Crank (2006)

Es gibt nur wenige Filme – besonders im Actiongenre – die noch Innovationen bieten. „Crank“ gehört zu diesen seltenen Ausnahmen. Ein dreckiger, kleiner Actionfilm. Hirn aus und Spaß haben. So etwas hat es – meiner Meinung nach – schon länger nicht mehr gegeben. Entweder wollten die Filme mehr sein, als sie sind oder waren einfach nur Kopien von bereits existierenden Vorbildern. „Crank“ dagegen macht keinen Hehl daraus nur durchgeknallte, comicartige Action zeigen zu wollen – und das ist gut so.

Die knapp 85 Filmminuten vergehen wie im Flug. Man wird in die Geschichte hineingeworfen, muss sich mit der Hauptfigur erst einmal orientieren und bevor man sich versieht, beginnt das Adrenalin durch die Adern zu pumpen. Bis zum bitteren Ende gibt es keine Verschnaufpause. Weder für Chev (genial: Jason Statham), noch für den Zuschauer. Dem Film gelingt dabei das Kunststück nicht ermüdend zu wirken. Bei vielen anderen Actiongewittern („Matrix: Revolutions“, „Bad Boys 2“ etc.) schalte ich irgendwann ab, weil es einfach zu viel wird. Hier jedoch ist jede einzelne Actionszene ungewöhnlich und meist mit scharzem Humor durchsetzt. Die Inszenierung steht der wahnsinnig schnellen Handlung dabei um nichts nach.

Ich bin ja eigentlich eher skeptisch, wenn die Optik eines Films zu effektlastig ist und aufgesetzt wirkt, wie z.B. bei Tony Scotts „Man on Fire“. Auch „Crank“ spielt viel mit Filtern und Bildverfremdung. Allerdings passt das wahnsinnig gut zur Handlung (Drogeneinfluss, Adrenalin) und wirkt nie übertrieben oder selbstzweckhaft. Zudem werden diese Spielereien durch herrlich altmodische Actionszenen und ungewöhnliche Kameraperspektiven (u.a. von Inline Skates gefilmt) ergänzt. Der besondere Look des Films entsteht auch durch den Einsatz von HD-Kameras. Hier wird nicht versucht Film zu kopieren und doch wird der typische Videolook vermieden. Die Bild- und Bewegungsschärfe ist zudem durch den äußerst kurz gewählten Shutterspeed extrem hoch (wie z.B. in den Kampfszenen von „Gladiator“).

„Crank“ macht großen Spaß. Nicht mehr und nicht weniger. Da gibt es keine zweite Ebene, keine versteckte Botschaft. Eine gute Idee, tolle Optik, ein manischer Jason Statham, eine süße Amy Smart und wahnsinnige Actionszenen. Mehr braucht es manchmal gar nicht: 8/10 Punkte.

The Cave (2005)

Aktualisierung: Ich habe „The Cave“ am 11. Juni 2009 und am 15. August 2025 erneut gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Es gibt Filme, die sieht man sich trotz unzähliger schlechter Kritiken im Vorfeld an. Manchmal kann das lohnend sein, manchmal nicht. Bruce Hunts Höhlenabenteuer mit dem einfallsreichen Titel „The Cave“ gehört glücklicherweise zur sich lohnenden Gattung.

The Cave (2005) | © Constantin Film (Universal Pictures)

The Cave (2005) | © Constantin Film (Universal Pictures)

Der Film hat mein Interesse allein durch die thematische Verwandschaft zu Neil Marshalls Horrorhit „The Descent“ geweckt. Im Vorfeld wurde „The Cave“ häufig als Plagiat verschrien, doch ging diese höherbudgetierte Version der Geschichte früher in Produktion, als Marshalls Film. Beide Varianten des Höhlenthemas müssen sich allerdings den Vergleich mit Jeff Longs Roman „Im Abgrund“ (OT: „The Descent“) gefallen lassen, der für beide Filme ziemlich wahrscheinlich als Inspirationsquelle gedient hat und der selbst nach einer Verfilmung schreit.

Zurück zu „The Cave“: Man sollte den Film nicht mit „The Descent“ vergleichen. Hunts Version ist mehr Abenteuer- denn Horrorfilm. Die Erforschung und die visuellen Wunder des ausladenden Höhlensystems stehen klar im Vordergrund. Die Bilder sind teils wirklich grandios. Besonders die Aufnahmen am und im Wasser können überzeugen. „The Cave“ ist durch die tollen Bilder sehr atmosphärisch, schafft es aber nie ein wirkliches Gefühl von Klaustrophobie zu erzeugen. Allerdings habe ich das auch gar nicht sonderlich vermisst, da der – für einen Höhlenfilm – recht offene Inszenierungsstil recht gut zur Handlung passt.

