Premium Rush (2012)

Heute Abend fiel die Wahl auf einen Film, dessen Setting allein interessant genug klang, um mich zum Reinschauen zu bewegen. David Koepps „Premium Rush“ spielt im Milieu von New Yorker Fahrradkurieren – und das dürfte bisher wohl einzigartig sein. Leider kann man dies heute nur noch selten behaupten und so war ich gespannt, was der Film neben seinem außergewöhnlichen Setting sonst noch zu bieten hat…

premium_rush

Zunächst einmal hat mich der gesamte Film seltsamerweise an eine Luc Besson-Produktion erinnert. Die Art die Geschichte zu erzählen, die kompakte Handlung, die teils überzeichneten Bösewichte, die CGI-Effekte – all dies erinnert an die neueren Actionfilme des Franzosen. Doch es steckt nicht Luc Besson hinter „Premium Rush“, sondern David Koepp, der sich seinerseits – zumindest gefühlt – für alle Drehbücher der erfolgreichsten Blockbuster der letzten 20 Jahre verantwortlich zeichnet: „Jurassic Park“, „Mission: Impossible“, „Spider-Man“, „Illuminati“ usw.

Der Film ist von der ersten Sekunde an mitreißend und auf Action ausgelegt. Fahrradkurier Wilee (toll gespielt von Joseph Gordon-Levitt) muss einen kritischen Brief von A nach B bringen und wird dabei von einem zwielichtigen Polizisten (Michael Shannon) verfolgt. Viel mehr gibt es zur Handlung eigentlich nicht zu sagen, auch wenn diese ideenreich in verschiedenen Zeitebenen erzählt wird. Alles dazwischen ist eine einzige Verfolgungsjagd, die – ein paar zu offensichtliche CGI-Seqzenzen einmal ausgenommen – wirklich atemberaubend inszeniert ist.

Leider jedoch gibt in der Geschichte selbst zu viele Ungereimtheiten, die verhindern, dass „Premium Rush“ für mehr als einfache Unterhaltung wahrgenommen werden könnte. Auch die Atmosphäre des Films schwankt ein wenig unentschlossen zwischen Actionkomödie (z.B. alle Szenen mit dem Fahrradpolizisten) und fast schon verstörendem Gangsterfilm (z.B. diverse Szenen mit Michael Shannon). Auch der eigentliche Auslöser für die Kurierfahrt schien mir ein wenig weit hergeholt.

Die 90 Minuten des Films verfliegen nur so und für eine einmalige Sichtung kann ich den Film nur jedem ans Herz legen. Zudem ist es wirklich erfrischend, Verfolgungsjagden mit Fahrrädern und nicht mit hochgezüchteten Autos zu sehen. Ein perfekter Feierabendfilm, auch am Wochenende: 7/10 Punkte.

Gravity (2013)

Aktualisierung: Ich habe „Gravity“ am 20. Dezember 2014 und am 27. September 2024 erneut gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Als ich heute nach dem Kino nach Hause kaum, hielt ich erst einmal inne und blickte in den Sternenhimmel. Schön, faszinierend und – wie ich seit ein paar Stunden weiß – ziemlich tödlich. Auch wenn ich es schon fast nicht mehr für möglich gehalten hatte, habe ich tatsächlich noch „Gravity“ gesehen. Und da es sich erst um meinen zweiten Kinobesuch in diesem Jahr handelte, gönnte ich mir gleich die ganz große Leinwand, sprich IMAX 3D. Ein würdiger Rahmen für Alfonso Cuaróns jüngsten Geniestreich.

