Bee Movie: Das Honigkomplott

Nach einer viel zu kurzen Silversternacht und einem relativ geschäftigen Neujahrstag, war abends seichte Unterhaltung gefragt. Da ich Dreamworks‘ „Bee Movie: Das Honigkomplott“ sowieso schon länger einmal sehen wollte, kam mir die TV-Austrahlung gerade recht. Schade nur, dass ich somit auf den englischen Originalton verzichten musste.

Was hatte ursprünglich mein Interesse an „Bee Movie“ geweckt? Natürlich das aktive Mitwirken von Jerry Seinfeld, dessen TV-Serie „Seinfeld“ auch heute noch zu meinen absoluten Lieblingen zählt. Konnte denn auch etwas von dem oft respektlosen und anarchischen Humor in die bunte Cartoonwelt hinübergerettet werden? Zumindest zum Teil. Besonders wenn man bedenkt, dass es sich hier um einen auf Kinder zugeschnittenen Animationsfilm handelt, so sind manche Gags doch herrlich absurd.

Am meisten Probleme hatte ich wohl mit der nur recht oberflächlichen Charakterisierung der Hauptfiguren und der Prämisse, dass eine Biene beinahe schon selbstverständlich mit den Menschen interagiert. Das Thema Suspension of Disbelief hätte hier wahrlich mit mehr Fingerspitzengefühl angegangen werden können. Hat man die Situation aber erst einmal akzeptiert, dann macht die Geschichte durchaus Spaß. Leider jedoch geht ihr größtenteils das Herz und die erzählerische Dichte von vielen anderen Animationsfilmen – sprich den Werken aus dem Hause Pixar – ab.

Zu bewundern gibt es etliche virtuelle Gaststars – wie z.B. Sting, Ray Liotta oder Larry King – und auch die restlichen Charaktere sind ihren menschlichen Vorbildern nachempfunden: Patrick Warburton (Jeff Bingham, „Rules of Engagement“) konnte ich z.B. auch in der Synchro eindeutig identifizeren. In diesen Szenen macht der Film dann auch dem erwachsenen Publikum Spaß. Der Rest ist nett animiert, doch zu vorhersehbar und nach Schema F erzählt.

Betrachtet man „Bee Movie“ als neues Werk von Jerry Seinfeld, wird man vermutlich enttäuscht werden. Sieht man ihn aber als klassischen Animationsfilm, weiß man wohl schon eher die teils seltsam anmutenden Gags zu schätzen. Leider kein ganz großer Wurf, doch für knapp 90 Minuten durchaus unterhaltsam: 6/10 Punkte.

Die Geschichte vom Brandner Kaspar (2008)

Nach einer schlaflosen Nacht und einem ziemlich turbulenten Tag aufgrund eines fiebrigen und zahnenden Zappelinchens, war uns nur noch nach seichter Unterhaltung. Folglich haben wir uns Joseph Vilsmaiers „Die Geschichte vom Brandner Kaspar“ angesehen. Die Verfilmung des bayerischen Volksstücks hatte zwar keine sonderlich guten Kritiken bekommen, schien jedoch genau das Richtige für einen Abend, an dem es mit der Konzentration nicht mehr weit her war.

Die Geschichte um einen Büchsenmacher, der den Tod um 21 weitere Lebensjahre betrügt, ist an und für sich nett und bietet Potential für etliche komische Verwicklungen. So erwartete ich eine Komödie, welche aus dieser Prämisse ihr Kapital schlägt. Zu sehen bekam ich dagegen ein ziemlich biederes Heimatdramödchen, welches zwar mit schönen Bildern auftrumpfen kann, jedoch beständig unentschlossen zwischen Drama und Komödie hin- und herpendelt. Die Szenen im Himmel sind bestimmt lustig gemeint, doch wirken sie peinlich und als hätte man aus Versehen Szenen eines anderen Films in die Geschichte hineingeschnitten.

So schön die Naturaufnahmen anzusehen sind und so wunderbar Franz-Xaver Kroetz den eigensinnigen Brandner Kaspar verkörpert, so verpasst es das Drehbuch eine stringente Dramaturgie aufzubauen. Die Regie versagt zudem die teils durchaus komischen Szenen rund um den Boandlkramer (nach einer gewissen Gewöhnungsphase ziemlich nett gespielt von Michael ‚Bully‘ Herbig) entsprechend in Szene zu setzen. So ehrenhaft es sein mag, den Heimatfilm wieder populär zu machen, so verkrampft und humorfrei bleibt dieser Versuch leider. Dann lieber Marcus H. Rosenmüllers gelungenen „Wer früher stirbt, ist länger tot“, der sich einer ähnlichen Thematik bedient.

