Die Tribute von Panem – OT: The Hunger Games (2012) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Die Tribute von Panem: The Hunger Games“ am 26. Januar 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Auf vielfachen Wunsch meiner besseren Hälfte haben wir uns heute noch einmal „Die Tribute von Panem: The Hunger Games“ angeschaut. Schließlich hat sie seit Weihnachten die Bücher gelesen und war dementsprechend neugierig, wie die Verfilmung mit Kenntnis der Vorlage wirkt. Auch ich hatte mir vorgenommen bis zur nächsten Sichtung die Trilogie zu lesen, doch wollen bis dahin noch ca. 400 Seiten „A Song of Ice and Fire“ bezwungen werden…

Die Tribute von Panem (2012) | © Studiocanal

Die Tribute von Panem (2012) | © Studiocanal

Im Vergleich zur letzten Sichtung ist für mich der titelgebende Kampf in der Arena eher in den Hintergrund getreten. Zwar gibt es hier Action und Drama, doch die interessanten Aspekte der Geschichte finden sich eher abseits der Arena. Insofern macht es auch Sinn, dass sich Gary Ross so viel Zeit (immerhin gut die Hälfte der Laufzeit) nimmt, um das Show-Konzept samt seinen Anklängen an bereits heute praktiziertes Fernsehen (Reality-TV, Casting-Shows usw.) zu beleuchten. Medienkritik zielgruppengerecht aufbereitet. Sicherlich nicht sonderlich innovativ, doch auf jeden Fall wirkungsvoll.

Nach den knapp zweieinhalb Stunden findet man sich, auch ohne die Vorlage zu kennen, recht gut in der Welt von Panem zurecht. Eine gelungene Zukunftsvision, die ganz einfach funktioniert. Gary Ross‘ Inszenierung bildet diese beinahe dokumentarisch ab, ist dabei stets nah am Geschehen dran und für solch ein Jugend-Franchise erstaunlich rau. Cinéma vérité mag zu hoch gegriffen sein, doch macht hier die – auch von mir oft gescholtene – Wackelkamera endlich einmal Sinn und versetzt den Zuschauer mitten ins Geschehen.

Fazit

Mir hat der Film auch beim zweiten Durchgang sehr gut gefallen und bis zum nächsten Mal werde ich mit Sicherheit die Vorlage kennen. Auf die bin ich nun wieder ziemlich heiß, was ein weiterer Punkt ist, der für den Film spricht. Unter den unzähligen Franchises dieser Art auf jeden Fall eines der sehenswertesten: 8/10 Punkte.

Fringe – Season 5

Wer hätte vor fünf Jahren gedacht, dass sich diese Serie einmal so stark entwickeln wird? Angefangen als durchaus nette Mystery-of-the-Week-Show, bietet „Fringe – Season 5“ im leider letzten Jahr Science-Fiction der Extraklasse. Wirklich erfolgreich war die Serie dabei nie, konnte jedoch eine treue Anhängerschaft aufbauen, weshalb FOX – es geschehen noch Zeichen und Wunder – ihr einen würdigen Abschluss ermöglichte. Spoiler sind zu erwarten.

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Nachdem die vierte Staffel einen etwas konfusen Handlungsbogen (vom Paralleluniversum hin zu einer alternativen Zeitlinie samt gleicher und doch anderer Charaktere) bot, war die Zielsetzung des Finales von Anfang an recht klar: Es wurde direkt an die Episode „Letters of Transit“ der vierten Staffel angeknüpft, die uns einen Blick auf die von Observern dominierte Zukunft gewährte. Der Widerstandskampf unserer liebgewonnenen Charaktere gegen diese scheinbar unbesiegbaren Invasoren stand im Mittelpunkt der Handlung und sollte auch Zentral für alle Elemente des eigentlichen Serienfinales sein.

Zu Beginn wirkt alles sehr neu und anders. Man befindet sich in einer totalitären Welt, die mehr an George Orwell, als an die bekannte und oft durchaus farbenfrohe Mysterwelt der bisher bekannten Serie erinnert. Die Themen werden schwerer und die Bedrohung ist unmittelbarer – zumal alle Charaktere auch von großen Verlusten gezeichnet sind. Selbst für Walter scheint es dieses Mal keinen Ausweg zu geben, ist er doch in Gefahr sich selbst zu verlieren.

