Damages – Season 1

Jede Serie hätte es nach dem „Six Feet Under“-Marathon schwer gehabt. Also habe ich mit „Damages – Season 1“ begonnen eine Serie zu verfolgen, für die sich meine Hoffnungen ohnehin in Grenzen hielten. Eine Anwaltsserie erschien mir nicht sonderlich spannend. Das Genre rangiert bei mir ohnehin nur knapp vor Medical Drama. Aufgrund der guten Kritiken und des günstigen Preises für die Blu-ray hatte ich dennoch zugeschlagen – und sollte reich belohnt werden…

Meine erste Drama-Serie, die ich mehr oder weniger regelmäßig verfolgt habe, dürfte 1998 wohl „Ally McBeal“ bei der deutschen Erstausstrahlung gewesen sein. So toll ich die Serie damals auch fand, so konnte ich danach keine Anwaltsserien mehr sehen. Selbst der inoffizielle Nachfolger „Boston Legal“ hat mich aufgrund der starren Fall-der-Woche-Struktur ziemlich gelangweilt. Seitdem habe ich das Genre gemieden und hätte folglich nicht erwartet, wie sehr mich „Damages“ mitreißt. Am liebsten hätte ich die gesamte Staffel ohne Unterbrechung gesehen – und obwohl bei mir noch weitere Serien auf ihre Sichtung warten, habe ich kurz vor dem Finale bereits die beiden nachfolgenden Staffeln, die es leider nicht auf Blu-ray gibt, geordert.

Die Struktur der Serie lädt von Anfang an zum Mitfiebern ein: In körnigen Bildern wird uns die Haupfigur Ellen Parsons, gespielt von Rose Byrne, präsentiert. Sie ist blutverschmiert und bewegt sich wie in Trance. Von diesem Ausgangspunkt wird die Geschichte in langen Rückblenden erzählt, gegen Ende der Staffel nimmt jedoch die Handlung in der Gegenwart einen immer größeren Stellenwert ein. Durch diesen dramaturgisch einfachen und doch äußerst effektiven Kniff baut die Serie eine Spannung auf, der man sich nur schwer entziehen kann. Langweiliges Anwaltsgerede muss man in „Damages“ nicht über sich ergehen lassen, dafür gibt es spannende Wendungen und Intrigen. Die gut geschriebenen – und vor allem gut gespielten (u.a. Glenn Close oder Ted Danson) – Charaktere sind allesamt keine keine Heiligen und kämpfen, sehr zur Freude der Zuschauer, mit harten Bandagen.

„Damages“ ist eine dieser treibenden Serien, für die man sich am besten ein langes Wochenende reservieren sollte. Erinnerungen an so manche „24“-Staffel oder auch „Dexter“ und Co. werden wach. Auch wenn es wohl keine Serie ist, die mich über ihre Laufzeit hinaus beschäftigen wird, so hat sie mich während der Sichtung doch unerwartet gut unterhalten. Dafür eine mehr als nur dicke Empfehlung: 9/10 (8.6) Punkte.

Drive (2011)

Damit habe ich ihn nun auch endlich gesehen: den Filmhype des letzten Jahres. Erwartungen wurden geschürt, Versprechungen gemacht und Ängste heraufbeschworen. Ist Nicolas Winding Refns „Drive“ für den wahren Cineasten also tatsächlich das bedeutendste Werk des laufenden – bzw. des vergangenen – Filmjahres? Seid gespannt und lest mit Bedacht, denn Spoiler sind zu erwarten.

Zunächst einmal muss ich Folgendes festhalten: Ich wünschte im Vorfeld weniger über den Film gelesen zu haben. So wusste ich bereits von der bedächtigen Inszenierung, den 80er Jahre-Anklängen und den eruptiven Gewaltszenen. Darauf basierend hat sich bei mir nicht nur eine entsprechende Erwartungshaltung geformt, mir wurden auch einige Überraschungen genommen. Es kann somit durchaus sein, dass man als völlig uninformierter Zuschauer mehr aus dem Film mitnimmt – doch einmal ehrlich: Welcher Filmfreund kann sich in unserer heutigen Zeit noch völlig unbeeinflusst einen Film ansehen?