Die Handlung ist dann auch der Knackpunkt. Weder sonderlich innovativ, noch besonders spannend oder außerordentlich wendungsreich. Trotzdem habe ich mich wirklich gut unterhalten. Bis auf das Finale und den Schlussgag gab es für mich auch keine größeren Ausreißer in den qualitativen Keller. Nett anzusehen und mit einem stets präsenten Hauch von Abenteuer. Die Figuren waren genau so klischeehaft, wie man es in solch einer Art Film erwartet. Dies trifft übrigens auch auf die Monster zu.

Fazit

Alles in Allem kann „The Cave“ hauptsächlich durch sein Setting und die tollen Bilder Punkten. Nette Szenen, wie im unterirdischen See nach dem Wasserfall, bringen den Film auch noch einmal nach vorne. Erwähnenswert ist für „Lost“-Fans zudem die Teilnahme von Daniel Dae Kim (Sun Kwon) an der Expedition. Wer ohne großartige Erwartungen an den Film herangeht und etwas für Höhlen übrig hat, wird bestimmt gut unterhalten: 7/10 Punkte.

Das Phantom der Oper – OT: The Phantom of the Opera

2001 hat Baz Luhrmann mit „Moulin Rouge“ bewiesen,  dass Musicals das Medium Film voll und ganz ausnutzen können. Drei Jahre später hat Joel Schumacher versucht, Andrew Lloyd Webbers Musicalklassiker „Das Phantom der Oper“ ähnlich aufwendig und filmisch auf die Leinwand zu bringen. Das Ergebnis kommt zwar nicht an Luhrmans Meisterwerk heran, weiß aber dennoch zu begeistern.

Mit Musicals ist das so eine Sache. Entweder man kann ihnen etwas abgewinnen, oder nicht. Ich gehöre zu der ersten Gruppe. „Das Phantom der Oper“ habe ich bis jetzt allerdings noch nicht auf der Bühne gesehen. Doch kenne ich die meisten Songs in und auswendig, da ich als Kind Heimorgelunterricht hatte, in dem ich alles von Andrew Lloyd Webber – von „Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat“, über „Cats“ und „Starlight Express“, bis hin zu „Das Phantom der Oper“ – rauf und runter gespielt habe. Mal mehr, mal weniger erfolgreich. Seitdem sind viele Jahre vergangen und doch habe ich bei der gestrigen Sichtung die meisten Stücke wiedererkannt.

Joel Schumachers Film beginnt – ähnlich wie „Moulin Rouge“ – mit einem Bilderrausch. Wirklich beeindruckend, was da auf die Leinwand gezaubert wird. Der weitere Verlauf ist ähnlich bunt und aufwendig, wenngleich er auch viele klassischere Szenen beinhaltet. Man merkt teils eben doch, nur eine Bühnenadaption zu sehen. Auch – oder gerade – in den gesungenen Sequenzen. Meist sind diese wirklich gelungen und überzeugen mit einer tollen Choreographie und Inszenierung. Zu Musicals gehört einfach eine epische larger than life Inszenierung, weshalb der Gesang gerade in den einfachen Szenen etwas befremdlich wirkt. Auch manche Handlungen sind übertrieben theatralisch und zeugen von der Bühnenherkunft.

Insgesamt ist Schumachers „Das Phantom der Oper“ – trotz einiger Schwächen – wirklich gelungen. Ein audiovisueller Bilderrausch, der meist voll und ganz zu überzeugen weiß. Natürlich sollte man etwas für Musicals übrig haben, denn wenn man die Musik und die überschwängliche Inszenierung wegnimmt, bleibt nicht mehr viel übrig. Doch dafür ist es schließlich ein Musical: 8/10 Punkte.

Syriana (2005)

Gestern Abend bin ich endlich dazu gekommen, mir Stephen Gaghans „Syriana“ anzusehen. Der Film hat mich hauptsächlich aufgrund seiner Thematik interessiert, wenngleich auch seine Präsenz bei den Acadamy Awards 2006 zum gesteigerten Interesse beigetragen hat.

