Vergessene Welt: Jurassic Park – OT: The Lost World: Jurassic Park (1997)

Aktualisierung: Ich habe „Vergessene Welt: Jurassic Park“ am 29. November 2024 zum ersten Mal mit meinen Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Im Gegensatz zu „Jurassic Park“ nimmt „Vergessene Welt: Jurassic Park“ in meiner persönlichen Filmwelt keinen besonders hohen Stellenwert ein. Dennoch bedeutet mir der Film etwas. Zumindest auf gewisse Art und Weise. Jedes Mal nach Sichtung des ultimtiven ersten Teils habe ich große Lust auf die Fortsetzung – und das obwohl ich genau weiß, dass diese es nicht auch nur annähernd mit ihrem Vorgänger aufnehmen kann. So werde ich schließlich jedes Mal aufs Neue enttäuscht.

Vergessene Welt: Jurassic Park (1997) | © Universal Pictures Germany GmbH

Vergessene Welt: Jurassic Park (1997) | © Universal Pictures Germany GmbH

Genau wie die Buchvorlage beginnt der Film vielversprechend. Die Rahmenbedingungen stimmen zu Beginn noch, doch schon bald vermehren sich die Faktoren, die den Qualitätsmangel offensichtlich machen: Die Charaktere sind teilweise schwach gezeichnet, statt Qualität gibt es Quantität, Actionszenen werden in die Länge gezogen und die Handlungen der Figuren sind teils nicht nachvollziehbar. Trotz dieser offensichtlichen Mängel macht der Film Spaß. Dies ist vor allem der grandiosen Atmosphäre der Insel, sowie deren Bewohner zuzuschreiben.

Auch wenn der Film – im Gegensatz zum ersten Teil – keine monumentalen Szenen für die Filmgeschichte bereithält, so gibt es doch genug zu bestaunen: Die Truckszene ist – zumindest in der ersten Hälfte – verdammt spannend, die Raptorenjagd im hohen Gras ist grandios inszeniert und der Angriff in der Versorgungsstation ist schweißtreibendes Kino – sieht man einmal von den Turnübungen des Mädchens ab. Dazwischen finden sich leider zu viele belanglose, sowie ungewollt komische Szenen. Zwar nicht dramatisch schlecht, aber doch unbefriedigend, wenn man bedenkt hier den Nachfolger des grandiosen Erstlings zu sehen. Der Schluss wirkt zudem leider recht aufgesetzt. Als hätte sich Spielberg einfach einmal austoben wollen. Der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen. Das Ganze ist zwar nett anzusehen und durchaus unterhaltsam, aber wirkt in Bezug auf „Jurassic Park“ eher fehl am Platz.

Bei den Schauspielern hat es mich gefreut Jeff Goldblum wieder an Bord zu haben und auch die kurzen Auftritte von Sir Richard Attenborough, sowie der beiden Kinder aus dem ersten Teil wissen zu gefallen. Julianne Moore und Vince Vaughn sind eine nette Ergänzung, wenngleich letzterer für mich auch nie so richtig ins „Jurassic Park“-Universum passen will.

Fazit

Letztendlich steht „The Lost World“ klar im Schatten seines Vorgängers. Es ist beileibe kein schlechter Film, doch fühle ich mich danach stets etwas unbefriedigt. Ich glaube, besser kann ich es nicht beschreiben. Unbefriedigt. Dennoch habe ich mich inzwischen daran gewöhnt und ich weiß schon jetzt, dass ich mich spätestens nach der nächsten Sichtung des ersten Teils auf das Sequel freuen werde – genauso, wie ich mich im Moment auf den dritten Teil freue: 7/10 Punkte.

Jurassic Park (1993)

Aktualisierung: Ich habe „Jurassic Park“ am 16. November 2024 zum ersten Mal mit meinen Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Es kann auch Vorteile haben, wenn der Compuer den ganzen Abend mit Renderarbeiten beschäftigt ist. Man kommt einmal wieder dazu einen Film zu sehen. Da meine Zeit für solcherlei Späße im Moment sehr begrenzt ist, habe ich zu einem meiner absoluten Lieblingsfilme gegriffen: Steven Spielbergs „Jurassic Park“. Kaum ein anderes popkulturelles Werk hat mich jemals wieder so beeindruckt.

