und Fantasy geben sich die Klinke in die Hand. Leider kein Wunder, dass der Film kein großer Erfolg an der Kinokasse war. So etwas muss man dem breiten Publikum erst einmal verkaufen. Ich dagegen fand es toll. Ich mochte die Botschaft des Films, die Inszenierung, seine Sprunghaftig- und Lebendigkeit, ja selbst das nicht immer perfekte Make-up. Ein großes, fantastisches Filmexperiment, das – zumindest für mich – nahezu perfekt aufgegangen ist.

Ich könnte nun noch viel schreiben. Aktuell bin ich noch verzaubert von dem Filmerlebnis, das wohl noch ein paar Tage nachwirken wird. Es war nicht alles perfekt, doch habe ich bereits jetzt Lust mich noch einmal auf diese epische Reise zu begeben. Und ich will das Buch lesen. Am liebsten sofort. Kann es ein schöneres Kompliment für einen Film geben? Wer offen für Neues, nicht auf Genres festgelegt ist und keinen philosophischen Diskurs erwartet, den könnte „Cloud Atlas“ mindestens ebenso gut unterhalten, wie mich. Das wünsche ich euch: 9/10 Punkte.

Zorn der Titanen – OT: Wrath of the Titans (2012)

Nach einem ereignislosen und doch irgendwie recht anstrengenden Samstag, konnte ich kaum noch Energie für die dringend nötige Abendunterhaltung aufbringen. Doch wollte ich die Woche nicht komplett ohne Film vorüberziehen lassen – und da erinnerte ich mich daran, dass „Zorn der Titanen“ noch ungesehen im Regal vor sich hinschlummerte. Also Hirn aus und ab in die US-Popcorn-Version der griechischen Mythenwelt…

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Der Vorgänger, der 2010er „Kampf der Titanen“, hatte mir bereits viel Spaß bereitet, wenngleich es sich auch nicht wirklich um einen guten Film handelt. Vom Nachfolger erhoffte ich mir somit auch nicht mehr, spricht: fetzige Monster, schöne Landschaftsaufnahmen und mitreißende Action. Dies sollte ich zu Beginn auch bekommen: Die Handlung schickte sich zwar an noch dämlicher zu sein, als die des Vorgängers, doch versprach die Unterwelt als neuer Schauplatz immerhin interessanter zu werden, als der glitzernd aufpolierte Olymp. Auch Perseus erster Kampf gegen die Chimäre war mitreißend gefilmt und ließ auf eine Steigerung hoffen – jedoch weit gefehlt und nach 15 Minuten hatte ich den besten Teil des Films bereits hinter mir gelassen.

Gab es in „Kampf der Titanen“ zumindest noch eine Gruppe von Gefährten, die durchaus ein wenig Charakter besaßen, so kann man dies von der neuen Truppe rund um Perseus leider nicht behaupten. Hinzu kommt, dass sich die Szenen in der Unterwelt – trotz teils bombastischer Schauwerte – schnell als noch schlimmeres Schmierentheater herausstellen, als die Szenen im Olymp es bereits waren. Und das heißt etwas. Auch die folgenden Kämpfe sind leider keine Steigerung, sondern eher nervig inszeniert und inhaltlich unmotiviert. Selbst der große Endkampf ist nur ein blasser Abklatsch gegen den des Vorgängers – nur statt Kraken und Wasser gibt es nun eben Kronos und Feuer.

In einigen Szenen kam jedoch tatsächlich eine nette Abenteueratmosphäre auf. So fand ich das Labyrinth sehr schön gestaltet und wirklich atmosphärisch umgesetzt. Leider jedoch werden unsere Helden auch hier in austauschbare Action gestürzt und der Abenteueraspekt schnell links liegen gelassen. Weiterhin fand ich die Effekte größtenteils wirklich gelungen und den Film schön anzusehen. Unterhalten wurde ich somit durchaus, doch eine weitere Fortsetzung brauche ich nun wirklich nicht mehr: 4/10 Punkte.