Mir hatte bereits die aus dem normalen Rahmen herausfallende Episode im vierten Jahr der Serie ausgezeichnet gefallen. Umso erfreuter war ich, eine Staffel zu sehen, die komplett in dieser Welt spielt. Aufgrund der begrenzten Anzahl von nur 13 Episoden, wird die Handlung auch recht zügig vorangetrieben, weshalb ich auch ab und zu den Faden verloren hatte, wer nun wann und in welcher Zeitlinie konserviert wurde und wie sich die Ereignisse dieser Staffel in die bisherige Serie einfügen. Dennoch wurden sowohl die Geschichte, als auch die Charaktere zu einem würdigen Finale geführt, das mich weit mehr überzeugte, als das der letzten großen J.J. Abrams-Serie.

Um die Entwicklung der Serie aufzuzeigen, habe ich im Folgenden ein Ranking aufgestellt, das noch einmal verdeutlich, wie stark sich die Serie über die letzten Jahre entwickelt hat. Auch die ersten beiden Staffeln sind nicht schlecht, doch fehlt ihnen noch der epische Handlungsbogen. Interessanterweise ergibt sich zusammen dennoch ein absolut schlüssiges Gesamtbild, was man den Autoren durchaus zugute halten muss:

  1. „Fringe – Season 3“
  2. „Fringe – Season 5“
  3. „Fringe – Season 4“
  4. „Fringe – Season 2“
  5. „Fringe – Season 1“

Für alle Fans der Serie führt ohnehin kein Weg an der finalen Staffel vorbei. Allen anderen kann ich „Fringe“ an dieser Stelle nur noch einmal ans Herz legen. Ich werde die Serie vermissen, da sich besonders John Noble als Dr. Walter Bishop in mein Herz gespielt hat und eine der denkwürdigsten Leistungen der letzten Jahre ablieferte. Aber ich möchte mich nicht beschweren, denn fünf gelungene Jahre sind mehr, als man sich eigentlich jemals von der Kombination „Fringe“ und FOX hätte erwarten dürfen: 9/10 (8.6) Punkte.

Total Recall – Extended Director’s Cut (2012)

Als der Film angekündigt wurde, war die Ablehnung der meisten Filmfreunde deutlich spürbar. Schließlich sollte mit „Total Recall“ die Vorlage eines der großen Actionfilme der frühen 90er Jahre neu interpretiert werden. Um es deutlich zu sagen: ein Remake von Paul Verhoevens Kultfilm mit Arnold Schwarzenegger. Ich für meinen Teil war jedoch zurückhaltend neugierig, bietet doch Philip K. Dicks Vorlage durchaus Potential für eine gelungene Neuverfilmung – und was haben Len Wiseman und Kurt Wimmer daraus gemacht?

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Der 2012er „Total Recall“ ist ein wildes Sammelsurium von bereits existierenden Sci-Fi-Szenarien. Bis auf in die Handfläche implementierte Mobiltelefone (was für eine grandios bescheuerte Idee), bietet der Film absolut keine genuine Idee. Es gibt Roboter, welche direkt „I, Robot“ entsprungen scheinen, aus „Star Wars“ wurden die Stormtrooper entliehen, die futuristischen Städte inklusive die Mode der Bewohner enstammen 1:1 Ridely Scotts „Blade Runner“ und die restliche Welt hat man aus Versatzstücken von „Minority Report“ zusammengeschustert. Selbst das nervige Stilmittel der allgegenwärtigen Lens Flares hat Wiseman J.J. Abrams (u.a. verstärkt in „Super 8“ eingesetzt) entrissen. Und die Handlung? Achja, da gab es 1990 ja noch diesen einen Film namens „Total Recall“.

Nachdem ich meinen Frust nun niedergeschrieben habe, muss ich neidlos zugeben, dass das Sci-Fi-Flickwerk schon verdammt gut aussieht. Die Action und die Effekte besitzten schon einen gewissen Wow-Effekt. Am liebsten hätte ich den Film alle paar Sekunden angehalten, nur um mich an den Zukunftswelten zu ergötzen. Vermutlich hätte dafür aber auch ein Buch mit dem Artwork des Films gereicht. Die in dieser Welt stattfindende Action ist aber mitreißend genug, damit man als Zuschauer am Ball bleibt. Oft ist der Videospiel-Faktor zwar schon grenzwertig, doch Langeweile kam größtenteils nicht auf. Letztendlich hat man sich aber auch daran satt gesehen.

