Spider-Man 2 – Extended Version (2004)

Aktualisierung: Ich habe „Spider-Man 2“ am 20. Mai 2023 zusammen mit den Kindern erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Kurz vor dem Kinostart des dritten Teils, habe ich gestern meine Erinnerungen an „Spider-Man 2“ – dieses Mal in der erweiterten Fassung – etwas aufgefrischt. Mit Comicverfilmungen konnte ich lange Zeit nichts anfangen. Bevor sich meine große Filmleidenschaft entwickelt hat, fand ich die alten „Superman“-Filme zwar ganz nett, aber zu altbacken. Burtons „Batman“ war mir zu düster und artifiziell. Schumachers „Batman“ einfach zu billig. Die neue Superheldenwelle brachte schließlich „X-Men“ und „Hulk“. Beides interessante Filme, doch sie haben mich nicht wirklich mitgerissen. Mit Sam Raimis „Spider-Man“ kam 2002 schließlich der Film in die Kinos, der mir neue und alte Comichelden wieder zugänglich gemacht hat. Für mich ein – dieses Genre betreffend – wahrer Türöffner.

Spider-Man 2 (2004) | © Sony Pictures Entertainment

Spider-Man 2 (2004) | © Sony Pictures Entertainment

Was die „Spider-Man“-Filme für mich so zugänglich macht, ist die Ausgangssituation: Ein ganz normaler Junge stolpert in dieses Superheldenleben – ob er nun will, oder nicht. Die Alltagsprobleme bleiben jedoch bestehen. Sie bleiben für die Figur bestimmend und auch stets der Antrieb für sein Superheldendasein. Die Identifikation fällt unglaublich leicht. Zudem enthält die Welt genau den richtigen Grad an Realismus um zu funktionieren. Die Welt der alten „Batman“-Verfilmungen waren hier teils zu künstlich, bei „X-Men“ wurde teils zu sehr auf Realismus gepocht. Sam Raimi hat mit der Welt von „Spider-Man“ genau meinen Geschmack getroffen und – wie ich bereits erwähnte – damit auch die Türen zu den anderen Welten der Superheldenverfilmungen geöffnet.

Die Geschichte ist einfach und doch mitreißen. Es gibt unglaubliche Actionszenen, doch nehmen diese nicht überhand und spielen sich in den Vordergrund. Dort steht stets Peter Parker, seine Familie, seine Freunde und M.J. Dadurch wirkt die Geschichte – trotz Vorhersehbarkeit – sehr ausgewogen und schlüssig. Der Verlauf gleicht dem des ersten Teils zwar verdächtig, doch aufgrund der Figurenkonstellationen und persönlichen Probleme Parkers (Verlust von Selbstbewusstsein und damit Verlust seiner Fähigkeiten etc.) ergeben sich völlig neue Eindrücke.

Fazit

Ich freue mich nun wirklich sehr auf den dritten Teil. Sam Raimi wird die Spinne schon schaukeln. Ebenso habe ich nach der gestrigen Sichtung Lust auf „Batman Begins“ bekommen, der immer noch ungesehen im Schrank steht. Auch „X-Men 3“ wartet noch auf seine Sichtung. Man merkt: Das Superheldenfieber wurde durch „Spider-Man 2“ erneut entfacht. Perfektes Popcornkino: 9/10 Punkte.

Anmerkung zur neuen Schnittfassung von „Spider-Man 2.1“: Mir sind – außer ein paar Szenen – keine sonderlichen Veränderungen zur Kinofassung aufgefallen. Die Sichtung liegt allerdings auch schon länger zurück. Wenn man noch keine Fassung sein Eigen nennt, ist man mit der 2.1-Version sicher gut beraten. Ansonsten kann man die Scheibe getrost im Regal stehen lassen.

300 (2007)

Eine aktualisierte Besprechung des Films habe ich am 29. Oktober 2014 veröffentlicht.

Gestern Abend war ich endlich einmal wieder im Fremdsprachenkino in Nürnberg. Somit mein dritter Kinobesuch diese Woche. Unglaublich. Wohl das erste mal seit den seeligen Schultagen. Der Anlass war Zack Snyders „300“. Ein Film, der mir bereits nach dem Trailer wie geschaffen für eine O-Ton-Sichtung schien. Viel Action, markige Sprüche und mit „This is Sparta!“ einen catch phrase, der sich bereits so ins Gedächtnis gebrannt hatte, dass eine synchronisierte Fassung für mich undenkbar gewesen wäre.