The Dark Knight Rises (2012)

Was war das im vergangenen Jahr wieder für ein Hype um den neuen Batman-Film. Nach dem Kinostart hörte man dann größtenteils enttäuschte Stimmen. Obwohl ich die ersten beiden Teile der Superheldentrilogie beim zweiten Durchgang wirklich zu schätzen gelernt habe, ließ ich mir mit meiner Sichtung von „The Dark Knight Rises“ erst einmal Zeit. Inzwischen hat sich der Staub gelegt und somit konnte ich mir nun endlich eine eigene Meinung bilden…

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Die Erwartungen waren hoch, keine Frage. Ich weiß jetzt noch, wie überrascht ich damals war, dass „The Dark Knight“ alle Rekorde brach. Sicher hatte auch schon „Batman Begins“ das Genre aufgewirbelt, doch erst der Nachfolger öffnete – vermutlich zusammen mit „Iron Man“ – dem Genre alle Türen. Superheldenfilme waren nun nicht mehr nur für die Geeks und Comicleser interessant, sondern in der breiten Masse angekommen. Besonders Nolans realistischer Ansatz schien auf fruchtbaren Boden zu fallen und somit erwartete mit „The Dark Knight Rises“ wohl jeder Typ von Zuschauer den perfekten Abschluss seiner Superheldentrilogie.

Wäre Christopher Nolans Trilogie eine TV-Serie, dann wäre – so hart es klingt – der zweite Teil von vielen Zuschauern wohl als reine Füllepisode wahrgenommen worden. Zwar mit wichtiger Charakterentwicklung, doch für die übergreifende Handlung eher unwichtig. Eigentlich. „The Dark Knight Rises“ schlägt viel mehr Brücken zum ersten Teil, sowohl inhaltlich, als auch stilistisch. Bane ist eine Bösewicht mit Motivation, das macht ihn einerseits langweiliger, als den grandiosen Joker, andererseits aber auch bedeutsamer. Weiterhin wird der Mythos weitergesponnen und Schauplätze, wie The Pit, oder Bösewichte, wie die League of Shadows, sind eher fantastisch angehaucht und stellen somit engere Bezüge zu „Batman Begins“ dar, was mir durchaus gefallen hat.

Aus „The Dark Knight“ entliehen sind dagegen aktuelle sozialpolitische Themen und die Bedeutsamkeit, mit der die Handlung erzählt wird. Auch wenn man die Geschichte bestimmt knapper hätte erzählen können, so fand ich sie jedoch nicht übermäßig komplex oder zerfahren, wie ich in einigen Kritiken gelesen hatte. Ich konnte der Handlung stets folgen und gelangweilt wurde ich auch zu keinem Zeitpunkt. Sicher gibt es einige Zufälle und dramaturgische Schwächen, doch sehe ich Nolans Batman-Filme auch immer noch als das, was sie sind, nämlich Comicverfilmungen.

Mal abgesehen von dem großen Hype und enttäuschten Erwartungen, ist „The Dark Knight Rises“ ein absolut gelungenes Finale der Trilogie. Mitreißend, spannend und unterhaltsam. Qualitativ nehme ich den Film in etwa so wahr, wie die ersten beiden Teile bei meinen ersten Sichtungen, das heißt auch für das Finale besteht durchaus noch Steigerungspotential: 8/10 Punkte.

Winter’s Bone (2010)

Seltsamerweise hatte mich der Film bis zur heutigen Sichtung nicht sonderlich interessiert. Obwohl „Winter’s Bone“ größtenteils sehr gut besprochen wurde, brachte ihn erst die kürzlich vermehrte Medienpräsenz von Jennifer Lawrence auf meinen Radar. Und obwohl mir nach einer vollen Arbeitswoche eher nach seichter Unterhaltung war, habe ich mich letztendlich an die düstere Literaturverfilmung herangewagt. Ob das die richtige Entscheidung war?

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Wenn ich den Film mit nur wenigen Worten beschreiben wollte, dann wären diese wohl: bedrückend und doch hoffnungsvoll. Bedrückend ist das Setting, die Lebensumstände der gezeigten Charaktere und die damit verbundene Ausweglosigkeit. Hoffnungsvoll ist einzig und allein die von Jennifer Lawrence („Die Tribute von Panem: The Hunger Games“) fantastisch gespielte Hauptfigur Ree – doch ihr aufopferungsvolles und zugleich anpackendes Wesen ist genug, um diesen Aspekt des Films zu tragen und ein Gegengewicht zu all der bedrückenden Trostlosigkeit zu schaffen.

„Winter’s Bone“ ist kein fröhlicher Film und doch hat er seltsam schöne Szenen. Selbst die ausgewaschenen Landstriche besitzen eine gewisse Ästhetik, der man sich nur schwer entziehen kann. Rees Suche nach ihrem Vater ist alles andere als effekthascherisch inszeniert und doch wirkt ihre Reise unwahrscheinlich bedeutend. Das Ergebnis der Suche ist dabei beinahe schon vernachlässigbar und im Mittelpunkt stehen eher Begegnungen und einzelne Situationen. Der dokumentarische Look unterstreicht dabei die Unmittelbarkeit. Auch wenn die eigentliche Geschichte am Ende des Films abgeschlossen scheint, so habe ich diese Welt, die einem im Unterhaltungskino sonst nicht gezeigt wird, mit sehr gemischten Gefühlen verlassen.

