Castle – Season 6

Lange hat es gedauert, doch auch bei TV-Serien heißt aufgeschoben nicht aufgehoben – und so hat es „Castle – Season 6“ nach beinahe drei Jahren endlich in mein ganz privates Programm geschafft, was speziell meine bessere Hälfte erfreut hat. Es war übrigens das erste Mal, dass wir die Serie nahezu am Stück verfolgt haben. Somit war ich sehr gespannt, ob das Krimi-Procedural auch noch funktioniert, wenn man beinahe täglich eine Episode schaut…

castle-season-6

Die Freude um die Rückkehr zu Castle, Beckett und Co. war wirklich groß. Die Serie funktioniert einfach famos als Wohlfühlunterhaltung – und das trotz des Settings rund um Mord und Totschlag. Wie kein anderes Procedural dieses Genres schafft es die Serie Krimi und Komödie perfekt zu kombinieren, was neben dem sympathischen Nathan Fillion (Captain Mal Reynolds, „Firefly“ & „Serenity“) besonders an den außergewöhnlichen Fällen liegt: In der Vergangenheit gab es schon eine Zombie-Apokalypse zu bestehen und in dieser Staffel wird ein Zeitreisefall behandelt, der perfekt mit der Serienwelt harmoniert – und das ohne offensichtlich nur eine falsche Fährte zu sein. Auch wenn nicht jeder Fall wirklich außergewöhnlich ist, so ist „Castle“ doch das einzige Krimi-Procedural, das mir auch über längere Zeit Spaß bereitet.

Bis zur fünften Staffel hatte ich „Castle“ von Woche zu Woche verfolgt, doch bei dieser Sichtung stand beinahe täglich eine neue Episode auf dem Programm, was dem Sehgenuss letztendlich wohl eher abträglich war. Hier fällt dann doch die starke Formelhaftigkeit auf, was glücklicherweise durch die spielfreudigen Darsteller und die oft ungewöhnlichen Fälle aufgefangen wird. Dennoch keine Serie, die sich zum Binge-Watching eignet und lieber in kleineren Dosen genossen werden sollte. Dann funktioniert wohl auch die Rahmenhandlung rund um die bevorstehende Hochzeit und die damit verbundenen privaten Wirrungen besser. Immerhin wurde nun endlich das große Mysterium rund um den Mord an Detective Becketts Mutter aufgeklärt.

Mir hat auch das sechste Jahr rund um Richard Castle wirklich viel Spaß bereitet. Der Cliffhanger am Ende wäre dagegen nicht nötig gewesen, hat man diesen in ähnlicher Form doch bereits unzählige Male gesehen. Auf eine Rückkehr des ermittelnden Krimi-Autoren freue ich mich dennoch schon sehr. Dann werde ich ihn aber vermutlich wieder in weniger geballter Form besuchen: 8/10 (7.9) Punkte.

The X-Files – Season 5

Aufgrund viel Ablenkung durch Filme und andere Serien über die Feiertage und den Jahreswechsel, hat sich meine Sichtung von „The X-Files – Season 5“ ein wenig verzögert. Für mich war es die erste Staffel, bei der ich mich nicht mehr wirklich an einzelne Episoden erinnern konnte – und die erste Staffel im damals noch recht modernen 16:9-Breitbildformat. Gleichzeitig markiert die fünfte Staffel die Mitte der Serie und den Startschuss für den ersten Kinofilm. Was hatte „Akte X“ also auf der Höhe des ursprünglichen Hypes zu bieten?

x-files-s5

Man merkt, dass die Autoren inzwischen ziemlich genau wissen, was funktioniert und was nicht. Inzwischen ist das Serienuniversum auch so weit ausgebildet und populär, dass sie wunderbar ein paar Episoden einstreuen können, die eher auf der Metaebene ablaufen. Gleichzeitig fällt jedoch auf, dass die Autoren diese aufgebaute Komfortzone weniger oft verlassen und man nicht mehr dieses bunte Potpourri an Geschichten bekommt, wie dies speziell in den ersten vier Staffeln der Fall war. Allerdings mag sich der Eindruck einer stärker fokussierten Erzählung auch aus der verringerten Episodenzahl (20 statt wie bisher mindestens 24 Episoden) ergeben. Eine Tendenz, die ich grundsätzlich erst einmal positiv bewerten würde, jedoch hier in weniger Spielraum für Geschichten abseits der Norm resultiert.

