Oben – OT: Up (2009)

Aktualisierung: Ich habe „Oben“ am 21. Mai 2022 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Gestern habe ich meinen ersten Film gesehen seit das Zappelinchen in unser Leben getreten ist. Der erste Film seit sieben Wochen. Ich glaube das ist ein neuer Rekord. Was lag also näher, als mit „Oben“ einen kinderfreundlichen (dazu später mehr) Pixarfilm zu sichten? Im Kino hatte ich das Werk meiner liebsten Animationsschmiede leider verpasst und somit war die Vorfreude auf die Heimkinopremiere umso größer.

Oben (2009) | © Walt Disney

Oben (2009) | © Walt Disney

Zunächst einmal muss ich den audiovisuellen Genuss herausstellen, den dieser Film bietet. Ein absoluter Augen- und Ohrenschmaus. Allein dafür hat sich die Anschaffung eines Blu-ray-Players gelohnt. Die Detailverliebtheit Pixars ist abermals unglaublich und ich hätte den Film am liebsten alle paar Minuten angehalten, nur um die Bilder zu bestaunen. Tatsächlich habe ich das auch getan, was allerdings weniger dem Film, als dem Töchterchen geschuldet ist. Filmschauen mit einem nicht schlafen wollendem Kind im Nebenzimmer ist eine ganz neue Erfahrung.

Nachdem mich der Film ästhetisch auf jeden Fall schon für sich gewinnen konnte, stellt sich natürlich die Frage nach dem Inhalt und diesbezüglich hat „Oben“ durchaus gemischte Kritiken bekommen. Alle Kritiker sind sich jedoch einig, dass die ersten zwanzig Minuten des Films das Anrührendste sind, was man je in einem Animationsfilm zu sehen bekam. Auch ich war zutiefst ergriffen und musste die eine oder andere Träne verdrücken. So unglaublich schön. Ich gehe sogar noch weiter und attestiere der gesamten ersten Filmhälfte unwahrscheinliche emotionale Reife, denn auch – oder sogar besonders – nach der Rückblende kann man für Carl Frederickson einfach nur tiefste Verbundenheit empfinden.

Auch die Reise gehört für mich unabdingbar zu den wichtigen Elementen des Films. Das Abenteuer steht für eine tiefe Sehnsucht und treibt unseren Helden unablässig voran. Für mich kam der Bruch mit dem Erscheinen der sprechenden Hunde. Ähnlich wie in „WALL·E“ fällt die zweite Filmhälfte etwas ab, da die neuen Handlungselemente doch etwas fremd in dem bisher eher emotional geprägten Film wirken. Doch nach einer gewissen Zeit machen auch diese Ansätze durchaus Sinn, wenngleich ich mir hier oft eine etwas dezentere Inszenierung gewünscht hätte. Die Szenen in denen Carl die fehlenden Seiten in Ellies Abenteuerbuch entdeckt und er endlich loslassen kann, sind dann einfach wieder nur zutiefst ergreifend.

Aufgrund seines Themas muss ich mich über die Freigabe des Films doch stark wundern. Kein Kind unter 6 Jahren wird die emotionale Tragweite des Films begreifen, geschweige denn verkraften können. Für mich ist „Oben“ – sieht man einmal von den sprechenden Hunden ab – bisher der reifste Film Pixars. Auch der Gewaltlevel hinterlässt bei jüngeren Kindern bestimmt Eindruck, da die bösen Hunde durchaus bedrohlich wirken und auch der Antagonist des Films dieses Mal – im Gegensatz zu den meisten anderen Animationsfilmen – nicht ungeschoren davon kommt.

Fazit

Insgesamt reiht sich „Oben“ für mich nahtlos in die makellose Filmographie Pixars ein. Einige Szenen haben sich sofort in mein Herz gespielt und zählen ab sofort zu meinen Animationsfavoriten. Daneben wirkt der Film teils etwas inkonsequent inszeniert, was jedoch dem Gesamtwerk kaum schadet. Wieder einmal ganz großes Kino: 9/10 Punkte.

