Hangover – OT: The Hangover (2009) (WS1)

Nach einem mehr oder weniger anstrengenden Tag fiel die abendliche Filmwahl auf einen alten Bekannten, der den erkältungsgebeutelten Kopf möglichst wenig anstrengen sollte. So kam es dann auch und ich konnte Todd Phillips‘ Erfolgskomödie „Hangover“ ohne größere Beschwerden genießen. Im Player lag übrigens der Extended Cut, der jedoch keiner besonderen Erwähnung bedarf, da die relativ belanglosen Erweiterungen wohl nur Hardcore-Fans auffallen dürften, die den Film öfter als dreimal im Jahr zu ihrem Pflichtprogramm zählen.

Wirklich erstaunt und positiv überrascht war ich, wie gut der Film auch bei einer wiederholten Sichtung noch funktioniert. Das hätte ich nach meinem Kinobesuch vor gut zwei Jahren so nicht erwartet. Die Geschichte ist nun zwar bekannt, doch gewinnen manche Szenen tatsächlich dadurch, dass man bereits weiß was auf die Charaktere zukommt. Hinzu kommt, dass mein filmisches Gedächtnis so schlecht bzw. „The Hangover“ gerade so oberflächlich ist, dass ich mich an viele Details schon gar nicht mehr erinnern konnte. Somit hatte ich bei der gestrigen Sichtung beinahe ebenso viel Spaß, wie bei der Erstsichtung damals im Kino.

Besonders gut funktioniert in dem Film das Ensemble. Hier hat man wirklich ein gutes Händchen für die Wahl der Darsteller bewiesen. Neben Bradley Cooper (Eddie Morra, „Ohne Limit“) und Ed Helms (Andy Bernard, „The Office“) wissen besonders Zach Galifianakis (Ray, „Bored to Death“) und Ken Jeong (Señor Chang, „Community“) zu überzeugen, die ein wahres Feuerwerk an Absurdität abfeuern. Sicher völlig übertrieben und selbstzweckhaft, doch unglaublich unterhaltsam und erfrischend. Für mich ein Grund, warum auch der zweite Teil so gut funktioniert hat, dessen Wiederholungssichtung die nächsten Tage bestimmt auch noch ansteht.

Ansonsten gilt es abermals die famose audiovisuelle Gestaltung zu loben. Man hat wirklich das Gefühl mit den Jungs auf Streifzug durch Las Vegas zu sein. Auch wenn die musikalische Untermalung normalerweise nicht mein Geschmack ist, so weckt sie doch gewisse Erwartungen und unterstreicht das Gefühl der schier unendlichen Möglichkeiten. Der Film hat gewiss seine Schwächen, doch insgesamt stellt „The Hangover“ eine Ausnahmekomödie dar, die auch beim wiederholten Anschauen zu überzeugen weiß: 8/10 Punkte.

Bolt: Ein Hund für alle Fälle – OT: Bolt (2008)

Gestern Abend wanderte das zweite meiner filmischen Weihnachtsgeschenke in den dazugehörigen Player. Auf Disneys „Bolt: Ein Hund für alle Fälle“ hatte ich mich schon lange gefreut, war aber gleichzeitig skeptisch, da es sich um einen Alleingang des Animationsgiganten ohne ihren langjährigen Partner Pixar handelt. Der letzte große Disney-Animationsfilm „Tangled“ gefiel mir jedoch ausgezeichnet und so war ich guter Dinge, dass mich auch „Bolt“ nicht enttäuschen würde…

Um es kurz zu machen: Ich wurde nicht enttäuscht. Ich wurde sogar außergewöhnlich gut unterhalten. Bereits der Prolog des Films feuert solch ein Actionfeuerwerk ab, dass es eine wahre Freude ist. Völlig übertrieben und zügellos gibt man sich sämtlichen Klischees und Unarten hin, die sich im jüngeren Actionkino Hollywoods etabliert haben. Herrlich! Man bekommt folglich eine überzeichnete Persiflage des Genres zu sehen, die gleichzeitig als Hintergrund für die nun folgende Geschichte dient. Die Prämisse ist dabei so einfach, wie genial: Ein tierischer Filmstar, dem nicht bewusst ist, dass er stets nur eine Rolle gespielt hat, muss sich durch eine Welt mit ihm unbekannten Regeln kämpfen. Eine herrliche Fish-Out-of-Water-Geschichte, die nicht nur manchmal an die Abenteuer von Don Quijote (oder Buzz Lightyear) erinnert.

