Fringe – Season 5

Wer hätte vor fünf Jahren gedacht, dass sich diese Serie einmal so stark entwickeln wird? Angefangen als durchaus nette Mystery-of-the-Week-Show, bietet „Fringe – Season 5“ im leider letzten Jahr Science-Fiction der Extraklasse. Wirklich erfolgreich war die Serie dabei nie, konnte jedoch eine treue Anhängerschaft aufbauen, weshalb FOX – es geschehen noch Zeichen und Wunder – ihr einen würdigen Abschluss ermöglichte. Spoiler sind zu erwarten.

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Nachdem die vierte Staffel einen etwas konfusen Handlungsbogen (vom Paralleluniversum hin zu einer alternativen Zeitlinie samt gleicher und doch anderer Charaktere) bot, war die Zielsetzung des Finales von Anfang an recht klar: Es wurde direkt an die Episode „Letters of Transit“ der vierten Staffel angeknüpft, die uns einen Blick auf die von Observern dominierte Zukunft gewährte. Der Widerstandskampf unserer liebgewonnenen Charaktere gegen diese scheinbar unbesiegbaren Invasoren stand im Mittelpunkt der Handlung und sollte auch Zentral für alle Elemente des eigentlichen Serienfinales sein.

Zu Beginn wirkt alles sehr neu und anders. Man befindet sich in einer totalitären Welt, die mehr an George Orwell, als an die bekannte und oft durchaus farbenfrohe Mysterwelt der bisher bekannten Serie erinnert. Die Themen werden schwerer und die Bedrohung ist unmittelbarer – zumal alle Charaktere auch von großen Verlusten gezeichnet sind. Selbst für Walter scheint es dieses Mal keinen Ausweg zu geben, ist er doch in Gefahr sich selbst zu verlieren.

Mir hatte bereits die aus dem normalen Rahmen herausfallende Episode im vierten Jahr der Serie ausgezeichnet gefallen. Umso erfreuter war ich, eine Staffel zu sehen, die komplett in dieser Welt spielt. Aufgrund der begrenzten Anzahl von nur 13 Episoden, wird die Handlung auch recht zügig vorangetrieben, weshalb ich auch ab und zu den Faden verloren hatte, wer nun wann und in welcher Zeitlinie konserviert wurde und wie sich die Ereignisse dieser Staffel in die bisherige Serie einfügen. Dennoch wurden sowohl die Geschichte, als auch die Charaktere zu einem würdigen Finale geführt, das mich weit mehr überzeugte, als das der letzten großen J.J. Abrams-Serie.

Um die Entwicklung der Serie aufzuzeigen, habe ich im Folgenden ein Ranking aufgestellt, das noch einmal verdeutlich, wie stark sich die Serie über die letzten Jahre entwickelt hat. Auch die ersten beiden Staffeln sind nicht schlecht, doch fehlt ihnen noch der epische Handlungsbogen. Interessanterweise ergibt sich zusammen dennoch ein absolut schlüssiges Gesamtbild, was man den Autoren durchaus zugute halten muss:

  1. „Fringe – Season 3“
  2. „Fringe – Season 5“
  3. „Fringe – Season 4“
  4. „Fringe – Season 2“
  5. „Fringe – Season 1“

Für alle Fans der Serie führt ohnehin kein Weg an der finalen Staffel vorbei. Allen anderen kann ich „Fringe“ an dieser Stelle nur noch einmal ans Herz legen. Ich werde die Serie vermissen, da sich besonders John Noble als Dr. Walter Bishop in mein Herz gespielt hat und eine der denkwürdigsten Leistungen der letzten Jahre ablieferte. Aber ich möchte mich nicht beschweren, denn fünf gelungene Jahre sind mehr, als man sich eigentlich jemals von der Kombination „Fringe“ und FOX hätte erwarten dürfen: 9/10 (8.6) Punkte.