Jurassic Park (1993) | © Universal Pictures Germany GmbH

Jurassic Park (1993) | © Universal Pictures Germany GmbH

Im Alter von 10 oder 11 Jahren blätterte ich eines Nachmittags den STERN meiner Eltern durch. Dort erblickte ich die Besprechung eines Romans, der ein Dinosaurierskelett auf dem Cover hatte: „Dino Park“. Nach dem Überfliegen der Rezension gab es dann kein Halten mehr: Das Buch musste ich haben! Die Geschichte schien der wahrgewordene Traum eines jeden dinosaurierverrückten Jungen zu sein – und sie war es auch. Ich habe die Seiten förmlich verschlungen. Da waren all meine Freunde – vom Tyrannosaurus rex über den Brachiosaurus bis hin zum Triceratops – versammelt. In der spannendsten Geschichte, die ich bis dahin gelesen/gesehen/gehört hatte. Bis heute ist „Jurassic Park“ – bzw. damals eben „Dino Park“ – eines der wenigen Bücher, die ich schon mehrfach gelesen habe – und es ist immer noch verdammt gut!

Kurze Zeit nach dem Roman erfuhr ich von der Verfilmung. Ich kaufte mir nun jede Filmzeitschrift, sammelte jedes Fitzelchen Information und steigerte meine Erwartungen somit ins Unermessliche. Im Jahre 1993 – ich war bereits 12 – war es dann endlich soweit. Ich fuhr mit meiner Mutter nach Nürnberg ins Kino. Noch nie war ich in so einem großen Kino, wie dem Atlantik, das es inzwischen schon lange nicht mehr gibt. Die Reihen füllten sich. Eltern wurden des Kinos verwiesen, da ihre Kinder noch keine 12 waren. Ich jedoch war es. Der Raum wurde dunkel. „Jurassic Park“ erschien auf der Leinwand. Ich hatte zuvor noch nie so eine Gänsehaut, wie bei der Anflugsszene auf die Insel. Nachdem das Licht wieder anging hatte ich für alle Ewigkeiten einen neuen Freund gewonnen: Steven Spielbergs „Jurassic Park“.

Nach unzähligen Sichtungen hat sich gestern wieder die gleiche Magie eingestellt. Ich kann die Dialoge inzwischen mitsprechen, doch sie haben sich noch nicht abgenutzt. Der Spannungsaufbau sucht immer noch seinesgleichen. Der Score ist für mich immer noch einer der besten, die je geschrieben wurden. Gänsehaut. Wirklich. Und das schöne: Man kann ihn auch losgelöst vom Film wunderbar hören. Wie so viele Scores von John Williams. Dann natürlich die Dinosauerier. Für mich die beste Nutzung von Effekten, die ich jemals in einem Film gesehen habe. Durch die Kombination von CGI und Animatronics wird ein Realitätsgrad erreicht, den man vorher noch nicht kannte und der auch danach nur selten erreicht wurde. Einfach perfekt.

Auch als Romanumsetzung funktioniert der Film tadellos: Sicher wurde viel weggelassen, aber der Geist der Geschichte wurde eingefangen. Die Charaktere sind auf der Leinwand lebendig geworden und die Spannung ist ebenso nervenzerfetzend, wie in der Vorlage.

Fazit

„Jurassic Park“ ist für mich der perfekte Unterhaltungsfilm. Steven Spielbergs Meisterstück. Für mich stimmt hier einfach alles. Sicherlich kann ich den Film nicht objektiv betrachten, aber das will ich auch gar nicht. Er ist – und das mag sich nun komisch anhören – wie ein guter, alter Freund: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Shrek der Dritte – OT: Shrek the Third (2007)

Aktualisierung: Ich habe „Shrek der Dritte“ am 17. Februar 2023 zum zweiten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nach einem spontanen Einkaufsbummel habe ich mir gestern Abend noch „Shrek der Dritte“ angesehen. Dank eher verhaltener Kritiken die ideale Wahl für den verbilligten Kinotag, denn dann muss man sich hinterher nicht so ärgern, wenn tatsächlich nur Mist über die Leinwand geflimmert ist. Glücklicherweise habe ich mich – wohl aufgrund der niedrigen Erwartungen – dennoch gut unterhalten gefühlt.