„Die Geschichte vom Brandner Kaspar“ hat durchaus seine Momente, welche allesamt den wunderbaren Schauspielern zu verdanken sind. Leider schaffen sie es nicht gegen die dröge Inszenierung und das holprige Drehbuch anzuspielen. Da wäre deutlich mehr drin gewesen. Schade um die netten Ansätze und die verpasste Chance diese urbayerische Geschichte einem größeren Publikum besser zu verkaufen: 4/10 Punkte.

Hilfe, die Amis kommen – OT: European Vacation (1985)

Aktualisierung: Ich habe „Hilfe, die Amis kommen“ am 2. September 2023 zusammen mit den Kindern erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Und ab geht es in den nächsten Urlaub mit der Chaosfamilie Griswold. In „Hilfe, die Amis kommen“ machen Clark, Ellen, Rusty und Audrey Europa unsicher, was für einige komische Verwicklungen sorgt. Klischees werden auf die Spitze getrieben, platteste Gags gezündet und doch darf gelacht werden. Ein typischer Film der „Vacation“-Reihe eben.

Hilfe, die Amis kommen (1985) | © Warner Home Video

Hilfe, die Amis kommen (1985) | © Warner Home Video

Wenn man Kritiken des Films liest, schneidet „European Vacation“ immer deutlich schlechter an, als der erfolgreiche Vorgänger. Ich jedoch hatte mit dem ersten Ableger der Reihe mindestens ebenso viel Spaß, wie mit dem Trip der Griswolds nach Walley World. Natürlich wird hier jedes noch so kleine Klischee durch den Kakao gezogen, doch kommen unsere amerikanischen Freunde auch nicht gerade gut dabei weg. Dabei werden die satirischen Element deutlich hinter dem Klamauk zurückgefahren, was mir persönlich in diesem Fall aber ganz gut gefallen hat.

Besonders schön fand ich, dass man sich als Zuschauer tatsächlich in das besuchte Land versetzt gefühlt hat. Nicht wie bei anderen Filmen oder TV-Serien, in denen man katastrophal sprechende Amerikaner als Franzosen oder Deutsche vorgesetzt bekommt. Für die Deuschland-Episode wurde sogar Willy Millowitsch engagiert, der zwar nur eine winzige Rolle hat, mich aber immer besonders erfreut, da er – Achtung, familiäre Anekdote – nach dem Krieg für einige Zeit im Haus meiner Großmutter wohnte und demnach fest zur Familiengeschichte gehört.

Fazit

Mir hat der zweite Teil der National Lampoon’s Urlaubsfilme mindestens ebenso viel Spaß gemacht, wie der Auftakt der Reihe. An „Christmas Vacation“ reicht jedoch auch der Ausflug nach Europa lange nicht heran. Für einen unterhaltsamen Abend ist der Film allerdings – eine entsprechende Fremdschämresistenz vorausgesetzt – bestens geeignet: 7/10 Punkte.

Nobody’s Fool: Auf Dauer unwiderstehlich (1994)

Neben Filmen, die eine wunderbare Weihnachtsatmosphäre ausstrahlen, gibt es auch Filme mit einer ebenso wunderbaren Winteramosphäre. Robert Bentons „Nobody’s Fool – Auf Dauer unwiderstehlich“ ist dabei nicht nur mein liebster Winterfilm, sondern einer schönsten Filme überhaupt.

Die Geschichte um den – auf den ersten Blick – griesgrämigen Bauarbeiter Donald ‚Sully‘ Sullivan, der sich nach Jahren seinem Sohn sowie dessen Familie annähert, und ganz nebenbei eine amerikanischen Kleinstadt am Laufen hält, ist so wunderbar gespielt, inszeniert und montiert, dass man nicht umhin kommt diesen störrischen Mann ins Herz zu schließen. Dabei ist „Nobody’s Fool“ komplett auf Paul Newman und seine Darstellung von Sully ausgerichtet, ohne jedoch das Können seiner anderen Schauspieler zu vernachlässigen. Großartig!

Der Film besitzt – schon allein aufgrund seiner schneereichen Bilder – eine äußerst melancholische Grundstimmung, welche jedoch nie zu schwer wird und stets mit ausreichend Humor durchsetzt ist. Ich kann nicht genau festmachen woran es liegt, doch dieser Film schafft es immer wieder mich tief zu berühren. Dabei drückt er nicht effekthascherisch auf die Tränendrüsen seiner Zuschauer, sondern überzeugt durch glaubhafte Charaktere und ein realistisches Setting.

