Midnight in Paris (2011)

Woody Allen hatte ich nie bewusst auf meinem filmischen Radar. Die meisten seiner Klassiker kenne ich noch von diversen TV-Ausstrahlungen, doch aktiv beschäftigt habe ich mich nie mit dem misanthropischen Stadtneurotiker. Durch seinen jüngsten Film „Midnight in Paris“ ist er jedoch wieder in mein persönliches Rampenlicht gerückt. Es mag an Paris liegen, der phantastisch angehauchten Prämisse oder auch Owen Wilson, den ich für ziemlich unterschätzt halte. Es sollte eine magische Reise werden…

Ich war 17 als ich mit Freunden zum ersten Mal alleine und unbeaufsichtigt in einer großen Stadt Urlaub machte. Eine abgehalftere Jugendherberge in Paris, rudimentärste Sprachkenntnisse und ein Gefühl von Abenteuer. Die Erinnerung daran kommt mir vor wie aus einem anderen Leben. Dennoch habe ich dieses magische Gefühl, das Paris bei diesem kurzen Trip vor gut 14 Jahren bei ausgelöst hat, nicht vergessen. Und genau solch ein magisches Gefühl gelingt es Woody Allen in „Midnight in Paris“ heraufzubeschwören. Es ist weniger die Handlung des Films, die über weite Strecken vorhersehbar bleibt, oder die oft nur angerissenen Charaktere – nein, es ist die beinahe schon magische Atmosphäre, die den Film so sehenswert macht.

Gil Penders nächtliche Streifzüge, die letztendlich – wie sollte es auch anders sein – in einer für den Zuschauer nur konsequenten Selbsterkenntis gipfeln, hat Allen so herrlich unspektakulär in die Handlung eingewoben, dass es eine wahre Freude ist. Es gibt keine forcierten Erklärungsversuche und kein aufgesetztes Hinterfragen. Unser verhinderter Autor nimmt die Situation wie sie ist und stürzt sich kopfüber in die Roaring Twenties. Die dort stattfindenden Begegnungen mit nahezu jeder Künstlergröße dieser Epoche sind wunderbar unterhaltsam inszeniert und mit pointierten Dialogen durchsetzt. Ich muss jedoch zugeben, dass wohl nur jede dritte Anspielung zu mir durchgedrungen ist. Zwar konnte ich nahezu jeden Namen einordnen, habe gewisse Werke gelesen oder gesehen, doch um wirklich alles verstehen zu können, müsste man sich wohl ausführlicher mit Literatur und bildender Kunst der damaligen Zeit auseinandersetzen.

Große Kritikpunkte kann ich an „Midnight in Paris“ nicht finden. Von mir aus hätte der Film ruhig noch etwas länger laufen können, doch dies ist eigentlich nur ein weiteres Kompliment. Man verabschiedet sich – wie im atmosphärisch ähnlich gelagerten „Before Sunrise“ – eben nur sehr ungern vom nächtlichen Paris, den inspirierenden Begegnungen und auch der Hauptfigur. Das Ende hat mir zwar gut gefallen, doch war es viel zu vorhersehbar, wie leider große Teile der Handlung des Films. Formal hätte ich auf den exzessiv eingesetzten Gelbstich der Farbkorrektur verzichten können. Natürlich wollte Allen eine Postkartenidylle schaffen. Ein verklärtes Parisbild nicht ohne Ironie. Einen Künstlertraum. Doch weniger wäre hier in meinen Augen mehr gewesen.

Insgesamt ist Woody Allens jüngster Film unglaublich entspannte Unterhaltung. Ein Wohlfühlfilm, wie er im Buche steht. Owen Wilsons Gil Pender ist dabei kein schlecht gelaunter Misanthrop, sondern ein nostalgischer Träumer – und gerade dies macht den Film in meinen Augen so sympathisch. Ich bin mir fast sicher, dass ich bei einer garantiert folgenden nächsten Sichtung des Films besser über seine Schwächen hinwegsehen kann. Es ist noch Potential vorhanden. Dennoch möchte ich schon jetzt eine dringende Empfehlung aussprechen. Nicht nur für alle Träumer da draußen. Starke 8/10 Punkte.