Erwähnenswert sind auf jeden Fall der eröffnende Zweiteiler „Redux I & II“, der einen der größten Handlungsstränge der vierten Staffel auflöst. „Unusual Suspects“ wirft einen Blick auf die Anfänge der Lone Gunman und lässt Mulder nur als Nebenfigur auftauchen, was ich durchaus erfrischend fand, aber auch zeigt, warum die Gruppe alleine nicht wirklich funktioniert. Die folgende Episode „Detour“ ist einer meiner liebsten klassischen Monster-of-the-Week-Fälle, da sie die Beziehung zwischen Mulder und Scully in den Mittelpunkt stellt und gleichzeitig wirklich unheimlich ist. Mit „The Post-Modern Prometheus“ folgt ein Favorit dieser Staffel, der wie ein Gruselstreifen der 30er Jahre klassisch in Schwarz-Weiß inszeniert ist und dabei herrlich augenzwinkernd daherkommt. Der Zweiteiler „Christmas Carol“/“Emily“ fokussiert sich auf Scully und überzeugt gerade durch den Kontrast aus weihnachtlicher Familienamosphäre und persönlichem Horror.

In der Mitte wird die Staffel deutlich schwächer und Episoden wie „Schyzogeny“ oder „Chinga“ bieten nur 08/15-Horror-Versatzstücke. Mit „Bad Blood“ finden die Autoren wieder zu alter Stärke zurück und präsentieren eine herrlich amüsante „Rashomon“-Variante – mein zweiter Favorit dieser Staffel. Danach folgt mit dem Zweiteiler „Patient X“/“The Red and the Black“ eine weitere Mythology-Episode, die durchaus ihre Momente hat. Stärker beeindruckt hat mich jedoch die Folge „Travelers“, in der wir Zeuge von Mulders erstem Kontakt mit den X-Akten werden. Kurz vor dem eher durchwachsenen Finale hält die Staffel mit „Folie à Deux“ noch eine wunderbare Monster-of-the-Week-Episode parat, die man gleichzeitig als Satire auf die Firmenkultur Amerikas lesen kann.

Insgesamt ist das fünfte Jahr der Serie wieder ein wenig schwächer, jedoch ist noch kein großer qualitativer Einbruch zu erkennen. Somit freue ich mich nun umso mehr auf den ersten Kinofilm und die darauf folgende sechste Staffel. Speziell gerade jetzt, da „The X-Files“ aufgrund der endlich gestarteten neuen Mini-Staffel wieder in aller Munde ist. Nach wie vor sehr gute Unterhaltung: 8/10 (8.3) Punkte.

Betas – Season 1

Als ich mich vor gut zwei Monaten das erste Mal in die Welt des Streamings vorgewagt hatte, war ich natürlich sogleich auf der Suche nach sehenswerten Serien. Speziell die Eigenproduktionen von – in diesem Fall – Amazon haben mich gereizt und auch thematisch schien mir „Betas – Season 1“ ein lohnenswerter Einstieg zu sein. Als ich mit der Serie begonnen hatte, wusste ich allerdings noch nicht, dass nach einer Staffel mit nur 11 Episoden auch schon wieder Schluss sein sollte. Ob dies ein Verlust für die Serienwelt ist, lest ihr in der folgenden Besprechung…

betas-s1

Man merkt sogleich, dass Amazon mit der Serie etwas erreichen wollte. Der Ausflug in die Startup-Szene San Franciscos ist hip inszeniert, man bekommt kontextrelevante Buzzwords in nahezu jedem Dialog um die Ohren gehauen und die Charaktere scheinen jedes Nerd-Klischee zu erfüllen, nur um diesen gleichzeitig zu widersprechen. Als jemand, der sich auch beruflich mit IT, Tech und Startups auseinandersetzt, habe ich mich sogleich zu Hause gefühlt, auch wenn der Einsatz von Buzzwords und so manchen hippen sprachlichen Ausdrücken teils ein wenig aufgesetzt wirkt. Dadurch ist es mir teils schwer gefallen, wirklich an die Charaktere heranzukommen. Erst in den letzten Episoden haben sich einzelne Handlungsstränge herausgearbeitet – und dann war die Serie auch schon wieder vorbei.

