Troja – OT: Troy – Director’s Cut (2004)

Gestern Abend gab es einmal wieder die verlängerte Version eines großen Filmerfolgs. Seit den Extended Editions von Peter Jacksons Mammutwerk schossen – besonders im Historienfilm – neue Schnittversionen aus allen Löchern (u.a. „Gladiator“). Nur selten konnte man sich als Zuschauer jedoch auf richtige Director’s Cuts (z.B. „Königreich der Himmel“) freuen. Meist wollten die Produzenten noch einmal das schnelle Geld machen. Nach der Ankündigung des Director’s Cut von Wolfgang Petersons „Troja“ hatte ich demnach erst einmal gemischte Gefühle – zumal ich die Kinoversion zwar nett fand, aber weit von der Spitze der Historienfilme entfernt.

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Bei „Troja“ hat sich letztendlich herausgestellt, dass die vorliegende neue Schnittfassung den Film tatsächlich aufwertet. Den Charakteren wird deutlich mehr Tiefe verliehen, die Schlachtszenen sind expliziter und es wird sich mehr Zeit für Details genommen. Bei der Kinofassung hatte ich den Eindruck, dass alles unglaublich gehetzt wirkt. Hier vergeht nun tatsächlich etwas Zeit, bevor die Spartaner in Troja aufschlagen. Es gibt Vorbereitungen und Entscheidungen werden nachvollziehbarer. Bei den folgenden Schlachtszenen wird nun auch nicht mehr an Blut und Gekröse gespart. Darüber mag man geteilter Meinung sein, für mich macht es jedoch Sinn, da die Schlachten so authentischer wirken und der Zuschauer nicht mehr eine nur verharmlosende Version zu sehen bekommt.

Wer allerdings erwartet mit dem Director’s Cut einen komplett neuen Film zu sehen, den muss ich enttäuschen. „Troja“ bleibt „Troja“. Mit Brad Pitt als Achilles und Orlando Bloom als Paris. Achilles wird immer noch als selbstverliebter Egomane charakterisiert und seine Wandlung zum wahren Helden wirkt immer noch etwas plötzlich – wenngleich auch nicht mehr ganz so abrupt wie in der Kinofassung. Die Figur des Achilles wirkt auf mich immer noch zu modern und zu clean. Brad Pitt kann ich mir in der Rolle ja durchaus vorstellen, aber warum muss er stets herumlaufen wie frisch aus dem Ei gepellt? Meine Probleme mit Achilles kann leider auch der Director’s Cut nicht beseitigen.

Insgesamt stellt dieser neue Cut von „Troja“ eine deutliche Verbesserung zur Kinofassung dar, wenngleich niemand einen gänzlich anderen Film erwarten sollte. Wenn ihr „Troja“ im Kino mochtet, dann werdet ihr den Film nun wohl noch besser finden. Wenn ihr nichts mit ihm anfangen konntet, dann vergesst auch den Director’s Cut. Für mich ist „Troja“ immer noch ein gut inszenierter Historienfilm mit großartiger Kulisse und tollen Bildern. Äußerst unterhaltsam, aber zu schwach für die Spitzenplätze des Genres: 8/10 Punkte.

Die Piratenbraut – OT: Cutthroat Island (1995)

Aktualisierung: Ich habe „Die Piratenbraut“ am 26. August 2023 zusammen mit den Kindern erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Manchmal könnte man meinen es hätte zwischen der Ära des Errol Flynn und der „Fluch der Karibik“-Reihe keine Piratenfilme gegeben. Doch bereits 8 Jahre vor dem ausufernden Piratenmärchen um Cpt. Jack Sparrow inszenierte Renny Harlin („Cliffhanger“, „Deep Blue Sea“) mit „Die Piratenbraut“ einen der teuersten Filme der Kinogeschichte – und einen ihrer größten Flops. Warum es so kam? Meiner Meinung nach war Renny Harlin seiner Zeit einfach voraus. Den Rest hat schlechtes Marketing besorgt.

