Shameless (US) – Season 4

Nach viel zu langer Zeit, habe ich mich endlich „Shameless – Season 4“ zugewandt. Wieder einmal war ich erstaunt, wie unglaublich unterhaltsam die Serie doch ist. Egal wie müde ich bin, bei den abstrusen Abenteuern der Familie Gallagher bin ich noch nie eingeschlafen. Und auch wenn sich das meine jugendlicheren Leser vermutlich nicht vorstellen können, ist dies inzwischen tatsächlich ein Qualitätskriterium. Macht euch aber keine Illusionen, auch für mich wäre es früher ein echtes Armutszeugnis gewesen, abends um 21 Uhr auf dem Sofa einzuschlafen – so ändern sich die Zeiten… 😉

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„Shameless“ ist eine Serie, der ich mich eigentlich überhaupt nicht widmen wollte. Nicht mein Thema, nicht mein Humor. So meine völlig unreflektierte Einschätzung vor der Sichtung der ersten Staffel. Inzwischen gibt es kaum eine Serie, die ich lieber schaue – und das Beste: Die Qualität der Drehbücher hat sich bisher konsequent gesteigert. Auch in dieser vierten Staffel jagt ein völlig abstruser Moment den nächsten. Und gerade wenn man als Zuschauer aufgrund des unterhaltsamen Wahnsinns losgelöst mit den Charakteren (und manchmal auch über sie) lacht, dann wirft die Serie den Gallaghers und uns Zuschauern solche Knüppel zwischen die Beine, dass man erst einmal nicht mehr weiß wo vorne und hinten ist. In solchen Momenten gelingt es „Shameless“ die Drama-Karte perfekt auszuspielen und man leidet mit den Figuren, die einem über die letzten drei Staffeln – egal wie verrückt sie sich manchmal verhalten – doch sehr ans Herz gewachsen sind.

Was mir in dieser Staffel besonders aufgefallen ist, war die Charakterentwicklung der einzelnen Figuren. Fiona und Lip scheinen die Plätze getauscht zu haben, was für eine ganz neue Dynamik innerhalb der Familie Gallagher sorgt. Man möchte Fiona anschreien und wachrütteln. Sie war doch immer der Fels in der Brandung. Ihr seht, die Staffel bietet starke Emotionen, denen man sich nur schwer entziehen kann. Auf der anderen Seite steht Frank, dessen Leben am seidenen Faden hängt. Es kann einfach nicht gut ausgehen. Das ist bei diesem verachtenswerten Charakter nicht weiter schlimm? Natürlich ruft die Serie gerade dann, wenn man es am wenigsten erwartet, ein gewisses Mitgefühl für Frank hervor – aber nicht, ohne auch diesen Handlungsstrang mit extrem schwarzem Humor zu würzen. Welches Schicksal am Ende Frank erwartet? Das müsst ihr wohl selbst schauen…

Neben den großen Hauptgeschichten überzeugt die Staffel auch durch wunderbar runde Nebenschauplätze: Debbies erste Verliebtheit wird sehr einfühlsam und doch auf typische „Shameless“-Art erzählt. Nicht minder toll ist die Beziehung zwischen Ian und Mikey, die mit dem Coming-out Mickeys endlich einen großen Schritt nach vorne macht. Auch Carl erlebt die erste Liebe und stolpert damit sogleich in ein „Bonnie & Clyde“-Setting – und am Ende wird ihm natürlich das Herz gebrochen. Im Zentrum der Staffel stehen jedoch Frank, Fiona und Lip – und auch wenn ich hier nicht ins Detail gehen möchte, so ist das Schicksal dieser drei Charaktere so eng miteinander verwoben, dass das Konzept Familie, so kaputt es in diesem Fall auch sein mag, auf eine harte Probe gestellt wird.