District 9 (2009)

Vor ein paar Jahren bin ich über einen Kurzfilm namens „Alive in Joburg“ gestolpert, der mich tief beeindruckt hat. Eine unglaubliche Atmosphäre und teils wirklich verstörend anzusehen. Als ich mitbekam, dass Regisseur Neill Blomkamp mit „District 9“ eine Spielfilmversion seines Kurzfilms plant, kannte meine Begeisterung keine Grenzen. Wie es leider jedoch immer öfter der Fall ist, habe ich den Film im Kino verpasst und musste nun auf die Blu-ray zurückgreifen.

Wow. Was für ein beeindruckender Film. Schon lange habe ich nichts mehr so Außergewöhnliches gesehen. Einen Film, der sich in keine Schublade stecken lässt. Unterschiedlichste Genres und Inszenierungsstile werden hier zusammengewürfelt, nur um am Ende ein absolut beeindruckendes Gesamtbild zu schaffen. Schon alleine dafür muss man „District 9“ eigentlich lieben. Neill Blomkamp hat die Prämisse seines Kurzfilms einerseits erweitert, andererseits aber auch auf gewisse Elemente fokussiert, was der Kinoversion einen etwas anderen Drall gibt.

„District 9“ setzt sich in meinen Augen aus drei Segmenten zusammen. Das erste Drittel des Films ist ziemlich nahe am Kurzfilm und zeigt uns eine bitterböse Satire auf die Apartheid, welche teils urkomisch, oft aber einfach nur erschreckend nahe an der Realität ist. Im zweiten Drittel schwenkt die Handlung auf ein zutiefst menschliches Drama à la „Die Fliege“ (1986) um und lässt den Jäger zum Gejagten werden. Dieses Mittelstück hatte für mich ein paar Längen und Logikfehler, wenngleich es sich in seiner Gesamtheit wunderbar in den Film einfügt. Das letzte Drittel zeigt uns schließlich eine actionhaltiges Buddymovie im Sci-Fi-Setting, welches ziemlich zur Sache geht und wirklich fantastisch aussieht.

Neill Blokamps Film ist nicht immer leichte Unterhaltung. Teils ist es fast schon anstrengend dem Springen zwischen den Genres zu folgen und einen Überblick über den Wechsel zwischen Mockumentary und klassischen Spielfilmszenen zu behalten. Lässt man sich aber auf dieses ungewöhnliche Erlebnis ein, dann wird man mit einem der intensivsten und spannendsten Filme der letzten Jahre belohnt. Nicht perfekt, nicht immer rund, aber stets mitreißend. Ein Film, der mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Das sollte es definitiv öfter geben und somit kann ich nur eine zwingende Empfehlung für alle Filmfreunde aussprechen: 9/10 Punkte.

Sherlock Holmes (2009)

Früher habe ich Guy Ritchies Filme geliebt. Sowohl „Lock, Stock and Two Smoking Barrels“ als auch „Snatch“ waren damals echte Kultfilme in meinem Freundeskreis. Danach habe ich jedoch schnell das Interesse an Ritchies Werk verloren. Erst mit seiner 2009er Interpretation von „Sherlock Holmes“ tauchte er wieder auf meinem Radar auf. Eine zweifelsfrei lohnende Wiederbegegnung. Keine Frage.

Zunächst einmal fällt die grandiose Optik des Films auf. Die Ausstattung ist wahrlich überwältigend. Besonders das detailreiche Bild der Blu-ray lädt öfter einmal dazu ein, einzelne Frames ausführlich zu studieren. Trotz des viktorianischen Settings wirkt der Film unglaublich dynamisch und modern. Hier hat man – auch was die Charaktere angeht – eine äußerst faszinierende Mischung aus klassischem Abenteuer- und modernem Actionfilm geschaffen. Da macht das Zuschauen wirklich Spaß.

Neben der Optik lebt der Film vor allem von seinen Darstellern. Robert Downey Jr. („Ironman“) und Jude Law geben ein herrliches Leinwandpaar, welches eine wunderbare Chemie besitzt. Dabei kann der Film eine homoerotische Spannung zwischen seinen Figuren nicht verleugnen, was auch durchaus zum schrägen Ton des Films passt. Die leider nicht sonderlich tief gehenden Charaktermomente sind auch das Highlight des Films und trösten über so manche Schwäche in der Geschichte hinweg.

