The Newsroom – Season 1 to 3

Was habe ich Aaron Sorkins Art Geschichten zu erzählen vermisst. Dieser politische Idealismus gepaart mit extrem pointierten Dialogen und oft hoffnungslos kitschigen zwischenmenschlichen Szenen. Lange hat es gedauert, bis ich endlich die komplette Serie „The Newsroom“ gesehen habe – und ich bin jetzt schon unendlich traurig, dass es bei nur drei Staffeln geblieben ist. Dabei war ich davor durchaus skeptisch und hatte Befürchtungen, dass Sorkin nicht an „The West Wing“ oder auch die noch kurzlebigere Serie „Studio 60 on the Sunset Strip“ anschließen können würde. Umso begeisterter bin ich jetzt nach diesem umwerfenden Erlebnis…

the-newsroom-4

Weiterlesen

Game of Thrones – Season 5

Kaum eine zweite Serie ist derzeit so populär, wie die Adaption von George R. R. Martins Fantasy-Epos. Wenn man, wie ich, auf die Veröffentlichung für das Heimkino wartet, dann hängt man dem Hype meist um ein gutes Jahr hinterher. So weiß ich momentan auch nicht wie „Game of Thrones – Season 5“ von den Fans aufgenommen wurde. Ich selbst war sehr gespannt auf die Umsetzung, da die Vorlage „A Dance with Dragons“ viele tolle Momente bietet und gleichzeitig den bisherigen Schlusspunkt der Romanreihe bildet. Ob die HBO-Adaption auch im fünften Jahr mithalten kann?

game-of-thrones-s5-3

Puh, es passiert wieder ganz schön viel in nur 10 Episoden, speziell da in der vierten Staffel nicht alle Handlungsstränge aus „A Feast for Crows“ verarbeitet wurden und nun ein Jahr weitergerutscht sind. Die Handlung der Vorlage wurde abermals deutlich gerafft, was ich aber nicht als großen Nachteil empfinde. Durch die Konzentration auf weniger Figuren wirkt die Geschichte stringenter und fokussierter. Andererseits lässt sie dadurch auch ein wenig die komplexe Epik vermissen, die der Roman so wunderbar von den Geschehnissen in dieser fremden Welt zeichnet. Auch wenn ich mich an vieles nur noch bruchstückhaft erinnern konnte, so ließen sich einige Lücken in der Erzählung doch durch die Kenntnis der Vorlage auffüllen. Die Unterschiede sind mir teils deutlich aufgefallen. Zudem treten Charaktere, die im Buch eine eigene Erzählperspektive hatten, hier nur als Nebenfiguren auf. Manches fand ich im Buch gelungener, doch die Adaption hat mich in diesem Jahr tatsächlich mehr mitgerissen.

Während die Geschichte zu Beginn eher bedächtig voranschreitet, was ich ganz famos fand, nimmt die Handlung über die letzten drei Episoden enorm an Fahrt auf. Auch wenn die schockierenden Szenen nicht so geballt kommen wie beim Red Wedding der dritten Staffel, so ist das fünfte Jahr der Serie an vielen perfiden Einzelszenen nicht zu überbieten. Speziell in der zweiten Hälfte der Staffel kommt man selbst mit Kenntnis der Vorlage oft nicht aus der Schockstarre heraus, zumal es auch Todesfälle gibt, die so nicht im Buch vorkommen. Am Ende der finalen Episode saß ich fast schon gelähmt auf dem Sofa und konnte einfach nicht glauben, dass es das gewesen sein soll. Gerade war ich so richtig von dieser Welt und ihren unzähligen Geschichten gefesselt – und nun wieder ein Jahr warten? Ich kann nur wieder die zukünftigen Zuschauer beneiden, die nach Abschluss der Serie eine Komplettsichtung vornehmen können.

Die imposanteste Szene war wohl tatsächlich der Kampf in der Arena in der Episode „The Dance of Dragons“. Ich liebe ja ohnehin Drachen im Film und was hier im wahrsten Sinne des Wortes abgefeuert wird, ist einfach ein großes Vergnügen. Doch auch neben den aufwendig inszenierten Kampfszenen, wie sie zum Beispiel auch „Hardhome“ oder „Mother’s Mercy“ zu bieten hat, überzeugen vor allem die kleineren Dialogszenen und hinterhältigen Attacken, mit denen uns die Autoren stets aufs Neue überraschen. Am meisten Platz nehmen die Schauplätze Castle Black und Meereen ein, was jedoch nicht bedeutet, dass in King’s Landung, Dorne und Winterfell weniger für die Handlung Relevantes passiert.