Die Piratenbraut (1995) | © STUDIOCANAL

Die Piratenbraut (1995) | © STUDIOCANAL

„Cutthroat Island“ handelt von einer Piratenfamilie, deren Mitglieder im Besitz jeweils eines Teils einer Schatzkarte sind. Wie Piraten nun einmal so sind, entbrennt schon bald ein Kampf um die Kartenteile. Zu unserer Piratenbraut Morgan Adams (Geena Davis) gesellt sich nach kurzer Zeit ein Taugenichts (Matthew Modine), der die Jagd nach dem Schatz mit dem nötigen Humor auflockert. Des Weiteren gibt es Schlägerein, Seegefechte, karibische Inseln, blaues Meer und einen wahren Schurken – also alles, was ein zünftiger Piratenfilm benötigt.

Besonders im Vergleich zu „Fluch der Karibik“ gibt es so einige Parallelen: Ausführliche Kameraflüge über detailliert nachgebaute Piratenschiffe und karibische Inseln. Dazu ein bombastischer Score, der zudem weit mehr Individualität besitzt als jener aus der Hans Zimmer’schen Schmiede. Die Geschichte ist simpel und bietet viel Action und Humor. Allein die Fantasyelemente fehlen – und natürlich Cpt. Jack Sparrow. Doch abgesehen davon ist „Die Piratenbraut“ in keinster Weise schwächer, als der Blockbuster aus dem Hause Disney.

Fazit

Im Mittelpunkt steht natürlich Geena Davis. Wenn man ihr nicht komplett abgeneigt ist und mit einer Figur die irgendwo zwischen Pippi Langstrumpf und Lara Croft angesiedelt ist leben kann, dann macht „Cutthroat Island“ so richtig viel Spaß. Ich kann dieses bombastisch inszenierte Piratenabenteuer jedem Freibeuter empfehlen. Besonders jenen, denen „Fluch der Karibik“ gegen Ende zu effektlastig und konstruiert war. Ihr werdet eure helle Freude haben: 8/10 Punkte.

Keinohrhasen (2007)

Wer hätte gedacht, dass sich mein wohl letzter Kinobesuch dieses Jahr einen Platz unter meiner 2007er Kino-Top 3 sichern würde? Wer hätte gedacht, dass dies ein Film von und mit Til Schweiger sein könnte? Ich nicht! Ich bin mit der Erwartung in „Keinohrhasen“ gegangen, einen Kinobesuch für meine Frau zu absolvieren. Eine romantische Komödie eben. Eventuell nett, aber nichts besonderes. Nun holt sich hinter „Pans Labyrinth“ und „Ratatouille“ doch tatsächlich Til Schweiger die diesjährige Bronze-Medaille. Kaum zu glauben.

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Meine Beziehung zu deutschen Beziehungskomödien habe ich ja bereits dargelegt. Dort konnte man auch lesen, dass ich Til Schweiger in „Wo ist Fred?“ überraschend gut fand. Was ich heute gesehen habe, hätte ich jedoch nicht für möglich gehalten. Herrn Schweiger ist tatsächlich die beste romantische Komödie gelungen, die ich seit „Notting Hill“ gesehen habe – und das mag etwas heißen! Vergesst die typische TV-Optik der deutschen Beziehungskomödien. Vergesst die Verklemmtheit der amerikanischen Pendants. Vergesst peinlichen Fäkalhumor. Hier paaren sich schmissige Dialoge mit urkomischen Slapstickeinlagen. Rührende Szenen mit bissiger Satire. Zudem durfte ich erstmals gelungene Gastauftritte von deutschen Komikern erleben. Wer hätte das gedacht!