Kill the Boss – OT: Horrible Bosses (2011)

Gestern Abend stand wieder einmal eine Komödie auf dem Plan, auf die ich mich sehr gefreut hatte. Seth Gordons „Kill the Boss“ versprach überdrehte Unterhaltung, die einem „The Hangover“ in nichts nachsteht. Auf die Kinosichtung hatte ich jedoch aufgrund des fehlenden Angebots der englischen Originalfassung verzichtet, auf die ich – insbesondere bei Komödien – unbedingt Wert lege. So kam es also, dass der Film sein gesamtes Humorpotential auf dem heimischen Bildschirm wohl nicht entfalten konnte…

Die Idee des Films ist so einfach wie genial. Wer hat seinen Boss nicht schon einmal zum Teufel gewünscht? „Horrible Bosses“ – so übrigens der dezentere Originaltitel – geht noch einen Schritt weiter und lässt unsere drei Hauptcharaktere ihre Mordfantasien ausleben. Zumindest scheint es anfangs so. Auf jeden Fall bietet der Film eine Prämisse, die wohl jeder bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen kann. Um auch das größtmögliche Publikum zu erreichen lässt der Film deshalb kein Klischee aus. Man kann sich bis zu einem gewissen Grad sowohl in den Identifikationsfiguren wiederfinden, als auch die immense Antipathie gegen ihre Bosse verstehen. Von nachvollziehbar (Jason Bateman vs. Kevin Spacey) bis total überdreht (Charlie Day vs. Jennifer Anniston) ist alles dabei.

Die Handlung bleibt dabei oft erschreckend vorhersehbar – und gerade hier ist der Unterschied zum gerne als Vergleich herangezogenen „The Hangover“ enorm. „Horrible Bosses“ setzt eher auf Starpower und weiß diese auch effektiv einzusetzen. Kevin Spacey, Jennifer Anniston und Colin Farrell als fiese Chefs auftreten zu lassen, ist das Ergebnis eines wahrlich großen Besetzungscoups. Auch Jamie Foxx weiß als Kleinkrimineller zu überzeugen. Doch am meisten begeistert haben mich immer noch die Darsteller der drei Hauptcharaktere – allen voran Jason Bateman (Michael Bluth, „Arrested Development“) und Charlie Day (Charlie Kelly, „It’s Always Sunny in Philadelphia“).

Erstaunlicherweise hat mich besonders die erste halbe Stunde des Films relativ kalt gelassen, in der man den größten Teil der Interaktion mit den titelgebenden Chefs sieht. Wahrscheinlich auch deshalb, weil wieder einmal zu viel durch den Trailer verraten wurde. Danach haben es mir besonders die teils absurden Wortgefechte angetan, wenngleich ich auch stets das Gefühl hatte, dass hier noch mehr möglich gewesen wäre. Am Ende ist der Film zu brav und in seiner Erzählstruktur zu konventionell, um 100%-ig überzeugen zu können. Durchaus unterhaltsam, doch ohne Starpower und die mir ans Herz gewachsenen Seriendarsteller würde die Bewertung deutlich schlechter ausfallen. Knappe 7/10 Punkte.

Going Postal: Ab die Post (2010)

Gestern Abend stand endlich ein weiterer Besuch der Scheibenwelt auf dem Plan. Mit „Going Postal“ hatte man dieses Mal sogar wieder einen Roman verfilmt, dessen Vorlage mir bekannt ist. Bereits damals fragte ich mich, wie man die komplexe und technisch teils äußerst aufwendige Geschichte jemals verfilmen könnte. Umso überraschter war ich insofern, dass man sich gerade dieses Buch ausgesucht hatte – andererseits: Welches Terry Pratchett-Werk wäre aufgrund seiner überbordenden Fantasie nicht schwierig zu verfilmen?