Einen Vergleich zu Verhoevens Film kann ich mir an dieser Stelle eigentlich sparen, da dieser nahezu alles besser macht. Sicher ist der Trash-Faktor höher, doch spielt er auf dem Mars, hat die bessere (und blutigere) Action und die komplexere Handlung – und das mag bei einem Schwarzenegger-Film etwas heißen. Wisemans Remake ist einfach zu belanglos und ohne Ecken und Kanten inszeniert, um irgendeine Relevanz zu besitzen. In einem Satz: Der Film besitzt keinen Charakter.

Als Sci-Fi-Freund darf man dennoch ruhigen Gewissens einen Blick riskieren, doch vermutlich hat man als solcher das alles sowieso schon ein gutes dutzend Mal gesehen. Wer für – im sogenannten Extended Director’s Cut – über 2 Stunden Sci-Fi-Porn sehen möchte, der findet mit Len Wisemans „Total Recall“ den Film der Wahl. Die Zeit vergeht wie im Flug und danach ist der Film auch schon vergessen. Alle anderen bleiben lieber bei Verhoeven: 5/10 Punkte.

Cowboys & Aliens – Extended Director’s Cut (2011)

Manche Filme können mit den an sie gerichteten Erwartungen einfach nicht mithalten. Als die ersten Informationen zu  „Cowboys & Aliens“ die filmliebende Öffentlichkeit erreichten, schien der nächste Genreklassiker vor der Tür zu stehen. Schon der Titel schrie nach Selbstironie und Genrepersiflage. Als letztendlich jedoch der große Spaß ausblieb, hagelte es Verrisse und so war ich – trotz grundlegendem Interesse – erst einmal zurückhaltend, was die Sichtung des Films betraf…

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Zunächst einmal war ich erfreut über die gelungene Westernatmosphäre. Man hat das Genre erst genommen und somit eine glaubwürdige Bühne für dieses seltsame Zusammentreffen geschaffen. Während der ersten 45 Minuten schien sich der Film genau nach meinem Geschmack zu entwickeln. Etwas ernsthafter als vermutet, doch warum nicht? Aufgesetzte Selbstironie ist ja auch nicht zwangsweise ein Qualitätsmerkmal. Dann jedoch beginnt der zweite Akt, während dessen etliche Zusammenhänge an diversen Lagerfeuern erkärt werden, ewig durch die Pampa geritten wird und teils hanebüchene charakterliche und dramaturgische Vorbereitungen für das Finale getroffen werden. Zäh wie Kaugummi.

Nach ca. einer Stunde mit viel zu viel Gerede, langweiliger Action und nur allzu vorhersehbaren Charakterentwicklungen, wurde endlich das Finale angegangen. Dies war zwar auch nicht sonderlich innovativ – weder inszenatorisch, noch inhaltlich – doch flogen hier endlich einmal die Fetzen und die titelgebenden Aliens durften unsere gesichtslosen Reiter blutig und mit Schmackes dezimieren. Wieder eine Viertelstunde, die recht unterhaltsam war.

Interessanterweise hat man für „Cowboy & Aliens“ tatsächlich einige hochklassike Darsteller gewonnen. Allen voran Daniel Craig, der den schweigsamen Fremden durchaus gekonnt verkörpert. Auch Harrison Ford kann als fieser Großgrundbesitzer überzeugen, wobei die Rolle selbst nicht sonderlich viel hergibt. Was wohl Sam Rockwell geritten hat den langweiligen Barkeeper/Arzt zu geben? Olivia Wilde wirkte auf mich übrigens nur wie eine billige Kopie von Summer Glau. Sorry, Fanboys…

Letztendlich ist die Sache mit „Cowboys & Aliens“ ein zweischneidiges Schwert. Einerseits bietet er ein gelungenes Westernsetting und nette Effekte, andererseits sind die meisten Charaktere stinklangweilig und die Handlung hätte sich wohl jeder 10-jährige aufregender beim Lego-Spielen ausdenken können. Auch wenn ich doch größtenteils recht gut unterhalten wurde, kommt der Film über Mittelmaß einfach nicht hinaus: 5/10 Punkte.