Die letzten Einstellungen der Staffel sind dann, so episch sie auch inszeniert sein mögen, wie ein Schlag in die Magengrube, da sie die aufkeimende Hoffnung im Kern ersticken – und natürlich ist es genau das, was wir in der fünften Staffel sehen wollen. Weiterhin überrascht eine Post-Credit-Szene, die direkt an einen Handlungsstrang der dritten Staffel anknüpft. Schon lange habe ich keine so gelungene und absolut runde Serienstaffel mehr gesehen. Viel besser kann es nun nicht mehr werden und ich bin jetzt schon auf Entzug, zumal es auch noch dauern wird, bis die fünfte Staffel zu einem angemessenen Preis erhältlich ist. Aber was ist schon angemessen für solch famose TV-Unterhaltung? Absolut großartig: 10/10 (9.7) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Into the Badlands – Season 1

Über die Serie bin ich schon häufiger gestolpert, doch erst die Besprechung durch Miss Booleana hat mich dazu gebracht tatsächlich einmal in „Into the Badlands – Season 1“ reinzuschauen. Dadurch lernte ich auch, dass es sich um eine Serie handelt, die auf AMC läuft, was die Vorfreude zusätzlich steigerte. Mit „Mad Men“, „Breaking Bad“ und „The Walking Dead“ hat der Sender bisher ein ausgezeichnetes Gespür für Qualitätsfernsehen bewiesen. Ob auch diese Serie daran anschließen kann?

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Die erste Episode hat mich komplett umgehauen: ein frisches Setting, akrobatische Kampfkunst und eine angenehm erwachsene Inszenierung. Wow! Es ist wirklich fantastisch was die Serie in ihrem Piloten abfackelt. Das Setting ist eine dystopische Welt, wie man sie zuvor noch nicht gesehen hat: Fünf Barone teilen sich die Macht und sichern sich diese durch ihre Armee von Clippern, tödlichen Martial-Arts-Kämpfern. Schusswaffen wurden in dieser Welt verbannt und somit ist jede kämpferische Begegnung eine fantastisch choreografierte Martial-Arts-Szene. Die Charaktere sind mysteriös und interessant. Sie wirken einem Comic entsprungen und bilden einen wunderbaren Kontrast zur dargestellten Welt: einem Südstaaten-Setting mit Anleihen an die düstere Epoche der Sklavenhaltung und asiatisch angehauchten Steam-Punk-Einflüssen. Also eine neue Lieblingsserie?

Leider nutzt sich der Wow-Effekt ziemlich schnell ab: Die Handlung zwischen den imposanten Kampfszenen wirkt oft redundant und zäh. In der Inszenierung abseits der Kämpfe merkt man das anscheinend begrenzte Budget deutlich. Es gibt die immer gleichen Einstellungen und Landschaftsbilder zu sehen, die Ländereien der einzelnen Barone scheinen nur einen Steinwurf voneinander entfernt zu sein und überhaupt wirken die scheinbar so gefährlichen Badlands eher wie idyllische grüne Wiesen und Laubwälder. Hier hätte ich mir tatsächlich (noch) mehr Worldbuilding gewünscht, um die dargestellte Situation mit der erzählten zu verknüpfen. Und dennoch erzeugt die Serie einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann.

Nach dem Finale, das viel zu schnell kommt, möchte ich nun unbedingt weiterschauen. Umso passender, das heute eine zweite Staffel angekündigt wurde. Die sechs Episoden füttern die Geschichte nur ein wenig an und man merkt, dass noch viel mehr kommen mag. Bis dahin überzeugt die Serie zumindest durch außergewöhnliche Kampfszenen, wie man sie zuvor noch in keiner TV-Serie gesehen hat und einer Welt, die tatsächlich einmal neu und anders wirkt. Diesen Mut möchte ich trotz so mancher Schwäche belohnen und die Serie allen nun Interessierten ans Herz legen: 8/10 (7.5) Punkte.

Community – Season 5

Nachdem ich mit der ersten Staffel eine neue Lieblingsserie gefunden hatte, war ich von der vierten Staffel der Serie fast schon enttäuscht – und es sollte beinahe drei Jahre dauern bis „Community – Season 5“ den Weg in mein Programm fand. Ich erwartete mir durchaus eine Steigerung zum Vorjahr, da Showrunner Dan Harmon nun endlich wieder mit an Bord war. Ob dies die Qualität der Geschichten tatsächlich positiv beeinflusst hat, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Ja, tatsächlich legt „Community“ qualitativ wieder deutlich zu – und das trotz des Ausstiegs zweier Schauspieler: Chevy Chase und Donald Glover sind nicht mehr dabei. Dafür ist mit Jonathan Banks (Mike Ehrmantraut, „Breaking Bad“) ein Darsteller am Start, der eine naturgegebene Präsenz mitbringt und durchaus eine würdige Ergänzung des Ensembles darstellt. Dennoch merkt man den Verlust zweier liebgewonnener Charaktere deutlich, was auch in die für die Serie typischen Meta-Erzählung mit einfließt. Als roten Faden versammelt sich dieses Mal keine Lerngruppe (schließlich sind nicht mehr alle unsere Charaktere Studenten), sondern das Save Greendale Committee – im Prinzip bleibt aber alles beim Alten und wir erleben popkulturell etablierte Szenarien, welche ins Greendale-Setting transferiert und von Studenten und Professoren nachgespielt werden.