Wie bereits zuvor „Hogfather“ und „The Color of Magic“ wurde auch diese dritte Scheibenwelt-Verfilmung vom britischen TV-Sender Sky One produziert. Demzufolge handelt es sich bei „Going Postal“ auch um einen TV- und keinen Kinofilm. Dies hat Vor- und Nachteile, doch meiner Meinung nach kann man als Zuschauer und Terry Pratchett-Fan wirklich froh sein, dass man sich bei der Adaption für dieses Format entschieden hat. So gibt es zwar deutliche Einschränkungen was das Budget angeht, doch kann man sich aufgrund der Laufzeit von gut drei Stunden wunderbar auf die Geschichte und die Charaktere konzentrieren. Und mal ehrlich: Würden sich Hochglanz-Effekte tatsächlich gut bei der Visualisierung von Ankh-Morpork machen?

Als Adaption funktioniert „Going Postal“ wirklich tadellos. Ich war wirklich überrascht, wie gut es gelungen ist das Gefühl, die Figuren und die Struktur der Vorlage abzubilden. Eine Verfilmung, die „Ab die Post“ – so der deutsche Titel der Vorlage – absolut gerecht wird. Natürlich gibt es Abweichungen und manche Charaktere sind nicht so gut ausgearbeitet, wie ich mir das gewünscht hätte. Insgesamt jedoch kann man sich auch als Freund und Kenner der Vorlage absolut nicht beschweren und auch wenn „Ab die Post“ nicht zu meinen Lieblingsbüchern der Scheibenwelt-Reihe zählt, so funktioniert der Film als Adaption doch noch einmal deutlich besser, als dies bei „The Color of Magic“ der Fall war. Bitte mehr davon, Sky One!

Neben der natürlich exzellent ausgearbeiteten Geschichte, die eine Satire auf das Unternehmertum, die moderne Telekommunikation und noch unzählige andere Elemente des modernen Leben ist, überzeugen vor allem die allesamt exzellent gewählten Schauspieler: So wird die Hauptfigur Feucht von Lipwig von Richard Coyle (Jeff, „Coupling“) gespielt, Charles Dance (Tywin Lannister, „Game of Thrones“) gibt einen herrlich undurchschaubaren Lord Vetinari und Tamsin Greig (Beverly Lincoln, „Episodes“) ist in einer Nebenrolle als Reporterin zu sehen. Auch die restlichen Darsteller passen erstaunlich gut ins Scheibenwelt-Setting und vermitteln das richtige Gefühl für diese herrlich absurde Welt.

Glaubt man den Gerüchten, so soll die nächste Scheibenwelt-Verfilmung bereits in den Startlöchern stehen. Sky One hat sich anscheinend „Unseen Academicals“ (deutscher Titel: „Der Club der unsichtbaren Gelehrten“) ausgesucht, das bereits in Buchform allerdings erstaunlich schlechte Kritiken bekommen hat. Ich bin dennoch gespannt und kann die Bemühungen des Senders weitere Verfilmungen zu produzieren nur unterstützen. Sie haben das Unmögliche möglich gemacht und Terry Pratchetts wunderbare Welt glaubhaft auf den Bildschirm gezaubert. Für Fans und solche, die es werden wollen eine großartige Erfahrung: 9/10 Punkte.

Welcome to the Jungle – OT: The Rundown

Es gibt Filme, von denen weiß ich bereits zuvor, dass sie mir gefallen werden. Ebenso gibt es Filme, denen gehe ich bewusst aus dem Weg, da ich weiß, dass sie nicht auf meiner Wellenlinie liegen. Dann wiederum gibt es Filme, die kann ich überhaupt nicht einschätzen und deren Erstsichtung somit zum Glücksspiel verkommt. Peter Bergs „Welcome to the Jungle“ ist solch ein Film. Schon oft dachte ich mir, dass er eigentlich recht unterhaltsam sein müsste, doch gewisse Faktoren hielten mich stets von einer Sichtung ab. Bis heute. Und das Ergebnis dieses filmischen Glücksspiels?

