The Purge: Die Säuberung – OT: The Purge (2013)

Ein weiterer Samstag, den ich komplett auf der Baustelle verbracht habe. Ich weiß schon gar nicht mehr, wann das einmal anders war. Aber es ist absehbar. Trotz spätem Feierabend und heranschleichender Müdigkeit habe ich mit „The Purge: Die Säuberung“ einen Film gesehen, der schon länger auf meiner Liste stand. Ähnlich wie bei „Surrogates“ vor zwei Tagen hat mich speziell die Grundidee gereizt. Ob der Film auch darüber hinaus überzeugen kann, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Auch wenn es der Prämisse an inhärenter Logik mangelt, so fand ich sie doch faszinierend genug, um mich gerne darauf einlassen zu wollen. „The Purge“ kam sowohl bei Kritikern als auch Genrefans nicht besonders gut an, was eigentlich kein gutes Zeichen ist. Dennoch hat mich die Idee so sehr gereizt, dass ich einen Blick gewagt habe – und was soll ich sagen? Mich überzeugt die Grundidee des Films immer noch. Leider jedoch hat Regisseur James DeMonaco das Geschehen als Home-Invasion-Horror verpackt, was zwar durchaus funktioniert, doch die eigentlich faszinierenden Aspekte der Säuberung außer acht lässt.

Mit Ethan Hawke (Jesse, „Before Midnight“) und Lena Headey (Cersei Lannister, „Game of Thrones“) ist „The Purge“ gut besetzt, was jedoch nur zu oft vom etwas konfusen Drehbuch zunichte gemacht wird. Am interessanten ist der Film immer dann, wenn er etwas von der Welt zeigt, Fragen aufwirft und man einen Blick hinter die Kulissen der Purge bekommt. Wenn dann die Bösewichte vor der Tür stehen und höflich um Einlass bitten, hat das auch durchaus noch perfiden Charme, doch kurz darauf wird ein Slasher-Klischee nach dem nächsten bedient und der Film stürzt ins Belanglose ab. Schade drum.

Die eigentliche Botschaft ist simpel (und wird mit dem Holzhammer präsentiert), die Inszenierung stimmungsvoll und das Potential, ja das wird weit nicht ausgeschöpft. Dennoch konnte mich „The Purge“ über 82 Minuten gut unterhalten und mich auch auf den Nachfolger „The Purge: Anarchy“ neugierig machen, der uns mehr von dieser Nacht zeigen soll. Spannende Idee, leidlich überzeugend umgesetzt: 6/10 Punkte.

Surrogates: Mein zweites Ich – OT: Surrogates (2009)

Eigentlich stand heute ein weiterer Lauf auf dem Programm, doch bin ich spontan zum Strohwitwer geworden, so dass ich zu Hause geblieben bin und die Kinder ins Bett gebracht habe. Dafür war ein wenig Zeit mich einem Film zu widmen: Die Wahl fiel auf „Surrogates: Mein zweites Ich“ – und das nicht nur aufgrund der angenehm kurzen Laufzeit von 84 Minuten. Dank seiner interessanten Prämisse wollte ich die Comic-Verfilmung ohnehin schon lange sehen und heute war es endlich soweit…

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Jonathan Mostows Sci-Fi-Thriller fasziniert hauptsächlich durch die Welt, in der er spielt: fleischgewordene Avatare, hinter denen sich die Menschen verstecken bevölkern die Straßen. Erinnerungen an „The Matrix“ werden wach, nur dass es eben keine virtuellen Welten gibt. Schon alleine der Prolog ist äußerst effizient erzählt und man bekommt die Entwicklung der Surrogates in einem kurzen Zusammenschnitt erklärt. Dann nimmt man am Leben Tom Greers (Bruce Willis) Teil und lernt die Vorzüge, Nachteile und Besonderheiten kennen, welche die Teilnahme am Leben durch einen Stellvertreter so mit sich bringen. Es werden ein paar spannende Punkte angeschnitten, jedoch leider nie wirklich ausformuliert.