Ich fand es erfrischend eine Serie zu sehen, die sich nicht in erster Linie um Beziehungen dreht, sondern ein bisher noch ziemlich unbeleuchtet gebliebenes berufliches Umfeld als Arbeitsplatz-Comedy porträtiert. Die Darsteller sind allesamt absolut passend gewählt und mit Ed Begley Jr. gibt sogar ein immer wieder gerne gesehener Altstar sein Stelldichein. Ebenso gut wie das Ensemble hat mir die musikalische Untermalung gefallen, die sich angenehm vom Popgedüdel bekannterer Serien abhebt. Eine sympathisch Serie, wenn auch mit Ecken und Kanten.

Letztendlich hätte „Betas“ noch mindestens eine zweite Staffel Zeit gebraucht, um sich wirklich zu entwickeln. Gerade das Finale öffnet neue dramaturgische Wege, funktioniert jedoch auch einigermaßen gut als Abschluss. Oft noch ein wenig holprig in Ton und Handlung, machen die 11 Episoden auf jeden Fall viel Spaß und lassen mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf meine erste Amazon-Eigenproduktion zurückblicken: 8/10 (7.5) Punkte.

Gone Girl (2014)

Nachdem wir gestern Abend spontan mit den Kindern schwimmen gegangen sind, war es danach zu spät für einen Film. Heute bestanden die Tagesaktivitäten aus dem Kaufen und Aufbauen neuer Möbel – und irgendwann hatte ich genug davon, so dass der Sichtung von „Gone Girl“ nichts im Wege stand. Schon lange befand sich der jüngste Film von David Fincher auf meiner Liste. Ob er meine hohen Erwartungen erfüllen konnte, lest ihr in der folgenden Besprechung. Spoiler sind zu erwarten.

gone-girl

„Gone Girl“ hat meine Erwartungen nicht getroffen. Ich hatte mir einen Film erwartet, der einen beständig zweifeln lassen würde, ob der von Ben Affleck gespielte Ehemann nun seine Frau ermordet hat oder nicht. Die Frage nach der Schuld stellt sich nicht wirklich, denn noch bevor David Fincher nach ca. einer Stunde die erste große Enthüllung macht, scheint die Geschichte ziemlich eindeutig. Der Kniff des unzuverlässigen Erzählers (hier durch ein Tagebuch in die Handlung eingewoben) ist recht offensichtlich und eher dazu gedacht, die Charaktere in der Filmwelt in die Irre zu führen, als uns Zuschauer vor dem Bildschirm. Dies sorgt für eine ganz besondere Art der Spannung: Sie wird doch nicht wirklich…

Es ist als wolle Fincher sagen: Mir geht es nicht darum euch an der Nase herumzuführen, schaut euch die Beziehung an – darin liegt der wahre Horror! Und Recht hat er. Es gibt in dem Film keinen fehlerlosen Charakter. Jeder spielt nach seiner Agenda – und durch die von Rosamunde Pike großartig verkörperte psychopathisch veranlagte Ehefrau wird die dunkle Seite der Emotionen, die in jeder Beziehung zu finden sind, beinahe schon satirisch böse auf die Spitze getrieben.

Durch David Finchers abermals perfekte Inszenierung wirkt die dargestellte Welt – und speziell jede Beziehung darin – kalt, fremd und mechanisch. Emotionen sind kalkuliert und der äußere Schein ist wichtiger, als die Innenwelt. Eine perfekte Oberfläche für das perfekte Verbrechen? Obwohl ich als Zuschauer um die Verfehlungen der einzelnen Charaktere wusste, habe ich mit ihnen mitgefiebert. An das Gute in ihnen geglaubt – und bin selbst so mancher Lüge aufgesessen. Gegen Ende gibt es dann doch noch einmal eine schockierende Wendung, die in ihrer Konsequenz so perfide ist, dass man eigentlich nur hysterisch darüber lachen kann. In ihr offenbart sich auch die Schwäche unserer Hauptfigur, was den Kreis zum Anfang schließt. Der Schein des trauten Heims bleibt gewahrt.