In ihrem fünften Jahr bietet die Serie ein paar Episoden, die sich absolut auf der Höhe befinden und denen der ersten drei Staffeln in kaum etwas nachstehen. Leider gibt es auch immer wieder ein paar durchschnittliche Folgen, die nur nett sind und eher an das vierte Jahr erinnern. An dieser Stelle möchte ich euch jedoch die Highlights vorstellen: In „Basic Intergluteal Numismatics“ gibt es großartige Parodie auf typische Krimi-Procedurals zu bewundern. Meine Lieblingsepisode dürfte wohl „Geothermal Escapism“ gewesen sein, die ganz Greendale in eine postapokalyptische Welt à la „Mad Max: Fury Road“ versetzt und qualitativ nahe an die prägenden Paintball-Episoden der ersten beiden Staffeln heranreicht. Ebenso großartig ist die Episode „App Development and Condiments“, in der wir eine dystopische Zukunft mit ganz eigenen Regeln kennenlernen – wirklich unglaublich, was die Autoren in gerade einmal 20 Minuten Laufzeit an Ideen unterbringen.

Auch bekannte Erfolgsformeln werden wieder aufgegriffen: In „Advanced Advanced Dungeons & Dragons“ dürfen wir erneut einem Rollenspiel-Abenteuer beiwohnen, was abermals ein großes Vergnügen ist. Mit „G.I. Jeff“ werden audiovisuell wieder alle Register gezogen und man findet sich in einem 80er Jahre Cartoon samt Werbeclips wieder. Herrlich! Das Finale gibt sich abermals ganz meta und es steht die Zukunft Greendales im Mittelpunkt. Inzwischen wissen wir, dass Greendale bzw. die Serie von Yahoo! Screen tatsächlich gerettet wurde. Juhu!

Trotz langer Abwesenheit von „Community“ hatte ich viel Spaß mit der fünften Staffel der Serie. Man merkt manchen Episoden deutlich an, dass Dan Harmon wieder mit an Bord ist – und dennoch schafft es die Serie nicht mehr ganz zu alter Form aufzulaufen. Pierce und Troy fehlen der Serie sehr, doch ich hatte das Gefühl, dass das Beste aus der Situation gemacht wurde: 8/10 (8.4) Punkte.

The X-Files – Season 6

Während alle Welt über die brandneue zehnte Staffel der Serie spricht, habe ich in aller Ruhe „The X-Files – Season 6“ gesehen und damit meine Marathon-Sichtung der Serie fortgeführt. Eigentlich hatte ich erwartet, dass die Qualität nun langsam deutlich nachlässt, doch wurde ich mehr als positiv überrascht. Ob sich die sechste Staffel damit den neuen Spitzenplatz sichern kann, lest ihr ihn der folgenden Besprechung…

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Die Handlung setzt unmittelbar nach dem Kinofilm „The X-Files: Fight the Future“ ein und wirkt auch wie eine direkte Fortführung. Dennoch versucht man inhaltlich den Spagat zu schaffen, auch Zuschauer erreichen zu wollen, die den Film nicht gesehen haben und direkt aus der fünften Staffel kommen. Dies schwächt den Staffelauftakt ein wenig und lässt das vom Film aufgebaute Potential ein wenig verpuffen. Darüber hinaus bekommt man im sechsten Jahr tatsächlich ein paar wichtige Erkenntnisse, was die Mythology betrifft, an die Hand. Mit der Doppelfolge „Two Fathers“/“One Son“ erfährt man mehr als in den bisherigen Staffeln zusammen. Es macht zwar nicht alles komplett Sinn, doch ist es immerhin ein Versuch die aufgemachten Erzählstränge zusammenzuführen und einen Meilenstein zu setzen.