In Time: Deine Zeit läuft ab – OT: In Time (2011)

Ich liebe die dystopischen Genrefilme der 70er Jahre. Ob „Logan’s Run“, „Soylent Green“ oder „Rollerball“ – jeder dieser Filme besticht durch eine ganz eigene Welt, in der es fest definierte Regeln gibt. High concept eben. Leider gibt es heute immer weniger Filme, die diesen Schritt wagen. Eine Ausnahme bildet der 1997 von Andrew Niccol inszenierte „Gattaca“ und auch sein letztjähriger Genrebeitrag „In Time: Deine Zeit läuft ab“ fügt sich nahtlos in die Reihe der genannten Filme ein. Schafft er es jedoch auch qualitativ an seine Brüder im Geiste anzuschließen?

Ich finde das Konzept von „In Time“ grandios. Die von Andrew Niccol dargestellte Allegorie ist so simpel wie faszinierend. Zeit ist Geld. So einfach, so genial. Schon als ich das erste Mal von der Idee las, ging sie mir nicht mehr aus dem Kopf. Im Film wird das Konzept auch sehr plakativ eingesetzt, die Sozialkritik unverblümt ausgesprochen. Auch hier erinnert der Film stark an die Dystopien seiner Vorbilder. Ob nun die Maßnahmen gegen die Überbevölkerung, die in Soylent Green“ und „Logan’s Run“ präsentiert werden, oder der Einsatz von Brot und Spiele um das Volk in „Rollerball“ im Schach zu halten – die angeprangerten Probleme haben sich kaum verändert: Die einen hangeln sich mit Mühe von Tag zu Tag (was in diesem Film eine ganz eigene Bedeutung besitzt) und ermöglichen so das luxuriöse Leben der wenigen anderen.

Man wird als Zuschauer recht schnell in die Regeln dieser Welt eingeführt und sollte diese auch akzeptieren, ohne sie groß zu hinterfragen. Es geht nicht um die technische bzw. genetische Plausibilität der dargestellten Prämisse, sondern um ihre Bedeutung. Natürlich gewährt und der Film nicht nur einen Einblick in diese Welt, sondern erzählt die Geschichte ihres Umsturzes. Dies geschieht durch ausgebreitete Verfolgungsjagden und Actionszenen, die zwar neben der Idee des Films verblassen, doch immerhin recht unterhaltsam geraten sind. Ich hätte es jedoch lieber gesehen, wenn sich Niccol – wie im noch gelungeneren „Gattaca“ – stärker auf die Möglichkeiten seiner Welt konzentriert hätte.

Zu Beginn des Films hatte ich noch meine Probleme mit Justin Timberlake, obwohl er mir bereits in David Finchers „The Social Network“ recht gut gefiel. Die Rolle verlangt ihm zwar keine große Schauspielkunst ab, doch wirkt er stets glaubwürdig und engagiert. Dies könnte man auch vom Film an sich behaupten, denn auch wenn er dramaturgische und strukturelle Schwächen besitzt, so trägt ihn seine Idee doch mühelos bis in die letzten Sekunden – und auch das erinnert, wie das Design der Fahrzeuge und mancher Schauplätze, an das 70er Jahre Genrekino.

Die meisten Kritiken, die ich gelesen habe, waren durchwachsen. Meist wurde sich an Details aufgehängt und die Prämisse selbst totdiskutiert. Man sollte sich auf die Idee einlassen und die oberflächliche Action als Teil des Films sehen. Dann kann einen durchaus nachdenklich machenden, spannend inszenierten und stets unterhaltsamen Film sehen. Genrekino, das die investierte Zeit allemal wert ist: 8/10 Punkte.

Eureka – Season 5

Mit dieser Staffel heißt es von einer der sympathischsten Serien in meinem Programm Abschied nehmen. SyFy setzt den Dauerbrenner mit „Eureka – Season 5“ ab, was wohl eine große Lücke im Programm des Spartensenders hinterlassen dürfte. Auch ich werde die Abenteuer in der nerdigen Kleinstadt vermissen…

Wie bereits in der vierten Staffel setzt „Eureka“ auch im fünften Jahr – ganz im Gegensatz zu den vorangegangenen Staffeln – auf einen episodenübergreifenden Handlungsbogen. Natürlich wird immer noch die typische Katastrophe-der-Woche eingestreut, doch insgesamt hat sich die Serie weiterentwickelt. Die Idee des Zeitsprungs nach der Astraeus-Mission fand ich enorm unterhaltsam und ich hätte gerne noch mehr in dieser Richtung gesehen. Leider wurde dieser Handlungsstrang zu schnell aufgelöst. Die Bedrohung der fleischgewordenen NPCs in der zweiten Staffelhälfte war dagegen wenig innovativ und lässt den bekannten Witz und Ideenreichtum der Serie vermissen.