Auch wenn ich es nicht gedacht hätte, so hat mich die fünfte Staffel von „Game of Thrones“ bisher am meisten beeindruckt – vielleicht auch, weil sich die Serie langsam aber sicher immer weiter von der Vorlage entfernt. Nach diesen zehn großartigen Episoden kann ich nun gar nicht fassen, dass ich nun wieder ein Jahr auf die Fortsetzung warten muss, zumal das ganze Netz wieder explodieren wird. Und dieses Mal kann ich mangels Vorlage auch gespoilert werden. Es wird ein hartes Jahr. Vielleicht sollte ich mich einfach einschließen und noch einmal die ersten fünf Staffeln sehen, denn darauf hätte ich tatsächlich große Lust. Ein großes Kompliment für eine großartige Serie: 10/10 (9.7) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Shameless (US) – Season 4

Nach viel zu langer Zeit, habe ich mich endlich „Shameless – Season 4“ zugewandt. Wieder einmal war ich erstaunt, wie unglaublich unterhaltsam die Serie doch ist. Egal wie müde ich bin, bei den abstrusen Abenteuern der Familie Gallagher bin ich noch nie eingeschlafen. Und auch wenn sich das meine jugendlicheren Leser vermutlich nicht vorstellen können, ist dies inzwischen tatsächlich ein Qualitätskriterium. Macht euch aber keine Illusionen, auch für mich wäre es früher ein echtes Armutszeugnis gewesen, abends um 21 Uhr auf dem Sofa einzuschlafen – so ändern sich die Zeiten… 😉

shameless-s4-3

„Shameless“ ist eine Serie, der ich mich eigentlich überhaupt nicht widmen wollte. Nicht mein Thema, nicht mein Humor. So meine völlig unreflektierte Einschätzung vor der Sichtung der ersten Staffel. Inzwischen gibt es kaum eine Serie, die ich lieber schaue – und das Beste: Die Qualität der Drehbücher hat sich bisher konsequent gesteigert. Auch in dieser vierten Staffel jagt ein völlig abstruser Moment den nächsten. Und gerade wenn man als Zuschauer aufgrund des unterhaltsamen Wahnsinns losgelöst mit den Charakteren (und manchmal auch über sie) lacht, dann wirft die Serie den Gallaghers und uns Zuschauern solche Knüppel zwischen die Beine, dass man erst einmal nicht mehr weiß wo vorne und hinten ist. In solchen Momenten gelingt es „Shameless“ die Drama-Karte perfekt auszuspielen und man leidet mit den Figuren, die einem über die letzten drei Staffeln – egal wie verrückt sie sich manchmal verhalten – doch sehr ans Herz gewachsen sind.

Was mir in dieser Staffel besonders aufgefallen ist, war die Charakterentwicklung der einzelnen Figuren. Fiona und Lip scheinen die Plätze getauscht zu haben, was für eine ganz neue Dynamik innerhalb der Familie Gallagher sorgt. Man möchte Fiona anschreien und wachrütteln. Sie war doch immer der Fels in der Brandung. Ihr seht, die Staffel bietet starke Emotionen, denen man sich nur schwer entziehen kann. Auf der anderen Seite steht Frank, dessen Leben am seidenen Faden hängt. Es kann einfach nicht gut ausgehen. Das ist bei diesem verachtenswerten Charakter nicht weiter schlimm? Natürlich ruft die Serie gerade dann, wenn man es am wenigsten erwartet, ein gewisses Mitgefühl für Frank hervor – aber nicht, ohne auch diesen Handlungsstrang mit extrem schwarzem Humor zu würzen. Welches Schicksal am Ende Frank erwartet? Das müsst ihr wohl selbst schauen…

Neben den großen Hauptgeschichten überzeugt die Staffel auch durch wunderbar runde Nebenschauplätze: Debbies erste Verliebtheit wird sehr einfühlsam und doch auf typische „Shameless“-Art erzählt. Nicht minder toll ist die Beziehung zwischen Ian und Mikey, die mit dem Coming-out Mickeys endlich einen großen Schritt nach vorne macht. Auch Carl erlebt die erste Liebe und stolpert damit sogleich in ein „Bonnie & Clyde“-Setting – und am Ende wird ihm natürlich das Herz gebrochen. Im Zentrum der Staffel stehen jedoch Frank, Fiona und Lip – und auch wenn ich hier nicht ins Detail gehen möchte, so ist das Schicksal dieser drei Charaktere so eng miteinander verwoben, dass das Konzept Familie, so kaputt es in diesem Fall auch sein mag, auf eine harte Probe gestellt wird.