Shrek der Dritte (2007) | © Universal Pictures Germany GmbH

Shrek der Dritte (2007) | © Universal Pictures Germany GmbH

2001 war „Shrek“ eindeutig der Überraschungshit des Jahres, was den Animationsfilm angeht. Teils wurde mit Genrekonventionen gebrochen, es gab außergewöhnliche Charaktere und etliche Filmanspielungen, was auch das Herz des Cineasten erfreut hat. 2004 kam mit „Shrek 2“ eine – meiner Meinung nach – würdige Fortsetzung in die Kinos, die das Märchenuniversum mit neuen Figuren bereichert hat und eine komplexere Handlung zu erzählen wusste. Was bringt uns nun „Shrek der Dritte“ im Jahre 2007?

Leider einen großen Rückschritt. Die Figuren sind die gleichen, auch die märchenhafte Atmosphäre ist wieder einmal sehr gelungen und doch fehlt etwas: Eine interessante Geschichte. Die Reise von A nach B und wieder zurück hatten wir schon im ersten Teil. Sicher passieren allerlei lustige Dinge, doch was die Rahmenhandlung angeht ist der dritte Aufguss des grünen Ogers wirklich schwach. Zudem gibt es zwei neue Charaktere: Merlin und Artie. Kann erster noch mit schrulligem Auftreten und grandios amüsantem Design (man beachte die Socken in den Biosandalen) überzeugen, ist Artie leider die nervige Kinderfigur, wie man sie bereits aus unzähligen Realfilmen kennt. Unnötig moralisch belehrend und überhaupt nicht komisch.

Nach viel Kritik nun ein paar positive Dinge: Der Humor kann immer noch überzeugen. Ich mag diese Märchenwelt. Wirklich. Ich mag auch den Soundtrack und die dazugehörigen Montagen. Das passt einfach. Am meisten jedoch mag ich das tolle Design, die Lichtgebung und die grandiose Animation. Ich kann mich hier häufig – wie bei den meisten Animationsfilmen – nicht satt sehen. Technisch ist der Film wirklich rundum gelungen.

Fazit

„Shrek der Dritte“ ist deutlich schlechter als seine Vorgänger. Ich habe mich dennoch über die gesamte Laufzeit gut unterhalten gefühlt, wenngleich ich mir der Schwächen durchaus bewusst bin. Vergeben werde ich deshalb 7/10 Punkte. Filmliebhaber, die nicht so vernarrt in Animationsfilme sind, dürfen gerne noch ein bis zwei Punkte abziehen.

Die wilden Hühner (2006)

Aktualisierung: Ich habe „Die wilden Hühner“ am 26. September 2020 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Schon wieder ein Kinder- bzw. Jugendfilm. Dieses Mal auf den Wunsch meiner besseren Hälfte, die sich einmal informieren wollte, was denn dran ist an „Die wilden Hühner“. Einem Film, nach dem alle Mädchen aus ihrer Klasse verrückt sind. Zu behaupten, ich hätte mich meinem Schicksal ergeben, wäre maßlos übertrieben – zumal normalerweise Frau bullion mit meinem Filmgeschmack leben muss. Abgesehen davon ist mir Cornelia Funke, die Autorin der Vorlage, durchaus ein Begriff. Im positiven Sinne.

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„Die wilden Hühner“ sind eine Mädchenbande. Sie haben Mädchenabenteuer. Mädchenträume. Mädchenprobleme. Der Film ist glasklar auf die Zielguppe der weiblichen, unter 15jährigen ausgerichtet. Das heißt nicht, dass man nicht auch als Erwachsener Spaß daran haben könnte. Es gibt keine Totalausfälle, die Geschichte ist recht unterhaltsam und die Darsteller sympathisch. Selbst Veronica Ferres – und das mag etwas heißen.

Leider gibt es keine wirklichen dramaturgischen Höhepunkte. Die Geschichte bleibt furchtbar vorhersehbar und trotz aller Sympathien für die Darsteller, sind die Leistungen der Kinder etwas durchwachsen. Zudem bleibt es ein Mädchenfilm. Zwar nett inszeniert und nett anzusehen, aber eben nicht mehr als nett. Zumindest für mich. Ich kann allerdings durchaus nachvollziehen, was Mädchen im Grundschulalter daran finden. Und das gibt mir Hoffnung für die Jugend. Solche Vorbilder sind im Zeitalter von Paris Hilton, Pokémon und Co. doch nicht das Schlechteste.

