Run, Fatboy, Run (139)

Wenn ich jemals den inneren Drang verspürt habe zu laufen, dann heute. Ich musste meinen Kopf frei bekommen und zudem lud das Wetter einfach zu einer großen Runde ein. Um diese zu packen, habe ich es heute auch bewusst langsam angehen lassen. Dennoch war der Lauf äußerst anstrengend. Geschafft habe ich letztendlich nur die mittlere Runde und diese nicht einmal sonderlich schnell. Die Sonne auf der Haut hat sich aber verdammt gut angefühlt.

Länge: 6,08
Laufzeit: 00:40:30
kCal: 486
min/km: 6:39

Da ich beim Passieren des Sportplatzes einen Ball aus dem Wald in das laufende Fußballspiel zurückbeförderte, habe ich einige Sekunden verloren. Wenigstens eine Ausrede. Eine Neuerung gibt es übrigens auch: So werde ich ab heute immer den Podcast nennen, der mich beim Laufen begleitete. Was das über die motivierende Wirkung des jeweiligen Podcasts aussagt, dürft ihr selbst entscheiden… 😉

Im Ohr: Der GameOne-Plauschangriff: 10 Jahre PS2 ~ Teil 4

The Road (2009)

Ich liebe postapokalyptische Filme. Ihnen wohnt eine Art von Abenteuer inne, das es erst noch zu erleben gilt. Zombiefilme und Weltuntergangsszenarien sehe ich selbst als Unterart des Genres. Neben Klassikern wie „Mad Max“ gibt es unzählige Varianten des immer gleichen Szenarios (u.a. den ebenso aktuellen, aber ungleich schwächeren „The Book of Eli“). John Hillcoats „The Road“ ist anders. Kein Abenteuer, keine Hoffnung, kein Erbarmen. Wohl einer der beeindruckendsten Filme, die ich bisher gesehen habe – auf jeden Fall einer der deprimierendsten. Spoiler sind zu erwarten.

Auch ich hatte vor der Sichtung einige Meinungen über den Film gehört und gelesen. Er sei schwer zu verdauen, düster und hoffnungslos. Was für eine Untertreibung. „The Road“ packt einen da, wo es weh tut. Er rüttelt auf und lässt einen nicht mehr los. Man wir durch die oft schon hypnotischen Bilder hineingesogen in diese immergraue Welt. Dieses leblose Etwas, das einmal voller Leben war. Doch die ungenannte Katastrophe samt ihrer unheilvollen Hinterlassenschaften ist eigentlich nur Beiwerk. Der Film ist eine Vater-Sohn-Geschichte. Eine Geschichte über Menschlichkeit und Verlust derselben. Ein Film über das Leben und den Tod.

Die dominierenden Themen des Films geben den Rhythmus vor. Bleibst du, stirbst du. Keine Frage. Und wie in dem Film gestorben wird. Die letzten 15 Minuten haben mir zugesetzt, wie schon lange kein Film mehr. Auch jetzt, da ich daran denke, fühle ich mich wie benommen. Doch schon vor dem traurigen, aber nicht hoffnungslosen Finale, hält „The Road“ unzählige Szenen bereit, bei denen ich schwer schlucken musste – und sei es allein, wie der Junge sein Stofftier stets bei sich trägt. Hier mag der (zumindest noch relativ) frischgebackene Vater aus mir sprechen, doch ich habe selten etwas Herzzereißenderes gesehen.

Neben den inhaltlichen Aspekten kann ich vor allem die bewusste und den Schauspielern Raum gebende Inszenierung hervorheben. Ruhige Bilder, lange Einstellungen und das Wissen, wann man wegblenden muss. Auch wenn die Kamera nie wirklich explizite Bilder einfängt, so ist „The Road“ härter und brutaler als jeder Horrorfilm. So bedrohlich habe ich Kannibalismus wahrlich noch nie wahrgenommen, wie er in John Hillcoats Film auf die Leinwand gebannt wurde. All diese Eigenschaften sind natürlich auch zu großen Teilen Viggo Mortensen und Kodi Smit-McPhee zuzuschreiben, die beide spielen als ginge es um ihr Leben. Fantastisch.

