Species II

Da mich die Grippe ereilt hat und ich mich ohne pochende Kopfschmerzen nur sehr beschränkt am Rechner aufhalten kann, habe ich mir heute einen Film ausgesucht, über den es nicht viel zu sagen gibt: „Species II“ – der übertrieben trashige Nachfolger eines ohnehin nicht herausragenden 90er Jahre „ALIEN“-Klons.

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Was es über den Vorgänger zu sagen gab, gilt auch für diese typische Fortsetzung. Nur angereichert mit mehr Sex und Gore. Die Story bleibt nahezu unverändert und selbst einige Darsteller haben den Sprung in den zweiten Teil geschafft. Eine zweifehafte Leistung. So stolpern Michael Madsen und Marge Helgenberger von einem Logikfehler zum nächsten. Allein die Auftritte von Natasha Henstridge sorgen für einige – zumindest optische – Highlights.

Verwundert war ich über einige neue Gesichter: So geben James Cromwell (George Sibley, „Six Feet Under“) und Peter Boyle (Frank Barone, „Everybody Loves Raymond“) ihr Stelldichein. Was sie zu dieser Rollenwahl bewegt hat? Hoffentlich nur das leicht verdiente Geld.

Mehr zu schreiben wäre „Species II“ nicht wert und würde nur meinem Kopf schaden. Absolut trashiges Sci-Fi-Kino mit zuviel Blut, einem schlecht geschriebenen Drehbuch und mangelnder Selbstironie. In manchen Teilen recht unterhaltsam, aber auch nur dann, wenn man etwas für dieses Genre übrig hat: 3/10 Punkte.

Starship Troopers (1997)

Es muss irgendwann 1996/97 gewesen sein, da sah ich im Kino einen Teaser in dem hunderte von riesigen Insekten über einen Wüstenplaneten rannten. Diese Szene allein hat war für mich ausreichend genug, um zu wissen: ‚Das muss ich sehen!‘ Der Titel des vorgestellten Films: „Starship Troopers“. Ein gutes Jahr später war es dann soweit und Paul Verhoevens Sci-Fi-Satire lief in den Kinos an. Das Problem: Frei ab 18 – glücklicherweise wurde im alten Admiral Kinopalast damals nicht wirklich streng kontrolliert, so dass einer ungetrübten Sichtung nichts im Wege stand. Bis heute einer meiner eindruckvollsten Kinobesuche.

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Bis heute folgten etliche Sichtungen. Anfangs noch auf Videotheken-VHS, inzwischen auf DVD – und immer noch kann mich der Film bestens unterhalten. Ich glaube es gibt nicht viele andere Werke, die so viele Genres beinhalten: Teenie-Romanze, Militärklamotte, astreine Sci-Fi-Action und bitterböse Satire. All das und noch viel mehr ist „Starship Troopers“. Am stärksten wiegen wohl die satirischen Elemente, die sich wie ein roter Faden durch die Geschichte ziehen. Umso unverständlicher, warum der Film bei uns auf dem Index steht. Es gibt wohl nicht viele Filme, die Krieg und Militarismus so kritisch gegenüberstehen. Schon sehr merkwürdig, meine Damen und Herren von der BPjS.

Neben den satirischen Spitzen funktioniert der Film auch perfekt als Sci-Fi-Abenteuer. Dank der starken Soap Opera-Anteile wird man sehr schnell in die Geschichte hineingesogen und mit den Figuren vertraut. Ein Klischee jagt hier das nächste – und ehe man sich versieht, erwischt einen der nächste satirische Hieb wieder völlig unvorbereitet. Ein ziemlich geniales Konzept, das Verhoeven hier noch konsequenter umsetzt, als im thematisch verwandten „RoboCop“.

Neben den rein inhaltlichen Werten liefert „Starship Troopers“ auch so einiges für das Auge. Mir als VFX-Freak ist besonders die grandiose Kombination aus CGIs und practical effects aufgefallen. Wirklich famos. Ich möchte gar nicht überlegen, was hier alles an Planung nötig gewesen ist. Der Schnitt trägt sein übriges dazu bei, den Film in jeder Szene glaubwürdig erscheinen zu lassen.