Für die Zielgruppe auf jeden Fall empfehlenswert. Für den Rest: Tut nicht weh. Wenn euch eure Töchter/Nichten/Schwestern also ins Kino zerren, könnt ihr euren Widerstand in Grenzen halten: 6/10 Punkte.

Stand by Me: Das Geheimnis eines Sommers (1986)

Eine aktualisierte Besprechung des Films habe ich am 7. Mai 2016 veröffentlicht.

Neben „Die Goonies“ und „The Lost Boys“ ist Rob Reiners „Stand by Me: Das Geheimnis eines Sommers“ eindeutig mein liebster Jugendfilm. Im Gegensatz zu den anderen beiden Werken ist er am reifesten und behandelt auch ernste Themen. Innerhalb dieses Genres wäre er wohl das Drama. „Die Goonies“ würden für den Abenteuerfilm stehen und „The Lost Boys“ für Horror und Grusel. Eines haben jedoch all diese Filme gemeinsam: Sie zeigen eines der letzten großen Abenteuer vor dem Erwachsenwerden.

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Rob Reiner erzählt die Geschichte von Steven King in unglaublich ruhigen und oft ergreifenden Bildern. Man fühlt sich zwangsläufig an seine eigene Jugend erinnert. An Abenteuer. An unbeschwerte Freundschaften. Ohne Egoismus und dem Verfolgen irgendwelcher Ziele. Die unbeschwerte Naivität der Kindheit. Auch wenn die Geschichte im Jahr 1959 spielt, so gibt es – auch für meine Generation – ausreichend Berührungspunkte, um die Melancholie zu spüren, die in jeder Szene in der Luft liegt.

Eine besondere Tragik erhält der Film durch den frühen Tod von River Phoenix. Seine Figur (Chris Chambers) sagt in einer Szene über einen seiner Freunde, dass dieser seinen 20. Geburtstag – aufgrund seines Lebenstils – wohl nicht mehr erleben werde. River Phoenix wurde gerade einmal 23. Ich werde mich immer an seine fantastische Leistung in „Stand by Me“ erinnern. Doch auch Wil Wheaton („Star Trek: The Next Generation“), Jerry O’Connell („Crossing Jordan“) und – wie immer in diesen Filmen – Corey Feldman („Die Goonies“, „The Lost Boys“, „Gremlins“) leisten für ihr Alter fantastische Arbeit. Auch darf man Kiefer Sutherland („The Lost Boys“, „24“) nicht vergessen, der einen herrlichen Fiesling abgibt.

Ich könnt hier noch viel schreiben. Letztendlich ist mit einem Satz alles gesagt: „Stand by Me“ ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Er wird es auch immer bleiben. Ganz, ganz großes Kino: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Die Zeitmaschine – OT: The Time Machine (1960)

Wie nach der Sichtung der Neufassung angekündigt, habe ich mir zum Vergleich noch einmal George Pals „Die Zeitmaschine“ angesehen. Diese gestrige Sichtung werde ich wohl noch länger in Erinnerung behalten, da sich zu den stroboskobartigen Effekten der Zeitreise die stroboskobartigen Effekte eines Gewitters gesellt hatten. Film in der dritten Dimension sozusagen. Wer braucht da schon ein 3D-Kino?

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Natürlich sind mir bei der gestrigen Sichtung besonders die Unterschiede zur Version von Simon Wells aufgefallen – und derer gibt es gar viele. Interessant fand ich, dass die Qualitätskurve der beiden Filme nahezu gleich ist – wenn auch auf gänzlich unterschiedlichem Niveau. Auch bei George Pal konnten mich besonders die Szenen vor dem Auftauchen der Morlocks mitreißen. Die Einleitung ist grandios erzählt und die Zeitreisen gefallen mir – trotz veralteter Tricktechnik – noch um einiges besser als in der 2002er Version. Der Kampf in der Höhle ist meiner Meinung nach auch hier der schwächste Teil des Films, wenngleich er auch nie den qualitativen Abgründen des Remakes nahe kommt. Zusammenfassend kann man sagen, dass Pals Adaption die von H.G. Wells Urgroßenkel in jeder Hinsicht meilenweit schlägt.

