Wir kaufen einen Zoo – OT: We Bought a Zoo

Zunächst eine Warnung: Zyniker sollten einen großen Bogen um diesen Film machen und besser auch meine Rezension meiden. Wer nun noch übrig bleibt und beim Titel „Wir kaufen einen Zoo“ nicht das Weite sucht, der könnte die Chance haben mit diesem Film für zwei Stunden in eine bessere Welt zu entfliehen. Eine vorhersehbare und idealisierte Welt, doch gleichzeitig wahrhaftig und emotional reichhaltig. Außerdem mag ich Zoos…

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Cameron Crowe hat mich bisher noch nie enttäuscht. Sein „Singles“ war für mich stets die bessere „Reality Bites“-Variante, seinen Erfolgsfilm „Jerry Maguire“ fand ich äußerst unterhaltsam, obwohl ich mit der Sportsthematik nichts anfangen kann, „Almost Famous“ würde ich sogar fast zu meinen Lieblingsfilmen zählen und selbst das Remake „Vanilla Sky“ konnte mich in Teilen begeistern. Auch „We Bought a Zoo“ merkt man die typische Handschrift Crowes an, was sich besonders durch den Soundtrack und die darin eingesetzt Musik bemerkbar macht. Doch was hat der Film inhaltlich zu bieten?

Der Titel ist Programm. Benjamin Mee (Matt Damon) kauft nach dem Tod seiner Frau einen Zoo, um mit seinen beiden Kindern dem Schatten der Vergangenheit zu entfliehen und einen Neubeginn zu wagen. So einfach, so absurd, so erstaunlich. Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit und wirkt dennoch wie eine Fantasie. Der Film ist äußerst emotional und manche Szenen drücken durchaus manipulativ auf die Tränendrüse des Zuschauers, was mich hier jedoch nicht sonderlich gestört hat. Der Film ist einfach – und das können heute nicht mehr viele Filme von sich behaupten – schön. Kein Hintergedanke, keine Meta-Ebene – einfach nur schön.

Neben Matt Damon finden sich Scarlett Johansson, Thomas Haden Church und Elle Fanning im Zoo der Familie Mee ein. Eine absolut runde Besetzung, die für mich jedoch von Maggie Elizabeth Jones übertrumpft wurde – aber hier bin ich wahrscheinlich voreingenommen, denn mich hat noch keine andere Kinderdarstellerin so sehr an meine eigene Tochter erinnert, wie sie. Unglaublich und in manchen Szenen beinahe schon unheimlich. Einen Bonuspunkt hat der Film dadurch auf jeden Fall schon sicher.

Auch wenn es keine Überraschungen gibt, so hat mich der Film über seine komplette Laufzeit bestens unterhalten. Das Drehbuch ist oft nicht perfekt und manchmal hätte ich mir eine etwas dezentere Inszenierung gewünscht. Dennoch hat mich der Film berührt, mich zum Lachen gebracht und mit einem warmen Gefühl ums Herz zurückgelassen. Das braucht man nicht immer, doch ist in unserer Welt, in der Zynismus – besonders in Filmen – häufig mit Coolness verwechselt wird, ab und zu durchaus eine nette Abwechslung. Einfach nur schön und mit einem Bonuspunkt für das Zappelinchen-Look-Alike: 8/10 Punkte.

Rock of Ages – Extended Cut

Heute hätte ich schwören können, dass ich vor dem Fernseher einschlafe. Zu lange Arbeitstage, zu zermürbende Aufgaben und eine geballte Ladung Kinder am Feierabend. Vielleicht habe ich mich deshalb für die Musical-Verfilmung „Rock of Ages“ (gesehen im Extended Cut) entschieden. Obwohl mich der Film interessierte, waren meine Erwartungen aufgrund ziemlich mieser Kritiken nicht sonderlich hoch – doch was soll ich sagen? Ich bin noch wach und wurde bestens unterhalten…

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Zunächst einmal sollte man sich klar machen, dass man mit „Rock of Ages“ ein Musical sieht. Ein verfilmtes Musical und keine Dokumentation über die Rockmusik der 80er Jahre. Wie bei nahezu jedem Musical-Film sollte man deshalb – besonders wenn etliche Rollen von bekannten Filmstars besetzt sind – über eine gewisse Fremdschäm-Toleranz verfügen. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Musicals nimmt sich der Film zu keiner Zeit ernst. Die dargestellten 80er Jahre sind eine überstilisierte Version dieses Zeit. Künstlich, cheesy und larger than life. Eine glorifizierte Erinnerung inklusive aller Klischees, die die 80er Jahre so mit sich bringen.