Gravity (2013) | © Warner Bros (Universal Pictures Germany GmbH)

Gravity (2013) | © Warner Bros (Universal Pictures Germany GmbH)

Man kann sich dem Hype um den Film kaum entziehen – und dennoch ist es mir irgendwie gelungen, nicht einmal den Trailer zu sehen. Dafür haben etliche Blogeinträge und Podcasts die Erwartungen schier ins Unermessliche getrieben, was immer ein wenig gefährlich ist. Besonders die Aufregung um den 3D-Effekt machte mich neugierig, denn bis auf „Avatar“ und insbesondere „Prometheus“ ist 3D für mich eher ein nerviges Gimmick, das man eben aufgezwungen bekommt. Bereits bei den vorgeschalteten Trailern hatte ich eigentlich schon wieder genug davon: irrwitzige Schlachtszenen, Schnittgewitter und Effekteinlagen. Wie sollen meine verbrauchten Augen da bitte mitkommen?

Dann jedoch kamen die ersten Bilder der Erde und der unendlichen Weite des Alls. Minutenlange Kamerafahrten ohne Schnitt ermöglichten ein Aufsaugen und Erkunden der Bilder. Fantastisch. Die oft heraufbeschworene Immersion war wohl noch nie so stark, wie bei diesem Ausflug in das lebensfeindliche Nichts. Umso erstaunlicher, dass „Gravity“ nicht mit nativen 3D-Kameras gedreht wurde, sondern es sich um konvertierte 2D-Aufnahmen handelt. Ich vermute jedoch stark, dass der Film – die Schauspieler einmal ausgenommen – nahezu komplett aus dem Rechner stammt, was die exzellente 3D-Wirkung erklären dürfte. Endlich hat jemand den sinnvollen Einsatz von 3D bzw. das Zusammenspiel von 3D und Handlung verstanden.

Neben den wahrlich atemberaubenden audiovisuellen Eindrücken, ist auch die Handlung des Films äußerst mitreißend. Die nahezu komplette Konzentration auf Sandra Bullocks Charakter Dr. Ryan Stone, lässt uns ihren Überlebenskampf hautnah miterleben. Aufgrund der kurzen Laufzeit von knapp 90 Minuten kommt zu keiner Sekunde Langeweile auf – und auch wenn sich gewisse Elemente wiederholen, so bleibt man stets bei Dr. Stone und kämpft mit ihr. Einzig gewisse Monolog- bzw. Dialogszenen wirken ein wenig aufgesetzt, wofür ich aber eher die Synchonfassung verantwortlich mache. Die Geburtssymbolik mag ein wenig plakativ wirken, fügt sich jedoch sinnig in die Geschichte ein und beschert den Zuschauern am Ende wohl den kathartischen Moment des Kinojahres 2013.

Fazit

Ich bin wahrlich begeistert, was Alfonso Cuarón nach dem ohnehin schon großartigen „Children of Men“ erneut erreicht hat. Auch wenn die Geschichte nicht vor Originalität strotzt, so ist ihre konsequente Umsetzung doch erfrischend. Von audiovisueller bzw. technischer Seite müssen sich Filme in Zukunft sowieso an „Gravity“ messen lassen: großes Kino. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich bin nun gespannt, ob eine Zweitsichtung (dann wohl in 2D auf dem heimischen TV) dem Erlebnis stark abträglich ist, oder ob die Originaltonspur noch das letzte Quentchen aus dem Erlebnis herauskitzeln kann: 9/10 Punkte.

Eine Frage der Ehre – OT: A Few Good Men (1992)

Nachdem mein Tag heute, wie so viele zuvor, bereits um 5 Uhr begonnen hatte, sah es für einen Filmabend schlecht aus. Doch welcher Filmfreund lässt sich schon von Müdigkeit einschüchtern? Also vor das Filmregal gestellt und mutig den 138-minütigen „Eine Frage der Ehre“ gezückt, da ich diese Bildungslücke ohnehin schon viel zu lange mit mir herumtrage – und außerdem ist bei einem Drehbuch von Aaron Sorkin natürlich nicht an Schlaf zu denken…

eine_frage_der_ehre

Um es kurz zu machen: Ich bin nicht eingeschlafen. Auch wenn das weiche Sofa teils sehr verlockend war, so hat mich der Film wach gehalten. Völlig ohne Widerstand. Am Ende konnte ich kaum glauben, dass der Film bereits vorbei sein soll. Den Klassikerstatus hat sich „A Few Good Men“ auf jeden Fall verdient. Aaron Sorkins (u.a. „The West Wing“ und „The Social Network“) Drehbuch ist abermals famos, was speziell in den mitreißenden Gerichtsszenen zum Tragen kommt. Besonders Jack Nicholsons finaler Monolog ist ein wahrer Ohrenschmaus und nicht umsonst in die Kinogeschichte eingegangen: ‚You can’t handle the truth!‘

Rob Reiner hat den Film herrlich unaufgeregt inszeniert, ohne dabei in zu statische Bilder zu verfallen, wie man es bei einer Bühnenadaption eventuell befürchten könnte. Dennoch lebt der Film vor allem von seinen starken Schauspielern: Der 1992er Tom Cruise ist wie geschaffen für die Rolle des hitzköpfigen Navy-Anwalts Daniel Kaffee, an dessen Seite auch Demi Moore eine wahrlich gute Figur macht – zumal hier auf eine klischeehafte Liebesgeschichte verzichtet wird. Die besten Auftritte durfte jedoch Jack Nicholson für sich verbuchen, der Colonel Jessup – für ihn untypisch – wunderbar zurückhaltend und kontrolliert agieren lässt, zumindest bis zum großen Finale. In den Nebenrollen geben zudem Kiefer Sutherland, Kevin Bacon usw. ihr Stelldichein.

Auch wenn die Handlung des Films nicht mit großen Überraschungen aufwarten kann, so bleibt „Eine Frage der Ehre“ stets spannend und vor allem unterhaltsam. Besonders macht es Spaß zu sehen, wie es Lieutenant Kaffee letztendlich gelingt sein Ziel zu erreichen. Rob Reiners Film ist somit alles andere als ein trockenes Anwaltsdrama, sondern bestes 90er Jahre Kino, das jeder Filmfreund zumindest einmal gesehen haben sollte: 9/10 Punkte.

Looper (2012)

Bereits der zweite Film an diesem Wochenende. Der September könnte sich somit also durchaus zu einem filmreicheren Monat entwickeln, als der August. Heute stand mit Rian Johnsons „Looper“ einmal wieder ein astreiner Genrefilm auf dem Programm, der zudem das von mir geliebte Sujet der Zeitreise aufgreift. Doch ist das auch wirklich der Kern des Films? Leichte Spoiler sind zu erwarten.

looper_1

Ich hatte im Vorfeld bereits einiges über „Looper“ gelesen, dennoch habe ich versucht größere Spoiler zu vermeiden – und dies ist mir glücklicherweise auch gelungen. Selbst der Trailer bildet nur ca. die erste Hälfte des Films ab, erklärt die grobe Prämisse und rückt mit Joseph Gordon-Levitt und Bruce Willis die Attraktion des Sci-Fi-Thrillers in den Vordergrund: beide Schauspieler verkörpern ein und denselben Charakter. Wohin sich der Film in seiner zweiten Hälfte entwickelt, hätte ich jedoch nie vermutet und war vielleicht auch deshalb so angetan.

Von Beginn an fällt auf, wieviel Zeit und Details darauf verwendet werden, die dargestellte Zukunftswelt zu beschreiben. Dabei ist alles, inklusive der Zeitreisen, eigentlich nur Setting für eine Geschichte über Vorbestimmung, moralische Entscheidungen und Schicksal. Das Konzept der sich schließen müssenden Loops hat mir wirklich ausgezeichnet gefallen, wenngleich hier – Zeitreisefilm eben – Logiklöchern Tür und Tor geöffnet wird. Dies umgeht der Film aber geschickt, indem er exakt diese Problematik einen der Hauptcharaktere bewusst formulieren lässt: ‚I don’t want to talk about time travel because if we start talking about it then we’re going to be here all day talking about it, making diagrams with straws.‘

Die Entwicklung der Geschichte im zweiten Teil des Films fand ich tatsächlich unerwartet und spannend. Hier wurde ich öfter an die Handlung eines anderen, nicht unbekannten Sci-Fi-Films erinnert: James Camerons „The Terminator“. Emily Blunts Charakter heißt vielleicht nicht von ungefähr Sara und ihre Rolle hat mich mehr als einmal an Linda Hamiltons ikonische Mutterfigur denken lassen. Das Finale an sich war relativ unspektakulär, doch inhaltlich schlüssig und hat den Film zu einem konsequenten Ende verholfen.

Neben der schön aufgebauten Geschichte ist natürlich Joseph Gordon-Levitts Transformation erwähnenswert, die oft tatsächlich an einen jungen Bruce Willis erinnert. Sehr schön gelöst. Nach „Brick“ nun also schon der zweite gelungene Genrefilm des Regisseurs. In dieser Richtung würde ich gerne mehr von ihm sehen: 8/10 Punkte.

Zero Dark Thirty (2012)

Als ich las, dass die Jagd nach Osama bin Laden filmisch aufbereitet werden sollte, war ich zunächst skeptisch. Als sich jedoch Katheryn Bigelow als Regisseurin entpuppte, wusste ich dass sie die richtige Frau für den Job ist. Mit „The Hurt Locker“ hatte sie bereits ein Händchen für militärische Stoffe bewiesen und ich war gespannt, inwiefern sie mit „Zero Dark Thirty“ an den 2010er Oscar-Gewinner anknüpfen konnte. Ein erneuter Erfolg oder ein Schlag ins Wasser?

zero_dark_thirty_4

„Zero Dark Thirty“ ist anstrengend. Keine Spur von Hurra-Patriotismus oder überstilisierter Militäraction. Wie bereits in „The Hurt Locker“ wählt Bigelow einen eher dokumentarischen Ansatz. In diesem Fall bezieht sich das jedoch nicht nur auf die unmittelbare Inszenierung, sondern vor allem auf die Geschichte. Fragmentarisch wird ein Zeitraum von beinahe 10 Jahren abgedeckt, in dem uns als Zuschauer nur Brocken vorgeworfen werden. Die Jagd nach dem al-Qaida-Führer ist alles andere als unterhaltsam, sondern oft harte, trockene und zermürbende Ermittlungsarbeit. Es dauert Jahre, bis erste Erfolge zu verzeichnen sind – und der Weg bis dahin ist hart und steinig.

Ich war erstaunt, wie nüchtern der Film manche Szenen präsentiert. Folterszenen – selbst das berüchtigte Waterboarding – werden knallhart gezeigt, doch nimmt der Film dazu keine Position ein. Ist es eine effektive Methode um an Informationen zu kommen? Es bleiben nur Vermutungen und die anfängliche Abscheu der Protagonistin. Eine Legitimisierung oder gar Verherrlichung der Folter – wie teils zu lesen war – konnte ich beim besten Willen nicht erkennen. Ebenso überrascht war ich vom finalen Militäreinsatz. Kein Actiongewitter, sondern ein beinahe schon emotionsloses Gemetzel, das bei mir ein unglaublich beklemmendes Gefühl hervorrief. Keine Helden. Kein Gejubel. Nur der nüchtern ausgeführte Auftrag.

Am Ende bleibt nur CIA-Agentin Maya, die – nun gelöst von ihrer Mission – kein Ziel mehr vor Augen hat. Man kennt das ja selbst, wenn man nach einem größeren Projekt in ein Loch fällt. Wie muss das erst nach einer 10-jährigen Mission dieses Ausmaßes sein? Auswirkungen der Aktion auf die Welt der Terrorbekämpfung spricht der Film nicht an. Man kann die Ereignisse nun als bedeutungslos und Ressourcen verschlingend deuten, oder als wichtigen Teilsieg gegen den Terror. Auch hier überlässt der Film dem Zuschauer die Deutung. Er stellt somit in erster Linie ein inszeniertes Zeitdokument dar, das weit weniger Potential zu polarisieren birgt, als ich dies zu Beginn erwartet hätte.

Auch mit „Zero Dark Thirty“ ist Kathryn Bigelow ein mitreißender Film gelungen, der jedoch weniger auf Spannung als auf nacherzählte Geschichte setzt. Natürlich aus Sicht der Amerikaner, doch keinesfalls unreflektiert oder effekthascherisch. Auch wenn ich den Film teils anstrengend fand, so hat er mich tief beeindruckt und lässt mich mit einem bedrückenden Gefühl zurück. Ein Film, den man bei Interesse an der Thematik auf jeden Fall gesehen haben sollte – und sei es nur, weil der diese Woche leider verstrobene, großartige James Gandolfini darin einen seiner letzten Auftritte hatte: 8/10 Punkte.

96 Hours: Taken 2 – OT: Taken 2 (2012)

Was wurde über diesen Film geschimpft. Die schlechteste Fortsetzung aller Zeiten, kein Vergleich zum grandiosen Original und vieles mehr gab es in diversen Kritiken zu lesen. Dennoch hatte ich Lust Bryan Mills noch einmal in Aktion zu sehen und somit schob ich „96 Hours: Taken 2“ ohne große Erwartungen, jedoch mit einer gewissen Vorfreude, in den Player. Ob diese Fortsetzung tatsächlich so stark abfällt, lest ihr in der folgenden Besprechung…

taken_2_2

Der Vorgänger hatte mich damals – wie nahezu jeden seiner Zuschauer – wirklich begeistert. „Taken“ war ein geradliniger Actionfilm, der Liam Neeson in gehobenem Alter als Actionheld etablierte, und dabei eine angenehm erfrischende Härte an den Tag legte. Der zweite Teil beginnt, wie bereits sein Vorgänger, eher ruhig: Man lernt die aktuelle Lebenssituation der Charaktere kennen und wird auf das Setting vorbereitet. Ich fand diesen langsamen Einstieg erneut sehr gelungen, wenngleich es weder inhaltliche noch schauspielerische Offenbarungen zu sehen gibt. Für einen Actionfilm jedoch genau das richtige Quentchen an Charakterentwicklung und Spannungsaufbau.

Kaum in Istanbul angekommen, geht die Hatz auch schon los. Die Prämisse des Vorgängers wird auf den Kopf gestellt, die Regeln bleiben dabei jedoch die gleichen: Bryan Mills (Liam Neeson) hat erneut alles im Griff – und das obwohl er sich dieses Mal selbst in Gefangenschaft befindet. Per Mobiltelefon dirigiert er seine Tochter (Maggie Grace), bis er sich selbst wieder auf die Jagd machen kann. Viele Gegebenheiten sind hanebüchen, das gebe ich unumwunden zu. Angefangen bei den Fahrkünsten der Tochter, über örtliche Zusammenhänge, bis hin zur stereotypen Darstellung der Entführer: keineswegs logisch oder politisch korrekt, doch stets unterhaltsam.

Die Inszenierung der Actionszenen hat leider ein wenig gelitten. So gibt es zwar wunderschön anzusehende Totalen zu sehen, die einen guten Überblick geben, doch sobald die Kamera näher am Geschehen ist, verfällt Regisseur Olivier Megaton oftmals in krudes Schnittgewitter. Hart fand ich den Streifen dennoch, aber das mag auch daran liegen, dass ich den Extended Cut sah, der auch den Gewaltgrad im Vergleich zur Kinofassung etwas nach oben schraubte.

Letztendlich hat mich „Taken 2“ beinahe so gut unterhalten, wie der Vorgänger. Istanbul als Schauplatz fand ich toll und ernst nehmen darf man solch einen Film ohnehin nicht. Ich mochte die Charaktere nach wie vor und habe mich erneut an Liam Neesons körperlichem Einsatz erfreut. Sicher keineswegs originell und auch nicht so sauber ausgeführt, wie der Vorgänger, doch insgesamt für rund 90 Minuten erneut ein großer Actionspaß: 7/10 Punkte.

In the Line of Fire: Die zweite Chance (1993)

Nach einem anstrengenden Tag, habe ich mich heute einmal mehr nach einfacher Unterhaltung gesehnt. Auch wenn es schon recht spät war, wagten wir uns tatsächlich an einen Film: Wolfgang Petersens „In the Line of Fire“ war mir noch von etlichen TV-Ausstrahlungen in guter Erinnerng und somit freute ich mich auf einen Abend voll klassischer 90er Jahre Unterhaltung…

in_the_line_of_fire

Zunächst einmal war ich erstaunt, wie gut ich mich noch an die Handlung erinnern konnte. Dabei ist die letzte Sichtung bestimmt schon 10 Jahre her. Erschrocken hat mich dagegen, wie altmodisch der Film teils wirkt. Besonders die Szenen, in denen Computer verwendet werden, wirken wie aus einer anderen Welt – ähnlich ging es mir übrigens auch mit Petersens „Air Force One“ von 1997. Ansonsten habe ich mich aber an der klassischen Inszenierung und dem langsamen Erzähltempo erfreut, das den Figuren Zeit zum Atmen gibt und die Handlung bedächtig, aber beständig nach vorne treibt.

Nicht nur die Bilder wirken teils etwas altbacken, auch die Charaktere. So ist Clint Eastwoods Frank Horrigan tatsächlich ein Relikt längst vergangener Tage und die einzige bedeutende weibliche Figur – Rene Russos Agent Raines – letztendlich nur Staffage. Es kommt nie so klar heraus, ob Horrigans sexistische Bemerkungen augenzwinkernd gemeint sind, ob sie seine Altmodischkeit unterstreichen sollen, oder ob sie ernst gemeint sind – auf jeden Fall verfällt Raines Horrigan natürlich und am Ende kommen sie zusammen. Diese einfältige Beziehung ist wohl auch mein größter Kritikpunkt an dem Film.

Grandios fand ich dagegen einmal mehr John Malkovich als psychopathischen und wandlungsfähigen Killer. Er spielt selbst Eastwood in jeder Szene an die Wand. Absolut fantastisch und eine wahre Freude zum Anschauen. Die Handlung des Films ist wenig überraschend, doch stets spannend und wer auf Politsetting in Thrillerform steht, und dem 90er Jahre Actionkino nur ein wenig abgewinnen kann, der dürfte auch heute noch großen Spaß mit „In the Line of Fire“ haben: 7/10 Punkte.

James Bond 007: Ein Quantum Trost – OT: Quantum of Solace (2008)

Aktualisierung: Ich habe „James Bond 007: Ein Quantum Trost“ am 1. März 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Nachdem ich vor zwei Tagen meiner Erinnerungen an „Casino Royale“ aufgefrischt habe, war es an der Zeit mir erstmalig die direkte Fortsetzung „James Bond 007: Ein Quantum Trost“ anzusehen. Der Film wird unter den Bond-Fans gemeinhin als schwächster der Craig-Ära angesehen, weshalb meine Erwartungen von Beginn an ein wenig gedämpft waren. Konnte mich Marc Forsters Film dennoch überzeugen?

James Bond 007: Ein Quantum Trost (2008) | © Warner Bros (Universal Pictures)

James Bond 007: Ein Quantum Trost (2008) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Ungewöhnlich für Bond ist „Quantum of Solace“ eine direkte Fortsetzung der Geschehnisse des Vorgängers. Für mich als Freund des seriellen Erzählens also ein dicker Pluspunkt. Inszenatorisch versucht Forster – noch mehr als Martin Campbell mit „Casino Royale“ – James Bond in der heutigen Zeit zu verankern und biedert sich stark an moderne Sehgewohnheiten an, d.h. Bond wirkt über weite Strecken eher wie Jason Bourne, was sich auch in einer übertriebenen Wackelkamera zeigt. Dennoch macht es weiterhin Spaß Daniel Craig in der Rolle des 007 zu sehen. Man hätte nur nicht auf Teufel komm raus versuchen sollen alles anders machen zu wollen.

Inhaltlich hatte ich mir eine mitreißende Rachegeschichte erhofft. Bond sinnt auch auf Rache, doch verpufft diese emotional leider größtenteils. Vielleicht hätten sowohl „Casino Royale“ als auch „Quantum of Solace“ gewonnen, wenn man die letzten 20 Minuten des ersten Films direkt vor den zweiten gepackt hätte. In seiner aktuellen Form hat mich der Film dem Geschehen leider recht unbeteiligt zuschauen lassen. Dabei gab es ein paar tolle Schauplätze zu bestaunen, deren Vielfalt tatsächlich an die alten Bond-Filme erinnert hat. Mein Favorit ist hier die Opernszene in Bregenz. Eine tolle Idee, die zudem sehr schön inszeniert wurde.

Das Finale, das eigentlich den Höhepunkt der Rache hätte darstellen müssen, verpufft leider vollkommen. Selbst für mich, als Zuschauer, der den Vorgänger erst vor ein paar Tagen gesehen hatte, war Vesper nur noch ein Name und die nicht wirklich ausgeübte Rache hing seltsam bedeutungslos in der Luft. Dabei hätte die Geschichte durchaus Potential gehabt und gerade Wasser als Motiv des Bösewichts zu benutzen, schien mir besonders gelungen. Man hätte mehr daraus machen müssen.

Fazit

Letztendlich ist „Ein Quantum Trost“ kein schlechter Film. Doch eben auch kein wirklich guter. Bond-Feeling kommt selten auf und die schönen Schauplätze können über die unbefriedigende Rachegeschichte leider auch nicht hinwegtäuschen. Schade also, dass der Fortsetzungscharakter verschenkt und so nur ein netter Actionfilm daraus wurde: 6/10 Punkte.

James Bond 007: Casino Royale (2006) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „James Bond 007: Casino Royale“ am 22. Februar 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Nach einem äußerst zermürbenden Tag, fiel mir die Filmwahl heute ziemlich schwer. Letztendlich entschied ich mich dafür, meine Erinnerungen an „James Bond 007: Casino Royale“ aufzufrischen, da inzwischen beide Nachfolger im Regal stehen und auf ihre Sichtung warten. Zudem wollte ich mich nicht auf unbekanntes Terrain begeben, da es um meine Konzentration nicht mehr sonderlich gut bestellt war…

James Bond 007: Casino Royale (2006) | © Warner Bros (Universal Pictures)

James Bond 007: Casino Royale (2006) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Ich war erstaunt, wieviel von der Erstsichtung vor ca. 2 Jahren ich bereits wieder vergessen hatte. Sehr gut konnte ich mich noch an die einzelnen Actionszenen und die Casino-Sequenz erinnern, doch die Rahmenhandlung kam mir nur noch in Bruchstücken bekannt vor. Dies mag auch daran liegen, dass sie letztendlich austauschbar ist und – sieht man einmal vom letzten Drittel ab – in ähnlicher Form über die Jahre bereits ein paar dutzend Mal zu sehen war: Ein Bösewicht mit außergewöhnlichen körperlichen Merkmalen, eine Verschwörung, heiße Frauen und ein Actionheld, der stets einen flotten Spruch auf den Lippen zu haben scheint. Sicher alles viel moderner inszeniert, als in den vergangenen Jahrzehnten, doch irgendwie auch typisch Bond bzw. Agententhriller.

Selbst die als stets so realistisch beschriebene Action ist ähnlich übertrieben und comichaft, wie in den alten Filmen, nur eben moderner inszeniert – und ohne Raumstationen, Unterwasserlabore und Kätzchen auf dem Arm der Bösewichte. Ich muss zugeben, dass mir diese Art von Bond in den ersten beiden Dritteln – die Folterszene einmal ausgenommen – wirklich ausgezeichnet gefallen hat. Im letzten Drittel verrennt sich der Film etwas in seiner Liebesgeschichte, die jegliche, zuvor durchaus vorhandene, Spannung zwischen Bond und Vesper Lynd (die bezaubernde Eva Green) vermissen lässt. Der Plot wird zudem undurchsichtiger und in seiner Dramaturgie holprig. All das will modern wirken und den Figuren Tiefe geben, doch letztendlich hätte ich lieber mehr vom klassischen, neuen Bond gesehen.