Ich wurde tatsächlich erfolgreich unterhalten. Zwar habe ich kein Meisterwerk des Actionkinos gesehen, doch war die Dschungelreise von Dwayne ‚The Rock‘ Johnson (Boxer Santaros, „Southland Tales“) und Seann William Scott (Stifler, „American Pie“) erfreulich kurzweilig. Irgendwie hat mich der Film stets etwas an Sylvester Stallones „The Expendables“ erinnert, nur dass die dort misslungenen Elemente – übertriebene Kampfszenen mit nur mangelhaftem 80er/90er Jahre Actiongefühl – in „The Rundown“ viel besser funktionieren. Herrlich, wie bereits in einer der ersten Szenen Arnold Schwarzenegger das Action-Zepter symbolisch an den Star des Films weiterzureichen scheint: „Have fun!“ Ganz soweit ist es ja nicht gekommen, doch der Spaß war ohne Zweifel vorhanden.

Neben dem launigen Setting und den gut aufgelegten Darstellern (inklusive Christopher Walken als Bösewicht), gibt es wahrlich wunderbar choreographierte Kampfszenen zu bewundern. Leider jedoch ist die Kamera stets etwas zu hektisch unterwegs und mit diversen Schnittspielereien hätte sich Peter Berg auch gerne zurückhalten dürfen. Hier geht dem Film viel von seinem Potential ab, da die an sich klassiche Inszenierung und Handlung – übrigens ähnlich wie in „The Expendables“ – dadurch zu einem gewissen Teil wieder zerstört wird.

„The Rundown“ ist wahrlich kein Meisterwerk, doch Actionfreunde dürften garantiert ihren Spaß damit haben. Hinzu kommt ein wenig Indiana Jones-Feeling für Arme und ein paar knackige Oneliner. Fertig ist der nahezu perfekte Feierabendfilm. Wäre ich bei der heutigen Sichtung nicht ganz so müde gewesen, hätte ich vermutlich noch mehr Spaß mit dem Film gehabt: 7/10 Punkte.

Hangover 2 – OT: The Hangover Part II (WS1)

Wie angekündigt, habe ich nun auch die erste Wiederholungssichtung von „Hangover 2“ hinter mir. Bei der damaligen Erstsichtung war ich ziemlich begeistert, was rückblickend betrachtet allerdings auch den äußeren Umständen zuzuschreiben ist. Dennoch hatte ich auch gestern erneut sehr viel Spaß mit dem Film – für die nächste Sichtung sei aber vorgemerkt, dass ein größerer zeitlicher Abstand zwischen Teil 1 und 2 dem Filmerlebnis durchaus zuträglich wäre.

Da seit der Wiederholungssichtung von „Hangover“ erst drei Tage vergangen waren, fielen die Gemeinsamkeiten natürlich noch stärker ins Gewicht. Der Aufbau des Films wurde – Details, wie das Hochzeitsdinner einmal ausgenommen – wirklich nahezu unverändert übernommen. Aus Produzentensicht durchaus nachvollziehbar, schließlich hatte man ja eine perfekte Erfolgsformel gefunden. Aus Zuschauersicht wäre etwas mehr Abwechslung jedoch wünschenswert gewesen. Der Film funktioniert dennoch. Wie bereits im ersten Teil wird auch in „The Hangover: Part II“ das Reiseerlebnis durch stimmungsvolle Aufnahmen und atmosphärische Musikuntermalung perfekt eingefangen. Bangkok als exotischer Handlungsort wird somit greifbar.

Der Humor, der im vollbesetzten Kino noch perfekt zündete, war mir bei der gestrigen Sichtung teils etwas zu zotig. Dennoch musste ich erneut oft laut lachen, was stets ein gutes Zeichen ist und ich auch in diesem Teil hauptsächlich dem guten Timing des Regisseurs und der vier Hauptdarsteller zuschreiben möchte. Erstaunlicherweise haben mir dieses Mal Prolog und Epilog beinahe besser gefallen, als der Hauptteil des Films, was wahrscheinlich auch daran lag, dass mir dessen Struktur und Gags noch zu gut im Gedächtnis waren.