Was die Musik angeht, kann ich mich auch nicht beschweren. Selbst wenn Gitarrenmusik im weitesten Sinne zu meinen bevorzugten Genres zählt, so bin ich nicht der größte Fan von 80er Jahr Stadionrock. Dennoch kenne ich natürlich all die gespielten Songs und bin größtenteils mit ihnen aufgewachsen. Ja, sie sind überproduziert und natürlich klingen sie im Original besser, doch macht es unglaublich viel Spaß Tom Cruise, Alex Baldwin, Russell Brand, Catherine Zeta-Jones, Paul Giamatti usw. all die großen Hits performen zu sehen. Mit DON’T STOP BELIEVIN‘ endet der Film zudem mit einem meiner absoluten Lieblingssongs der Ära, was den Film noch einmal in ein positiveres Licht rückt.

Kritikpunkte gibt es – ganz objektiv gesehen – natürlich zuhauf. So ist das Drehbuch platter als eine Vinylscheibe und der Ausgang der Geschichte ist bereits ab der ersten Szene klar. Die beiden Hauptfiguren sind zudem nicht sonderlich charismatisch, aber weit nicht so schrecklich, wie ich das nach den teils bitterbösen Kritiken befürchtet hatte. Ebenso hat der Film im Mittelteil einige Längen, welche jedoch stets durch eine wunderbar inszenierte Musicalnummer unterbochen werden. Der Film ist somit alles andere als perfekt, doch hat er teils herrliche Dialoge, fantastische Songeinlagen – u.a. zwischen Alec Baldwin und Russell Brand das beste Liebesduett überhaupt – und großartige Darsteller, die sich zu keinem Zeitpunkt ernst nehmen.

Auch wenn ich mit dieser Kritik vermutlich wieder Kopfschütteln in der filmischen Blogosphäre hervorrufe, so kann ich den Film doch nur wärmstens empfehlen. So viel Spaß hatte ich schon lange nicht mehr. Wenn also auch ihr nur annähernd etwas mit der Rockmusik der späten 80er Jahre, Musicals an sich und sowohl kitschigem als auch selbstironischem Pathos anfangen könnt, dann solltet ihr eure Luftgitarren auspacken und „Rock of Ages“ eine Chance geben – das hat der Film mehr als verdient: 8/10 Punkte.

Der Gott des Gemetzels – OT: Carnage (2011)

Gestern noch im Theater gewesen und ein beeindruckende und famos gespielte Aufführung von John Donnellys „The Knowledge“ gesehen und heute Abend tatsächlich ein ähnliches Erlebnis gehabt: Roman Polanskis Verfilmung von Yasmina Rezas Theaterstück „Der Gott des Gemetzels“ war für mich beinahe ebenso intensiv und in der Kombination aus Komik und Gesellschaftskritik auch inhaltlich verwandt. Ob die filmische Umsetzung dem Stück gerecht wurde?

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Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich begeistert bin, endlich einmal wieder einen aktuellen Film mit einer Laufzeit unter 90 Minuten gesehen zu haben. Was vor 10 Jahren noch völlig normal war, ist heute schon eine Seltenheit – laufen doch selbst ganz simple Komödien meist nicht unter 120 Minuten. Davon einmal abgesehen wirkt das Kammerspiel alles andere als klein und man muss neidlos zugeben, dass Polanski jeden nur erdenklichen Kniff versucht hat, das Stück besonders filmisch umzusetzen. Somit fühlt man sich stets, als wäre man selbst in der Wohnung der Longstreets am Brooklyn Bridge Park gefangen und könnte der peinlichen Zusammenkunft ebensowenig entkommen, wie die Charaktere.

Ob es für die Umsetzung vier so bekannte Schauspieler und etliche Kameraspielereien gebraucht hätte? Ich vermute nicht. Doch hätte „Der Gott des Gemetzels“ dann wahrscheinlich nicht die Presse bekommen, die ihn letztendlich auch erst in mein Bewusstsein rückte – und zugegeben: Es ist schon famos mit anzusehen, wie sich Jodie Foster, John C. Reilly, Kate Winslet und Christoph Waltz aufstacheln, anzicken und letztendlich ganz offen bekriegen. Ein Schauspielerfilm, der durch diese eben auch ganz besondere Schauwerte bietet.