Die letzten Einstellungen der Staffel sind dann, so episch sie auch inszeniert sein mögen, wie ein Schlag in die Magengrube, da sie die aufkeimende Hoffnung im Kern ersticken – und natürlich ist es genau das, was wir in der fünften Staffel sehen wollen. Weiterhin überrascht eine Post-Credit-Szene, die direkt an einen Handlungsstrang der dritten Staffel anknüpft. Schon lange habe ich keine so gelungene und absolut runde Serienstaffel mehr gesehen. Viel besser kann es nun nicht mehr werden und ich bin jetzt schon auf Entzug, zumal es auch noch dauern wird, bis die fünfte Staffel zu einem angemessenen Preis erhältlich ist. Aber was ist schon angemessen für solch famose TV-Unterhaltung? Absolut großartig: 10/10 (9.7) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Game of Thrones – Season 4

Während die gesamte Blogosphäre zurzeit mit Besprechungen, Spekulationen und Theorien zur fünften Staffel explodiert, habe ich es endlich geschafft „Game of Thrones – Season 4“ nachzuholen. Auch diese Staffel bot wieder ein tolles Erlebnis, wenngleich mir der Ausflug nach Westeros mit 10 Episoden viel zu kurz vorgekommen ist. Ich kann mir nur annähernd das Glücksgefühl vorstellen, das Serien-Neulinge in ein paar Jahren haben werden, wenn sie alle sieben Staffeln am Stück schauen können…

game_of_thrones_s4_3

Der vierte Band der „A Song of Ice and Fire“-Saga war für mich das bisher schwächste Buch der Reihe – wenn auch weit davon entfernt wirklich schlecht zu sein. Umso gespannter war ich also, wie die Autoren der TV-Serie mit der teils überfrachteten Handlung der Vorlage umgegangen sind. Hinzu kommt, dass sich ein Großteil der Staffel ohnehin auf die Handlung von „A Storm of Swords“ konzentriert, da dieser Band in der dritten Staffel nur bis ca. zur Hälfte verarbeitet wurde. Viel Handlung also für kurze 10 Episoden. Einmal mehr zeigt sich hier, dass die Entfernung von der Vorlage bzw. eine Umstrukturierung durchaus im Sinne einer gelungenen Adaption für ein neues Medium ist.

Freunde der Vorlage müssen dennoch keine Sorge haben: Auch die vierte Staffel atmet den Geist der Bücher und bietet einzelne Schlüsselszenen, die 1:1 den Romanen George R. R. Martins entnommen wurden. Auch wenn die Staffel kein zweites Red Wedding zu bieten hat, so verteilt sie vereinzelte Gewaltspitzen und Schockmomente doch wunderbar über ihre gesamte Laufzeit. Zwar kannte ich den Verlauf bereits durch die Vorlage, doch hat mich so manch unerwarteter Todesfall emotional doch stark gepackt. Speziell der Kampf zwischen The Mountain That Rides und der The Red Viper of Dorne muss für unvorbereitete Zuschauer extrem schockierend gewirkt haben.

Wie bereits die Episode „Blackwater“ in der zweiten Staffel, konzentriert sich auch die ebenfalls von Neil Marshall inszenierte Episode „The Watchers on the Wall“ einzig und allein auf die Schlacht um einen Schauplatz – in diesem Fall Castle Black. Marshall sprengt hier abermals die Grenzen des TV-Formats und liefert epische Schlachten, wie man sie sonst nur von der großen Leinwand kennt. Dennoch gehört auch diese Stunde grandioser TV-Unterhaltung für mich eher zu den schwächeren Episoden, da „Game of Thrones“ doch stark von den oft verzweigten Handlungssträngen lebt und ich genau diese Vielfalt liebe. Kein Wunder also, dass das sehr emotionale Finale somit zu meinen persönlichen Höhepunkten dieser Staffel zählt.