Vielleicht sollte ich dankbar sein, dass meine Frau bei der Sichtung eingeschlafen ist, denn „Gone Girl“ zeichnet ein extrem düsteres Bild der Ehe. Dabei legt der Film öfter einmal den Finger in die Wunde, verlässt die rationale Ebene jedoch sogleich und gipfelt in einer Art satirischem Thriller, der mir wohl noch länger im Gedächtnis bleiben wird. Interessant auch die Frage, wie der Film wohl in einer anderen Schnittfassung funktioniert hätte, in der Ehemann Nick zusammen mit dem Zuschauer bis zum Ende ahnungslos geblieben wäre und man Amys Perspektive erst zum Schluss gesehen hätte. Ein in jeder Hinsicht empfehlenswerter Film: 9/10 Punkte.

John Wick (2014)

Aktualisierung: Ich habe „John Wick“ am 25. August 2021 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Obwohl noch etliche Filme im Regal warten, habe ich heute mit „John Wick“ erstmals einen Film via Streaming geschaut. Diese Wahl war entgegen bereits geäußerter Befürchtungen eine sehr bewusste Entscheidung, da der Film ohnehin schon länger auf meiner Liste stand. Davon abgesehen verlief die Sichtung technisch reibungslos, wenngleich ich auch das Bonusmaterial zum Film vermisst habe. Und was hat Rache-Thriller sonst noch so zu bieten?

John Wick (2014) | © STUDIOCANAL

John Wick (2014) | © STUDIOCANAL

Als ich in einer Sneakpod-Episode die Inhaltsangabe zu „John Wick“ hörte, erschien sie mir fast schon lächerlich – ein Hund als Auslöser für einen fulminanten Rachefeldzug? Tatsächlich wird diese Prämisse im Film aber glaubhaft verkauft und zeigt zugleich, dass man auf die Geschichte ohnehin nicht viel Wert legen sollte: Dieses Werk lebt von seiner Action, von den Kampfszenen und der beinahe schon comichaften Brutalität. Überhaupt scheint die von Keanu Reeves verkörperte Hauptfigur einer Comicwelt entsprungen zu sein, in der es besondere Orte mit ganz speziellen Regeln gibt. Umso überraschender, dass es sich hierbei um ein Originaldrehbuch handelt.

Die Kampfszenen sind wahrlich famos choreographiert und man erkennt sofort, dass dieser Aspekt den Regisseuren (beides erfahrene Stuntleute) am wichtigsten war. Und was soll ich sagen? Der Film funktioniert als knallharter Actioner im comichaft überzeichneten Gangstermilieu auch wunderbar! Es macht unglaublich viel Freude Keanu Reeves beim Austeilen zu treibenden Elektro-Beats zuzuschauen. Wer braucht da schon viel Handlung? Leider nur wird unser Antiheld bereits als so unbesiegbar angekündigt, dass man als Zuschauer nie am Ausgang des Films zweifelt. Dies nimmt tatsächlich Spannung und hätte geschickter gelöst werden können.

Noch eine Beobachtung am Rande: Alfie Allen spielt nahezu 1:1 seine Rolle als Theon Greyjoy aus „Game of Thrones“ nach, sprich er ist wieder der ungeliebte Sohn, der sich das Wohlwollen seines herrischen Vaters sichern möchte, dabei völlig über das Ziel hinausschießt und letztendlich für seine Taten büßen muss. Michael Nyqvist (Mikael Blomkvis, „Verblendung“) konnte ich als Oberbösewicht leider nicht so richtig ernst nehmen, dafür hat es mich gefreut Willem Dafoe und Adrianne Palicki (Tyra Collette, „Friday Night Lights“) zu sehen. Und der Hauptdarsteller? Keanu Reeves kicks ass!