Trotz dieses Vorwissens hat mich die erste Stunde des Films vollständig begeistert. Kamera, Licht, Soundtrack und Schauspiel bildeten eine formale Symbiose, wie ich sie in den letzten Jahren selten erlebt habe. Artifiziell ohne zu künstlich zu wirken, langsam ohne langweilig zu sein. Kaum Dialoge, kaum Action und dennoch erstaunlich viel Charakter. Trotz Arthouse-Anleihen wirkte der Film zu keiner Sekunde zu gekünstelt. In diesen ruhigen und von unbeholfenen Begegnungen geprägten Szenen, hat mich die Atmosphäre von „Drive“ teils an Wong Kar-Wais („Chungking Express“) frühe Filme erinnert, die ebenso wie Refns Werk neonbunte Bilder und nächtliche Begegnungen gestrandeter Existenzen zeigen.

Interessant fand ich übrigens, dass Refn häufig zuerst die Reaktion seiner Figuren auf ein Ereignis zeigt und erst danach das Ereignis selbst. Dies verstärkt die emotionale Distanz, die man zu den Charakteren hat, da man ihre Emotionen nicht unmittelbar teilen kann und sich somit zunächst in der Rolle des Beobachters wiederfindet. Ein Kniff, den ich noch in keinem anderen Film so bewusst wahrgenommen habe.

Nach der wirklich fantastischen ersten Stunde, beginnt der Film seinen Schwerpunkt auf das Vorantreiben der Handlung zu verlagern. Die Dialogdichte nimmt zu, Zusammenhänge werden erklärt und die Gewalt eskaliert. In diesem Teil des Films merkt man leider, dass die formalen Aspekte – und das meine ich nicht einmal negativ – den inhaltlichen meilenweit voraus sind. Die Dialoge wirken abgegriffen, die Geschichte wurde bereits tausend Mal erzählt und die Gewaltspitzen wirken größtenteils einfach nur aufgesetzt. Das letzte Drittel des Films ist nicht schlecht, doch im Vergleich zum vorher Gesehenen leider recht konventionell und durchschaubar.

Was also bleibt vom Hype um „Drive“ letztendlich übrig? Man sollte den Film auf jeden Fall gesehen haben. Wie versprochen ist er tatsächlich hypnotisch und gewiss einer der formal beeindruckendsten Filme der letzten Jahre. Im letzten Drittel hat er für mich allerdings einiges verspielt, was im Hinblick auf seine zuvor präsentierten Stärken wirklich schade ist. Auch wenn ich nun härter mit dem Film ins Gericht gegangen bin, als die meisten Filmfreunde, so soll dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass ich ihn wirklich sehr, sehr gut fand – nur eben nicht perfekt: 8/10 Punkte.

Buried: Lebend begraben – OT: Buried (2010)

Wieder einmal habe ich einen Film gesehen, der mich alleine aufgrund seiner Prämisse reizte. Rodrigo Cortés‘ „Buried“ versprach einen unkonventionellen Ansatz, wenngleich die Idee dahinter auch nicht so originell ist, wie man vielleicht vermuten würde. Die Kombination aus lebendig begraben sein und Thriller wurde bereits in diversen TV-Serien (u.a. von Quentin Tarantino für „CSI: Las Vegas“) umgesetzt. So konsequent wie Cortés ist zuvor jedoch noch niemand an die Thematik herangegangen… Spoiler sind zu erwarten.

Zunächst einmal muss ich dem Team rund um „Buried“ meinen Respekt zollen, dass man die Grundidee konsequent bis zum Ende durchgezogen hat. Sicher hätte es ein paar Kameraspielereien nicht gebraucht, um die Situation noch realer und beängstigender erscheinen zu lassen, doch auch mit diesen wird die klaustrophobische Enge deutlich spürbar. Ziemlich beeindruckend fand ich Lichtgestaltung, die ihre Wirkung aus den im Film vorkommenden natürlichen Lichtquellen zieht. Wirklich sehr gelungen. Auch Ryan Reynolds‘ Leistung als Schauspieler ist durchaus herausragend und kann insbesondere als One-Man-Show voll und ganz überzeugen.

