Auf der Flucht – OT: The Fugitive (1993)

Manche Filme begleiten einen über das halbe Leben, ohne dass man es merken würde. Bei mir reiht sich „Auf der Flucht“ zweifellos in diese Riege von Filmen ein. Es ist kein Werk, das ich zu meinen Lieblingsfilmen zählen oder im Gespräch über besondere Filme erwähnen würde. Dennoch habe ich Andrew Davis‘ Thriller bei nahezu jeder TV-Ausstrahlung mitgenommen und wurde jedes Mal exzellent unterhalten. Wie schlägt sich der Film heute, bestimmt 10 Jahre nach der letzten Sichtung?

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Obwohl man gerade bei dieser Adaption einer 60er Jahre TV-Serie erwarten würde, dass der noch unbekannte Ausgang der Geschichte stark zum Sehvergnügen beiträgt, so ist es doch gerade das Abarbeiten der bereits bekannten Standardsituationen, die den Reiz des Thrillers ausmachen. Auch heute hatte ich wieder enorm viel Spaß an der sich langsam entwickelnden Flucht, der ersten Konfrontation zwischen Dr. Kimble (Harrison Ford) und Samuel Gerard (Tommy Lee Jones), dem Aufdecken der Verschwörung sowie den eingestreuten Actionsequenzen. Warum das so ist? Vermutlich liegt diese Wahrnehmung in nostalgischen Gefühlen begründet, die zusätzlich von der herrlich altmodischen 90er Jahre Inszenierung unterstützt werden. Hier wird sich in jeder einzelnen Einstellung noch Zeit genommen und man kann sich an den einzelnen Settings wunderbar satt sehen.

Die Geschichte um den unschuldig am Mord seiner Frau verurteilten Dr. Kimble ist nicht sonderlich innovativ, zumal zu keinem Zeitpunkt Zweifel an der Unschuld des Arztes geschürt werden. Dies wäre jedoch auch eine andere Art von Film, weshalb ich die Geradlinigkeit in der Geschichte auch wirklich willkommen heiße. Mit Harrison Ford und Tommy Lee Jones gibt es zwei famose Gegenspieler, die – jeder auf seine Weise – alle Sympathien auf ihrer Seite haben. Auch die Nebendarsteller sind mit u.a. Joe Pantaliano oder einer sehr jungen Julianne Moore fantastisch besetzt. Und wer genau hinschaut, kann sogar Neil Flynn, den Hausmeister aus „Scrubs“ bzw. Mike Heck aus „The Middle“, entdecken.

Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie alt ich mich fühle, wenn ich mir bewusst mache, dass „The Fugitive“ inzwischen bereit 22 Jahre auf dem Buckel hat. Dabei war er in meiner Erinnerung immer einer der moderneren Thriller. Glücklicherweise straft Davis‘ Film den vergangenen Jahren auch heute noch Lügen, denn er wirkt tatsächlich zeitlos und so mitreißend wie am ersten Tag. Für mich ist „Auf der Flucht“ tatsächlich ein kleiner Klassiker, den ich mit dieser Besprechung endlich einmal gewürdigt habe – auch wenn er mir im Gespräch nie einfällt: 8/10 Punkte. Kann eigentlich jemand die Fortsetzung „Auf der Jagd“ mit Wesley Snipes empfehlen?

Stereo (2014)

Seit einer halben Ewigkeit habe ich einmal wieder einen deutschen Film gesehen. Eine komplett deutsche Produktion, d.h. nicht nur einen internationalen Film mit deutscher Beteiligung – und noch viel wichtiger: Es war ein Genrefilm! Deutsches Kino reizt mich immer speziell dann, wenn es sich abseits von Drama, Komödie oder Krimi bewegt. Maximilian Erlenweins „Stereo“ konnte somit schon einmal Punkte sammeln. Wie sich der Film sonst so schlägt, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung… Leichte Spoiler sind zu erwarten.