Alles in allem ist „John Wick“ wunderbare Abendunterhaltung, die für gut 90 Minuten herrlich mitreißt und für grinsende Gesichter sorgt. Am Ende des Films bleibt aber nicht viel im Gedächtnis, was wohl auch der schwachen emotionalen Involvierung und der flachen Figurenzeichnung geschuldet ist. Ich würde empfehlen den Film im Doppel mit „The Raid“ oder „DREDD“ zu schauen – damit dürfte jedes Actionbedürfnis auf Jahre hin befriedigt sein: 7/10 Punkte.

Shameless (US) – Season 3

Die Nachwehen des Umzugs haben dafür gesorgt, dass ich für die Sichtung von „Shameless – Season 3“ unglaubliche fünf Wochen benötigt habe. Für so eine starke Serie mit ohnehin nur 12 Episoden eine wirklich lange Zeit. Vielleicht war es aber auch genau die richtige Art und Weise diese Staffel zu verfolgen, denn an Verrücktheit und teils bitteren Momenten übertrifft sie die vorherigen zwei Jahre noch um Längen. Ob dies positiv zu bewerten ist, lest ihr in der folgenden Besprechung…

shameless-s3

Die Staffel beginnt – und man befindet sich als Zuschauer plötzlich in einem absurden, aber knallharten Gangsterfilm wieder. Gesät wurde dieser Handlungsstrang rund um Jimmy zwar bereits in der zweiten Staffel, doch dass die Ernte so bestimmend für dieses Jahr werden würde, hätte ich niemals erwartet. Die anderen Handlungsstränge beginnen etwas ruhiger, doch ehe man sich versieht, wird man als Zuschauer mit Situationen konfrontiert, die man selbst in zweiter Reihe nicht über sich ergehen lassen möchte. Einen Höhepunkt bildet in der ersten Hälfte der Staffel wohl Franks unglaublich perfider Plan seinen Sohn Carl glauben zu lassen er hätte Krebs, nur um ein paar schnelle Dollar zu machen.

Weiter geht es mit dem Jugendamt, das die Kinder – nach einem anonymen Tipp durch Frank – in Pflegefamilien unterbringt. Erstaunlicherweise gibt es hier ein glückliches Ende für alle Beteiligten, das jedoch auf der Beziehungsebene zwischen den Charakteren noch für einiges an Zündstoff sorgt. In der zweiten Hälfte der Staffel werden die einzelnen Geschichten immer absurder – und doch schaffen es die Autoren den emotionalen Kern, das Beziehungsgeflecht und die starken Familienbande, aufrecht zu erhalten. Unglaublich! Egal ob dem Begriff Leihmutter eine völlig neue Bedeutung gegeben wird, Frank als Galionsfigur für gleichgeschlechtliche Ehe in Erscheinung tritt oder die Dreiecksbeziehung zwischen Karen, Mandy und Lip völlig eskaliert – kaum eine Geschichte endet so, wie man es erwarten würde. Selbst Frank zeigt Anzeichen von Herz und Mitgefühl. Dennoch ist das Finale unerwartet düster und endgültig – und lässt uns nur in der letzten Montage ein wenig Hoffnung schöpfen.

Auch wenn ich es nicht für möglich gehalten hätte, so hat „Shameless“ im dritten Jahr noch einmal an Qualität zugelegt. Der Schmerz der Figuren ist oft unwahrscheinlich unmittelbar und greifbar, was jedoch stets durch perfiden Humor gebrochen wird. Dabei ist die Serie nicht zynisch, sondern erlaubt sich einen oft zärtlichen Blick auf ihre Charaktere. Eine ungewohnte Mischung, die in dieser Form wohl einmalig ist. Ich freue mich jetzt schon auf die vierte Staffel: 9/10 (9.3) Punkte.