Im Vorfeld waren viele Stimmen zu hören, die den Politthriller als langweilige Kopie von Soderberghs „Traffic“ dargestellt hatten. Sicherlich ist eine gewisse strukturelle und inszenatorische Verwandschaft nicht zu leugnen. Gaghan hat schließlich die Drehbücher zu beiden Filmen geschrieben. Zudem handelt in beiden Fällen um Politthriller, die ähnlich wie Robert Altmans Klassiker „Short Cuts“ aufgebaut sind. Dennoch ist „Syriana“ weit davon entfernt eine Kopie zu sein. Geschweige denn langweilig.

Den Inhalt hier wiederzugeben, würde wohl den Umfang des Eintrags sprengen. Zudem muss ich zugeben, bei der gestrigen Sichtung bestimmt nicht alle Details der komplexen Korruptionsgeschäfte mitbekommen zu haben. Der Film ist komplex. Sehr komplex. Man muss wirklich aufpassen, um wichtige Zusammenhänge zu erkennen. Es gibt eine Vielzahl an Figuren und noch mehr Hintermänner, die nur kurz in Erscheinung treten und doch von äußerster Wichtigkeit für die Handlung sind. Dabei bleibt „Syriana“ über weiter Strecken dennoch übersichtlich, spannend und erschütternd.

Die Geschichten gipfeln in einem Höhepunkt, der von den Figuren in den vorangehenden beinahe zwei Stunden detailliert vorbereitet wird. Welten treffen aufeinander. Ideologien. Letztendlich geht es jedoch um Geld und Macht. Die Stärke von „Syriana“ ist, dass die Figuren dem Zuschauer doch ziemlich schnell ans Herz wachsen. Sicherlich ist das bei der Vielzahl an Charakteren und der begrenzten Laufzeit nur bedingt möglich, doch gerade unter Berücksichtigung dieser Einschränkungen, zeigt sich die wahre Stärke des Films. So hat mich der Tod des Jungen doch sehr berührt und auch die Folter des CIA-Agenten fand ich in seiner Intensität weit grausamer, als die gesamten Folterszenen in „Saw III“.

„Syriana“ ist ein wirklich toller Film, der zum Nachdenken anregt. Trotz seiner Komplexität schafft er es zu unterhalten und mitzureißen. Wer etwas für Politthriller – und insbesonders „Traffic“ – übrig hat, dem wird auch Gaghans Film über das korrupte Ölgeschäft gefallen: 9/10 Punkte.

Saw III (2006)

Zusammen mit Neil Marshalls „The Descent“ stellt James Wans „Saw“ für mich einen der besten Genrebeiträge der letzten Jahre dar. Der Mix aus klassischem Serienkillerfilm und modernem Horrorthriller hat mich damals voll und ganz überzeugt. Die Fortsetzung „Saw II“ ist – wie erwartet – bedeutend schwächer ausgefallen, konnte mich aber aufgrund ihres gelungenen Finales und der stringenten Kontinuität zum ersten Teil dennoch gut unterhalten. Nun kehrt Jigsaw in „Saw III“ erneut zurück, um seine Opfer auf seine ganz eigene kreative Art um die Ecke zu bringen. Spoiler sind zu erwarten, wenngleich es keine wirklichen Überraschungen zu verraten gibt.

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Wo fange ich nur an? In „Saw III“ bleibt nun beinahe nichts mehr davon übrig, was den ersten Teil in meinen Augen wirklich sehenswert gemacht hat. Keine ungewisse Ausgangssituation, keine Psychospielchen, keine überraschende Auflösung. Darren Lynn Bousmans Fortsetzung reduziert die Reihe – noch mehr als im zweiten Teil – auf die Darstellung kreativer Tötungsarten. Etwas, das im Original nur einen Bruchteil der Handlung ausgemacht hat. Wirklich schade. War aber zu erwarten.

In „Saw III“ geht es von Anfang an zur Sache: In den ersten 20 Minuten prasseln die blutigen Szenen nur so auf den Zuschauer ein. Ich habe nichts gegen Gewaltdarstellungen in Filmen. Sie sollten allerdings etwas zur Geschichte oder wenigstens zur Atmosphäre beitragen. Doch was in diesen ersten Minuten in „Saw III“ so ausführlich dargestellt wird, bringt die Geschichte um keinen Schritt weiter. Nichts. Nada. Es gibt zu diesem Zeitpunkt keine Identifikationsfigur, keine Handlung, nur die blanke Gewalt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich den Film schon fast abgeschrieben.