Eine besondere Erwähnung ist mir noch Neil Patrick Harris (Barney, „How I Met Your Mother“) wert, der hier in einer wirklich gänzlich anderen Rolle zu sehen ist. Für mich das Tüpfelchen auf dem i in einem nahezu perfekten Film. Unbedingt sehenswert: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Nobody ist der Größte – OT: Un genio, due compari, un pollo (1975)

Gestern Abend habe ich eine Reise zu den Wurzeln meiner Filmleidenschaft unternommen. Ich habe „Nobody ist der Größte“ gesehen. Zu diesem Film hege ich eine ganz besondere Beziehung: Es war der erste Film, den ich abends komplett ansehen durfte. Es war irgendwann während meiner Grundschulzeit und bis dahin war spätestens um 21:00 Uhr Zapfenstreich angesagt. Doch dann kam Nobody. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, ob damit das lange Aufbleiben eingeläutet wurde oder ob es ein Einzellfall war. An diesen einen Abend erinnere ich mich jedoch noch ganz genau.

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Mir fällt es aufgrund meiner besonderen Beziehung zu dem Film natürlich schwer, eine nachvollziehbare Bewertung abzugeben – somit wird diese Filmbesprechung noch weniger objektiv, als die restlichen. Bei den Kritikern hat „Nobody ist der Größte“ ja bekanntermaßen einen schweren Stand. Besonders im Vergleich zu seinem gelungenen Vorgänger „Mein Name ist Nobody“ kann man einen qualitativen Rückschritt kaum bestreiten. Dennoch muss man den Film meiner Meinung nach mit anderen Augen sehen: In der Fortsetzung – die eigentlich nichts mit dem ersten Teil zu tun hat – hat die Figur des Nobody den wilden Westen schon fest im Griff. Der Wandel ist bereits vollzogen. Somit sollte man „Nobody ist der Größte“ auch als reinen Spaßwestern im Geiste der Trinity-Filme sehen und nicht als Abgesang auf den klassischen Spaghettiwestern, wie ihn noch der Vorgänger zelibrierte.

Abgesehen von allen offensichtlichen Schwächen bietet der Film auch für das kritische Auge tolle Szenen. Das Duell mit Klaus Kinski ist wahrlich grandios und als Nobody Kinskis Charakter in einer der Folgeszenen einfach aus dem Fenster wirft, dann ist das schon nahe an großem Kino dran. Auch wenn die Geschichte des Films nur aus Versatzstücken besteht so ist sie doch äußerst unterhaltsam und kann mit tollen Figuren (z.B. der rotbärtige Captain samt Tochter) und nett anzusehenden Darstellern (Miou-Miou) aufwarten.

Für mich ist „Nobody ist der Größte“ ein echter Kindheitsklassiker. Auch heute noch freue ich mich über so manch bekannte Szene und den schelmischen Witz von Terence Hill. Damals wurde zudem eine Ära eingeläutet: Die Ära der Bud Spencer- und Terence Hill-Filme. Trotz Schwächen ganz klare 8/10 Punkte.

Aviator – OT: The Aviator

Gestern Abend habe ich einmal wieder einen Film gesehen, dessen Sichtung ich viel zu lange vor mir hergeschoben hatte: „Aviator“ – der potentielle Oscar-Favorit 2005 von Martin Scorsese.

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Wie wir heute wissen, gab es 2005 keinen Regie-Oscar für Scorsese – dieser folgte zwei Jahre später für „Departed: Unter Feinden“. Für welches Werk er nun gerechtfertigter gewesen wäre? Darüber lässt sich streiten. Sicher ist auf jeden Fall, dass „Aviator“ noch weiter von der klassischen Regie Scorseses entfernt ist, als der Film für den er letztendlich den Oscar gewann. Dies mag am Genre liegen, doch auch abgesehen davon ist die Verfilmung der Biographie von Howard Hughes eher der typische Oscar-Film und lässt leider etwas die Eindringlichkeit eines „Casino“ oder gar „GoodFellas“ vermissen.