Wenn ich einen Kritikpunkt habe, dann dass die 10 Episoden so unglaublich schnell vergangen sind. Ich hätte liebend gern mehr Zeit in Westeros verbracht und möchte nun eigentlich nicht noch ein Jahr warten. Leider bleibt mir wohl nichts anderes übrig. Müsste ich diese Staffel qualitativ einordnen, so sehe ich sie auf einem Level mit der dritten Staffel – überhaupt hält die Serie ihr Niveau nahezu perfekt. Zudem bin ich mir sicher, dass die Kenntnis der Vorlage und dieser Welt zum Verständnis beiträgt und das Serienerlebnis deutlich aufwertet. Fantastische Unterhaltung – auch im weit fortgeschrittenen vierten Jahr: 10/10 (9.5) Punkte.

The Wire – Season 4

Ich kann kaum glauben, dass ich mit „The Wire – Season 4“ nun auch schon die vorletzte Staffel der Serie beendet habe. Nachdem die DVD-Box über Jahre ungesehen im Regal stand, werde ich sie innerhalb von nicht einmal drei Monaten durchgeschaut haben. Dabei ist es schon fast erschreckend, wie sehr sie mich über die letzten Wochen in ihren Bann gezogen hat – und speziell das vierte Jahr hält einige Schicksalsschläge parat, die auch an uns Zuschauern nicht spurlos vorüberziehen…

the_wire_s4

Nachdem wir in der dritten Staffel auf die Straßen Baltimores zurückgekehrt sind und einen genaueren Blick auf die politischen Strippenzieher geworfen haben, steht „The Wire“ der größte Schauplatzwechsel seit dem Besuch des Containerhafens in der zweiten Staffel bevor: Man bekommt einen tieferen Einblick in das Schulsystem – und nicht nur das, weiterhin rücken etliche jugendliche Protagonisten ins Zentrum der Ereignisse. Schon bald sind sie uns näher als so manche Ermittler und Player, denen man bisher gefolgt ist. Man lernt ihren Schulalltag kennen, bekommt einen Einblick in die erschütternden Familienverhältnisse und erblickt hinter all der aufgesetzten Coolness nur allzu verletzliche Jugendliche, die größtenteils alleine auf verlorenem Posten stehen.

Neben der Schule als neuer Schauplatz, werden auch die politischen Entwicklungen des Vorjahres konsequent weiterverfolgt. Baltimore scheint im Umbruch begriffen, doch auch der neugewählte Bürgermeister hat mit verhärteten Strukturen, Bürokratie und opportunistischen Lobbyisten zu kämpfen. Es ist wahrlich kein schönes Bild, das „The Wire“ von amerikanischer Städtepolitik zeichnet. Als großer Gegenspieler für die Polizei des westlichen Baltimore bleibt seit dem Abtreten des Barksdale-Clans Marlo Stanfield bestehen, der – im Gegensatz zu seinen Vorgängern – noch kälter, geplanter und abgeklärter agiert. Romantisiertes Gangstertum ist hier wahrlich nicht zu finden. Omar Little tritt weiterhin als Joker in Erscheinung, der seine ganz eigenen Werte lebt und für unerwartete Wendungen sorgt. Auch Bubbles versucht so gut es geht über die Runden zu kommen, muss dabei aber feststellen, dass er auf seine Freunde bei der Polizei nicht wirklich zählen kann. Seine Geschichte ist wahrlich herzzerreißend.

Das vierte Jahr zeichnet ein wahrhaftig düsteres Bild von Baltimore. Während der letzten drei Episoden verdichten sich die zuvor nur angedeuteten Ereignisse und brechen mit einer Wucht über die zuvor kennengelernten Charaktere herein, dass es nur noch schmerzhaft ist. Manche dieser Wendungen mögen ein wenig forciert offensichtlich wirken, doch nimmt das nichts von der emotionalen Wucht. Auch wenn die dritte Staffel insgesamt besser und kohärenter geschrieben sein mag, so hat mich die vierte jedoch noch mehr mitgenommen. Unglaublich traurig und desillusionierend. Speziell nach dem Finale in Spielfilmlänge braucht man erst einmal nichts mehr.

Mit ihrer vorletzten Staffel festigt „The Wire“ ihren Ruf als wahrlich herausragende Serie. Zusammen mit der dritten Staffel bilden die 13 Episoden unzweifelhaft das bisherige Highlight und ich weiß jetzt schon, dass mir der Abschied nach dem Serienfinale unglaublich schwer fallen wird. Der Kloß im Hals ist seit der Sichtung gestern Abend immer noch nicht ganz verschwunden: 10/10 (9.5) Punkte.