Neben Paul Newman gibt es in „Nobody’s Fool“ einen fantastischen Bruce Willis, eine zuckersüße Melanie Griffith, einen dusseligen Philip Seymour Hoffman sowie die unbeschreibliche Jessica Tandy in ihrer leider letzten Rolle zu bewundern. Getragen wird die Geschichte zudem von Howard Shores wunderschönem Score, welcher der Arbeiterkleinstadt ein emotionales Fundament gibt.

Leider wird die bisher existierende DVD dem Film nicht im Ansatz gerecht und ich kann nur hoffen, dass sich ein Label erbarmt diese Filmperle in würdiger Qualität auf Blu-ray zu veröffentlichen. Für mich gehört „Nobody’s Fool“ zu jenen kleinen Filmen, die in Wirklichkeit größer sind als die meisten Blockbuster zusammen. Ein Schauspielerfilm, ein Charakterstück, eine zauberhafte Geschichte. Kino, wie es sein sollte: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Die schrillen Vier auf Achse – OT: Vacation (1983)

Aktualisierung: Ich habe „Die schrillen Vier auf Achse“ am 4. August 2023 zusammen mit den Kindern erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nachdem ich mich jedes Jahr an „Schöne Bescherung“ erfreue, habe ich mir die restlichen Filme rund um die sympathische Chaosfamilie Griswold zugelegt. Mit „Die schrillen Vier auf Achse“ geht es im ersten Film der Urlaubstetralogie durch den amerikanischen Westen, wo etliche Abenteuer auf Clark und seine Familie warten.

Die schrillen Vier auf Achse (1983) | © Warner Home Video

Die schrillen Vier auf Achse (1983) | © Warner Home Video

Im Gegensatz zur Weihnachtsepisode habe ich das erste Abenteuer der Griswolds bisher nur drei- bis viermal gesehen, wobei die letzte Sichtung bestimmt schon 15 Jahre zurückliegt. Erinnern konnte ich mich noch an die grobe Geschichte sowie einige klassische Szenen, wie z.B. die verschlafene Fahrt, welche später wohl auch Matt Groening für eine Episode von „Die Simpsons“ inspiriert hat. Viele andere Details kamen mir bei der gestrigen Sichtung allerdings erfrischend neu vor.

Vergleicht man den Film mit „Christmas Vacation“ so fällt auf, dass die satirischen Elemente hier noch stärker ausgeprägt sind. Zwar gibt es auch etliche alberne und charakterbildende Szenen, doch werden die meisten Lacher noch durch satirische Übertreibung hervorgerufen. Besonders im Finale läuft der Film hier zur Höchstform auf.

So gut mich „Vacation“ gestern auch unterhalten hat, so kann er „Schöne Bescherung“ in meinen Augen nicht das Wasser reichen. Einerseits liegt das bestimmt in nostalgischen Gefühlen begründet, andererseits finde ich die zweite Fortsetzung einfach lustiger und ausgewogener, wobei dieser Film bei wiederholter Sichtung durchaus noch wachsen mag.

Wie man es auch dreht und wendet: „Die schrillen Vier auf Achse“ kann auch heute noch ausgezeichnet unterhalten, wenngleich man ein Faible für 80er Jahre Komödien mitbringen sollte. Dann jedoch wird man mit teils herrlich bösen, teils unglaublich doofen und doch immer sympathischen Szenen belohnt, welche zudem mit einem wunderbaren Soundtrack unterlegt sind. We’re all gonna have so much fucking fun we’ll need plastic surgeory to remove our godamn smiles: 7/10 Punkte.

Toy Story 3 (2010)

Aktualisierung: Ich habe „Toy Story 3“ am 1. August 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Die „Toy Story“-Trilogie von Disney/Pixar wird für mich wohl stets die Animationsfilmreihe sein, der ich mich am meisten verbunden fühle. Den ersten Teil sah ich erstmals vor genau 15 Jahren und war damit exakt halb so alt, wie bei der gestrigen Sichtung von „Toy Story 3“ – dem Finale der Trilogie. Man könnte somit sagen, ich bin mit den Filmen aufgewachsen, wenn nicht sogar erwachsen geworden.