Ich habe die Sichtung von „Aviator“ sichtlich genossen. Er ist mit Sicherheit einer der besten typischen Oscar-Filme und Werken wie „A Beatiful Mind“ meilenweit überlegen – dennoch hat er meiner Meinung mit einigen Problemen zu kämpfen. Ich ziehe zum Vergleich wieder einmal „GoodFellas“ heran – für mich das Meisterwerk unter den rise and fall Filmen. Hier wird in kürzester Zeit ein Charakter in allen Facetten aufgebaut. Es werden alle wichtigen Lebensabschnitte gezeigt und sowohl Sympathien als auch Antipathien geschaffen. In „Aviator“ gelingt das nur bedingt. Es bleibt etwas der Eindruck, als hätte Hughes Zeit seines Lebens nur unter seiner Zwangsneurose gelitten und die Begründung wird in Form von Flashbacks etwas plump eingeschoben. Für mich hat etwas der umfassende Eindruck gefehlt. Zu viel Zeit wurde auf Nebensächlichkeiten – zwar grandios inszeniert, aber dennoch – verwendet und zu wenig auf die Charaktere.

Die Inszenierung ist über jede Kritik erhaben. Ein perfekter Augen- und Ohrenschmaus. Wunderbar anzusehen und doch beinahe etwas langweilig und ohne Biss. Vielleicht ist das der Fluch der gezielten Oscar-Filme. Meine Kritik mag sich nun harscher anhören, als sie letztendlich gemeint ist. „Aviator“ ist in seinen besten Momenten wahrlich großes Kino – in seinen schwächsten allerdings nur ein durchschnittliches Biopic.

Erwähnenswert finde ich noch das wirklich herausragende Spiel von Leonardo DiCaprio. Auch die weiblichen Hauptdarsteller Cate Blanchett und Kate Beckinsale können auf ganzer Linie überzeugen. Unzählige kürzere Auftritte von Stars wie Alec Baldwin, Jude Law, Willem Dafoe, Ian Holm und Edward Herrmann runden den positiven Gesamteindruck ab.

„Aviator“ ist sicherlich nicht Scoreses Meisterwerk. Doch kann der Film als Biopic über Howard Hughes durchaus überzeugen. Schauspiel und Inszenierung sind über jeden Zweifel erhaben, wenngleich dem Film Scorseses persönliche Note etwas abgeht. Für Filmfreunde dennoch auf jeden Fall eine Sichtung wert: 8/10 Punkte.

Saw IV (2007)

Ene mene mu und der neue Killer bist du! So oder so ähnlich müssen wohl die Drehbuchsitzungen bei „Saw IV“ abgelaufen sein. Aber mal ehrlich: Hätte ich das nicht erahnen können? Bestimmt. Ich hätte eher meine ursprüngliche Reaktion nach „Saw III“ beherzigen sollen und eben nicht auf den Fortsetzungszug aufspringen. Doch wie das so ist mit guten Vorsätzen…

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Das was ich zu „Saw III“ geschrieben habe, kann man eigentlich auch für den Nachfolger stehen lassen: Übertriebene Fallen, kaum Identifikationsfiguren und fehlende Spannung. Allein Scott Patterson („Gilmore Girls“, „Aliens in America“) hat mir in dieser für ihn ungewöhnlichen Rolle recht gut gefallen. Positiv sind auch wieder die Rückblenden hervorzuheben, die dem Film wenigstens ansatzweise ein erzählerisches Grundgerüst bieten. Ansonsten gibt es leider nicht mehr viel Gutes zu berichten.

Ja, die Fallen. Blut und Gekröse halt. Vielleicht nicht mehr so übertrieben wie im dritten Teil, aber dennoch oft unnötig und nicht wirklich der Handlung dienend. Aber so ist es bereits seit der ersten Fortsetzung. Schwer wiegt leider auch die unausgegorene Erzählstruktur. Was das mit der Obduktion Jigsaws sollte? Ich weiß es nicht. Letztendlich wurde in diesem Teil der Filmreihe einzig und allein ein neuer Bösewicht eingeführt. Das hätte man auch in fünf Minuten abhandeln können und degradiert die eigentliche Handlung um Agent Strahm (Patterson) und Rigg zur reinen Farce.

„Saw IV“ ist eben eine typische „Saw“-Fortsetzung. Ungemein erfolgreich und letztendlich eine Aneinanderreihung von abstoßenden Szenen. Das ganze ist dann aber wieder gerade so atmosphärisch und liefert wieder ein winziges Puzzlestückchen mehr zum Filmuniversum, dass man den Film doch nicht so verdammt, wie er es vermutlich verdient hätte. Eine geniale Marketingmaschine: 3/10 Punkte.