Das eigentliche Finale präsentiert uns letztendlich wieder eine typische Katastrophe-der-Woche, was nicht sonderlich spannend ist, doch einfach zur Serie passt. Zudem hat jeder wichtige Charakter noch einen kurzen Gastauftritt und die Endgültigkeit, welche die gesamte Episode über der Serie hängt, strahlt exakt die Melancholie aus, die solch ein Serienfinale benötigt. Nicht perfekt, aber durchaus angemessen. Besonders da man nach den letzten Einstellungen das Gefühl hat sofort wieder mit der ersten Staffel beginnen zu können.

Insgesamt hat mir auch dieser Ausflug nach „Eureka“ gut gefallen. Auch wenn die Serie ihren Höhepunkt bereits überlebt hat, so werde ich sie nächstes Jahr dennoch vermissen. Sympathische und seichte Unterhaltung abseits der ausgetretenen Pfade: 7/10 (7.4) Punkte.

John Carter: Zwischen zwei Welten – OT: John Carter (2012)

Es sollte einer der größten Flops der Filmgeschichte werden, dabei hatte Disney große Hoffnungen in „John Carter: Zwischen zwei Welten“ gesetzt. Nicht lange nach James Camerons Überhit „Avatar“ schien auch der richtige Zeitpunkt, um das Publikum auf eine weitere Reise zu fernen Planeten zu schicken. Doch weder das immense Budget noch die groß angelegte Marketing-Kampagne konnten die Zuschauer in die Kinos ziehen…

John Carter: Zwischen zwei Welten (2012) | © Walt Disney

John Carter: Zwischen zwei Welten (2012) | © Walt Disney

Der Einstieg in den Film wirkt umständlich und verwirrend erzählt, doch gefällt von Anfang an die opulente Inszenierung, welche wunderschön anzusehende Bilder hervorbringt. Nach 20 Minuten betreten wir zusammen mit dem titelgebenden Helden eine neue Welt, wie wir sie zuvor noch nicht erlebt haben. Zwar kennt man nahezu alle Versatzstücke aus Fantasy- bzw. Sci-Fi-Filmen, wie „Star Wars“ oder „Planet der Affen“, doch beschwört „John Carter“ durch seine Bilder wunderbar das Gefühl sich tatsächlich auf einem fremden Planeten zu befinden, auf dem hinter jeder Ecke neue Abenteuer warten.

Edgar Rice Burroughs hat mit den Mars-Abenteuern John Carters tatsächlich den Prototypen jener Art von Sci-Fi geschaffen, die ihren Schwerpunkt auf die Fantasyaspekte setzt und von exotischen Prinzessinnen, verfeindeten Häusern und wilden Kreaturen erzählt. Insofern bietet „John Carter“ für heutige Kinobesucher wahrlich nichts Neues. Die opulente und technisch sehenswerte Inszenierung wird zudem einer naiven und altmodischen Handlung entgegengesetzt, was ich durchaus charmant fand, vielen Kritikern aber sauer aufstößt. Durch die fähige Regie von Pixars Andrew Stanton (u.a. „Findet Nemo“, „WALL·E“) wirkt der Film auf mich zeitlos und fängt die altmodisch-naive Atmosphäre des interstellaren Abenteuers gekonnt ein.

Wohin das riesige Budget des Films geflossen ist, muss man sich nicht lange Fragen. Mars bzw. Barsoom sieht unglaublich gut aus. Die Landschaftsaufnahmen laden zum Träumen ein und auch die Kreaturen – allen voran die vierarmigen Tharks – wirken in ihrer Umgebung absolut realistisch, was sich vor allem im Zusammenspiel mit echten Schauspielern zeigt. Erschreckend schwach fand ich dagegen etliche Greenscreen-Einstellung, bei denen man das Licht einfach nicht richtig hinbekommen hat. Hier werden Erinnerungen an die 80er Jahre wach, wodurch der leicht trashige Aspekt der Handlung unterstrichen wird.