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Was zeichnet einen guten Schauspieler aus? Vermutlich wenn er in einer TV-Show à la „Schillerstraße“ Abend für Abend auf Hampelmann macht und in ernsten Rollen dennoch sofort eine Präsenz aufbaut, der man sich nur schwer entziehen kann. Jürgen Vogel ist solch ein Schauspieler – und er kann auch in „Stereo“ absolut überzeugen. An seiner Seite spielt Moritz Bleibtreu, der in letzter Zeit häufig in winzigen Nebenrollen in internationalen Produktionen (z.B. „World War Z“) verheizt wurde, und ergänzt Vogels Charakter perfekt. Ich möchte an dieser Stelle auch nicht mehr über die Beziehung der Figuren untereinander verraten, da jedes weitere Wort wohl das Vergnügen am Film schmälern würde.

Ich mochte den ruhigen Aufbau und die bedeutungsschwangere Atmosphäre. Wirklich sehr gelungen. Die Handlung des Films dagegen hätte von mir aus noch gerne ein paar mehr Kapriolen mehr drehen dürfen, denn gerade in den Gesprächen zwischen Erik (Jürgen Vogel) und Henry (Moritz Bleibtreu) bzw. dem Aufbrechen dieser Beziehung hätte es noch großes Potential gegeben. Letztendlich offenbart sich die eigentliche Geschichte viel zu schnell als deutsche Variante von „A History of Violence“. Durch die rasante Inszenierung und die launig gespielten Charaktere macht der Film aber bis zur letzten Minute enorm viel Spaß, zumal er auch mit einer für deutsche Filme ungewöhnlichen Härte voranprescht.

Nach Anno Sauls „Die Tür“ und Tim Fehlbaums „Hell“ hat Maximilian Erlenwein mit „Stereo“ einen weiteren deutschen Genrefilm geschaffen, der sich vor der internationalen Konkurrenz nicht verstecken braucht. Auch wenn ich die etwas zu geradlinige Handlung bemängle, so ist sie vielleicht auch die Stärke des Films – es muss ja schließlich nicht immer um die Rettung (oder Vernichtung) der Welt gehen. Ein fieser, kleiner Genrereißer, der sich hinter Cronenbergs Variante einer ähnlichen Geschichte, wenn man diesen Vergleich überhaupt ziehen will, nicht zu verstecken braucht: 7/10 Punkte.

Training Day (2001)

Ich mag es nicht Filme für längere Zeit zu unterbrechen. Meine heutige Sichtung von „Training Day“ habe ich beinahe eine komplette Stunde unterbrochen, um Schnee zu schippen. Nach dieser Stunde hat es beinahe wieder so ausgesehen wie davor. Eine wahre Sisyphusarbeit. Es spricht wohl für den Film, dass ich nach der nächtlichen Schneelandschaft sofort wieder in die schwüle Atmosphäre Los Angeles‘ hineingezogen wurde…

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Von Antoine Fuqua habe ich inzwischen schon einiges gesehen: reißerische Action in „Shooter“, Historiengemetzel in „King Arthur“ und einen patriotischen „Die Hard“-Verschnitt in „Olympus Has Fallen“ – sein anerkanntermaßen bester Film hat es erst heute in meinen Player geschafft. Wenn ich an „Training Day“ denke, dann kommt mir zunächst der Academy Award für Denzel Washington in den Sinn. Nach der Sichtung macht diese Auszeichnung auf jeden Fall Sinn, denn es ist eine wahre Freude den ansonsten eher in Heldenrollen auftretenden Schauspieler als solch einen verabscheuungswürdigen Charakter zu erleben. Sein Filmpartner Ethan Hawke steht ihm zudem in nichts nach, was den Film zu einem wahren Schauspielfest werden lässt.

Was die Handlung angeht, so wusste ich im Vorfeld ungefähr worum es geht – und schon nach kurzer Zeit fühlte ich mich im Drogensumpf von L.A. wieder ganz zu Hause. Größtenteils hatte ich nämlich das Gefühl einer Episode der TV-Serie „The Shield“ beizuwohnen, nur dass statt Vic Mackey dieses Mal Alonzo Harris im Mittelpunkt steht. Es gibt sogar eine Art Strike Team mit ähnlicher Gruppendynamik. Im Mittelpunkt steht jedoch Harris‘ Beziehung zu Jake Hoyt, der seinen ersten Tag in diesem Hexenkessel erlebt – und was für ein Tag das ist! Teils wirkt die Häufung der Ereignisse beinahe schon ein wenig übertrieben, doch gehen Zweifel in der mitreißenden Inszenierung schnell unter.