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Zunächst zum Look des Films: Ich hatte anfangs befürchtet, dass mir die doch sehr künstliche Optik irgendwann auf den Senkel geht. Tat sie nicht. Sie passt perfekt zum Inhalt und man möchte – so man auf brutales Abschlachten steht – jeden einzelnen Frame nehmen und an die Wand hängen. Visuell ist der Film brilliant. Noch nie wurde so ästhetisch gestorben. Noch nie waren Kampfszenen trotz äußerster Brutalität so stilisiert. Es mag seltsam klingen, doch der Film ist wunderschön anzusehen. Ich kann mich nur noch einmal wiederholen: Visuell eine Bombe – und vermutlich deswegen letztendlich auch so umstritten.

Die Handlung kann mit der optischen Pracht nicht im Geringsten mithalten. Die Kampfszenen stehen klar im Vordergrund und wenn man als Zuschauer auch froh um etwas Ruhe ist, können die stillen Szenen in Sparta leider nicht wirklich überzeugen. Es fehlt die Identifikation mit den Figuren. Auch wenn Gerald Butler wirklich eine beeindruckende Vorstellung abliefert, so bleibt sein König Leonidas eher eindimensional, wenngleich auch die eindeutig stärkste Figur in dem Schlachtengemälde.

Auf dem Schlachtfeld fehlt zudem etwas die Spannung, da Spartas Kämpfer dem Feind ohnehin überlegen sind. Als Zuschauer ergözt man sich nun also an der bombastischen Optik, wird dem bunten Treiben aber schon bald überdrüssig. So ist es zumindest mir ergangen. Das Ende war dann auch relativ schnell abzusehen. Zwar wieder grandios inszeniert, aber eben nicht emotional bindend. Doch darüber mag ich hinwegsehen, da „300“ in keiner Sekunde einen Hehl daraus macht, eine Comicverfilmung zu sein. Ich störe mich auch nicht an den wie aus dem Ei gepellten Kämpfern oder der äußersten Brutalität. Und schon gar nicht an den historischen Ungenauigkeiten. Wer dem Film solche Dinge vorwirft, sollte lieber bei den Geschichtsbüchern bleiben.

Neben Handlungsschwächen weist „300“ – trotz wirklich gelungener humorvoller Szenen – leider auch unfreiwillige Komik auf. Man merkt hier teils mehr als deutlich, dass manche Dinge, die auf dem Papier funktionieren, sich nicht 1:1 auf das Medium Film transportieren lassen. Hier hätte es mehr Feinschliff im Skript bedurft.

„300“ ist ein bombastischer Kracher von einem Film. Visuell brilliant, inhaltlich leider eher schwach. Trotzdem – oder gerade deshalb – sollte der Film auf der großen Leindwand gesehen werden. Spaß macht er allemal. Allein die FSK-Freigabe löst bei mir Kopfschütteln aus, denn gerade die comichafte Gewaltstilisierung schätze ich als weit gefährlicher ein, als abschreckende Brutalität à la „Pans Labyrinth“. Schon alleine aufgrund der Optik ist „300“ auf jeden Fall sehenswert: 7/10 Punkte.

Pans Labyrinth – OT: El Laberinto del Fauno (2006)

Vorgestern Abend habe ich mir endlich Guillermo del Toros „Pans Labyrinth“ angesehen. Ich hatte ja eigentlich schon befürchtet, dass der Film bereits wieder aus den Kinos verschwunden ist, doch dem war glücklicherweise nicht so. Del Toros jüngstes Werk hatte mein Interesse bereits mit den ersten Teasern geweckt. Dem folgten sehr gute Kritiken und eine Oscarnominierung. Auch wenn sich der Film letztendlich dem deutschen Beitrag geschlagen geben musste, kann ich mir nur schwerlich vorstellen, dass dieser das vorgestern gesehene Meisterwerk wirklich zu übertreffen vermag.