Glücklicherweise folgen dennoch einige Handlungssequenzen, die dem bunten bzw. roten Treiben wenigstens etwas Sinn einhauchen. Jigsaw ist – wie bereits im letzten Teil – kurz davor das Zeitliche zu segnen und will noch ein letztes Spiel spielen. Dieses besteht erneut aus einer Aneinanderreihung von Fallen und kann emotional nicht wirklich mitreißen, da der Spieler viel zu unsympathisch dargestellt wird und er dieses Mal nicht um sein Leben kämpft, sondern um das von Menschen, die er sowieso lieber tot sehen würde. Klingt seltsam, ist aber so. Parallel entführt das mörderische Dreamteam Jigsaw/Amanda eine Ärztin, die sich um Jigsaws Hirntumor kümmern soll. In diesem Handlungsstrang folgt eine Szene, die Ridley Scotts Finale von „Hannibal“ zu übertreffen scheinen will. Gelingt ihr auch. So allein auf die Detailversessenheit der Darstellung reduziert. All das lässt mich als Zuschauer zwischen Ekel und Belanglosigkeit schwanken. Keine gute Mischung. Doch eingestreut werden immer wieder Rückblenden, die sich auf den ersten Teil der Horrorsaga beziehen. Man sieht Jigsaw bei den Vorbereitungen zu seinem großen Auftritt in Teil 1, man sieht ihn bei der Vorbereitung zu Amandas Falle und beim Basteln der Puppe. Diese Szenen bringen wirklich Atmosphäre und tragen zum Gesamtwerk „Saw“ bei. Leider machen solch gelungene Szenen nur einen Bruchteil des Films aus. Der Rest geht in Blut und Schweinehack unter.

Meiner Meinung nach hat sich die Horrortrilogie in die völlig falsche Richtung bewegt. Man hätte die gelungenen Szenen aus beiden Fortsetzungen nehmen und daraus einen würdigen zweiten Teil schaffen sollen. Das hätte etwas werden können. Leider will man auch im – oder gerade im – Horrorgenre nur immer höher, weiter und schneller hinaus. Dieser Umstand hat „Saw III“ für mich ziemlich belanglos gemacht. In Teilen zwar durchaus gelungen, insgesamt aber einfach nur enttäuschend. Ob ich dem kommenden vierten Teil noch eine Chance geben werde? Der dritte kommt für mich leider nicht über 4/10 Punkte hinaus.

Kill Bill: Vol. 2 (2004)

Wie angekündigt, habe ich gestern endlich „Kill Bill: Vol 2“ gesehen. Die Erwartungen waren hoch. Sehr hoch. Leider schafft es Volume 2 nicht, diese einhundertprozentig zu erfüllen. Dennoch wirkt der Film mit seinen Brüchen zum ersten Teil im Schaffen Tarantinos nur konsequent. Zusammen ergeben beide Volumes dann tatsächlich das erhoffte Meisterwerk – zumindest für Zuschauer, die sich mit dieser Auffassung von Kino und Film identifizieren können.

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„Kill Bill: Vol. 2“ ist das genaue Gegenstück zu Volume 1. Hat der erste Teil von abgedrehten Actionsequenzen und einer überschschwänglichen Inszenierung gelebt, so findet man sich in Volume 2 eher in einem klassischen Tarantinofilm wieder. Lange Einstellungen. Langsame Kamerafahrten. Ausführliche Dialoge und ebensolche Monologe. War Volume 1 Martial Arts mit Italowesternanteilen, so ist Volume 2 Italowestern gespickt mit Martial Arts. Bereits die Eröffnungssequenz in der Kirche atmet die Opernhaftigkeit eines Sergio Leone Westerns. Unglaublich intensiv und wunderbar fotographiert. Diese Ruhe zieht sich durch den gesamten Film und wirkt – auch mit Volume 1 im Hinterkopf – nie fehlplatziert.

Neben der grandiosen Eröffnungssequenz haben es mir besonders die Szenen im Sarg, der Kampf im Trailer, sowie die Lehrstunden mit Meister Pei Mei angetan. Hier war ich fast noch überzeugt, der Film könnte Volume 1 noch übertreffen. Doch mit fortschreitender Laufzeit, gab es einige Szenen, die ich nicht mehr so hundertprozentig überzeugend fand. Allen voran der alternde Bordellbesitzer. Für sich genommen bestimmt nett und unterhaltsam, im Film aber eher störend und einfach unnötig für die Geschichte.