Im Gegensatz zu den meisten Kritikern fand ich Taylor Kitsch in der Rolle des John Carter perfekt besetzt. Sein ernsthaftes Spiel passt zu der Art und Weise, wie Stanton den Film inszeniert hat. Knackige Oneliner oder selbstreferentielles Augenzwinkern sucht man vergebens. Dafür gibt es sympathische Nebencharaktere, eine heiße Prinzessin (Lynn Collins) und einen außerirdischen Turbohund zu bewundern. Neben den durchwegs positiven Aspekten hätte ich allein auf die teils übertriebenen Actionsequenzen – z.B. die hektische und billig aussehende Flugjagd durch Zodanga – verzichten können.

Fazit

In meinen Augen ist der Film unberechtigterweise gefloppt und ich hätte gerne noch einen – nun leider unwahrscheinlichen – zweiten Teil der Mars-Abenteuer gesehen. Dabei ließe sich ein solcher bestimmt mit weit weniger Budget verwirklichen, da die meisten 3D-Modelle wohl gebaut sein dürften und man in einem solchen auf unsinnig teure und übertriebene Actionszenen verzichten könnte. So oder so kann ich allen Freunden von „Star Wars“ (besonders solchen, denen auch die neue Trilogie gefallen hat) und Co. durchaus empfehlen einmal die Wurzeln der modernen Sci-Fi-Fantasy zu besuchen. Es lohnt sich: 8/10 Punkte.

Prometheus: Dunkle Zeichen – OT: Prometheus (2012)

Eine aktualisierte Besprechung des Films habe ich am 19. Mai 2017 veröffentlicht.

Als ich das erste Mal von Ridley Scotts Plan hörte das „Alien“-Franchise wiederzubeleben, war ich mehr als begeistert – schließlich gehört die Filmreihe zu meinen persönlichen Lieblingen. Die Informationen wandelten sich im Laufe der Zeit: von Sequel über Prequel bis hin zu Sci-Fi ohne „Alien“-Bezug. Dann jedoch kam der Trailer und meine Vorfreude auf „Prometheus: Dunkle Zeichen“ kannte keine Grenzen mehr. Eindeutige Referenzen auf Scotts 1979er Genreklassiker, die bei mir Gänsehaut auslösten. Dann die ersten in großen Teilen vernichtenden Kritiken. Höchste Zeit also mir eine eigene Meinung zu bilden…

Bekanntermaßen zähle ich „Alien: Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ zu meinen Lieblingsfilmen: bereits unzählige Male gesehen und immer noch begeistert. Dabei mag ich nicht nur die Horroraspekte, sondern vor allem die durchgestaltete Welt, in der die Filme spielen. Angefangen bei den surrealistischen Designs H. R. Gigers oder den grandiosen Raumschiffwelten Jean ‚Moebius‘ Girauds bis hin zur fiktiven Weyland-Yutani Corporation – die Welt war mehr als nur Bühne für ein Horrormärchen; sie war realistisch, drecking und belebt. James Cameron entführte uns 1986 mit „Aliens: Die Rückkehr“ tiefer in diese Welt und ich erhoffte mir von „Prometheus“ endlich noch mehr von ihr zu sehen – die Hoffnung bzw. Befürchtung das damals titelgebende Monster tatsächlich wieder auf der Leinwand zu sehen, hatte ich bei der gestrigen Sichung schon abgelegt.

Da es sich um einen 3D-Film handelt, habe ich für die Kinokarte wieder einmal knapp 12 Euro hingelegt. Nicht nur deshalb hätte ich den Film am liebsten ganz klassisch in 2D gesehen. Umso überraschter war ich folglich, dass es Ridley Scott als ersten Regisseur seit James Cameron gelungen ist, mich von 3D zu überzeugen. Der Film hätte bestimmt auch ohne die zusätzliche Ebene funktioniert, doch empand ich die Tiefe in den Bildern dieses Mal als echten Mehrwert. Der Film sieht einfach nur unglaublich gut aus: seien es die minutenlange Flüge über karge Landschaften, sphärische Weltraumszenen oder klaustrophobische Höhlensysteme. Diesen Aufpreis habe ich wahrlich gerne gezahlt.

Auch wenn ich die bisherigen Kritiken aufgrund eventueller Spoiler nur überflogen hatte, so ließen sich doch immer wieder ähnliche Kritikpunkte finden: zu viel pseudoreligiöse Symbolik, zu langweilig, zu viele nicht zusammenpassende Elemente oder erzwungen wirkende Brücken zum Ur-Film – und was soll ich sagen? Ich bin begeistert! Ridley Scott hat mir mit „Prometheus“ genau das geboten, was ich mir erhofft hatte: eine neue Geschichte im bekannten Universum, eine Quasi-Rückkehr nach LV-426 (bzw. LV-223), eine neue Crew und neue Monster. Auch wenn der Film mehr Genres mixt als noch „Alien“, so fühlt er sich doch zu jeder Sekunde so an, als hätte er tatsächlich 33 Jahre vor den grausigen Ereignissen auf der Nostromo spielen können.