Cars (2006)

Aktualisierung: Ich habe „Cars“ am 2. Oktober 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Bisher habe ich jeden Pixar-Film gesehen und für grandios befunden. Die meisten davon sogar im Kino. Selbst den Animationsklassiker „Toy Story“ durfte ich im Kino bewundern. Ein Film des californischen Studios ist jedoch an mit vorbeigezogen: „Cars“ – und das obwohl hier einmal wieder John Lasseter auf dem Regiestuhl („Toy Story“, „Toy Story 2“, „Das große Krabbeln“) saß.

Cars (2006) | © Walt Disney

Cars (2006) | © Walt Disney

Warum ich auf „Cars“ nicht sonderlich heiß war, möchte ich kurz erklären: Zunächst einmal bin ich kein sonderlicher Autofreak. Wenn Freunde oder Kollegen in Ausstattungsmerkmale aktueller PS-Boliden schwelgen, entlockt mir das nur ein müdes Gähnen. Das ist irgendwie nicht meine Welt. Für mich ist ein Auto ein Fortbewegungsmittel – nicht mehr und nicht weniger. Zudem hat sich der Film in eine gänzlich andere Richtung bewegt, als von mir erwartet. Nach der ersten Ankündigung hatte ich bereits ein festes Bild im Kopf: Eine Welt in denen Autos – von Menschen unbemerkt – ein eigenes Leben führen. Ähnlich wie „Toy Story“ nur eben mit lebenden Autos anstelle von Spielzeugen. Als dann eine reine Autowelt präsentiert wurde, war ich schwer enttäuscht.

Da Pixar eben Pixar ist und mich noch nie enttäuscht hat, habe ich dem Film – trotz eher verhaltener Kritiken und meiner eigenen Vorbehalte – eine Chance gegeben. Die ersten 15 Minuten dachte ich dann: ‚Okay, das wird der erste Pixar-Film, der mich kalt lässt.‘ PS-Boliden rennen um die Wette, überall nur Autos, eine laute und tösende Inszenierung. Keine Charaktere. Nur Action. Schnitte im MTV-Stil. Und all das in einem Pixar-Film. Unglaublich.

Doch schon bald war der Spuk vorbei und es wurde klar, dass die Darstellung der Rennwelt so extrem inszeniert war um einen Kontrast zu dem darzustellen, was noch folgen sollte: Die ruhige Abgeschiedenheit von Radiator Springs. Hier gibt es noch wirklich Automobile mit Charakter – und plötzlich hat auch die Welt der Autos angefangen für mich zu funktionieren. Liebevolle Details (VW-Käfer), liebenswürdige Charaktere, grandiose Bilder. Plötzlich war wieder alles da, was einen Pixar-Film ausmacht. Allein die Geschichte gewinnt hier keinen Blumentopf. Sie wurde schon dutzende Male (u.a. in „Doc Hollywood“ mit Michael J. Fox) erzählt und bietet wenig Neues. Allerdings kann „Cars“ mit anderen Stärken Punkte sammeln: Die Animation der an sich starren Blechkarossen ist grandios. Ich konnte mich gar nicht daran satt sehen. Auch Landschaften, Licht und Ausstattung. Ein Traum für jeden CGI-Freund.

Fazit

„Cars“ ist sicherlich nicht der stärkste Pixar-Film. Vermutlich sogar der schwächste. Doch was bedeutet das schon? Ich war auf jeden Fall mehr als positiv überrascht und werde bestimmt noch öfter in dem kleinen Städtchen an der Route 66 vorbeischauen: 9/10 Punkte.

Die Verurteilten – OT: The Shawshank Redemption

Es gibt einige hochkarätige Filme da draußen, die sich nicht so wirklich ins kollektive Gedächtnis der Zuschauer gebrannt haben. Zu diesen gehört Frank Darabonts „Die Verurteilten“ – und spätestens jetzt höre ich erste Protestschreie. Man darf jedoch nicht vergessen, dass ihr – die Leser dieses Beitrags – echte Filmfreunde seid. Ihr beschäftigt euch mit der Materie und setzt euch mit dem Medium auseinander. Spricht man jedoch den Einmal-im-Jahr-Kinobesucher auf „Die Verurteilten“ an, dann erntet man meist nur einen fragenden Blick.

