Sherlock Holmes (2009)

Früher habe ich Guy Ritchies Filme geliebt. Sowohl „Lock, Stock and Two Smoking Barrels“ als auch „Snatch“ waren damals echte Kultfilme in meinem Freundeskreis. Danach habe ich jedoch schnell das Interesse an Ritchies Werk verloren. Erst mit seiner 2009er Interpretation von „Sherlock Holmes“ tauchte er wieder auf meinem Radar auf. Eine zweifelsfrei lohnende Wiederbegegnung. Keine Frage.

Zunächst einmal fällt die grandiose Optik des Films auf. Die Ausstattung ist wahrlich überwältigend. Besonders das detailreiche Bild der Blu-ray lädt öfter einmal dazu ein, einzelne Frames ausführlich zu studieren. Trotz des viktorianischen Settings wirkt der Film unglaublich dynamisch und modern. Hier hat man – auch was die Charaktere angeht – eine äußerst faszinierende Mischung aus klassischem Abenteuer- und modernem Actionfilm geschaffen. Da macht das Zuschauen wirklich Spaß.

Neben der Optik lebt der Film vor allem von seinen Darstellern. Robert Downey Jr. („Ironman“) und Jude Law geben ein herrliches Leinwandpaar, welches eine wunderbare Chemie besitzt. Dabei kann der Film eine homoerotische Spannung zwischen seinen Figuren nicht verleugnen, was auch durchaus zum schrägen Ton des Films passt. Die leider nicht sonderlich tief gehenden Charaktermomente sind auch das Highlight des Films und trösten über so manche Schwäche in der Geschichte hinweg.

Die Handlung ist wirklich nicht sonderlich innovativ. Ein Bösewicht, ein paar falsche Fährten, stimmungsvolle Sets und ein paar knackige Actionsequenzen. Am Ende dann eine wenig überraschende Auflösung samt Showdown. Leider nichts, was besonders lange im Gedächtnis bleiben wird. Das ist leider auch der Knackpunkt, der dem Film letztendlich eine höhere Bewertung verwehrt.

Guy Ritchies „Sherlock Holmes“ ist eine spannend inszenierte und modern visualisierte Interpretation der klassischen Detektivreihe. Der Film macht teils (besonders in seiner Hälfte) unglaublich viel Spaß, gegen Ende enttäuscht die Geschichte dann leider doch etwas. Dennoch sollte man sich den Film alleine aufgrund seiner famosen Optik und den gut aufgelegten Darstellern ansehen. Einfach unterhaltsames Popcornkino: 7/10 Punkte.

Mary Poppins (1964)

Mit Walt Disneys Kinderbuchverfilmung „Mary Poppins“ bin ich zu einer nostalgische Reise aufgebrochen. Einerseits weil ich den Film seit meiner Kindheit nicht mehr gesehen habe und andererseits, weil er wunderschöne Erinnerungen an das Broadway Musical heraufbeschwört, das ich vor zwei Jahren während meiner Hochzeitsreise gesehen habe.

Man kann wirklich sagen, was man will, doch Disneys Klassiker sind einfach wunderbare Filme. Sie mögen teils naiv erscheinen, es wird viel gesungen, die Geschichte samt ihrer Botschaft ist leicht zu durchschauen und doch verströmen sie unwiderlegbar eine ganz eigene Kinomagie. Mir persönlich fällt es ziemlich leicht diese Filme mit staunenden Kinderaugen zu betrachten. Besonders im heutigen Kino, in dem es besonders angesagt ist der Welt mit möglichst großem Zynismus zu begegnen, finde ich diese Art von Film einfach nur erfrischend und herzerwärmend.

Mit „Mary Poppins“ hat Regisseur Robert Stevensen unter der Aufsicht von Walt Disney ein ganz besonderes Meisterwerk geschaffen. Julie Andrews und Dick Van Dyke spielen ihre Rollen so ungezwungen, dass es eine wahre Freude ist. Die Geschichte wird durch kunterbunte Bilder erzählt, welche man so vorher noch nie auf der Leinwand gesehen hatte. Doch am meisten wissen wohl Richard M. und Robert B. Shermans Songs zu begeistern, welche sich aus der Musicalgeschichte heute nicht mehr wegdenken lassen.