Inhaltlich ist „Surrogates“ ein klassischer Kriminalfilm bzw. Thriller. FBI-Agent Tom Greer muss zusammen mit seiner Partnerin eine Mordserie lösen, die sich letztendlich als große Verschwörung entpuppt. Alles schon unzählige Male gesehen und nur wenig überraschend – wäre da nicht der spannende Grundgedanke, der den 08/15-Krimi durch ein paar tolle Szenen und visuell nette Ideen über den Einheitsbrei hinaushebt. Bei der Inszenierung der Actionszenen könnte man übrigens meinen Mostow hätte eine Fortsetzung zu seinem „Terminator 3: Rise of the Machines“ drehen wollen.

Letztendlich braucht man wohl ein Faible für High-Concept-Sci-Fi und futuristische Welten, um „Surrogates“ viel abgewinnen zu können. Bruce Willis spielt an der Seite von Radha Mitchell sowie Rosamund Pike recht überzeugend und Langeweile will bei der kurzen Laufzeit ohnehin nicht aufkommen. Ich hatte aufgrund der ziemlich durchwachsenen Kritiken eher eine Enttäuschung erwartet, wurde aber positiv überrascht. Kann man sich als Genrefreund durchaus anschauen: 7/10 Punkte.

Lord of War (2005)

Nach einem recht entspannten Samstag, den ich größtenteils im Freibad und im Möbelhaus verbracht hatte, stand am Ende des Tages mit „Lord of War“ ein längst überfälliger Film auf dem Programm: Vor ein paar Jahren bin ich bei der Recherche für das Konzept eines Produktfilms über die fantastische Intro-Sequenz des Films gestoßen – und seitdem steht er auf meiner Liste. Die Erwartungen waren entsprechend hoch. Konnte Andrew Niccols Waffenhändler-Satire diese erfüllen?

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Selbst wenn euch der Film nicht interessiert, kann ich euch nur zwingend die bereits erwähnte Eröffnungssequenz ans Herz legen. Selten wurde das Thema eines Films so gekonnt auf den Punkt gebracht und überaus stilvoll inszeniert. Was danach folgt erinnert wohl am ehesten an Martin Scorseses „GoodFellas“, ohne jedoch dessen Intensität zu erreichen. Speziell in der ersten halben Stunde sprintet Niccol über Ereignisse und Begebenheiten, dass man als Zuschauer kaum am Ball bleiben kann. Dies geht meiner Meinung nach ein wenig auf die Kosten der Figuren, die zwar interessant sind, aber ein wenig blass bleiben. Ab seinem zweiten Drittel nimmt sich der Film mehr Zeit und man wird als Zuschauer unweigerlich stärker von Charakteren und Handlung vereinnahmt.

Mit Nicolas Cage und Jared Leto bietet „Lord of War“ zwei Schauspieler, die den Film mühelos tragen. Speziell Cage schaffte kurz vor seinem nur allzu gut dokumentierten Absturz mit Yuri Orlov einen Charakter darzustellen, der gleichzeitig absolut abstoßend und dennoch irgendwie faszinierend ist. Jared Letos Vitaly Orlov hätte dagegen ein wenig mehr Ausarbeitung gut getan. Auch Ethan Hawkes (erst gestern in „Predestination“ gesehen) Gegenspieler bleibt ein wenig blass, was jedoch in letzter Konsequenz auch zu dem Charakter und der Aussage, die der Film für ihn trifft, passt.

Obwohl „Lord of War“ viele satirische Elemente besitzt, wird er doch über weite Strecken wie eine klassische Gangstergeschichte samt Aufstieg und Fall erzählt. Oft hätte ich gerne eine globalere Perspektive auf den Waffenhandel gesehen, doch braucht man wohl eine Figur wie Yuri Orlov, um den Zuschauer bei der Stange zu halten, was auch zweifellos gut funktioniert. Es gibt auch Momente, da muss man schwer schlucken, ob der gezeigten Grausamkeiten bzw. des unglaublichen Geschäfts, das hier gezeigt wird. Dennoch hatte mich der thematisch ähnlich angelegte „Blood Diamond“ stärker beeindruckt und bewegt.

Insgesamt bin ich sehr froh „Lord of War“ endlich gesehen zu haben. Das erwartete Meisterwerk ist dabei leider nicht herausgekommen, zu konventionell ist die erzählte Geschichte – Eindruck hinterlässt Niccols Film dennoch und ich kann ihn interessierten Filmfreunden nur empfehlen. Und sei es nur, um Nicolas Cage in einer seiner letzten wirklich großen Rollen zu sehen: 8/10 Punkte.