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Entgegen den – teils durch das Marketing geweckten – Erwartungen ist „Pans Labyrinth“ kein reiner Fantasyfilm. Eher ein Drama. Ein Film über das Erwachsenwerden. Er ist brutal. Abscheulich. Grausam. Wunderschön. Einfühlsam. Fantastisch. Den Film in irgendeine Ecke zu drängen wäre ein Fehler. Jedoch ist er auch kein klassischer Genremix. Del Toros Film ist ausgewogen, er wirkt wie aus einem Guss. Da gibt es keine Elemente, die Fehl am Platz wirken. Keine gezwungen lustigen Sequenzen. Die rohe Brutatität der Welt ist stets spürbar. Selbst in den Traumwelten von Ofelia (grandios: Ivana Baquero), einem Mädchen das bereits in jungen Jahren mehr Grausamkeiten erleben muss, als so manch anderer in seinem ganzen Leben.

Die erzählte Geschichte ist in ihrer Gesamtheit wirklich wunderschön. Wunderschön und zutiefst traurig. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal mit solch einem Kloß im Hals im Kino gesessen habe. Dennoch gibt es Hoffnung. Diese findet Ofelia in der eigenen Fantasie. Das Ende wirkt demnach trotz allem hoffnungsvoll. Ofelia hat die richtige Entscheidung getroffen und ihren Bruder vor dem Hauptmann gerettet. Ein Teil von ihr lebt demnach weiter. Der letzte Ausflug in ihr Königreich ist für sie der Aufbruch in eine bessere Welt. Dennoch wird dadurch die Trauer nicht negiert. Ein wunderschönes und zugleich tieftrauriges Ende für einen grandiosen Film.

Im Gegensatz zu vielen anderen Filmen, die mehrere Interpretationsmöglichkeiten anbieten, macht es „Pans Labyrinth“ seinen Zuschauern nicht künstlich schwer. Man muss sich nicht irgend eine Erklärung aus den Fingern saugen, um auf eine schlüssige Lösung zu kommen. Die Geschichte ist eindeutig – und doch lässt sich nicht mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit sagen, dass Ofelia sich nur in ihre Traumwelten geflüchtet hat. Dieser Hauch von Ungewissheit macht einen großen Teil der Faszination des Films aus.

„Pans Labyrinth“ ist ein Film, der mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Neben der grandiosen Erzählung bietet er fantastische Schauspieler, grandiose Bilder und Effekte, sowie einen eindringlichen Score, der jedoch nie aufdringlich wirkt. Für mich jetzt schon ein Meisterwerk – und das kann ich nach Erstsichtungen meist noch nicht über einen Film sagen: 10/10 Punkte.

Shrek 2 (2004)

Aktualisierung: Ich habe „Shrek 2“ am 4. März 2022 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Gestern Abend habe ich mich einmal wieder in die überdrehte Märchenwelt von „Shrek 2“ begeben. Im Gegensatz zum Vorgänger kenne ich den zweiten Teil noch nicht auswendig, weshalb mir dieser auch etwas mehr Spaß gemacht hat. Die Vorfreude auf den dritten Teil ist auf jeden Fall noch einmal gestiegen.

Shrek 2 (2004) | © Universal Pictures Germany GmbH

Shrek 2 (2004) | © Universal Pictures Germany GmbH

Die Geschichte fügt sich nahtlos an den ersten Teil an und erweitert die Märchenwelt und ihre Figuren (grandios: der gestiefelte Kater), ohne jedoch die etablierten Charaktere und ihre Eigenheiten aus den Augen zu verlieren. Zwar gewinnt auch hier die Rahmenhandlung keine Innovationspreise, doch überzeugt auch das zweite Abenteuer des grünen Ogers mit seinen unzähligen Anspielungen auf diverse Märchen und seinen Referenzen auf die Popkultur. Einfach ein großer, unbeschwerter Spaß.

Technisch ist der Film makellos und überzeugt durch knallbunte Farben und tolle Animationen. Die Welt ist superlebendig und man kann sich – wie bereits im ersten Teil – gut vorstellen, dass sich die klassischen Märchen dort wirklich zugetragen haben. In sehr überdrehter Form, aber dennoch glaubwürdig. Unterstützt wird die spaßige Atmosphäre mit allseits bekannten Popsongs, die von den Darstellern (u.a. Eddie Murphy) teils selbst vorgetragen werden.

„Shrek 2“ ist ein wirklich gelungener Animationsfilm, der zwar nicht unbedingt lange im Gedächtnis bleibt, während der Sichtung aber wirklich ausgezeichnet zu unterhalten weiß und einfach gute Laune verbreitet. Der dritte Teil darf kommen: 8/10 Punkte.