Mich hat „Training Day“ wirklich begeistert – und hätte ich „The Shield“ zuvor nicht gesehen, dann hätte mich das Cop-Drama bestimmt noch mehr verstört. Auf jeden Fall zeigt sich hier Antoine Fuquas Können, das in seinen größeren Filmen teils durch schlechte Effekte und ein schwaches Drehbuch verwässert wird. Ich kann den Film nur jedem ans Herz legen, der sich auch nur im Entferntesten für filmische Polizeiarbeit und/oder Gangsterfilme interessiert: 8/10 Punkte.

Captain Phillips (2013)

Nach einer viel zu langen Silvesternacht folgte heute Morgen das böse Erwachsen. Leckere Kiwi-Bowle, wenig Schlaf und Kinder sind keine gute Mischung. Umso erstaunlicher, dass ich nach den ersten Anlaufschwierigkeiten doch recht fit war und es letztendlich sogar für eine Filmsichtung reichte. Mit Paul Greengrass‘ „Captain Phillips“ hätte ich wohl auch keinen gelungeneren Einstieg in das neue Filmjahr finden können…

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Mein bisher einziger Kontakt mit Regisseur Paul Greengrass beschränkt sich auf „Die Bourne Verschwörung“ – und dieser Film ist mir nicht besonders positiv im Gedächtnis geblieben. Greengrass ist am ehesten wohl für seine Doku-Dramen bekannt, weshalb sein dokumentarischer Stil im fiktiven Bourne-Universum vielleicht auch so aufgesetzt und übertrieben wirkte. Auch in „Captain Phillips“ bedient sich der Regisseur viel der Handkamera und bevorzugt eine naturalistische Kameraführung, doch ist mir dies in keiner einzigen Szene negativ aufgefallen. Ich wurde regelrecht in die Handlung hineingezogen, was auch dem authentischen Schauspiel zu verdanken ist. Wirklich erstaunlich realistisch – soweit man dies eben bei solch einer dramatisierten Geschichtsstunde beurteilen kann.

Trotz der zugrunde liegenden wahren Begebenheit war mir der Ausgang des Geiseldramas nicht bekannt. Ein Umstand, der die beinahe körperlich spürbare Spannung wohl noch zusätzlich verstärkte. Am Ende der Tortur war ich sichtlich mitgenommen, was durch die ultrabrutale Auflösung der Geschichte noch gesteigert wurde. Greengrass erzählt die Geschichte so, wie sie sich nach den Aussagen des tatsächlichen Captain Phillips zugetragen hat, d.h. es überwiegt stark die US-Perspektive, doch versucht er gleichzeitig den somalischen Piraten ein Gesicht zu geben und sie, zumindest in gewissen Teilen, als Opfer der Umstände zu zeichnen. Trotz übergeordneter politischer Perspektive ist „Captain Phillips“ in erster Linie allerdings ein sehr persönliches und menschliches Drama.

Bei Antritt der Sichtung hätte ich wahrlich nicht gedacht, dass ich a) überhaupt über die gesamte Laufzeit wach bleiben und b) so stark mitgerissen werden würde. Tom Hanks spielt großartig und seine somalischen Gegenspieler stehen ihm in nichts nach. Den starken Fokus auf die Militärpräsenz hätte es im letzten Filmdrittel meiner Meinung nach nicht gebraucht, doch musste Greengrass ja auch diesen Aspekt der Geschichte übernehmen. Die emotionale Wirkung wurde dadurch nicht beeinträchtigt und ich nehme mir nun vor, Paul Greengrass (abseits des Bourne-Universums) doch noch ein paar Chancen einzuräumen: 9/10 Punkte.

Escape Plan (2013)

Nachdem man als Freund des 80er Jahre Actionkinos jahrelang auf eine Rückkehr der damaligen Helden auf die Leinwand warten musste, gibt es inzwischen eine regelrechte Schwemme an sogenannten Retro-Actionern. Mit Stallones „The Expendables“ konnte ich eher weniger anfangen, Schwarzeneggers „The Last Stand“ hatte mir dagegen recht gut gefallen. Und wie schneidet „Escape Plan“ als erstes großes Treffen der beiden Action-Giganten ab?