Die Geschichte gewinnt sicherlich keinen Preis: Ein ungleiches Paar. Eine graue Maus findet die große Liebe. Ein Arschloch wandelt sich zum Traummann. Kurz vor Ende droht er die ganze Chose zu vermasseln, nur um dann genau das Richtige zu tun. Happy End. Doch wie heißt es so schön? Der Weg ist das Ziel. Und was für einen Weg „Keinohrhasen“ beschreitet! Bereits die Eröffnungsszene mit einem herrlich selbstironischen Jürgen Vogel ist das Eintrittsgeld mehr als wert. Weiterhin nimmt der Film kein Blatt vor den Mund. Egal ob es um Sex, Hollywood, deutsche TV-Stars oder ein berühmtes Boulevardmagazin geht. Wirklich erfrischend.

Besonders hervorheben möchte ich die Inszenierung. Hier gibt es keine vollkommen willkürlichen Farbkombinationen, wie so oft im deutschen Kino. Die Farblichkeit orientiert sich an erdigen Herbsttönen. Die Kamera passt sich den warmen Farben an und zaubert stimmige Bilder auf die Leinwand. Der Soundtrack ist zudem perfekt darauf abgestimmt und weiß im richtigen Moment die richtigen Emotionen zu transportieren. Auch hier versteht Til Schweiger sein Handwerk, der übrigens auch als Schauspieler zu überzeugen weiß und gar famos mit der unglaublich erfrischenden Nora Tschirner harmoniert.

Ich kann jedem, den diese überschwängliche Kritik nun verwundert, nur empfehlen sich „Keinohrhasen“ anzusehen. Es mag an der weihnachtlichen Zeit liegen, doch wurde ich lange nicht mehr so gut und erfrischend unterhalten. Ich bin wahrlich glücklich und mit einem Grinsen auf dem Gesicht aus dem Kino gekommen. Til Schweiger hat sich für mich damit rehabilitiert und sein Name soll in Zukunft keine abschreckende Wirkung mehr in Bezug auf meine Filmwahl haben. Ich werde sogar Ausschau nach seinem vorherigen Film „Barfuss“ halten. Ein wirklich rundum gelungener Film: 9/10 Punkte.

Blade Runner – Final Cut (1982)

Gestern Abend habe ich endlich Ridley Scotts Final Cut von „Blade Runner“ gesehen. Mit kaum einem Film verbindet mich mehr. Bereits bevor meine generelle Liebe zum Film ausgebrochen ist, hatte ich diesen Sci-Fi-Meilenstein ins Herz geschlossen. Damals – ich schätze um 1995 – war in meinem Freundeskreis das Rollenspielfieber ausgebrochen. Wir spielten „Shadowrun“ und machten die nahe Zukunft unsicher. Im Zuge dessen hielt ich Ausschau nach Filmen, deren Handlung in einem ähnlichen – von Cyberpunk geprägtem – Universum angelegt war. Ich fand eine VHS von „Blade Runner“ (Director’s Cut Fassung).

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Nach der ersten Sichtung war ich etwas enttäuscht, da ich mir mehr Action und mehr Cyberpunk erwartet hatte. Doch es sollte nicht lange dauern, da zog mich der Film wieder magisch an. In den nächsten Jahren folgten unzählige Sichtungen. Als ich um 1997 die Welt des Internets betrat, führten mich meine ersten Ausflüge auf Fanseiten des Films. Ich las von einem Kinocut und von ausführlichen Theorien. Las von der Vorlage und kaufte mir daraufhin Philip K. Dicks „Do Androids Dream of Electric Sheep?“ – ich war begeistert. Vor allem davon, was Ridley Scott aus der Vorlage gemacht hatte. Erstmals wurde mein Interesse für Adaptionen geweckt. Für deren Kunst. Vorab kannte ich nur „Die unendliche Geschichte“ und „Jurassic Park“ als mehr oder weniger gelungene Beispiele.