King Kong – Extended Edition (2005)

Peter Jacksons Nachfolger seines Meisterwerks „Der Herr der Ringe“ wurde mit Spannung erwartet. Doch wurden bereits im Vorfeld viele Stimmen laut, die meinten, der Film sei zu langatmig, zu ausgewalzt, einfach zu übertrieben. Ich jedoch hatte bereits bei der Sichtung im Kino großen Spaß an dem Affen. Auch auf DVD macht „King Kong – Extended Edition“ eine sehr gute Figur und zeigt erneut Jacksons große Liebe für das Kino – und die Urversion von „King Kong“ im Speziellen.

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Ich kann mir jedoch vorstellen, warum viele Leute Schwierigkeiten mit dem Film haben. Actionliebhaber werden vermutlich von der ersten Stunde abgeschreckt, in der die Figuren und ihre Umfeld behutsam charakterisiert werden. Freunde des ruhigeren Films können dagegen mit dem Teil auf der Insel wohl weniger anfangen. Zu viele Urviecher und Actionsequenzen. Wen hatte Peter Jackson also als Zielgruppe im Kopf? Wahrscheinlich sich selbst. Und damit Menschen, die Filme lieben. Jede Art von Film. Nicht nur spezielle Genres. Vermutlich sollte man zudem ein Faible für klassische Monsterfilme haben. Ein Filmgeek sein. Doch „King Kong“ ist nie so abgehoben oder so speziell, dass nicht auch das normale Publikum seine Freude an diesem grandiosen Abenteuerspektakel haben könnte.

Trotz seiner ultramodernen Technik ist Jacksons „King Kong“ ein klassischer Abenteuerfilm. Es gibt eine strikte Dreiteilung der Geschichte, die Figuren transportieren die Naivität des 1933er „King Kong“ in die heutige Zeit und die Monsterszenen sind genauso atemberaubend übertrieben, wie 1933 bestimmt auch die Stopmotionsequenzen für das damalige Publikum gewirkt haben müssen. Alles in Allem ist auch Jacksons moderner „King Kong“ ein klassischer Abenteuerfilm und auf einen solchen sollte man sich einlassen können, wenn man seinen Spaß haben will.

Von der Ausstattung, über die Inszenierung, bis hin zu den Schauspielern: Alles ist stimmig. Man fühlt sich in eine fantastische Welt versetzt, die durch die erste halbe Stunde die nötige Glaubwürdigkeit verliehen bekommt. Sicher spielt Jack Black den Orson Welles-Verschnitt manisch übertrieben, Adrian Brodys Jack Driscoll geht in dem bunten Treiben fast etwas unter und Naomi Watts‘ Ann Darrow überstrahlt alle anderen Figuren. Das geht aber voll in Ordnung, da die Darstellung der Figuren perfekt in die überhöhte Realität des Abenteuerfilms passt und die Hauptrolle sowieso ein anderer spielt: „King Kong“.

Der große Affe ist wirklich ein Meisterwerk. In den meisten Einstellungen wirkt er so lebensecht, wie kein zweiter CG-Charakter. Unglaublich. Man fühlt mit ihm mit. Kann Ann Darrow verstehen. Er bewegt sich wie ein Tier, verhält sich wie ein Tier. Sind ansonsten nicht alle computergenerierten Sequenzen (Dinojagd etc.) perfekt gelungen, Kong ist es. Der Affe hebt den Film über das Niveau eines einfachen Abenteuerfilms und verleiht ihm eine neue Dimension von Tiefe. Vielleicht sehe ich das aber auch nur so, weil ich verstehen kann, wie schwer es ist, einen glaubwürdigen CG-Charakter zu schaffen, der mit seiner Umwelt interagiert und zudem noch Gefühle beim Zuschauer weckt. Ein wahres Meisterwerk.

Peter Jacksons „King Kong“ ist altmodisches Abenteuerkino, kombiniert mit modernster Technik. Das macht den Film in meinen Augen besonders reizvoll. Alles ist larger than life – genau so, wie es bei dieser Art von Film sein muss: 9/10 Punkte.

Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia – OT: The Chronicles of Narnia: The Lion, the Witch and the Wardrobe (2005)

Aktualisierung: Ich habe „Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia“ am 11. Dezember 2022 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nachdem die Weihnachtstage wieder einmal viel zu schnell vorübergezogen sind, habe ich mir gestern Abend zum Abschluss „Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia“ angesehen. Der Film hatte mich bei der Sichtung im Kino ziemlich enttäuscht. Aufgrund einer – mehr oder weniger – geschickten Marketingkampagne wurde dem Zuschauer suggeriert, dass er von der C.W. Lewis-Verfilmung ein neues Fantasyepos à la „Der Herr der Ringe“ erwarten kann. Dem war nicht so. Trotzdem sind einige schöne Bilder hängen geblieben und aufgrund des Mangels an klassicher Fantasy, habe ich dem Film noch einmal eine Chance gegeben.

Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia (2005) | © Walt Disney

Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia (2005) | © Walt Disney

Aufgrund der angepassten Erwartungshaltung, konnte ich dem Film gestern viel mehr abgewinnen. Die erste Stunde – bis zum endgültigen Betreten von Narnia – fand ich im Kino schon ziemlich gelungen und auch gestern hat mir dieser Teil wieder am besten gefallen. Schön gespielt und inszeniert, mit einer tollen Atmosphäre. In Narnia selbst wirkt die Geschichte dann etwas zerfahren, was aber wohl an der Vorlage liegt. „Die Chroniken von Narnia“ sind eher Kinderbücher und somit wirkt auch die Verfilmung teils zu sehr auf Kinder zugeschnitten. Dies wäre an sich nicht schlimm, doch es beißt sich etwas mit der pompösen, epenhaften Inszenierung. Nicht Fisch und nicht Fleisch, wie man so schön sagt.

Ein weiterer Kritikpunkt sind für mich die Hauptfiguren. Sie sind – besonders für Kinder – viel zu stereotyp gezeichnet. Wirklich schade, da eine Identifikation somit nicht immer leicht fällt. Allein Lucy schafft es mich als Zuschauer auf ihre Seite zu ziehen und wird für mich somit zur einzigen echten Identifikationsfigur, was wahrlich kein Ruhmesblatt für den Film ist.

Der Film hat jedoch auch gute Seiten: Wunderbare Landschaftsbilder und teils grandiose Effekte. Aslan war – zumindest bis „King Kong“ – so ziemlich das beeindruckendste, was ich je auf der Leinwand gesehen habe. Ganz groß. Auch die Endschlacht weiß audiovisuell zu Punkten, wenngleich auch hier wieder die Diskrepanz zwischen kindgerechtem und erwachsenem Fantasyfilm vorherrscht. Die Geschichte schwächelt zwischen der starken ersten Stunde und der guten letzten halben Stunde zwar etwas, doch kann man – wenn man mit der richtigen Erwartungshaltung an „Die Chroniken von Narnia“ herangeht – durchaus seinen Spaß haben.

Fazit

Andrew Adamson schafft es zwar in keinster Weise an Peter Jacksons Meisterwerk heranzukommen – er muss sich selbst Ron Howards „Willow“ geschlagen geben – doch verbeitet sein Film eine schöne Fantasyatmosphäre und weiß audiovisuell größtenteils voll zu überzeugen. In einem so raren Genre ist das durchaus die eine oder andere Sichtung wert: 7/10 Punkte.

Der Polarexpress – OT: The Polar Express (2004)

Edelkitsch oder fantasievolles Weihnachtsmärchen? Robert Zemeckis „Der Polarexpress“ ist beides. Im Vorfeld hat der Film große Wellen aufgrund seiner neuartiger Technik – oder besser: aufgrund seines neuartigen Einsatzes bekannter Technik – geschlagen. Umgesetzt wurde damit allerdings nur ein Weihnachtsmärchen. Ein zutiefst amerikanisches Weihnachtsmärchen. Bunt, kitschig, mit etwas aufgesetzt wirkender Moral und dabei doch äußerst unterhaltsam.

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Es wird die Geschichte eines kleinen Jungen (Tom Hanks) erzählt, der am Weihnachtsmann zu zweifeln beginnt. Um ihm wieder den Glauben zu schenken, wird er im Polarexpress auf eine Reise zum Nordpol mitgenommen, wo er – wer hätte es gedacht – auf den Weihnachtsmann (Tom Hanks) trifft. Bis er dort ankommt, gilt es einige Abenteuer zu überstehen, bei denen ihm neue Freunde, ein Schaffner (Tom Hanks) und der sinnbildliche Geist der Weihnacht (Tom Hanks) zur Seite stehen. Viel mehr Geschichte steckt nicht im Film. Das Ende kommt dann genau so, wie man es seit den ersten paar Minuten erwartet hat und auch sonstige Überraschungen halten sich in Grenzen.