Wie in jedem Disneyfilm gibt es auch hier eine Botschaft, die allerdings – zumindest wenn man sich auf den Film einlassen kann – erfreulich unaufdringlich daherkommt. Überhaupt finde ich es wunderbar, wie viel man auch als Erwachsener aus dem Film mitnehmen kann und komplett auf schwarzen Humor hat man hier schließlich auch nicht verzichtet. Ein wunderbar zeitloser Film, der sich umfassend wohl nur mit dem Wort Supercalifragilisticexpialidocious beschreiben lässt. Absolutes Pflichtprogramm für alle Disney- und Musicalfreunde: 10/10 Punkte.

Drag Me to Hell (2009)

Auf die Sichtung von Sam Raimis „Drag Me to Hell“ hatte ich mich schon sehr lange gefreut. Endlich einmal wieder ein vielversprechender Genrefilm, den besonders die Fans in den Himmel lobten. Ein ziemlich zuverlässiges Qualitätsmerkmal. Folglich konnten meine hohen Erwartungen nicht enttäuscht werden, oder etwa doch?

Zunächst einmal sollte ich vorausschicken, dass ich Sam Raimis frühe Genrebeiträge zwar durchaus gelungen finde, sie aber insgesamt nicht so ins Herz geschlossen habe, wie wohl die meisten Gernefreunde. Für mich ist seine „Evil Dead“-Trilogie dann am gelungensten, wenn sie den Zuschauer zum Lachen bringt. Überzogene Gewalt, hysterische Action und klamaukiger Slapstick. Vermutlich kann ich deshalb auch mit dem ersten Teil – dem in Deutschland zu trauriger Berühmtheit gelangten „Tanz der Teufel“ – am wenigsten anfangen.

Von vielen vergessen ist Raimis Rückkehr ins Genre aus dem Jahr 2000. „The Gift“ ist ein unspektakulärer, aber doch effektiver und atmosphärischer Gruselfilm, der mich damals unruhig auf der Kante des Kinosessels hin und her rutschen ließ. Sehr klassisch und ohne Humor inszeniert. Nach seiner „Spider-Man“-Trilogie kehrte Raimi mit „Drag Me to Hell“ nun erneut in sein Genre zurück und begab sich dabei wieder komplett zu seinen Wurzeln, sprich: Überzogene Gewalt, hysterische Action und klamaukiger Slapstick.

Wie die meisten guten Horrorfilme greift auch „Drag Me to Hell“ aktuelle sozialkritische Tendenzen auf und verarbeitet diese auf mehr oder minder dezente Art und Weise. Dieses Mal sind herzlose Bänker der Auslöser für das über die Charaktere hereinbrechende Böse und man darf sich auf einen besonders kreativen Ansatz zur Tilgung von Hypothekenschulden freuen. Die Geschichte bleibt dabei äußerst oberflächlich und lebt vor allem von ihren herrlich überzeichneten Schockszenen. Absolut ekelerregend und stets unterhaltsam. Der Übergang vom ersten Erschrecken zu hysterischem Lachen ist bei diesem Film wirklich nahtlos.

Kritisieren kann man natürlich die einfach konstruierte Geschichte samt vorhersehbarer Wendung, doch dank des trashigen Charmes mag ich dem Film nicht wirklich böse sein. Bis auf einige schlechte CGI-Effekte ist „Drag Me to Hell“ herrlich altmodisch und nimmt sich selbst alles andere als ernst. Für Genrefreunde kann ich insofern nur eine dicke Empfehlung aussprechen: 7/10 Punkte.

Panic Room (2002)

(Es gibt wohl kaum einen Regisseur, dessen gesamte Filmografie so sehenswert ist, wie die von David Fincher. Zumindest in meinen Augen. Nach seinem Ausnahmefilm „Fight Club“ inszenierte er mit „Panic Room“ einen schnörkellosen Thriller, welcher bei den Kritikern unverständlicherweise nicht sonderlich gut angekommen ist. Für mich jedoch eine weitere Glanzleistung im Schaffen Finchers.