Odd Thomas (2013)

Ein harmonischer, aber auch anstrengender Ostersonntag liegt hinter uns. Morgen geht die Eiersuche weiter, doch bis dahin habe ich mir die Zeit mit „Odd Thomas“ vertrieben. Der fantastisch angehauchte Mystery-Streifen von Stephen Sommers (u.a. „Die Mumie“ und „Van Helsing“) schien mir genau die richtige Art Zerstreuung nach solch einem Tag zu bieten…

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Gelesen habe ich über „Odd Thomas“ schon öfter. Speziell die Rezension des Filmforum Bremen hat Lust auf den Film gemacht. Da die Blu-ray letztens für gerade einmal 4 Euro zu haben war, musste ich einfach zuschlagen – und was soll ich sagen? Der Film hat meine Erwartungen zu 100% erfüllt: Er bietet nette, teils selbstironisch erzählte Mystery-Kost in einem wunderbaren Kleinstadt-Setting. Neben sympathischen Hauptfiguren wartet der Film zudem mit einigen tollen Nebenrollen auf, die von u.a. Willem Dafoe oder Patton Oswalt auch perfekt verkörpert werden. Die Inszenierung ist verspielt und unterhaltsam, kann jedoch das vermutlich eher eingeschränkte Budget nicht verleugnen.

Die Handlung ist stets spannend und nett erzählt, geübte Zuschauer werden die diversen Twists jedoch bereits Meilen gegen den Wind riechen. Wen das nicht stört, der erlebt zusammen mit den Charakteren einen unterhaltsamen übernatürlichen Thriller, der auf einer unerwartet düsteren Note endet. Obwohl auch diese Wendung für mich nicht überraschend kam, hat sie mich doch mehr mitgenommen, als ich das von diesem Film erwartet hätte.

Die letzte Einstellung deutet eine mögliche Zukunft für „Odd Thomas“ an, was mich auch zu dem Punkt bringt, den ich in vielen Besprechungen gelesen hatte: Der Film wirkt oft wie ein aufwändig inszenierter Pilot einer TV-Serie, speziell was die Erzählweise und das Timing angeht. Als solche würde die Prämisse auch perfekt funktionieren – und ich würde sie mir ansehen. Da es sich jedoch um einen Film handelt, würde ich mich auch über ein Sequel freuen – Dean Koontz‘ Romanreihe scheint ja erfolgreich genug zu sein: 7/10 Punkte.

Verblendung – OT: The Girl with the Dragon Tattoo (2011)

Vor ein paar Tagen hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass ich bis zum Wochenende durchhalte. Eine Woche Magen-Darm-Hölle zwischen schlaflosen Nächten, Home Office und Hausbau. Nun ist es Freitag und ich habe es tatsächlich geschafft einen Film zu schauen. Mit David Finchers Neuinterpretation von „Verblendung“ sogar einen ziemlich langen – und ich bin nicht eingeschlafen, was an dieser Stelle wohl das größte Kompliment ist, das man einem Film machen kann. Wie sich die 2011er Fassung gegen das skandinavische Original aus dem Jahr 2009 schlägt, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

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Schon während des Vorspanns wird es klar, dass man dabei ist einen Film von Davin Fincher zu sehen: alptraumhafte Bilder, Trent Reznors Cover von Led Zeppelins „Immigrant Song“ dröhnt aus den Boxen und eine düstere Stimmung macht sich breit. Die Antithese einer „James Bond“-Eröffnungssequenz, was umso passender ist, spielt doch Mr. 007 höchstpersönlich die männliche Hauptrolle. Wo wir schon einmal bei den Schauspielern sind: Daniel Craig hat mir in der Rolle von Mikael Blomkvist von Anfang an besser gefallen als Michael Nyqvist, da er den Charakter in den richtigen Momenten stärker erscheinen lässt. Rooney Mara als Lisbeth Salander fand ich in den ersten Szenen bedeutend schwächer als Noomi Rapace, was sich jedoch über die Laufzeit des Films deutlich relativiert hat. Sie wirkt zugänglicher und weicher und gibt der Figur eine etwas andere Ausrichtung. Bei den Nebendarstellern konnte mich besonders Stellan Skarsgård überzeugen, der eine wahrlich beängstigende Performance bietet.