Im Gegensatz zu „Tangled“, der eher an die großen Disneyklassiker anschließt, erinnert „Bolt“ mehr an die Pixar-Filme der jüngeren Zeit. Oft legt der Film ein unglaubliches Tempo vor, nur um in der nächsten Sekunde wieder mit ruhigen Charaktermomenten zu glänzen. Besonders die Nebenfiguren Mittens und Rhino treiben die Geschichte wunderbar komisch voran, ohne jedoch nur als Stichwortgeber zu fungieren. Die Balance stimmt hier einfach, was besonders den Drehbuchschreibern hoch anzurechnen ist.

Neben der kurzweiligen Handlung, hat mich vor allem die Inszenierung überzeugt. Detailreiche Charaktermodelle und ein zum Teil herzerweichender Animationsstil sind das Grundgerüst für einen visuellen Genuss erster Güte. Hinzu kommen teils gezeichnet wirkende Hintergründe, welche dem Film einen handgemachten Eindruck verleihen. Einzig die Darstellung der menschlichen Charaktere wirkt teils etwas befremdlich, doch das ist bei den meisten Animationsfilmen der Fall und wirkt hier keineswegs störend.

Ich bin wahrlich begeistert und kann „Bolt“ allen Animationsfreunden nur ans Herz legen. Eine nette und kurzweilige Geschichte, starke Sprecher (u.a. John Travolta und Susie Essman) und eine mitreißende Inszenierung machen den Film für nahezu jede Altersklasse sehenswert. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass der Film bei kommenden Sichtungen noch wachsen wird: 9/10 Punkte.

New York für Anfänger – OT: How to Lose Friends & Alienate People

Nach einer äußerst fordernden Arbeitswoche habe ich mir gestern Abend Robert B. Weides „New York für Anfänger“ angesehen. Die Komödie schien mir genau die richtige Wahl zu sein, um den grauen Alltag zu vergessen. Leider ist es mir nicht gelungen abzuschalten, was sich auch negativ auf das Filmerlebnis ausgewirkt hat. Trotz Simon Pegg konnte der Film meine Erwartungen somit nicht komplett erfüllen.

Nach „Run, Fatboy, Run“ wartete ich 2008 voller Hoffnung auf Simon Peggs zweiten kömodiantischen Alleingang ohne seine sonstigen Partner Nick Frost und Edgar Wright. Jedoch hat es „How to Lose Friends & Alienate People“ nie ins örtliche Kino geschafft, woraufhin ich den Film auch schnell wieder vergessen hatte. Erst kürzlich ist er mir wieder in die Hände gefallen und trotz durchwachsener Kritiken erwartete ich mir eine bissige Lifestyle-Satire mit einem meiner Lieblingsschauspieler.

Von Bissigkeit ist in „New York für Anfänger“ leider nicht viel zu spüren. Es gibt zwar formidable Ansätze, doch leider verfängt sich die Buchverfilmung immer mehr in typischen RomCom-Strukturen. Glücklicherweise gibt es den nicht zu bremsenden Simon Pegg zu bewundern, der herrlich die Balance zwischen nervtötender Penetranz und herzerweichender Trotteligkeit zu spielen weiß. Auch die meisten anderen Darsteller (u.a. Jeff Bridges, Kirsten Dunst, Gillian Anderson und Megan Fox) wissen zu überzeugen, können jedoch das unfertig wirkende Drehbuch nicht ausgleichen.

Letztendlich ist „How to Lose Friends & Alienate People“ eine etwas unausgewogene Mischung aus Lifestyle-Satire und RomCom, die aufgrund ihrer gut aufgelegten Darstellern zu unterhalten weiß. Leider jedoch hat man den Film aufgrund seiner Formelhaftigkeit bestimmt auch schon bald wieder vergessen. Für einen netten Abend aber durchaus empfehlenswert – besonders für Fans von Simon Pegg: 6/10 Punkte.