Hello Ladies – Season 1 & Hello Ladies: The Movie

In den letzten Monaten hatte ich einige Episoden von der „The Ricky Gervais Show“ verschlungen. Somit sind Ricky Gervais und Stephen Merchant neben Karl Pilkington (zusammen auch in „An Idiot Abroad“ zu sehen) wieder auf meinem Radar aufgetaucht. Merchants kurzlebige HBO-Show „Hello Ladies – Season 1“ war auch die letzte neue Serie, die ich in der alten Wohnung mitten in der heißen Umzugsphase angefangen hatte – und es ist die erste, die im neuen Haus mit „Hello Ladies: The Movie“ ihren Abschluss fand. Schade, dass dieser amüsante Besuch in Los Angeles damit schon wieder vorbei ist…

hello-ladies-s1

Am Anfang hatte ich so meine Schwierigkeiten mit der Serie: Auf der einen Seite wirkt sie sehr wertig produziert, bietet tolle Einstellungen und Kamerafahrten – auf der anderen Seite wirkt der Plot eher wie eine Network-Sitcom als eine HBO-Comedy. Speziell die Konstellation mäßig erfolgreiche Schauspielerin lebt im Gästehaus eines nerdigen Web-Designers schien mir einfach zu abgedroschen. Merchants Figur Stuart Pritchard ist zu Beginn auch nicht wirklich greifbar, er ist zu gemein um wirklich liebenswert zu sein und der Fremdschämfaktor ist wirklich extrem hoch.

Nach den ersten 3-4 Episoden hatte mich die Serie gepackt und ich konnte mich auch an den Eigenheiten der Figuren erfreuen. Leider jedoch hat die Serie nur 8 Episoden, wurde jedoch immerhin mit einem 75-minütigen Film abgeschlossen. Durch diese komprimierte Art der Erzählung hatte ich am Ende eher das Gefühl eine etwas ausführlichere RomCom gesehen zu haben (ähnlich wie bei der kurzlebigen Serie „Bent“) als eine seriell erzählte TV-Serie.

Ihr volles Potential entwickelt „Hello Ladies“ leider erst in der zweiten Hälfte der Staffel. Auf diesem Niveau hätte ich mir gerne noch ein paar weitere Episoden angesehen. Der Film ist zwar ein gelungener Abschluss, doch merkt man, dass die Autoren zielgerichtet auf ein Finale zugesteuert sind und nur noch wenige absurde Situationen ihren Weg ins Drehbuch gefunden haben (die Sexszene ist dafür gar wunderbar witzig erzählt).

Insgesamt hatte ich sehr viel Spaß mit der Serie und mir sind die Figuren trotz des Fremdschämens schnell ans Herz gewachsen. Dennoch kann ich verstehen, dass HBO die Serie abgesetzt hat: Sie sitzt zu sehr in der Nische ohne darin wirklich herausragend zu sein. Speziell Fans von Stephen Merchant sollten sich die Show dennoch nicht entgehen lassen. Ich habe den kurzen Trip nach L.A. auf jeden Fall sehr genossen: 8/10 (7.9) Punkte.

The X-Files – Season 4

Auch wenn wir zurzeit in der heißen Phase der Umzugsvorbereitungen stecken, habe ich es tatsächlich geschafft „The X-Files – Season 4“ zu beenden. Zumindest knapp 45 Minuten Zerstreuung müssen am Ende des Tages einfach drin sein – auch wenn das in letzter Zeit immer seltener klappt. Dieser Eintrag ist auch die letzte Besprechung, die bis zum Umzug online geht – und vermutlich auch für die Zeit direkt danach. Deshalb ist es mir, zwischen unzähligen Umzugskartons sitzend, umso wichtiger euch diese wunderbare Staffel der Kultserie „Akte X“ näherzubringen…

x-files-s4

Vielleicht hängt es tatsächlich mit den äußeren Umständen zusammen, unter denen die Sichtung stattgefunden hat. Meist war die dreiviertel Stunde am Ende des Tages tatsächlich der einzige Zeitraum, in dem ich zwischen Arbeit, Baustelle und Kisten ein wenig zur Ruhe gekommen bin. Fast schon ein Ritual – und dazu passt gerade „The X-Files“ auch ausgesprochen gut, ergibt sich durch den prozeduralen Aufbau auch eine gewisse ritualisierte Erzählstruktur, die uns beständig in diese seltsame Zwischenwelt der paranormalen Phänomene zieht. Der erzählerische Status quo wird in der vierten Staffel der Serie jedoch immer wieder durchbrochen und ich hatte das Gefühl der größeren Mythology-Struktur sowie den Figuren Mulder und Scully wird mehr Aufmerksamkeit abseits des reinen Mystery-of-the-Week geschenkt.

