Underworld: Evolution

Nachdem ich – wie so oft – im Kino nicht dazu gekommen bin, mir einen von mir favorisierten Film anzusehen, nun also die verspätete Sichtung von „Underworld: Evolution“. Nach dem Vorgänger, den ich letztes Jahr zum ersten Mal gesehen habe, war ich richtig heiß auf den Film und meine Erwartungshaltung dementsprechend hoch. Leider konnte sie nicht hundertprozentig erfüllt werden.

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Ausstattung und Inszenierung sind ebenso grandios wie beim ersten Teil – wenn nicht noch besser, was auf das gestiegene Budget zurückzuführen ist. Hier gibt es von meiner Seite absolut keine Kritikpunkte. Der Wechsel vom Großstadt- auf das Naturszenario ist auch sehr gelungen. Anfangs zwar ungewohnt, aber atmosphärisch ebenso dicht. Besonders die Einstiegssequenz hat mir hier gut gefallen. Bisher hatte ich auch immer gedacht, dass „Underworld: Evolution“ eher ein Prequel werden würde und die Geschichte erst im dritten Teil einen Abschluss findet. Leider beschränkt sich die Mittelalterszenerie hier jedoch auf die ersten 10 Minuten.

Wobei ich auch schon zur Geschichte und den Schwächen des Films kommen möchte. Der Schwerpunkt verlagert sich von der Jahrhunderte andauernden Fehde zwischen Vampiren und Werwölfen eher zum Familiendrama – um es einmal überspitzt auszudrücken. Der epischen Geschichte wird dadurch etwas die Luft entzogen. Die Anzahl der handelnden Figuren wird dabei nicht verkleinert – nur ihr Umfeld schrumpft. Hinzu werden beide Rassen immer mehr demystifiziert, was  im Auftauchen von Alexander Corvinus persönlich gipfelt. Ein unnötige und unpassende Erweiterung der Geschichte. Gegen Ende wird wieder etwas an der Actionschraube gedreht, wobei „Underworld: Evolution“ mit seinen beiden Kreaturen hier nur knapp am simplen Monsterfilm vorbeischrammt.

Nach dem genialen Anfang und dem neuen atmosphärischen Setting bin ich letztendlich wirklich etwas enttäuscht. Einzelne Szenen sind zwar nach wie vor grandios (z.B. die LKW-Verfolgungsjagd), doch das, was „Underworld“ in meinen Augen so besonders gemacht hat (das ausgefeilte Universum und die episch anmutende Geschichte), wird auf ein Minimum reduziert. Wirklich schade.

„Underworld: Evolution“ ist ein toller Actionfilm mit einer sehr nett anzusehenden Kate Beckinsale. Regisseur Len Wiseman hat allerdings zu viele Möglichkeiten verschenkt, die der Vorgänger bereit gehalten hätte. Somit kann ich letztendlich die 7/10 Punkte nur mit sehr viel gutem Willen vergeben.

Underworld – Extended Cut

Vor dem aktuellen Nachfolger wollte ich mir noch einmal die Geschehnisse aus dem ersten Teil von Len Wisemans „Underworld“-Saga ins Gedächtnis rufen. Bei der ersten Sichtung hat mich der Film vollkommen überrascht und auf ganzer Linie überzeugt. Ich hatte einen reinen Actionfilm à la „Blade“ erwartet und einen epischen Werwolf-/Vampirfilm bekommen. Auch bei der zweiten Sichtung hat sich das Fantasyvehikel wacker geschlagen. Zwar nicht mehr ganz so grandios wie bei der Premiere, doch nach wie vor besser als der Rest an Darkfantasy, den es sonst so in die Kinos bzw. auf den heimischen Bildschirm verschlägt.