Der größte Unterschied der beiden Filme zeigt sich in der Motivation des Zeitreisenden: Hat er bei Simon Wells rein persönliche Gründe, so sucht er bei George Pal gerade einmal nach einer Lösung für die Probleme der Menschheit. Dadurch bekommt der Film eine ganz andere Tragweite. Eigentlich sollte man meinen, dass man sich mit dem pesönlichen Verlust von Alexander Hartdegen (2002)  eher identifizieren könnte, als mit dem wissenschaftlichen Ehrgeiz von George (1960) – doch mitnichten. Durch die Erzählstruktur mit umschließender Klammer und das daraus resultierende Voice-over ist man viel näher mit dem Zeitreisenden verbunden und kann seine Motivation besser nachvollziehen.

Es gibt unzählige weitere Beispiele, warum die 1960er Fassung der von 2002 überlegen ist. Um nur ein paar zu nennen: Die Masken der Morlocks, die Darstellung der Eloi, das komplexere Verhältnis von Eloi und Morlock etc. Man sieht, wer als deutlicher Gewinner aus diesem Rennen geht. Im Nachhinein müsste ich die Neufassung wohl auch abwerten.

Auch für sich betrachtet kann „Die Zeitmaschine“ heute noch in allen belangen überzeugen. Eine fantastische Ausstattung trifft auf den Sci-Fi-Charme der 60er Jahre. Wer sich auch nur etwas für den phantastischen Film interessiert, sollte George Pals Version der H.G. Wells-Geschichte zum Pflichtprogramm zählen: 9/10 Punkte.

Rollerball (1975)

Neben „Logan’s Run“, „Soylent Green“ und „THX 1138“ ist Norman Jewisons „Rollerball“ einer der großen Sci-Fi-Filme der 70er Jahre. Er thematisiert ähnliche Themen, wie seine Brüder im Geiste und ist doch anders. Sehr actionbetont. Ein Sportfilm. Dennoch wird auch hier die Luft einer bevorstehenden Revolution geatmet. Die Zeit des Umbruchs ist gekommen.

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„Rollerball“ lebt eindeutig von Hauptdarsteller James Caan und den Actionsequenzen. Diese sind wahrlich atemberaubend inszeniert. Man ist als Zuschauer live beim Spiel dabei. Dies liegt vermutlich auch daran, dass die Regeln recht transparent in die Filmhandlung eingebaut worden sind. Das Spiel ist absolut glaubwürdig. Teilweise sogar erschreckend glaubwürdig. Brot und Spiele in Perfektion.

So gelungen auch die Spielszenen sind, so hätte ich mir doch etwas mehr Hintergrundinformationen über die Corporations gewünscht. Ich denke ein Informationsvorsprung des Zuschauers gegenüber den Figuren hätte der Geschichte nicht geschadet. So tappt man etwas im Dunkeln. Man kann die Motivation von Jonothan E. (James Caan) zwar nachvollziehen, doch eher auf der persönlichen Ebene. Hier wäre etwas mehr kritischer Unterbau nötig gewesen.

Inszenatorisch reißen natürlich besonders die „Rollerball“-Szenen mit. Diese sind auch – für die damalige Zeit – famos in Szene gesetzt und rasant geschnitten. Etwas gestört habe ich mich an den vielen Zooms, die heute einfach etwas unfilmisch wirken. Schauspiel und der klassische Score sind auf hohem Niveau und passen perfekt zur Geschichte.

„Rollerball“ ist sicherlich nicht die beste der düsteren 70er Jahre Utopien, doch kann der Film auch heute noch mitreißen und unterhalten. Dank der tollen Spielszenen und der interessanten – aber ausbaufähigen – Rahmenhandlung, kann ich guten Gewissens immer noch 8/10 Punkte vergeben. Das Remake von John McTiernan soll dagegen ja nicht so gelungen sein.

