RED (Retired Extremely Dangerous)

Nach einem auslaugenden Arbeitstag hatte ich mich sehr auf einen entspannten Filmabend gefreut. Da in letzter Zeit etliche Blindkäufe ihren Weg in meine Sammlung gefunden haben, war die Qual der Wahl groß. Letztendlich haben wir uns auf „RED“ (Retired Extremely Dangerous) geeinigt, der genau das richtige Maß an Unterhaltung versprach. Schließlich muss man auch bei der Filmwahl stets die eigenen Aufmerksamkeitsdefizite mit einkalkulieren…

Robert Schwentkes („Flightplan“) Actionkomödie hat größtenteils ziemlich gute Kritiken bekommen, dennoch hatte ich den Film nie so richtig auf dem Radar. Mit Bruce Willis, John Malkovich, Helen Mirren und Morgan Freeman in den Hauptrollen, wollte ich jedoch auf jeden Fall einmal reinschauen. Die Besetzung ist es auch, die den Film über den Genredurchschnitt hebt. Neben den genannten Schauspielgrößen sind es jedoch vor allem Mary-Louise Parker und Richard Dreyfuss, die mich überzeugt haben. Karl Urban kann seinem Anspruch einen ebenbürtigen Gegenspieler darzustellen dagegen leider nie ganz gerecht werden.

Die Geschichte des Films ist eher ein Deckmantel für diverse Actioneinlagen und humorvolle Szenen, die meist auf das Alter der Protagonisten anspielen. Ein wenig Verschwörung, ein wenig Rache und viel Action. Nichts Besonderes, aber genug um den Film zu tragen. Am besten hat mir jedoch die erste Hälfte des Films gefallen, in der vor allem die Charaktere eingeführt und etabliert werden. Gegen Ende verliert sich „RED“ dagegen in ungefähr schon ein gutes dutzend Mal gesehen Konflikten und deren gewaltsamer Bewältigung.

Erwähnen sollte ich vielleicht noch die stimmige – wenn auch immer etwas zu glatt wirkende – Inszenierung. Florian Ballhaus fängt unsere Altstars gekonnt ein und weiß mit netten Kameraspielereien zu punkten. Alles in allem ist „RED“ eine unterhaltsame Actionkomödie, die in ihren besten Momenten ein wenig an James Camerons „True Lies“ erinnert, größtenteils aber auf zu vorhersehbare Kost setzt und hauptsächlich durch ihre Darsteller zu überzeugen weiß: 6/10 Punkte.

Edit: Nachdem ich die Handlung des Films nur zwei Tage nach dessen Sichtung schon wieder komplett vergessen habe, mir aber immerhin noch einige unterhaltsame Szenen in Erinnerung sind, musste „RED“ nachträglich eine leichte Abwertung (um 1 Punkt) hinnehmen.

Die schrillen Vier in Las Vegas – OT: Vegas Vacation (1997)

Gestern Abend habe ich mich erneut mit der Familie Griswold in den Urlaub begeben. Soweit ich mich erinnern kann, habe ich „Die schrillen Vier in Las Vegas“ damit zum ersten Mal gesehen. Ganz im Gegensatz zu den Vorgängern, die mich durch meine filmische Jugend begleitet haben. Kann es der 8 Jahre später gedrehte Nachfolger mit den ersten drei Filmen aufnehmen?

Leider nein. Zwar war ich überrascht, wie sehr auch „Vegas Vacation“ noch den Geist der Filmreihe atmet, doch ist es vor allem das neue Reiseziel, das diesen Trip qualitativ deutlich abfallen lässt. Nach einem Roadtrip quer durch die USA, einer Reise durch Europa und der köstlichen Zelibrierung aller klischeehaften Weihnachtsrituale soll nun also eine Reise nach Las Vegas all das übetreffen? Das kann nicht so recht funktionieren. Somit sind es vor allem die Anreise, das Einchecken im Hotel und der Trip zum Hoover Dam, welche die guten alten Zeiten heraufbeschwören.