Dann endlich: Das Finale. Bill. Kill Bill. Das lange Vorspiel mit der Tochter und den Gesprächen fand ich zwar irgendwie sinnvoll, da hier das Dilemma (Töten des Vaters) kurz angeschnitten wurde und auch der Inhalt (Superman) durchaus ansprechend war. Doch letztendlich wurde ich emotional nicht so mitgerissen wie erhofft. Das gleiche gilt für den Schlusskampf. Sicher war es konsequent auch hier mit der Erwartungshaltung zu brechen und den lang erwarteten Kampf überraschend (und doch irgendwie erwartet) schnell enden zu lassen. Doch auch hier gilt: Irgendwie unbefriedigend und nicht so befreiend wie erhofft.

Insgesamt ist auch Volume 2 ein wirklich toller Film. Die Figuren bekommen endlich die nötige Tiefe und ihre Motivation wird klarer, wodurch sich die Braut auch endlich einen Namen verdient: Beatrix Kiddo. Auch ergeht es ihr nicht wie anderen Racheengeln, die sich nach getaner Arbeit leer und nutzlos fühlen (Budd und Elle Driver) – nein, sie ist jetzt Mutter und fällt dadurch nicht in das erwartete Loch. All dies ist schön konstruiert und teils gibt es wirklich fantastische Szenen, doch irgendwie wirkt der Film auf mich unrund und – wenn man das Ende betrachtet – emotional zu wenig mitreißend. Vielleicht würde eine Gesamtfassung „Kill Bill“ doch noch ein Stück nach vorne bringen. Mit vielleicht einer etwas anderen Chronologie der Szenen. Vielleicht. Ich kann es nicht sagen, würde mir aber auch diese Fassung auf jeden Fall ansehen.

Tarantino hat mit „Kill Bill“ ein höchstinteressantes und unterhaltsames Racheepos geschaffen. Tolle Bilder, tolle Figuren, grandiose Actionsequenzen. Müsste ich Volume 2 getrennt bewerten, würde ich nach der aktuellen Sichtung 8/10 Punkte vergeben. Das Gesamtwerk schafft es dagegen locker auf 9/10 Punkte – und das war schließlich erst der Anfang…

Kill Bill: Vol. 1 (2003)

Mit Quentin Tarantino verbinde ich einen großen Teil meiner Filmleidenschaft. Ich habe zwar schon immer gerne Filme gesehen, doch erst „Pulp Fiction“ hat meine Liebe zu den bewegten Bildern entfacht. Mit „Jackie Brown“ durfte ich erstmals einen Film des Meisters im Kino erleben. Danach wurde es für längere Zeit erneut still um den größen movie geek von uns allen. Umso mehr habe ich mich nach der Ankündigung auf „Kill Bill: Vol. 1“ gefreut. Eine Vorfreude, die sich letztendlich ausgezahlt hat.

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Wie auch bei den vorhergegangenen Tarantinofilmen, gab es im Vorfeld von „Kill Bill“ viel Gerede um Gewaltverherrlichung und verschiedene Schnittversionen. Der Unterschied zu den sonstigen Gerüchten: Dieses Mal ist etwas dran. „Kill Bill“ wurde zweigeteilt und zudem ist extra für den japanischen Markt eine härtere Fassung veröffentlicht worden. Seitdem warten Fans auf der ganzen Welt – oder zumindest die mit Internetanschluss – auf eine vollständige Schnittversion. Ich stehe dem etwas skeptisch gegenüber. Zumindest was die Zusammenführung beider Volumes betrifft, denn ich kann mir „Kill Bill“ – so gelungen er ist – nicht wirklich als vierstündiges Epos vorstellen.

Wenn ich schon einmal bei verschiedenen Fassungen des Films bin: Die zensurbedingte in schwarz/weiss gehaltene Kampfszene kann mich nicht einmal als Pseudostilmittel überzeugen. „Kill Bill“ lebt von seinen knalligen Farben, seiner comichaften Gewaltdarstellung und der entsprechenden Inszenierung. Leider geht all das mit der Entsättigung der Farben verloren. Uma Thurman steckt nicht umsonst in einem knallgelben Anzug. Wirklich schade. In der internationalen Fassung wirkt diese Sequenz für mich somit etwas fehlplatziert. Dennoch ist dieser Versuch der künstlerischen Selbstzensur wenigstens ein interessanter Ansatz.