Zunächst einmal möchte ich die formalen Aspekte des Films hervorheben. Der Thriller ist unglaublich schön fotografiert. Die Kamerafahrten sind fantastisch. Minutiös geplant und entsprechend ausgeführt. Ohne jeden Zweifel ein audiovisuelles Meisterwerk. Bereits die Eröffnungstitel wirken bedeutungsschwanger und stellen die unterschwellige Bedrohung des urbanen Umfelds gekonnt dar. Hinzu kommt ein eindringlicher Score, der mich mehrmals an die Filme Hitchcocks denken ließ.

Auch von seinem erzählerischen Aufbau erinnert „Panic Room“ an den Großmeister des Genres. Ein begrenzter Zeitraum, eine klar abgesteckte Location und eine düstere Bedrohung, welche urplötzlich in das Privatleben der Charaktere einfällt. Hinzu kommt ein solch gezielter Einsatz von Suspense, als hätte Fincher Hitchcocks Definition stets im Hinterkopf gehabt. Selten durfte ich solch einem spannenden Film beiwohnen. Selbst bei der gestrigen Zweitsichtung konnte ich die Spannung körperlich zu spüren.

An die von den Kritikern oft bemängelten Logiklöcher habe ich bei der gestrigen Sichtung keinen einzigen Gedanken verschwendet, zu sehr nahm mich die Handlung gefangen. Auch die Kritik am angeblich so verdammenswerten einfachen Aufbau der Geschichte kann ich absolut nicht nachvollziehen. Was bitte braucht diese Geschichte mehr? Die Charaktere sind wunderbar ausgearbeitet und die Handlung peitscht förmlich voran. Besonders die Dynamik zwischen den Bösewichten fand ich grandios. Sicher kein zweiter „Fight Club“, doch hat solch eine verzwickte Handlung in diesem extrem dichten Thriller auch gar keinen Platz.

Für mich ist „Panic Room“ ein weiterer Volltreffer in Finchers Gesamtwerk. Sicher nicht sein bester Film, doch wohl einer meiner liebsten Spannungsfilme. Zudem ist er audiovisuell so perfekt gestaltet, dass jeder Filminteressierte alleine Stunden mit seiner formalen Analyse verbringen könnte. Ein unglaublich intensiver Film, den jeder Thrillerfreund mindestens einmal gesehen haben sollte: 9/10 Punkte.

Serenity (2005) (WS1)

Nachdem ich die letzten Tage notdürftig mit den Comics „Those Left Behind“ und „Better Days“ überbrückt habe, war es nun an der Zeit mit „Serenity“ einmal wieder Abschied von meinem Lieblingraumschiff zu nehmen. Abschied von meinen Lieblingscharakteren, Abschied von meinem Lieblingsuniversum. Doch bestimmt nicht zum letzten Mal.

Wie bereits bei der letzten Sichtung von „Serenity“ muss ich auch dieses Mal wieder das zu viel zu schnelle Voranschreiten der Geschichte bemängeln. Im Vergleich zur Ursprungsserie „Firefly“ kann es sich Joss Whedon leider nicht mehr erlauben sich mit den kleinen, aber feinen Details seines Universums aufzuhalten. Er hat eine Geschichte zu erzählen. Schließlich wollen neue Zuschauer auf den aktuellen Stand gebracht werden und auch die Brücke zum großen Finale gilt es zu schlagen. Kein einfaches Unterfangen.

Für mich wirkt die Struktur des Films folglich auch etwas unausgegoren, was besonders im Mittelteil auffällt. Wie toll wäre es doch gewesen diese Geschichte noch über mindestens eine Staffel zu strecken. Doch im mag mich gar nicht beschweren, denn schließlich ist besonders das letzte Drittel des Film ein absoluter Hochgenuss. Düster, hart, schnell und einfach mitreißend. Zudem durchsetzt von einer seltsam anmutigen Endzeitpoesie. Für Freunde der Serie wirklich erfgreifende Minuten.

Inzwischen sieht es so aus, dass „Serenity“ tatsächlich das unumstößliche Ende dieses Minifranchise darstellt – zumindest in den Bewegtbildmedien. In Comicform dürfen wir uns wohl noch bald auf „The Shepherd’s Tale“ freuen, welches uns endlich den Hintergrund von Shepherd Book offenbart. Immerhin. Wie auch schon „Object’s in Space“ lässt mich „Serenity“ immer etwas wehmütig zurück. Ein Gefühl, das auch wunderbar zum Ende dieses außergewöhnlichen Films passt. Sehr sehenswert: 9/10 Punkte.