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Ich erinnere mich dunkel an recht positive Kritiken. Allerdings mag ich den Film da auch mit einem anderen Retro-Actioner verwechseln. Schon beim ersten Auftritt Sylvester Stallones hatte ich so meine Zweifel – zu gewollt, zu angestrengt, zu schlecht gespielt. Als dann noch Curtis ’50 Cent‘ Jackson ins Bild stolpert und mit Mühe und Not halbwegs glaubhaft ein paar Sätze stammelt, waren meine Erwartungen komplett im Keller. Zu diesem Zeitpunkt war meine größte Sorge, was denn nur aus Privat Paula Vincent D’Onofrio geworden ist. Eigentlich hatte ich den Film hier schon abgeschrieben, doch er sollte ja erst noch richtig losgehen…

Und das tat er dann auch: Mit dem Auftritt Arnold Schwarzeneggers keimte plötzlich Hoffnung auf. Nein, auch er ist kein guter Schauspieler, doch blitzte hier und da wenigstens ein wenig Selbstironie durch. Auch Stallone gewann im Zusammenspiel mit Schwarzenegger – und als Arnie während des ersten Ausbruchsversuchs plötzlich auf 5 Minuten lang auf Deutsch flucht, war das schon ein kleines Highlight. Auch im weiteren Verlauf weiß die Dynamik zwischen den beiden Schauspielern zu gefallen, was tatsächlich auch das einzig wirklich Sehenswerte an „Escape Plan“ ist.

Zu den oben genannten Schauspielern gesellen sich noch Jim Caviezel und Sam Neill. Kaum zu glauben. Immerhin schafft es Caviezel noch einen völlig überdrehten Bösewicht zu kreieren, der allerdings im „Austin Powers“-Universum besser aufgehoben wäre, während Sam Neill spielt, als müsse er mit der Gage die nächste Stromrechnung bezahlen. Oder eben auch nicht. „Escape Plan“ einen B-Movie zu nennen würde es nicht direkt treffen. Er wirkt oft unglaublich trashig, das Drehbuch strotzt nur so vor Dämlichkeiten, doch wirkt die Inszenierung zu kompetent und kalkulierend.

Auch wenn „Escape Plan“ wahrlich kein guter Film ist, so hatte ich doch meinen Spaß damit. Speziell das Aufeinandertreffen von Stallone und Schwarzenegger ist für Kinofreunde wahrlich nett anzusehen. Daneben sollte man sich allerdings nicht viel erwarten, denn sowohl die Nebendarsteller als auch die Handlung wirken meist wie aus der Klamottenkiste. In größerem Kreis mit einem Bier in der Hand dürfte der Spaßfaktor zudem weitaus höher liegen, als zwischen den Jahren alleine auf dem Sofa: 5/10 Punkte.

Hannibal – Season 1

Nachdem ich in den letzten Monaten viel Zeit mit „One Tree Hill“ verbracht habe, musste einmal wieder ein Ausgleich her – und abseits von „Hannibal – Season 1“ könnte es kaum ein größeres Kontrastprogramm zu dem Teenie-Drama geben. Nachdem die Serie überall in den höchsten Tönen gelobt wurde und ich Thomas Harris‘ „Roter Drache“ sehr lesenswert fand, war ich sehr gespannt auf dieses mögliche Serien-Highlight. Die Besprechung gibt es nun passend zu den besinnlichen Tagen

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Während der ersten fünf Episoden war ich beinahe enttäuscht. Das sollte diese hochgelobte Serie sein? Ich mochte den Look (eben typisch Bryan Fuller) sehr gerne und die düstere Atmosphäre hat mich sofort überzeugt. Allerdings bleibt, wenn man sich die blutigen Morde und stimmungsvollen Bilder wegdenkt, doch nur ein weiteres Krimi-Procedural übrig. Das klingt nun hart, ist aber – zumindest zu Beginn der Serie – wirklich so. Der rote Faden wird nur sehr bedingt vorangetrieben und jede Woche steht ein neuer Serienkiller auf dem Plan. Hier merkt man eben, dass es sich letztendlich doch nur um eine Network-Serie handelt, die versucht sich in Richtung HBO und Co. zu strecken. Wenn man sich speziell „True Detective“ aus dem vergangenen Jahr ansieht, merkt man, dass dieser Anspruch noch lange nicht erreicht wird.