Highlights bietet das vierte Jahr am laufenden Band, so sind mir speziell die selbst heute noch schockierend brutale Episode „Home“, die ungewöhnlich offene „Musings of a Cigarette Smoking Man“, der speziell für Mulder wichtige und verstörende Fall „Paper Hearts“, die ungewöhnliche Scully-Episode „Never Again“ und die unglaubliche komische Verwechslungsgeschichte „Small Potatoes“ im Gedächtnis geblieben. Doch auch die Mythology-Zweiteiler „Tunguska“/“Terma“ und „Tempus Fugit“/“Max“ bieten dicht erzähltes und aufregendes Serienkino. Mit „Sanguinarium“ steht den Highlights nur ein Totalausfall gegenüber und die restlichen Episoden bieten zu großen Teilen wahrlich formidable Mystery-Unterhaltung.

Alles in allem hat mir die vierte Staffel von „Akte X“ unglaublich viel Spaß gemacht – sogar noch mehr als das ohnehin schon famose dritte Jahr. Mich würde es nicht wundern, wenn diese Staffel sich für mich letztendlich als der Höhepunkt der Serie herausstellt. Inzwischen bin ich auch an einem Punkt angekommen, an dem ich nur noch vereinzelt Episoden kenne, denn – soweit ich mich erinnern kann – bin ich damals spätesten nach dem ersten Kinofilm aus der Serie ausgestiegen und hatte die Serie auch direkt davor nicht mehr allzu konsequent verfolgt. Insofern bin ich gespannt, wie sich die kommenden Staffeln für mich entwickeln werden: 9/10 (8.8) Punkte.

Nightcrawler: Jede Nacht hat ihren Preis (2014)

Willkommen bei der wöchentlichen Filmbesprechung auf diesem (ehemaligen) Filmblog. Was für eine Woche – sowohl was die Arbeit als auch was den Hausbau angeht. Aber ich kann mich glücklich schätzen, schließlich könnte ich auch wie Louis Bloom in „Nightcrawler: Jede Nacht hat ihren Preis“ zweifelhaften Tätigkeiten nachgehen müssen. Und das Nacht für Nacht, wie uns der deutsche Untertitel sehr subtil nahe bringt. Was der Kritikerliebling tatsächlich zu bieten hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

nightcrawler-2014

Das nächtliche Los Angeles übt seit jeher anscheinend eine ganz besondere Faszination auf Filmschaffende aus: ob Michael Mann mit „Collateral“, Nicolas Winding Refn mit „Drive“ oder nun eben Dan Gilroy mit „Nightcrawler“ – all diese Filme erzählen Geschichten voller hypnotischer Fahrszenen und eruptiver Gewaltausbrüche mitten in der Stadt der Engel. Stets stehen Einzelgänger im Mittelpunkt, die keinen Platz in unserer Gesellschaft haben. Mit Louis Bloom rückt Gilroy sogar einen waschechten Soziopathen ins Zentrum der Geschichte, mit dem man als Zuschauer nur schwerlich eine Beziehung aufbauen kann. Oberflächlichkeit sowohl in der kritisierten Medienwelt als auch der Figurenzeichnung. Und das ist dem Film nicht einmal groß abträglich, denn „Nightcrawler“ gehört Jake Gyllenhaal. Es ist komplett sein Film. Keine Frage.

Gyllenhaals Leistung ist überragend und obwohl Bloom in jeder einzelnen Szene ein verabscheuungswürdiger Charakter ist, dem Empathie, Moral und Ethik fremd sind, so schafft es der Schauspieler doch, dass wir an Bloom dran bleiben. Anders als bei anderen Soziopathen der Film- und Seriengeschichte, wie z.B. Tony Soprano, denen man in so mancher Szene durchaus noch gewisse Sympathiewerte abringen konnte, betrachtet man Bloom eher aus der Distanz. Dies lässt den gesamten Film, trotz oftmals warmer Bilder und durchaus vorhandener menschlicher Interaktion, bedrückend kalt wirken. Ein Unmensch, der sich in einer Zwischenwelt bewegt.