The Wire – Season 3

Mit der Sichtung von „The Wire – Season 3“ habe ich bereits den Großteil dieser fantastischen Serie gesehen. Da sich jede Episode jedoch anfühlt wie ein kompletter Film, freue ich mich zunächst auf weitere 23 Stunden famose Unterhaltung, bevor ich den Abschied beklage. Warum die dritte Staffel bisher mein persönliches Highlight ist und die Serie in die obersten Wertungsregionen katapultiert, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung. You feel me?

the_wire_s3

Nachdem die zweite Staffel mit dem Containerhafen von Baltimore ein komplett neues Setting etablierte, geht es im dritten Jahr zurück auf die Straße. Auch wenn die Ausrichtung auf politische Machtkämpfe einen etwas anderen Fokus setzt, so fühlt man sich als Zuschauer doch stark an die erste Staffel erinnert. Somit ist mir der Einstieg auch wieder viel leichter gefallen, zumal der Ausgangspunkt für nahezu alle Charaktere mit dem Finale der vorhergehenden Staffel übereinstimmt. Natürlich betreten auch neue Figuren die (politische) Bühne, allen voran Tommy Carcetti, gespielt von Aidan Gillen (Littlefinger, „Game of Thrones“), der stets zwischen ehrlicher Ambition und Machthunger schwankt. Ziemlich großartig!

Auch unsere Gangster treibt es immer mehr in Richtung Politik. Dies findet einerseits direkt auf der Straße statt, wo neue Bündnisse geknüpft werden, andererseits aber auch im politischen Umfeld Baltimores. Daraus entsteht auch das wohl spannendste Konfliktpotential dieser Staffel: Mit Avon Barksdales vorzeitiger Entlassung wird Stringer Bells mühsam aufgebaute Vergrößerung (und teils Legalisierung) ihres Imperiums extrem gefährdet. Es prallen zwei Welten aufeinander: Avon sucht Reputation auf der Straße und stagniert in dieser alten Welt, Stringer dagegen hat die Straße hinter sich gelassen und entwickelt das Geschäft beständig weiter. Ergänzt man diesen Konflikt noch um zwei Spieler, den Emporkömmling Marlo, der an einen jungen Avon erinnert, sowie Omar, dann gibt es keine einzige Szene, die nicht extrem spannungsgeladen wäre. Die Auflösung dieses Handlungsstrangs war für mich unerwartet und schockierend – und passt damit perfekt zu dieser Serie.

Ein weiterer spannender Aspekt der dritten Staffel ist natürlich Hamsterdam sowie alle damit zusammenhängenden sozialen, politischen und persönlichen Implikationen. Was als interessantes, aber doch eher einfaches Projekt beginnt, entwickelt sich schon bald zum zentralen Fokus der Staffel und hält ausnahmslos alle Charaktere auf Trab: von den Dealern selbst, bis hin zur Polizei, Politikern und den Anwohnern. Man stellt sich als Zuschauer unweigerlich selbst die Frage, was hier wohl der richtige Weg wäre. Eines ist sicher: Der Umgang der politischen Spitze Baltimores mit dem Thema ist an opportunistischer Dreistigkeit kaum zu überbieten.

Insgesamt hat mir die dritte Staffel der Serie bisher am besten gefallen, vermutlich auch weil sie die in der ersten Staffel begonnenen Handlungsstränge konsequent weitererzählt. Am Ende fühlt man sich erstmals tatsächlich so als wäre etwas erreicht worden, zumal auch McNulty und andere Charaktere ihren Frieden gefunden zu haben scheinen. Auf den Straßen und in der Politik geht der Kampf aber zweifellos weiter – und ich bin besonders gespannt, welche Rolle das Schulsystem in der folgenden Staffel spielen wird. Viel besser kann es nicht mehr werden: 10/10 (9.5) Punkte.