Nachdem nun die Rahmenbedingungen abgeklärt sind, komme ich zum eigentlichen Film: Wow! Tarantino überrascht immer wieder aufs Neue. „Kill Bill“ ist der Spaghettiwestern unter den asiatischen Revengemovies. Grandios, wie Tarantino die Genres plündert und ihre Versatzstücke geschickt zu etwas kombiniert, das in dieser Form noch nicht da war. Die Geschichte ist simpel. Es geht um Rache. Nicht mehr und nicht weniger. Dabei ist eher der Weg das Ziel. Der Weg und wie dieser inszeniert wurde. Poppig bunt mit ungewohnten Stilmitteln, äußerster Brutalität und stets einem augenzwinkernden Humor. Dieser bunter Cocktail ist dabei in sich erstaunlich konsistent. Macht Spaß und definitiv Lust auf mehr.

Uma Thurman ist die perfekte Darstellerin für die Rolle der Braut. Lucy Liu eine ebenso imposante Gegenspielerin. Die restlichen Figuren gehen etwas unter. Das ist auch etwas mein Problem mit dem Film. Außer der Braut gibt es keine Identifikationsfiguren und sie selbst ist nur von der Rache geleitet. Dies funktioniert zwar tadellos, doch die wortreichen Personenkonstellationen – die bisher in allen Tarantinfilmen vertreten waren – fehlen mir dann doch etwas. Aber vielleicht folgt das noch in Volume 2, den ich bisher leider noch nicht sehen konnte. Es sind leider oft die Filme, auf die man ewig wartet, für deren Kinosichtung sich partout keine Zeit finden lassen will.

„Kill Bill: Vol. 1“ hat mir dieses Mal fast noch besser gefallen, als damals im Kino. Es braucht aber bestimmt noch einige Sichtungen, damit der Film zu seinen Vorgängern aufschließen kann. Ich bin nun auf jeden Fall erst einmal sehr gespannt auf Volume 2: 9/10 Punkte.

King Kong – Extended Edition (2005)

Peter Jacksons Nachfolger seines Meisterwerks „Der Herr der Ringe“ wurde mit Spannung erwartet. Doch wurden bereits im Vorfeld viele Stimmen laut, die meinten, der Film sei zu langatmig, zu ausgewalzt, einfach zu übertrieben. Ich jedoch hatte bereits bei der Sichtung im Kino großen Spaß an dem Affen. Auch auf DVD macht „King Kong – Extended Edition“ eine sehr gute Figur und zeigt erneut Jacksons große Liebe für das Kino – und die Urversion von „King Kong“ im Speziellen.

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Ich kann mir jedoch vorstellen, warum viele Leute Schwierigkeiten mit dem Film haben. Actionliebhaber werden vermutlich von der ersten Stunde abgeschreckt, in der die Figuren und ihre Umfeld behutsam charakterisiert werden. Freunde des ruhigeren Films können dagegen mit dem Teil auf der Insel wohl weniger anfangen. Zu viele Urviecher und Actionsequenzen. Wen hatte Peter Jackson also als Zielgruppe im Kopf? Wahrscheinlich sich selbst. Und damit Menschen, die Filme lieben. Jede Art von Film. Nicht nur spezielle Genres. Vermutlich sollte man zudem ein Faible für klassische Monsterfilme haben. Ein Filmgeek sein. Doch „King Kong“ ist nie so abgehoben oder so speziell, dass nicht auch das normale Publikum seine Freude an diesem grandiosen Abenteuerspektakel haben könnte.

Trotz seiner ultramodernen Technik ist Jacksons „King Kong“ ein klassischer Abenteuerfilm. Es gibt eine strikte Dreiteilung der Geschichte, die Figuren transportieren die Naivität des 1933er „King Kong“ in die heutige Zeit und die Monsterszenen sind genauso atemberaubend übertrieben, wie 1933 bestimmt auch die Stopmotionsequenzen für das damalige Publikum gewirkt haben müssen. Alles in Allem ist auch Jacksons moderner „King Kong“ ein klassischer Abenteuerfilm und auf einen solchen sollte man sich einlassen können, wenn man seinen Spaß haben will.