Weder die Handlung noch die Inszenierung sind sonderlich aufregend. Der Film lebt in meinen Augen von seinem Setting, den tollen Schauspielern (größtenteils Laien aus der Region) und eben dem dokumentarischen Erzählstil. Unbedingt sehenswert, jedoch kein Film, den ich mir einmal im Jahr anschauen würde: 8/10 Punkte.

The Cabin in the Woods (2011)

Obwohl es gestern Abend aufgrund eines langwierigen Kampfes mit den nicht schlafen wollenden Kindern eigentlich schon viel zu spät war, habe ich dennoch an meinem Plan festgehalten und mir endlich „The Cabin in the Woods“ angesehen. Immerhin soll es sich hierbei um die neue Offenbarung im Horrorgenre handeln, die von niemand geringerem als Joss Whedon geschrieben und produziert wurde – meine Vorfreude war folglich enorm. Spoiler sind zu erwarten.

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Auch wenn es wirklich nicht einfach war, so gelang es mir doch größtenteils Spoiler zu vermeiden – leider nur größtenteils, denn ich hatte leider den Trailer gesehen und dieser liefert leider (wie eben so oft) viel zu viele Informationen. Danach hatte ich bis zur Sichtung gestern Abend lange Zeit mir meine eigene Geschichte zusammen zu reimen – und leider muss ich sagen, dass diese Kopfkino-Version gelungener war, als das was ich letztendlich zu sehen bekam. Sorry, Joss. Dabei fing alles so gut an und die erste Filmhälfte hält einige herrliche Szenen parat. Schon alleine der Epilog: Bradley Whitford („The West Wing“), Richard Jenkins („Six Feet Under“) und die bezaubernde Amy Acker („Angel“) liefern sich ein whedonesques Wortgefecht – was kann man mehr wollen?

Ich fand es herrlich, dass auch die typischen Opfer durchaus Charakter hatten und ihre stereotypen Eigenschaften erst durch die Puppenspieler verpasst bekommen haben. Besonders die Darstellung dieses ungewöhnlichen Bürojobs hat mir ausgezeichnet gefallen. Typische und nur allzu bekannte Bürothemen (z.B. Telefonat über Lautsprecher) wurden aufgegriffen und mit besonderem Twist erzählt. Herrlich! Zwar zeichnete sich schon in der ersten Filmhälfte ab, wohin sich die Geschichte bewegen sollte, doch insgesamt hatte ich zu diesem Zeitpunkt wirklich noch enorm viel Spaß mit dem Film.

Auch die zweite Filmhälfte war mit ihrer Monsteraction durchaus unterhaltsam, doch hätte ich mir hier weniger Splatter und mehr Inhalt gewünscht. Vielleicht war ich auch nur enttäuscht, dass Whedon nicht mein Kopfkino umgesetzt hatte. Auf jeden Fall fand ich den Grund für das ganze Spektakel extrem schwach. Opfergaben für irgendwelche alten Götter? Also doch nur ein weiteres Horrorklischee. Dabei hätte man so viel aus der Idee machen können. Ich hatte mir z.B. ausgemalt, dass die Puppenspieler für ein Filmstudio arbeiten, weil sich gezeigt hat, dass man mit echter Angst mehr Erfolg an der Kinokasse hat und jeder Horrorfilm seit Jahren auf diese Weise gedreht wird. Auch hatte ich erwartet, dass die Monster nur inszeniert sind und nicht eine echte Zombie-Redneck-Torture-Family usw. aus dem Hut gezaubert wird – insgesamt also mehr Spiel mit Fiktion, unserer Wahrnehmung des Genres und mehr Anspielungen auf die Filmbranche.

Insgesamt bin ich wohl tatsächlich etwas enttäuscht, wenngleich ich „The Cabin in the Woods“ auch nicht schlecht fand. Ein großer Spaß für Genrefreunde, denen ich jedoch zunächst „Tucker & Dale vs. Evil“ ans Herz legen würde. Nett, witzig und mit teils herrlichen whedonesquen Dialogen, doch weit davon entfernt der „Scream“ der 2010er Jahre zu sein: 7/10 Punkte.