Inhaltlich ist der Film sehr gelungen, wenngleich es auch keine großen Überraschungen gibt. Von Anfang an ist klar, dass sich die Kinder der beiden ach so zivilisierten Elternpaare – und der Epilog sollte diese Annahme bestätigen – wahrscheinlich schon längst wieder vertragen haben, während im Wohnzimmer der Longstreets die Fetzen fliegen. Doch es geht eher um die Details der Eskalation und in diesen werden schmerzlich komische Wahrheiten seziert, die – natürlich maßlos übersteigert – dann auch ins Schwarze treffen.

Mich hat „Der Gott des Gemetzels“ ziemlich gut unterhalten, wenngleich ich das Apartment auch ganz gerne verlassen hätte. Doch genau darum geht es wohl in dem Film. Wer unsere Stars einmal in einer etwas anderen Rolle sehen möchte und Kammerspielen nicht abgeneigt ist, der sollte sich diesen Film auf jeden Fall anschauen. Nach den 80 Minuten wird man auf jeden Fall froh sein, nicht Teil dieses Gesprächs gewesen zu sein – zumindest vorerst, denn wer weiß in welche Situationen man durch die eigenen Kinder einmal kommt? Ein herrlich unangenehmes Vergnügen: 8/10 Punkte.

Der Hobbit: Eine unerwartete Reise – OT: The Hobbit: An Unexpected Journey (2012)

Aktualisierung: Ich habe „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ am 27. Dezember 2013, am 13. Dezember 2014, am 19. Dezember 2015 und am 25. Dezember 2023 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine aktualisierte Besprechungen veröffentlicht.

Seit ich Peter Peter Jacksons Verfilmung der „Der Herr der Ringe“-Trilogie kennen und lieben gelernt habe, war die Verfilmung von J. R. R. Tolkiens Vorgänger ein großer Wunsch von mir. Gestern war es – nach etlichen Startschwierigkeiten – endlich soweit und ich konnte mir „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ (OV, 3D mit 24 fps) auf der großen Leindwand ansehen. Die Erwartungen waren hoch, die Ängste aufgrund viel zu vieler bereits gelesener Rezensionen auch. Würde der Film an die alte Trilogie anschließen können oder würde ich bitter enttäuscht werden?

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Im Gegensatz zu meiner ersten Sichtung von „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ vor nun schon über 10 Jahren fehlte von Beginn an ganz klar die Magie. Seitdem hat sich das Marketing von Filmen extrem gewandelt und jeder noch so kleine Schnippsel wird bereits im Vorfeld breitgetreten und ausgiebig diskutiert. Ich selbst bin mit meinem Blog natürlich Teil dieser Maschinerie und freue mich auch stets über die aktuellsten Trailer und andere Neuigkeiten, doch manchmal wünschte ich mir die unschuldige Vorfreude von damals zurück. Zuviel Kalkül, zuviel Analyse, zuviel Meinung. Damals gab es ein paar wenige Filmseiten im Netz, ansonsten hat man sich auf Zeitschriften oder Mundpropaganda verlassen. Während der heutigen Sichtung spukte mir jedoch bereits die Kritik an einzelnen Szenen im Kopf herum, was dem Filmerlebnis sicher nicht zuträglich war.

Doch genug des Genörgels eines alten Mannes und zum lang erwarteten Film: Sobald die ersten Noten von Howard Shores abermals äußerst gelungenen Scores erklingen, erwacht Mittelerde zum Leben. Ich habe mich sofort wieder heimisch im Auenland gefühlt und der Kniff, die erzählerische Klammer parallel zu Bilbos Geburtstagsfeier in „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ zu inszenieren, hat bei mir sofort gezündet. Überhaupt habe ich den Prolog in Beutelsend sehr gemocht und fand die Einführung der Zwergenbande einfach nur unglaublich unterhaltsam. Genau so habe ich mir das beim Lesen der Vorlage vorgestellt. Herrlich!

Die meisten Kritiker – und auch das spukte mir während der Sichtung beständig im Kopf herum – scheinen den zweiten Teil des Films um einiges gelungener zu finden, als die recht langsame erste Häfte. Dies kann ich für meinen Teil so nicht nachvollziehen, finden sich meine Kritikpunkte doch hauptsächlich in der zweiten Filmhälfte wieder. Die Begegnung mit Gollum fand ich zwar famos in Szene gesetzt, doch die 3D-Achterbahnfahrten durch das Nebelgebirge samt comichaftem Goblin-König? Nein, so hatte ich mir das nicht ausgemalt. Dabei hatte ich größte Hoffnungen für diesen Teil der Erzählung, da die Reise durch die Minen von Moria nach wie vor meine Lieblingsszene der gesamten alten Trilogie ist. Hier gab es jedoch viel zu viel Gewusel samt überzogener Action, bei der die Atmosphäre leider ziemlich auf der Strecke geblieben ist. Von der Extended Edition erhoffe ich mir tatsächlich ein paar ruhigere Momente ohne CGI-Gekloppe.