In Las Vegas selbst stagniert die Handlung enorm. Clarks Spielsucht sorgt kaum für Lacher, Ellens Techtelmechtel mit Wayne Newton empfand ich größtenteils als zu langweilig und Audreys Ausflug ins Nachtleben war viel zu brav inszeniert. Einzig Rustys Aufstieg zum großen Player hat mich als gesonderter Handlungsstrang überzeugt. Gefreut habe ich mich zudem über Cousin Eddie und Familie, deren Auftritt jedoch auch mehr Potential gehabt hätte.

Insgesamt ist „Vegas Vacation“ eindeutig der schwächste Teil der Filmreihe. Dennoch darf man ihn sich als Fan durchaus anschauen, bietet er zumindest in der ersten Filmhälfte einige nette Schmunzler und Anspielungen auf die klassischen Teile. Die Reihenfolge würde ich insgesamt folgendermaßen einordnen, wobei Platz zwei und drei nahezu austauschbar sind:

1. „Christmas Vacation“
2. „European Vacation“
3. „Vacation“
4. „Vegas Vacation“

Ein wenig Nostalgie sollte bei einer Sichtung von „Vegas Vacation“ schon mitschwingen, um dem Film etwas abgewinnen zu können. Spaß kann man mit den Griswolds durchaus auch in der Glücksspiel-Metropole haben, allerdings sollte man eine hohe Toleranz für dumme Witze und altmodische Erzählweise haben. Nett war es irgendwie dennoch: 5/10 Punkte.

Children of Men (2006) (WS1)

Manchmal hat man es als arbeitender Filmfreund und Vater nicht leicht (= Erste-Welt-Probleme). So bleiben meist nur wenige Abende, um seinem Hobby zu frönen. Nimmt jedoch die Arbeit überhand und verkürzen sich die Nächte aufgrund kränkelnden Nachwuchses auf ein paar Stunden, so fallen meist auch diese Abende der Müdigkeit zum Opfer. Trotz dieser denkbar schlechten Voraussetzungen habe ich mir gestern erneut Alfonso Cuaróns „Children of Men“ angesehen und war wieder begeistert – wenn auch nicht aufgrund der exakt gleichen Gesichtspunkte, wie noch bei der letzten Sichtung.

Eigentlich könnte ich meinen letzten Eintrag nahezu 1:1 übernehmen und müsste ihn nur um wenige Punkte ergänzen. Erneut hat mich die inszenatorische Wucht umgehauen, erneut hat mich der Film an die großen Dystopien der 70er Jahre erinnert und erneut hat mich die schiere Ausweglosigkeit beinahe erdrückt. Dennoch gibt es ein nicht zu vernachlässigendes Element, welches die gestrige Sichtung noch einmal deutlich intensiviert hat: die Geburt meiner Tochter. Erst jetzt konnte ich das volle Ausmaß des Entsetzens nachvollziehen, das mit dem komletten Fehlen menschlichen Nachwuchses einhergeht. Das Leben hört einfach auf zu existieren. Es gibt keine Hoffnung mehr. Keine Zukunft. Die Theorie war mir zwar auch schon beim letzten Mal klar, doch die emotionale Intensität dieser Prämisse konnte ich erst als Vater vollständig nachvollziehen.

Auch das Ende hat mir dieses Mal bedeutend besser gefallen. Nicht zwangsweise in Bezug auf The Human Project, doch die Hoffnung, die Theo Faron (Clive Owen) aus der reinen Existenz neuen Lebens schöpft, kam mir plötzlich sehr bekannt vor. Es geht weiter. Somit hat sich mein Wunsch bestätigt und diese Zweitsichtung war genauso intensiv, wie der erste Durchgang. Großartiges Kino, das man nicht nur als Genrefreund gesehen haben sollte: 9/10 Punkte.

