Bei manchen Filmen fragt man sich unweigerlich, wie sie es schaffen auf die große Leinwand zu kommen. Zu diesen gehört Wes Andersons „Die Tiefseetaucher“ – und das meine ich absolut positiv! Ein Film über einen schrulligen Ozeanographen, der den Jaguar-Hai sucht, welcher seinen besten Freund gefressen hat? Ein Film über eine komplexe Vater-Sohn-Beziehung? Ein Film mit Piraten? Dem Look von 70er Jahre Dokus? Mit surrealen Stop-Motion-Meereswesen? Dazu noch R-Rated und mit einem Soundtrack, der vornehmlich aus portugisischen Coverversionen diverser David Bowie-Hits besteht? Wer auch immer das produziert hat, beweist Mut und gibt mir den Glauben an die Filmindustrie zurück.

Es ist anfangs zugegebenermaßen nicht einfach sich in den Film einzufinden. Ich wusste wirklich nicht, ob ich gerade den größten Schwachsinn vor mir habe, der je gedreht wurde oder ein Meisterwerk unglaublichen Einfallsreichtums. Glücklicherweise habe ich den Film letztendlich als Letztgenanntes wahrgenommen. Ich bin mir jedoch sicher, dass es da draußen unzählige Zuschauer gibt, die absolut nichts mit diesem skurrilen Humor, den verschrobenen Charakteren, den kulissenhaften Sets sowie der Geschichte an sich anfangen können – und ich kann es ihnen nicht einmal verdenken. Ein klarer Fall von lieben oder hassen.
Deutliches Vorbild für den Film war Jacques-Yves Cousteau, dessen Lebensgeschichte eindeutig das Grundgerüst für die Hauptfigur Steve Zissou bildet. Samt roter Wollmütze und allem was dazu gehört. Man könnte Wes Anderson nun unterstellen eine reine Parodie abgeliefert zu haben. Allerdings könnte nichts ferner von der Wahrheit entfernt sein. Die Charaktere sind komplett eigenständig und handeln – innerhalb der Grenzen ihres Universums – absolut glaubwürdig und ernsthaft. Die Gefühle sind echt und der reichliche Humor ist – wenngleich ich auch ein paarmal laut lachen musste – eher leise und hintergründig.
Grandios ist natürlich das Ensemble. Allen voran Bill Murray, dem man den verrückten Meeresforscher sofort abkauft. Auch Owen Wilson hat mich sehr positiv überrascht. Eine ganz andere Rolle für ihn. Cate Blanchett überzeugt einmal wieder auf ganzer Linie und Willem Dafoe hat als das deutsche Besatzungsmitglied namens Klaus Daimler die meisten Lacher auf seiner Seite. Von Jeff Goldblum, Anjelica Huston, Michael Gambon etc. will ich gar nicht erst angfangen. Neben der Besetzung sticht vor allem das fantastische Produktionsdesign hervor. Ungewöhnlich, doch perfekt zum Inhalt des Films passend.
„Die Tiefseetaucher“ ist kein Film für jeden Zuschauertyp. Ich könnte nicht einmal sagen für welchen. Man sollte offen für außergewöhnliche Ideen sein und sich leicht in fremde Welten einfinden können. Wenn man zudem noch in der richtigen Stimmung ist und der richtige Nerv getroffen wird, dann erlebt man mit Steve Zissou ein wahrlich fantastisches Abenteuer: 9/10 Punkte.