Auch wenn mich der Film nicht mehr ganz so gut unterhalten hat, wie bei der Kinosichtung, so ist er doch immer noch eine absolut würdige Fortsetzung des ersten Teils der erfolgreichen Reihe. Todd Phillips hat mit diesem Franchise wirklich ein gutes Händchen bewiesen und ich bin guter Dinge, was Teil 3 angeht – dann aber wieder mit mehr Leuten im Kino: 7/10 Punkte.

Hangover – OT: The Hangover (2009) (WS1)

Nach einem mehr oder weniger anstrengenden Tag fiel die abendliche Filmwahl auf einen alten Bekannten, der den erkältungsgebeutelten Kopf möglichst wenig anstrengen sollte. So kam es dann auch und ich konnte Todd Phillips‘ Erfolgskomödie „Hangover“ ohne größere Beschwerden genießen. Im Player lag übrigens der Extended Cut, der jedoch keiner besonderen Erwähnung bedarf, da die relativ belanglosen Erweiterungen wohl nur Hardcore-Fans auffallen dürften, die den Film öfter als dreimal im Jahr zu ihrem Pflichtprogramm zählen.

Wirklich erstaunt und positiv überrascht war ich, wie gut der Film auch bei einer wiederholten Sichtung noch funktioniert. Das hätte ich nach meinem Kinobesuch vor gut zwei Jahren so nicht erwartet. Die Geschichte ist nun zwar bekannt, doch gewinnen manche Szenen tatsächlich dadurch, dass man bereits weiß was auf die Charaktere zukommt. Hinzu kommt, dass mein filmisches Gedächtnis so schlecht bzw. „The Hangover“ gerade so oberflächlich ist, dass ich mich an viele Details schon gar nicht mehr erinnern konnte. Somit hatte ich bei der gestrigen Sichtung beinahe ebenso viel Spaß, wie bei der Erstsichtung damals im Kino.

Besonders gut funktioniert in dem Film das Ensemble. Hier hat man wirklich ein gutes Händchen für die Wahl der Darsteller bewiesen. Neben Bradley Cooper (Eddie Morra, „Ohne Limit“) und Ed Helms (Andy Bernard, „The Office“) wissen besonders Zach Galifianakis (Ray, „Bored to Death“) und Ken Jeong (Señor Chang, „Community“) zu überzeugen, die ein wahres Feuerwerk an Absurdität abfeuern. Sicher völlig übertrieben und selbstzweckhaft, doch unglaublich unterhaltsam und erfrischend. Für mich ein Grund, warum auch der zweite Teil so gut funktioniert hat, dessen Wiederholungssichtung die nächsten Tage bestimmt auch noch ansteht.

Ansonsten gilt es abermals die famose audiovisuelle Gestaltung zu loben. Man hat wirklich das Gefühl mit den Jungs auf Streifzug durch Las Vegas zu sein. Auch wenn die musikalische Untermalung normalerweise nicht mein Geschmack ist, so weckt sie doch gewisse Erwartungen und unterstreicht das Gefühl der schier unendlichen Möglichkeiten. Der Film hat gewiss seine Schwächen, doch insgesamt stellt „The Hangover“ eine Ausnahmekomödie dar, die auch beim wiederholten Anschauen zu überzeugen weiß: 8/10 Punkte.

Bolt: Ein Hund für alle Fälle – OT: Bolt (2008)

Gestern Abend wanderte das zweite meiner filmischen Weihnachtsgeschenke in den dazugehörigen Player. Auf Disneys „Bolt: Ein Hund für alle Fälle“ hatte ich mich schon lange gefreut, war aber gleichzeitig skeptisch, da es sich um einen Alleingang des Animationsgiganten ohne ihren langjährigen Partner Pixar handelt. Der letzte große Disney-Animationsfilm „Tangled“ gefiel mir jedoch ausgezeichnet und so war ich guter Dinge, dass mich auch „Bolt“ nicht enttäuschen würde…