Sanctum (2011)

Normalerweise kann ich ziemlich gut abschätzen, ob mir ein Film gefallen wird oder nicht. Der von James Cameron produzierte Abenteuerfilm „Sanctum“ schien wie gemacht für mich: Ich liebe Filme, die in weitläufigen Höhlen spielen, Unterwasserszenen werten für mich jeden Film auf und der Name James Cameron birgt für Qualität und hat mich bisher noch nie enttäuscht. Was soll da noch schief gehen? Leider so einiges, doch dazu später mehr…

Meine Erwartungshaltung war wirklich enorm und ich habe mich maßlos geärgert den Film im Kino verpasst zu haben. Auch eher durchschnittliche Kritiken konnten mich nicht abschrecken, hat mich doch z.B. auch der gerne verrissene „The Cave“ ausgezeichnet unterhalten. Die erste Enttäuschung kam als ich erfuhr, dass „Sanctum“ auf einer wahren Begebenheit beruhen soll. Soviel dann zum Thema – ich bin nun einmal ein Genrefreund – übernatürliche Elemente, doch war ich letztendlich auch hier guter Dinge, da mir die realistische erste Hälfte von „The Descent“ als äußerst beeindruckend in Erinnerung geblieben ist.

Was hat „Sanctum“ also zu bieten? Teils wirklich enorm schöne Bilder und einige schweißtreibende Szenen, die der klaustrophobischen Kombination aus räumlicher Enge und Wasser geschuldet sind. Leider jedoch war es das auch schon. Selten habe ich mich bei einem Film mehr über die Charaktere und ihre Entscheidungen aufgeregt. Ob nun der zurückgelassene Neoprenanzug und damit einhergehend das klischeehafte Frauenbild, das angespannte Vater-Sohn-Verhältnis oder der nervliche Zusammenbruch des Draufgängers. All dies hat man bereits dutzende Male so viel besser gesehen. Das Drehbuch ist wahrlich ein einziges Ärgernis.

Auch mit seiner Inszenierung gewinnt der „Sanctum“ keine Preise. Zwar sieht er größtenteils schon recht gut aus, doch lassen sich die beeindruckenden Einstellungen an einer Hand abzählen. Hier hatte ich mir – besonders im Vergleich zu den beiden oben genannten Filmen – deutlich mehr erwartet. Auf der Oberwelt sieht das Bild zudem übermäßig digital aus, was mir ohnehin nicht sonderlich zusagt. Auch erkennt man in vielen Einstellungen deutlich, dass der Film für 3D gedreht wurde. So gibt es seltsam anmutende Perspektiven oder unnötige Kamerafahrten zu sehen. Nicht wirklich störend, aber auffällig.

Insgesamt hat mich „Sanctum“ leider ziemlich enttäuscht, was natürlich auch mit meiner ursprünglichen Erwartungshaltung zusammenhängt. So habe ich gestern leider nicht das neue Standardwerk des Höhlentaucherfilms gesehen, sondern nur einen recht nett anzusehenden Abenteuerfilm mit teils drastischen Bildern und mauem Drehbuch. Genrefreunde (so es diese da draußen überhaupt gibt) können durchaus einen Blick riskieren, alle anderen können den Film links liegen lassen. Schade um die schöne Kulisse: 5/10 Punkte.

X-Men: Erste Entscheidung – OT: X-Men: First Class (2011)

Nach einer gefühlten Ewigkeit habe ich mir heute einmal wieder einen Film angesehen. Endlich. Matthew Vaughns „X-Men: Erste Entscheidung“ war zudem eine sehr gute Wahl. Ins Kino hatte ich es damals – wie so oft – leider nicht geschafft und da mich die „X-Men“-Reihe größtenteils ausgezeichnet zu unterhalten wusste, hatte ich mich trotz des mittelmäßigen „X-Men Origins: Wolverine“ schon sehr auf die Heimkinoauswertung gefreut.

Der jüngste Spross der niemals enden wollenden Superhelden-Saga wirkt über weite Strecken wunderbar altmodisch. Das 60er Jahre Gefühl wird perfekt eingefangen und spätestens mit dem Auftritt von January Jones (Betty Draper, „Mad Men“) war ich in diesem alternativen Universum angekommen. Auch die Inszenierung passt zum Look des Films. Zwar gibt es durchaus modern inszenierte Actionszenen, doch bleibt die Kamera dabei wunderbar bodenständig und ordnet sich der Handlung unter.