Als der Fokus ab der sechsten Episode immer mehr auf den titelgebenden Hannibal Lecter (toll gespielt von Mads Mikkelsen) gelenkt wird, wächst auch die gesamte Serie. Zwar gibt es immer noch den Killer-of-the-Week, doch steht dann zweifellos die Beziehung zwischen Lecter und Will Graham im Mittelpunkt. Die Länge der Staffel von nur 13 Episoden kommt der Serie auch klar zugute. Hätte man versucht die Handlung auf die üblichen 22 Episoden zu strecken, wäre wohl noch mehr verloren gegangen. Eine sehr sinnvolle Entscheidung der Showrunner bzw. des Senders!

Letztendlich lässt mich „Hannibal“ in Serienform ein wenig zwiespältig zurück. Einerseits sieht die Serie fantastisch aus und weiß durch famose Schauspieler zu überzeugen. Andererseits ist sie in vielen Bereichen noch viel zu formelhaft erzählt und kann sich nicht vom Fall-der-Woche lösen. Wenn die Autoren konsequent dort weitermachen, wo sie mit der letzten Episode aufgehört haben, dann kann die Serie noch gut 1 bis 2 Staffeln exzellent funktionieren – einer längeren Laufzeit würde ich zu diesem Zeitpunkt noch skeptisch gegenüberstehen: 8/10 (8.2) Punkte.

Gravity (2013) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Gravity“ am 27. September 2024 zum dritten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Als ich vor etwas über einem Jahr Alfonso Cuaróns „Gravity“ im Kino sah, war ich davon begeistert. Ziemlich begeistert sogar. Gleichzeitig hatte ich aber auch die starke Vermutung, dass die Begeisterung ihren Ursprung hauptsächlich in der großartigen Technik hatte, die ich während der Erstsichtung genießen durfte. In IMAX 3D mit Dolby Atmos war der Film atemberaubend – wie jedoch sah es in 2D auf 42 Zoll und mit 2.1-Ton aus?

Gravity (2013) | © Warner Bros (Universal Pictures Germany GmbH)

Gravity (2013) | © Warner Bros (Universal Pictures Germany GmbH)

Erstaunlicherweise gar nicht einmal so anders. Der Film hatte mich bereits wieder aber der ersten Minute in seinen Bann gezogen. Die Handlung lässt uns Zuschauern keine Verschnaufpause und die von Sandra Bullock verkörperte Hauptfigur Dr. Sarah Stone stolpert von einer Katastrophe in die nächste. Mitreißend und – ja, auch auf kleinem Bildschirm und in 2D – atemberaubend. Nachdem ich nun einen Blick in das absolut sehenswerte Making of werfen konnte, habe ich noch mehr Respekt vor den Filmemachern. Mit „Gravity“ kann man jetzt schon einen Blick in die Zukunft des Kinos werfen.

Und wie funktioniert „Gravity“ mit bereits bestehender Kenntnis der einzelnen Handlungselemente? Erstaunlich gut. Die Geschichte wirkte auf mich dieses Mal noch kondensierter und fokussierter. Sehr angenehm in Zeiten überlanger Blockbuster. Auch emotional konnte mich Cuaróns futuristisches Überlebensdrama erneut packen; vielleicht sogar noch mehr als beim ersten Mal. Die Symbolik der Wiedergeburt ist omnipräsent, doch macht dies im Rahmen eines solch persönlichen Katastrophenfilms auch absolut Sinn.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass ich immer noch von „Gravity“ begeistert bin. Ich hätte nicht gedacht, dass ich nach nur einem Jahr wieder so viel Lust auf den Film haben würde. Er funktioniert auch in den eigenen vier Wänden immer noch fantastisch. Sollte irgendwann einmal ein Upgrade des Heimkinos anstehen, dann wird „Gravity“ wohl einer der ersten Filme sein, die es einweihen dürfen – und dann auch wieder gerne in 3D. Er war mir erneut ein Vergnügen, Herr Cuarón: 9/10 Punkte.