Wie ihr lest, hat mich „The Road“ voll und ganz gepackt. Ich weiß jetzt schon, dass der Film noch lange nachwirken wird. Kann ich ihn deshalb bedenkenlos empfehlen? Seht euch den Film nur an, wenn ihr eine gewisse Finsternis ertragt. Ich habe mir selten so sehr gewünscht, dass ein Film endlich vorbei ist. Ob ich ihn mir jemals wieder anschauen werde? Im Moment bezweifle ich es noch und so sehr sie mich interessieren würde, so werde ich mich wohl nie an die Vorlage von Cormac McCarthy heranwagen. „The Road“ ist ein großer Film, ein bewegender Film und ein menschlicher Film, doch er wird gewiss keiner meiner Lieblingsfilme werden: 10/10 Punkte.

V – Season 2

Wieder einmal heißt es von einer Serie Abschied nehmen. Die letztjährige Sci-Fi-Hoffnung findet mit „V – Season 2“ ihren endgültigen Abschluss. Traurig bin ich deswegen nicht sonderlich und wenn die Serie nicht in einer verkürzten Staffel mit nur 10 Episoden gelaufen wäre, hätte ich wohl auch nicht bis zum – wortwörtlich – bitteren Ende durchgehalten.

Die Handlung setzt ziemlich genau da an, wo wir die erste Staffel verlassen hatten. Somit geht es fröhlich weiter mit dem Widerstand gegen die Besucher. Qualitativ bewegen sich die meisten Episoden auf einem ähnlichen Niveau, wie die des letzten Jahres – zudem hatte ich anfangs wirklich noch die Hoffnung endlich etwas mehr von den Vs zu sehen. Leider jedoch tröpfelt die Handlung größtenteils vor sich hin und führt ein neues Element ein: Die Alien-Großmutter. Was sich die Autoren wohl dabei gedacht haben?

Mit dieser neuen Figurenkonstellation verkommt „V“ dann leider auch ziemlich schnell zur intergalaktischen Seifenoper. Jeder hintergeht jeden, mal wird dieser, mal jener Seite Allianz geschworen und so wirklich mitreißend ist keiner der Handlungsstränge. Umso trauriger, da wirklich Potential vorhanden gewesen wäre. Warum sehen z.B. alle Vs immer aus wie Menschen, selbst wenn sie unter sich sind? Was soll die Alien-Großmutter? Warum konnte man aus der spannenden Ausgangsidee keine packendere Serie machen? Fragen über Fragen.

Nun ist die Serie vorbei. Natürlich endet sie mit einem ordentlichen Knall – sprich es gibt etliche Cliffhanger – und lässt uns Zuschauer somit ziemlich unschlüssig zurück. Aber so wirklich interessiert es mich auch gar nicht, wie es nun weitergeht. Zu blass waren die Charaktere und zu unspektakulär die erzählte Geschichte. Somit versinkt die Serie im Durchschnitt und wird wohl schnell vergessen werden: 5/10 (5.3) Punkte.

Castle – Season 3

Eine Serie, auf die ich mich in diesem Serienjahr mit am meisten gefreut habe, dürfte wohl „Castle – Season 3“ gewesen sein. Schon seltsam, wie sich manche Serien entwickeln. Inzwischen gehört das Krimi-Procedural zu meinen persönlichen Lieblingen und ich freue mich jede Woche erneut auf die aktuelle Folge. Einfach nur verdammt gute Unterhaltung.

Worin liegt der Erfolg von „Castle“ begründet? Für mich wohl in erster Linie am Zusammenspiel zwischen Nathan Fillion und Stana Katic. Ist das Konzept Krimi und Romantik zu kombinieren auch nicht neu (siehe z.B. „Bones“), so sind die Dialoge woanders kaum so erfrischend, wie in der TV-Serie um Krimiautor Richard Castle und die New Yorker Ermittlerin Kate Beckett. Inzwischen wird auch den Nebencharakteren immer mehr Spielraum gegeben, was sich durchaus positiv auf die Entwicklung der Serie und ihrer Figuren ausübt.