Rein inhaltlich unterscheiden sich die Filme, so ich die skandinavische Produktion richtig in Erinnerung habe, nicht sonderlich voneinander. Obwohl Finchers Version länger ist, kam die mir deutlich kürzer und schneller vor. Es passiert viel und doch bleibt der Thriller in seiner Narration stets klar und verwirrt nicht. An die erzählerische Tiefe von Stieg Larssons Vorlage kommt jedoch auch Finchers Film nicht heran, was ich aber nicht als Mangel sehe, funktioniert er für sich genommen als düsterer Thriller doch tadellos. Die Inszenierung ist zudem über jeden Zweifel erhaben: Jede Einstellung wirkt wohlüberlegt und es gibt keine einzige Szene, die beliebig oder redundant wirkt. Der straffer erzählte Epilog erschien mir zudem als eine sinnvolle Änderung im Vergleich zum Original.

Letztendlich hat mir Finchers Herangehensweise an „The Girl with the Dragon Tattoo“ noch einmal besser gefallen, als die ohnehin schon sehr gute Fassung von Niels Arden Oplev. Hätte ich die Geschichte nicht bereits so gut gekannt, wäre bestimmt noch ein Punkt mehr drin gewesen. So bleibt letztendlich ein formal perfekt durchkomponierter Thriller, dessen Fortsetzungen ich nur zu gerne sehen würde – besonders da die skandinavischen TV-Filme qualitativ nicht mit dem ersten Akt mithalten konnten. Leider sieht es für eine Fortführung der Geschichte wohl leider nicht sonderlich gut aus, was den Status von „Verblendung“ als absolut gelungenes Remake jedoch nicht mindern kann: 8/10 Punkte.

Sabotage (2014)

Auch wenn mich die meisten Filme seiner Post-Governator-Ära enttäuschen, so verfolge ich die Karriere Arnold Schwarzeneggers doch weiterhin mit Interesse – vielleicht, weil mich seine Leinwandpräsenz an die Filme meiner Jugend erinnert. Mit „Sabotage“ habe ich zudem einen Film von David Ayer gesehen, der das Drehbuch zum erst kürzlich von mir gesehenen und als gut befundenen „Training Day“ geschrieben hat. Gute Voraussetzungen also, obwohl die Kritiken ja durchaus durchwachsen waren…

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Von Anfang an hatte ich das Gefühl, dass ich den Film mögen wollte. So ist das manchmal – und somit hatte ich mich während der Sichtung auf die positiven Aspekte konzentriert, die der Film durchaus zu bieten hat. Speziell Arnold Schwarzenegger gefiel mir anfangs wirklich gut, da er nicht versucht längst vergangene Tage mit viel aufgesetzter Selbstironie wieder zum Leben zu erwecken zu wollen, wie es zum Beispiel in „Escape Plan“ versucht wurde. Zwar ist Schwarzenegger kein sonderlich guter Schauspieler, doch mochte ich, was mit dieser Figur versucht wurde. Auch das düstere Drogenfahnder-Setting, das Erinnerungen an „Training Day“ oder „The Shield“ geweckt hat, wusste zu gefallen. Eigentlich alles prima, oder?

„Sabotage“ besitzt tatsächlich die richtigen Zutaten und lässt mit Sam Worthington (Jake Sully, „Avatar“), Josh Holloway (Saywer, „Lost“), Mireille Enos (Sarah Linden, „The Killing“) uvm. sogar ein paar Schauspieler auftreten, die ich in dieser Art von Film nicht erwartet hätte. Allerdings entfaltet sich auch das Drehbuch in einer Art und Weise, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte. Auch wenn von Anfang an recht klar ist, dass es sich bei den Morden um einen Inside Job handelt, so sind die Wendungen, die zu dieser Auflösung führen, dermaßen dämlich, die Motivation der Charaktere so an den Haaren herbeigezogen und das Schauspiel oft so lächerlich, dass dies beinahe alle guten Eigenschaften des Films wieder zerstört hat.