Die Handlung an sich ist dagegen weit weniger verzwickt, als man dies anfangs noch vermuten würde. Erzählt wird ein ziemlich geradliniger Thriller, der sich letztendlich einzig und allein um die Rettung Paul Conroys (Ryan Reynolds) dreht. Wird sie gelingen oder nicht? Alles dazwischen lebt einzig und allein vom Spiel mit der Urangst lebendig begraben zu sein – und dies macht der Film auch ziemlich gut. Wenn er 20 Minuten kürzer gewesen wäre und man sich z.B. die Schlangen-Episode gespart hätte, wäre der Film in seiner Wirkung meiner Meinung nach jedoch noch deutlich intensiver gewesen.

Nicht gelungen fand ich dagegen den Twist am Ende. Dieser wirkte weder sonderlich originell noch wäre er nötig gewesen. Auch wenn ein Happy End für mich als Zuschauer befriedigender gewesen wäre, so hadere ich nicht einmal so sehr mit dem Ausgang, sondern eher der plumpen Umsetzung. Die vorherigen 90 Minuten verpuffen völlig und gerade die unnötig erzählten Sequenzen fallen rückblickend betrachtet umso stärker ins Gewicht. Auch wenn Cortés versucht sich – wie man schon alleine an den sich an Saul Bass orientierenden Opening Titles sieht – an Alfred Hitchcock anzunähern, so bleibt es in meinen Augen jedoch bei diesem Versuch.

Mich hat „Buried“ durchaus beeindruckt und ich werde die Sichtung bestimmt in Erinnerung behalten. Letztendlich verspielt der Film etliche Möglichkeiten jedoch aufgrund seiner zu sehr auf Effekt setzender Inszenierung und der zu aufgeblasenen Handlung. Auch mit dem Ende kann ich mich nicht anfreunden, was potentiell interessierte Leser jedoch nicht davon abschrecken sollte, dem Film eine Chance zu geben. Interessant und sehenswert, wenn auch nicht frei von Fehlern: 7/10 Punkte.

Unknown Identity – OT: Unknown (2011)

Freitagabend. Filmzeit. Der Ausklang einer durchaus fordernden Arbeitswoche. Was kann es Schöneres geben? Natürlich muss auch der Film mitspielen. Dieses Mal gab es Jaume Collet-Serras „Unkown Identity“ zu sehen und die Wahl des Films stellte sich glücklicherweise als gelungen heraus. Einem unterhaltsamen Einstieg ins Wochenende sollte somit nichts im Wege stehen… Spoiler sind zu erwarten.

Nach Sichtung des Trailers erwartete ich mir eine Art „96 Hours“ in Berlin. Liam Neeson sehe ich ohnehin gerne und seine aktuelle Neuausrichtung als alternder Actionstar gefällt mir äußerst gut. Hinzu kommt natürlich der Handlungsort Berlin, für den der Film besonders in Deutschland doch für eine gewisse Aufmerksamkeit sorgte. Welche andere Actionfilmreihe der letzten Jahre ist für seine europäischen Schauplätze bekannt? Richtig, die Agententhriller rund um Jason Bourne. Ein Vergleich drängt sich folglich auf und wird auch von der Presse forciert. Wie also schneidet „Unknown Identity“ in diesem Vergleich ab? Meiner Meinung nach deutlich besser, als die überschätzte Bourne-Trilogie.