Die Handlung ist nicht sonderlich komplex, doch wird die Geschichte absolut mitreißend und packend in Szene gesetzt. Medienkritische Aspekte werden nie direkt angesprochen, dafür aber unglaublich plakativ präsentiert. Auch die teils angedeutete Erklärung für Blooms verhalten (Einsamkeit, Internet, TV, Konsum) schien mir ein wenig aufdringlich in so manche Szene geschrieben, was für die Wirkung seines Charakters nicht nötig gewesen wäre – diesen trägt allein der wirklich fantastische Jake Gyllenhaal. Über Bill Paxton habe ich mich übrigens auch gefreut.

Letztendlich ist „Nightcrawler“ tatsächlich ein sehr guter Film, der formal keine Wünsche offen lässt, inhaltlich aber durchaus noch mehr hätte erzählen können. Muss er aber gar nicht, denn auch als düsterer Thriller mit satirischen Untertönen und unerwartetem Humor weiß Dan Gilroys zurecht gelobtes Erstlingswerk zu überzeugen: 8/10 Punkte.

Shameless (US) – Season 2

Es ist unglaublich wie schnell die Sichtung von „Shameless – Season 2“ (weiterhin die US-Fassung) auch schon wieder vorbei ist. Durch den hohen Unterhaltungswert und die Beschränkung auf zwölf qualitativ hochwertige Episoden habe ich den Vorsatz früher ins Bett zu gehen öfter mal ausgesetzt – und war mit der Staffel innerhalb von nur zwei Wochen durch. Es ist aber auch einfach zu verlockend stets noch für eine weitere Episode bei den Gallaghers zu verweilen…

shameless-s2

Zwischen der ersten Staffel und der einsetzenden Handlung der zweiten Staffel scheinen ein paar Monate vergangen zu sein – große Veränderungen gibt es (außer einer anhaltenden Hitzewelle) nicht zu vermelden. Doch schon bald werden nahezu alle Gallaghers von ihrer Vergangenheit eingeholt: Steve sucht wieder Kontakt zu Fiona, Franks Mutter steht plötzlich auf der Türschwelle, Karen hat eine ganz besondere Überraschung für Lip und die kompletten Gallaghers werden von „Hurricane Monica“ (so der unheilvolle Episodentitel) heimgesucht. Mehr als genug Stoff also, um eine Staffel zu füllen, doch tatsächlich ist dies nur die Spitze des Eisbergs – und man wird als Zuschauer auf so manche gefühlsmäßige Achterbahnfahrt mitgenommen. Die bereits bekannte Kombination aus schmerzhaftem Drama und absurder Comedy wird hier oft auf die Spitze getrieben. Turbulent, erschütternd und tatsächlich auch verdammt lustig.

Hat sich die erste Staffel noch stark am englischen Original orientiert, geht die US-Version von „Shameless“ ab der zweiten Staffel eigene Wege. Auch wenn ich die Vorlage nur ausschnittsweise kenne, so merkt man doch dass irgendetwas passiert ist: Die Charaktere wirken noch verrückter, die Dramatik noch schmerzhafter und der Humor ist noch deutlich abgefahrener geworden. Teils ist es ganz schön harter Tobak (z.B. Missbrauch, Inzest, Suizid) mit dem sich die Figuren – und somit auch wir Zuschauer – auseinandersetzen müssen. Die Serie schafft es dennoch dabei erstaunlich unterhaltsam zu bleiben, was man wohl den Drehbuchautoren und den wirklich guten Schauspielern zuschreiben kann.

Qualitativ kann „Shameless“ im zweiten Jahr noch einmal eine Schippe drauflegen. Die Serie wirkt somit (noch) entfesselter, was in so manch völlig absurder Situation gipfelt. Dennoch bleiben die Charaktere innerhalb des Serienuniversums glaubwürdig und man geht mit ihnen durch dick und dünn, was wahrlich nicht immer einfach ist. Das Staffelfinale ist dann wiederum erstaunlich versöhnlich und lässt einem mit einem guten Gefühl zurück. Auch wieder etwas, das ich „Shameless“ nach den vorher angerissenen Erzählsträngen nicht unbedingt zugetraut hätte. Immer wieder sehr überraschend – und das ist komplett positiv gemeint: 9/10 (9.0) Punkte.