Die Geschichte an sich hat mir wirklich gut gefallen. Zwar holpert die Dramaturgie und Charakterzeichnung an so mancher Stelle, doch hat dies der Rahmenhandlung keinen Abbruch getan. Hier hoffe ich tatsächlich auf die bereits angekündigte längere Schnittfassung – mehr Details zu den Konstrukteuren und ihren Intentionen benötige ich an dieser Stelle jedoch noch nicht. Die Vorfreude auf die Fortsetzung ist auf jeden Fall bereits entfacht. Die restlichen, oft nur angedeuteten Zusammenhänge sind bei genauerer Betrachtung eigentlich recht klar und ich empfand es eher angenehm, dass Scott uns Zuschauern nicht jedes Handlungselement bis ins Kleinste vorgekaut hat.

Die Bezüge zu „Alien“ hat Scott ebenso recht geschickt in den Film eingebaut. Für mich wirkte das wie echter Fanservice, ohne nur bekannte Elemente wieder aufzuwärmen. Bei der – natürlich zu erwartenden – Aktivierung des Space Jockeys hatte ich Gänsehaut, ebenso fand ich Elizabeth Shaws (Noomi Rapace) Entwicklung zur Heldin ziemlich famos. Über die Kaiserschnitt-Szene mag man sich streiten, doch fand ich sie sehr effektiv und eindeutig als Referenz zur Chestburster-Szene aus „Alien“ inszeniert. Ebenso haben mich die Zusammensetzung der Crew, der Androide (fantastisch dargestellt von Michael Fassbender), die Dramaturgie des Finales usw. stets an den Klassiker denken lassen. Einzig die Szene im Abspann wäre meiner Meinung nach nicht nötig gewesen und auch im ansonsten sehr gelungenen Score hätte ich mir einen näheren Bezug zur Jerry Goldsmiths Musik gewünscht.

Nun ist die Besprechung doch länger geworden, als ich eigentlich geplant hatte. Ihr seht also, dass mich der Film nahezu vollends begeistert hat. Zwar sind mir seine Schwächen durchaus bewusst, doch alleine schon dieses „Alien“-Gefühl noch einmal im Kino erleben zu dürfen ist unbezahlbar. Wie gerne würde ich mehr hochbudgetierte Filme dieses Genres sehen! Umso dankbarer bin ich folglich Ridley Scott und hoffe sehr auf eine gelungene Fortsetzung. Wäre ich gestern nicht so müde gewesen, hätte ich am liebsten noch einmal „Alien“ eingelegt und auch heute hat mich der Film noch den ganzen Tag beschäftigt. Als Konsequenz daraus bekommt „Prometheus“ von mir auch einen Punkt mehr, als er es vermutlich objektiv verdient hätte: 9/10 Punkte.

The Thing (2011)

Da hat man nun eine Woche Urlaub und schafft gerade einmal zwei Filme. Soweit ist es also schon gekommen. Aufgrund der sommerlichen Temperaturen, habe ich mich heute aufgrund des erfrischenden Handlungsortes für „The Thing“ entschieden. Diese Neuauflage des Genre-Klassikers von John Carpenter aus dem Jahre 1982 schien mir durchaus interessant zu sein, da mir bis zur heutigen Sichtung nicht wirklich klar war, ob es sich nun um ein Remake oder um ein Prequel handelt.

Um es kurz zu machen: Matthijs van Heijningen Jr. hat mit „The Thing“ sowohl Remake als auch Prequel geschaffen. So interessant dieser Ansatz auch erscheinen mag, so groß sind auch seine Schwächen. Remake bedeutet hier nämlich auch Remake und somit birgt der Film für Kenner des Carpenter-Orginals keinerlei Spannung bzw. Überraschungen, denn schließlich wissen wir alle, was von dem Camp der Norweger am Ende des Tages übrig bleibt. Das was man als Zuschauer zu sehen bekommt, ist leidlich spannend inszeniert, die – leider etwas zu CGI-lastigen – Kreaturen sind erneut schön eklig geraten und es kommt zumindest wieder ein gewisses Gefühl der Paranoia auf.