Tucker & Dale vs. Evil (2010)

Schon lange habe ich keinen so erfrischenden Film mehr gesehen. Es ist wahrlich eine Freude, was Eli Craig mit „Tucker & Dale vs. Evil“ für ein Wundertüte von einem Film auffährt. Meist setzen auf lustig getrimmte Horrorfilme einzig und allein auf Splattereffekte oder platten Humor, doch die richtige Gratwanderung aus Verbeugung vor dem Genre und Eigenständigkeit gelingt nur den wenigsten. Dieser Film ist eine dieser seltenen Ausnahmen.

Mag man Eli Craig das größte Kompliment machen, dann könnte man schreiben, dass „Tucker & Dale vs. Evil“ das Gleiche für den Backwood-Horror erreicht hat, wie Wes Cravens „Scream“ für den Slasher. Eine nahezu perfekte Genreparodie. Natürlich lassen sich beide Filme nur bedingt vergleichen und aufgrund seiner Indie-Herkunft sollte man vermutlich eher „Behind the Mask: The Rise of Leslie Vernon“ als Slasher-Pendant heranziehen. Allen drei Filmen gelingt es dabei – wie z.B. auch „Shaun of the Dead“ – zum Brüllen komisch und dennoch innerhalb der eigenen Regeln höchst mitreißend zu sein, ohne dabei die Charaktere der Lächerlichkeit preiszugeben.

Die Prämisse von „Tucker & Dale vs. Evil“ ist so simpel wie brilliant, dass man sich nur fragen kann, wieso man nicht selbst auf diesen Gedanken gekommen ist. An dieser Stelle möchte ich nicht mehr verraten, da es nur die Freude am Filmerlebnis trüben würde. Trotz seiner exzellenten Grundidee würde der Film ohne Alan Tudyk (Wash, „Firefly“ und „Serenity“) und Tyler Labine (Larry Munsch, „Mad Love“) jedoch nicht funktionieren. Ein herrliches Leinwandpaar, das hier auch unerwartet ruhige Töne anschlagen darf. Auch die restlichen Mitglieder des Casts wissen in ihren begrenzten Rollen zu überzeugen.

Der einzige Kritikpunkt, den ich habe, ist die Motivation des eigentlichen Killers. Hier wäre es doch wunderbar gewesen, wenn man im Abspann gesehen hätte, wie sich bereits seine Eltern das Memorial Day Massaker nur eingebildet hätten. Aber vielleicht hätte dies der Integrität der Geschichte auch eher geschadet, denn auch wenn das Finale eher klischeehaft abläuft, bleibt der Film dabei doch stets unterhaltsam und weiß mit herrlich grotesken Szenen aufzuwarten.

Mich hat „Tucker & Dale vs. Evil“ wahrlich exzellent unterhalten und ich würde mir an dieser Stelle beinahe ein Sequel wünschen. Vielleicht eine Torture Porn-Parodie? Vielleicht etwas ganz anderes? Allein dieser Wunsch beweist, dass mit Tucker und Dale zwei Charaktere die Genre-Bühne betreten haben, an die man sich – so man über diesen Film stolpert – noch lange erinnern wird. Unbedingt anschauen: 8/10 Punkte.

Scream 4 – OT: Scre4m (2011)

Müsste ich meine beeindruckendsten Kinobesuche nennen, so würde es die 1997er Sichtung von Wes Cravens „Scream“ auf jeden Fall unter die Top 5 schaffen. Doch diese Anekdote ist an anderer Stelle angebrachter. So oder so war ich nach über 10 Jahren äußerst gespannt, ob es Wes Craven und Kevin Williamson gelungen ist, das sich totgelaufene Genre mit „Scream 4“ erneut zu beleben. Interessanterweise hat der Film wieder mit den an ihn gerichteten Erwartungen gebrochen – allerdings auf andere Weise, als vermutet… Spoiler sind zu erwarten.

Als „Scream 4“ angekündigt wurde, war ich nach dem schwächeren dritten Teil einerseits skeptisch, andererseits konnte ich mir aber auch gut vorstellen, dass das sich seit den 1990ern doch sehr gewandelte Genre genug neue Ansatzpunkte für eine imposante Rückkehr des Ghostface-Killers bietet. So hatte ich wohl am ehesten erwartet, dass sich das Gespann Craven/Williamson der Torture-Porn-Welle annimmt und die Reihe somit in eine auch stilistisch neue Richtung lenken würde. Weit gefehlt. Auch wenn Facebook, Twitter und Co. Einzug nach Woodsboro hielten, so hatte ich gestern eher das Gefühl mich auf eine Zeitreise zurück in die 1990er Jahre begeben zu haben. Der Film ist einfach unfassbar nah an den Originalen inszeniert.