Die große Stärke der sechsten Staffel liegt eindeutig in den oft humorvollen Monster-of-the-Week-Folgen. In „Drive“ präsentiert Bryan Cranston sein dramatisches Können. Kein Wunder, dass er sich damit für seine Rolle in „Breaking Bad“ qualifiziert hat. Weiter geht es mit der famos experimentellen Episode „Triangle“, die unsere Figuren über mehrere Zeitebenen verstreut. Mit dem „Dreamland“-Zweiteiler gibt es das erste komödiantische Highlight zu bewundern, das sogleich mit „How the Ghosts Stole Christmas“ fortgeführt wird. Die auf Scully fokussierte Episode „Tithonus“ schlägt wieder dramatische Töne an und funktioniert innerhalb dieser eher leichten Staffel deshalb vielleicht umso besser. Über eine Zeitschleife in „Monday“ geht es danach wieder in Richtung Comedy: „Arcadia“ ist eine wahrlich herrliche Episode, in der wir Mulder und Scully endlich als Paar in einem nicht ganz so normalen Vorort erleben dürfen. Großartig!

Nach einem qualitativen Einbruch mit „Alpha“ und „Trevor“, die nur solide Monster-of-the-Week-Unterhaltung bieten, läuft die Staffel kurz vor ihrem Abschluss mit „The Unnatural“ und „Field Trip“ noch einmal zu ungeahnter Bestform auf. Das Finale „Biogenesis“ dagegen wirkt ein wenig forciert – als wolle man unbedingt ein neues Kapitel in der Mythology aufschlagen. Inhaltlich dennoch interessant, zumal Parallelen zu Ridley Scotts „Prometheus“ erkennbar sind, den ich ja – ganz im Gegensatz zum restlichen Publikum – wahrlich großartig finde.

Insgesamt hätte ich wirklich nicht gedacht, dass mich die Serie in ihrem bereits sechsten Jahr noch einmal so begeistern können würde. Was die kommenden Staffeln angeht, so zeichnen die Kritiker- bzw. Fan-Stimmen ein eher düsteres Bild. Ich lasse mich aber gerne weiterhin so positiv überraschen: 9/10 (8.6) Punkte.

Linktipp: Leser, die Gefallen an meinen Besprechungen zu „Akte X“ gefunden haben, sollten auch einmal bei Blogger-Kollege donpozuelo reinschauen und eine alternative Meinung zu den einzelnen Staffeln abholen. Es lohnt sich!

Fear the Walking Dead – Season 1

Wie bereits angekündigt, bin ich den Zombies treu geblieben und habe mir mit „Fear the Walking Dead – Season 1“ das Spin-off der AMC-Erfolgsserie angesehen. Dieses läuft aktuell im Programm von Amazon Prime – und das löblicherweise im Originalton und der Option englischsprachige Untertitel einzublenden. Selbst als Streaming-Skeptiker könnte ich mich unter diesen Voraussetzungen an diese Form des Film- und Serienkonsums gewöhnen…

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Nach wie vor kann ich, was die Hauptserie betrifft, kaum Ermüdungserscheinungen ausmachen, was am von mir geliebten Survival-Setting liegt. Hier schlägt wohl das 80er Jahre Kind durch, das in mir schlummert und der damit einhergehende Reiz am Subgenre Zombiefilm. Ich kann immer noch nicht glauben, was man heutzutage alles ungeschnitten im TV oder auf DVD/Blu-ray zu sehen bekommt. Das wäre damals unvorstellbar gewesen. Aufgewachsen bin ich also mit den Romero-Filmen und ein paar unsäglichen Ablegern. Als dann Anfang des Jahrtausends die zweite große Zombiewelle losgetreten wurde, war ich sehr begeistert. Mit „The Walking Dead“ waren die Untoten ca. 10 Jahre später endgültig im Mainstream angekommen – und gerade in serieller Erzählform funktioniert dieses Subgenre für mich famos. Welche neuen Aspekte kann nun also „Fear the Walking Dead“ dazu beitragen?