Die vielkritisierten Ergänzungen sind mir dagegen nicht negativ aufgefallen. Für mich passten die Erweiterungen sehr gut in Peter Jacksons Mittelerde, die sich ohnehin von der J. R. R. Tolkiens unterscheidet. Selbst Radagast der Braune hatte nach einer gewissen Eingewöhnungsphase durchaus so seine Momente. Da hat mich die inszenatorische Anbiederung an die Originaltrilogie deutlich mehr gestört: ob nun die Flucht aus dem Nebelgebirge, das Rufen der Adler oder andere Szenen, die inhaltlich an „Der Herr der Ringe“ erinnern – Peter Jackson hat diese auch exakt so inszeniert, wie in seinem Mammutwerk, was ich oft zu gewollt fand.

Noch ein paar Worte zur Technik: Nachdem ich in den letzten Wochen mir einiges an nativem 48 fps- bzw. 50 fps-Material angesehen hatte stand für mich fest, dass mich die HFR-Version aufgrund ihres Looks nicht wirklich in die Welt Mittelerdes hätte eintauchen lassen. Selbst normales 3D war wieder ablenkend genug. Es funktioniert wunderbar in langsamen, mit Weitwinkel gedrehten Kamerafahrten oder in Szenen, in denen die Kamera eher stationär ist. Sobald jedoch Action gezeigt wird und es zu vielen Umschnitten kommt, hätte ich mir eine klassische 2D-Fassung gewünscht. Somit freue ich mich sowohl von technischer, als auch inhaltlicher Seite auf die entspannte Sichtung der Blu-ray in ca. einem dreiviertel Jahr.

Auch wenn „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ nicht sonderlich elegant erzählt war und Peter Jackson einige Szenen – vor allem die mit ausufernder Action – eher gewöhnungsbedürftig inszeniert hatte, so fand ich die Rückkehr nach Mittelerde doch enorm gelungen. Auch die angeprangerte Länge des Films empfand ich nicht als störend – anders als meine dank 3D trändenden Augen. Heute würde ich mir am liebsten sofort den zweiten Teil ansehen und ich bin mir sicher, dass auch dieser Beginn von Bilbo Beutlins Abenteuer in meiner Gunst noch wachsen wird: 8/10 Punkte.

The Grey: Unter Wölfen – OT: The Grey (2011)

Obwohl ich nach einem Tag voll intensiver Vorbereitungen auf das Weihnachtsfest doch recht müde war, wollte ich die Gelegenheit einen Film zu sehen nicht ungenutzt lassen. Um 20 Uhr haben wir also die Blu-ray von „The Grey“ eingelegt. Nun ist es 23:30 Uhr – und nein, ich habe nicht den dreieinhalb stündigen Extended Cut gesehen. Immerhin kam ich dank Staffellauf zwischen Kind und Film gar nicht auf die Idee einzuschlafen. Doch wie war eigentlich der Film?

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Joe Carnahan erzählt in „The Grey“ eine sehr einfache Geschichte: der Mensch gegen die Natur. Ein Flugzeug stürzt in Alaska ab und die Gruppe Überlebender muss sich gegen die raue Natur und ein Rudel Wölfe behaupten. Selten war ein Filmtitel so passend gewählt, denn nicht nur die Wölfe sind grau. Auch die Eislandschaft Alaskas wirkt wie eine undefinierbare graue Masse. Ohne Anfang und Ende. Nur Wildnis. Ebenso rau und unmittelbar ist der Film inszeniert. Die Kamera ist stets nah am Geschehen und wirkt dokumentarisch. Auch die Montage wirkt abrupt und beinahe schon ruppig. Nein, von „The Grey“ sollte man sich wahrlich keine Hochglanzaction oder eine Aneinanderreihung von Beauty Shots erwarten (ein paar CGI-Sequenzen sind aber leider doch recht offensichtlich).