Die Handlung ist wirklich nicht sonderlich innovativ. Ein Bösewicht, ein paar falsche Fährten, stimmungsvolle Sets und ein paar knackige Actionsequenzen. Am Ende dann eine wenig überraschende Auflösung samt Showdown. Leider nichts, was besonders lange im Gedächtnis bleiben wird. Das ist leider auch der Knackpunkt, der dem Film letztendlich eine höhere Bewertung verwehrt.

Guy Ritchies „Sherlock Holmes“ ist eine spannend inszenierte und modern visualisierte Interpretation der klassischen Detektivreihe. Der Film macht teils (besonders in seiner Hälfte) unglaublich viel Spaß, gegen Ende enttäuscht die Geschichte dann leider doch etwas. Dennoch sollte man sich den Film alleine aufgrund seiner famosen Optik und den gut aufgelegten Darstellern ansehen. Einfach unterhaltsames Popcornkino: 7/10 Punkte.

Verdammnis – OT: Flickan som lekte med elden

Kaum für das Heimkino erhältlich, habe ich Daniel Alfredsons Verfilmung des Stieg Larsson Bestsellers „Verdammnis“ auch schon gesehen. Wie bei den meisten Adaptionen mir bekannter Bücher waren die Erwartungen relativ hoch, wenngleich mir auch durchaus bewusst war, wie leicht es doch ist enttäuscht zu werden.

Im Gegensatz zur Verfilmung von „Verblendung“ – dem ersten Teil der „Millenium“-Trilogie – waren die allgemeinen Kritiken zum Nachfolger eher verhalten. Auch ich sah dem Film mit gemischten Gefühlen entgegen, da die beiden Fortsetzungen ursprünglich für das Fernsehen geplant waren und nur aufgrund des großen Erfolgs ihres Vorgängers eine Kinoauswertung erfahren haben. Ob sich dies – samt Wechsel auf dem Regiestuhl – tatsächlich auf die Qualität der Umsetzung ausgewirkt hat?

Leider ja. Daniel Alfredson filmte seine Version von Stieg Larssons düsterer Welt deutlich uninspirierter als noch Niels Arden Oplev den Vorgänger. Die Kamera scheint immer ein unbeteiligter Beobachter zu sein. Kühl und distanziert. Auch die Figuren bleiben deshalb auf Distanz zum Zuschauer, was der Geschichte nicht zugute kommt. Durch die fehlende Vision des Regisseurs sieht „Verdammnis“ leider tatsächlich ziemlich oft nach TV-Krimi aus, wenngleich er – aufgrund seiner Romanvorlage – ungleich drastischere Szenen zu bieten hat.

Inhaltlich kann man dem Film keine allzu großen Vorwürfe machen. Die Geschichte wird bis auf das nötigste heruntergekocht, die spannenden Recherchen fehlen natürlich, doch was gezeigt wird macht durchaus Sinn und wird mit viel Liebe zum Detail erzählt. Kenner der Vorlage dürfen sich über größtenteils stimmungsvolle Locations sowie einen spannenden Schlussakt freuen. Neueinsteiger werden dagegen wohl so einige Probleme haben der Geschichte zu folgen.

Ich für meinen Teil bin insgesamt doch recht zufrieden mit dieser Adaption. Etwas mehr Budget und vor allem ein mutigerer Regisseur wären natürlich wünschenswert gewesen. So allerdings kann „Verdammnis“ seinen TV-Look nie ganz abstreifen, was vielen Szenen leider ihre Intensität nimmt. Nicht schlecht, doch da wäre mehr drin gewesen: 6/10 Punkte.

Mary Poppins (1964)

Mit Walt Disneys Kinderbuchverfilmung „Mary Poppins“ bin ich zu einer nostalgische Reise aufgebrochen. Einerseits weil ich den Film seit meiner Kindheit nicht mehr gesehen habe und andererseits, weil er wunderschöne Erinnerungen an das Broadway Musical heraufbeschwört, das ich vor zwei Jahren während meiner Hochzeitsreise gesehen habe.