Was also macht den Film so wirklich sehenswert? Ganz klar: Die Optik. Audiovisuell ist der Film wirklich eine Wucht. Selten habe ich einen technisch so bemerkenswerten Film gesehen. In manchen Szenen – meist Totalen – kann man wirklich kaum unterscheiden, ob da nun CGI-Figuren oder echte Menschen spielen. Wirklich fantastisch. In den meisten Szenen offenbart der Film aber ganz deutlich seine Herkunft. Die Bewegungen sind zu flüssig und kleine Details im Bewegungsablauf fehlen einfach. Dennoch bin ich manchmal aus dem Staunen nicht mehr heraus gekommen. Allerdings hat dieser Umstand auch vom eigentlichen Film abgelenkt. Zu konzentriert war ich auf den technischen Aspekt.

„Der Polarexpress“ verbreitet zwar durchaus eine weihnachtliche Atmosphäre, doch ist diese so überstilisiert, dass es schwer fällt einen Bezug dazu herzustellen. Zudem ist der Junge eine Figur, die leider am emotionslosesten geraten ist, was die Identifikation wiederum erschwert. Geschichte und Emotionen gehen im bunten Lichtermeer einfach unter. Die letzten Szenen im Haus des Jungen haben es dann doch geschafft zu mir durchzudringen und mich an die Weihnachtsfeste meiner Kindheit denken lassen. Insofern ein versöhnlicher Abschluss.

Robert Zemeckis ist mit „Der Polarexpress“ eine technische Meisterleistung gelungen, bei der die Geschichte leider etwas untergeht. Der Film wird es somit wohl auch nie unter meine persönlichen Weihnachtsfilme schaffen, doch sehenswert ist die audiovisuelle Pracht allemal: 7/10 Punkte.

Charlie und die Schokoladenfabrik – OT: Charlie and the Chocolate Factory (2005)

Aktualisierung: Ich habe „Charlie und die Schokoladenfabrik“ am 22. Dezember 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Gestern Abend hatte ich Lust auf einen phantastischen Film. Soll die Reise nach Narnia gehen oder doch lieber nach Hogwarts? Letztendlich ist meine Wahl auf Tim Burtons „Charlie und die Schokoladenfabrik“ gefallen. Wohl auch deshalb, weil ich den Film noch nicht kannte und die Kombination Johnny Depp und Tim Burton für erstklassige Unterhaltung steht.

Charlie und die Schokoladenfabrik (2005) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Charlie und die Schokoladenfabrik (2005) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Ich muss vorausschicken, dass ich weder die Vorlage von Roald Dahl, noch das 70er Jahre Musical mit Gene Wilder kenne. Dementsprechend unvoreingenommen konnte ich mich auf Tim Burtons Version einlassen. In der ersten halben Stunde wird dem Zuschauer der titelgebende Charlie samt Großfamilie vorgestellt. Dieser lebt in ärmlichsten Verhältnissen und hofft auf nichts mehr, als einmal die Schokoladenfabrik von Willy Wonka besuchen zu dürfen. Dieser Teil ist wirklich schön erzählt und bringt einem die Figuren sehr nahe. Dazu kommt ein tolles Setdesign und sympathische Schauspieler.

Nachdem Willy Wonka fünf goldene Eintrittskarten zu seiner Schokoladenfabrik unter das Volk gebracht hat, bricht erstmals Tim Burtons kunterbunter, ziemlich böser Humor durch. Die überzogene Darstellung der vier anderen Gewinnerkinder steht in völligem Kontrast zum liebevollen Portrait des bescheidenen Charlie. Insgesamt ist auch dieser Teil gelungen, doch frage ich mich, warum manche Klischees hier so breitgetreten werden – und außerdem: seit wann wird in Düsseldorf bayerisch gesprochen?