Die Unfassbaren: Now You See Me – OT: Now You See Me – Extended Edition (2013)

Aktualisierung: Ich habe „Die Unfassbaren: Now You See Me″ am 7. März 2026 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlich.

Langsam aber sicher reicht es mir mit den beständigen Krankheiten. Nachdem letztes Wochenende das Zappelinchen dran war, hat es nun den Zwergofanten und meine Frau erwischt. Alle Pläne für das Nikolaus-Wochenende dahin. Somit waren die Umstände der gestrigen Sichtung von „Die Unfassbaren: Now You See Me“ (gesehen in der Extended Edition) auch alles andere als optimal. Ob der Film dennoch überzeugen konnte, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Die Unfassbaren: Now You See Me (2013) | © LEONINE

Die Unfassbaren: Now You See Me (2013) | © LEONINE

Filme rund um die Bühnenzauberei bilden inzwischen fast schon ein eigenes Genre. Von Christopher Nolans „The Prestige“ war ich damals sehr begeistert, Neil Burgers „The Illusionist“ konnte mich dagegen nicht so wirklich überzeugen. Beide Filme sind eher dem Thriller zuzuordnen, Louis Leterriers „Now You See Me“ erinnert dagegen eher an klassische Caper- oder Heist-Movies wie „Ocean’s Eleven“ – vielleicht auch aufgrund des Vegas-Show-Aspekts. Leichtere Kost also, als die beiden oben genannten Mystery-Thriller, doch das muss ja nicht von Nachteil sein.

„Now You See Me“ ist selbst wie eine Bühnenshow aufgebaut. Unglaublich viele Effekte, glatt und ohne Kanten inszeniert. Die Figuren sind interessant und gut gespielt, besitzen aber keinerlei Tiefe. Die Handlung jagt von einer mehr oder minder verblüffenden Wendung zur nächsten und man versucht als Zuschauer die Tricks zu entlarven. Eine große, bunte Zaubershow. Toll anzusehen und wirklich unterhaltsam. Sobald man aber anfängt über das Gesehene nachzudenken, ist es auch schon vorbei. Besonders die letzte Wendung entpuppt sich als platt und an den Haaren herbeigezogen. Der Bühnenzauber verpufft. Mehr ist da nicht.

Fazit

Ich mag die Dynamik zwischen Woody Harrelson, Jesse Eisenberg, Dave Franco und der großartigen Isla Fisher wirklich sehr. Auch Mark Ruffalo und Mélanie Laurent haben so ihre Momente. Michael Caine und Morgan Freeman dagegen bemühen sich erfolglos gegen die abstruse Handlung anzuspielen. All das ist gefällig inszeniert und hat mich gestern – trotz der erschwerten Rahmenbedingungen – wirklich gut unterhalten. Je länger ich jedoch über Louis Leterriers („Kampf der Titanen“) Film nachdenke, umso mehr merke ich, dass ich mich, außer an eine spektakuläre Show, kaum noch an etwas erinnern kann. Nette Unterhaltung mit einem tollen Ensemble, mehr aber leider auch nicht: 7/10 Punkte.

Sunshine (2007) (WS1)

Nachdem ich in letzter Zeit mit „Europa Report“ und „Interstellar“ meine Vorliebe für Weltraumfilme wiederentdeckt habe, wollte ich unbedingt Danny Boyles „Sunshine“ eine weitere Chance einräumen. Nicht dass ich den Film vor 7 Jahren bei der Erstsichtung im Kino schlecht gefunden hätte, doch wurde ich seitdem das Gefühl nicht los, sein volles Potential nicht erkannt zu haben. Ein berechtigter Gedanke?

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Wenn ich mir meine damalige Besprechung so durchlese, dann kann ich sie auch heute noch unterschreiben – und doch habe ich den Film dieses Mal deutlich positiver wahrgenommen. Die ersten zwei Drittel sind wahrlich famos! Ich mag das Design, die beinahe schon fiebrige Atmosphäre je näher die Icarus II der Sonne kommt und die Konflikte, die sich unter der Crew entwickeln. Ein packendes Sci-Fi-Abenteuer, das uns – ähnlich wie andere Genrevertreter – in die Schuhe der Protagonisten zwängt und uns fragen lässt, wie wir wohl an ihrer Stelle gehandelt hätten.