Zimmer 1408 – Director’s Cut – OT: 1408

Da war er wieder, der Tag an dem man selbst Genrehasser dazu bringen kann einen Gruselfilm zu schauen: Halloween. Folglich haben wir uns gestern wieder einmal zusammengefunden, um dem filmischen Horror zu frönen. Die Wahl fiel auf Mikael Håfströms „Zimmer 1408“ im Director’s Cut. Der Film versprach altmodischen Spukhausgrusel nach Stephen King und konnte dieses Versprechen anfangs auch noch einlösen…

Die ruhige und ausführliche Einführung der Hauptfigur sowie der Prämisse des Films hat mir wirklich sehr gut gefallen. Die Atmosphäre schwankt zwischen beunruhigend und zynisch, was auch den Charakter des von John Cusack gespielten Autors Mike Enslin beschreibt. Auch die Ankunft im titelgebenden Zimmer konnte mich noch überzeugen. Die ersten Anzeichen des aufsteigenden Horrors waren toll gespielt und inszeniert, doch dann? Billige Effekthascherei. Als hätte Stephen Spielberg den Hai bereits in der ersten Szene gezeigt. So etwas macht man einfach nicht.

Mit der Visualisierung der ersten Schrecken des Zimmers nimmt auch plötzlich die bisher durchaus spürbare Spannung ab. Ehemalige Opfer werden als seltsame Fernsehbildgeister eingeblendet. Bereits dutzende Male gesehen und einfach nicht mehr gruselig. Die sonstigen Attacken des Zimmers werden zudem viel zu detailreich gezeigt, als dass man sich wirklich fürchten könnte. Was ist aus Andeutungen geworden? Mysteriösen Schatten? Wirklich schade, da das Zimmer an sich durchaus Gruselpotential geboten hat.

Die weitere Handlung – samt ihrer mehr oder minder vorhersehbaren Wendungen – war dann zwar nett anzusehen, doch blieb sie überraschend spannungsarm. Mit Einzug des persönlichen Dramas unseres Autoren in die Geschichte, war der weitere Verlauf dann auch unvermeidlich. Im Gegensatz zur Kinofassung endet der Director’s Cut ziemlich düster, wenngleich sich der Verlust der Charaktere nicht auf mich als Zuschauer übertragen wollte.

Letztendlich ist „Zimmer 1408“ ein relativ durchschnittlicher Gruselfilm mit nettem Setting und brauchbarer Geschichte. Leider hat man wieder einmal gemeint, dem Publikum alles zeigen zu müssen, was in meinen Augen – wenn es nicht richtig angepackt wird – der Todesstoß für Filme dieses Genres ist. Durchaus nett anzusehen, aber eben auch nicht mehr: 6/10 Punkte.

Shutter Island (2010)

Nach einem langen Arbeitstag hat es mich gestern Abend einmal wieder in unser Fremdsprachenkino gezogen. Martin Scorseses „Shutter Island“ stand schon länger auf meiner Liste und war somit die perfekte Abendunterhaltung. Irgendwo zwischen Traum und Realität. Ein diffuser Wachzustand, von dem ein unbeschreibbarer Sog ausgeht.

Martin Scorsese baut in seinem undurchsichtigen Thriller bereits in den ersten Minuten eine so dichte Atmosphäre auf, dass man sich beinahe selbst auf der düsteren Klinikinsel wähnt. Getragen wird diese Atmosphäre nicht nur durch Robert Richardsons fantastisch stimmungsvolle Bilder, sondern auch durch den irritierenden Score, welcher die allgegenwärtige Paranoia hörbar macht. Stilistisch ist „Shutter Island“ – wie nahezu alle Scorsese Filme – ein wirklich großer Wurf. Bittersüßer Zucker für Augen und Ohren.

Auch inhaltlich braucht sich „Shutter Island“ nicht zu verstecken. Als Zuschauer wird man zusammen mit Leonardo DiCaprios Charakter Teddy Daniels immer tiefer in den Strudel aus Paranoia und Wahnsinn gezogen. Schon früh zeichnet sich der Ausgang der Geschichte ab und es ist wirklich angenehm, dass der Twist nicht mit dem Holzhammer inszeniert wurde. Es steht nicht die vermeintlich große Überraschung im Vordergrund, sondern die Emotionen der Charaktere. Eine Reise ins Herz der Finsternis.

Auch wenn „Shutter Island“ unspektakulärer erscheint, als die meisten anderen Filme des Regisseurs, so darf man jedoch nicht den Fehler machen ihn zu unterschätzen. Besonders für Genrefreunde bietet der Film großartige Unterhaltung und muss sich hinter verwandten Produktionen, wie „Angel Heart“ oder „The Machinist“ absolut nicht verstecken.

