In den vergangenen Jahren stellte die Serie stets eines der Highlights der aktuellen Saison dar. Bereits letztes Jahr ließen sich jedoch erste Abnutzungserscheinungen feststellen und mit „Dexter – Season 6“ hat die Serie nun endgültig ihren Stellenwert als Ausnahmeserie verloren. Bietet „Dexter“ dennoch weiterhin gute Unterhaltung oder ist der Qualitätsabfall ein Grund nicht mehr einzuschalten? Spoiler sind zu erwarten.

Bei Beginn der Staffel habe ich – wie bereits im letzten Jahr – noch über die schlechten Kritiken geschmunzelt und wurde selbst erneut sehr gut unterhalten. Schließlich gab es verrückte Serienkiller, spannende Mordfälle und eine durchaus vielversprechende Ausgangssituationen für unsere Charaktere zu bewundern. Doch bereits noch während der ersten Staffelhälfte häuften sich Füllepisoden und es zeichnete sich – noch viel schlimmer – bereits die große Wendung dieser Staffel ab. Ganze 13 Jahre nach „Fight Club“ oder auch „The Sixth Sense“ zaubern die Autoren doch tatsächlich den alten Huch, der ist ja schon tot!-Trick aus dem Hut. Die Heranführung ist dabei so penetrant offensichtlich, dass mich wirklich einmal interessieren würde, wer nicht spätestens nach der Manifestation von Dexters Dark Passenger in Form seines Bruders um das Schicksal von Professor Gellar wusste.
Der groß angelegte Twist der Staffel hat mich somit nur verärgert. Mindestens 10 Jahre zu spät und viel zu plump inszeniert. Das hatte ich von den „Dexter“-Autoren wahrlich nicht erwartet. Einmal davon abgesehen hat mir die Rahmenhandlung rund um den religiösen Fanatiker recht gut gefallen und auch den Gegenpol in Gestalt von Brother Sam fand ich gelungen. Hinzu kommen einige interessante Nebenhandlungen, wie z.B. Masukas Assistenten oder das Call Girl mit Überdosis, die zudem Potential für die kommende Staffel offenbaren. All dies täuscht jedoch nicht darüber hinweg, dass ich oft das Gefühl hatte die Autoren der einst so dicht und mitreißend geschrieben Serie wären nachlässig geworden; besonders was die Charakterzeichnung angeht. Wenigstens das Finale macht einen längst überfälligen Schritt in die richtige Richtung. Was für ein Cliffhanger!
Insgesamt bietet auch das sechste Jahr mit dem viel zu sympathisch gezeichneten Serienkiller gute Unterhaltung. Keine Frage. Spannung ist vorhanden, es ist nett wieder Dexters verqueren Gedanken zu lauschen und Debra fluchen zu hören. Das große Ganze mag aber nicht mehr reibungslos funktionieren. Sand hat sich im Getriebe der Serie festgesetzt – und ich hoffe sehr, dass die Autoren diesen bis zum Start der nächsten Staffel wieder zu entfernen wissen. Immer noch sehenswert, doch für „Dexter“ leider auch etwas enttäuschend: 7/10 (7.4) Punkte.