Nachdem sich die Tore zur Schokoladenfabrik geöffnet haben, bricht ein audiovisuelles Feuerwerk über die Besucher herein. Wirklich unglaublich, wie ideenreich und verspielt die Darstellung des Innenlebens der Fabrik ist. Man kann sich gar nicht satt sehen, an den zuckersüßen – und gleichzeitig ziemlich boshaften – Ideen Willy Wonkas. Besonders der erste Raum mit dem Schokoladenfluss ist ein Meisterwerk des überdrehten Setdesigns. Man kann sich als Zuschauer wirklich vorstellen, dass hinter jeder Tür der Fabrik neue Wunder darauf warten entdeckt zu werden. Leider ist die Struktur der Geschichte hier zu voraussehbar und einfach getrickt. Man weiß eigentlich schon immer, was im nächsten Raum geschieht. Nur noch nicht wie. Dieses wie ist dann glücklicherweise immer so unterhaltsam umgesetzt, dass dem Film trotz Voraussehbarkeit nicht die Luft ausgeht.

Schauspielerisch ist auch alles im Lot. Johnny Depps Willy Wonka ist sehr überdreht und teils sogar fast etwas unheimlich. Aber das ist das tolle an Burton: Seinen Märchen haftet immer etwas Düsteres und Verdehtes an, was die Filme auch für Erwachsene geniesbar macht. Mit einem anderen Regisseur hätte der Film schnell im Kitsch versinken können.

Fazit

Tim Burton ist mit „Charlie und die Schokoladenfabrik“ wirklich ein toller Märchenfilm gelungen, der für Kinder und Erwachsene gleichermaßen geeignet ist. Leider übertrumpft der audiovisuelle Eindruck etwas die Geschichte. Trotzdem ein rundum empfehlenswertes Erlebnis: 8/10 Punkte.

Shrek (2001)

Aktualisierung: Ich habe „Shrek“ am 9. Oktober 2020 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

In letzter Zeit sehe ich irgendwie vermehrt Animationsfilme. Mag an der stets kurzen Laufzeit und der Tatsache liegen, dass Computer hier auch einmal die Grundlage für Unterhaltung sein können. Dieses Mal gab es auf jeden Fall „Shrek“. Damals bei der Erstsichtung im Kino war ich wirklich höchst begeistert. Unglaublich lustig und im Gegensatz zu den meisten Disneyfilmen mit mehr Biss. Daraufhin folgten bis zum zweiten Teile viele weitere Sichtungen und mit etwas Abstand war es gestern wieder einmal Zeit für den grünen Oger und seinen vorlauten Esel.

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„Shrek“ ist für mich so ein Zwischending. Zwar ist die Geschichte etwas komplexer, als z.B. bei „Ice Age“ und die Figuren besitzen mehr Tiefe und erfahren mehr Charakterentwicklung, doch fehlt auch hier das Hineingesogenwerden in die Welt, wie es bei Pixarfilmen der Fall ist. „Shrek“ ist mehr Parodie. Eine Märchenparodie – und eine ziemlich gelungene. Zwar zeigen die Gags nach einiger Zeit ein paar Abnutzungserscheinungen, doch im Großen und Ganzen funktioniert „Shrek“ auch heute nach unzähligen Sichtungen noch unglaublich gut.

Technisch ist „Shrek“ auch noch ziemlich auf der Höhe der Zeit. Manche Sequenzen sind wirklich atemberaubend. Besonders die Prinzessin ist eine der besten menschlichen CGI-Figuren, die mir bisher untergekommen sind. Selbst in den großen Actionszenen gibt es kaum Grund zur Klage. Am besten gefällt mir aber die durch Licht und Umgebung geschaffene Atmosphäre. Genau so muss eine Märchenwelt aussehen.

Insgesamt immer noch ein herausragender Animationsfilm, den ich vielleicht schon zu oft gesehen habe. Ich denke der zweite Teil würde mir heute besser gefallen, da ich ihn noch nicht fast auswendig kenne. Doch auch der Ur-Oger macht trotz allem noch tierisch viel Spaß: 8/10 Punkte.

Das Parfum

In meiner Schulzeit war ich einer der wenigen, denen Pflichtlektüren nicht wie eine Pflicht vorkamen – Lesen war für mich schon immer ein Vergnügen, selbst bei klassichen Werken. Noch schöner natürlich, wenn die Lektüre solch ein grandioser Roman, wie Patrick Süskinds „Das Parfum“ gewesen ist. Ich habe dieses Buch verschlungen und hatte es weit vor Termin zu Ende gelesen. Eine Verfilmung konnte ich mir immer nur schwer vorstellen. Umso gespannter war ich dann auf Tom Tykwers Interpretation, den ich nach „Winterschläfer“ für einen der fähigsten deutschen Regisseure halte.