Toy Story 3 (2010) | © Walt Disney

Toy Story 3 (2010) | © Walt Disney

In „Toy Story 3“ dreht sich alles um den Abschied von der Kindheit und das Eintreten in einen neuen Lebensabschnitt. Stärker als bei den Vorgängern rückt damit Andy ins Zentrum der Geschichte. Bisher war er nur der Auslöser, der die Geschichte ins Rollen brachte – doch dieses Mal wird auch er emotional in sie eingebunden, was zu einem wunderschönen, sentimentalen Ende führt, bei dem wahrlich kein Auge trocken bleibt.

Bevor die Handlung jedoch dort ankommt, gibt es allerlei bunte Abenteuer zu bestehen, unzählige neue Spielzeuge zu treffen und fiese Hindernisse zu überwinden. Die Geschichte ist abermals mitreißend und flott erzählt, nimmt sich dennoch Zeit für ihre Charaktere und bietet herrlichen Humor sowie nachdenkliche Momente. Wie bereits in „Toy Story 2“ fügen sich die neuen Figuren perfekt in das bereits etablierte Universum ein. Pixar beweist zudem abermals ein Händchen für perfektes Timing und eine ausgewogene Erzählweise.

Audiovisuell ist der Film eine wahre Augenweide, was besonders bemerkenswert ist, da er dennoch nahtlos an die alten Filme anschließt – und dazwischen liegen immerhin 15 Jahre technischer Fortschritt. Ein Meisterwerk der Animationskunst. Auch die Geschichte ist erwachsener geworden und oft beherrscht ein beinaher schon erschreckend düsterer Grundton die einzelnen Handlungsabschnitte. Wie da wohl die absolut unpassende FSK-Freigabe (ohne Altersbeschränkung) zustande gekommen sein mag? Wirklich unfassbar.

Am meisten überzeugt hat mich „Toy Story 3“ abermals von der emotionalen Seite. Selten war ich so ergriffen, wie in der Szene als sich die Spielzeuge alle an den Händen fassten, um tapfer ihrem sicheren Ende entgegen zu sehen. Ich bekomme jetzt noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke. Ebenso fantastisch ist natürlich das Finale der Geschichte, welches mit der real gewordenen Wolkentapete aus Andys Kinderzimmer in „Toy Story“ endet. Absolut fantastisch.

Fazit

Pixar ist mit diesem Film wohl der Abschluss zu einer der hochwertigsten Trilogien überhaupt gelungen – und das meine ich genreübergreifend und nicht nur auf Animationsfilme bezogen. Auch der dritte Teil hat sich sofort und unabdingbar in mein Herz gespielt. Ich freue mich jetzt schon darauf einmal zusammen mit meiner Tochter die gesamte Filmreihe zu sehen und mich am Leuchten in ihren Augen zu erfreuen. Ein größeres Kompliment kann man einem Film wohl nicht machen: 10/10 Punkte.

Schöne Bescherung – OT: Christmas Vacation (1989) (WS2)

Ich sehe „Schöne Bescherung“ jedes Jahr und bespreche den Film danach auf meinem Blog. Du möchtest die komplette Dosis Griswolds? Du findest alle Besprechungen hier!

Adventszeit: Glühwein, Lebkuchen und gemütliches Zusammensein. Was darf da nicht fehlen? Natürlich der Weihnachtsfilmklassiker der 80er Jahre: „Schöne Bescherung“ nach einem Drehbuch von John Hughes und mit Chevy Chase als fanatisches Oberhaupt der Familie Griswold. Die gestrige Sichtung war insofern etwas Besonderes, als dass sie für ein Zuschauerpaar tatsächlich eine Premiere darstellte – unglaublich, oder?

Vielleicht liegt es auch an den beiden Neuzugängen, doch so viel Spaß wie gestern hatte ich schon lange nicht mehr mit dem Film – und das wohlgemerkt, obwohl ich nahezu jedes Jahr enorm viel Spaß mit „Schöne Bescherung“ habe. Der Film bietet einfach so viele unglaublich gelungene Gags und Slapstickeinlagen, dass man ununterbrochen lachen könnte. Daneben gibt es während der Vorbereitungen zum Weihnachtsfest der Griswolds aber durchaus besinnliche Momente, die einen wunderbar auf die Feiertage einstimmen.

„Christmas Vacation“ ist wohl der Film, den ich in meinem bisherigen Leben am häufigsten gesehen habe. 20 Sichtungen dürften es wohl mindestens gewesen sein. Umso erstaunlicher, dass ich immer noch lachen kann und sogar neue Details entedecke. So ist es mir bisher tatsächlich entgangen, dass Rusty Griswold von niemand geringerem als Johnny Galecki (Leonard Hofstadter, „The Big Bang Theory“) gespielt wird.