Sowohl Kameraführung, Charaktere, dramaturgischer Aufbau, Musikuntermalung und Atmosphäre erinnern so sehr an besonders die ersten beiden Teile, dass die seit dem bahnbrechenden Auftakt vergangenen 15 Jahre schon fast unwirklich scheinen. Einerseits war ich etwas enttäuscht, dass die Filmreihe auf so ausgetretenen Pfaden wandelt, andererseits hat mir die Retro-Atmosphäre unglaublich gut gefallen. Besonders da Themen, wie Reboot, Remake usw. auch im Film thematisiert wurden. Großartig!

Zugenommen hat der Anteil an Meta-Anspielungen auf das Genre und die Filmreihe selbst. Hier sticht besonders der Prolog heraus, der mit herrlichen Cameo-Auftritten (u.a. Anna Paquin, „True Blood“ und Kristen Bell, „Veronica Mars“) aufwartet. Überhaupt ist der Film über weite Strecken so meta, dass wohl nur beinharte Genre- und „Scream“-Fans ihren Spaß damit haben werden. Leider jedoch folgt auch „Scream 4“ am Ende nur stereotypischen Genrekonventionen, was letztenlich viel von seinem Potential zerstört. Dabei wäre hier wirklich Großes möglich gewesen.

Erwähnte ich schon Spoiler? Auch wenn die Enthüllung der Killer nur wenig überraschend war (im Grunde hätte es wieder einmal jeder sein können), so fand ich den direkten Bezug zum Original famos. Auch Jills Motiv hat perfekt in die Filmreihe gepasst. Nur warum hat man sie ihr Ding nicht durchziehen lassen? Was wenn man ihr auch als Zuschauer auf den Leim gegangen wäre und man ihre Selbstverstümmelung erst im Abspann präsentiert hätte? Aber nein, es muss noch ein absolut klischeehaftes zweites Finale im Krankenhaus geben, das wieder alle Optionen für eine weitere Fortsetzung offen hält.

Insgesamt hat mich „Scream 4“ sehr gut unterhalten. Die Sichtung hat mich wieder in meine Jugend zurückkatapultiert, was dem Film schon einmal Bonuspunkte einbringt. Das Retro-Gefühl wirkt dabei glücklicherweise nicht aufgesetzt und auch wenn sie das Genre nicht neu definiert, so darf man die Handlung dieses späten Sequels durchaus als gelungen bezeichnen. Leider jedoch hat die Filmemacher gegen Ende der Mumm verlassen, was ich persönlich äußerst schade finde. Seine 7/10 Punkte hat sich der Film aber auf jeden Fall verdient. Lust auf das Original habe ich auch wieder bekommen. Scream-A-Thon, anyone?

RED (Retired Extremely Dangerous)

Nach einem auslaugenden Arbeitstag hatte ich mich sehr auf einen entspannten Filmabend gefreut. Da in letzter Zeit etliche Blindkäufe ihren Weg in meine Sammlung gefunden haben, war die Qual der Wahl groß. Letztendlich haben wir uns auf „RED“ (Retired Extremely Dangerous) geeinigt, der genau das richtige Maß an Unterhaltung versprach. Schließlich muss man auch bei der Filmwahl stets die eigenen Aufmerksamkeitsdefizite mit einkalkulieren…

Robert Schwentkes („Flightplan“) Actionkomödie hat größtenteils ziemlich gute Kritiken bekommen, dennoch hatte ich den Film nie so richtig auf dem Radar. Mit Bruce Willis, John Malkovich, Helen Mirren und Morgan Freeman in den Hauptrollen, wollte ich jedoch auf jeden Fall einmal reinschauen. Die Besetzung ist es auch, die den Film über den Genredurchschnitt hebt. Neben den genannten Schauspielgrößen sind es jedoch vor allem Mary-Louise Parker und Richard Dreyfuss, die mich überzeugt haben. Karl Urban kann seinem Anspruch einen ebenbürtigen Gegenspieler darzustellen dagegen leider nie ganz gerecht werden.