Gerade der Ausbruch der Epidemie scheint mir ein essenzieller Zeitpunkt in der Geschichte zu sein. Eine Zeit ohne die bekannten und etablierten Regeln und Vorgehensweisen. Anders als „The Walking Dead“ und „28 Days Later“, die beide auf den Kniff eines Krankenhausaufenthalts der Hauptperson während des Ausbruchs zurückgreifen, bekommen wir in „Fear the Walking Dead“ den Beginn der Epidemie live mit. Davon hatte ich mir wirklich einiges erhofft, jedoch schafft es die Serie nicht in der Intensität an die ersten Szenen aus Zack Snyders „Dawn of the Dead“-Remake oder selbst „World War Z“ anzuschließen. Ob dies der längeren Laufzeit der Serie geschuldet ist? Ich habe da eher die Charaktere und das leider oft klischeehafte Drehbuch in Verdacht…

Bei „The Walking Dead“ werden ja häufig die dummen Entscheidungen der Figuren beanstandet. Für mich lassen sich diese häufig mit der Extremsituation erklären, mit der die Charaktere schon seit längerer Zeit umgehen müssen. In diesem Spin-off allerdings, war selbst mir so manches Verhalten einfach zu hanebüchen: Wenn ich nur daran denke, dass der Junkie-Sohn plötzlich den Einfall hat nachts bei den Nachbarn einzusteigen, nur um eine Waffe zu suchen, die er irgendwann mal gesehen hat – dann rennen alle zusammen raus und lassen die Türe zu ihrem eigenen Haus offen, durch die dann natürlich ein Zombie torkelt? Bei solchen Szenen musste selbst ich ab und zu mit den Augen rollen. Überhaupt wirken die Charaktere viel oberflächlicher und aufgesetzter als die der Mutterserie. Dies mag sich aber noch entwickeln.

Insgesamt hatte ich trotz aller Kritikpunkte viel Spaß mit „Fear the Walking Dead“ und werde bestimmt auch in die zweite Staffel reinschauen. Die Vorfreude spare ich mir vorerst aber für die Fortführung des Originals auf. Ich bin auf jeden Fall gespannt, ob auch das Spin-off eine ähnliche Erfolgsgeschichte haben wird: 7/10 (7.2) Punkte.

The Walking Dead – Season 5

Die Vorteile Serien per Stream zu verfolgen häufen sich: Schneller als ursprünglich erwartet, habe ich die Gelegenheit bekommen „The Walking Dead – Season 5“ zu sehen. Somit konnte ich nach Sichtung der vierten Staffel nahtlos in der Welt der Zombie-Serie verweilen, ohne ein weiteres Jahr verstreichen lassen zu müssen. Ob dies dem Erlebnis zuträglich war oder eher zu Abnutzungserscheinungen geführt hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung… Spoiler sind zu erwarten.

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Die Staffel fängt unglaublich intensiv an. Nachdem sich Terminus als die perfideste aller möglichen Fallen herausgestellt hat, kommt es zu einer Rettungsaktion, die einfach nur mitreißend ist. Die Bedrohung bleibt noch ein paar Episoden lang bestehen, wird dann aber ziemlich schnell und extrem brutal aufgelöst. Puh. Harter Tobak. Der Mittelteil der Staffel ist wieder ruhiger, schürt Konflikte zwischen den Charakteren und gipfelt in zwei Todesfällen, die für mich ziemlich unerwartet kamen. Nachdem zudem die einzige Hoffnung auf eine bessere Zukunft zerstört wird, herrscht Desillusionierung bei unserer Gruppe – und diese Zermürbung überträgt sich auch auf uns Zuschauer. Die plötzliche Aussicht auf ein besseres Leben läutet das letzte Drittel der Staffel ein, das ich wirklich erfrischend fand.

Nach einer emotionalen Tour-de-Force fällt es der Gruppe um Rick nicht leicht, sich wieder an ein Leben in scheinbarer Sicherheit zu gewöhnen. Nach dem inhaltlich etwas redundanten Zwischenspiel in Atlanta, mochte ich diesen Handlungsstrang wirklich gerne und hätte mir auch gewünscht, dass man nicht zu schnell wieder in die übliche Zombie-Action verfällt. Gerade die Probleme des Zusammenlebens bzw. des Eingliederns in eine bestehende Zivilisation hätten noch mehr Potential geboten. Am Ende folgt das Unausweichliche und die neu gewonnene Idylle zerbröckelt nicht nur von innen, es steht auch schon die nächste Bedrohung von außen vor der Tür.