Wer einmal wieder einen mitreißenden, großartig gespielten und kunstvoll inszenierten Thriller sehen möchte, der kann zurzeit wohl keine besseren Film im Kino sehen, als „Shutter Island“. Mich wird diese Insel wohl noch länger verfolgen: 9/10 Punkte.

Catacombs (2007)

Bei manchen Filmen hat man schon vor der Sichtung ein schlechtes Gefühl. Tomm Cokers und David Elliots unterirdischer Thriller „Catacombs“ gehört da ausnahmslos dazu. Sei es die Bewerbung von Alecia ‚Pink‘ Moore auf dem Frontcover oder die langweilige Inhaltsangabe. Da der Film ein Geschenk war, wurde er trotz der Vorbehalte geschaut.

Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Das Machwerk macht tatsächlich alles falsch, was man nur falsch machen kann. Seien es die unsympathischen Charaktere, die viel zu frühe Präsentation des Monsters, die dämlichen Dialoge oder die idiotischen Handlungen der Figuren. Wie können solche Drehbücher ernsthaft verfilmt werden? Wer finanziert so etwas? Der Film war billig, keine Frage und das sieht man ihm auch an. Dennoch kann ich mir nicht vorstellen, dass er wirklich Gewinn einfährt. Schon gar nicht aufgrund von Mund-zu-Mund-Propaganda, die lautet nämlich: Nicht anschauen!

Gibt es auch irgend etwas, das für den Film spricht? Hier wäre zunächst einmal die Location zu nennen, welche auch den Grund darstellt, warum ich den Film überhaupt geschenkt bekommen habe. Vor geraumer Zeit hatte ich Paris besucht und mir dort auch die Katakomben angesehen, was wirklich ein beeindruckendes Erlebnis war. Folglich konnte ich die klaustrophobische Stimmung in gewisser Weise nachvollziehen. Nur dass diese im Film leider so gut wie gar nicht genutzt wurde. Wenn ich da nur an den grandiosen „The Descent“ oder selbst den immerhin brauchbaren Genrebeitrag „Creep“ denke, dann fragt man sich wirklich wie man solch einen Film nur so verbocken kann.

Der Twist gegen Ende sollte dann wohl äußerst clever sein. Leider jedoch lag die gezeigte Möglichkeit von Anfang an in der Luft und die Figuren wurden dadurch – man kann es kaum glauben – noch unsympathischer. Absolut dämlich und kontraproduktiv. Ich kann an diesem Film wahrlich nichts Gutes findes. Vermutlich sollte man dem Kameramann einen gewissen Respekt zollen, hat er doch aus den immer gleichen Sets einige nette Kameraperspektiven herausgeholt. Mehr gibt es wirklich nicht zu holen. Selbst die größten Genrefans sollten dieses Machwerk meiden: 1/10 Punkte.

Mirrors (2008)

Der zweite Film unseres gestrigen DVD-Abends war das 2008er Asia-Remake „Mirrors“ von Alexandre Aja. Der Film hatte mich damals bereits bei der Kinoverwertung gereizt, doch konnte er auch in den heimischen vier Wenden seine Wirkung voll entfalten.

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Im Gegensatz zu Ajas vorherigen Werken „High Tension“ und dem Remake von „The Hills Have Eyes“ ist „Mirrors“ eher ein klassicher Gruselfilm. Auch wenn es noch blutige Spitzen gibt, so konzentriert sich der Film doch wesentlich mehr darauf eine Geschichte zu erzählen und hetzt weniger von einer Goreszene zur nächsten. Dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – haben mich die visuellen Abartigkeiten dieses Films stärker beeindruckt.

Zur Geschichte muss ich vorausschicken, dass ich das Original „Into the Mirror“ nicht kenne. Insofern kann ich nicht Einschätzen, wieviel Aja und sein Team aus der Geschichte herausgeholt haben und wieviel eine reine Kopie ist. So oder so hat mir die Grundidee und ihre visuelle Umsetzung ausgezeichnet gefallen. Wirklich gruselig und nicht schon ein gutes dutzend Mal gesehen. Es ist zudem wirklich beeindruckend, wie es dem Produktionsteam gelungen ist in nahezu jeder Szene eine spiegelnde Oberfläche zu positionieren.