Wie es bei einem Krimi-Procedural üblich ist, bekommen wir – wie bereits in den ersten beiden Staffeln – größtenteils komplett abgeschlossene Einzelfälle vorgesetzt. Dagegen beschränkt sich die episodenübergreifende Handlung auf die Weiterentwicklung der Charaktere sowie ihrer Beziehungen untereinander. Auch wenn mich diese repetitive Erzählform bei anderen Serien stört, so schafft es „Castle“ jedoch mich Woche für Woche aufs Neue zu begeistern. Dies liegt auch an den gelungenen Fällen, die oft eher humorvoll, als dramatisch – das mitreißende Staffelfinale einmal ausgenommen – angelegt sind und stets mit einer überraschenden Auflösung aufwarten können.

Es gibt wirklich nur wenige Serien, die sich selbst im dritten Jahr so beharrlich steigern. Besonders bei einer vergleichsweise simplen Krimiserie hätte ich dies nie für möglich gehalten. Ich für meinen Teil habe jede einzelne Episode genossen – und auch wenn ich nur unterhalten wurde, dann doch selten so gut wie hier. Richard Castle und Kate Beckett sind einfach das Dreamteam, wenn es um humorvolle Kriminalfälle geht: 9/10 (8.6) Punkte.

Run, Fatboy, Run (138)

Sieht ganz nach einer sportlichen Woche aus: Sonntag laufen, gestern tanzen und heute schon wieder laufen. Unglaublich. Für die nächsten paar Tage war es das dann aber auch wieder, da ich abends mit unserem Zappelinchen alleine bin. Eine bessere Ausrede gibt es einfach nicht. Puh!

Länge: 4,20
Laufzeit: 00:26:30
kCal: 336
min/km: 6:18

Auch wenn ich schon vor dem Lauf extrem müde war, ging es verhältnismäßig gut von der Sohle. Ich war sogar wieder etwas schneller, als noch vor zwei Tagen. Insofern kann ich durchaus zufrieden sein.

Flora, Fauna und Sauhaufen

Den heutigen – wettermäßig äußerst durchwachsenen – Sonntag haben wir für einen kleinen Ausflug genutzt, bei dem ich meine Kamera einfach nicht stecken lassen konnte. Immerhin hat sich die Sonne extra nur für uns blicken lassen. So könnte man zumindest meinen.

In einem überschaubaren, aber recht idyllischen Tierpark gab es dann allerlei zu sehen. Angefangen vom Rotwild bis hin zu unzähligen Frischlingen, die sich zu einem wortwörtlichen Sauhaufen zusammengerauft hatten.

Danach ging es an ein paar kleinen Seen entlang durch einen äußerst interessant gewachsenen Wald. Ihr kennt das vielleicht: Manchmal hat man das Gefühl gewisse Wälder könnten direkt Mittelerde oder anderen fantastischen Welten entsprungen sein.

Ich musste mich mit dem Fotografieren wirklich zurückhalten, denn ich war ja nicht allein unterwegs – und schließlich habe ich schon einen gewissen Ruf…

An den Seen gab es dann auch unzählige Motive und ich habe einmal wieder festgestellt, dass ich einfach noch ein längeres Teleobjektiv brauche.

Gegen Ende ist mir dann doch tatsächlich noch ein Foto unseres Zappelinchens gelungen, das ich endlich einmal hier im Blog präsentieren kann. Äußerst fotogen die junge Dame, oder?

Achja, fotografiert habe ich übrigens wieder mit meinem bekannten 18-135mm Zoomobjektiv, da die neue 50mm Festbrennweite zwar genial ist, sich aber doch eher für Portraitaufnahmen eignet. Ein Eintrag dazu kommt demnächst aber auch noch. So ist zumindest der Plan.

Run, Fatboy, Run (137)

Nach einer beinahe zweimonatigen Pause, habe ich mich heute endlich einmal wieder in die Laufschuhe geschwungen. Was war passiert? Unser nicht mehr ganz so kleines Zappelinchen hat sich zu einer wahren Bazillenschleuder entwickelt und uns die hartnäckigste Erkältung seit Menschengedenken beschert. Die letzten Zuckungen sind zwar immer noch nicht ganz überwunden, doch irgendwann muss man sich ja einmal wieder aufraffen…

Länge: 4,20
Laufzeit: 00:27:00
kCal: 336
min/km: 6:25

Um es kurz zu machen: Es war ein harter Lauf. Richtig anstrengend. Meine Kondition hatte sich wohl schon an den beständigen Ruhezustand gewöhnt. Somit bin auch nur die kurze Strecke gelaufen. Der ganze schöne Vorsprung im Vergleich zum letzten Jahr ist dahin. Ob ich das überhaupt noch aufholen kann?

Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt – OT: Scott Pilgrim vs. the World (2010)

Ich liebe Edgar Wright. Bereits mit „Spaced“ hat er mein kleines Nerdherz schneller schlagen lassen. So viele Ideen, so grandios umgesetzt. Dann „Shaun of the Dead“, der Traum eines jeden Zombiefans. Mit „Hot Fuzz“ lieferte er einen der unterhaltsamsten Actionfilme der letzten Jahre ab und nun? „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ – erstmals ohne das Duo Simon Pegg und Nick Frost, dafür mit gefeierter Vorlage. Konnte das wirklich gut gehen?

Oh ja! Edgar Wright ist wieder einmal ein grandioser Film gelungen. Ein Film, wie ein Rausch. Ein Film, dessen audiovisueller Stil alles zu ersticken droht – und wohl gerade deshalb die stillen Szenen umso mehr hervorhebt. Ein Film, der wohl nur von einer bestimmten Generation verstanden werden wird. Lieben oder hassen – eine Grauzone ist kaum vorstellbar. Mich hatte der Film ja bereits beim 8-bit Universal-Logo und dem „The Legend of Zelda“-Jingle. Man muss kein nerdiger Hipster sein, um der audiovisuellen Flut Herr zu werden. Aber es hilft. Vermutlich.

Die Vorlage kenne ich zugegebenermaßen nicht. Noch nicht. Die Lektüre der „Scott Pilgrim“-Comics steht allerdings schon jetzt ganz oben auf meiner Leseliste. Insofern kann ich die Vorlagentreue nicht beurteilen. Das Mitwirken des Autors lässt aber hoffen. Zudem wirkt der Film als geschlossene Einheit und nicht, wie eine schöne 1:1-Umsetzung der Panels. Die Dialoge sind nahezu perfekt. Zwar nicht immer zum laut Lachen, doch stets zum leise Freuen. Herzerwärmend, witzig und pointiert. Man merkt hier auch immer wieder Edgar Wrights perfektes Gefühl für Timing.

Mein Kritikpunkt? Wohl der starke Schwerpunkt auf die Kämpfe. So bombastisch diese anzusehen sind, so sehr hätte ich mir doch noch mehr Dialoge und zwischenmenschliche Szenen gewünscht. Dennoch sind die Kämpfe natürlich wunderbare Allegorien, die einen bestimmten Lebensabschnitt ziemlich gut einfangen. Wie ihre langfristige Wirkung ist, müssen garantiert folgende Wiederholungssichtungen zeigen. Bis dahin hoffe ich auf weitere Filme. Please, Mr. Wright (and Producers, of course).

Für mich ist „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ ein fantastischer Film, der ein ziemlich undefinierbares Zeitgefühl ziemlich perfekt einfängt. Videospiele, Musik, Leben. Ja, diesen Themen hat dieser Film gefehlt. Nun ist er da und ich bin hoch erfreut. Michael Cera hat natürlich abermals seine Rolle gefunden. Wie hätte es auch anders kommen können? Nicht für jeden, aber für seine diffuse Zielgruppe eben einer dieser speziellen Filme: 9/10 Punkte.

Erbarmen (Jussi Adler-Olsen)

So zügig, wie Jussi Adler-Olsen „Erbarmen“ habe ich schon lange kein Buch mehr gelesen. Zugegebenermaßen habe ich für die erste Hälfte beinahe einen Monat benötigt, doch der Rest ging dann ziemlich flott innerhalb eines Tages. Manchmal muss man sich eben bewusst Zeit zum Lesen nehmen – gar nicht so einfach zwischen Job und Familie.

Nachdem ich mit Stieg Larsson und Håkan Nesser bereits Gefallen an skandinavischer Krimiliteratur gefunden hatte, lag es Nahe mich als nächstes Jussi Adler-Olsen zuzuwenden. Seine Buchreihe rund um das Sonderdezernat Q ist zurzeit in aller Munde und ich konnte mit Freude feststellen, dass dies auch durchaus gerechtfertigt ist. Carl Mørck ist eine wunderbar geschriebene Hauptfigur und einen besseren Assistenten, als den kauzigen Assad hätte man ihm nicht zur Seite stellen können.