Die Geschichte des Films ist eher ein Deckmantel für diverse Actioneinlagen und humorvolle Szenen, die meist auf das Alter der Protagonisten anspielen. Ein wenig Verschwörung, ein wenig Rache und viel Action. Nichts Besonderes, aber genug um den Film zu tragen. Am besten hat mir jedoch die erste Hälfte des Films gefallen, in der vor allem die Charaktere eingeführt und etabliert werden. Gegen Ende verliert sich „RED“ dagegen in ungefähr schon ein gutes dutzend Mal gesehen Konflikten und deren gewaltsamer Bewältigung.

Erwähnen sollte ich vielleicht noch die stimmige – wenn auch immer etwas zu glatt wirkende – Inszenierung. Florian Ballhaus fängt unsere Altstars gekonnt ein und weiß mit netten Kameraspielereien zu punkten. Alles in allem ist „RED“ eine unterhaltsame Actionkomödie, die in ihren besten Momenten ein wenig an James Camerons „True Lies“ erinnert, größtenteils aber auf zu vorhersehbare Kost setzt und hauptsächlich durch ihre Darsteller zu überzeugen weiß: 6/10 Punkte.

Edit: Nachdem ich die Handlung des Films nur zwei Tage nach dessen Sichtung schon wieder komplett vergessen habe, mir aber immerhin noch einige unterhaltsame Szenen in Erinnerung sind, musste „RED“ nachträglich eine leichte Abwertung (um 1 Punkt) hinnehmen.

Die schrillen Vier in Las Vegas – OT: Vegas Vacation (1997)

Gestern Abend habe ich mich erneut mit der Familie Griswold in den Urlaub begeben. Soweit ich mich erinnern kann, habe ich „Die schrillen Vier in Las Vegas“ damit zum ersten Mal gesehen. Ganz im Gegensatz zu den Vorgängern, die mich durch meine filmische Jugend begleitet haben. Kann es der 8 Jahre später gedrehte Nachfolger mit den ersten drei Filmen aufnehmen?

Leider nein. Zwar war ich überrascht, wie sehr auch „Vegas Vacation“ noch den Geist der Filmreihe atmet, doch ist es vor allem das neue Reiseziel, das diesen Trip qualitativ deutlich abfallen lässt. Nach einem Roadtrip quer durch die USA, einer Reise durch Europa und der köstlichen Zelibrierung aller klischeehaften Weihnachtsrituale soll nun also eine Reise nach Las Vegas all das übetreffen? Das kann nicht so recht funktionieren. Somit sind es vor allem die Anreise, das Einchecken im Hotel und der Trip zum Hoover Dam, welche die guten alten Zeiten heraufbeschwören.

In Las Vegas selbst stagniert die Handlung enorm. Clarks Spielsucht sorgt kaum für Lacher, Ellens Techtelmechtel mit Wayne Newton empfand ich größtenteils als zu langweilig und Audreys Ausflug ins Nachtleben war viel zu brav inszeniert. Einzig Rustys Aufstieg zum großen Player hat mich als gesonderter Handlungsstrang überzeugt. Gefreut habe ich mich zudem über Cousin Eddie und Familie, deren Auftritt jedoch auch mehr Potential gehabt hätte.

Insgesamt ist „Vegas Vacation“ eindeutig der schwächste Teil der Filmreihe. Dennoch darf man ihn sich als Fan durchaus anschauen, bietet er zumindest in der ersten Filmhälfte einige nette Schmunzler und Anspielungen auf die klassischen Teile. Die Reihenfolge würde ich insgesamt folgendermaßen einordnen, wobei Platz zwei und drei nahezu austauschbar sind:

1. „Christmas Vacation“
2. „European Vacation“
3. „Vacation“
4. „Vegas Vacation“

Ein wenig Nostalgie sollte bei einer Sichtung von „Vegas Vacation“ schon mitschwingen, um dem Film etwas abgewinnen zu können. Spaß kann man mit den Griswolds durchaus auch in der Glücksspiel-Metropole haben, allerdings sollte man eine hohe Toleranz für dumme Witze und altmodische Erzählweise haben. Nett war es irgendwie dennoch: 5/10 Punkte.