Von der Ausstattung, über die Inszenierung, bis hin zu den Schauspielern: Alles ist stimmig. Man fühlt sich in eine fantastische Welt versetzt, die durch die erste halbe Stunde die nötige Glaubwürdigkeit verliehen bekommt. Sicher spielt Jack Black den Orson Welles-Verschnitt manisch übertrieben, Adrian Brodys Jack Driscoll geht in dem bunten Treiben fast etwas unter und Naomi Watts‘ Ann Darrow überstrahlt alle anderen Figuren. Das geht aber voll in Ordnung, da die Darstellung der Figuren perfekt in die überhöhte Realität des Abenteuerfilms passt und die Hauptrolle sowieso ein anderer spielt: „King Kong“.

Der große Affe ist wirklich ein Meisterwerk. In den meisten Einstellungen wirkt er so lebensecht, wie kein zweiter CG-Charakter. Unglaublich. Man fühlt mit ihm mit. Kann Ann Darrow verstehen. Er bewegt sich wie ein Tier, verhält sich wie ein Tier. Sind ansonsten nicht alle computergenerierten Sequenzen (Dinojagd etc.) perfekt gelungen, Kong ist es. Der Affe hebt den Film über das Niveau eines einfachen Abenteuerfilms und verleiht ihm eine neue Dimension von Tiefe. Vielleicht sehe ich das aber auch nur so, weil ich verstehen kann, wie schwer es ist, einen glaubwürdigen CG-Charakter zu schaffen, der mit seiner Umwelt interagiert und zudem noch Gefühle beim Zuschauer weckt. Ein wahres Meisterwerk.

Peter Jacksons „King Kong“ ist altmodisches Abenteuerkino, kombiniert mit modernster Technik. Das macht den Film in meinen Augen besonders reizvoll. Alles ist larger than life – genau so, wie es bei dieser Art von Film sein muss: 9/10 Punkte.

Liebe braucht keine Ferien – OT: The Holiday (2006)

Dieses Jahr haben wir uns entschlossen die Wartezeit auf den Jahreswechsel mit einem Kinobesuch zu verkürzen. Da bei einer größeren Truppe – besonders mit hohem Frauenanteil – nie mit einer leichten Einigung im Bezug auf die Filmwahl zu rechnen ist, wurden im Vorfeld diverse Möglichkeiten diskutiert. Mein Favorit „Apocalypto“ lief an Silvester nicht und für meinen zweiten Vorschlag – „Babel“ – ließ sich auch niemand begeistern. Letztendlich ist die Wahl mehrheitlich auf Nancy Meyers „Liebe braucht keine Ferien“ gefallen, deren „Was das Herz begehrt“ mir eigentlich ganz gut gefallen hat. Nach dem Film stand ich jedoch mit der Meinung, dass „Babel“ wohl die bessere Wahl gewesen wäre, nicht alleine da.

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Ich sehe mir ja eigentlich auch ganz gerne ruhigere Filme an. Auch für Hollywoodkino bin ich immer offen. Selbst Liebesfilme à la „Notting Hill“ haben bei mir einen Platz im cineastischen Herzen. Auch Kitsch und Klischees sind ab und an durchaus akzeptabel. Doch in „Liebe braucht keine Ferien“ kommt all das zusammen und ist in der Summe wirklich zu viel des Guten. Sicher hat der Film auch nette Szenen und die Sichtung hat nicht weh getan, doch wird das alles in billigen Klischees und übermäßigem Kitsch erstickt.

Selbst Kate Winslet, die ich für eine der echtesten Schauspielerinnen halte, verkommt hier zum wandelnden Klischee. Ihre Iris wird natürlich von der bösen Männerwelt ausgenutzt und sie kann nichts dagegen unternehmen, weil sie den bösen Jungen einfach so sehr liebt. Leider wird diese Geschichte äußerst plump erzählt, was die Figur häufig nur erbärmlich wirken lässt. Sehr schade. Auf der anderen Seite gibt es dann die Traumprinzen, die schon wieder so gut sind, dass man es fast nicht aushält: Alleinerziehend, gutaussehnd, aufoperungsvoll, Witwer. Der Stoff aus dem Frauenträume sind? Ich weiß es nicht, tippe aber eher darauf, dass Jude Law der Grund für die hingebungsvollen Seufzer war.

Die Handlung um Jack Blacks Figur und die Anspielungen auf Hollywood haben mir dann schon besser gefallen, auch wenn Black in „The Holiday“ zum zahmen Schoßhund verkommt. Richtig gelungen fand ich Dustin Hoffmans Cameo und auch Eli Wallachs Arthur Abbott hatte die Sympathien auf seiner Seite, wenngleich er der typische nette alte Mann war, wie er seit Ron Howards „Cocoon“ in jeder zweiten Komödie auftaucht. Ein weiteres Klischee in einem klischeehaften Film. Aber eines von den gelungeneren.