Um es kurz zu machen: Ich wurde nicht enttäuscht. Ich wurde sogar außergewöhnlich gut unterhalten. Bereits der Prolog des Films feuert solch ein Actionfeuerwerk ab, dass es eine wahre Freude ist. Völlig übertrieben und zügellos gibt man sich sämtlichen Klischees und Unarten hin, die sich im jüngeren Actionkino Hollywoods etabliert haben. Herrlich! Man bekommt folglich eine überzeichnete Persiflage des Genres zu sehen, die gleichzeitig als Hintergrund für die nun folgende Geschichte dient. Die Prämisse ist dabei so einfach, wie genial: Ein tierischer Filmstar, dem nicht bewusst ist, dass er stets nur eine Rolle gespielt hat, muss sich durch eine Welt mit ihm unbekannten Regeln kämpfen. Eine herrliche Fish-Out-of-Water-Geschichte, die nicht nur manchmal an die Abenteuer von Don Quijote (oder Buzz Lightyear) erinnert.

Im Gegensatz zu „Tangled“, der eher an die großen Disneyklassiker anschließt, erinnert „Bolt“ mehr an die Pixar-Filme der jüngeren Zeit. Oft legt der Film ein unglaubliches Tempo vor, nur um in der nächsten Sekunde wieder mit ruhigen Charaktermomenten zu glänzen. Besonders die Nebenfiguren Mittens und Rhino treiben die Geschichte wunderbar komisch voran, ohne jedoch nur als Stichwortgeber zu fungieren. Die Balance stimmt hier einfach, was besonders den Drehbuchschreibern hoch anzurechnen ist.

Neben der kurzweiligen Handlung, hat mich vor allem die Inszenierung überzeugt. Detailreiche Charaktermodelle und ein zum Teil herzerweichender Animationsstil sind das Grundgerüst für einen visuellen Genuss erster Güte. Hinzu kommen teils gezeichnet wirkende Hintergründe, welche dem Film einen handgemachten Eindruck verleihen. Einzig die Darstellung der menschlichen Charaktere wirkt teils etwas befremdlich, doch das ist bei den meisten Animationsfilmen der Fall und wirkt hier keineswegs störend.

Ich bin wahrlich begeistert und kann „Bolt“ allen Animationsfreunden nur ans Herz legen. Eine nette und kurzweilige Geschichte, starke Sprecher (u.a. John Travolta und Susie Essman) und eine mitreißende Inszenierung machen den Film für nahezu jede Altersklasse sehenswert. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass der Film bei kommenden Sichtungen noch wachsen wird: 9/10 Punkte.

New York für Anfänger – OT: How to Lose Friends & Alienate People

Nach einer äußerst fordernden Arbeitswoche habe ich mir gestern Abend Robert B. Weides „New York für Anfänger“ angesehen. Die Komödie schien mir genau die richtige Wahl zu sein, um den grauen Alltag zu vergessen. Leider ist es mir nicht gelungen abzuschalten, was sich auch negativ auf das Filmerlebnis ausgewirkt hat. Trotz Simon Pegg konnte der Film meine Erwartungen somit nicht komplett erfüllen.

Nach „Run, Fatboy, Run“ wartete ich 2008 voller Hoffnung auf Simon Peggs zweiten kömodiantischen Alleingang ohne seine sonstigen Partner Nick Frost und Edgar Wright. Jedoch hat es „How to Lose Friends & Alienate People“ nie ins örtliche Kino geschafft, woraufhin ich den Film auch schnell wieder vergessen hatte. Erst kürzlich ist er mir wieder in die Hände gefallen und trotz durchwachsener Kritiken erwartete ich mir eine bissige Lifestyle-Satire mit einem meiner Lieblingsschauspieler.

Von Bissigkeit ist in „New York für Anfänger“ leider nicht viel zu spüren. Es gibt zwar formidable Ansätze, doch leider verfängt sich die Buchverfilmung immer mehr in typischen RomCom-Strukturen. Glücklicherweise gibt es den nicht zu bremsenden Simon Pegg zu bewundern, der herrlich die Balance zwischen nervtötender Penetranz und herzerweichender Trotteligkeit zu spielen weiß. Auch die meisten anderen Darsteller (u.a. Jeff Bridges, Kirsten Dunst, Gillian Anderson und Megan Fox) wissen zu überzeugen, können jedoch das unfertig wirkende Drehbuch nicht ausgleichen.