2012 (2009)

Was für ein Trash! Das waren wohl die Worte, die mir bei der Sichtung von Roland Emmerichs „2012“ am häufigsten durch den Kopf gegangen sind. Bei seiner Kinoauswertung hat mich der Film nicht sonderlich interessiert, doch da die Effektszenen im Trailer durchaus beeindruckend sind und ich zudem John Cusack recht gerne sehe, habe ich mich dennoch auf den Film eingelassen.

Die erste Stunde ist auch richtig gute Unterhaltung, wenn man in der Lage ist sich auf den Film einzulassen. Wer mehr erwartet, als ein monströses Effektspektakel, darf sich eigentlich sowieso nicht beschweren. Die Prämisse ist zugeschnitten auf eine Genereration von Zuschauern, welche „Galileo“ oder „Welt der Wunder“ als hochwissenschaftliche Sendungen sehen. Wohl unterhaltsam, aber eben auch nicht konsumierbar ohne sich stets zu denken: Was für ein Trash!

Der pseudowissenschaftliche Hintergrund ist für den Spannungsaufbau durchaus ausreichend und die Charaktere werden – typisch für dieses Genre – in episodenhaften Szenarien vorgestellt. Soweit, so gut. Als dann das Chaos losbricht gibt es unglaubliche Schauwerte zu bewundern. Beinahe schon zu viel für die Rezeptoren. Reizüberflutung deluxe. Mit „2012“ hat Emmerich wohl tatsächlich die obere Fahnenstange des Gigantismus im Katastrophenfilm erreicht. Mehr wird – zumindest in den kommenden Jahren – einfacht nicht gehen.

Ungefähr ab der Hälfte – und nachdem man mit Woody Harrelsons Charakter die unterhaltsamste Figur des Films vorzeitig hat aussteigen lassen – gibt es die ersten wirklich dramatischen Szenen zu sehen und mit diesen fällt der Film in sich zusammen. Die Charaktere sind viel zu blass, um echtes Drama transportieren zu können. Das Drehbuch ist zu flach und schlecht konstruiert, um das Interesse über die viel zu langen zweieinhalb Stunden aufrecht zu erhalten. Selbst den tollen Effektszenen wurde ich irgendwann überdrüssig.

Das Finale auf der Arche ist zudem wirklich öde. Es mag daran liegen, dass ich gestern auch schon ziemlich müde war, doch die pseudo-humanitären Diskussionen um den Wert eines Menschenlebens waren einfach nur nervtötend und zudem schlecht geschrieben und langweilig inszeniert. Wer will so etwas in einem Film wie „2012“ schon sehen? Hier konnte sich der Film nicht einmal mehr auf seinen Trashfaktor berufen, der ihn in den vorherigen zwei Stunden über Wasser gehalten hat.

Auch wenn ich als CGI-Freund die Effekte ziemlich gelungen und beeindruckend fand, so muss ich doch sagen, dass der restliche Look des Films doch sehr an meinen Nerven gezerrt hat: Liebe Regisseure (und besonders Michael Mann), bitte lasst die Finger von diesem scheußlichen Videolook! Das will im Kino wirklich niemand sehen. Glücklicherweise fällt dieser Look nur in wenigen Szenen auf, doch das reichte aus, um mich immer wieder aus dem Film zu reißen.

Insgesamt hat Emmerich mit „2012“ zum dutzendsten Mal die gleiche Geschichte erzählt. Dieses Mal nur mit noch mehr Wumms und noch weniger Drehbuch. Visuell teils atemberaubend, doch inhaltlich einfach nur mau. Kann man sich als VFX-Freund durchaus anschauen und als solcher wird man ein absolut durchschnittliches Effektespektakel bis zu einem gewissen Grad auch zu schätzen wissen: 5/10 Punkte. Was für ein Trash!