Mit Einführung der DVD hat schließlich die Wartezeit begonnen. Ich wollte „Blade Runner“ in besserer Qualität sehen. Am besten inklusive Kinocut. Da bereits recht früh (um 2000) erste Gerüchte bezüglich einer restaurierten neuen Schnittfassung im Umlauf waren, beschloss ich auf die erste Veröffentlichung des Director’s Cut zu verzichten. Heute (immerhin 7 Jahre später) halte ich endlich die ultimative Fassung – inklusive Kino- und Director’s Cut – in den Händen. Ein wahres Fest für den geneigten Fan.

Nun aber zum Film: Immer noch grandios. Ich kann die meisten Dialoge noch mitsprechen und die Bild- und Tonqualität ist ein Traum. Unterschiede zum Director’s Cut konnte ich – bis auf vielleicht zwei Szenen – allerdings nicht feststellen. Aber das macht nichts, denn meiner Meinung nach war dieser bereits perfekt. Man wird in diese Welt hineingesogen. In diesen Schmelztiegel der Kulturen. Diese düstere Zukunft. Diese Welt, in der sich der Mensch zum Schöpfer erhebt. Zum Herren über Leben und Tod. Die philosophischen Ansätze sind heute aktueller denn je. Ein großer Film. Ein Film für die Ewigkeit.

Besonders herausragend ist die Inszenierung. „Blade Runner“ ist wohl einer der formal perfektesten Filme. Man merkt hier deutlich Ridley Scotts Ursprünge als Art Director und sein Talent für visuelle Gestaltung. Auch der Einfluss des berühmten Industriedesigners Syd Mead ist in jeder Einstellung vorhanden. Vangelis schafft es zudem den bombastischen visuellen Eindruck durch seinen minimalistischen und ungewöhnlichen Score zu verstärken. Bild und Ton bilden eine untrennbare Einheit. Das ist wahre Kunst.

Erwähnen muss ich auch noch die perfekt gecasteten Schauspieler. Allen voran Harrison Ford, der den Blade Runner perfekt verkörpert. Hart und verletzlich zugleich. Mit Rutger Hauer („Hitcher: Der Highway Killer“, „Split Second“) wurde zudem der perfekte Gegenspieler besetzt. Hauer schafft es den Replikanten mit einer derartigen emotionalen Tiefe zu spielen, dass ich bei seiner letzten Szene regelmäßig eine Gänsehaut bekomme. Seine bis heute beste Leistung. Des Weiteren habe ich bei der gestrigen Sichtung festgestellt, woher ich den Darsteller des mysteriösen Gaff kenne: Es ist niemand anderes als Edward James Olmos (Admiral William Adama, „Battlestar Galactica“).

Ridley Scotts „Blade Runner“ ist für mich immer noch einer der besten Filme aller Zeiten – auch im Final Cut. Die Frage ob Deckard nun ein Replikant ist wird weiterhin Generationen beschäftigen. Eine endgültige Antwort liefert auch diese Schnittversion – sieht man einmal von Ridley Scotts direkten Aussagen ab – nicht. Einer der wenigen Filme, die die Bezeichnung Meisterwerk verdienen: 10/10 Punkte.

Roy Batty: ‚I’ve seen things you people wouldn’t believe. Attack ships on fire off the shoulder of Orion. I watched C-beams glitter in the dark near the Tannhauser gate. All those moments will be lost in time, like tears in rain.‘

Prädikat: Lieblingsfilm

Schöne Bescherung – OT: Christmas Vacation (1989) (WS1)

Ich sehe „Schöne Bescherung“ jedes Jahr und bespreche den Film danach auf meinem Blog. Du möchtest die komplette Dosis Griswolds? Du findest alle Besprechungen hier!

Neben „Die Feuerzangenbowle“ und „Ist das Leben nicht schön?“ gehört das Griswold-Abenteuer „Schöne Bescherung“ wohl zu den unbestrittenen Klassikern der Weihnachtsfilms. Als Kind verging für mich kaum ein Jahr ohne ein Wiedersehen mit Clark Griswold im vorweihnachtlichen Stress. Seitdem ich die DVD mein Eigen nenne, sind die Besuche im Hause Griswold auch heute wieder regelmäßiger geworden.