Oft hat mich „X-Men: First Class“ mehr an die „James Bond“-Abenteuer der 60er Jahre erinnert, als an einen Superheldenfilm. Unterstützt wird dieser Eindruck wohl durch die geschickte Verknüpfung der fiktiven Handlung mit der Kubakrise. Etliche Elemente dieses Handlungsstrangs könnten direkt in den Sets eines 007-Films gedreht worden sein. Ein Auftritt des jungen Sean Connerys hätte mich demnach kaum verwundert. Ungewöhnlich für heutige Sehgewohnheiten, aber gerade deshalb herausragend.

Die Geschichte des Films läuft relativ überraschungsfrei ab und man darf sich als Zuschauer an diversen Mutanten und ihren Fähigkeiten erfreuen. Kevin Bacon gibt einen netten Bösewicht und James McAvoy entwickelt eine schöne Dynamik mit Michael Fassbender. Überhaupt ist die Besetzung sehr gelungen und macht Lust auf mehr. Über ein 70er oder 80er Jahre Abenteuer der „X-Men“ wäre ich wahrlich nicht traurig. Endlich ein Prequel, das dem Original in nichts nachsteht: 8/10 Punkte.

Fluch der Karibik 4: Fremde Gezeiten – OT: Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides (2011)

Aktualisierung: Ich habe „Pirates of the Caribbean: Fremde Gezeiten“ am 17. September 2022 zum dritten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Dank rapide fallender Blu-ray Preise bin ich früher als gedacht in den Genuss des von mir im Kino verpassten „Pirates of the Caribbean: Fremde Gezeiten“ gekommen. Die allgemeinen Kritiken waren ja durchaus gemischt: So gab es einerseits Stimmen, die vom besten Teil seit dem Ursprung der Reihe redeten, andererseits wurde der Film als unnötiges Produkt eines geldgeilen Studios gesehen. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen…

Pirates of the Caribbean: Fremde Gezeiten (2011) | © Walt Disney

Pirates of the Caribbean: Fremde Gezeiten (2011) | © Walt Disney

Tatsächlich erinnert das vierte Abenteuer um Captain Jack Sparrow wieder eher an den famosen ersten Teil, als an den überladenen Abschluss der ursprünglichen Trilogie. Back to the roots sozusagen. Allerdings merkt man deutlich, dass Regisseur Rob Marshall die Popcornkino-Erfahrung eines Gore Verbinski fehlt. Die Inszenierung wirkt demnach weniger spritzig und um einiges angestaubter, als dies bei den Bombastwerken Verbinskis der Fall war. Hinzu kommt, dass das Drehbuch erzählerische Tiefe vermissen lässt und die Dialoge teils zu sehr nach einstudiertem Text klingen.

Ist „Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides“ dennoch eine würdige Fortsetzung der Piratenfilmreihe? Jein. Der Film wirkt weniger wie eine Fortsetzung, als wie ein Spin-off. Obwohl Johnny Depps Figur bereits die vorhergehenden Filme getragen hat, so fehlt doch die übergreifende Handlung, die stets mit imposanten Bösewichten und einer beinahe schon epischen Hintergrundgeschichte aufwarten konnte. Die in diesem Film thematisierte Suche nach der Quelle der ewigen Jugend wirkt wie eine beliebige Nebenhandlung, die genauso gut als Prequel funktioniert hätte.

Auch wenn dieser Teil der Reihe nicht wirklich zwingend nötig gewesen wäre, so macht es jedoch wieder enorm viel Spaß Captain Jack Sparrow bei seinen Abenteuern zu begleiten. Leider jedoch bleibt Blackbeard als Bösewicht erschreckend blass und kann weder Barbossa, geschweife denn Davy Jones das Wasser reichen. Penélope Cruz als Blackbeards Tochter ist dagegen wieder stets nett anzusehen und liefert sich unterhaltsame Plänkeleien mit unserem stets angetrunkenen Captain.