In der ersten Stunde bekommen wir – anders als ich erwartet hatte – eher einen ruhigen Mindfuck-Thriller zu sehen, als einen Actionfilm. Hier wäre wirklich alles möglich gewesen: von der abgedroschenen ‚Ich liege seit dem Unfall im Koma und spinne mir die Handlung nur zusammen‘-Prämisse bis hin zur ‚Eine böse Geheimorganisation hat mein Gedächtnis ausgelöscht‘-Rahmenhandlung. Der eigentliche Twist kommt zwar relativ unaufgeregt daher, doch hatte ich ihn wahrlich nicht in dieser Form erwartet. Letztendlich ist es lediglich ein Zufall – man mag es auch Schicksal nennen –, dass Liam Neesons Figur die im Film gezeigte Wandlung durchmacht.

Auch wenn mann die Logik nicht zu sehr hinterfragen sollte, so ist die Handlung des Films innerhalb seines Universums erstaunlich konsistent und nachvollziehbar aufgebaut. Selbst die Motivation der einzelnen Charaktere wird nicht sprunghaft in andere Bahnen gelenkt, wodurch sich ein äußerst rundes Gesamtbild ergibt. Dieses wird durch die teils erstaunlich ruhige, teils äußerst tempramentvolle Inszenierung unterstützt. Berlin als Handlungsort ist zudem wirklich gut gewählt, besonders da die Zusammensetzung des Ensembles aus deutschen und amerikanischen Charakteren aufgrund der überzeugenden Schauspieler auch ausgezeichnet funktioniert.

Ich hatte mit „Unknown Identity“ wirklich extrem viel Spaß. Eine Bewertung fällt mir nun dennoch nicht leicht, da es einer dieser Filme ist, die wohl nur bei der Erstsichtung 100%-ig mitreißen. Eine potentielle Folgesichtung kann nur verlieren. Dennoch bewerte ich mit dieser Besprechung natürlich den ersten Eindruck und dieser war einfach nur sehr gut. Jedem Thrillerfan kann ich diese mitreißende Suche nach der der eigenen Identität im nächtlichen Berlin nur ans Herz legen: 8/10 Punkte.

Tödliche Weihnachten – OT: The Long Kiss Goodnight (1996)

Aufgrund der winterlichen Wetterverhältnisse, habe ich gestern Abend einmal wieder einen thematisch passenden Film hervorgeholt, den ich bestimmt schon seit gut 10 Jahren nicht mehr gesehen hatte. Die Rede ist von Renny Harlins „Tödliche Weihnachten“, der mich damals bei nahezu jeder TV-Ausstrahlung ziemlich gut zu unterhalten wusste. Trügt die Erinnerung an vergnügliche Stunden oder kann der Film auch heute noch überzeugen?

Ich muss gestehen, dass mir die Handlung des Films nur noch sehr rudimentär im Gedächtnis war. An die Eckpfeiler der Geschichte – eine Art Vorwegnahme der Verfilmung von Robert Ludlums „Die Bourne Identität“ – konnte ich mich jedoch noch recht gut erinnern, weshalb die Aufdeckung der Identität Samantha Caines bzw. Charly Baltimores keine große Überraschung darstellte. Der Weg zum großen Finale ist mit diversen Actioneinlagen gespickt, die allesamt herrlich altmodisch inszeniert sind. Ein typischer Actionfilm der 90er Jahre eben – und hier macht es einem der Film manchmal nicht gerade leicht,  denn oftmals ist es nur ein schmaler Grat zwischen herrlich altmodisch und einfach nur altbacken, was sich besonders in der Figur des Mitch Henessey äußert. Ein typischer Sidekick dieser Epoche.

Ich für meinen Teil bin großer Anhänger des 80er/90er Jahre Actionkinos, weshalb mir der Film auch heute noch enorm viel Spaß macht. Dieser Wahrnehmung liegt allerdings ein nicht zu vernachlässigender Grad an nostalgischer Verklärung zugrunde, weshalb ich vermute, dass „The Long Kiss Goodnight“ für die Sehgewohnheiten heutiger Zuschauer ziemlich überholt wirkt. Auch wenn Geena Davis in diesem Film oftmals überfordert wirkt, so freut es mich doch stets eine weibliche Actionheldin zu sehen, die den starken Part in der Geschichte übernimmt und dabei wahrlich keine Gefangenen macht.