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Im Gegensatz zur letztjährigen Sichtung, habe ich mich dieses Mal wieder für die synchronisierte Variante entschieden. Es mag daran liegen, dass mir so manche Szenen doch recht platt vorgekommen sind. Doch das hat dem Film keinen Abbruch getan. So sind sie eben, die Griswolds. Albern, tollpatschig, sympathisch und stets mit einem Funken erschreckendem Realismus versehen. Die Tücken der Vorweihnachtszeit werden gnadenlos auf die Spitze getrieben und mit einem Hauch Schwachsinn garniert. Diese Mischung trifft dann auch ziemlich genau das, was mir in dieser angeblich so besinnlichen Zeit öfter durch den Kopf geht: Die Menschen scheinen noch einen Tick verrückter geworden zu sein.

Lange Rede, kurzer Sinn: „Schöne Bescherung“ ist immer noch bzw. immer wieder ein perfekter Weihnachtsfilm. Trotz all der aufgezeigten negativen Seiten wird eine angenehm wohlige Weihnachtsatmosphäre verbreitet – und ist es nicht das, was wir uns alle insgeheim von einem Weihnachtsfilm erwarten? Immer wieder schön: 9/10 Punkte.

Die Feuerzangenbowle (1944)

Manche Filme gehören einfach in bestimmte Jahreszeiten. So auch „Die Feuerzangenbowle“ (1944). Zwar besitzt der Film für mich keinen Eventcharakter, doch waren wir gestern bei Freunden eingeladen, die den Film jedes Jahr zur Weihnachtszeit mit Glühwein und Wunderkerzen an ihrer Uni gesehen hatten. Somit bin auch ich nach einigen Jahren einmal wieder in den Genuss dieses Komödienklassikers gekommen, der mir aus meiner Kindheit noch recht gut im Gedächtnis war.

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Zum Inhalt muss ich hier wohl keine großen Worte verlieren. Ich vermute jeder Leser kennt die Geschichte um Doktor Johannes Pfeiffer mit drei F (Heinz Rühmann), der noch einmal die Schulbank drückt um dort verpasste Erfahrungen nachzuholen. Die Handlung wird entsprechend einfach erzählt und es gibt keine Überraschungen oder sonstige Auffälligkeiten. Der Film lebt von seinem Charme, seinen tollen Darstellern und seinem – wie ich finde – unglaublich guten comic timing. Da könnte sich so manch aktuelle Komödie einige Scheiben von abschneiden.

„Die Feuerzangenbowle“ (1944) ist übrigens ein Remake des 1934 entstandenen Films „So ein Flegel“ – ebenfalls mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle. Man sieht also: Bereits damals waren gute Geschichten nicht davor gefeit noch einmal erzählt zu werden – manchmal sogar mit großem Erfolg.

Dieser deutsche Filmklassiker überzeugt heute noch genauso, wie vor Jahren und wie er weiterhin überzeugen wird. Ein Film für die Ewigkeit, der eine besser restaurierte DVD-Veröffentlichung verdient hätte. Absolut sehenswert: 9/10 Punkte.

Die fetten Jahre sind vorbei (2004)

Es gibt wenige Bereiche in meinem Leben, in denen ich mich als Patriot sehe. Film gehört definitiv dazu. Meiner Meinung nach ist der deutsche Film weit besser, als sein Ruf. Es fehlt oft einzig und allein an Geld und Mut – zwei Faktoren, die leider untrennbar miteinander verknüpft sind. Das Ergebnis sind daher meist uninspirierte Komödien oder zu schwere Dramen. Umso mehr freue ich mich daher über Filme, wie Hans Weingartners „Die fetten Jahre sind vorbei“. Filme, die Mut beweisen. Die anders sind. Die aktuell und aufwühlend sind – und sich in kein vorgegebenes Genre pressen lassen. So sollte der junge, deutsche Film aussehen.