Erstaunlicherweise hat mir besonders der Beginn des Films in London recht gut gefallen, obwohl dieser Schauplatz etwas aus der Reihe fällt. Die Kutschenverfolgungsjagd wies zudem etliche Parallelen zu Renny Harlins „Cutthroat Island“ auf, ohne jedoch dessen Klasse zu erreichen. Was bleibt also am Ende? Unterhaltsame zwei Stunden, die ein weiteres Jack Sparrow-Abenteuer zeigen, über das man sich als Fan der Reihe durchaus freuen darf – alle anderen verpassen aber auch nichts, wenn sie es bei der usprünglichen Trilogie belassen. Knappe 7/10 Punkte.

Paul (2011)

Manchmal ist es wahrscheinlich tatsächlich von Vorteil, wenn man einen Film nicht auf dem Höhepunkt seines Erfolgs sieht. Um Greg Mottolas „Paul“ entwickelte sich vor dem Kinostart ein gnadenloser Hype, dem man sich als nerdiger Filmfreund kaum entziehen konnte. Die meisten Kritiken waren jedoch ziemlich verhalten, was meine Erwartungshaltung auch deutlich dämpfte. Vermutlich konnte ich die Sci-Fi-Komödie deshalb umso mehr genießen…

Zunächst einmal sollte ich festhalten, dass ich Simon Pegg und Nick Frost bereits seit ihrer TV-Serie „Spaced“ vergöttere. Ihr erster gemeinsamer Film „Shaun of the Dead“ zählt zu meinen absoluten Lieblingsfilmen und auch „Hot Fuzz“ konnte mich ausgezeichnet unterhalten. Doch leider lässt „Paul“ ein nicht unwichtiges Element vermissen, nämlich den Regisseur und kreativen Kopf hinter den oben genannten Serien und Filmen: Edgar Wright, der lieber bei der letztjährigen Comic-Verfilmung „Scott Pilgrim vs. the World“ die Zügel in die Hand nahm und hier den Weg für Greg Motolla („Superbad“) freimachte.

„Paul“ ist weit davon entfernt die erzählerische Finesse eines „Shaun of the Dead“ zu erreichen, doch das stört in diesem Fall nicht sonderlich. Die Geschichte um das gestrandete und sehr menschliche Alien Paul ist äußerst bodenständig und wird dementsprechend geradlinig erzählt. Somit bekommen wir als Zuschauer einen relativ klassischen Roadmovie zu sehen, der in seinen besten Momenten an die Filme erinnert, die er zu parodieren versucht. Dabei nutzt sich der Gag, dass Paul recht gerne flucht und auch sonst kein Problem mit Obszönitäten hat, doch relativ schnell ab. Glücklicherweise ist die Geschichte mit mehr Herz ausgestattet, als man dies nach dem Trailer erwarten würde.

Auch wenn der Film nicht mit so vielen Gags aufwartet, wie sich viele Zuschauer gewünscht hatten, so muss ich doch sagen, dass mich das Gesamtpaket außerordentlich gut zu unterhalten wusste. Besonders die subtilen Anspielungen auf die großen Sci-Fi-Klassiker à la „Unheimliche Begegnungen der dritten Art“ oder „Star Wars“ haben mir ausgezeichnet gefallen. Hinzu kommt das Nerd-Setting, welches wunderbar mit einem Besuch der Comic-Con eingefangen wurde und Gastauftritte von etlichen Schauspielern, die ich außerordentlich gerne sehe (u.a. Jane Lynch und Jeffrey Tambor). Insgesamt also ein wirklich unterhaltsamer Film, der mit der richtigen Erwartungshaltung unglaublich viel Spaß machen kann: 8/10 Punkte.