Letztendlich ist „How to Lose Friends & Alienate People“ eine etwas unausgewogene Mischung aus Lifestyle-Satire und RomCom, die aufgrund ihrer gut aufgelegten Darstellern zu unterhalten weiß. Leider jedoch hat man den Film aufgrund seiner Formelhaftigkeit bestimmt auch schon bald wieder vergessen. Für einen netten Abend aber durchaus empfehlenswert – besonders für Fans von Simon Pegg: 6/10 Punkte.

Tucker & Dale vs. Evil (2010)

Schon lange habe ich keinen so erfrischenden Film mehr gesehen. Es ist wahrlich eine Freude, was Eli Craig mit „Tucker & Dale vs. Evil“ für ein Wundertüte von einem Film auffährt. Meist setzen auf lustig getrimmte Horrorfilme einzig und allein auf Splattereffekte oder platten Humor, doch die richtige Gratwanderung aus Verbeugung vor dem Genre und Eigenständigkeit gelingt nur den wenigsten. Dieser Film ist eine dieser seltenen Ausnahmen.

Mag man Eli Craig das größte Kompliment machen, dann könnte man schreiben, dass „Tucker & Dale vs. Evil“ das Gleiche für den Backwood-Horror erreicht hat, wie Wes Cravens „Scream“ für den Slasher. Eine nahezu perfekte Genreparodie. Natürlich lassen sich beide Filme nur bedingt vergleichen und aufgrund seiner Indie-Herkunft sollte man vermutlich eher „Behind the Mask: The Rise of Leslie Vernon“ als Slasher-Pendant heranziehen. Allen drei Filmen gelingt es dabei – wie z.B. auch „Shaun of the Dead“ – zum Brüllen komisch und dennoch innerhalb der eigenen Regeln höchst mitreißend zu sein, ohne dabei die Charaktere der Lächerlichkeit preiszugeben.

Die Prämisse von „Tucker & Dale vs. Evil“ ist so simpel wie brilliant, dass man sich nur fragen kann, wieso man nicht selbst auf diesen Gedanken gekommen ist. An dieser Stelle möchte ich nicht mehr verraten, da es nur die Freude am Filmerlebnis trüben würde. Trotz seiner exzellenten Grundidee würde der Film ohne Alan Tudyk (Wash, „Firefly“ und „Serenity“) und Tyler Labine (Larry Munsch, „Mad Love“) jedoch nicht funktionieren. Ein herrliches Leinwandpaar, das hier auch unerwartet ruhige Töne anschlagen darf. Auch die restlichen Mitglieder des Casts wissen in ihren begrenzten Rollen zu überzeugen.

Der einzige Kritikpunkt, den ich habe, ist die Motivation des eigentlichen Killers. Hier wäre es doch wunderbar gewesen, wenn man im Abspann gesehen hätte, wie sich bereits seine Eltern das Memorial Day Massaker nur eingebildet hätten. Aber vielleicht hätte dies der Integrität der Geschichte auch eher geschadet, denn auch wenn das Finale eher klischeehaft abläuft, bleibt der Film dabei doch stets unterhaltsam und weiß mit herrlich grotesken Szenen aufzuwarten.

Mich hat „Tucker & Dale vs. Evil“ wahrlich exzellent unterhalten und ich würde mir an dieser Stelle beinahe ein Sequel wünschen. Vielleicht eine Torture Porn-Parodie? Vielleicht etwas ganz anderes? Allein dieser Wunsch beweist, dass mit Tucker und Dale zwei Charaktere die Genre-Bühne betreten haben, an die man sich – so man über diesen Film stolpert – noch lange erinnern wird. Unbedingt anschauen: 8/10 Punkte.