Sehr erfreut war ich inzwischen nun schon drei Schauspieler aus „The Wire“ als zumindest vorübergehende Mitglieder unserer Gruppe zu sehen. In den letzten Episoden lernen wir sogar ein bekanntes Gesicht aus „One Tree Hill“ kennen, was bei mir fast einen Knoten im Hirn verursacht hat, könnten beide Serien inhaltlich doch nicht weiter auseinander liegen. Trotz der gefühlt starken Fluktuation, fügt sich auch jede neue Figur gut in die Gruppe ein – und manchmal erwischt es auch bereits etablierte Figuren und eben nicht nur das typische Redshirt, das vor fünf Minuten zur Gruppe gestoßen ist.

Insgesamt hat mir auch die fünfte Staffel von „The Walking Dead“ sehr gut gefallen und sie hat mich emotional das eine oder andere Mal doch ziemlich gefordert. Das Finale birgt Potential, kann aber auch leicht in Enttäuschung umschlagen – mal sehen, was die Autoren daraus machen. Die Wartezeit auf die sechste Staffel, die ja vermutlich erst im Januar 2017 erhältlich sein wird, werde ich mir zunächst mit „Fear the Walking Dead“ vertreiben. Die Welt der Untoten verlasse ich somit noch nicht komplett, doch dann wird es Zeit mich wieder einmal einem anderen Setting zu widmen: 9/10 (8.5) Punkte.

Castle – Season 6

Lange hat es gedauert, doch auch bei TV-Serien heißt aufgeschoben nicht aufgehoben – und so hat es „Castle – Season 6“ nach beinahe drei Jahren endlich in mein ganz privates Programm geschafft, was speziell meine bessere Hälfte erfreut hat. Es war übrigens das erste Mal, dass wir die Serie nahezu am Stück verfolgt haben. Somit war ich sehr gespannt, ob das Krimi-Procedural auch noch funktioniert, wenn man beinahe täglich eine Episode schaut…

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Die Freude um die Rückkehr zu Castle, Beckett und Co. war wirklich groß. Die Serie funktioniert einfach famos als Wohlfühlunterhaltung – und das trotz des Settings rund um Mord und Totschlag. Wie kein anderes Procedural dieses Genres schafft es die Serie Krimi und Komödie perfekt zu kombinieren, was neben dem sympathischen Nathan Fillion (Captain Mal Reynolds, „Firefly“ & „Serenity“) besonders an den außergewöhnlichen Fällen liegt: In der Vergangenheit gab es schon eine Zombie-Apokalypse zu bestehen und in dieser Staffel wird ein Zeitreisefall behandelt, der perfekt mit der Serienwelt harmoniert – und das ohne offensichtlich nur eine falsche Fährte zu sein. Auch wenn nicht jeder Fall wirklich außergewöhnlich ist, so ist „Castle“ doch das einzige Krimi-Procedural, das mir auch über längere Zeit Spaß bereitet.

Bis zur fünften Staffel hatte ich „Castle“ von Woche zu Woche verfolgt, doch bei dieser Sichtung stand beinahe täglich eine neue Episode auf dem Programm, was dem Sehgenuss letztendlich wohl eher abträglich war. Hier fällt dann doch die starke Formelhaftigkeit auf, was glücklicherweise durch die spielfreudigen Darsteller und die oft ungewöhnlichen Fälle aufgefangen wird. Dennoch keine Serie, die sich zum Binge-Watching eignet und lieber in kleineren Dosen genossen werden sollte. Dann funktioniert wohl auch die Rahmenhandlung rund um die bevorstehende Hochzeit und die damit verbundenen privaten Wirrungen besser. Immerhin wurde nun endlich das große Mysterium rund um den Mord an Detective Becketts Mutter aufgeklärt.

Mir hat auch das sechste Jahr rund um Richard Castle wirklich viel Spaß bereitet. Der Cliffhanger am Ende wäre dagegen nicht nötig gewesen, hat man diesen in ähnlicher Form doch bereits unzählige Male gesehen. Auf eine Rückkehr des ermittelnden Krimi-Autoren freue ich mich dennoch schon sehr. Dann werde ich ihn aber vermutlich wieder in weniger geballter Form besuchen: 8/10 (7.9) Punkte.