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Der Film beginnt sehr nahe am Buch: Die Umgebung Jean-Baptiste Grenouilles im Paris des 18. Jahrhunderts wird glaubhaft und äußerst detailliert dargestellt. Die ruhige und sonore Erzählstimme Otto Sanders erzählt uns die Geschichte und ist in der Lage die gleiche beunruhigende Atmosphäre, die dem Roman innewohnt, heraufzubeschwören. Auch das Wesentlichte – die Darstellung der Gerüche – gelingt Tykwer ganz famos. Detailaufnahmen der Geruchsquellen, Aufnahmen der Geruchswege und Montagen derselben zeigen Grenouilles erweiterte Erfahrungswelt auf eine eindringliche Art und Weise – und auf die einzige, die ein rein audiovisuelles Medium darzustellen vermag. Trotzdem: Da es (noch) kein Geruchskino gibt, leider kein Vergleich zu den seitenlangen, ausufernden Beschreibungen des Romans.

Die Geschichte folgt der des Romans ziemlich genau. Alle wichtigen Stationen werden bereist und man hat nie den Eindruck eines reinen Abhakens der einzelnen Schauplätze. Den Charakteren wird genug Tiefe verliehen, so dass auch Nichtkenner der Vorlage große Freude an der filmischen Umsetzung finden dürften. Selbst die Orgienszene und Grenouilles letzter Gang sind enthalten – wenngleich auch in sehr abgeschwächter Form, was auch den dramaturgischen Höhepunkt des Films einiges an Wirkung nimmt. Ich weiß noch genau wie abgestoßen und doch fasziniert ich beim Lesen der letzten Seiten von „Das Parfum“ war. Ein notwendiges – und darüber darf man Streiten – Zugeständnis an das Mainstreampublikum. Womit ich auch zu den negativen Seiten der Verflimung kommen möchte.

Der größte Schwachpunkt war für mich der Darsteller Grenouilles. Nicht dass Ben Whishaw seine Sache als Schauspieler nicht gut gemacht hätte – nein, seine Darstellung war sogar sehr überzeugend. Doch Grenouille ist im Roman eine hässliche Zecke, ein Monster, der wahre Abschaum. Ben Whishaw ist viel zu gutaussehend. Für Nichtkenner des Romans wohl nicht weiter störend, doch die Vorlage liefert solch ein detailliertes Bild der Kröte Grenouille, dass Whishaw wie eine weichgezeichnete und aufpolierte Version des Mörders wirkt. Wohl auch ein Zugeständnis an den Mainstream und damit den augenscheinlichen Erfolg an den Kinokassen. Ebenso wie der eingestreute Humor von Meister Baldini. Dustin Hoffmans Darstellung überzeugt zwar, doch die komischen Szenen sind einfach nur unpassend und nicht wirklich vorlagentreu. Das hätte nicht sein müssen.

Anonsten wurde mir der Schwerpunkt zu sehr auf die Morde gelegt. Die erste Hälfte des Films wirkt zwar etwas gehetzt, doch – in meinen Augen – insgesamt gelungener, da hier wirklich auf die Person Jean-Baptiste Grenouille und seine eigene Welt eingegangen wird. Die Selbstfindung in der Höhle kommt mir viel zu kurz und plötzlich. Ein paar visualisierte Gedankenreisen wären hier schön gewesen. Die zweite Hälfte ist zu sehr Krimi. Die Innenwelt des Mörders wird nahezu vollständig vernachlässigt. Aber irgendwo muss man in solch einer schwierigen Adaption wohl Prioritäten setzen.

Insgesamt war ich von „Das Parfum“ sehr positiv überrascht. Im Gegensatz zu „Sakrileg“, der zweiten großen Romanverfilmung dieses Jahr, auf jeden Fall um Welten gelungener – und das bei der weitaus ansprungsvolleren Vorlage. Wenn man weniger auf den Erfolg an der Kinokasse geschiehlt hätte, wäre „Das Parfum“ bestimmt ein kleines Meisterwerk geworden. Mich würde interessieren, was Stanley Kubrick zu Tom Tykwers Adaption gesagt hätte, welcher dem Roman die Unverfilmbarkeit attestiert hatte. Schade, dass er sich nicht mehr dazu äußern kann. Gelungen, aber mit – für Vorlagenkenner – teils gröberen Schwächen: 7/10 Punkte.