Man kann wirklich sagen, was man will, doch Disneys Klassiker sind einfach wunderbare Filme. Sie mögen teils naiv erscheinen, es wird viel gesungen, die Geschichte samt ihrer Botschaft ist leicht zu durchschauen und doch verströmen sie unwiderlegbar eine ganz eigene Kinomagie. Mir persönlich fällt es ziemlich leicht diese Filme mit staunenden Kinderaugen zu betrachten. Besonders im heutigen Kino, in dem es besonders angesagt ist der Welt mit möglichst großem Zynismus zu begegnen, finde ich diese Art von Film einfach nur erfrischend und herzerwärmend.

Mit „Mary Poppins“ hat Regisseur Robert Stevensen unter der Aufsicht von Walt Disney ein ganz besonderes Meisterwerk geschaffen. Julie Andrews und Dick Van Dyke spielen ihre Rollen so ungezwungen, dass es eine wahre Freude ist. Die Geschichte wird durch kunterbunte Bilder erzählt, welche man so vorher noch nie auf der Leinwand gesehen hatte. Doch am meisten wissen wohl Richard M. und Robert B. Shermans Songs zu begeistern, welche sich aus der Musicalgeschichte heute nicht mehr wegdenken lassen.

Wie in jedem Disneyfilm gibt es auch hier eine Botschaft, die allerdings – zumindest wenn man sich auf den Film einlassen kann – erfreulich unaufdringlich daherkommt. Überhaupt finde ich es wunderbar, wie viel man auch als Erwachsener aus dem Film mitnehmen kann und komplett auf schwarzen Humor hat man hier schließlich auch nicht verzichtet. Ein wunderbar zeitloser Film, der sich umfassend wohl nur mit dem Wort Supercalifragilisticexpialidocious beschreiben lässt. Absolutes Pflichtprogramm für alle Disney- und Musicalfreunde: 10/10 Punkte.

Drag Me to Hell (2009)

Auf die Sichtung von Sam Raimis „Drag Me to Hell“ hatte ich mich schon sehr lange gefreut. Endlich einmal wieder ein vielversprechender Genrefilm, den besonders die Fans in den Himmel lobten. Ein ziemlich zuverlässiges Qualitätsmerkmal. Folglich konnten meine hohen Erwartungen nicht enttäuscht werden, oder etwa doch?

Zunächst einmal sollte ich vorausschicken, dass ich Sam Raimis frühe Genrebeiträge zwar durchaus gelungen finde, sie aber insgesamt nicht so ins Herz geschlossen habe, wie wohl die meisten Gernefreunde. Für mich ist seine „Evil Dead“-Trilogie dann am gelungensten, wenn sie den Zuschauer zum Lachen bringt. Überzogene Gewalt, hysterische Action und klamaukiger Slapstick. Vermutlich kann ich deshalb auch mit dem ersten Teil – dem in Deutschland zu trauriger Berühmtheit gelangten „Tanz der Teufel“ – am wenigsten anfangen.

Von vielen vergessen ist Raimis Rückkehr ins Genre aus dem Jahr 2000. „The Gift“ ist ein unspektakulärer, aber doch effektiver und atmosphärischer Gruselfilm, der mich damals unruhig auf der Kante des Kinosessels hin und her rutschen ließ. Sehr klassisch und ohne Humor inszeniert. Nach seiner „Spider-Man“-Trilogie kehrte Raimi mit „Drag Me to Hell“ nun erneut in sein Genre zurück und begab sich dabei wieder komplett zu seinen Wurzeln, sprich: Überzogene Gewalt, hysterische Action und klamaukiger Slapstick.

Wie die meisten guten Horrorfilme greift auch „Drag Me to Hell“ aktuelle sozialkritische Tendenzen auf und verarbeitet diese auf mehr oder minder dezente Art und Weise. Dieses Mal sind herzlose Bänker der Auslöser für das über die Charaktere hereinbrechende Böse und man darf sich auf einen besonders kreativen Ansatz zur Tilgung von Hypothekenschulden freuen. Die Geschichte bleibt dabei äußerst oberflächlich und lebt vor allem von ihren herrlich überzeichneten Schockszenen. Absolut ekelerregend und stets unterhaltsam. Der Übergang vom ersten Erschrecken zu hysterischem Lachen ist bei diesem Film wirklich nahtlos.