Auch wenn Look und Inszenierung heute schon ein wenig Staub angesetzt haben, so beweist Renny Harlin auch in „The Long Kiss Goodnight“ sein Händchen für imposante Action. Besonders das Finale an den Niagara-Fällen hat es mir besonders angetan. Was für ein herrlich übertriebenes Actionfeuerwerk! Von den großen Genreklassikern ist der Film weit entfernt, Shane Black hat auch schon deutlich bessere Drehbücher geschrieben und wenn man nicht mit dem Film aufgewachsen ist, sollte man vermutlich nicht zu viel erwarten. Ich jedoch hatte wieder enorm viel Spaß mit dem Ausflug zurück in eine einfachere Zeit, in der Action noch Action war und Mobiltelefone ein Kilo wogen: 7/10 Punkte.

Der Plan – OT: The Adjustment Bureau (2011)

Manche Filmen sieht man sich aufgrund von großen Namen an, andere wegen ihrer Auszeichnungen oder herausragender Kritiken – und dann gibt es noch Filme, deren Prämisse ist Grund genug für eine Sichtung. Wie bei so vielen anderen Filme dieser Art steckt auch hinter „Der Plan“ eine Kurzgeschichte des berühmten Sci-Fi-Autors Philip K. Dick, der uns u.a. auch die Vorlagen zu „Blade Runner“ oder „Minority Report“ bescherte. Ist es Regisseur George Nolfi gelungen an die großen Genreklassiker anzuschließen?

Interessanterweise schlägt „The Adjustment Bureau“ einen anderen Weg ein, als man zunächst erwarten würde. Es wäre vermutlich naheliegender gewesen aus der Grundidee einen astreinen Sci-Fi-Thriller zu machen, einen Actionfilm oder ein Politdrama – doch man hat sich für eine Romanze entschieden. Die titelgebende Regulierungsbehörde tritt meist in den Hintergrund und räumt dem zentralen Liebespaar viel Freiraum ein, was einerseits die Glaubwürdigkeit der aufkeimenden Beziehung unterstützt, andererseits jedoch viele Fragen offen lässt. Glücklicherweise gelingt es George Nolfi die Geschichte in den kritischen Momenten stets mit so hohem Tempo voranzutreiben, dass man als Zuschauer über gewisse Logikfehler gerne hinwegsieht.

Vorbestimmung oder Entscheidungsfreiheit? Schicksal oder freier Wille? Themen wie diese sind nicht neu im Kino. Ja, selbst das TV-Phänomen „Lost“ drehte sich einzig und allein um diese entscheidende Frage. Auch „Der Plan“ hält keine Antwort parat. Er entlässt uns Zuschauer mit der Hoffnung, dass unser freier Wille zählt und dass unser Schicksal – wenn man nur stark genug kämpft – nicht unausweichlich ist. Ein hoffnungsvolles Ende, das jedoch nur zu leicht davon ablenkt, dass man sich um eine echte Auflösung gedrückt hat. Zumindest ein wenig. Doch wäre eine solche befriedigender gewesen?

George Nolfi ist mit „The Adjustment Bureau“ ein wunderbar klassisch inszenierte Mysteryromanze gelungen, die zwar zum Nachdenken anregt, letztendlich aber auf reinem Unterhaltungsniveau bleibt. Das Schicksal als graue Behörde zu inszenieren, deren Beamte sich schon einmal nach dem nächsten Urlaub sehnen, lässt übrigens noch ein weiteres Genre offen, das passend für die Prämisse gewesen wäre: die Komödie. Philip K. Dicks Idee funktioniert jedoch auch als Romanze tadellos: 7/10 Punkte.

Ohne Limit – OT: Limitless – Extended Cut (2011)

Dank purzelnder Blu-ray-Preise komme ich in letzter Zeit doch recht häufig in den Genuss aktuellerer Filme, auch wenn ich es kaum noch ins Kino schaffe. Hinzu kommt Originalton und ein zu 100% sympathisches Publikum. Die besten Voraussetzungen also? Natürlich muss auch noch der Film stimmen und Neil Burgers „Ohne Limit“ war eine exzellente Wahl, die sich auch auf der großen Leinwand gut gemacht hätte. Aber man kann schließlich nicht alles haben, oder etwa doch?