Rio (2011)

Zum Abschluss dieser durchaus aufreibenden Arbeitswoche habe ich mir mit Blue Skys „Rio“ einen entspannten Start ins Wochenende gegönnt. Die „Ice Age“-Reihe des Animationsstudios hat mich bisher stets recht gut unterhalten, insofern war ich gespannt, wie sich der – im Gegensatz zur Eiswüste – kunterbunte Handlungsort auf die Geschichte auswirkt.

Zunächst einmal kann festgehalten werden, dass die Karnevalstadt am Zuckerhut einfach nur atemberaubend umgesetzt wurde. Der Film lebt wahrlich von seiner titelgebenden Location, die sich natürlich nur von ihrer besten Seite zeigt. Wirklich sehr gelungen. Auch die Charaktere sind schön gestaltet und werden liebevoll animiert und in Szene gesetzt. Technisch kann man dem Film nahezu keine Vorwürfe machen. Er sieht einfach nur gut aus.

Mit der Handlung kann „Rio“ dagegen keine Preise gewinnen. Eine klassische Liebesgeschichte, ein wenig „Flucht in Ketten“ und stereotype Bösewichte. Wendungen gibt es kaum und bis zum unausweichlichen Happy End entwickelt sich der Film ziemlich genau so, wie man es sich erwartet. Glücklicherweise sind die beiden Hauptfiguren (gesprochen von Jesse Eisenberg und Anne Hathaway) sehr sympathisch gezeichnet und geben über weite Strecken ein herrlich zankhaftes Odd Couple ab.

Leider jedoch konzentriert sich der Film zu wenig auf seine Hauptfiguren und führt – im wahrsten Sinne des Wortes – zu viele schräge Vögel ein, die als ach so lustige Sidekicks fungieren sollen. Hier merkt man, dass der Film hauptsächlich auf eine sehr junge Zielgruppe zugeschnitten wurde. Auch die viel zu ausführlichen Gesangs- und Tanzeinlagen hätte man sich meiner Ansicht nach sparen können. Aber nun gut, gerade diese werden beim Zielpublikum eben besonders gut ankommen.

Für Animationsfilmfreunde bietet „Rio“ durchaus vergnügliche 90 Minuten. Man sollte sich natürlich keine Pixar- oder Disney-Qualitäten erhoffen, doch darf man sich über ein tolles Setting, sympathische Charaktere und eine actionreiche Geschichte freuen. Harmloser Spaß, der Urlaubsgefühle ins herbstliche Deutschland zaubert: 7/10 Punkte.

Moon (2009)

Freitagabend. Filmzeit. Nachdem der Film schon unendlich lange auf meiner Liste der noch zu sehenden Filme stand, habe ich heute endlich „Moon“ eingelegt. Der Film von David Bowies Sohn Duncan Jones wurde besonders von Genrefans in den höchsten Tönen gelobt. Selbst Vergleiche zu Ridley Scotts Sci-Fi-Klassiker „Blade Runner“ wurden gezogen. Doch was hat der 2009er Überraschungshit tatsächlich zu bieten? Spoiler sind zu erwarten.

Der Film hat eine Menge zu bieten. Besonders eine Menge Sam Rockwell. Der Film ist eine One-Man-Show im besten Sinne. Glücklicherweise hatte Duncan Jones ein glückliches Händchen bei der Besetzung – wenn man dem Making of glauben mag, hatte er „Moon“ sogar einzig und allein für Sam Rockwell geschrieben. Eine klassische Win-Win-Situation. Auch für den Zuschauer. Ebenso wichtig, wie der Hauptdarsteller ist jedoch das futuristische Setdesign, das tatsächlich an die Sets der großen Sci-Fi-Klassiker, wie z.B. die Nostromo aus „Alien“, erinnert. Äußerst gelungen.

Die Geschichte an sich hatte ich mir deutlich mysteriöser vorgestellt. Diverse Film-Podcasts schlichen verdächtig um etwaige Spoiler herum und man hätte den Eindruck gewinnen können, dass „Moon“ auf eine große Auflösung abzielt. Jedoch weit gefehlt. Die Handlung ist von Anfang an recht klar und versucht nicht den Zuschauer unnötig auf falsche Fährten zu locken. Es geht nicht darum, dass Sam Bell herausfindet ein Klon zu sein (was ohnehin bereits in den ersten 30 Minuten geschieht), sondern was er mit dieser Information anstellt. Was ist der Sinn des Lebens? Was macht ein Individuum aus? Existenzielles Drama par excellence.