Paul (2011)

Manchmal ist es wahrscheinlich tatsächlich von Vorteil, wenn man einen Film nicht auf dem Höhepunkt seines Erfolgs sieht. Um Greg Mottolas „Paul“ entwickelte sich vor dem Kinostart ein gnadenloser Hype, dem man sich als nerdiger Filmfreund kaum entziehen konnte. Die meisten Kritiken waren jedoch ziemlich verhalten, was meine Erwartungshaltung auch deutlich dämpfte. Vermutlich konnte ich die Sci-Fi-Komödie deshalb umso mehr genießen…

Zunächst einmal sollte ich festhalten, dass ich Simon Pegg und Nick Frost bereits seit ihrer TV-Serie „Spaced“ vergöttere. Ihr erster gemeinsamer Film „Shaun of the Dead“ zählt zu meinen absoluten Lieblingsfilmen und auch „Hot Fuzz“ konnte mich ausgezeichnet unterhalten. Doch leider lässt „Paul“ ein nicht unwichtiges Element vermissen, nämlich den Regisseur und kreativen Kopf hinter den oben genannten Serien und Filmen: Edgar Wright, der lieber bei der letztjährigen Comic-Verfilmung „Scott Pilgrim vs. the World“ die Zügel in die Hand nahm und hier den Weg für Greg Motolla („Superbad“) freimachte.

„Paul“ ist weit davon entfernt die erzählerische Finesse eines „Shaun of the Dead“ zu erreichen, doch das stört in diesem Fall nicht sonderlich. Die Geschichte um das gestrandete und sehr menschliche Alien Paul ist äußerst bodenständig und wird dementsprechend geradlinig erzählt. Somit bekommen wir als Zuschauer einen relativ klassischen Roadmovie zu sehen, der in seinen besten Momenten an die Filme erinnert, die er zu parodieren versucht. Dabei nutzt sich der Gag, dass Paul recht gerne flucht und auch sonst kein Problem mit Obszönitäten hat, doch relativ schnell ab. Glücklicherweise ist die Geschichte mit mehr Herz ausgestattet, als man dies nach dem Trailer erwarten würde.

Auch wenn der Film nicht mit so vielen Gags aufwartet, wie sich viele Zuschauer gewünscht hatten, so muss ich doch sagen, dass mich das Gesamtpaket außerordentlich gut zu unterhalten wusste. Besonders die subtilen Anspielungen auf die großen Sci-Fi-Klassiker à la „Unheimliche Begegnungen der dritten Art“ oder „Star Wars“ haben mir ausgezeichnet gefallen. Hinzu kommt das Nerd-Setting, welches wunderbar mit einem Besuch der Comic-Con eingefangen wurde und Gastauftritte von etlichen Schauspielern, die ich außerordentlich gerne sehe (u.a. Jane Lynch und Jeffrey Tambor). Insgesamt also ein wirklich unterhaltsamer Film, der mit der richtigen Erwartungshaltung unglaublich viel Spaß machen kann: 8/10 Punkte.

Rio (2011)

Zum Abschluss dieser durchaus aufreibenden Arbeitswoche habe ich mir mit Blue Skys „Rio“ einen entspannten Start ins Wochenende gegönnt. Die „Ice Age“-Reihe des Animationsstudios hat mich bisher stets recht gut unterhalten, insofern war ich gespannt, wie sich der – im Gegensatz zur Eiswüste – kunterbunte Handlungsort auf die Geschichte auswirkt.

Zunächst einmal kann festgehalten werden, dass die Karnevalstadt am Zuckerhut einfach nur atemberaubend umgesetzt wurde. Der Film lebt wahrlich von seiner titelgebenden Location, die sich natürlich nur von ihrer besten Seite zeigt. Wirklich sehr gelungen. Auch die Charaktere sind schön gestaltet und werden liebevoll animiert und in Szene gesetzt. Technisch kann man dem Film nahezu keine Vorwürfe machen. Er sieht einfach nur gut aus.

Mit der Handlung kann „Rio“ dagegen keine Preise gewinnen. Eine klassische Liebesgeschichte, ein wenig „Flucht in Ketten“ und stereotype Bösewichte. Wendungen gibt es kaum und bis zum unausweichlichen Happy End entwickelt sich der Film ziemlich genau so, wie man es sich erwartet. Glücklicherweise sind die beiden Hauptfiguren (gesprochen von Jesse Eisenberg und Anne Hathaway) sehr sympathisch gezeichnet und geben über weite Strecken ein herrlich zankhaftes Odd Couple ab.