Auch wenn die Handlung des Films recht geradlinig ist und bis zu einem gewissen Punkt durchaus auch Genrekonventionen folgt, so ist „The Grey“ weit mehr als ein reiner Tierhorrorfilm. Die Charaktere sind relativ gut ausgearbeitet und zu einem Teil von ihnen kann man durchaus so etwas wie eine Beziehung aufbauen. Auch streift der Film etliche Themen – von Religiosität und Glaube bis hin zu Selbstbestimmung und moralischen Fragen –, die jedoch eher tangentiell auf die Handlung einwirken. Ich möchte nicht soweit gehen und, wie so manch anderer Kritiker, den Film als Allegorie auf das Leben an sich o.ä. sehen. Dennoch zeigt die Behandlung dieser Themen sehr schön, wie unterschiedlich Menschen in solch einer Extremsituation reagieren können und wie weit gefächert ihre Motivationen sind.

Mir hat „The Grey“ wirklich ziemlich gut gefallen. Er ist kompromiss- und gnadenlos. So manches Ableben wirkt absurd und unfair. Die Gefahr der Natur wirkt oft ungreifbar und ist doch stets gegenwärtig. Hinzu kommen intensive Aufnahmen der unwirtlichen Wildnis und glaubwürdige Darsteller. Das Ende des Films ist zudem wirklich unerwartet und ich muss noch einmal in mich gehen, ob ich es gelungen finde. So oder so wird mir dieser Überlebenskampf noch länger im Gedächtnis bleiben: 8/10 Punkte.

The Ides of March: Tage des Verrats (2011)

Passend zur amerikanischen Präsidentschaftswahl am 6. November habe ich mir heute George Clooneys „The Ides of March: Tage des Verrats“ angesehen. Spätestens seit Aaron Sorkins „The West Wing“ habe ich ohnehin ein Faible für den US-amerikanischen Wahlzirkus, doch bereits während meines Englisch LKs (vor inzwischen 14 Jahren; damals war gerade die Lewinsky-Affäre aktuell) war ich von der pompös inszenierten US-Politik fasziniert. Kann George Clooney dem Thema neue Facetten abgewinnen?

Zu Beginn des Films wähnt man sich noch in ähnlichen Gefilden, wie bei Aaron Sorkins leider nur fiktiver Bartlet-Administration. Alle Figuren scheinen von idealistische Ansichten und einer hohen Motivation getrieben. Der aufstrebende Kandidat Mike Morris (gespielt von George Clooney selbst) scheint alles zu haben, was man sich von einem Politiker wünscht: eine Vision, Integrität und das gewisse Etwas. Folglich kann man sich anfangs gut mit Wahlkampfmanager Stephen Meyers (Ryan Gosling) identifizieren, der voller Überzeugung zu sein scheint. Doch schon bald wird die angeblich so perfekte Welt rund um Morris und sein Wahlkampfteam Risse bekommen, die nicht wieder zu kitten sind.

Ich war erstaunt, wie drastisch der Ton des Films wechselt. Anfangs noch idealistisch und patriotisch (auch wenn nie Sorkin-Ausmaße erreicht werden), dann plötzlich düster und zynisch. Darauf war ich nicht vorbereitet und fühlte mich teils etwas vom Film überrumpelt. Doch gerade das macht ihn aus. „The Ides of March“ zeichnet ein wahrscheinlich viel realistischeres Bild vom Weg zur Macht, als vergleichbare Filme oder auch Sorkins Serie. Opportunismus ist an der Tagesordnung und letztendlich geht es nur darum vorwärts zu kommen. Ideale werden über den Haufen geworfen und kein einzelner Charakter bleibt seiner Linie treu. Was ist verantwortbar um ein übergeordnetes Ziel zu erreichen?

„The Ides of March“ ist ein Schauspielerfilm. Neben Gosling und Clooney beeindrucken vor allem Philip Seymour Hoffman und Paul Giamatti, die auch die beeindruckendsten Szenen des Films prägen. Ansonsten merkt man dem Film an, dass er auf einem Theaterstück basiert. Er wirkt teils etwas statisch und zu formelhaft, doch gerade die unaufgeregte Art die Geschichte zu erzählen sehe ich durchaus als Pluspunkt. George Clooneys Film ist teils unerwartet bitteres Politkino, das man durchaus gesehen haben sollte: 8/10 Punkte.

The Avengers (2012)

Aktualisierung: Ich habe „The Avengers“ am 5. April 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Eigentlich hatte ich geplant Joss Whedons „The Avengers“ direkt nach meiner Sichtung der Prequel-Filme im Juni diesen Jahres zu sehen, doch habe ich es – wie so oft – nicht ins Kino geschafft, weshalb ich auf die Heimkinoauswertung warten musste. Heute jedoch war es endlich soweit und ich habe mir das nicht nur lang erwartete, sondern auch noch ungemein erfolgreiche Treffen der Marvel-Superhelden angesehen. Ob es – speziell für mich als Joss Whedon-Anhänger – den hohen Erwartungen gerecht werden konnte?