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Unter Filmfreunden wird „The Shawshank Redemption“ dagegen schon seit Jahren zurecht gefeiert. Auch bei der gestrigen Sichtung – endlich auf einer dem Film gerecht werdenden DVD – war ich wieder verblüfft, wie perfekt Darabont den Film umgesetzt hat. Das fängt schon beim Drehbuch an, das eine unglaublich gut funktionierende Dramaturgie besitzt. Selbst die Zeitsprünge – immerhin über einen Zeitraum von 20 Jahren – werden elegant und beinahe schon nebenbei in die Geschichte eingeflochten. Hier merkt man das Zusammenspiel mit der Inszenierung. Wieder perfekt. Keine Spielereien, keine aufgesetzten Effekte. Altmodisches Erzählkino im allerbesten Sinne.

Die Geschichte nach Steven King entwickelt eine unglaubliche Sogwirkung, was klar den wunderbar gezeichneten und gespielten Figuren zu verdanken ist. Tim Robbins und Morgan Freeman erweisen sich als perfekte Besetzung. Da ist es wieder. Das kleine Wörtchen pefekt. Es gibt meiner Meinung nach wirklich nur wenige Filme, die man in allen Kategorien als fehlerfrei bezeichnen kann – eben als perfekt.

Selbst die anscheinend nicht sonderlich originelle Handlung hat sich zum Archetypen des Gefängnisfilms entwickelt. Sieht man sich heute thematisch verwandte Geschichten an, dann wird man schnell feststellen, dass „Die Verurteilten“ Pate stand. Man nehme nur einmal „Prison Break“ – die Kameraflüge über das Gefängnis, die archetypischen Charaktere, selbst der Fluchtversuch. Ohne Darabonts Meisterwerk wäre die Serie in dieser Form wohl nicht denkbar gewesen.

„Die Verurteilten“ sei allein Filmfreunden – und solchen, die es werden wollen – wirklich ans Herz gelegt. Wunderbar gespieltes und inszeniertes Erzählkino der alten Schule. Ein perfektes Filmerlebnis mit magischen Szenen: 10/10 Punkte.

Barfuss

Nach der überaus positiven Sichtung von „Keinohrhasen“ habe ich mir gestern Abend nun Til Schweigers Vorgängerfilm „Barfuss“ angesehen. Ich finde man merkt deutlich, dass diese beinahe schon sanfte Liebeskomödie dem deutschen Kinohit von 2007 vorausging. Schweiger hat anscheinend seinen Inszenierungsstil – der ihm in „Der Eisbär“ noch abging – gefunden.

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Die Geschichte ähnelt zunächst der des Nachfolgers: Ein scheinbar egoistischer Typ. Ein ungewollter Job. Eine gegensätzliche Beziehung. Jedoch merkt man schon bald, dass die Stimmung eine gänzlich andere ist. Zwar durchaus humorvoll, doch schwerer und tragikomischer als im lockeren und ziemlich direkten Nachfolger. „Barfuss“ lebt hier auch sehr von der anrührenden Naivität mit der Johanna Wokalek ihren neurotischen Charakter portraitiert. Auch Til Schweiger kann in gefühlvollen Szenen überzeugen – wenngleich die Figur des Nick Keller in großen Teilen doch wieder sehr seinem filmischen Archetypen entspricht.

So sehr sich „Barfuss“ in Sachen Inhalt von seinem Nachfolger unterscheidet, so sehr ähneln sich die Filme in Sachen Inszenierung. Erdige Herbsttöne treffen auf stimmungsvolle Einstellungen und werden mit einem ausgewählten Soundtrack garniert. Trotz aller Übereinstimmungen merkt man dem Film auch deutlich an, dass Schweiger bzw. sein Team hier noch viel probiert hat. In manchen Einstellungen fand ich das color grading nicht sauber genug oder die Montage teils zu holprig. In meinen Augen wirkte „Keinohrhasen“ ist Sachen Inszenierung bereits gefestigter und reifer. Ein deutlicher Fortschritt.

Die schöne Geschichte und die gelungene Inszenierung machen „Barfuss“ zu einer sehenswerten romantischen Komödie, die – im Gegensatz zu „Keinohrhasen“ – etwas Abseits vom Mainstream läuft: Körperliche Liebe wird hier nicht einmal am Rande thematisiert. Auf jeden Fall sehenswert: 7/10 Punkte.