Am Ende kann sich Ayer auch nicht entscheiden, ob er seine Geschichte konsequent durchziehen will, so dass ein halbgarer Eindruck zurückbleibt – kein Wunder, wenn man sich das ungleich gelungenere alternative Ende anschaut. Viel besser hätte es den Film jedoch auch nicht gemacht, dessen abstruse Entwicklung in Richtung Bonnie und Clyde einfach nicht funktioniert. Wirklich schade um die an sich guten Einzelbestandteile, den netten Look und die düstere Atmosphäre. Da hätte ich lieber einen weiteren geradlinigen Cop-Thriller gesehen, als solch einen Murks: 4/10 Punkte.

Auf der Flucht – OT: The Fugitive (1993)

Manche Filme begleiten einen über das halbe Leben, ohne dass man es merken würde. Bei mir reiht sich „Auf der Flucht“ zweifellos in diese Riege von Filmen ein. Es ist kein Werk, das ich zu meinen Lieblingsfilmen zählen oder im Gespräch über besondere Filme erwähnen würde. Dennoch habe ich Andrew Davis‘ Thriller bei nahezu jeder TV-Ausstrahlung mitgenommen und wurde jedes Mal exzellent unterhalten. Wie schlägt sich der Film heute, bestimmt 10 Jahre nach der letzten Sichtung?

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Obwohl man gerade bei dieser Adaption einer 60er Jahre TV-Serie erwarten würde, dass der noch unbekannte Ausgang der Geschichte stark zum Sehvergnügen beiträgt, so ist es doch gerade das Abarbeiten der bereits bekannten Standardsituationen, die den Reiz des Thrillers ausmachen. Auch heute hatte ich wieder enorm viel Spaß an der sich langsam entwickelnden Flucht, der ersten Konfrontation zwischen Dr. Kimble (Harrison Ford) und Samuel Gerard (Tommy Lee Jones), dem Aufdecken der Verschwörung sowie den eingestreuten Actionsequenzen. Warum das so ist? Vermutlich liegt diese Wahrnehmung in nostalgischen Gefühlen begründet, die zusätzlich von der herrlich altmodischen 90er Jahre Inszenierung unterstützt werden. Hier wird sich in jeder einzelnen Einstellung noch Zeit genommen und man kann sich an den einzelnen Settings wunderbar satt sehen.

Die Geschichte um den unschuldig am Mord seiner Frau verurteilten Dr. Kimble ist nicht sonderlich innovativ, zumal zu keinem Zeitpunkt Zweifel an der Unschuld des Arztes geschürt werden. Dies wäre jedoch auch eine andere Art von Film, weshalb ich die Geradlinigkeit in der Geschichte auch wirklich willkommen heiße. Mit Harrison Ford und Tommy Lee Jones gibt es zwei famose Gegenspieler, die – jeder auf seine Weise – alle Sympathien auf ihrer Seite haben. Auch die Nebendarsteller sind mit u.a. Joe Pantaliano oder einer sehr jungen Julianne Moore fantastisch besetzt. Und wer genau hinschaut, kann sogar Neil Flynn, den Hausmeister aus „Scrubs“ bzw. Mike Heck aus „The Middle“, entdecken.

Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie alt ich mich fühle, wenn ich mir bewusst mache, dass „The Fugitive“ inzwischen bereit 22 Jahre auf dem Buckel hat. Dabei war er in meiner Erinnerung immer einer der moderneren Thriller. Glücklicherweise straft Davis‘ Film den vergangenen Jahren auch heute noch Lügen, denn er wirkt tatsächlich zeitlos und so mitreißend wie am ersten Tag. Für mich ist „Auf der Flucht“ tatsächlich ein kleiner Klassiker, den ich mit dieser Besprechung endlich einmal gewürdigt habe – auch wenn er mir im Gespräch nie einfällt: 8/10 Punkte. Kann eigentlich jemand die Fortsetzung „Auf der Jagd“ mit Wesley Snipes empfehlen?

Stereo (2014)

Seit einer halben Ewigkeit habe ich einmal wieder einen deutschen Film gesehen. Eine komplett deutsche Produktion, d.h. nicht nur einen internationalen Film mit deutscher Beteiligung – und noch viel wichtiger: Es war ein Genrefilm! Deutsches Kino reizt mich immer speziell dann, wenn es sich abseits von Drama, Komödie oder Krimi bewegt. Maximilian Erlenweins „Stereo“ konnte somit schon einmal Punkte sammeln. Wie sich der Film sonst so schlägt, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung… Leichte Spoiler sind zu erwarten.