Fanboys (2009)

Zum 30. Jubiläum von „Star Wars“ wurden zwei Filme angekündigt, die sich dem Thema aus Sicht der Fans annehmen sollten. Der erste war Patrick Read Johnsons – bisher immer noch unveröffentlicher – „77“ (ehemals „25-5-77“) und der zweite Kyle Newmans „Fanboys“, welcher eine äußerst turbulente Entstehungsgeschichte hinter sich hat. Sieht man diese dem Film an?

Zum Hintergrund: Kurz bevor der Film veröffentlicht werden sollte, wurde dieser von seiner Produktionsfirma The Weinstein Company umgeschnitten und um einen der Haupthandlungsstränge erleichtert. Nach schlechter Publicity aufgrund dieser Kürzung wurde letztendlich entschieden eben diesen gekürzten Handlungsstrang doch wieder in den finalen Schnitt des Films aufzunehmen. Ob mit der aktuellen Version nun ein echter Director’s Cut vorliegt oder nur eine annähernd rekonstruierte Fassung scheint jedoch niemand so genau zu wissen. Ob es das Drama überhaupt wert war?

In meinen Augen nicht. Ich kann durchaus verstehen, warum den Weinsteins der Handlungsstrang um die tödliche Krebserkrankung nicht ins Konzept passte. Er fügt sich einfach nicht in den restlichen Film ein. Emotional passiert da nichts. Die Geschichte geht im restlichen Klamauk völlig unter und man hätte die Schwerpunkte von Grund auf anders verteilen müssen. Dann jedoch wäre der Film in Richtung emotionales Drama gekippt und so wie „Fanboys“ vermarktet wurde, wäre dies wohl auch keine Lösung gewesen. Ich möchte die Praktiken der Weinsteins hiermit nicht gutheißen – und offensichtlich war deren nachbearbeitete Version noch inkonsistenter – doch hier haperte es einfach bereits am Drehbuch.

Abgesehen von der Unstimmigkeit in der Prämisse (man hätte wahrlich irgendeinen Grund zwischen tödlicher Krankheit und reiner Schnapsidee finden können) bietet der Film teils wirklich fantastische Unterhaltung. Die Gags werden zwar oft mit der Brechstange präsentiert, doch treffen sie fast immer ins Schwarze. Die Helden sind genau so nerdig, wie sie eben sein müssen und werden zudem von einer wunderbaren Kristen Bell („Veronica Mars“) unterstützt. Herrlich sind ebenso die Cameos, allen voran William Shatner.

Am Ende lässt mich der Film – obwohl ich im Mittelteil wirklich viel Spaß mit ihm hatte – doch etwas unbefriedigt zurück, was zum größten Teil an der emotional unstimmigen Rahmenhandlung liegt. Auch wenn der Film für echte Fanboys durchaus den einen oder anderen Blick wert ist, hätte ich mir insgesamt irgendwie mehr erwartet: 6/10 Punkte. Nun wäre es an der Zeit, dass „77“ einmal zeigt, wie man es besser macht…

Star Trek (2009)

Auch wenn ich als Jugendlicher unzählige Episoden der ersten beiden TV-Serien gesehen habe, würde ich mich nicht als Fan, geschweige denn Trekkie oder Trekker bezeichnen. Dennoch habe ich mich sehr auf J.J. Abrams Neuinterpretation von „Star Trek“ gefreut. Zum einen weil ich Abrams Art Geschichten zu erzählen mag und zum anderen, weil es sowieso viel zu wenig gelungene Space Operas da draußen gibt.

Wenn ich an „Star Trek“ denke, dann sehe ich Pappkulissen, Mr. Spocks Ohren und Uhuras kurzen Rock. Jede Episode war nahezu identisch aufgebaut, doch bereits damals wusste ich den trashigen Charme der Serie zu schätzen. Was hatte man in den frühen 90ern auf für eine Wahl? Mein letztes Zusammentreffen mit der Crew der Enterprise dürfte bei einem der Kinofilme gewesen sein, doch die Erinnerungen daran sind bestenfalls schemenhaft. Trotz – oder gerade wegen – meiner nur rudimentären Kenntnisse des „Star Trek“-Universums konnte ich die Neuauflage wirklich genießen.