Eigentlich hätte ich die Sichtung gerne näher zu Weihnachten verlagert, doch ist nahezu jeder Abend bis dahin schon verplant. Insofern war der gestrige Abend gar nicht schlecht gewählt, denn somit ist eines der jährlichen, vorweihnachtlichen Rituale – für mich zudem eines der schönsten – bereits vollzogen. Ich bin einmal gespannt, wann die restlichen Filmblogger mit ihren Einträgen folgen. We’re gonna have the hap hap happiest christmas since Bing Crosby tapdanced with Danny fucking Kaye: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Für immer Shrek – OT: Shrek Forever After

Als Dreamworks 2001 „Shrek“ in die Kinos brachte, war ein neuer Klassiker des Animationsfilms geboren. Knapp 10 Jahre später nahm der grüne Oger mit „Für immer Shrek“ Abschied von der Leinwand. Ob das große Finale besser gelungen ist, als der von vielen Kritikern vernichtend besprochene Vorgänger? Man durfte gespannt sein…

Schon nach den ersten paar Minuten war mir klar: Die Magie ist weitgehend verschwunden. Bereits „Shrek der Dritte“ – der mir immerhin besser gefiel, als den meisten Zuschauern – hatte viel vom anarchischen Zauber der Vorgänger eingebüßt. Das beinahe schon satirische Märchenreich des Ogers wurde zu dem, was es selbst einmal durch den Kakao gezogen hat: Eine zuckersüße Bonbonwelt mit klischeehaften Charakteren und einer nur netten Geschichte.

Trotz des fehlenden Zaubers, versprach „Für immer Shrek“ zunächst eine immerhin mitreißende Geschichte zu erzählen. Ich liebe Handlungsstränge, die in Paralleluniversen spielen. Alternative Realitäten und so. Dafür bin ich wirklich immer zu haben. Hier jedoch vermisste ich bei diesen Ansatz die knackigen Ideen. Letztendlich wurde abermals die gleiche Geschichte abgespult, nur um am Ende mit einer Holzhammerbotschaft ins letzte Happy End der Reihe zu gehen.

Besonders schade ist, dass der Film eigentlich alle Knöpfe drückt, um ein Erfolg zu werden: Es gibt schöne Reminiszenzen an die ersten Teile, es gibt eine relativ vielversprechende Prämisse und es gibt einen interessanten Bösewicht, der letztendlich leider auch nicht das halten kann, was zunächst versprochen wird. Mir ist es vorgekommen, als wäre dem Film immer kurz vor dem nächsten großen Lacher die Luft ausgegangen. Nicht wirklich schlecht, sogar stets unterhaltsam, aber eben nicht konsequent durchdacht.

Freunde der Reihe werden bestimmt wieder 90 Minuten Spaß mit Shrek, Esel und Co. haben. Ich für meinen Teil habe mich durchaus amüsiert, musste aber immer öfter wehmütig an die wunderbaren Vorgänger denken. Somit bin ich nicht traurig, dass es sich hiermit um den – so hoffe ich zumindest – letzten Teil der Reihe handelt. Man sollte eben aufhören, wenn es am schönsten ist – und nicht erst zwei Filme danach: 6/10 Punkte.

Kick-Ass (2010)

Was hatte ich mich auf diesen Film gefreut: Matthew Vaughns „Kick-Ass“ versprach ein großer, bunter Spaß zu werden. Eine Comicverfilmung, die dem Superheldengerne neue Aspekte entlocken könnte. Dank sich teils überschlagender Kritiken war ich auch guter Dinge, dass sich meine Erwartungen erfüllen werden – und so sollte es dann auch kommen…

Selten zuvor hat ein Film so exakt meine Erwartungshaltung abgebildet. „Kick-Ass“ ist bunt, laut und kocht nur so über vor seltsamem Humor. Das Konzept erinnert – und ja, dieser Vergleich ist sehr weit hergeholt – in Grundzügen an Alan Moores „Watchmen“ mit seinen kostümierten Helden. Vigilantismus in Strumpfhosen. In Matthew Vaughns Film gibt es jedoch keine ausgefeilten Charakterstudien, sondern vor allem überdrehte Comic-Action, eingebettet in absurde Handlungsstränge.