Auf die weitere Handlung möchte ich nun gar nicht weiter eingehen. Die Auflösung kann – wie so oft – ihr Versprechen nicht einlösen und wurde von mir eher mit einem Schulterzucken registriert. Die darauf folgende völlig unpassende Actionszene hat bei mir dagegen einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. Das hätte es nun wahrlich nicht gebraucht. Will ich Kiefer Sutherland als Actionheld sehen, kann ich schließlich „24“ schauen. Der finale Twist war wiederum äußerst stimmungsvoll und wurde von mir auch nicht so erwartet.

Insgesamt ist „Mirrors“ ein wirklich gelungener Genrebeitrag, der durch atmosphärisch fotografierte Einstellungen und gezielt eingesetzte Schockmomente zu überzeugen weiß. Schwächen in der Auflösung verwehren dem Film allerdings vorderste Platzierungen in den Genrehitlisten: 7/10 Punkte.

Dead Silence

Auf James Wans und Leigh Whannels „Dead Silence“ hatte ich mich schon seit längerer Zeit gefreut. Ihr Genrebeitrag „Saw“ – ich rede hier wohlgemerkt nur vom ersten Teil – ist für mich nach wie vor herausragendes Spannungskino. Dementsprechend neugierig war ich, wie sie an klassischen Gruselstoff herangehen. Ein weiterer Genrehit? Spoiler sind zu erwarten.

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„Dead Silence“ hat viele Stärken, aber leider auch ebenso viele Schwächen. Ich mochte die theatralische und herrlich altmodische Gruselatmosphäre. Die übertriebenen Handlungsorte und die legendengetränkte Kleinstadtkulisse. Man wird als Zuschauer wirklich in eine andere Welt transportiert. Nebel, alte Herrenhäuser und knarzige Dielen. Gruselherz, was willst du mehr?

Die Geschichte besteht mehr oder minder aus Genreversatzstücken, was aber durchaus zu verschmerzen ist. Mörderische Bauchrednerpuppen sind eben eine Sache für sich, doch wer sich hier nicht lachend abwendet, kann durchaus Spaß mit dem Film haben. Für mich hat er über weite Strecken ausgezeichnet funktioniert, doch hätte man – wie so oft – wahrlich mehr Zeit für die Figurenzeichnung aufwenden müssen.

Schauspielerisch geht der Film in Ordnung. So gibt es in der Hauptrolle Ryan Kwanten (Jason Stackhouse, „True Blood“) zu sehen, der einmal mehr den etwas naiven Helden geben darf. Erstaunlich gut hat mir der ansonsten stets recht blasse Donnie Wahlberg als Comic Relief gefallen. Er sollte mehr in diese Richtung gehen.

Auch die Inszenierung würde eigentlich keinen Grund zur Klage geben, hätte man es hierbei nicht verpasst dem Zuschauer etwas Intelligenz zuzutrauen. Der an sich recht brauchbare Twist hat sich förmlich aufgedrängt. Warum nur so auffällig? Hallo! „The Sixth Sense“ liegt 10 Jahre zurück. Da darf man den Zuschauer nicht mehr für dumm verkaufen. Wirklich schade, denn da hätte etwas draus werden können.

Für Genrefreunde bietet „Dead Silence“ teils wunderbar altmodischen, teils aber auch ziemlich dämlichen Grusel. Es sind starke Ansätze vorhanden, welche aber leider nicht konsequent genutzt wurden. Ein netter Film für einen ungemütlichen Herbstabend. Man sollte nur nicht zu viel erwarten: 6/10 Punkte.

Das Relikt: Museum der Angst – OT: The Relic

Freitagabend. Filmzeit. Heute hatte ich mich für Peter Hyams „Das Relikt: Museum der Angst“ entschieden, einen meiner liebsten Monsterfilme. Über die Jahre bestimmt schon ein halbes dutzend Mal gesehen und immer noch unterhaltsam. So lobe ich mir das.

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Als Monsterfilm funktioniert „Das Relikt“ immer noch tadellos. Ein interessanter pseudowissenschaftlicher Hintergrund, sympathische Figuren und ein mitreißender Spannungsaufbau lassen das Herz jedes Genrefans höher schlagen. Wenn dann das Monster im letzten Filmdrittel endlich seinen großen Auftritt hat, wird zudem mit blutigen Effekten nicht gegeizt. So muss das sein.