Eddie Morra, der Held des Films, hat alles und noch viel mehr. Wie er dies erreicht hat und warum sein Leben am Abgrund steht erzählt er uns selbst: Rückblende. Voice-over. Alles auf Anfang. Eine klassische Rise-and-Fall-Geschichte also? Was die Struktur des Films angeht bestimmt. Jedoch gibt sich „Limitless“ damit nicht zufrieden. Neil Burger erzählt zudem einen Drogen-Thriller mit Science-Fiction-Anleihen, macht einen kurzen Ausflug in den Wirtschaftskrimi und inszeniert gleichzeitig mit den Mitteln des Effektekinos. Ein bunter Genremix, dem es auch noch gelingt emotional mitzureißen.

Die Prämisse ist ansich recht simpel: Eine Droge, die es uns ermöglicht die gesamte Kapazität unseres Gehirns zu nutzen. Eine wahrlich wunderbare Idee! Kritiker, die sich über die wissenschaftliche Unmöglichkeit eines solchen Präparats aufregen, haben damals wahrscheinlich auch gegen die Bernstein-Dinos aus Spielbergs „Jurassic Park“ gewettert. Für alle anderen Zuschauer bietet die Adaption von Alan Glynns „The Dark Fields“ mitreißende Unterhaltung auf audiovisuell höchstem Niveau.

Normalerweise bin ich schnell genervt von inszenatorische Spielereien. Neil Burger gelingt es jedoch Morras Drogenerfahrung in Bilder zu verpacken, die man so schnell nicht mehr vergisst und dabei die Handlung perfekt unterstützen. Auch wenn die Inszenierung und das packende Spiel Bradley Coopers (Phil, „The Hangover“) nicht über die nur zu klassische Dramaturgie und das beinahe schon antiklimaktische Ende hinwegtäuschen können, so ist die Symbiose aus Inhalt und Form doch als absolut gelungen zu bezeichnen.

„Ohne Limit“ mag kein Meisterwerk sein, doch habe ich schon lange keinen relativ klassischen Thriller mehr gesehen, dessen Grundidee und Inszenierung mich so mitreißen konnten. Besitzern der Blu-ray sei übrigens der Unrated Extended Cut ans Herz gelegt, welcher der Geschichte die nötigen Ecken und Kanten verleiht. So oder so ein äußerst sehenswerter Film – auch oder gerade im Heimkino: 8/10 Punkte.

James Bond 007: Casino Royale (2006)

Aktualisierung: Ich habe „James Bond 007: Casino Royale“ am 8. Mai 2013 und am 22. Februar 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nachdem alle Welt bereits über den neuen James Bond berichtet hat und Daniel Craig bereits zum zweiten Mal als 007 auf der Leinwand erschienen ist, ergreife nun auch ich die Gelegenheit, um „James Bond 007: Casino Royale“ zu besprechen. Ein neuer Bond, ein frischer Bond. Kein strahlender, charmanter Lebemann. Ein gebrochener Held, unter dessen harter Schale ein verletzlicher Kern zu finden ist. Ein James Bond für die 2010er Jahre.

James Bond 007: Casino Royale (2006) | © Warner Bros (Universal Pictures)

James Bond 007: Casino Royale (2006) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Früher habe ich James Bond geliebt. Neben den Bud Spencer- und Terence Hill-Kloppereien gehörte die Reihe um den britischen Geheimagenten wohl zu den ersten Filmen, für die ich abends lange aufbleiben durfte. So sah ich in meiner Jugend alle Bond-Filme mit Sean Connery und Roger Moore wohl nicht nur einmal. Exotische Länder, geheimnisvolle Bösewichte und außergewöhnliche technische Gadgets waren der Mix, der die Serie für mich interessant machte. So etwas hatte ich zuvor noch nicht gesehen. Spätestens mit Pierce Brosnan habe ich jedoch das Interesse an der Reihe verloren und seit knapp 10 Jahren wohl auch keinen Bond mehr gesehen. Ob es Daniel Craig gelungen ist, das alte Interesse wieder zu wecken?