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Der Film lebt klar von seinen durchstilisierten Bildern. Edle Düsteroptik trifft auf moderne Inszenierung. Sicher versprüht „Underworld“ dadurch viel gewollte Coolness, doch hatte ich nie das Gefühl von Übertreibung oder Selbstzweck: Der audiovisuelle Eindruck ergänzt die Geschichte perfekt. Auch die Effekte reihen sich nahtlos in die Szenerie ein und fallen (fast) nie unangenehm auf. Einzig die practical effects der Werwölfe wirken etwas steif, was durch geschickte Kameraführung größtenteils aber ausgeglichen werden kann.

Die Geschichte selbst ist weitaus komplexer, als man bei der Thematik erwarten würde und sie hinterlässt einen epischen Eindruck, der hoffentlich durch die Forsetzung(en) weitergeführt wird. Ich hatte schon immer ein Faible für Vampirfilme, deren Höhepunkt für mich immer noch „Interview mit einem Vampir“ ist. Doch auch in „Underworld“ werden die Vampire und ihre Welt mit Leben gefüllt, was mir durchaus imponiert hat. Zudem bleibt bis zum Ende des Films unklar, wer denn nun die Guten und wer die Bösen sind. Es gibt hier keine klare Definition, nur eine Grauzone – eine Unterwelt – in der sich beide Völker bewegen. Untypisch für diese Art von Film und dadurch umso interessanter.

Bei den Schauspielern sticht vor allem Kate Beckinsale heraus, die wie geschaffen für ihren Charakter erscheint. Auch Bill Nighy hat mir – wie eigentlich immer – sehr gut gefallen. Scott Speedman bleibt noch etwas blass und auch der Rest des Casts hinterlässt keinen großen Eindruck, stört aber auch nicht weiter.

Kritikpunkte habe ich nicht viele: Teils etwas zu aufdringliche – meist mit (New) Metal unterlegte – Szenen, der unübersichtliche und in die länge gezogene Endkampf und – wie bereits erwähnt – die practical werewolf effects.

„Underworld“ macht Spaß und begeistert vor allem durch seine ausgefeilte Welt. Genau so stelle ich mir einen Krieg zwischen Vampiren und Werwölfen vor. Diesen Satz kann man wohl nur als Fantasyliebhaber verstehen – und für genau die ist „Underworld“ der richtige Film: 8/10 Punkte.

Fluch der Karibik 2 – OT: Pirates of the Caribbean: Dead Man’s Chest (2006)

Aktualisierung: Ich habe „Pirates of the Caribbean: Fluch der Karibik 2“ am 28. Mai 2011 und am 31. August 2022 erneut gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nach drei Jahren des Wartens habe ich gestern nun endlich Gore Verbinskis „Fluch der Karibik 2“ (OT: „Pirates of the Carribean: Dead Man’s Chest“) gesehen – und das Warten hat sich definitiv gelohnt. Die Fortsetzung von „Pirates of the Carribean: The Curse of the Black Pearl“ ist ein mindestens genauso großer Piratenspaß, wie bereits der erste Teil. Bereits vor dem einschlagenden Erfolg von Verbinskis Trilogie war ich ein Freund des modernen Piratenfilms, der für mich seinen bisherigen Höhepunkt in dem unverständlicherweise gefloppten Renny Harlin-Film „Die Piratenbraut“ (OT: „Cutthroat Island“) hatte. Bereits hier war Spaß mit Südseeflair und eine bombastische Inszenierung angesagt. Auch die „Fluch der Karibik“-Filme wären nicht besser, gäbe es da nicht einen gewissen Captain Jack Sparrow.