True Detective – Season 1

Auch wenn ich immer über viel zu wenig Zeit jammere, so habe ich mir dennoch knapp 8 Stunden aus dem Kreuz geleiert, um die HBO-Serie „True Detective – Season 1“ zu schauen. Um ehrlich zu sein führte ja auch kein Weg daran vorbei, wurde man als Serienfreund in den letzten Monaten doch permanent an die Show erinnert – und sei es nur, wie kürzlich, zum Bekanntwerden der Besetzung der neuen Staffel. Ist der Hype also gerechtfertigt?

true_detective_s1_4

Um es kurz zu machen: Ja, „True Detective“ ist eine Ausnahmeserie, die man selbst unter erschwerten Bedingungen sehen sollte – in meinem Fall eben gestreckt über drei Wochen, wenn immer mal ein Stunde zwischen 22 Uhr und Mitternacht Zeit war. Rückblickend betrachtet war dies auch genau der richtige Rhythmus, denn hätte ich mehr Zeit zur Verfügung gehabt, wäre ich auch gnadenlos dem Binge-Watching, wie man heute neudeutsch sagt, verfallen. Dies bringt mich auch gleich zum ersten Punkt: Überall liest man mit „True Detective“ haben Serien endgültig das Kino überholt und die erste Staffel dieser Anthologie sei wie ein 8-stündiger Kinofilm. Bezieht man sich dabei rein auf die formalen und inszenatorischen Aspekte, mag das auch stimmen. Inhaltlich hat mich Nic Pizzolatto Serie jedoch eher an einen ausgefeilten Kriminalroman erinnert – umso erstaunlicher, dass es sich um eine originäre Geschichte und keine Adaption handelt.

Die Kino-Assoziation hängt natürlich auch mit den beiden Hauptdarstellern Woody Harrelson und Matthew McConaughey zusammen, die beide wahrlich famos spielen. Ich möchte hier besonders Harrelson hervorheben, der besser spielt denn je. Sein Charakter Marty Hart ist mitsamt all seiner Fehler näher am Zuschauer dran, als McConaugheys unnahbarer Rust Cohle, was seine Leistung umso bemerkenswerter macht. McConaughey spielt natürlich ebenso brilliant, doch liest man von seiner Leistung sowieso überall. Der eigentliche Star ist aber ohnehin das Drehbuch, das zwar Klischees des Cop-Dramas aufgreift, jedoch immer neue Wege zwischen Pulp und Horror findet, und seinen Charakteren dabei den Raum gibt sich glaubhaft zu entfalten. „True Detective“ eben; einen besseren Titel hätte man nicht wählen können.

Typisch für HBO ist die Serie sehr ruhig erzählt, lässt uns Zuschauer jedoch mit einer fast schon unheimlichen Regelmäßigkeit an den Rand des Sofas rutschen, da die nächste Abzweigung in die menschlichen Abgründe nicht nur unsere Hauptfiguren aus der Bahn wirft. Mit seiner von düsterer Ausweglosigkeit genährten Atmosphäre hat mich „True Detective“ stark an den den mitreißenden und ähnlich ruhig erzählten Thriller „Prisoners“ erinnert. Menschen am Rande der Gesellschaft, das ungreifbare Böse mitten unter uns, Leben die von Horror gezeichnet sind. Starker Tobak, den man sich jedoch nicht entgehen lassen sollte. Vielleicht heißt es schon bald: Leg‘ doch mal das Buch zur Seite und schau einmal wieder eine richtig gute Serie! Mal sehen, ob das Konzept in der geplanten zweiten Staffel der Anthologie-Serie ebenso famos aufgeht: 10/10 (9.5) Punkte.

 

Amazon with Bruce Parry (2008)

Nachdem ich mich vor ca. einem halben Jahr noch recht regelmäßig mit Doku-Serien beschäftigt hatte, bin ich, was diese Art der Unterhaltung angeht, in letzter Zeit nicht wirklich weitergekommen. Zumindest habe ich mit „Amazon with Bruce Parry“ erneut auf eine Reise begeben, was ein 6-stündiges Vergnügen war. Ein Abenteuer, das ich nur empfehlen kann…

bruce_parry_amazon

Im Gegensatz zu den drei Staffeln der Vorgängerserie „Tribe“, bei der Bruce Parry in jeder Episode einen anderen Stamm – von Jägern und Sammlern im Regenwald bis hin zu Nomaden in der Tundra – besuchte, verfolgt der Dokumentarfilmer in dieser Serie ein spezielles Ziel: die Lebensbedingungen der Menschen am größten Fluss der Erde, dem Amazonas, aufzuzeigen. Erneut widmet sich Parry dabei wieder unterschiedlichsten Lebensmodellen, von naturverbundenen Waldvölkern, über Kokain-Bauern bis hin zu Goldgräbern: das Spektrum ist schier endlos. Im Mittelpunkt steht jedoch immer der Fluss und wie er das Leben der Menschen beeinflusst bzw. überhaupt erst ermöglicht. Ein wahrer Mikrokosmos des Lebens!