The Avengers (2012) | © Walt Disney

The Avengers (2012) | © Walt Disney

Ohne langes Herumreden bzw. -schreiben: Der Film macht viel Spaß, Joss Whedon hat alles richtig gemacht und doch ist „The Avengers“ in meinen Augen nicht der Überflieger, als der er gerne gesehen wird. Eben eine kunterbunte Comic-Verfilmung, die sich – Whedon sei Dank – weder ernst nimmt, noch ihre Wurzeln verleugnet oder versucht mehr zu sein als sie ist. Die große Stärke des Films ist wohl vor allem, wie ausgewogen die einzelnen Charaktere präsentiert werden. Man merkt, dass Whedon bisher stets mit Ensembles gearbeitet hat. Ob „Buffy: The Vampire Slayer“, „Angel“ oder „Firefly“ bzw. „Serenity“ – bei all seinen bisherigen Werken stand stets das Team im Vordergrund und diese Erfahrung zahlte sich bei seinem großen Durchbruch in Hollywood aus. Es wurde aber auch Zeit!

Inszenatorisch leistet sich Whedon keine Schwächen und zeigt uns Action, wie man sie gerne sieht: laut, bunt und bombastich, doch stets übersichtlich für den Zuschauer gefilmt. Zudem wird sie häufig von kleinen Charaktermomenten unterbrochen und ist mit Humor durchsetzt. In den ruhigeren Szenen wird die Geschichte vorangetrieben, die weder sonderlich innovativ ist, noch mit Überraschungen aufwartet. Superheldengedöns eben, das von seinen Charakteren und deren Dialogen lebt. In diesen findet man auch Whedons Vorliebe für popkulturelle Anspielungen und schnellen Wortwitz wieder.

Nachdem die erste Phase des Marvel Cinematic Universe nun abgeschlossen ist, ziehe ich ein kurzes Resümee der bisherigen Filme. Tatsächlich ist der erste Ensemble-Film in meinen Augen der gelungenste. Man merkt allerdings in nahezu jeder Einstellung, dass er stilistisch auf die Prequels aufbaut, was aber nicht schlecht ist, da sich so ein rundes Gesamtbild ergibt. Hier nun meine vorläufige Rangliste der Filme der ersten Phase:

  1. „The Avengers“ (8/10 Punkte)
  2. „Iron Man“ (8/10 Punkte)
  3. „Thor“ (7/10 Punkte)
  4. „Captain America: The First Avenger“ (7/10 Punkte)
  5. „Iron Man 2“ (7/10 Punkte)
  6. „Der unglaubliche Hulk“ (7/10 Punkte)

Fazit

Als langjähriger Fan Joss Whedons freut es mich besonders, dass ihm endlich der große Durchbruch gelungen ist. Zwar merkt man „The Avengers“ an, dass der Film in einem bereits sehr vorgegebenen Rahmen entstanden ist, doch konnte Whedon ihm auf jeden Fall seinen Stempfel aufdrücken – inklusive des bei ihm üblichen Dahinscheidens eines nicht unwichtigen Charakters. Für mich ist der Film keine Offenbarung, doch hat er mir enorm viel Spaß gemacht. Zudem frage ich mich seit der Sichtung die ganze Zeit: Wie würde wohl ein „Serenity“-Sequel mit diesem Budget aussehen? Ich hoffe nur Whedon hat in Zukunft auch wieder Zeit und die nötigen Mittel eigene Stoffe zu entwickeln. Bis dahin freue ich mich jedoch auf „The Avengers 2“ und die „S.H.I.E.L.D“-TV-Serie: 8/10 Punkte.

Mission: Impossible – Phantom Protokoll – OT: Mission: Impossible – Ghost Protocol (2011)

Im Kino ist der Film völlig an mir vorbeigegangen. Auch wenn ich die vorherigen Filme – den zweiten Teil einmal ausgenommen – recht gerne sah, so hatte ich diese weitere Fortsetzung nie wirklich auf dem Radar. Aufgrund etlicher positiver Besprechungen hat es „Mission: Impossible – Ghost Protocol“ dann doch recht schnell auf die Liste der noch zu sehenden Filme geschafft – und außerdem: Was kann bei einem Film von Brad Bird (u.a. „Ratatouille“) schon schief gehen?