„Kick-Ass“ beginnt als Teenie-Komödie und streift leicht das Coming-of-Age-Genre, nur um im nächsten Moment in surreale Gewalt zu explorieren. Beim ersten Auftritt von Hit Girl konnte ich kaum glauben, was sich da auf dem Bildschirm abspielt: Zu BANANA SPLITS der von mir sehr geschätzten THE DICKIES gab es plötzlich ein Feuerwerk aus Blut und Gewalt – und all dies ausgeführt von einem 11-jährigen Mädchen. Moralisch natürlich fragwürdig, doch in diesem Kontext einfach nur äußerst unterhaltsam. Wahnsinn.

Nach der schön erzählten Entstehung des titelgebenden Möchtegernhelden sowie des oben genannten Auftritts von Hit Girl schleicht sich die Normalität in den Film ein. Es gibt weitere überdrehte Actionszenen, charakterbildende Momente und durchaus auch Längen. Immer noch sehr unterhaltsam, aber man hat sich in meinen Augen zu sehr auf den bereits eingeführten Elementen ausgeruht und zu wenig Feinschliff ins Drehbuch gesteckt. Dadurch bleiben die Charaktere leider auch nur das, was sie letztendlich sind: Zweidimensionale Comicfiguren.

„Kick-Ass“ wird mir bestimmt nicht sehr lange im Gedächtnis bleiben. Dazu mangelt es sowohl der Geschichte, als auch den Charakteren an Tiefe. Dafür bin ich mir sicher, dass ich bei jeder weiteren Sichtung wieder enorm viel Spaß mit dem Film haben werde: Die flotte Inszenierung, der tolle Soundtrack und die überdrehte Action haben die Comicverfilmung garantiert nicht zum letzten Mal in meinen Blu-ray-Player wandern lassen. Auf jeden Fall sehenswert: 8/10 Punkte.

(500) Days of Summer (2009)

Es gibt diese Filme. Filme, die sich einem sofort ins Herz spielen. Als wären sie schon immer Teil des persönlichen, filmischen Mikrokosmos gewesen. Marc Webbs „(500) Days of Summer“ gehört ohne Zweifel zu diesen Filmen. Gerade erst gesehen und schon das Gefühl einen neuen Freund gewonnen zu haben. Was den Film so besonders macht? Findet es heraus…

Zunächst einmal muss ich die formalen Aspekte loben: Der Aufbau des Films ist zwar nicht unbedingt brandneu, aber im Rahmen doch Genres doch wunderbar erfrischend. Aufgrund der mäandernden Darstellung der Beziehung bekommt man als Zuschauer all die widersprüchlichen Gefühle präsentiert, die eine Beziehung eben so mit sich bringt. Wunderbar. Des Weiteren ist der Film wunderschön photographiert und besitzt den besten Soundtrack seit „Garden State“ – was ich als absolutes Kompliment verstanden haben will.

Auch inhaltlich ist der Film ganz groß. Selten habe ich solch eine natürliche Chemie zwischen zwei Schauspielern erlebt. Großartige Leistungen von Joseph Gorden-Levitt („Brick“, „Inception“) und Zooey Deschanel. Auch die Drehbuchautoren haben ihren Teil zum Gelingen der Geschichte beigetragen, wirken die Dialoge doch wunderbar aus dem Leben gegriffen. Gewürzt mit unzähligen popkulturellen Referenzen und der stilsicheren Inszenierung ergibt sich ein ganz besonderer, kleiner Film. Ein Film der es leicht unter meine Lieblingsfilme schaffen könnte.

Müsste ich einen Kritikpunkt nennen, dann eventuell die Erzählstimme, die doch ab und zu an „Die fabelhafte Welt der Amélie“ oder auch die TV-Serie „Pushing Daisies“ erinnert. Glücklicherweise wird sie in „(500) Days of Summer“ nur sehr gezielt eingesetzt und auch die anderen inszenatorischen Kniffe wirken nicht aufgesetzt, sondern fügen sich relativ nahtlos in die Geschichte ein.

Marc Webbs „(500) Days of Summer“ hat etwas in mir berührt, wohin es nur wenigen Filmen gelingt vorzudringen. Bereits nach ein paar Minuten fühlten sich die Charaktere wie alte Bekannte an. Vermutlich ist der Film aber nicht für jeden Zuschauertyp geeignet. Man muss wohl – zumindest zu geringen Teilen – ein Träumer oder zumindest mit britischer Popmusik aufgewachsen sein. Fantastisch: 9/10 Punkte.