Man kann an dieser Stelle festhalten, dass der Film für neue Besucher der alienverseuchten 1982er Antarktis durchaus ziemlich gut funktionieren dürfte. Für alle anderen hat man etliche Verweise auf den chronologischen Nachfolger eingestreut, die mehr oder weniger aufdringlich in die Handlung eingebaut wurden. Dies mag plump wirken, ich für meinen Teil hatte jedoch meine Freude daran – und das obwohl ich John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ bisher erst einmal bewusst gesehen habe. Besonders die direkte Verknüpfung im Abspann hat bei mir das Bedürfnis geweckt danach auch noch Kurt Russell in die Antarktis zu folgen.

Letztendlich ist der 2011er „The Thing“ ein zweischneidiges Schwert. Zum einen bekommt man einen durchaus brauchbaren, aber eben auch sehr unnötigen, Sci-Fi-Schocker zu sehen und zum anderen einen gewissen Fanservice präsentiert, der leider auch nicht wirklich mehr zu bieten hat. Selbst Freunden des Originals wird die Sichtung keine Schmerzen bereiten, doch letztendlich wird van Heijningen Film – im Gegensatz zu Carpenters Klassiker – nur eine Randnotiz  in der Filmgeschichte bleiben: 6/10 Punkte.

Iron Man 2 (2010)

Aktualisierung: Ich habe „Iron Man 2“ am 1. April 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Nach einer anstrengenden Arbeitswoche, freute ich mich heute ganz besonders auf einen entspannten Filmabend. Meine Sichtung der Prolog-Filme zu Marvels „The Avengers“ geht mit „Iron Man 2“ somit bereits in die dritte Runde. Damit komme ich schneller vorwärts, als ich ursprünglich gedacht hatte. Das Franchise bereitet mir immer noch großen Spaß und inzwischen ist die Vorfreude auf das große Finale schon ziemlich gewachsen…

Iron Man 2 (2010) | © Walt Disney

Iron Man 2 (2010) | © Walt Disney

Nach der letztwöchigen Sichtung von „Der unglaubliche Hulk“, ging es heute wieder zurück zu den Anfängen der Superheldensaga. Die Geschichte setzt ein paar Monate nach dem ersten Teil ein und ich hatte irgendwie das Gefühl die Hochphase des eisernen Helden verpasst zu haben. Man erfährt zwar, dass Iron Man der Welt Frieden gebracht hat, doch springt der Film sofort zur Demontage seines Ansehens in der Öffentlichkeit. Dies fand ich ein wenig schade, doch letztendlich brauchte man wohl das persönliche Drama, um die Handlung zügig nach vorne zu bringen.

Die Bösewichte sind meiner Meinung nach wieder die Schwachpunkte des Films. Nach dem großartigen ersten Auftritt Whiplashs (Mickey Rourke), lässt man diesen wieder verschwinden, nur um ihn am Ende gegen langweilige Dronen und einen weiteren Roboteranzug auszutauschen. Sehr schade, denn das erste Design war fantastisch und dürfte wohl die ikonografischste Szene des Films bilden – von Black Widows (Scarlett Johansson) erstem Kampfeinsatz einmal abgesehen.

Im Vergleich zu „Iron Man“ wirkt das Sequel holpriger erzählt und unstrukturierter. Der erweiterte Cast (u.a. Sam Rockwell) hat mir zwar sehr gut gefallen, doch bleiben die neuen Figuren größtenteils leider recht blass. Sehr schön fand ich dagegen die größere Rolle, welche die S.H.I.E.L.D.-Agenten in dem Film einnehmen. Habe ich Scarlett Johansson schon erwähnt? Sehr sehenswert. Auch Samual L. Jacksons Nick Fury bekommt langsam Profil und wirkt nicht mehr nur wie eine undefinierbare graue Eminenz.

Fazit

Insgesamt wirkte „Iron Man 2“ auf mich etwas schwächer als sein Vorgänger. Dieser hatte mich bei seiner Erstsichtung allerdings auch noch nicht vollständig überzeugt. Letztendlich bin ich mit dem Film durchaus zufrieden, da er wie das typische Sequel von allem einfach nur mehr bietet, was natürlich nicht immer der ideale Weg ist, doch hier größtenteils funktioniert: 7/10 Punkte.