Ich muss zugeben, dass Herr Craig durchaus eine gute Figur macht. Besonders das erste Filmdrittel ist wunderbar inszeniert und gespielt. Bond ist körperlicher geworden. Die Actionszenen sind schnell und doch übersichtlich geschnitten. Oft las ich von Vergleichen zur Bourne-Trilogie, doch ist James Bonds Universum weit weniger in der Realität angesiedelt, als das von Jason Bourne. Die oft übertriebene und doch realistisch inszenierte Action steht dem Film gut zu Gesicht und ich wünschte mir sehr, dass die restliche Handlung etwas von dieser Überhöhung mitbekommen hätte.

Auch wenn der Antagonist in „Casino Royale“ wie ein typischer Bond-Bösewicht daherkommt, so fehlt diesem doch der beißende Witz und unserem Helden der lockere Spruch auf den Lippen. Zwar fand ich die deutlich brutaleren Kampfszenen und harten Actioneinlagen sehr gelungen, doch hätte ich z.B. auf die Folterszene durchaus verzichten können. Überhaupt fällt die Handlung im letzten Drittel etwas ab. Die teils schon übertrieben schmonzettige Liebesgeschichte sowie das undurchsichtige Finale hätte man – trotz einer fantastischen Eva Green – durchaus kürzer und prägnanter abhandeln können. Dennoch ist dieser Kritikpunkt nur ein geringer und ich wurde insgesamt ausgezeichnet unterhalten.

Fazit

Für mich hat „Casino Royale“ tatsächlich wieder das Interesse an James Bond geweckt. So werde ich mir irgendwann demnächst garantiert auch „Ein Quantum Trost“ zu Gemüte führen – auch wenn diverse Kritiken befürchten lassen, dass man 007 noch mehr zum wortkargen Einzelkämpfer stilisiert hat. Vor der nächsten Sichtung sollte ich aber auf jeden Fall meine Poker-Kenntnisse auffrischen. Knappe 8/10 Punkte.

The Town – Extended Cut (2010)

Damals im Kino hatte mich der Trailer zu Ben Afflecks „The Town“ ziemlich umgehauen. Endlich einmal wieder ein klassischer Gangsterfilm. Wie bei den meisten anderen Zuschauern wurden auch bei mir Erinnerungen an Michael Manns „Heat“ wach. Dennoch habe ich es nicht geschafft, mir den Film im Kino anzusehen. Umso größer war die Vorfreude auf die Heimkinoauswertung, bei der es – wie so häufig – eine erweiterte Fassung zu sehen gibt.

Ben Affleck wird gerne als Nichtskönner abgetan. Mir selbst ist er nie sonderlich positiv oder negativ aufgefallen. Einzig sein Mitwirken in einigen Kevin Smith-Filmen hat in meiner persönlichen Filmhistorie eine gewisse Relevanz. Seit seinem 2007er Regiedebüt „Gone Baby Gone“ ist er jedoch auch auf dem Radar diverser Filmkritiker aufgetaucht. Spätestens mit „The Town“ dürfte sich sein Ruf als ernsthafter Regisseur weiter gefestigt haben – auch wenn einige Kritiker meinen, den Vergleich mit „Heat“ zu Tode strapazieren zu müssen.

Im Gegensatz zu Michael Manns ikonografischem Gangsterfilm, steht bei „The Town“ nicht das Duell zweier Gegenspieler im Vordergrund. Al Pacinos und Robert De Niros Vermächtnis bleibt also unangetastet. Ben Affleck konzentriert sich in seinem Film eher auf den – wenn man es hochtrabend ausdrücken will – soziogeographischen Hintergrund seiner Charaktere und die damit verbundene Ausweglosigkeit. Daneben wird eine Liebesgeschichte erzählt, die innerhalb dieses Genres teils etwas befremdlich wirkt, aber den Film gerade deshalb außergewöhnlich erscheinen lässt.