Erneut hat mich Bruce Parrys äußerst sympathische und vor allem empathische Art wirklich begeistert. Er begegnet allen Menschen mit unglaublich viel Respekt und versucht jeden Aspekt des Lebens nachzuvollziehen. Das macht die Dokuserie spannend, interessant und wirklich unterhaltsam. Die Laufzeit von sechs Stunden ist genau richtig, um einen ausreichend großen Einblick in diesen wunderbaren und bedeutenden Abschnitt unserer Welt zu präsentieren. Teils enorm bewegend, mitreißend und in tollen Bildern festgehalten: Der Amazonas mit Bruce Parry als Reiseführer ist wirklich einen Besuch wert. Ich kann diese Serie allen Dokufreunden nur ans Herz legen: 10/10 Punkte.

Game of Thrones – Season 3

Nachdem in den USA bereits die vierte Staffel gestartet ist und für Zündstoff sorgt, bin ich endlich dazu gekommen „Game of Thrones – Season 3“ nachzuholen. Auch diese hat unter den Fans für hitzige Diskussionen gesorgt, was mich aufgrund der Buchvorlage auch nicht verwundert. Insofern war ich mehr als gespannt, wie die Macher der Serie gewisse Ereignisse adaptiert haben… Spoiler sind zu erwarten.

game_of_thrones_s3

Auch wenn ich erst im Januar die zweite Staffel nachgeholt habe, brauchte ich am Anfang wieder eine gewisse Anlaufzeit, um in Westeros anzukommen. Zudem war mir „A Storm of Swords“ noch sehr präsent, was automatisch zu einem beständigen Vergleich zwischen Buchvorlage und Serienadaption führte. Auch wenn sich HBO für die Verfilmung des dritten Bandes der „A Song of Ice and Fire“-Reihe deutlich mehr Zeit (nach aktuellem Stand wohl ca. eineinhalb Staffeln) genommen hat, so wirkte die Handlung auf mich doch ziemlich gehetzt. Nach ein paar Episoden hatte mich die Serie allerdings wieder komplett im Griff und ich kann nur kritisieren, dass nach 10 Folgen schon wieder alles vorbei war. Meiner Meinung nach hätten es für diese Staffel ruhig 12 bis 13 Episoden sein dürfen.

Erneut fand ich es ziemlich geschickt, wie die Autoren gewisse Handlungsstränge verknappt bzw. Charaktere umbesetzt haben: So wurde z.B. Jaimes Peiniger durch einen Bolton-Schergen ersetzt, was im Sinne der Geschichte perfekt funktioniert hat. Teils wurden auch Schwerpunkte gesetzt, die ich so nicht ewartet hätte (z.B. die ausführlichen Szenen mit Beric Dondarrion und der Brotherhood Without Banners). An anderen Stellen merkt man, dass das Medium Film bzw. Serie doch ganz anders funktioniert, als ein geschriebener Text: Die Wendungen um die Identitäten von Ser Barristan Selmy als neuer Verbündeter Daenerys Targaryens und Theon Greyjoy als Spielball Ramsey Boltons fehlten komplett. Dies ist einerseits schade, da die Wirkung im Buch teils enorm war, andererseits funktioniert die Geschichte auch ohne zusätzliche Twists perfekt.

Der grausame Höhepunkt der Staffel ist natürlich die Episode „The Rains of Castamere“, welche mich trotz Kenntnis der Vorlage ziemlich mitgenommen hat. Wahrlich beeindruckend grausam. Ich konnte die Spannung kaum ertragen – und als es soweit war, wollte ich es nicht wahrhaben. Auch wenn mich die Schilderung in der Vorlage noch mehr verstört hatte, so war die emotionale Wirkung in der Serie beinahe noch größer. Dies ist vor allem der ausführlicheren Darstellung der Beziehung zwischen Robb und seiner Frau Talisa zu verdanken, die im Buch komplett außen vor gelassen wurde. Zurecht eine Episode, die in die Seriengeschichte eingehen wird.