Die Geschichte, welche in zwei Zeitebenen spielt, ist äußerst spannend und teils wirklich grausam. Man kann den Schmerz oft beinahe spüren. Auch wenn die Auflösung für Genrekenner nicht gerade überraschend ist, so wird die Handlung doch so mitreißend und treibend erzählt, dass die Spannung bis zur letzten Seite aufrecht erhalten bleibt. Dies liegt auch an Adler-Olsons Schreibweise, die schnell zum Punkt kommt und – passend zur Hauptfigur – einen herrlich spröden Sprachrhythmus besitzt.

Ich freue mich nun wirklich schon auf den zweiten Teil, der bereits im Bücherregal bereit steht. Am liebsten würde ich sofort weiterlesen, was zwar nicht möglich ist, doch immerhin das größte Kompliment, das man einem Autor machen kann: 9/10 Punkte.

The Town – Extended Cut (2010)

Damals im Kino hatte mich der Trailer zu Ben Afflecks „The Town“ ziemlich umgehauen. Endlich einmal wieder ein klassischer Gangsterfilm. Wie bei den meisten anderen Zuschauern wurden auch bei mir Erinnerungen an Michael Manns „Heat“ wach. Dennoch habe ich es nicht geschafft, mir den Film im Kino anzusehen. Umso größer war die Vorfreude auf die Heimkinoauswertung, bei der es – wie so häufig – eine erweiterte Fassung zu sehen gibt.

Ben Affleck wird gerne als Nichtskönner abgetan. Mir selbst ist er nie sonderlich positiv oder negativ aufgefallen. Einzig sein Mitwirken in einigen Kevin Smith-Filmen hat in meiner persönlichen Filmhistorie eine gewisse Relevanz. Seit seinem 2007er Regiedebüt „Gone Baby Gone“ ist er jedoch auch auf dem Radar diverser Filmkritiker aufgetaucht. Spätestens mit „The Town“ dürfte sich sein Ruf als ernsthafter Regisseur weiter gefestigt haben – auch wenn einige Kritiker meinen, den Vergleich mit „Heat“ zu Tode strapazieren zu müssen.

Im Gegensatz zu Michael Manns ikonografischem Gangsterfilm, steht bei „The Town“ nicht das Duell zweier Gegenspieler im Vordergrund. Al Pacinos und Robert De Niros Vermächtnis bleibt also unangetastet. Ben Affleck konzentriert sich in seinem Film eher auf den – wenn man es hochtrabend ausdrücken will – soziogeographischen Hintergrund seiner Charaktere und die damit verbundene Ausweglosigkeit. Daneben wird eine Liebesgeschichte erzählt, die innerhalb dieses Genres teils etwas befremdlich wirkt, aber den Film gerade deshalb außergewöhnlich erscheinen lässt.

Gesehen habe ich den ca. 30 Minuten längeren Extended Cut, der den Charakteren mehr Tiefe verleiht und die Liebesgeschichte ausführlicher erzählt. Vermutlich wirkt die Kinofassung deutlich actionreicher, doch kann ich mir kaum vorstellen, dass sie dadurch an Kurzweiligkeit gewinnt. Die zweieinhalb Stunden der gestrigen Sichtung sind auf jeden Fall wie im Flug vergangen, was neben den exzellenten Schauspielern – u.a. Jon Hamm (Don Draper, „Mad Men“) und Jeremy Renner (William James, „The Hurt Locker“) – vor allem der mitreißenden Inszenierung zu verdanken ist.

Freunde von Gangsterfilmen sollten sich „The Town“ auf jeden Fall merken. Auch wenn der Film nicht den Stellenwert von „Heat“ erreichen wird, so sollte man Ben Afflecks Werk eine gewisse Eigenständigkeit zugestehen. Mit ungetrübtem Blick sind die Qualitäten leichter zu erkennen und man wird die Reise nach Charlestown, Boston auf keinen Fall bereuen. Gar wunderbar altmodisch erzähltes Gangsterkino: 8/10 Punkte.