Der falsche Mann – OT: The Wrong Man (1956)

Gestern Abend habe ich mit „Der falsche Mann“ wohl einen der untypischsten Filme Hitchcocks gesehen. Bei der Sichtung wurde mir wieder einmal klar, dass ich viel öfter in die Zeit vor 1970 eintauchen sollte. Ich weiß auch nicht, warum mich das Überwindung kostet, sind doch die Klassiker – und ganz besonders wenn Hitchcock im Spiel ist – mindestens ebenso unterhaltsam, wie jüngere Werke.

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Ich habe bereits erwähnt, dass „Der falsche Mann“ ein untypischer Film für Hitchcock ist. Diese Erkenntnis ist nun auch nicht besonders herausragend, da doch der Meister zu Beginn des Films höchstpersönlich auf diesen Umstand hinweist und herausstellt, dass es sich hierbei um eine Geschichte nach einer wahren Begebenheit handelt. Dies sollte man als Zuschauer auch stets im Hinterkopf haben.

Wie so oft bei Hitchcock steht ein Jedermann im Mittelpunkt. Ein Mensch wie du und ich. In diesem Fall ist es Christopher Emmanuel ‚Manny‘ Balestrero, ein Musiker, der in eine bedrohliche Situation gerät. Soweit noch typisch Hitchcock. Auch die Inszenierung erinnert an seine bisherigen Filme. Nur ist alles einen Tick realistischer. Der unterschwellige Humor fehlt komplett und es liegt eine Dunkelheit über dem Werk, der nicht nur Mrs. Baletrero erliegt.

Das Ende ist schließlich so deprimierend, wie ich es schon lange nicht mehr erlebt habe. Die abschließenden Texttafeln wirken hier beinahe etwas aufgesetzt. Fehl am Platz. Unwirklich. Sie drehen das Gewohnte ins Gegenteil um: Normalerweise sieht man bei Geschichten, die auf einer wahren Begebenheit basieren eine glückliche Endszene, der eine Texttafel folgt, wann sich Charaktere getrennt haben, gestorben sind o.ä. Die Geschichte der Menschen endet meist tragisch, der Zuschauer wird doch in einem glücklichen Moment aus dem Film entlassen. Hitchcock dagegen lässt noch einmal die gesamte Tragik der Verwechslung auf den Zuschauer einprasseln.

Kritikpunkte habe ich eigentlich keine. „Der falsche Mann“ ist grandios inszeniert, hat ein fantastisches Produktionsdesign und perfekte Schauspieler. Allen voran Henry Fonda, wenngleich Vera Miles gegen Ende alles versucht ihm die Show zu stehlen. Mir persönlich sind – trotz besonderer formaler Reife dieses Werks – die klassischen Hitchcock-Filme lieber. Filme, wie „Vertigo“, „Rope“ oder auch „Die Vögel“ und „Psycho“. Bei der gestrigen Sichtung hatte ich stets auf einen Twist gewartet, auf eine Überraschung, auf diese großartige Suspense. Doch Hitchcock hat mir ja eigentlich schon zu Beginn erzählt, was ich zu erwarten hatte: Eine perfekte Nacherzählung eines tragischen Kriminalfalls – und als diese funktioniert „Der falsche Mann“ wirklich großartig.

Auf jeden Fall habe ich mir nun vorgenommen in Zukunft öfter mal in die Vergangenheit zu reisen. Es lohnt sich: 8/10 Punkte.

Space Cowboys

Clint Eastwood habe ich eine lange, lange Zeit überhaupt nicht als Regisseur wahrgenommen. Eher untypisch für mich und höchste Zeit Versäumtes nachzuholen. Den Anfang macht „Space Cowboys“, der schon länger auf meiner To-See-Liste steht und der durch die letzte Weltbild-Aktion endlich in greifbare Nähe gerückt ist. Spoiler voraus!

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Der Film teilt sich grob in zwei Häften: Eine ruhige, humorvolle erste und eine eher actiongeladene, dramatische zweite. Mit dieser Zweiteilung verändert sich meines Empfindens nach auch die Qualität des Films. Die erste Stunde fand ich wirklich famos. Eine wunderbare Einführung der Figuren, ein gelungener Spannungsaufbau und mit viel stillem Humor, der einen augenzwinkernden Blick auf das Alter wirft.