Pirates of the Caribbean: Fluch der Karibik 2 (2006) | © Walt Disney

Pirates of the Caribbean: Fluch der Karibik 2 (2006) | © Walt Disney

Ohne Johnny Depps Figur würde sich diese moderne Piratentrilogie gewiss nicht ihrer enormen Beliebtheit erfreuen. Gegen Depp sehen hier alle anderen Schauspieler blass aus. Allen voran Orlando Bloom, der in seiner Rolle zwar nicht sonderlich stört, ihr allerdings – wie bereits schon im ersten Teil – keinen eigenen Stempel aufdrücken kann. Mich würde ja wirklich interessieren, wie der Charakter Jack Sparrow im Drehbuch angelegt war und wieviel Johnny Depp hinzugefügt hat. Ich glaube ja, dass diese grandiose Figur zu 99 Prozent auf das Konto des Schauspielers geht. Zudem ist es sehr erfreulich, dass der Captain der Black Pearl nicht zum comic relief verkommt, sondern die tragende Figur der Geschichte ist. Jack Sparrow kann in „Dead Man’s Chest“ in völlig überdrehten Slapstickeinlagen, in verwirrenden Wortgefechten, als Eingeborenengottheit, als Verführer, als Verräter, als Kämpfer, als Feigling und als Held überzeugen. Bei all dem bleibt der Charakter glaubwürdig, was ich wiederum erneut zu 99 Prozent einem überragenden Johnny Depp zuschreibe.

Die Geschichte um Jack Sparrow poltert von einer Bombastszene zur nächsten. Dabei hat sich bei mir nie ein Übersättigungseffekt eingestellt, wie das bei effektlastigen Filmen sonst häufig der Fall ist. Sicher hätte der ein oder andere Krakenangriff nicht so in die Länge gezogen werden müssen, aber im Großen und Ganzen sind alle Actionszenen wunderbar inszeniert und leben von Witz und Selbstironie. Mehr als einmal musste ich aufgrund des Humors während des Films an „Monkey Island“ denken, dessen Geist in dieser Attraktionsverfilmung weiterlebt.

Besonders hervorheben möchte ich noch die fantastischen Effekte: Die (CGI-)Masken von Davy Jones und Crew sind wirklich überragend gut gelungen. Besonders beim Captain fällt dies auf, da hier die Gesichtszüge des Schauspielers Bill Nighy trotz der unglaublichen Maske immer noch klar zu erkennen sind. Fand ich wirklich verblüffend.

Das Ende des Films ist aufgrund seiner Mittelteilstellung in der Trilogie natürlich etwas abrupt. Trotzdem ist der Abschluss noch relativ sanft und kann als gelungen bezeichnet werden. Der Cliffhanger am Ende schürt die Spannung und Vorfreude auf den dritten Teil, den ich gestern am liebsten sofort im Anschluss gesehen hätte. Einfach tolle Unterhaltung: 9/10 Punkte.

The Legend of Gingko – OT: Danjeogbiyeonsu

Ich habe meinen Ausflug in asiatische Gefilde mit der Sichtung von „The Legend of Gingko“ noch etwas verlängert. Leider lässt mich der Film nun ein wenig unschlüssig zurück, da ich einerseits zwar beeindruckt bin, leider aber auch viele störende Elemente ausmachen musste.

Gefallen habe ich an den teils wirklich grandiosen Bilder und der Optik des Films gefunden. Wunderschöne Landschaften und das passende Produktionsdesign können wirklich überzeugen. Auch die musikalische Untermalung ist sehr gut gewählt und transporiert Stimmung und Atmosphäre sehr gekonnt. Überhaupt weiß der rein technische Aspekt größtenteils zu gefallen – wäre da nicht die Montage. Hier wird teils wirklich wild hin- und hergeschnitten. Plötzlich sind Figuren im Bild, die man noch kilometerweit entfernt vermutet hätte oder Zeitsprünge werden vorgenommen, die man rein sinnmäßig gar nicht erfasst hätte, wären die Charaktere nicht plötzlich von anderen Schauspielern dargestellt worden. Überhaupt hat der Schnitt auf mich oft einen ziemlich chaotischen Eindruck gemacht, auch was das generelle Timing betrifft. Nicht wirklich katastrophal, aber eben doch störend.