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„Die fetten Jahre sind vorbei“ handelt im Grunde von einer Idee. Zwar verpackt in Revolution, Freundschaft und Liebe. Letztendlich bleibt nach dem Film aber vor allem eines bestehen: eine Idee. Ein Gedanke. Ein Anstoß. Der Film präsentiert keine Lösung. Er ist nur in zweiter Instanz als Kapitalismuskritik zu verstehen – wenn überhaupt. Es werden hier Argumente für beide Parteien präsentiert. Es entsteht ein Dialog. Ideen werden ausgetauscht. Ideale vehement verteidigt. Hier liegt auch die wahre Stärke von Weingartners Film. Der Zuschauer wird zum Mitdiskutieren eingeladen. Zum Finden seines Standpunkts. Zum aktiven Denken. Am Ende bleibt eine Idee. Eine Vorstellung. Zumindest mich hat der Film immer noch nicht losgelassen.

Auch vom inszenatorischen Standpunkt her gesehen, fand ich den Film sehr gelungen. Durch die Verwendung von digitalem Video und Handkameras fühlt man sich mittendrin. Unmittelbar dabei. Ein sehr gelungenes Beispiel für die Art der dokumentarischen Inszenierung. Ebenso frisch und lebensecht wirkt das Spiel der Darsteller. Das Ensemble (Daniel Brühl, Julia Jentsch, Stipe Erceg und Burghart Klaußner) ist grandios und vermittelt die verschiedenen Stimmungen absolut glaubwürdig. Auch die Musikuntermalung kann voll und ganz überzeugen. Der Einsatz von HALLELUJAH – in der schönen Cover-Version von JEFF BUCKLEY – mag etwas berechnend erscheinen, doch letztendlich passt der Song hier wie die Faust aufs Auge. Man wird die Szenen der inneren Umbrüche nicht so schnell vergessen.

Kritik muss ich etwas am Ende üben. Es war zu losgelöst. Zu aufgesetzt. Zu einfach. Ich hätte es vermutlich am besten gefunden man wäre a) mit Eintreten der Türe aus dem Film gegangen – auch wenn hier die Charaktere der Erziehungsberechtigten etwas gelitten hätten – oder b) mit dem Auffinden der letzten Botschaft. Variante b) stellt übrigens das Ende der internationalen Fassung (Titel: „The Edukators“) dar. Das deutsche Ende ist erst in einem Nachdreh entstanden, den ich – zumindest meiner Meinung nach – als unnötig erachte.

„Die fetten Jahre sind vorbei“ ist sicherlich einer der besten deutschsprachigen Filme der letzten Jahre. Ich bin nun neugierig auf die weiteren Werke Hans Weingartners geworden und werde meine Augen nach „Das weiße Rauschen“ offen halten. Ein – trotz nicht perfektem Ende – wahrlich beeindruckender Film: 9/10 Punkte.

Der Goldene Kompass – OT: The Golden Compass

Für Fantasy-Freunde sind seit Peter Jacksons grandioser Verfilmung von J.R.R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“-Trilogie wahrlich bessere Zeiten angebrochen. Stellte das Genre für Filmstudios zuvor nur ein unkalkulierbares Risiko dar, so scheint heute jeder Fantasyfilm das große Geld abzuwerfen. Auch wenn die Qualität häufig auf der Strecke bleibt und auf ausgetretenen Pfaden gewandelt wird, so freue ich mich dennoch über jeden neuen Film des Genres. Mit „Der Goldene Kompass“  ist Chris Weitz („American Pie“, „About a Boy“) ein überzeugender Auftakt zur Verfilmung von Philip Pullmans „His Dark Materials“-Trilogie gelungen.