Zunächst einmal muss ich Abrams für die Besetzung der Hauptrollen loben. Zachary Quinto (bekannt als Sylar aus der TV-Serie „Heroes“) ist wirklich die perfekte Besetzung des jungen Mr. Spock, was sich besonders im Zusammenspiel mit Leonard Nimoy offenbart. Chris Pine gibt einen rebellischen James T. Kirk und ist in meinen Augen ein guter Ersatz für William Shatner. Auch der restliche Cast ist perfekt gewählt, wobei mir natürlich besonders Simon Peggs („Shaun of the Dead“) Scotty ein Lächeln auf die Lippen zauberte.

Auch wenn die Geschichte an sich nicht sonderlich innovativ oder wendungsreich ist, liegt in dieser die wahre Genialität von Abrams Neuinterpretation. Durch einen kleinen, aber umso geschickteren Kniff gelingt es ihm seine Version von „Star Trek“ sowohl bei Hardcorefans als auch Gelegenheitszuschauern zu etablieren und die Reihe dennoch offen für völlig neue Geschichten zu halten. Fabelhaft!

Insgesamt wirkt der 2009er „Star Trek“ tatsächlich nur wie das erste Kapitel einer größeren Geschichte. Man hungert bereits beim Abspann nach mehr. So ging es zumindest mir. Die Geschichte des Films ist zu dünn, um die Zuschauer wirklich zufrieden zu stellen. Dafür gibt es ausführliche Charakter- und Actionszenen, was – wie es typisch für Abrams ist – glücklicherweise keinen Widerspruch darstellt.

Ich für meinen Teil bin äußerst zufrieden mit der Neugestaltung des Franchise. Hardcorefans werden sich wohl darüber ärgern, dass Abrams sich an „Star Wars“ angenähert hat, doch dürfte das der Reihe neue Zuschauergruppen erschlossen haben. Ich persönlich habe nun sogar wieder Lust auf die ursprüngliche TV-Serie und die Kinofilme bekommen. Ein Neustart, der unglaublich viel Spaß macht: 8/10 Punkte.

Watchmen (2009)

Was habe ich mich auf diesen Film gefreut. Trotz fehlender Kenntnis der Vorlage stand Zack Snyders Verfilmung von „Watchmen“ seit dessen Kinoauswertung auf meiner Liste der zu sehenden Filme. Auch den Comic wollte ich stets lesen, jedoch bin ich bisher noch nicht dazu gekommen, was vielleicht auch der Grund ist, warum mich der Film ziemlich ratlos zurück lässt.

Nach den ersten Minuten und der berauschend schönen Titelsequenz war ich davon überzeugt ein Meisterwerk zu sehen. Hyperreal gefilmt, mitreißend inszeniert und straff erzählt. Man könnte sich daraus wahrlich jedes Einzelbild an die Wand hängen. Snyder greift seinen Inszenierungsstil aus „300“ wieder auf, um einzelne Comicpanels in Zeitlupenästhetik auf die Leinwand zu bringen. Doch ist dieser äußerst artifizielle Stil auch das richtige Mittel um wirklich jede Geschichte zu erzählen?

Ich hatte teils so meine Probleme damit. Die eher ruhigen und charakterbildenden Szenen hielten mich durch die kühlen Bilder seltsam auf Distanz und die Actionszenen waren mir nach einer gewissen Zeit zu berechenbar. Noch eine Zeitlupe? Wirklich? Trotz allem möchte ich den visuellen Stil von „Watchmen“ als durchaus schön anzusehen bezeichnen, doch empfand ich ihn insgesamt als zu anstrengend und abgehoben, um mich wirklich eine Verbindung zu den Charakteren und der Geschichte aufbauen zu lassen.

Die Geschichte an sich ist wirklich sehr interessant. Ein paralleler Zeitstrang zu unseren 80er Jahren, in dem Superhelden zum Alltag gehören. Wirklich eine fantastische Idee, welche auch im Film schön umgesetzt wurde. Sei es nun durch den Soundtrack, Einbeziehung von popkulturellen Referenzen (Andy Warhol malt nicht Marylin Monroe, sondern eine Superheldin usw.) oder politischen Verwicklungen. Doch neben der Rahmenhandlung erscheint der Haupthandlungsstrang leider viel zu zerfahren.