Ähnlich zerissen bin ich, was den Inhalt angeht: Die Geschichte kann mich im Groben schon überzeugen. Ebenso die Figuren. Alles ist sehr episch – auch was den Zeitraum der Handlung betrifft – angelegt, was durch den audiovisuellen Eindruck noch verstärkt wird. Leider jedoch wirken viele Teile einfach schlecht geschrieben. Ich möchte zwar nicht so weit gehen (wie manche Kritiker) und dem Film GZSZ-Niveau bescheinigen, aber bei manchen Dialogen driftet der Film schon in sehr seichte Gewässer ab. Auch die Darstellung des Hawks-Tempels unterstützt etwas diesen billigen Eindruck, wird einem hier der Tempel des mystischen Schwerts doch als typische 80er Jahre Fantasyrequisite präsentiert – inklusive leuchtenden Lichtern und Nebel. Auch das Schwert selbst wirkt wie aus einem schlechten B-Movie. All dies würde vermutlich nicht so negativ auffallen, wäre der Rest des Films nicht wirklich stark. Es gibt wirklich gute Szenen und die beiden tragischen Liebesgeschichten tragen großes Potential in sich – zwar nicht frei von Pathos, aber so gehört es sich doch auch für einen Fantasyfilm.

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Die Darsteller gefallen mir alle recht gut, wenngleich mich auch der ständige Wechsel gestört hat. Da es – für mich als ungeübten westlichen Zuschauer – anfangs sowieso nicht leicht war den Überblick zu behalten. Ein bekanntes Gesicht konnte ich auch ausmachen: Yoon-jin Kim, die mir bereits als Sun Kwon aus „Lost“ ans Herz gewachsen ist.

Insgesamt bin ich unschlüssig bezüglich einer Bewertung. Der Film war weder richtig gut, noch richtig schlecht. Ich werde ihm großzügige 6/10 Punkte geben, da mir mein ungeübtes Auge für das Kino Asiens vielleicht teilweise etwas den Blick getrübt hat.

The Gingko Bed – OT: Eunhaengnamoo chimdae

Ich werde mit dem asiatischen Kino einfach nicht warm. Nicht weil die Filme schlecht wären, sondern eher weil ich selten den Mut oder die Geduld aufbringe mich dieser oft so fremden Welt zu öffnen. Meinen aktuellsten Vorstoß habe ich mit „The Gingko Bed“ gewagt, was sich durchaus gelohnt hat.

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In seinen schwächsten Momenten erinnert mich der Film etwas an eine asiatische Mischung aus „Highlander“ und „Terminator“. Wenn der finster dreinblickende Bösewicht sich durch Nichts aufhalten lässt und mit überholten Effekten durch das falsche Jahrhundert poltert, dann werden solche Assoziationen einfach wach. Glücklicherweise verlässt der Film diese Schiene bald und stattet seine Figuren mit einer gesunden Portion Tiefe aus. Die Charaktere werden sogar so greifbar, dass man bereit ist ihnen auf eine wilde Reise durch die Zeit zu folgen und ihnen so manch – zumindest für westliche Zuschauer – recht seltsam anmutende Handlung abkauft.

Wirklich erstaunt hat mich hier die – sowohl visuelle, als auch narrative – Stärke der tragischen Liebesgeschichte. Diese ist mir doch ungewohnt nahe gegangen. Leider werden hier viele Momente durch das Auftauchen des – zumindest in der Gegenwart – recht polternd auftretenden Bösewichts verschenkt, der allerdings ziemlich gut in das Liebesgeflecht mit eingesponnen wird. Total verschenkt wird meiner Meinung nach aber die Figur der Ärztin, die immer mehr zum Mittel zum Zweck verkommt und ihre anfangs noch starken Charakterzüge immer lächerlicheren Handlungen opfert.

„The Gingko Bed“ erzählt trotz aller Schwächen eine wirklich wunderschöne und fast schon epische Liebesgeschichte, die gekonnt von einem erzählerischen Rahmen zusammengehalten wird. Wieder einmal ein guter asiatischer Film, bei dem ich mir jedoch viele Folgesichtungen nicht wirklich vorstellen kann: 6/10 Punkte.