Ich habe einmal wieder eine kurzlebige Comedy-Serie geschaut. Da „Abbott Elementary“ momentan in der Pause ist, bin ich dem Lehrbetrieb treu geblieben und habe „English Teacher“ ins Programm geholt. Mit einer Lehrerin als Frau waren die Chancen hoch, dass Interesse am Setting vorhanden ist. So war es letztendlich auch. Was uns inhaltlich erwarten sollte, wussten wir zuvor jedoch nicht… 🏳️🌈

English Teacher | © FX
Im Zentrum der Serie steht der schwule Englischlehrer Evan Marquez, der von Brian Jordan Alvarez verkörpert wird (ebenfalls Showrunner der Serie). Als ich mich während der Sichtung der zweiten Staffel darüber informierte, warum die Serie danach abgesetzt wurde, stieß ich auf Artikel um einen sexuellen Übergriff des Schauspielers und Autors. Die Geschichte ist reichlich absurd. In vielerlei Hinsicht. Von der Freundin des Opfers, die in dieser Serie dennoch eine der Hauptrollen spielt, bis zur seltsamen Vermischung von Realität und Fiktion. Ich möchte mir an dieser Stelle kein Urteil darüber erlauben und versuche die Serie deshalb möglichst losgelöst von all dem zu bewerten:
Staffel 1: Den woken Finger in der Wunde gelegt
Die erste Staffel hat mich überrascht, da sie nicht so wirklich das war, was ich erwartet hatte: Wir folgen einem schwulen Lehrer, Evan Marquez, an einer texanischen Highschool, der sich mit Schüler:innen, Eltern und Kolleg:innen rumzuschlagen hat. Ich betone die sexuelle Orientierung des titelgebenden Englischlehrers, da sie in vielerlei Hinsicht entscheidend für die Handlung ist. Etliche Konflikte zwischen Evan und Umgebung entstehen aus dem Spannungsfeld seiner progressiven Ansichten und jener der konservativen Texaner. Dabei ist „English Teacher“ durchaus reflektiert in seiner Darstellung und prangert u.a. auch so manche Marotte der woken Gen Z bzw. Gen Alpha an. Der Ensemble-Cast rund um Hauptdarsteller und Showrunner Brian Jordan Alvarez spielt famos zusammen und es hat mich besonders gefreut Enrico Colantoni (bekannt als Keith Mars aus „Veronica Mars“) zu sehen. Alles in allem ein wirklich unterhaltsamer Start in diese Comedy-Serie: 8/10 (8.0) Punkte.
Staffel 2: Rhythmus und Chemie gefunden
In der zweiten Staffel hat „English Teacher“ nun endgültig einen funktionierenden Rhythmus gefunden. Die Themen sind nach wie vor aktuell, z.B. wird statt „Angels in America“ von den Schüler:innen „COVID in America“ aufgeführt, was schon sehr witzig ist. Weiterhin geht es um das Thema KI in Kombination mit Mülltrennung, Rekrutierung durch das Militär und vieles mehr. Dabei bekommen alle Figuren des Ensembles deutlich mehr Tiefe und einiges zu tun. Das hat für mich wirklich wunderbar funktioniert. Auch wenn hier eindeutig die Lehrer:innen im Fokus stehen, werden sogar ein paar Schüler:innen greifbar. Gerne hätte ich mehr von dieser Serie gesehen, doch aus den oben beschriebenen Gründen kam es nicht dazu. Bringt mich das nun in eine moralische Zwickmühle? Sollte es das? Auf jeden Fall hatte ich meinen Spaß mit der Serie, auch wenn so schnell, und vielleicht zurecht, kein Folgeprojekt der Crew zu erwarten ist: 8/10 (8.3) Punkte.
Fazit
Wenn ich nur die Serie für sich genommen betrachte, und vom Künstler trenne, dann hat sie mich sehr gut unterhalten. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass sie in weiteren Staffeln zur Höchstform aufgelaufen wäre. Dazu kam es jedoch nicht. Ob ich die Serie mit den mir nun bekannten Informationen überhaupt angefangen hätte? Das kann ich nicht so leicht beantworten. Die Serie an sich hat mir viel Spaß gemacht und sie enthält auch ein paar wundervoll gesellschaftskritische Elemente: 8/10 (8.2) Punkte.