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Was zeichnet einen guten Schauspieler aus? Vermutlich wenn er in einer TV-Show à la „Schillerstraße“ Abend für Abend auf Hampelmann macht und in ernsten Rollen dennoch sofort eine Präsenz aufbaut, der man sich nur schwer entziehen kann. Jürgen Vogel ist solch ein Schauspieler – und er kann auch in „Stereo“ absolut überzeugen. An seiner Seite spielt Moritz Bleibtreu, der in letzter Zeit häufig in winzigen Nebenrollen in internationalen Produktionen (z.B. „World War Z“) verheizt wurde, und ergänzt Vogels Charakter perfekt. Ich möchte an dieser Stelle auch nicht mehr über die Beziehung der Figuren untereinander verraten, da jedes weitere Wort wohl das Vergnügen am Film schmälern würde.

Ich mochte den ruhigen Aufbau und die bedeutungsschwangere Atmosphäre. Wirklich sehr gelungen. Die Handlung des Films dagegen hätte von mir aus noch gerne ein paar mehr Kapriolen mehr drehen dürfen, denn gerade in den Gesprächen zwischen Erik (Jürgen Vogel) und Henry (Moritz Bleibtreu) bzw. dem Aufbrechen dieser Beziehung hätte es noch großes Potential gegeben. Letztendlich offenbart sich die eigentliche Geschichte viel zu schnell als deutsche Variante von „A History of Violence“. Durch die rasante Inszenierung und die launig gespielten Charaktere macht der Film aber bis zur letzten Minute enorm viel Spaß, zumal er auch mit einer für deutsche Filme ungewöhnlichen Härte voranprescht.

Nach Anno Sauls „Die Tür“ und Tim Fehlbaums „Hell“ hat Maximilian Erlenwein mit „Stereo“ einen weiteren deutschen Genrefilm geschaffen, der sich vor der internationalen Konkurrenz nicht verstecken braucht. Auch wenn ich die etwas zu geradlinige Handlung bemängle, so ist sie vielleicht auch die Stärke des Films – es muss ja schließlich nicht immer um die Rettung (oder Vernichtung) der Welt gehen. Ein fieser, kleiner Genrereißer, der sich hinter Cronenbergs Variante einer ähnlichen Geschichte, wenn man diesen Vergleich überhaupt ziehen will, nicht zu verstecken braucht: 7/10 Punkte.

Training Day (2001)

Ich mag es nicht Filme für längere Zeit zu unterbrechen. Meine heutige Sichtung von „Training Day“ habe ich beinahe eine komplette Stunde unterbrochen, um Schnee zu schippen. Nach dieser Stunde hat es beinahe wieder so ausgesehen wie davor. Eine wahre Sisyphusarbeit. Es spricht wohl für den Film, dass ich nach der nächtlichen Schneelandschaft sofort wieder in die schwüle Atmosphäre Los Angeles‘ hineingezogen wurde…

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Von Antoine Fuqua habe ich inzwischen schon einiges gesehen: reißerische Action in „Shooter“, Historiengemetzel in „King Arthur“ und einen patriotischen „Die Hard“-Verschnitt in „Olympus Has Fallen“ – sein anerkanntermaßen bester Film hat es erst heute in meinen Player geschafft. Wenn ich an „Training Day“ denke, dann kommt mir zunächst der Academy Award für Denzel Washington in den Sinn. Nach der Sichtung macht diese Auszeichnung auf jeden Fall Sinn, denn es ist eine wahre Freude den ansonsten eher in Heldenrollen auftretenden Schauspieler als solch einen verabscheuungswürdigen Charakter zu erleben. Sein Filmpartner Ethan Hawke steht ihm zudem in nichts nach, was den Film zu einem wahren Schauspielfest werden lässt.