Leider jedoch konzentriert sich der Film zu wenig auf seine Hauptfiguren und führt – im wahrsten Sinne des Wortes – zu viele schräge Vögel ein, die als ach so lustige Sidekicks fungieren sollen. Hier merkt man, dass der Film hauptsächlich auf eine sehr junge Zielgruppe zugeschnitten wurde. Auch die viel zu ausführlichen Gesangs- und Tanzeinlagen hätte man sich meiner Ansicht nach sparen können. Aber nun gut, gerade diese werden beim Zielpublikum eben besonders gut ankommen.

Für Animationsfilmfreunde bietet „Rio“ durchaus vergnügliche 90 Minuten. Man sollte sich natürlich keine Pixar- oder Disney-Qualitäten erhoffen, doch darf man sich über ein tolles Setting, sympathische Charaktere und eine actionreiche Geschichte freuen. Harmloser Spaß, der Urlaubsgefühle ins herbstliche Deutschland zaubert: 7/10 Punkte.

Rapunzel: Neu verföhnt – OT: Tangled

Disney’s back! Wie schön. Ich liebe ja die klassischen Disney-Filme. Doch irgendwann haben sie begonnen an Qualität zu verlieren und Pixar hat dem ehrwürdigen Animationsstudio – trotz offizieller Zusammenarbeit – den Rang abgelaufen. Ich weiß gar nicht mehr genau, was mein letzter Disney-Film war, doch nachdem ich eine Menge ausgelassen hatte, schien „Rapunzel: Neu verföhnt“ trotz des unschönen deutschen Titels sehr sehenswert geworden zu sein. Insofern war meine Vorfreude groß und ich sollte nicht enttäuscht werden…

„Tangled“ – so der um einiges gelungenere Originaltitel – ist ein klassischer Disney-Film, wie er im Buche steht. Es wird eine bekannte Märchenhandlung nacherzählt, es wird getanzt und gesungen, es gibt lustige Sidekicks, eine zarte Liebesgeschichte und einen eindeutigen Bösewicht. Dennoch wirkt der Film viel morderner als z.B. „Cindarella“ oder auch „Die Schöne und das Biest“, was aber weniger an der verwendeten Animationstechnik (ja, auch Disney ist schon seit Längerem im 3D-Zeitalter angekommen), als an der spritzigen Erzählweise der Geschichte. Das Tempo ist höher, die Dialoge gewitzter und dennoch fügt sich alles zu einem einheitlichen Bild zusammen. Wirklich sehr gelungen!

Auch wenn die Geschichte nicht mit großen Überraschungen auftrumpft, so sind es jedoch die Details, die überzeugen. Jeder Nebencharakter wirkt bewusst platziert und jeder auch noch so kleine visuelle Gag sitzt. Dabei sollte man aber nicht den Fehler machen eine Art „Shrek“ zu erwarten, denn „Tangled“ nimmt sich als klassischer Märchenfilm durchaus ernst, was zu einigen herrlich kitschig-schönen Einstellungen führt, die wir an Disney-Filmen eben so lieben. Davon gerne bitte wieder mehr.

Ebenso kann die Besetzung voll und ganz überzeugen. Mandy Moore klingt genauso süß und naiv, wie man sich Rapunzel eben vorstellt. Donna Murphy (Denise Goodman, „Trust Me“) weiß als böse Mutter Gothel zu brillieren und Zackary Levi (Chuck Bartowski, „Chuck“) gibt einen herrlich charmanten Tagedieb. Wahrlich famos! Mit Ron Perlman, Jeffrey Tambor und Brad Garrett seien dann nur einige der Nebendarsteller genannt. Ein wahres Fest also für Film- und Serienfreunde.

Zwar reicht „Tangled“ in meinen Augen noch nicht an die ganz großen Disney-Klassiker heran, doch der erste Schritt in die richtige Richtung ist getan. Der Film ist eigenständig und versucht weder Pixar zu kopieren, noch auf Teufel komm raus irgendwie anders modern zu sein. Er weiß seine Stärken geschickt auszuspielen und überzeugt somit auf ganzer Linie. Wie gesagt, äußerst gerne mehr davon: 8/10 Punkte.