Insgesamt ist „Liebe braucht keine Ferien“ weichgespühltes Hollywoodkino, mit teils netter Atmosphäre und schönen Sets. Die Darsteller überzeugen und doch springt kein Funke über. Es fehlt jeglicher Biss und mangelt an Überraschungen. Das Ende war bereits nach 5 Minuten absehbar und selbst der Weg war einfach nur der Weg und nicht das Ziel.

Bei der Verwendung FROU FROUs LET GO wusste ich nicht, ob ich mich ärgern oder freuen soll. Insgesamt trifft das den Nagel ziemlich genau auf den Kopf. Der Film ist weder toll noch ein Ärgernis. Er ist einfach nur da – und das ist in meinen Augen zu wenig. Absoluter Durchschnitt: 5/10 Punkte.

Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia – OT: The Chronicles of Narnia: The Lion, the Witch and the Wardrobe (2005)

Aktualisierung: Ich habe „Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia“ am 11. Dezember 2022 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nachdem die Weihnachtstage wieder einmal viel zu schnell vorübergezogen sind, habe ich mir gestern Abend zum Abschluss „Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia“ angesehen. Der Film hatte mich bei der Sichtung im Kino ziemlich enttäuscht. Aufgrund einer – mehr oder weniger – geschickten Marketingkampagne wurde dem Zuschauer suggeriert, dass er von der C.W. Lewis-Verfilmung ein neues Fantasyepos à la „Der Herr der Ringe“ erwarten kann. Dem war nicht so. Trotzdem sind einige schöne Bilder hängen geblieben und aufgrund des Mangels an klassicher Fantasy, habe ich dem Film noch einmal eine Chance gegeben.

Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia (2005) | © Walt Disney

Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia (2005) | © Walt Disney

Aufgrund der angepassten Erwartungshaltung, konnte ich dem Film gestern viel mehr abgewinnen. Die erste Stunde – bis zum endgültigen Betreten von Narnia – fand ich im Kino schon ziemlich gelungen und auch gestern hat mir dieser Teil wieder am besten gefallen. Schön gespielt und inszeniert, mit einer tollen Atmosphäre. In Narnia selbst wirkt die Geschichte dann etwas zerfahren, was aber wohl an der Vorlage liegt. „Die Chroniken von Narnia“ sind eher Kinderbücher und somit wirkt auch die Verfilmung teils zu sehr auf Kinder zugeschnitten. Dies wäre an sich nicht schlimm, doch es beißt sich etwas mit der pompösen, epenhaften Inszenierung. Nicht Fisch und nicht Fleisch, wie man so schön sagt.

Ein weiterer Kritikpunkt sind für mich die Hauptfiguren. Sie sind – besonders für Kinder – viel zu stereotyp gezeichnet. Wirklich schade, da eine Identifikation somit nicht immer leicht fällt. Allein Lucy schafft es mich als Zuschauer auf ihre Seite zu ziehen und wird für mich somit zur einzigen echten Identifikationsfigur, was wahrlich kein Ruhmesblatt für den Film ist.

Der Film hat jedoch auch gute Seiten: Wunderbare Landschaftsbilder und teils grandiose Effekte. Aslan war – zumindest bis „King Kong“ – so ziemlich das beeindruckendste, was ich je auf der Leinwand gesehen habe. Ganz groß. Auch die Endschlacht weiß audiovisuell zu Punkten, wenngleich auch hier wieder die Diskrepanz zwischen kindgerechtem und erwachsenem Fantasyfilm vorherrscht. Die Geschichte schwächelt zwischen der starken ersten Stunde und der guten letzten halben Stunde zwar etwas, doch kann man – wenn man mit der richtigen Erwartungshaltung an „Die Chroniken von Narnia“ herangeht – durchaus seinen Spaß haben.

Fazit

Andrew Adamson schafft es zwar in keinster Weise an Peter Jacksons Meisterwerk heranzukommen – er muss sich selbst Ron Howards „Willow“ geschlagen geben – doch verbeitet sein Film eine schöne Fantasyatmosphäre und weiß audiovisuell größtenteils voll zu überzeugen. In einem so raren Genre ist das durchaus die eine oder andere Sichtung wert: 7/10 Punkte.