Heute hätten es wahrlich nicht viele Filme geschafft mich wachzuhalten: wieder wenig Schlaf, wieder knapp 12 Stunden im Büro, wieder keine guten Voraussetzungen für den Filmfreitag. Dennoch wollte ich die Chance nicht ungenützt lassen und habe den frisch erworbenen „Mission: Impossible – Ghost Protocol“ eingelegt. Eine gute Wahl, denn die Mischung aus übertriebener und interessanterweise doch verhältnismäßig glaubwürdiger Action, entspannten Humoreinlagen und Agententhrill hat sich abermals bewährt. Nachdem mir bereits der von J. J. Abrams inszenierte direkte Vorgänger ausgesprochen gut gefiel, hat mich auch der vierte Teil der Filmreihe bestens unterhalten.

Die Geschichte gewinnt abermals keine Preise, es gibt keine großen Wendungen und man begleitet das frisch zusammengewürfelte IMF-Team ganz einfach bei ihrer Jagd rund um den Globus. Die unzähligen Schauplätze machen auch einen großen Reiz des Agentenabenteuers aus und bieten einen entsprechend großen Spielplatz für Ethan Hunt und Co. Die Missionen sind dabei wieder ausreichend unmöglich – herausragend dabei besonders Dubai – und am Ende wird es stets entsprechend knapp. Der positive Ausgang wird jedoch niemanden überraschen und somit darf man sich bestimmt auch auf einen fünften Teil der Reihe freuen – vorausgesetzt Tom Cruise gibt auch mit über 50 noch einmal den Fassadenkletterer.

Kritisieren kann man höchstens den recht blassen Bösewicht (Michael Nyqvist, „Verblendung“) und die einen Tick zu lange Laufzeit inklusive etwas fadem Showdown. Insgesamt hinterlässt der Film jedoch einen ausgezeichneten Eindruck und bietet exakt die Art von Popcornkino, die man es sich nach solch einer Arbeitswoche – mit ganz eigener unmöglicher Mission – wünscht. Gerne mehr davon: 8/10 Punkte.

In Time: Deine Zeit läuft ab – OT: In Time (2011)

Ich liebe die dystopischen Genrefilme der 70er Jahre. Ob „Logan’s Run“, „Soylent Green“ oder „Rollerball“ – jeder dieser Filme besticht durch eine ganz eigene Welt, in der es fest definierte Regeln gibt. High concept eben. Leider gibt es heute immer weniger Filme, die diesen Schritt wagen. Eine Ausnahme bildet der 1997 von Andrew Niccol inszenierte „Gattaca“ und auch sein letztjähriger Genrebeitrag „In Time: Deine Zeit läuft ab“ fügt sich nahtlos in die Reihe der genannten Filme ein. Schafft er es jedoch auch qualitativ an seine Brüder im Geiste anzuschließen?

Ich finde das Konzept von „In Time“ grandios. Die von Andrew Niccol dargestellte Allegorie ist so simpel wie faszinierend. Zeit ist Geld. So einfach, so genial. Schon als ich das erste Mal von der Idee las, ging sie mir nicht mehr aus dem Kopf. Im Film wird das Konzept auch sehr plakativ eingesetzt, die Sozialkritik unverblümt ausgesprochen. Auch hier erinnert der Film stark an die Dystopien seiner Vorbilder. Ob nun die Maßnahmen gegen die Überbevölkerung, die in Soylent Green“ und „Logan’s Run“ präsentiert werden, oder der Einsatz von Brot und Spiele um das Volk in „Rollerball“ im Schach zu halten – die angeprangerten Probleme haben sich kaum verändert: Die einen hangeln sich mit Mühe von Tag zu Tag (was in diesem Film eine ganz eigene Bedeutung besitzt) und ermöglichen so das luxuriöse Leben der wenigen anderen.

Man wird als Zuschauer recht schnell in die Regeln dieser Welt eingeführt und sollte diese auch akzeptieren, ohne sie groß zu hinterfragen. Es geht nicht um die technische bzw. genetische Plausibilität der dargestellten Prämisse, sondern um ihre Bedeutung. Natürlich gewährt und der Film nicht nur einen Einblick in diese Welt, sondern erzählt die Geschichte ihres Umsturzes. Dies geschieht durch ausgebreitete Verfolgungsjagden und Actionszenen, die zwar neben der Idee des Films verblassen, doch immerhin recht unterhaltsam geraten sind. Ich hätte es jedoch lieber gesehen, wenn sich Niccol – wie im noch gelungeneren „Gattaca“ – stärker auf die Möglichkeiten seiner Welt konzentriert hätte.