Ab dem Bekanntwerden von Hawks Krankheit nimmt der dramatische Anteil zu. Der russische Kommunikationssatellit entpuppt sich als waffenstarrendes Relikt des kalten Kriegs, der mitfliegende Jungspund löst eine Katastrophe aus, in deren Folge sich Hawk für sein Team opfert. All das hat man meiner Meinung nach schon tausend Mal gesehen und mir sind diese Plotelemente beinahe etwas fehl am Platz vorgekommen. Musste es wirklich ein gefährlicher Militärsatellit sein? Hätten die Jungs mit normalen Problemen da oben nicht schon genug zu tun gehabt?

Der Film lebt eindeutig von seinen Schauspielern. Das Altherrenquartett spielt schön selbstironisch und gibt seine Figuren dennoch nie der Lächerlichkeit Preis. Das hat mir wirklich imponiert. Was mir ansonsten von der Besetzung noch ins Auge gesprungen ist: Es spielt die halbe „24“-Besetzung der aktuellen Staffel mit! In einem Raum befinden sich plötzlich Jack Bauers Serienvater (James Cromwell), Secretary Heller (William Devane) und unser allseits beliebter Lieblingsrusse Dmitri Gredenko (Rade Serbedzija). Doch damit nicht genug: Auch Donald Sutherland ist anwesend. Als dann die USA plötzlich von sechs Atomraketen bedroht werden, fehlt nur noch Jack Bauer. Ein wahres Fest für den Film-/Seriengeek.

„Space Cowboys“ hat mir viel Spaß bereitet. Besonders Eastwoods ruhige und besonnene Art der Inszenierung ist mir sehr positiv aufgefallen. Leider werden in der zweiten Filmhälfte zu viele bereits bekannte Elemente aufgewärmt und die Stärken der ersten Hälfte etwas vernachlässigt. Trotz der Fehler wirklich gute Unterhaltung: 7/10 Punkte.

Flucht ins 23. Jahrhundert – OT: Logan’s Run (1976)

Durch einen Hinweis der fernseherin bin ich seit langem einmal wieder in den Genuss von „Flucht ins 23. Jahrundert“ (OT: „Logan’s Run“) gekommen. Dieser Film reiht sich nahtlos bei Klassikern wie „Soylent Green“, „THX 1138“ oder „Rollerball“ ein. Diese Sci-Fi-Filme der 70er Jahre bestechen durch eine ganz besondere Atmosphäre und gehören für mich auch heute noch zu den besten Erzeugnissen dieses Genres.

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Die Geschichte um Logan 5 weiß von Anfang an zu fesseln. Man wird als Zuschauer mit den Regeln dieser Gesellschaft vertraut gemacht und ist ihnen im weiteren Verlauf der Geschichte – durch die Augen von Logan – auch ausgesetzt. Die Kuppelwelt ist fantastisch gestaltet und man bekommt Ansichten aus jeder möglichen Perspektive zu sehen. Sicher mag manches heute etwas lächerlich erscheinen, doch für 1976 sind die Effekte wirklich grandios. Mich hat zudem keine Effektszene aus dem Film herausgerissen, was für mich stets der wichtigste Indikator für die Qualität der verwendeten Modelle und Techniken ist.

Der Verlauf der Handlung bleibt stets interessant. Durch den Schauplatzwechsel im dritten Akt kommt ein weiteres Element hinzu, das mich in der Wirkung etwas an „Der Planet der Affen“ erinnert hat. Dem Zuschauer bekanntes wird in einem den Figuren unbekannten Kontext gezeigt. Meiner Meinung nach äußerst gelungen. Auch die Charakterentwicklung von Logan und Jessica bleibt einigermaßen glaubwürdig. Alleine das Ende der Geschichte scheint mir etwas zu platt und zu sehr auf heile Welt ausgelegt.

„Logan’s Run“ zählt auch heute noch zu den interessantesten Filmen seines Genres. Zwar teils etwas angestaubt und dramaturgisch nicht immer gelungen, kann er nach wie vor ausgezeichnet unterhalten. Ich denke jedoch, dass eine neue Adaption der Vorlage in den richtigen Händen wirklich das Zeug dazu hat, dem Original neue Seiten abzugewinnen. Ich bin gespannt. Michael Yorks Logan wird auf jeden Fall stets das Original bleiben: 8/10 Punkte.