Innsgesamt war auch die dritte Staffel von „Game of Thrones“ einfach nur großartige, wenn auch – trotz knapp 10 Stunden Laufzeit – zu kurze Unterhaltung. Vielleicht vermisse ich auch einfach den zweiten Teil des Romans, der noch so einige fantastische Szenen für den Leser bzw. Zuschauer bereithält. Diese wurden allerdings in die vierte Staffel ausgelagert. So bleibt nur die Vorfreude – und die ist gewiss enorm: 10/10 (9.5) Punkte.

Friday Night Lights – Season 5

Es ist vorbei. Mein vorerst letzter Besuch in Dillon. Während ich über die vergangenen vier Monate beinahe täglich in der texanischen Kleinstadt vorbeigeschaut habe, breitet sich nun nach der Sichtung von „Friday Night Lights – Season 5“ eine gewisse Leere aus. Das war es nun? Nie wieder an einem Training von Coach Taylor teilnehmen? Nie mehr Panthers vs. Lions? Es ist wirklich unfassbar, wie sehr mir diese Serie und ihre Charaktere ans Herz gewachsen sind. Ich hoffe nach diesem Eintrag habt auch ihr den Wunsch nach Dillon, Texas zu reisen. Es lohnt sich!

fnl_s5

Wie bereits in den vorangegangenen Staffeln muss man als Zuschauer auch in diesem Jahr von einigen liebgewonnenen Figuren Abschied nehmen. Bereits in der ersten Episode verlassen uns Landry, Tim und Julie – wie man es von „Friday Night Lights“ kennt, sind dies jedoch keine Abschiede für immer. Es gibt immer wieder Begegnungen mit der Vergangenheit, die glücklicherweise nie aufgesetzt und gezwungen wirken. Das damit geschaffene Serienuniversum ist glaubwürdig und wirkt in der Realität verankert. Emotional darf man sich somit auch auf einige wirklich ergreifende Szenen gefasst machen. Großartig geschrieben, inszeniert und gespielt.

Rein inhaltlich knüpft das finale Jahr in Dillon ziemlich übergangslos an die vierte Staffel an. Kein erneuter Reboot, aber auch kein Status quo. Eine konsequente Weiterentwicklung aller Handlungsstränge, die – besonders gegen Ende – für alle Figuren interessante Möglichkeiten eröffnet, was letztendlich ein absolut stimmiges Gesamtbild im Hinblick auf das Finale liefert. Für mich bildet die fünfte Staffel somit das Highlight dieser ohnehin schon großartigen Serie:

  1. „Friday Night Lights – Season 5“ (9.6 Punkte)
  2. „Friday Night Lights – Season 3“ (9.4 Punkte)
  3. „Friday Night Lights – Season 4“ (9.2 Punkte)
  4. „Friday Night Lights – Season 1“ (9.0 Punkte)
  5. „Friday Night Lights – Season 2“ (8.4 Punkte)

Zur absoluten Höchstform läuft die Serie in ihren letzten Episoden auf. Speziell das Finale ist Serienkino in Perfektion. Mitreißend, höchst emotional und allen Charakteren gerecht werdend. Dies ist umso bemerkenswerter, schaffen es die meisten Serien doch nicht ihre treuen Zuschauer mit einem befriedigenden Ende wieder in die Realität zu entlassen. Das Finale von „Friday Night Lights“ ist perfekt in jeder Hinsicht: es erzählt neue spannende Geschichten, führt alle offenen Handlungsstränge zu Ende und lässt uns Zuschauer von jeder einzelnen auch nur annhähernd wichtigen Figur Abschied nehmen. Für mich wohl das bisher beste Serienfinale, das ich jemals sehen durfte.

Es ist mir schon lange nicht mehr so schwer gefallen, von einer Serienwelt bzw. deren Charakteren Abschied zu nehmen. Ich würde sogar soweit gehen und behaupten seit „The West Wing“ keine bessere Serie gesehen zu haben. Somit reiht sich „Friday Night Lights“ in die elitäre Riege meiner Lieblingsserien ein. Ich werde sie vermissen und hoffe sehnlichst, dass Jason Katims Nachfolgeserie „Parenthood“ baldmöglichst eine entsprechende DVD-Verwertung erfährt und uns noch ein paar Jahre erhalten bleibt. Ein wirkich ganz besonders Serienerlebnis: 10/10 (9.6) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie