Jungfrau (40), männlich, sucht… – OT: The 40 Year Old Virgin

„Jungfrau (40), männlich, sucht…“ gehört zu den Filmen, die man sich aufgrund guter Mund-zu-Mund-Propaganda oder auch dem witzigen Trailer anschaut. Ich fand zudem die zugrunde liegende Idee ganz nett. Zwar nicht sonderlich innovativ, aber nett – etwas, das man vom eigentlichen Film leider nicht behaupten kann.

jungfrau.jpg

Die erste Stunde war ich sogar ein paar Mal kurz davor abzuschalten. Ich habe mir von „The 40 Year Old Virgin“ sicherlich keine hochgeistige Unterhaltung erhofft, aber schon etwas mehr als einen schlechten „American Pie“-Abklatsch. Warum müssen sich die 30 bis 40jährigen Charaktere ununterbrochen über Schlampen und Muschis unterhalten? Wird das vom Publikum allgemein als lustig empfunden? Sprechen erwachsene Männer tatsächlich so über Frauen und Sex? Bin ich humormäßig da irgendwie falsch gepolt? Fragen über Fragen. Mich hat diese penetrant ordinäre Ausdrucksweise leider nur genervt. Zudem die Handlung auch nicht viel mehr Substanz vorweisen konnte.

Die zweite Hälfte war dann deutlich angenehmer. Weniger „Männergespräche“ und mehr Handlung. Hier kommt es sogar zu einigen richtig netten Szenen. Insgesamt ist dieser Teil des Films jedoch auch zu lang. So gezwungen gewagt die Produktion bei nackten Tatsachen und der Sprache erscheint, so zieht sie wenn es um die Handlung geht den – um es mit den Worten echter Männer zu sagen – Schwanz ein. Die Geschichte verläuft genauso, wie man es erwartet. Keine Überraschungen. Nichts. Dann jedoch kommt eine grandiose Musicalnummer, die mich meinen Groll beinahe vergessen lässt. „Hair“ war selten so unterhaltsam.

Zugute halten muss ich dem Film seine gut aufgelegten Darsteller. Allen voran Steve Carell, der wirklich komisches Potential besitzt. Neben ein paar wenigen Lachern und einem fantastischen Schluss hat der Film leider kaum etwas zu bieten, das ihn sehenswert machen würde: 5/10 Punkte (davon einer für die Tanznummer).

Kiss Kiss Bang Bang

Sehr ungewöhnlich. „Kiss Kiss Bang Bang“ ist wahrlich ein sehr ungewöhnlicher Film. Erwartet hatte ich einen Buddymovie im „Lethal Weapon“-Stil, doch gesehen habe ich eine Schwarze Komödie mit starken Film Noir-Anleihen. Ich war wirklich positiv überrascht, wie ideenreich und ungewöhnlich Shane Black sein Regiedebüt inszeniert hat.

kisskissbangbang1.jpg

Die Geschichte wird aus der Sicht von Kleinganove Harry Lockhart (Robert Downey Jr.) erzählt, der nach einer Verwechslung plötzlich mitten im Interesse von Hollywood steht. Dies ist allerdings nur der Auslöser für ein paar wilde Eskapaden, die Harry fortan mit seinem neuen Partner, dem schwulen Privatdetektiv „Gay“ Perry, zu bestreiten hat. Fortan gibt es unzählige Leichen, eine Femme Fatale, sowie diverse Wortgefechte, die an Skurrilität teils nicht zu überbieten sind.

„Kiss Kiss Bang Bang“ macht Spaß, keine Frage. Doch irgendwie verrennt sich der Film meiner Meinung nach etwas in seinen unzähligen Ideen. Die Geschichte wartet mit Wendungen auf, die man aufgrund des hohen Tempos kaum wahrzunehmen im Stande ist. Zudem befindet man sich beinahe im Minutentakt an neuen Locations, die ebenso schnell wieder mit neuen Figuren aufgefüllt werden. Einerseits entsteht dadurch eine wirklich mitreißende Dynamik, doch andererseits kann man das Handeln der Identifikationsfiguren nicht wirklich nachvollziehen, wodurch eine Distanz zu ihnen entsteht. Diese wird durch die gewählt Erzählform noch größer. Harrys Voice Over beschränkt sich nicht nur auf die Geschichte an sich – nein, er spricht den Zuschauer direkt an, spult den Film vor und zurück und macht klar, dass man hier nur einen Film sieht. Einerseits wirklich innovativ und auch amüsant, doch leider wird hierbei völlig die Magie des Eintauchens in die Geschichte zerstört. Ich denke weniger wäre hier mehr gewesen.

Shane Black hat mit „Kiss Kiss Bang Bang“ einen wirklich unterhaltsamen und mit bösen Späßen angereicherten Film geschaffen. Die Figuren – und ihre Darsteller – sind zudem überaus sympathisch. Doch leider hätte man sich mehr auf die Chemie zwischen ihnen und die Geschichte an sich verlassen sollen, dann wäre aus dem Film eine rundere Sache geworden: 7/10 Punkte.

Garden State (2004)

Gestern war seit langer Zeit einmal wieder ein Video- bzw. DVD-Abend. Am Start hatten wir gleich zwei grandiose Filme. Einen Klassiker und einen noch relativ jungen Film: „Garden State“ von Zack Braff. Normalerweise benötige ich ziemlich viele Sichtungen, um einen Film zu meinen Lieblingsfilmen zählen zu können – was auch erklärt warum meine persönlichen Klassiker meist aus den 80er oder 90er Jahren stammen. Doch „Garden State“ hat mich bereits bei der ersten Sichtung im Kino gepackt und nicht mehr losgelassen.

gardenstate02.jpg

Erzählt wird die Geschichte von Andrew „Large“ Largeman. Einem Schauspieler, der bisher nur in einer großen Rolle zu sehen war, und sich seither mit Aushilfsjobs über Wasser hält. Alles ändert sich, als er vom Tod seiner Mutter erfährt: Nach 9 Jahren kehrt er zum ersten Mal zu seinen Wurzeln zurück – nur um zu Erkennen, dass diese Rückkehr eigentlich ein Neuanfang ist. In seiner Heimatstadt trifft er auf Sam (Natalie Portman), die Large durch ihre unkoventionelle Art dazu bringt sein Leben wieder als etwas Wertvolles anzusehen und sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen.

In der Geschichte gibt es unzählige kleine Episoden, die voller Humor und teils doch voller Melancholie stecken. Mit Large kann ich mich irgendwie wunderbar identifizieren. Es werden Themen angesprochen, die zwar schon in vielen Filmen auf der Leinwand präsent waren, die aber noch nie so ehrlich und aus dem Herzen heraus behandelt wurden. Allein der Monolog zum Zuhause der Kindheit, nach dem man sich sein ganzes Leben sehnt, das aber nur noch in der Erinnerung existiert, weil das echte Zuhause diese Sehnsucht nicht mehr erfüllen kann – einfach nur wunderschön und so wahr. Dabei verliert sich die Geschichte allerdings nicht in solchen – teils schon philosophischen – Nebenplots, sondern bleibt stets interessant, frisch und ist nebenbei mit grandiosen Charakteren bevölkert.

Zu Bewundern ist auf jeden Fall Zack Braff. Der Darsteller des tollpatschigen J.D. aus der tollen Dramedy „Scrubs“ verkörpert hier nicht nur kongenial die Hauptrolle – nein, er hat auch das Drehbuch geschrieben und Regie geführt. Da er noch relativ jung ist, trifft er – zumindest für seine Generation – stets genau den richtigen Ton. Den trifft er auch beim Einsatz des Soundtracks, der so gut ist, wie kaum ein zweiter. Die Songs erzielen stets die richtige Wirkung und sind untrennbar mit den Bildern verbunden. Schön ist, dass er auch ohne den Film funktioniert – was ich nach unzähligen Durchgängen aus eigener Erfahrung sagen kann. Ansonsten möchte ich noch Natalie Portman hervorheben, die wie immer einen großen Teil zum gelingen des Films beiträgt. Eine tolle Schauspielerin für einen tollen Charakter.

Zack Braff hat mit „Garden State“ einen Film geschaffen, der es von 0 auf 100 in meine Lieblingsfilme geschafft hat. Ich hoffe, er kann mit einem zweiten Film an seinen Erstling anschließen und freue mich schon sehr darauf. Wer diesen Film noch nicht kennt: Schaut ihn euch an, er kann glücklich machen – man muss es nur zulassen können: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Wer früher stirbt, ist länger tot

Es gibt Filme, die werden einem empfohlen und man schaut sie sich an, ohne vorher große Erwartungen gehegt zu haben. Ein Bruchteil dieser Filme entpuppt sich dann als großartiges Kino. Zu diesen darf sich auch „Wer früher stirbt, ist länger tot“ zählen. Leider kaum bekannt, hat sich dieser kleine, sympathische, ehrliche und urkomische Film sofort in mein Herz gespielt – und nicht nur in meins: So eine ausgelassene Stimmung habe ich im Kinosaal nur selten erlebt.

werfrueherstirbt.jpg

Die Geschichte selbst ist eigentlich schnell erzählt: Der junge Sebastian erfährt, dass seine Mutter während seiner Geburt gestorben ist. Seitdem hält er sich für verantwortlich für ihren Tod. Jede Nacht plagen ihn Albträume des Fegefeuers, wo ihm seine scheinbaren Sünden vorgehalten werden – und da gibt es einige, denn Sebastian ist ein kleiner Unruhestifter. Fortan versucht er sich unsterblich zu machen – sei es durch Buße tun oder durch Rockmusik. Doch es kommt immer wieder zu Situationen, in denen Sebastion nur Wortfetzen der Erwachsenen aufschnappt und diese mit seinem kindlichen Gemüt auch sofort in die Tat umsetzt. Das Chaos ist vorprogrammiert – Michel aus Lönneberga wäre stolz auf Sebastian.

Der Film sprüht nur so vor Witz und irrwitzigen Einfällen. Als Beispiel sei hier nur angeführt, dass Sebastian – nachdem er versehentlich ein paar Hasen um die Ecke gebracht hat – versucht diese in bester Frankenstein-Manier wieder zum Leben zu erwecken. Doch leider ist der Strom zu stark und der Hase expodiert. Ja mei, das passiert halt in den besten Familien.

Die Glaubwürigkeit des Films ist auf jeden Fall seinen grandiosen Darstellern zu verdanken. Allen voran Markus Krojer, der einer der besten Jungschauspieler ist, die ich je auf der Leinwand gesehen habe. Doch auch der Rest des Casts ist famos besetzt.

Kritikpunkte gibt es fast keine. Allein die dramatischen Situationen gegen Ende des Films fand ich etwas aufgesetzt.

Jeder, der gern lacht und der dem deutschen Film auch nur etwas abgewinnen kann, sollte sich „Wer früher stirbt, ist länger tot“ auf jeden Fall anschauen. Der geneigte norddeutsche Zuschauer sei aber bezüglich der bayerischen Mundart gewarnt. Ein toller Film: 8/10 Punkte.

Per Anhalter durch die Galaxis – OT: The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy

„Per Anhalter durch die Galaxis“ gehört zu den wenigen Büchern, die ich mehr als einmal gelesen habe. Sowohl in der Übersetzung, als auch im Original. Von den Fortsetzungen ganz zu schweigen. Douglas Adams ist mit dieser fünfteiligen Geschichte einfach außergewöhnliches gelungen. Ein unsterblicher Klassiker der intelligenten Unterhaltung. Nachdem ich mich gegen die BBC-Serie (ungesehenerweise) immer gesträubt habe, war ich umso gespannter auf die Kinoverfilmung. Doch wie das so oft ist, bin ich erst mit der DVD zur Sichtung gekommen.

per_anhalter_durch_die_gala.jpg

Ich kann gleich vorwegschicken, dass es Regisseur Garth Jennings glücklicherweise gelungen ist, den Geist und den Flair des Romans einzufangen. Dies liegt wahrscheinlich auch daran, dass Douglas Adams vor seinem Tod noch einen Großteil des Drehbuchs fertiggestellt hat. Eine vollständige Adaption darf man als Fan trotzdem nicht erwarten. Viel wurde gestrichen und noch mehr aufgrund des Budgets verändert. Allein Zaphods zweiter Kopf hat rein gar nichts mehr mit dem Roman gemein – und dennoch: Der Charakter funktioniert tadellos. Die Essenz ist vorhanden – und das macht eine gute Romanverfilmung aus.

Das erste Drittel des Films kam meiner Vorstellung sogar ziemlich nahe. Arthur Dent war Arthur Dent, Ford Prefect war Ford Prefect und selbt Zaphod Beeblebrox stand meiner Fantasie – sieht man einmal von gewissen zusätzlichen Körperteilen ab – in nichts nach. Allein Marvin hat auf mich leider nicht sonderlich viel Eindruck gemacht und auch die Herz aus Gold hatte ich mir anders vorgestellt. Über den Verlauf der Geschichte will ich hier gar nicht viel schreiben. Nur, dass man den Roman hier wirklich drastisch zusammengestaucht und – zur Vereinfachung – eine Episode um Zaphods Konkurrenten bei der Präsidentschaftswahl eingebaut hat. Diese fand ich eher unnötig und nicht so amüsant wie den Rest, doch sonderlich gestört hat auch dieser Nebenplot nicht.

Grandios war die Visualisierung des titelgebenden Reiseführers „The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“. Einfach, durchdacht und doch erfrischend und glaubwürdig. Wirklich fantastisch! Durch diese schöne Darstellungsweise konnten viele kleinere Episoden eingefügt werden, von denen ich niemals gedacht hätte, dass sie mit in den Film hinüber gerettet werden könnten.

Leider war „Per Anhalter durch die Galaxis“ als Film kein sonderlich großer Erfolg, so dass eine Verfilmung der weiteren Teile eher unwahrscheinlich ist. Schade, denn die Adaption ist wirklich gelungen und auch Fans des Romans, die denken sich mit den Änderungen nicht anfreunden zu können, sollten dem Film eine Chance geben. Allein aufgrund des eingängigen Titelsongs. Macht Spaß der Film: 8/10 Punkte – und wer die Bücher noch nicht kennt: Lesen, sofort!

Die Goonies – OT: The Goonies (1985)

Aktualisierung: Ich habe „Die Goonies“ am 5. Juli 2009 und am 15. Februar 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine aktualisierte Besprechungen veröffentlicht.

Es gibt Filme, die entwickeln sich über einen gewissen Zeitraum zu den persönlichen Klassikern. Zu dieser Kategorie gehört bei mir „Die Goonies“. Einer der besten – wenn nicht der beste – Kinder- bzw. Jugendfilm, der je gedreht wurde.

Die Goonies (1985) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Die Goonies (1985) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Ich kenne keinen anderen Film, der die unbeschwerte Abenteuerlust, die man als Kind verspürt hat, besser zu transportieren weiß. Früher, als man sich mit den Freunden durch das engste Gestrüpp in die dunkelsten Ecken des Waldes vorgekämpft hat. Als man mit dem Rad querfeldein holperte. Als man hinter jeder Ecke, hinter jedem Stein das große Abenteuer vermutet, es aber doch nur in der Fantasie ausgelebt hat. Genau ein solches Abenteuer erleben die Goonies tatsächlich. Der Film geht in jedem Bereich weiter als die Realität, es schwingt eine fast schon magische Atmosphäre mit – doch die Atmosphäre, die kindlich unbedarfte Abenteuerlust, die Erinnerungen an dieses Gefühl sind echt.

Es ist wirklich erstaunlich wie glaubhaft Chris Columbus seine Charaktere zeichnet und wie gekonnt diese von Richard Donner in Szene gesetzt werden. Hinter all dem schwebt zudem unverkennbar Spielbergs Geist, der dieses unbeschwerte Abenteuergefühl bereits in „E.T.“ heraufbeschwören konnte. Am aller erstaunlichsten ist es aber, wie gut der Film auch noch für Erwachsene funktioniert. Neben den hervorgerufenen Erinnerungen an die eigene Kindheit liegt dies vermutlich an der Ernsthaftigkeit der Erzählung. Sicher gibt es hier viel Unfug und Showeinlagen, doch werden die Charaktere und die Geschichte nie der Lächerlichkeit preisgegeben, wie dies bei Kinderfilmen leider häufig der Fall ist.

Neben dem liebevollen Setdesign, dem wunderbaren Score und der tollen Inszenierung können vor allem die Darsteller überzeugen. Allen voran Sean Austin, der erst viele Jahre später in seiner Rolle als Frodos treuer Begleiter Samwise Gamdschie zu größerem Ruhm kommen sollte.

Fazit

„Die Goonies“ ist nicht nur ein Film für Kinder und Jugendliche. Diese würden sich heute vermutlich eher über die etwas angestaubten Effekte lustig machen. Vor allem ist er ein Film für Erwachsene, die sich gerne an ihre Kindheit zurück erinnern und sich etwas davon bewahren konnten: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Mein Name ist Nobody – OT: Il mio nome è Nessuno (1973)

„Nobody ist der Größte“ ist der erste Film, an dessen Sichtung ich mich erinnern kann. Eigentlich habe ich gedacht, auch „Mein Name ist Nobody“ – den Vorgänger – im Laufe der Zeit das eine oder andere Mal gesehen zu haben. Umso erstaunter war ich, dass ich mich an nahezu keine Szene erinnern konnte. Einzig die Jahrmarktszene mit dem Stelzenläufer war mir noch dunkel im Gedächtnis.

nobody.jpg

Erwartet hatte ich folglich einen Spaßwestern, wie er typisch für Terence Hill ist. Gesehen habe ich allerdings etwas vollkommen anderes: Einen waschechten Sergio Leone Western, der zwar durchsetzt ist mit den bekannten Späßen, aber dem es dennoch nicht an Ernsthaftigkeit und Tiefe mangelt. Jack Beauregard steht für den klassischen Westernhelden, der die Zeichen der Zeit erkennt und einer neuen Generation Platz macht. Nobody ist Teil dieser neuen Generation. Er verdrängt den klassischen Helden. Sein Stil ist locker, er hat immer einen Spruch auf den Lippen und damit ist er das genaue Gegenteil des bisherigen Stereotyps, wie man ihn in Leones Spaghettiwestern gefunden hat: Nobody ist das Gegenstück zu Harmonica.

Dieser Abschied vom klassischen Western, den eigentlich der Spaghettiwestern an sich bereits dargestellt hat, ist dem Film in jeder Szene anzumerken. Allein die ersten zehn Minuten könnten direkt aus der Hochzeit des Spaghettiwestern stammen und ich müsste mich doch sehr wundern, wäre Sergio Leone hier nicht höchst persönlich auf dem Regiestuhl gesessen – oder zumindest dahinter gestanden. Trotz seines Humors schwingt den gesamten Film über Wehmut mit. Wohl auch die Wehmut eines großen Regisseurs, der mit diesem Film das von ihm geschaffene Genre mit zu Grabe getragen hat. Umso ironischer ist es wohl, dass die nachfolgenden Spaßwestern mit Terence Hill und Bud Spencer sich immer größerer Beliebtheit erfreut haben.

„Mein Name ist Nobody“ ist auch heute noch ein toller Film. Seine Doppeldeutigkeit ist wahrscheinlich einzig den Zuschauern bewusst, die sich etwas mit der Geschichte des Films auskennen. Alle anderen sehen in dem Film wohl nur einen Spaßwestern, mit teils irritierend langsamen Szenen. Doch gerade dieses Existieren zwischen zwei Welten macht den eigentlichen Reiz des Films aus. Neben all den – für filmhistorisch interessierte Menschen – netten Details bietet der Film zudem noch gute Unterhaltung und mit Terence Hill den Held meiner Kindheit. Somit sind 8/10 Punkte mehr als gerechtfertigt.

Trennung mit Hindernissen – OT: The Break-Up

Nach über einem Jahr war ich gestern endlich einmal wieder in der Sneak Preview. Es gab: „Trennung mit Hindernissen“ (OT: „The Break-Up“) mit Jennifer Aniston und Vince Vaughn.

breakup.jpg

Sneak Previews sind immer etwas abenteuerlich. So auch gestern. Nicht nur die schön kribbelige Spannung im Vorfeld was denn kommt, nein – meist ist auch das Publikum ein besonderes. Gestern z.B. hatten wir ein extrem dickes, extrem lautes und extrem nerviges Pärchen neben uns. Nicht nur dass sich die beiden unglaublich lautstark unterhalten haben. Sie mussten zudem unzählige Male austreten, haben irgendwann angefangen sich zu befingern (wobei sie sehr ungewöhnliche Sitzpositionen angenommen haben – was wirklich kein schöner Anblick war) und sich am Ende noch über den Film beschwert. Ein Elefant im Porzelanladen ist nichts dagegen.

Doch nicht genug des Abenteuers: Der Vorführer hat es anscheinend nicht geschafft den Film richtig zu maskieren, was das Resultat hatte, dass wir nur ca. zwei Drittel vom eigentlichen Bildausschnitt mitbekommen haben. Besonders auffällig bei den teils fehlenden, teils abgeschnittenen Opening Credits. Aber auch allen anderen Einstellungen hat man die falsche Maskierung angesehen, so gab es im ganzen Film keine Totale, die Augen waren nie im oberen Drittel (eher auf der Hälfte) und Hände etc. waren fast immer abgeschnitten. So schwer kann das doch nicht sein! Hat außer mir aber anscheinend niemand gemerkt.

Nun aber zum Film selbst: Für eine Sneak Preview absolut in Ordnung. Kein Überflieger, aber auch kein Reinfall. Aniston und Vaughn haben überzeugend gespielt und es war schön einmal wieder Jon Favreau zu sehen. Der Film hatte seine witzigen Szenen (Gesangstruppe, griechische Orgie, Gespräche mit Favreau) und seine leider nur witzig gemeinten (nahezu alles in der Galerie). Leider will „The Break-Up“ mehr sein als eine Komödie und versucht sich zusätzlich noch als Trennungsdrama. Auch diese Szenen funktionieren für sich genommen und wissen die erwarteten Gefühle zu transportieren. Doch leider ist das Zusammenspiel zwischen Komödie und Drama zu unausgegoren. Der Film ist keine Romantic Comedy – dazu ist die Ausgangssituation zu fatalistisch -, er ist keine Komödie – dazu ist er teils zu dramatisch – und als Drama funktioniert er auch nicht, weil hier zuwenig Substanz gezeigt wird. Diese Mischung erscheint unausgegoren und kann letztenlich nicht überzeugen, wenngleich die einzelne Szenen für sich durchaus ihre Momente haben.

„Trennung mit Hindernissen“ kann ich demnach nur bedingt empfehlen. Ich denke auch, dass Kinobesucher, die eine romantische Komödie erwarten sehr enttäuscht sein werden. Positiv zu vermerken ist allerdings die ungewöhnliche Ausgangssituation, die nicht nur bereits dagewesenes kopiert. Mit einem Pluspunkt für die Sneak bekommt der Film von mir 6/10 Punkte.

Das Schwiegermonster – OT: Monster-in-law

Meine Schwester hat mir „Das Schwiegermonster“ (OT: „Monster-in-law“) bereits mit dem Hinweis geliehen, dass ich nicht zu viel erwarten sollte. Diese Äußerung und die Tatsache, dass mich der Film nie sonderlich interessiert hat, ist wahrscheinlich der Grund, warum er nun bereits seit Wochen ungesehen hier rumliegt. Eine spontane Sommergrippe hat jedoch den Ruf nach seichter Unterhaltung laut werden lassen und somit bin ich auch einmal dazu gekommen mir diesen Film anzusehen.

schwieger.jpg

Mit Jennifer Lopez ist das ja so eine Sache. Noch bevor ich sie als Pop-Nervensäge wahrgenommen habe, ist sie mir tatsächlich als ernsthafte Schauspielerin aufgefallen. Kaum zu glauben. In Steven Soderberghs „Out of Sight“ und Oliver Stones „U-Turn“ konnte sie mich voll und ganz überzeugen. Dann kam die Beschallung mit unsäglichen, sogenannten Sommerhits und Filmen à la „Wedding Planer“. Demzufolge ist Lopez für mich inzwischen leider schon fast so etwas wie ein Garant für nichtssagende, schnulzige 08/15-Unterhaltung.

In diese Kategorie fällt leider auch „Das Schwiegermonster“. Erst nach fast einer Stunde nimmer der Film etwas Fahrt auf. Davor ist alles schon tausend Mal dagewesen. Das Kennenlernen, erste Annäherungsversuche, tiefschürfende Gespräche mit Freunden usw. Erst nachdem Viola (klasse: Jane Fonda) bei Charlie (fade: Jennifer Lopez) einzieht kommt es zu einigen amüsanten Verstrickungen, die im Endeffekt leider alle so voraussehbar sind, dass jeglicher Überraschungseffekt im Keim erstickt wird. So zieht sich der Film bis zum unausweichlichen zuckersüßen Happy End. Aus und schon vergessen.

Aufgefallen ist mir einmal wieder ein Seriendarsteller: Michael Vartan, den ich zur Zeit parallel in „ALIAS“ sehe. Im Moment scheinen mich die Darsteller aus dieser Serie zu verfolgen – nur dass Bradley Cooper in „The Wedding Crashers“ wesentlich mehr aus seiner Rolle zu machen weiß.

Alles in allem bleibt „Das Schwiegermonster“ nicht im Gedächtnis. Ein paar nette Momente und eine wirklich wunderbare Jane Fonda können nicht über den Einheitsbrei aus Kitsch und Humor hinweghelfen: 4/10 Punkte.

Die Hochzeits-Crasher – OT: The Wedding Crashers

Es gibt sie ja sowieso kaum: Gute Übersetzungen von – insbesondere englischen – Filmtiteln. Doch warum man sich so etwas wie „Die Hochzeits-Crasher“ (nur echt mit Bindestrich; OT: „The Wedding Crashers“) einfallen lässt? Das Wissen wohl nur die Marketingstrategen von Warner Deutschland.

crasher.jpg

Der Film an sich bietet ausgezeichnete Unterhaltung. Nichts intellektuell wertvolles, aber das erwartet auch niemand von einem Frat-Pack-Film. Owen Wilson und Vince Vaughn zeigen sich wie erwartet sehr spielfreudig und auch der Rest der Besetzung scheint für jeden Spaß bereit gewesen zu sein. Allein Christopher Walken wirkte etwas unterfordert. Da ich mir zur Zeit die erste Staffel von „ALIAS“ ansehe, ist mir ansonsten besonders Bradley Cooper aufgefallen, der hier eine Rolle spielen darf, in der ich gerne Ben Stiller gesehen hätte. Doch Cooper erweist sich als würdiger Ersatz und sorgt für manchen Lacher.

Ein Schwachpunkt des Films ist die Geschichte. Zu voraussehbar und ohne Überraschungen. Besonders das letzte Drittel zieht sich etwas und hätte meiner Meinung nach von kleineren Straffungen profitiert. Dass der Film trotzdem funktioniert ist den wirklich witzigen Einzelszenen (das Essen, der nächtliche Besuch etc.) und dem fantastischen Ensemble zuzuschreiben.

Sehr gut gefallen hat mir zudem der Soundtrack. Besonders der Einsatz der WEAKERTHANS in den End Credits hat den Film in meinen Augen noch einmal deutlich nach vorne gebracht.

„The Wedding Crashers“ macht Spaß – ich denke in einer Wiederholungssichtung ist vielleicht sogar noch mehr drin. Deshalb gibt es von mir vorerst einmal 7/10 Punkte.