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Anders als bei „Der Herr der Ringe“ oder „Die Chroniken von Narnia“ besuchen wir in „Der Goldene Kompass“ kein klassisches Fantasy-Universum. Die Welt erinnert an das Zeitalter der Aufklärung. Große Universitäten prägen das Bild. Forschung und die Verneinung derselben sind ein zentrales Thema. Eine regierungsähnliche Einrichtung – das Magisterium – versucht den freien Willen der Menschen einzuschränken. Die Menschen in dieser Welt sind zudem anders. Ihre Seele wohnt in Dæmonen. Tieren. Vertrauten. Untrennbar verbunden.

In dieser Welt wird die Geschichte von Lyra – einem selbstbewussten, kleinen Mädchen – erzählt. Anscheinend gibt es eine Prophezeiung, die ihr einen besonderen Stellenwert in diesem Universum einräumt. Und nicht nur in diesem. Durch sogenannten Staub scheint eine Reise in Paralleluniversen möglich. Das Magisterium versucht jedoch dessen Existenz zu verheimlichen. Viel mehr Licht wird in diesem ersten Teil der Trilogie jedoch nicht ins Dunkel gebracht. Die Geschichte konzentriert sich vorerst darauf, die verschiedenen Völker der Welt vorzustellen und Lyra auf ihrer Suche nach ihren verschwunden Freunden zu begleiten.

Für mich als Zuschauer, dem die Vorlage unbekannt ist, ist es anfangs schwierig sich in der Welt mit ihren Regeln zurecht zu finden. Zudem schien mir vieles etwas gehetzt und vernachlässigt. So muss es auch dem Teil des Publikums ergangen sein, das die Vorlage zu „Harry Potter und der Orden des Phönix“ nicht kannte. Da ich generell jedoch empfänglich für Fantasy bin, konnte ich mir einige Zusammenhänge selbst erklären und die Lücken somit auffüllen.

Besonders gut hat mir diese andere Welt gefallen, die ihre ganz eigenen Regeln besitzt und so gar nicht in typische Schemas passen will. Leider jedoch ist der Aufbau des Films umso mehr nach Schema F gestrickt: Die bedeutungsschwangere Stimme, die uns in die Welt einführt. Die lange Reise. Und der obligatorische Schlusskampf. Hier hat sich New Line leider zu sehr an bekannte Strukturen geklammert. Natürlich kann das auch an der Vorlage liegen, doch hätte ich mir hier etwas mehr Eigenständigkeit gewünscht.

Insgesamt kann ich „Der Goldene Kompass“ allen Fantasy-Freunden empfehlen. Für die kommenden Teile hege ich große Hoffnungen. Ein durchaus gelungener Auftakt: 7/10 Punkte.

Der letzte König von Schottland – OT: The Last King of Scotland (2006)

Vor einiger Zeit habe ich auf der Arbeit in irgend einem Manager-Magazin etwas über Idi Amin gelesen. Ich war zugleich fasziniert und abgestoßen. Zwar war mir die Terrorherrschaft Amins auch davor ein Begriff, doch rückte hier erstmals die Person in den Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit. Zur gleichen Zeit war die DVD von „Der letzte König von Schottland“ im Angebot, was mir als gute Möglichkeit erschien, mich etwas mehr mit dem Thema zu beschäftigen – wenn auch nicht sonderlich zeitnah. Immerhin bin ich gestern nun endlich dazu gekommen, mir den Film anzusehen.

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Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Giles Folden. Idi Amin wird hier durch die Augen eines schottischen Arztes gezeigt. Eines fiktiven schottischen Arztes, der eine fiktive Geschichte in einem nur zu realen Umfeld erlebt. Die Figur des ugandischen Präsidenten umgeben viele Legenden. Grausamkeiten. Unvorstellbare Grausamkeiten. Doch hat ihn das Volk geliebt und teils liebt es ihn auch heute noch. Der im Film gezeigte Idi Amin scheint ziemlich nah an der Realität, wenngleich einige Details seiner Persönlichkeit auch der Spekulation und der Auslegung von Zeitzeugenberichten entsprungen sind.