Men at Work – Season 2

So langsam beginne ich dank Streaming Serien weiterzuverfolgen, die zuvor bereits wieder von meinem Radar verschwunden waren. Kürzlich ist mir mit „Men at Work – Season 2“ eine Serie über den Weg gelaufen, die ich nie weitergeschaut habe, obwohl ich deren erste Staffel recht unterhaltsam fand. Da ich ohnehin auf der Suche nach einer 20-minütigen Sitcom war, kam mir die Serie gerade recht…

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Was für ein Vergnügen! Wie ich nach meiner Sichtung der ersten Staffel bereits beschrieben hatte, fühlt sich „Men of Work“ wie ein Relikt aus dem TV-Programm der 90er Jahre an. Inszenierung, Charaktere und Drehbücher wirken einfach aus der Zeit gefallen. Schon die musikalische Untermalung der Schauplatzwechsel löst bei mir Flashbacks zur goldenen Zeit der klassischen Sitcom mit Lachspur aus. Kaum zu glauben, dass diese Staffel erst 2013 gelaufen ist. Dabei habe ich nicht einmal das Gefühl, den Machern wäre diese nostalgische Komponente bewusst.

Auch dieses Jahr geben wieder erstaunlich viele Gaststars ihr Stelldichein: von J. K. Simmons („Whiplash“) über Jason Lee („My Name is Earl“) bis hin zu Ashton Kutcher, mit dem Danny Masterson ja bereits in „That ’70s Show“ aufgetreten ist. Dies zeigt deutlich, dass Showrunner Breckin Meyer sehr gut in Hollywood vernetzt ist.

Mit nur 10 Episoden ist die Staffel extrem kurz, gerade für eine klassische Sitcom. Auch wenn die Handlung alles andere als innovativ ist, so hätte ich doch gerne mehr davon gesehen. Einfach sympathische Unterhaltung, die gerade aufgrund ihrer altmodischen Aspekte erstaunlich anders wirkt. Habe ich wirklich sehr gerne gesehen: 7/10 (7.4) Punkte.

The X-Files – Season 5

Aufgrund viel Ablenkung durch Filme und andere Serien über die Feiertage und den Jahreswechsel, hat sich meine Sichtung von „The X-Files – Season 5“ ein wenig verzögert. Für mich war es die erste Staffel, bei der ich mich nicht mehr wirklich an einzelne Episoden erinnern konnte – und die erste Staffel im damals noch recht modernen 16:9-Breitbildformat. Gleichzeitig markiert die fünfte Staffel die Mitte der Serie und den Startschuss für den ersten Kinofilm. Was hatte „Akte X“ also auf der Höhe des ursprünglichen Hypes zu bieten?

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Man merkt, dass die Autoren inzwischen ziemlich genau wissen, was funktioniert und was nicht. Inzwischen ist das Serienuniversum auch so weit ausgebildet und populär, dass sie wunderbar ein paar Episoden einstreuen können, die eher auf der Metaebene ablaufen. Gleichzeitig fällt jedoch auf, dass die Autoren diese aufgebaute Komfortzone weniger oft verlassen und man nicht mehr dieses bunte Potpourri an Geschichten bekommt, wie dies speziell in den ersten vier Staffeln der Fall war. Allerdings mag sich der Eindruck einer stärker fokussierten Erzählung auch aus der verringerten Episodenzahl (20 statt wie bisher mindestens 24 Episoden) ergeben. Eine Tendenz, die ich grundsätzlich erst einmal positiv bewerten würde, jedoch hier in weniger Spielraum für Geschichten abseits der Norm resultiert.

Erwähnenswert sind auf jeden Fall der eröffnende Zweiteiler „Redux I & II“, der einen der größten Handlungsstränge der vierten Staffel auflöst. „Unusual Suspects“ wirft einen Blick auf die Anfänge der Lone Gunman und lässt Mulder nur als Nebenfigur auftauchen, was ich durchaus erfrischend fand, aber auch zeigt, warum die Gruppe alleine nicht wirklich funktioniert. Die folgende Episode „Detour“ ist einer meiner liebsten klassischen Monster-of-the-Week-Fälle, da sie die Beziehung zwischen Mulder und Scully in den Mittelpunkt stellt und gleichzeitig wirklich unheimlich ist. Mit „The Post-Modern Prometheus“ folgt ein Favorit dieser Staffel, der wie ein Gruselstreifen der 30er Jahre klassisch in Schwarz-Weiß inszeniert ist und dabei herrlich augenzwinkernd daherkommt. Der Zweiteiler „Christmas Carol“/“Emily“ fokussiert sich auf Scully und überzeugt gerade durch den Kontrast aus weihnachtlicher Familienamosphäre und persönlichem Horror.