Fazit

Wie bereits bei der ersten Sichtung teilt sich meine Wahrnehmung von „Casino Royale“ in zwei Teile: die wirklich fantastisch unterhaltsamen ersten zwei Drittel und das etwas aufgesetzt wirkende Finale. Insgesamt ein erfrischender Neustart der Reihe, der viel Spaß macht und meine Vorfreude auf die beiden Nachfolger kräftig anschürt. Zudem eignet er sich durchaus zum wiederholten Anschauen, was stets ein gutes Zeichen ist: 8/10 Punkte.

The Dark Knight Rises (2012)

Was war das im vergangenen Jahr wieder für ein Hype um den neuen Batman-Film. Nach dem Kinostart hörte man dann größtenteils enttäuschte Stimmen. Obwohl ich die ersten beiden Teile der Superheldentrilogie beim zweiten Durchgang wirklich zu schätzen gelernt habe, ließ ich mir mit meiner Sichtung von „The Dark Knight Rises“ erst einmal Zeit. Inzwischen hat sich der Staub gelegt und somit konnte ich mir nun endlich eine eigene Meinung bilden…

dark_knight_rises_2

Die Erwartungen waren hoch, keine Frage. Ich weiß jetzt noch, wie überrascht ich damals war, dass „The Dark Knight“ alle Rekorde brach. Sicher hatte auch schon „Batman Begins“ das Genre aufgewirbelt, doch erst der Nachfolger öffnete – vermutlich zusammen mit „Iron Man“ – dem Genre alle Türen. Superheldenfilme waren nun nicht mehr nur für die Geeks und Comicleser interessant, sondern in der breiten Masse angekommen. Besonders Nolans realistischer Ansatz schien auf fruchtbaren Boden zu fallen und somit erwartete mit „The Dark Knight Rises“ wohl jeder Typ von Zuschauer den perfekten Abschluss seiner Superheldentrilogie.

Wäre Christopher Nolans Trilogie eine TV-Serie, dann wäre – so hart es klingt – der zweite Teil von vielen Zuschauern wohl als reine Füllepisode wahrgenommen worden. Zwar mit wichtiger Charakterentwicklung, doch für die übergreifende Handlung eher unwichtig. Eigentlich. „The Dark Knight Rises“ schlägt viel mehr Brücken zum ersten Teil, sowohl inhaltlich, als auch stilistisch. Bane ist eine Bösewicht mit Motivation, das macht ihn einerseits langweiliger, als den grandiosen Joker, andererseits aber auch bedeutsamer. Weiterhin wird der Mythos weitergesponnen und Schauplätze, wie The Pit, oder Bösewichte, wie die League of Shadows, sind eher fantastisch angehaucht und stellen somit engere Bezüge zu „Batman Begins“ dar, was mir durchaus gefallen hat.

Aus „The Dark Knight“ entliehen sind dagegen aktuelle sozialpolitische Themen und die Bedeutsamkeit, mit der die Handlung erzählt wird. Auch wenn man die Geschichte bestimmt knapper hätte erzählen können, so fand ich sie jedoch nicht übermäßig komplex oder zerfahren, wie ich in einigen Kritiken gelesen hatte. Ich konnte der Handlung stets folgen und gelangweilt wurde ich auch zu keinem Zeitpunkt. Sicher gibt es einige Zufälle und dramaturgische Schwächen, doch sehe ich Nolans Batman-Filme auch immer noch als das, was sie sind, nämlich Comicverfilmungen.

Mal abgesehen von dem großen Hype und enttäuschten Erwartungen, ist „The Dark Knight Rises“ ein absolut gelungenes Finale der Trilogie. Mitreißend, spannend und unterhaltsam. Qualitativ nehme ich den Film in etwa so wahr, wie die ersten beiden Teile bei meinen ersten Sichtungen, das heißt auch für das Finale besteht durchaus noch Steigerungspotential: 8/10 Punkte.