Zu Beginn des Films hatte ich noch meine Probleme mit Justin Timberlake, obwohl er mir bereits in David Finchers „The Social Network“ recht gut gefiel. Die Rolle verlangt ihm zwar keine große Schauspielkunst ab, doch wirkt er stets glaubwürdig und engagiert. Dies könnte man auch vom Film an sich behaupten, denn auch wenn er dramaturgische und strukturelle Schwächen besitzt, so trägt ihn seine Idee doch mühelos bis in die letzten Sekunden – und auch das erinnert, wie das Design der Fahrzeuge und mancher Schauplätze, an das 70er Jahre Genrekino.

Die meisten Kritiken, die ich gelesen habe, waren durchwachsen. Meist wurde sich an Details aufgehängt und die Prämisse selbst totdiskutiert. Man sollte sich auf die Idee einlassen und die oberflächliche Action als Teil des Films sehen. Dann kann einen durchaus nachdenklich machenden, spannend inszenierten und stets unterhaltsamen Film sehen. Genrekino, das die investierte Zeit allemal wert ist: 8/10 Punkte.

Hugo Cabret – OT: Hugo

Gestern Abend habe ich endlich Martin Scorseses großen Oscar-Film „Hugo Cabret“ gesehen. Der Film hatte mich bereits während seiner Kinoauswertung gelockt, doch habe ich es – wie so oft in letzter Zeit – einfach nicht ins Kino geschafft. Da die opulente Optik die große Leinwand und wache Sinnesorgane fordert, war ich gespannt wie der Film nach einer harten Arbeitswoche im kleinen Heimkino wirkt… Spoiler sind zu erwarten.

Im Vorfeld hatte ich bereits einiges über den Film gelesen: ungewöhnlich sei er für Scorsese, ein Bilderrausch und eine Liebeserklärung ans Kino. Ich wusste also ziemlich genau was ich zu erwarten hatte und bekam das in der ersten Filmhälfte auch zu sehen. Ein visuell beeindruckendes Abenteuer, das so gar nicht nach Scorsese aussah. Die Bilderwelten ließen mich eher an Jean-Pierre Jeunet (u.a. „Mathilde: Eine große Liebe“) denken, dessen überzeichneter und artifizieller Stil eine ganz eigene Handschrift erkennen lässt. Dennoch wirkt „Hugo Cabret“ nicht wie ein Jeunet-Film, da er nie dessen Grad an Skurrilität erreicht. Trotz aller Schauwerte bleibt die Handlung recht bodenständig und die Magie entspringt vor allem der kindlichen Wahrnehmung und den Bilderwelten des Kinos an sich.

So visuell imposant die erste Filmhälfte auch inszeniert ist, so wenig passiert inhaltlich. Man lernt Hugos Umgebung kennen und erfährt von seiner Vergangenheit. Davon abgesehen lässt sich die Handlung in zwei Sätzen zusammenfassen. Auch der emotionale Zugang zum Film ist aufgrund der bewusst inszenierten Künstlichkeit nicht einfach. Nur in bestimmten Momenten gelingt es den Charakteren zum Zuschauer durchzudringen. In der zweiten Filmhälfte jedoch eröffnet der Film eine ganz neue Welt…

Im Vorfeld hatte ich mich stets gefragt wo Scorsese denn in diesem Kinder- bzw. Jugendfilm die Liebeserklärung ans Kino untergebracht haben soll. Als aufgelöst wurde, dass es sich bei Hugos Antagonist um Georges Méliès handelt und man Ausschnitte aus dessen Lebensgeschichte in bunten Bilder vorgeführt bekommt, hat der Film in meinen Augen deutlich an Qualität und Bedeutung gewonnen. Was nun folgt ist tatsächlich eine Liebeserklärung ans Kino, die in eine ungewöhnliche Rahmenhandlung verpackt wurde.

Die Bewertung des Films fällt mir nun nicht leicht. Einerseits war es ein fantastisches audiovisuelles Erlebnis, das mich besonders mit den Rückblenden von Georges Méliè Leben sehr gut unterhalten hat. Andererseits haben mich Charaktere und Geschichte auch erstaunlich kalt gelassen, was aber auch an meiner doch recht müden Verfassung gelegen haben mag. Insofern entscheide ich mich für die bessere der beiden Wertungsstufen und kann jedem Kinofreund nur empfehlen sich selbst eine Meinung zu bilden: 8/10 Punkte.