Im letzten Drittel schlägt „Sunshine“ dagegen ziemlich unerwartet in einen Slasher um, was mich bei der ersten Sichtung wahrlich aus der Bahn geworfen hatte. Dieses Mal war ich allerdings darauf gefasst und konnte somit besser damit umgehen. Auch wenn die Jagdszenen auf der Icarus II durchaus spannend inszeniert sind und Bösewicht Pinbacker mehr Tiefe zu besitzen scheint, als man ihm zunächst zugestehen möchte, so hätte man den Film meiner Meinung nach stimmiger zum Abschluss bringen können.

Auf jeden Fall bin ich froh „Sunshine“ eine weitere Sichtung zugestanden zu haben, hatte ich doch viel Spaß bei dieser Reise ins Zentrum unseres Sonnensystems. Wahrlich kein perfekter Film, doch für Genrefreunde schon alleine aufgrund seiner audiovisuellen Stärken Pflicht. Nicht so episch wie Nolans jüngster Ausflug ins All, doch in den Weltraumszenen mindestens ebenso mitreißend. Auch wenn das letzte Drittel immer noch viel kaputt macht, so mag ich dem Film nach der heutigen Sichtung die Aufwertung um einen knappen Punkt nicht verwehren: 8/10 Punkte.

Crimson Tide (1995)

Mit Wolfgang Petersens „Das Boot“ (in der TV-Fassung) verbinde ich eine meiner ersten ernsthaften Erinnerungen an eine audiovisuell erzählte Geschichte, die mich noch Tage nach der Sichtung nicht losgelassen hat. Seitdem konnte kein anderer U-Boot-Film an dieses Erlebnis heranreichen. Auch an Tony Scotts „Crimson Tide“ bin ich erst gar nicht mit diesem Anspruch herangetreten, sondern habe mir nur einen spannenden Thriller erhofft…

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Schon während der ersten paar Minuten weiß man als Filmfreund wo und wann man sich befindet: in einer Jerry Bruckheimer-Produktion inmitten der 90er Jahre. Geleckte Bilder von aufmarschierenden Soldaten, dazu ein Hans Zimmer-Score, der auch aus „The Rock“ hätte stammen können. Pathos wird groß geschrieben und leicht könnte man „Crimson Tide“ als Propaganda abtun, doch dann kommt es zu ersten Spannungen zwischen unseren Hauptfiguren – und, wow, das Knistern in der klaustrophobischen Enge des U-Boots wird förmlich spürbar. Mit Denzel Washington (Doug Carlin, „Déjà Vu“) und besonders Gene Hackman (Edward Lyle, „Der Staatsfeind Nr. 1“) liefern sich zwei Schauspieler ein Duell, das von der ersten Sekunde an mitreißt und uns Zuschauer bei der Stange hält.

Mit James Gandolfini (Tony Soprano, „The Sopranos“) und Viggo Mortensen (Aragorn, „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“) sind auch die Nebenrollen erstklassig besetzt, was die Handlung in der bedrückenden Enge des U-Boots fast schon zu einem Kammerspiel werden lässt. Tony Scott wäre allerdings nicht Tony Scott, hätte er nicht auch visuell alle Register gezogen. Somit gibt es enorm temporeiche Actionszenen, die dem beengten Drehort entgegenwirken. Tolle anzusehen und der Handlung stets förderlich.

Auch inhaltlich hat „Crimson Tide“ mehr zu bieten, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Zwar wird nicht direkt Position bezogen, doch durch Denzel Washingtons Charakter klar gegen stumpfen Gehorsam Position bezogen. Man sollte sich somit nicht vom Militärgehabe blenden lassen, denn der Film regt – auch wenn er inhaltlich nicht perfekt ist – durchaus zum Nachdenken an und bietet mehr als plumpe Kriegsaction. Spannendes Unterwasserkino, das man sich als Genrefreund nicht entgehen lassen sollte: 8/10 Punkte.