Inszenatorisch wirkt der Film sehr dokumentarisch, was kein Wunder ist hat Regisseur Kevin Macdonald doch zuvor große Erfolge mit den Dokumentarfilmen „Ein Tag im September“ und „Sturz ins Leere“ gefeiert. Zugleich wähnt man sich tatsächlich in den 70ern. Nicht nur Kleidung, Musik und Architektur lassen die Zeit auferstehen, auch die Inszenierung – starke Zooms, Farbgebung und Montage – sind typisch für die Zeit von Amins Herrschaft.

Neben der gelungenen Inszenierung stechen besonders die famosen Darsteller hervor. Allen voran Forest Whitaker, der hier wirklich eine herausragende Darbietung liefert. Fein nuanciert und mit einer Präsenz, die der des echten Idi Amin in nichts nachsteht. Wahrlich famos und zu Recht mit einem Oscar gewürdigt.

Probleme hatte ich – um es einmal drastisch auszudrücken – etwas mit der Erzählweise. Durch die Sicht aus den Augen seines Leibarztes (James McAvoy, „Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia“) wirkt die Beziehung zu Amin sehr persönlich. Fast schon zu persönlich. Irgendwie hätte ich mir hier mehr Fokus auf Amin und seine innere Gedankenwelt gewünscht. Auch seine Greueltaten gehen beinahe etwas unter. Zwar werden sehr persönliche Grausamkeiten gezeigt, doch das Verbrechen am ugandischen Volk wird in ein paar Sätzen abgehandelt. Die Ausmaße seines Terrorregimes werden somit etwas abgeschwächt. Vielleicht wäre ein klassischer rise and fall Ansatz hier effektiver gewesen.

Trotz meiner Kritikpunkte ist „The Last King of Scotland“ ein äußerst sehenswerter Film, der dem Schrecken ein menschliches Gesicht gibt. Sicherlich einer der besseren Oscar-Filme. Erschreckend und faszinierend zugleich. Grandios gespielt, fantastisch inszeniert und toll erzählt: 8/10 Punkte.

Species

Als Jugendlicher habe ich viele Filme gesehen. Besonders Horror-, Sci-Fi- und Actionfilme standen damals auf dem Programm. Die meisten habe ich heute wieder vergessen, doch einige haben im Freundeskreis größere Popularität erlangt. So auch „Species“, der mit seiner Mischung aus Sex, Splatter und Science-Fiction genau die richtigen Zutaten enthielt. Ob der Film nach knapp 10 Jahren immer noch überzeugen kann?

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Die Geschichte um den männermordenden Alien-Mensch-Klon hat durchaus seine Momente. Natasha Henstridge hat macht immer noch eine gute Figur und die etwas andere Monsterhatz birgt durchaus Unterhaltungswert. Leider fallen mir die Schwächen des B-Movies – und nichts anderes ist „Species“ – heute umso deutlicher auf: Das Expertenteam handelt teils so dämlich, dass man sich beinahe in einer Parodie wähnt. Die Charaktere bleiben blass und fallen dem Zuschauer unglaublich auf die Nerven. Was bitte sollte das mit Forest Whitakers Figur? Alles Zutaten für einen höchstenfalls durchschnittlichen B-Movie.

Nett fand ich dagegen Schauspieler zu sehen, die mir damals noch nichts sagten. Michelle Williams („Dawson’s Creek“, „Brokeback Mountain“) spielt beispielsweise das junge Alien und Marge Helgenberger („CSI: Las Vegas“) ist als Biologin zu sehen. Das Spiel mit geschlechtsspezifischen Klischees fand ich auch unterhaltsam, doch leider wird hier viel dem reinen Effekt geopfert. Schade.

Am Ende bleibt ein Monsterfilm mit netter Grundidee und effekthascherischer Umsetzung. Durchaus unterhaltsam, aber einfach zu durchschnittlich um heute noch wirklich überzeugen zu können. Dann lieber zum dutzendsten Male „ALIEN“. Mit großem Nostalgiebonus: 6/10 Punkte.