Gesehen habe ich den ca. 30 Minuten längeren Extended Cut, der den Charakteren mehr Tiefe verleiht und die Liebesgeschichte ausführlicher erzählt. Vermutlich wirkt die Kinofassung deutlich actionreicher, doch kann ich mir kaum vorstellen, dass sie dadurch an Kurzweiligkeit gewinnt. Die zweieinhalb Stunden der gestrigen Sichtung sind auf jeden Fall wie im Flug vergangen, was neben den exzellenten Schauspielern – u.a. Jon Hamm (Don Draper, „Mad Men“) und Jeremy Renner (William James, „The Hurt Locker“) – vor allem der mitreißenden Inszenierung zu verdanken ist.

Freunde von Gangsterfilmen sollten sich „The Town“ auf jeden Fall merken. Auch wenn der Film nicht den Stellenwert von „Heat“ erreichen wird, so sollte man Ben Afflecks Werk eine gewisse Eigenständigkeit zugestehen. Mit ungetrübtem Blick sind die Qualitäten leichter zu erkennen und man wird die Reise nach Charlestown, Boston auf keinen Fall bereuen. Gar wunderbar altmodisch erzähltes Gangsterkino: 8/10 Punkte.

Reindeer Games – Director’s Cut (2000)

Es ist kurz vor dem zweiten Advent. Allerhöchste Zeit also, sich auch filmisch auf die Feiertage einzustimmen. Den Anfang macht John Frankenheimers „Reindeer Games“ im Director’s Cut, der inzwischen seit beinahe 10 Jahren zu meinem vorweihnachtlichen Filmprogramm gehört – auch wenn die letzte Sichtung bereits einige Zeit zurück liegt.

„Reindeer Games“ ist einer jener Filme, über die man kaum ein gutes Wort liest. Wenige Kinofreunde kennen den weihnachtlichen Actionthriller und noch weniger mögen ihn. Ich dagegen war bereits bei der ersten Sichtung äußerst angetan von der Atmosphäre des Films. Ähnlich wie Renny Harlins „The Long Kiss Goodnight“ bietet der Film trotz seiner actionlastigen Handlung eine seltsam weihnachtliche bzw. winterliche Stimmung, welche die Geschichte auf ganz besondere Art und Weise unterstützt.

Der Film erzählt eine relativ typische Räuberpistole, die sich allerdings sehr viel Zeit für ihre Charaktere und deren Einführung nimmt. „Reindeer Games“ ist im besten Sinne altmodisch erzählt, was auch auf seine Inszenierung zutrifft. Im Gegensatz zu hysterisch geschnittenen Gangstervehikeln, wie „3000 Miles to Graceland“ oder „Smokin‘ Aces“, bleibt Frankenheimer seinen Wurzeln treu und beglückt uns mit klassischen Verfolgungsjagden und stimmungsvollen Wortgefechten.

Natürlich ist der Film alles andere als perfekt – so ist die letzte Wendung dann doch sehr an den Haaren herbei gezogen und über Ben Affleck kann man bestimmt auch streiten – doch warum John Frankenheimers letzter Kinofilm überall so abgewatscht wird, mag sich mir beim besten Willen nicht erschließen: Gary Sinise gibt einen wunderbaren Psychopathen, Danny Trejo darf über das marktwirtschaftliche Bedeutung von Weihnachten schwadronieren und Ben Affleck wird von Dartpfeilen durchbohrt – das kann doch gar kein schlechter Film sein!

Für mich wird „Reindeer Games“ immer zu den kleinen, missverstandenen Filmen gehören, die einen ganz besonderen Platz in meinem Filmherzen gefunden haben. Auch bei der inzwischen bestimmt vierten Sichtung hatte ich immer noch enorm viel Spaß mit little drummer boy und seinen mörderischen Weihnachtsmännern: 8/10 Punkte.