Kritisieren kann man natürlich die einfach konstruierte Geschichte samt vorhersehbarer Wendung, doch dank des trashigen Charmes mag ich dem Film nicht wirklich böse sein. Bis auf einige schlechte CGI-Effekte ist „Drag Me to Hell“ herrlich altmodisch und nimmt sich selbst alles andere als ernst. Für Genrefreunde kann ich insofern nur eine dicke Empfehlung aussprechen: 7/10 Punkte.

Absolute Giganten (1999)

Der Film war eine meiner ersten DVDs. Ich weiß auch nicht genau, warum ich ihn mir damals gekauft habe. Vermutlich war er einfach günstig. In den ersten Jahren habe ich „Absolute Giganten“ schließlich so oft gesehen wie keinen zweiten Film. Teils nur im Abstand von Monaten. So sehr berührte mich Sebastian Schippers Ode an die Freundschaft.

Es ist fantastisch wieviel diese kleine Film in seinen knapp 80 Minuten zu erzählen weiß. Man kennt seine Figuren ganz genau. Ihre Gefühle, ihre Wünsche und ihre Ängste. Man lebt, lacht und leidet mit ihnen. So als wäre man selbst dabei in dieser einen letzten Nacht. Als würde man selbst Abschied nehmen. Ich kenne keinen zweiten Film, der das Gefühl der Melancholie so wunderbar herzzerreißend einfängt, wie „Absolute Giganten“. Nicht durch große Dialoge, nicht durch eine voranpeitschende Handlung. Nein, allein durch Atmosphäre. Durch den wundervollen Score, durch Blicke und durch die magischen Bilder dieser wundervollen Stadt.

Ich weiß nicht wie er es geschafft hat, doch Sebastian Schipper („Ein Freund von mir“) ist mit seinem Debütfilm etwas ganz Besonderes gelungen. Die Charakatere wirken einfach echt. Ihre Welt wirkt echt. Nicht unbedingt realistisch, aber echt. Vor allem von einem emotionalen Standpunkt aus gesehen. Schippers nächtliches Hamburg ist bevölkert von skurrilen Figuren, welche den Stellenwert dieser letzten Nacht unterstreichen. Irgendwann vergessen unsere Helden, was sie ziel- und ruhelos umtreibt. Sie werden in letzte Abenteuer verstrickt, doch irgendwann sind auch diese überstanden und es graut unausweichlich der Morgen.

Neben einem fantastisch inszenierten Kickerspiel und der wohl besten Tanzchoreografie der Filmgeschichte, bietet „Absolute Giganten“ das poetischste Filmende, das mir jemals untergekommen ist. Wer da keine Träne verdrückt war wohl noch nie an einem Wendepunkt in seinem Leben gestanden, musste noch nie Freunde zurücklassen und hat wohl so einiges verpasst in seinem Leben.

Für mich ist „Absolute Giganten“ ein ganz besonderer Film. Nur wenige Filme schaffen es, etwas so tief in einem drin zu berühren. Obwohl ich ihn bestimmt schon ein halbes dutzend Mal gesehen habe, hat er keine Unze seiner Wirkung verloren. Allen da draußen, die nun skeptisch sind, weil es sich um einen deutschen Film handelt, weil sich der Film nicht richtig einordnen lässt oder weil ihr ihn gerade nicht griffbereit habt, sei gesagt: Geht und schaut euch diesen Film an! Ihr werdet es nicht bereuen. Und wenn doch, dann schaut ihn euch noch einmal an, bis auch euer perfekter Moment hängen bleibt. Es lohnt sich: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Panic Room (2002)

(Es gibt wohl kaum einen Regisseur, dessen gesamte Filmografie so sehenswert ist, wie die von David Fincher. Zumindest in meinen Augen. Nach seinem Ausnahmefilm „Fight Club“ inszenierte er mit „Panic Room“ einen schnörkellosen Thriller, welcher bei den Kritikern unverständlicherweise nicht sonderlich gut angekommen ist. Für mich jedoch eine weitere Glanzleistung im Schaffen Finchers.