Es wird wild durch verschiedenste Zeitebenen gesprungen, Superhelden tauchen ohne weitere Erklärung auf und die Motivation der Charaktere lässt sich oft einfach nicht greifen. Richtig problematisch wird es dann, wenn die ruhigen Szenen eher langweilig und unfreiwillig komisch wirken (z.B. die Sexszene zwischen Night Owl II und Silk Spectre II) und die Actionszenen beliebig eingestreut werden. Es mag sein, dass dieser äußerst sprunghafte Erzählstil im Comic funktioniert, der Film erscheint dadurch jedoch wie ein buntes Mosaik ohne stringenten Handlungsaufbau.

Trotz meiner Kritikpunkte muss ich sagen, dass mich „Watchmen“ durchaus fasziniert hat. Da ist etwas in der Geschichte, das wert ist erzählt zu werden. Zeit also, dass ich mich an die Vorlage heranwage. Bereits Alan Moores „From Hell“ bot ja ungeahnte Tiefen im Vergleich zur Verfilmung. Was Zack Snyders Adaption angeht, kann ich mir kein Urteil erlauben, jedoch erschien mir der Film bereits im Kinocut viel zu lang und doch lückenhaft. Interessant, aber leider nicht wirklich packend und somit letztendlich leider ziemlich enttäuschend: 6/10 Punkte.

State of Play (2009)

Was wurde dieser Film in den Himmel gelobt. Kaum ein Blogeintrag oder Filmpodcast des letztes Jahres, in dem keine Lobeshymnen auf Kevin Macdonalds „State of Play“ gesungen wurden. Umso gespannter war ich folglicherweise, was die Mischung aus Polit- und Verschwörungsthriller wirklich zu bieten hat.

Kevin Macdonalds („Der letzte König von Schottland“) Remake einer englischen Miniserie aus dem Jahr 2003 fängt stark an und weiß den Zuschauer von der ersten Minute an zu fesseln. Der Film besitzt alles, was einen guten Verschwörungsthriller ausmacht: Eine mysteriöse Mordserie, zwielichtige Politiker, militärische Großkonzerne und eine sympathische Identifikationsfigur, die den Drahtziehern der Verschwörung auf den Fersen ist. Die perfekten Voraussetzungen für einen gelungenen Filmabend.

Leider jedoch spielt Kevin Macdonald die Klaviatur des Genres beinahe schon zu perfekt. Die Geschichte läuft ziemlich so ab, wie man sich das als geübter Kinogänger erwarten würde. Überraschungen gibt es kaum und ich hatte den Eindruck als würden gewisse Punkte (z.B. Beseitigung des Zeugen im Krankenhaus) einfach nur abgehakt werden. All dies ist allerdings wunderbar inszeniert und herrlich gespielt. Auch wenn Russell Crowe sonst nicht zu meinen Lieblingsschauspielern zählt, war ich doch mehr als begeistert von seiner Darstellung des schnoddrigen Investigativreporters Cal McAffrey.

Nachdem ich dachte, der Film hätte gar keine Überraschung mehr zu bieten, kam der große Drehbuchtwist. Wow. Damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet. Was für eine Schnappsidee. Einer der klischeehaftesten Hinweise – ‚Woher konnte sie das wissen?‘ – deckt eine der uninteressantesten Verschwörungen der Filmgeschichte auf. In meinen Augen verpufft die Wirkung des Endes völlig und lässt die vorangegangenen zwei Stunden beinahe schon überflüssig erscheinen. Da wäre wirklich mehr drin gewesen. Eine Wendung um der Wendung willen.

Für Freunde des Genres bietet „State of Play“ tatsächlich teils sehr gute Unterhaltung. Der Film ist mehr als solide inszeniert, besitzt tolle Darsteller (Russell Crowe, Jason Bateman usw.) und spielt immerhin in Washington, D.C. Das hochgelobte Drehbuch entlockte mir über weite Strecken dagegen nur ein müdes Lächeln und nach dem Finale wünschte ich mir doch zur UK-Miniserie gegriffen zu haben. Sehenswert, aber weit nicht so gut wie sein Ruf vermuten lässt: 7/10 Punkte.