Auch wenn ich „Moon“ nicht als so einflussreich und beeindruckend wahrgenommen habe, wie wohl die meisten Genrefans, so hat mich der Kern der Geschichte doch wirklich berührt. Ich mochte die Interaktion der beiden Sams, den zur Abwechslung netten Roboter und die audiovisuelle Präsentation des Films. Ein kleiner und doch großer Genrefilm, wie es sie viel zu selten gibt. Sollte man auf jeden Fall gesehen haben: 8/10 Punkte.

Rapunzel: Neu verföhnt – OT: Tangled

Disney’s back! Wie schön. Ich liebe ja die klassischen Disney-Filme. Doch irgendwann haben sie begonnen an Qualität zu verlieren und Pixar hat dem ehrwürdigen Animationsstudio – trotz offizieller Zusammenarbeit – den Rang abgelaufen. Ich weiß gar nicht mehr genau, was mein letzter Disney-Film war, doch nachdem ich eine Menge ausgelassen hatte, schien „Rapunzel: Neu verföhnt“ trotz des unschönen deutschen Titels sehr sehenswert geworden zu sein. Insofern war meine Vorfreude groß und ich sollte nicht enttäuscht werden…

„Tangled“ – so der um einiges gelungenere Originaltitel – ist ein klassischer Disney-Film, wie er im Buche steht. Es wird eine bekannte Märchenhandlung nacherzählt, es wird getanzt und gesungen, es gibt lustige Sidekicks, eine zarte Liebesgeschichte und einen eindeutigen Bösewicht. Dennoch wirkt der Film viel morderner als z.B. „Cindarella“ oder auch „Die Schöne und das Biest“, was aber weniger an der verwendeten Animationstechnik (ja, auch Disney ist schon seit Längerem im 3D-Zeitalter angekommen), als an der spritzigen Erzählweise der Geschichte. Das Tempo ist höher, die Dialoge gewitzter und dennoch fügt sich alles zu einem einheitlichen Bild zusammen. Wirklich sehr gelungen!

Auch wenn die Geschichte nicht mit großen Überraschungen auftrumpft, so sind es jedoch die Details, die überzeugen. Jeder Nebencharakter wirkt bewusst platziert und jeder auch noch so kleine visuelle Gag sitzt. Dabei sollte man aber nicht den Fehler machen eine Art „Shrek“ zu erwarten, denn „Tangled“ nimmt sich als klassischer Märchenfilm durchaus ernst, was zu einigen herrlich kitschig-schönen Einstellungen führt, die wir an Disney-Filmen eben so lieben. Davon gerne bitte wieder mehr.

Ebenso kann die Besetzung voll und ganz überzeugen. Mandy Moore klingt genauso süß und naiv, wie man sich Rapunzel eben vorstellt. Donna Murphy (Denise Goodman, „Trust Me“) weiß als böse Mutter Gothel zu brillieren und Zackary Levi (Chuck Bartowski, „Chuck“) gibt einen herrlich charmanten Tagedieb. Wahrlich famos! Mit Ron Perlman, Jeffrey Tambor und Brad Garrett seien dann nur einige der Nebendarsteller genannt. Ein wahres Fest also für Film- und Serienfreunde.

Zwar reicht „Tangled“ in meinen Augen noch nicht an die ganz großen Disney-Klassiker heran, doch der erste Schritt in die richtige Richtung ist getan. Der Film ist eigenständig und versucht weder Pixar zu kopieren, noch auf Teufel komm raus irgendwie anders modern zu sein. Er weiß seine Stärken geschickt auszuspielen und überzeugt somit auf ganzer Linie. Wie gesagt, äußerst gerne mehr davon: 8/10 Punkte.