Zunächst einmal möchte ich die formalen Aspekte des Films hervorheben. Der Thriller ist unglaublich schön fotografiert. Die Kamerafahrten sind fantastisch. Minutiös geplant und entsprechend ausgeführt. Ohne jeden Zweifel ein audiovisuelles Meisterwerk. Bereits die Eröffnungstitel wirken bedeutungsschwanger und stellen die unterschwellige Bedrohung des urbanen Umfelds gekonnt dar. Hinzu kommt ein eindringlicher Score, der mich mehrmals an die Filme Hitchcocks denken ließ.

Auch von seinem erzählerischen Aufbau erinnert „Panic Room“ an den Großmeister des Genres. Ein begrenzter Zeitraum, eine klar abgesteckte Location und eine düstere Bedrohung, welche urplötzlich in das Privatleben der Charaktere einfällt. Hinzu kommt ein solch gezielter Einsatz von Suspense, als hätte Fincher Hitchcocks Definition stets im Hinterkopf gehabt. Selten durfte ich solch einem spannenden Film beiwohnen. Selbst bei der gestrigen Zweitsichtung konnte ich die Spannung körperlich zu spüren.

An die von den Kritikern oft bemängelten Logiklöcher habe ich bei der gestrigen Sichtung keinen einzigen Gedanken verschwendet, zu sehr nahm mich die Handlung gefangen. Auch die Kritik am angeblich so verdammenswerten einfachen Aufbau der Geschichte kann ich absolut nicht nachvollziehen. Was bitte braucht diese Geschichte mehr? Die Charaktere sind wunderbar ausgearbeitet und die Handlung peitscht förmlich voran. Besonders die Dynamik zwischen den Bösewichten fand ich grandios. Sicher kein zweiter „Fight Club“, doch hat solch eine verzwickte Handlung in diesem extrem dichten Thriller auch gar keinen Platz.

Für mich ist „Panic Room“ ein weiterer Volltreffer in Finchers Gesamtwerk. Sicher nicht sein bester Film, doch wohl einer meiner liebsten Spannungsfilme. Zudem ist er audiovisuell so perfekt gestaltet, dass jeder Filminteressierte alleine Stunden mit seiner formalen Analyse verbringen könnte. Ein unglaublich intensiver Film, den jeder Thrillerfreund mindestens einmal gesehen haben sollte: 9/10 Punkte.

Serenity (2005) (WS1)

Nachdem ich die letzten Tage notdürftig mit den Comics „Those Left Behind“ und „Better Days“ überbrückt habe, war es nun an der Zeit mit „Serenity“ einmal wieder Abschied von meinem Lieblingraumschiff zu nehmen. Abschied von meinen Lieblingscharakteren, Abschied von meinem Lieblingsuniversum. Doch bestimmt nicht zum letzten Mal.

Wie bereits bei der letzten Sichtung von „Serenity“ muss ich auch dieses Mal wieder das zu viel zu schnelle Voranschreiten der Geschichte bemängeln. Im Vergleich zur Ursprungsserie „Firefly“ kann es sich Joss Whedon leider nicht mehr erlauben sich mit den kleinen, aber feinen Details seines Universums aufzuhalten. Er hat eine Geschichte zu erzählen. Schließlich wollen neue Zuschauer auf den aktuellen Stand gebracht werden und auch die Brücke zum großen Finale gilt es zu schlagen. Kein einfaches Unterfangen.

Für mich wirkt die Struktur des Films folglich auch etwas unausgegoren, was besonders im Mittelteil auffällt. Wie toll wäre es doch gewesen diese Geschichte noch über mindestens eine Staffel zu strecken. Doch im mag mich gar nicht beschweren, denn schließlich ist besonders das letzte Drittel des Film ein absoluter Hochgenuss. Düster, hart, schnell und einfach mitreißend. Zudem durchsetzt von einer seltsam anmutigen Endzeitpoesie. Für Freunde der Serie wirklich erfgreifende Minuten.