Was die Handlung angeht, so wusste ich im Vorfeld ungefähr worum es geht – und schon nach kurzer Zeit fühlte ich mich im Drogensumpf von L.A. wieder ganz zu Hause. Größtenteils hatte ich nämlich das Gefühl einer Episode der TV-Serie „The Shield“ beizuwohnen, nur dass statt Vic Mackey dieses Mal Alonzo Harris im Mittelpunkt steht. Es gibt sogar eine Art Strike Team mit ähnlicher Gruppendynamik. Im Mittelpunkt steht jedoch Harris‘ Beziehung zu Jake Hoyt, der seinen ersten Tag in diesem Hexenkessel erlebt – und was für ein Tag das ist! Teils wirkt die Häufung der Ereignisse beinahe schon ein wenig übertrieben, doch gehen Zweifel in der mitreißenden Inszenierung schnell unter.

Mich hat „Training Day“ wirklich begeistert – und hätte ich „The Shield“ zuvor nicht gesehen, dann hätte mich das Cop-Drama bestimmt noch mehr verstört. Auf jeden Fall zeigt sich hier Antoine Fuquas Können, das in seinen größeren Filmen teils durch schlechte Effekte und ein schwaches Drehbuch verwässert wird. Ich kann den Film nur jedem ans Herz legen, der sich auch nur im Entferntesten für filmische Polizeiarbeit und/oder Gangsterfilme interessiert: 8/10 Punkte.

Captain Phillips (2013)

Nach einer viel zu langen Silvesternacht folgte heute Morgen das böse Erwachsen. Leckere Kiwi-Bowle, wenig Schlaf und Kinder sind keine gute Mischung. Umso erstaunlicher, dass ich nach den ersten Anlaufschwierigkeiten doch recht fit war und es letztendlich sogar für eine Filmsichtung reichte. Mit Paul Greengrass‘ „Captain Phillips“ hätte ich wohl auch keinen gelungeneren Einstieg in das neue Filmjahr finden können…

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Mein bisher einziger Kontakt mit Regisseur Paul Greengrass beschränkt sich auf „Die Bourne Verschwörung“ – und dieser Film ist mir nicht besonders positiv im Gedächtnis geblieben. Greengrass ist am ehesten wohl für seine Doku-Dramen bekannt, weshalb sein dokumentarischer Stil im fiktiven Bourne-Universum vielleicht auch so aufgesetzt und übertrieben wirkte. Auch in „Captain Phillips“ bedient sich der Regisseur viel der Handkamera und bevorzugt eine naturalistische Kameraführung, doch ist mir dies in keiner einzigen Szene negativ aufgefallen. Ich wurde regelrecht in die Handlung hineingezogen, was auch dem authentischen Schauspiel zu verdanken ist. Wirklich erstaunlich realistisch – soweit man dies eben bei solch einer dramatisierten Geschichtsstunde beurteilen kann.

Trotz der zugrunde liegenden wahren Begebenheit war mir der Ausgang des Geiseldramas nicht bekannt. Ein Umstand, der die beinahe körperlich spürbare Spannung wohl noch zusätzlich verstärkte. Am Ende der Tortur war ich sichtlich mitgenommen, was durch die ultrabrutale Auflösung der Geschichte noch gesteigert wurde. Greengrass erzählt die Geschichte so, wie sie sich nach den Aussagen des tatsächlichen Captain Phillips zugetragen hat, d.h. es überwiegt stark die US-Perspektive, doch versucht er gleichzeitig den somalischen Piraten ein Gesicht zu geben und sie, zumindest in gewissen Teilen, als Opfer der Umstände zu zeichnen. Trotz übergeordneter politischer Perspektive ist „Captain Phillips“ in erster Linie allerdings ein sehr persönliches und menschliches Drama.

Bei Antritt der Sichtung hätte ich wahrlich nicht gedacht, dass ich a) überhaupt über die gesamte Laufzeit wach bleiben und b) so stark mitgerissen werden würde. Tom Hanks spielt großartig und seine somalischen Gegenspieler stehen ihm in nichts nach. Den starken Fokus auf die Militärpräsenz hätte es im letzten Filmdrittel meiner Meinung nach nicht gebraucht, doch musste Greengrass ja auch diesen Aspekt der Geschichte übernehmen. Die emotionale Wirkung wurde dadurch nicht beeinträchtigt und ich nehme mir nun vor, Paul Greengrass (abseits des Bourne-Universums) doch noch ein paar Chancen einzuräumen: 9/10 Punkte.