Scream 4 – OT: Scre4m (2011)

Müsste ich meine beeindruckendsten Kinobesuche nennen, so würde es die 1997er Sichtung von Wes Cravens „Scream“ auf jeden Fall unter die Top 5 schaffen. Doch diese Anekdote ist an anderer Stelle angebrachter. So oder so war ich nach über 10 Jahren äußerst gespannt, ob es Wes Craven und Kevin Williamson gelungen ist, das sich totgelaufene Genre mit „Scream 4“ erneut zu beleben. Interessanterweise hat der Film wieder mit den an ihn gerichteten Erwartungen gebrochen – allerdings auf andere Weise, als vermutet… Spoiler sind zu erwarten.

Als „Scream 4“ angekündigt wurde, war ich nach dem schwächeren dritten Teil einerseits skeptisch, andererseits konnte ich mir aber auch gut vorstellen, dass das sich seit den 1990ern doch sehr gewandelte Genre genug neue Ansatzpunkte für eine imposante Rückkehr des Ghostface-Killers bietet. So hatte ich wohl am ehesten erwartet, dass sich das Gespann Craven/Williamson der Torture-Porn-Welle annimmt und die Reihe somit in eine auch stilistisch neue Richtung lenken würde. Weit gefehlt. Auch wenn Facebook, Twitter und Co. Einzug nach Woodsboro hielten, so hatte ich gestern eher das Gefühl mich auf eine Zeitreise zurück in die 1990er Jahre begeben zu haben. Der Film ist einfach unfassbar nah an den Originalen inszeniert.

Sowohl Kameraführung, Charaktere, dramaturgischer Aufbau, Musikuntermalung und Atmosphäre erinnern so sehr an besonders die ersten beiden Teile, dass die seit dem bahnbrechenden Auftakt vergangenen 15 Jahre schon fast unwirklich scheinen. Einerseits war ich etwas enttäuscht, dass die Filmreihe auf so ausgetretenen Pfaden wandelt, andererseits hat mir die Retro-Atmosphäre unglaublich gut gefallen. Besonders da Themen, wie Reboot, Remake usw. auch im Film thematisiert wurden. Großartig!

Zugenommen hat der Anteil an Meta-Anspielungen auf das Genre und die Filmreihe selbst. Hier sticht besonders der Prolog heraus, der mit herrlichen Cameo-Auftritten (u.a. Anna Paquin, „True Blood“ und Kristen Bell, „Veronica Mars“) aufwartet. Überhaupt ist der Film über weite Strecken so meta, dass wohl nur beinharte Genre- und „Scream“-Fans ihren Spaß damit haben werden. Leider jedoch folgt auch „Scream 4“ am Ende nur stereotypischen Genrekonventionen, was letztenlich viel von seinem Potential zerstört. Dabei wäre hier wirklich Großes möglich gewesen.

Erwähnte ich schon Spoiler? Auch wenn die Enthüllung der Killer nur wenig überraschend war (im Grunde hätte es wieder einmal jeder sein können), so fand ich den direkten Bezug zum Original famos. Auch Jills Motiv hat perfekt in die Filmreihe gepasst. Nur warum hat man sie ihr Ding nicht durchziehen lassen? Was wenn man ihr auch als Zuschauer auf den Leim gegangen wäre und man ihre Selbstverstümmelung erst im Abspann präsentiert hätte? Aber nein, es muss noch ein absolut klischeehaftes zweites Finale im Krankenhaus geben, das wieder alle Optionen für eine weitere Fortsetzung offen hält.

Insgesamt hat mich „Scream 4“ sehr gut unterhalten. Die Sichtung hat mich wieder in meine Jugend zurückkatapultiert, was dem Film schon einmal Bonuspunkte einbringt. Das Retro-Gefühl wirkt dabei glücklicherweise nicht aufgesetzt und auch wenn sie das Genre nicht neu definiert, so darf man die Handlung dieses späten Sequels durchaus als gelungen bezeichnen. Leider jedoch hat die Filmemacher gegen Ende der Mumm verlassen, was ich persönlich äußerst schade finde. Seine 7/10 Punkte hat sich der Film aber auf jeden Fall verdient. Lust auf das Original habe ich auch wieder bekommen. Scream-A-Thon, anyone?