Eine ganz andere Geschichte (Håkan Nesser)

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Kaum ist man einmal ein paar Tage ans Bett gefesselt, geht das mit dem Lesen gleich wieder viel flotter. So habe ich mir meine krankheitsbedingte Auszeit mit Håkan Nessers „Eine ganz andere Geschichte“ vertrieben. Dass ich das Buch trotz Kopfschmerzen und tränenden Augen nur kaum aus der Hand legen konnte, zeugt dabei eindeutig von dessen Qualität.

Erwartungen hatte ich zu Beginn kaum an das Buch. Da es ein Geschenk war, ging ich auch völlig uninformiert an die Sache heran: Man befindet sich zunächst an der französischen Küste und lauscht einem Mann, der seine Ferienerlebnisse in Tagebuchform aufarbeitet. Es ist das Jahr 2002. Nach einem Sprung in die Gegenwart lernen wir Inspektor Gunnar Barbarotti kennen, der mysteriöse Briefe erhält. Kurz darauf geschieht ein erster Mord. Wie dieser mit den geheimnisvollen Aufzeichnungen aus dem Sommer 2002 zusammenhängt? Das sollte jeder Leser selbst herausfinden.

Aufgrund seiner Struktur erinnert mich Nessers Roman etwas an James W. Nichols Roman „Ausgesetzt“, welcher ebenfalls auf zwei inneinander verstrickten Zeitebenen spielt. Abgesehen davon erscheint „Eine ganz andere Geschichte“ oberflächlich betrachtet eher wie ein behutsamer Krimi aus dem europäischen Norden. Die Sprache ist sehr gewählt und auf anspruchsvolle Art und Weise verspielt. Nesser verliert jedoch nie den Faden und gibt seinen Charakteren eindeutig zuordenbare Stimmen. Wirklich äußerst angenehm zu lesen.

Neben der ruhigen und doch stets mitreißenden Geschichte, gewinnt der Roman vor allem durch seine liebevolle Figurenzeichnung. Selbst Nebencharaktere werden hier mit einem plausiblen Hintergrund ausgestattet. Besonders ans Herz gewachsen ist mir aber Inspektor Barbarotti, der wahrhafter wirkt als die meisten anderen Figuren in Geschichten gleichen Genres. Ein echter Typ eben. Zudem werden durch ihn auch interessante sozialkritische und religiöse sowie philosophische Fragestellungen angeschnitten. Natürlich eher am Rande und oberflächlich, aber dennoch bekommt sowohl der Charakter, als auch die Geschichte dadurch Tiefe.

Insgesamt hat mich Håkan Nessers „Eine ganz andere Geschichte“ mehr als nur positiv überrascht und ich bin mir sicher, den Autor nicht zum letzten Mal gelesen bzw. Inspektor Barbarotti nicht zum letzten Mal besucht zu haben. Große klasse, ganz besonders wenn man dringen Ablenkung benötigt: 9/10 Punkte.

4 Gedanken zu “Eine ganz andere Geschichte (Håkan Nesser)

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