In der Mitte wird die Staffel deutlich schwächer und Episoden wie „Schyzogeny“ oder „Chinga“ bieten nur 08/15-Horror-Versatzstücke. Mit „Bad Blood“ finden die Autoren wieder zu alter Stärke zurück und präsentieren eine herrlich amüsante „Rashomon“-Variante – mein zweiter Favorit dieser Staffel. Danach folgt mit dem Zweiteiler „Patient X“/“The Red and the Black“ eine weitere Mythology-Episode, die durchaus ihre Momente hat. Stärker beeindruckt hat mich jedoch die Folge „Travelers“, in der wir Zeuge von Mulders erstem Kontakt mit den X-Akten werden. Kurz vor dem eher durchwachsenen Finale hält die Staffel mit „Folie à Deux“ noch eine wunderbare Monster-of-the-Week-Episode parat, die man gleichzeitig als Satire auf die Firmenkultur Amerikas lesen kann.

Insgesamt ist das fünfte Jahr der Serie wieder ein wenig schwächer, jedoch ist noch kein großer qualitativer Einbruch zu erkennen. Somit freue ich mich nun umso mehr auf den ersten Kinofilm und die darauf folgende sechste Staffel. Speziell gerade jetzt, da „The X-Files“ aufgrund der endlich gestarteten neuen Mini-Staffel wieder in aller Munde ist. Nach wie vor sehr gute Unterhaltung: 8/10 (8.3) Punkte.

Betas – Season 1

Als ich mich vor gut zwei Monaten das erste Mal in die Welt des Streamings vorgewagt hatte, war ich natürlich sogleich auf der Suche nach sehenswerten Serien. Speziell die Eigenproduktionen von – in diesem Fall – Amazon haben mich gereizt und auch thematisch schien mir „Betas – Season 1“ ein lohnenswerter Einstieg zu sein. Als ich mit der Serie begonnen hatte, wusste ich allerdings noch nicht, dass nach einer Staffel mit nur 11 Episoden auch schon wieder Schluss sein sollte. Ob dies ein Verlust für die Serienwelt ist, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Man merkt sogleich, dass Amazon mit der Serie etwas erreichen wollte. Der Ausflug in die Startup-Szene San Franciscos ist hip inszeniert, man bekommt kontextrelevante Buzzwords in nahezu jedem Dialog um die Ohren gehauen und die Charaktere scheinen jedes Nerd-Klischee zu erfüllen, nur um diesen gleichzeitig zu widersprechen. Als jemand, der sich auch beruflich mit IT, Tech und Startups auseinandersetzt, habe ich mich sogleich zu Hause gefühlt, auch wenn der Einsatz von Buzzwords und so manchen hippen sprachlichen Ausdrücken teils ein wenig aufgesetzt wirkt. Dadurch ist es mir teils schwer gefallen, wirklich an die Charaktere heranzukommen. Erst in den letzten Episoden haben sich einzelne Handlungsstränge herausgearbeitet – und dann war die Serie auch schon wieder vorbei.

Ich fand es erfrischend eine Serie zu sehen, die sich nicht in erster Linie um Beziehungen dreht, sondern ein bisher noch ziemlich unbeleuchtet gebliebenes berufliches Umfeld als Arbeitsplatz-Comedy porträtiert. Die Darsteller sind allesamt absolut passend gewählt und mit Ed Begley Jr. gibt sogar ein immer wieder gerne gesehener Altstar sein Stelldichein. Ebenso gut wie das Ensemble hat mir die musikalische Untermalung gefallen, die sich angenehm vom Popgedüdel bekannterer Serien abhebt. Eine sympathisch Serie, wenn auch mit Ecken und Kanten.

Letztendlich hätte „Betas“ noch mindestens eine zweite Staffel Zeit gebraucht, um sich wirklich zu entwickeln. Gerade das Finale öffnet neue dramaturgische Wege, funktioniert jedoch auch einigermaßen gut als Abschluss. Oft noch ein wenig holprig in Ton und Handlung, machen die 11 Episoden auf jeden Fall viel Spaß und lassen mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf meine erste Amazon-Eigenproduktion zurückblicken: 8/10 (7.5) Punkte.