Im Grunde könnte ich mit dem Gebotenen vollends zufrieden sein. Hätte ich nicht vor einigen Jahre die „Relic: Museum der Angst“ betitelte Vorlage von Douglas Preston und Lincoln Child gelesen. Mit der angepassten Filmhandlung könnte ich ja noch leben, doch dass man mit Special Agent Pendergast einfach eine der Hauptfiguren gestrichen hat, ist mir unbegreiflich. Zumal dieser in nahezu allen Romanen (u.a. „Formula“) der Autoren die Hauptrolle spielt und somit einen herrlichen Aufhänger für ein neues Film-Franchise abgegeben hätte. Wirklich unvorstellbar.

Letztendlich sind meine Gefühle den Film betreffend gemischter Natur. Einerseits bietet er fabelhafte Unterhaltung, mit der sich nur wenige Genrevettern messen können, andererseits sehe ich immer die ungenutzten Chancen vor mir. Da ich den Film jedoch bereits vor dem Buch schätzen gelernt habe, überwiegen eindeutig die positiven Aspekte: 7/10 Punkte.

Illuminati – OT: Angels & Demons (2009)

Als ich die Vorlage zu Ron Howards „Illuminati“ las, sprach noch niemand von Dan Brown. Das Buch war einfach ein weiteres unter dutzenden von Spannungsromanen. Umso größer war deshalb vermutlich die mitreißende Sogwirkung, die von der unerwarteten Vermengung aus religiös angehauchtem Verschwörungsthriller und High-Tech-Schnitzeljagd ausging. Beste Unterhaltung, die ich an einem einzigen langen Tag verschlungen hatte.

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Der Nachfolgeroman schwamm schließlich auf den Wellen des Hypes, welche auch den Vorgänger wieder an die Oberfläche spühlten. Die Verfilmung von „Sakrileg“ bzw. „The Da Vinci Code“ war für mich eine riesengroße Enttäuschung. Tom Hanks als Robert Langdon? Unfassbar. Zudem ließ Ron Howards Inszenierung jegliches Timing vermissen. Es wurde versucht den Roman 1:1 auf die Leinwand zu bringen, was in einem zähen und dennoch unvollständigen Stück Zelluloid endete. Dennoch wollte ich mir „Illuminati“ im Kino nicht entgehen lassen, zumal ich die Vorlage um ein ganzes Stück stärker fand und auf die Visualisierung von bestimmten Szenen gespannt war.

Um es gleich auf den Punkt zu bringen: „Illuminati“ ist stärker als sein filmischer Vorgänger. Nicht viel, aber immerhin. Tom Hanks hat zudem eine bessere Frisur bekommen. Die Schnitzeljagd wird temporeich inszeniert und für das Auge wird so einiges geboten. Besonders wenn man bedenkt, dass dem Filmteam ein Zugang zu Vatikanstadt verweigert wurde. Beachtlich. Dennoch beschleicht mich erneut das Gefühl, dass sich der Film viel zu ernst nimmt und mehr sein will, als er eigentlich ist. Das Buch war ein herrlich übertriebener Reißer (man denke allein an die Flugeinlagen Langdons), was in der Verfilmung nicht mehr allzu oft rüberkommt. Schade, aber immerhin unterhaltsam.

Was dem Film beinahe den Todesstoß versetzt ist jedoch die deutsche Synchronisation. Warum um alles in der Welt hat man trotz Erkrankung auf Arne Elsholtz zurückgegriffen? Tom Hanks bzw. Robert Langdon hört sich den gesamten Film über an wie Biene Majas Willi. Dabei hätte man mit Joachim Tennstedt doch eine passable Alternative zur Hand gehabt. Somit verkommt „Illuminati“ über große Strecken zur unfreiwilligen Komödie und ich kann jeden Kinobesucher nur vor der deutschen Fassung warnen. Lieber auf die DVD warten oder ein Fremdsprachenkino besuchen. Es lohnt sich!

Insgesamt bietet „Illuminati“ gute Kinounterhaltung, wenngleich man keine Wunder erwarten sollte. Man hätte mehr daraus machen können, doch so ist das wohl immer mit Adaptionen. Einen dicken Punkt Abzug gibt es jedoch für die Synchronfassung. Darüber kann man einfach nicht hinwegsehen. Wie heißt es so schön? Kann man sehen, muss man aber nicht: 6/10 Punkte.