Inzwischen sieht es so aus, dass „Serenity“ tatsächlich das unumstößliche Ende dieses Minifranchise darstellt – zumindest in den Bewegtbildmedien. In Comicform dürfen wir uns wohl noch bald auf „The Shepherd’s Tale“ freuen, welches uns endlich den Hintergrund von Shepherd Book offenbart. Immerhin. Wie auch schon „Object’s in Space“ lässt mich „Serenity“ immer etwas wehmütig zurück. Ein Gefühl, das auch wunderbar zum Ende dieses außergewöhnlichen Films passt. Sehr sehenswert: 9/10 Punkte.

2012 (2009)

Was für ein Trash! Das waren wohl die Worte, die mir bei der Sichtung von Roland Emmerichs „2012“ am häufigsten durch den Kopf gegangen sind. Bei seiner Kinoauswertung hat mich der Film nicht sonderlich interessiert, doch da die Effektszenen im Trailer durchaus beeindruckend sind und ich zudem John Cusack recht gerne sehe, habe ich mich dennoch auf den Film eingelassen.

Die erste Stunde ist auch richtig gute Unterhaltung, wenn man in der Lage ist sich auf den Film einzulassen. Wer mehr erwartet, als ein monströses Effektspektakel, darf sich eigentlich sowieso nicht beschweren. Die Prämisse ist zugeschnitten auf eine Genereration von Zuschauern, welche „Galileo“ oder „Welt der Wunder“ als hochwissenschaftliche Sendungen sehen. Wohl unterhaltsam, aber eben auch nicht konsumierbar ohne sich stets zu denken: Was für ein Trash!

Der pseudowissenschaftliche Hintergrund ist für den Spannungsaufbau durchaus ausreichend und die Charaktere werden – typisch für dieses Genre – in episodenhaften Szenarien vorgestellt. Soweit, so gut. Als dann das Chaos losbricht gibt es unglaubliche Schauwerte zu bewundern. Beinahe schon zu viel für die Rezeptoren. Reizüberflutung deluxe. Mit „2012“ hat Emmerich wohl tatsächlich die obere Fahnenstange des Gigantismus im Katastrophenfilm erreicht. Mehr wird – zumindest in den kommenden Jahren – einfacht nicht gehen.

Ungefähr ab der Hälfte – und nachdem man mit Woody Harrelsons Charakter die unterhaltsamste Figur des Films vorzeitig hat aussteigen lassen – gibt es die ersten wirklich dramatischen Szenen zu sehen und mit diesen fällt der Film in sich zusammen. Die Charaktere sind viel zu blass, um echtes Drama transportieren zu können. Das Drehbuch ist zu flach und schlecht konstruiert, um das Interesse über die viel zu langen zweieinhalb Stunden aufrecht zu erhalten. Selbst den tollen Effektszenen wurde ich irgendwann überdrüssig.

Das Finale auf der Arche ist zudem wirklich öde. Es mag daran liegen, dass ich gestern auch schon ziemlich müde war, doch die pseudo-humanitären Diskussionen um den Wert eines Menschenlebens waren einfach nur nervtötend und zudem schlecht geschrieben und langweilig inszeniert. Wer will so etwas in einem Film wie „2012“ schon sehen? Hier konnte sich der Film nicht einmal mehr auf seinen Trashfaktor berufen, der ihn in den vorherigen zwei Stunden über Wasser gehalten hat.

Auch wenn ich als CGI-Freund die Effekte ziemlich gelungen und beeindruckend fand, so muss ich doch sagen, dass der restliche Look des Films doch sehr an meinen Nerven gezerrt hat: Liebe Regisseure (und besonders Michael Mann), bitte lasst die Finger von diesem scheußlichen Videolook! Das will im Kino wirklich niemand sehen. Glücklicherweise fällt dieser Look nur in wenigen Szenen auf, doch das reichte aus, um mich immer wieder aus dem Film zu reißen.

Insgesamt hat Emmerich mit „2012“ zum dutzendsten Mal die gleiche Geschichte erzählt. Dieses Mal nur mit noch mehr Wumms und noch weniger Drehbuch. Visuell teils atemberaubend, doch inhaltlich einfach nur mau. Kann man sich als VFX-Freund durchaus anschauen und als solcher wird man ein absolut durchschnittliches Effektespektakel bis zu einem gewissen Grad auch zu schätzen wissen: 5/10 Punkte. Was für ein Trash!