Before Sunset (2004)

Mit Richard Linklaters „Before Sunset“ habe ich gerade eine der wohl ungewöhnlichsten Fortsetzungen der Filmgeschichte gesehen. Neun Jahre – sowohl Film- als auch Realzeit – nach „Before Sunrise“ treffen sich Jesse und Celine wieder. Ein unverhofftes und doch erwartetes Wiedersehen. Am meisten wohl von den Fans des Vorgängers.

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Das nächtliche Wien ist dem sonnendurchfluteten Paris gewichen. Jugendlicher Enthusiasmus erwachsenem Realismus. Die surreale Zwischenwelt dem wahren Leben. Neun Jahre. Eine lange Zeit. Celine und Jesse haben sich weiterentwickelt. Sie sind Erwachsen geworden. Haben ihre Träume den Verpflichtungen geopfert. Zumindest teilweise. Doch beide haben nie ihre gemeinsame Nacht vergessen.

„Before Sunset“ geht etwas die Spontanität des Vorgängers ab. Besonders die Rückblenden zu Beginn haben mich anfangs gestört. Doch spätestens wenn beim Durchstreifen der Pariser Gassen die Erinnerungen an die eine – von beiden unvergessene – Nacht aufleben, dann fällt die skeptische Distanz wie ein Vorhang. Man läuft mit durch die Stadt und beteiligt sich – wenn auch nur in Gedanken – an den grandiosen Dialogen. Ich habe mich mindestens ebenso wie Jesse und Celine über das Wiedersehen mit den beiden Charakteren gefreut.

Das Ende kommt ziemlich plötzlich und lässt mich als Zuschauer mindestens ebenso fragend zurück, wie nach dem ersten Teil. Dennoch ist es das einzig konsequente Ende. Das Weiterspinnen der Handlung – ob man nun Romantiker oder Zyniker ist, wie Jesse in seiner Lesung erwähnte – lässt die Figuren weiterleben.

„Before Sunset“ ist für mich eine absolut konsequente und gelungene Fortsetzung des Vorgängers. Die Entwicklung der Charaktere ist absolut glaubhaft und Inszenierung sowie Schauspiel und Dialoge fühlen sich richtig an. Ich habe mich sehr über das Wiedersehen gefreut und würde auch in weiteren neun Jahren wieder mit Celine und Jesse um die Häuser ziehen: 9/10 Punkte.

Black Sheep

Nachdem ich den ersten Trailer von „Black Sheep“ gesehen hatte, wusste ich: Diesen Film muss ich sehen. Manchmal ist es – besonders bei Genrefilmen – eben doch noch die Idee, die zu überzeugen weiß. Ein Zombiefilm mit Schafen. Das gab es zuvor wirklich noch nicht.

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Letztendlich ist Jonathan King jedoch nur eine nette Parodie auf das Genre gelungen. Kein Überflieger und bestimmt kein zweiter „Braindead“ – aber das ist auch völlig akzeptabel. Mich hat „Black Sheep“ von der Stimmung und Erzählweise etwas an „Slither“ erinnert. Kein übermäßig offensichtlicher Humor und durchaus mit ernsthaften Elemente versehen. Allerdings konnte James Gunns Film meiner Meinung nach mit den sympathischeren Figuren aufwarten.

Neben den zu überspitzten und nicht wirklich sympathischen Charakteren hat „Black Sheep“ etwas mit der Grundstruktur der Geschichte zu kämpfen. Der Streit der zwei ungleichen Brüder wirkte auf mich beinahe etwas zu dramatisch für diese Art von Film. Auch hat man es in meinen Augen etwas mit dem color grading übertrieben. Zu stilisierte Bilder sind das Ergebnis.

Neben den oben genannten Schwächen bietet „Black Sheep“ allerdings – besonders wenn es ans Eingemachte geht – wirklich äußerst vergnügliche Unterhaltung. Hier kommt die Idee der Zombieschafe voll zum Tragen und allein die teils bizarren Attacken der wandelnden Wollknäule sind eine Sichtung wert. Die Schaf/Mensch-Hybriden wären dagegen nicht zwangsweise nötig gewesen.

Alles in allem kann ich „Black Sheep“ Genrefreunden durchaus empfehlen. Allerdings sollten sich auch diese nicht zu viel erwarten. Mehr als nette Unterhaltung springt hier leider nicht raus – doch das reicht zumindest für einen vernüglichen Abend: 6/10 Punkte.