Das Waisenhaus – OT: El Orfanato (2007)

Bei einem spontanen DVD-Abend haben wir uns gestern Abend Juan Antonio Bayonas „Das Waisenhaus“ angesehen. Erhofft hatte ich mir angenehmen Grusel im Stil von Alejandro Amenábars „The Others“, den ich auch bekam. Die Spanier scheinen mir in diesem Genre einfach zu liegen.

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Viel möchte ich von der Handlung nun gar nicht verraten. Sie ist – innerhalb der Grenzen ihres Genres – zwar nicht sonderlich innovativ, weiß aber dennoch durch teils überraschende Wendungen zu überzeugen. Nüchtern betrachtet eine absolut stimmige Gruselgeschichte. Was Bayonas Film so mitreißend macht, ist seine atmosphärische Inszenierung. Nicht umsonst hat Guillermo Del Toro („Pans Labyrinth“) Regisseur Bayona bei der Entstehung des Films unterstützt, erinnert er atmosphärisch doch sehr an seine eigene Geistergeschichte „The Devil’s Backbone“, was in jeder Hinsicht als Kompliment zu verstehen ist.

Neben der ruhigen und sehr emotionalen Inszenierung hat der Film dennoch einige sehr effektive Schockszenen zu bieten. Diese entspringen glücklicherweise weniger der entsprechend gewählten musikalischen Untermalung, sondern einer äußerst beunruhigenden Atmosphäre. Auch das Ende des Films ist keinesfalls lockerleicht und am nächsten Tag bereits wieder vergessen. Es bleibt in Erinnerung. Nicht selbstverständlich für einen Genrefilm.

Juan Antonio Bayonas „Das Waisenhaus“ ist wunderbar stimmige Gruselunterhaltung. Zwar kommt er nicht ganz an die Spitze des Genres heran, ist Freunden atmosphärischer Horrorfilme jedoch auf jeden Fall ans Herz gelegt. Wunderbar gruselig. Selbst an lauschigen Frühlingsabenden: 8/10 Punkte.

Arsen und Spitzenhäubchen – OT: Arsenic and Old Lace (1944)

Vor einiger Zeit hatte ich Joseph Kesselrings Stück im Theater gesehen und war schwer begeistert. Gestern habe ich nun endlich – nachdem die DVD schon seit Jahren im Regal steht – die Zeit gefunden Frank Capras Adaption von „Arsen und Spitzenhäubchen“ zu sichten. Es war erneut ein wahrlich famoser Spaß!

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Der Film beginnt wie eine typische Liebeskomödie aus den 40er Jahren. Ein wenig Slapstick, angestaubte Geschlechterrollen und harmlos wirkender Humor. Doch bereits nach wenigen Minuten offenbart sich der wahre Geist dieser wirklich rabenschwarzen Komödie. Bereits diese leicht zu unterschätzende Einführung zeigt die hohe Qualität die Drehbuchs. Wir Zuschauer stolpern zusammen mit Mortimer Brewster (Cary Grant) in diese wahnwitzige Welt inmitten des unscheinbaren Alltags.

Wenn man sich heute Filme anschaut, die schwarzen Humor propagieren, dann leiden diese oft an unsympathischen Charakteren und der daraus resultierenden Distanz zum Zuschauer. „Very Bad Things“ ist für mich so ein Beispiel. Da konnte ich nur müde gähnen. Capras Klassiker ist dagegen ein Feuerwerk an Humor, herrlichen Dialogen und wunderbar überdrehten Leistungen der Darsteller. Besonders Cary Grant überzeugt hier auf ganzer Linie und es fällt schwer sich einen anderen Schauspieler in der Rolle vorzustellen.

Der Film wirkt trotz seines Alters frisch und wird zu keiner Sekunde langweilig. Ich musste oft laut auflachen, was mir nur bei den wenigsten Komödien gelingen mag. Capras Inszenierung zeugt von einem großen Gefühl für Timing und Atmosphäre, was den Film zu Recht zu einem Klassier der Genres macht. Da stimmt wirklich alles. Den einen Punkt Abzug gibt es nur weil ich das Theaterstück damals tatsächlich noch eine Spur unterhaltsamer fand, was – und dessen bin ich mir durchaus bewusst – natürlich ein weit hergeholter Vergleich ist: 9/10 Punkte.