Nachts im Museum 2 – OT: Night at the Museum: Battle of the Smithsonian (2009)

Aktualisierung: Ich habe „Nachts im Museum 2“ am 27. November 2021 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Wie bei der Besprechung des ersten Teils angekündigt, habe ich heute – nach inzwischen knapp vier Jahren – Shawn Levys „Nachts im Museum 2“ nachgeholt. Eigentlich wären noch unzählige andere Filme im Regal gestanden, denen ich lieber den Vorzug gegeben hätte, doch Krankheit und Müdigkeit forderten exakt diese Art der seichten Unterhaltung ein…

Nachts im Museum (2006) | © 20th Century Fox

Nachts im Museum 2 (2009) | © 20th Century Fox

„Night at the Museum: Battle of the Smithsonian“ ist die typische Fortsetzung eines Erfolgsfilms: eine leicht veränderte Handlung, mehr Action und Effekte und ein erweitertes Ensemble. War bereits die Geschichte des ersten Teils nur Makulatur, so ergibt sich die Fortsetzung endgültig in ihr Spiel mit den lebendig gewordenen Ausstellungsstücken. Dies war nicht anders zu erwarten und hat mich auch nicht gestört, denn die Ideen sind nett, der Humor lädt zum Schmunzeln ein und das Herz irgendwie am rechten Fleck.

Einen deutlichen Pluspunkt kann die Besetzung mit Amy Adams verbuchen, die die Flugpionierin Amelia Earhart wunderbar charmant und übermütig verkörpert. Hank Azaria als Oberbösewicht ist zwar reichlich albern, doch sehe ich ihn einfach immer wieder gerne und auch hier macht er seine Sache wirklich gut. Die anderen Stars rund um Ben Stiller sind spielfreudig und lassen auch im zweiten Teil die 100 Minuten wie im Flug vergehen.

Letztendlich muss man auch „Nachts im Museum 2“ nicht gesehen haben, doch fand ich es zumindest schön abermals das Smithsonian zu besuchen – und für mehr Film hätte meine Aufmerksamkeit heute sowieso nicht mehr gereicht. Nett, harmlos und dennoch irgendwie unterhaltsam: 6/10 Punkte.

Wer ist Hanna? – OT: Hanna (2011)

Nach einer 60-Stunden-Woche (zugegebenermaßen in zwei Jobs) war mein Kopf gestern Abend eigentlich nicht mehr sonderlich aufnahmefähig, doch die neuen Filme stapeln sich und somit habe ich „Wer ist Hanna?“ in den Player geschoben. Ich hatte sehr gemischte Meinungen darüber gelesen, fand jedoch den Trailer interessant genug, um mich zu einer Sichtung hinreißen zu lassen…

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Erwartet hatte ich im schlimmsten Fall eine uninspirierte Kopie von „Die Bourne Identität“, sprich einen weiteren Agententhriller nach Schema F. Auf die Geschichte trifft das auch zu und die gesamte Handlung fände wohl auf einer Briefmarke Platz. Für mich ist „Hanna“ – so der Originaltitel – jedoch einer der wenigen Filme, die sich hauptsächlich durch ihre formalen Merkmale definieren – und, was selten vorkommt, dennoch exzellent funktionieren. Hinzu kommt die titelgebende Hauptfigur, die den Film meiner Meinung nach mühelos trägt, da man diese fremdartige und seltsam künstlich wirkende Welt durch ihre Augen kennenlernt. Eine fantastische Leistung von Saoirse Ronan (Susie Salmon, „In meinem Himmel“).

Man könnte erwarten, dass durch die überstilisierte Inszenierung im Zusammenhang mit dem hypnotischen Elektroscore von THE CHEMICAL BROTHERS – der Jugend der 90er noch durch ihren Hit BLOCK ROCKIN‘ BEATS bekannt – eine große Distanz zu den Charakteren aufgebaut wird, doch überraschenderweise wirken diese sehr lebendig und innerhalb ihrer stilisierten Welt glaubwürdig. Überhaupt ist die märchenhafte Atmosphäre die ganz große Stärke des Films, da sie uns auf eine Wahrnehmungsebene mit Hanna bringt.

Wie soll man also „Wer ist Hanna?“ am besten beschreiben? Agententhriller? Roadmovie? Actionfilm? Irgendwie etwas von all dem und doch dominiert kein Element die anderen eindeutig. Der Film passt in keine Schublade und wenn man ihn in eine stecken wollte, müsste man für diese wohl die Kategorie Actionmärchen erfinden. Auch wenn der Film inhaltlich nicht besonders ausgefeilt ist, so überzeugt er doch durch seine Charaktere und kann durch seine formalen Aspekte beeindrucken. Ich freue mich jetzt schon auf die nächste Sichtung: 8/10 Punkte.