The O.C. – Season 1

Nachdem ich mit der sechsten Staffel von „Game of Thrones“ ein wahres Highlight abgeschlossen hatte, war ich ein wenig ratlos, was denn meine nächste Serie werden sollte. Also habe ich mein Regal durchstöbert und bin bei „The O.C. – Season 1“ hängen geblieben. Die Serie stand immerhin schon seit über zwei Jahren ungesehen (und noch in Folie verpackt) bei mir herum. Kann nicht angehen. Also gab es über die letzten Wochen ein wenig Kontrastprogramm und was soll ich sagen? Ich wurde tatsächlich erschreckend gut unterhalten…

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Mit der Sichtung von „One Tree Hill“ liegt meine letzte Begegnung mit einem Teen-Drama ziemlich genau ein Jahr zurück. Dies scheint mir auch ein guter Rhythmus für das Genre zu sein, wenngleich ich ohnehin glaube inzwischen alle relevanten Vertreter gesehen zu haben. Einzig eine Rückkehr zum Ursprung mit „Dawson’s Creek“ könnte ich mir noch vorstellen, doch befürchte ich einen akuten Nostalgie-Flash. Auch wenn „The O.C.“ oder „O.C., California“, wie der deutsche Titel der Serie lautet, schon zur nächsten Generation von Teen-Drama gehört, so haben sich die Themen doch nicht groß weiterentwickelt. Popkultur spielt eine größere Rolle und es gibt bereits einige Anspielungen, die auf der Metaebene funktionieren, zum Beispiel wird das Alter der Schauspieler thematisiert und ob diese noch glaubhaft Teenager verkörpern können.

„The O.C.“ ist 2003 zeitgleich mit der ersten Staffel von „One Tree Hill“ gestartet, weshalb es für mich spannend war zu sehen, inwiefern sich die Serien unterscheiden. Durch die oben genannten humoristischen Anklänge wirkt „O.C., California“ etwas moderner als das Pendant von The WB. Dennoch lässt sich auch hier nicht verheimlichen, dass seit der Erstausstrahlung bereits 14 Jahre vergangen sind. Natürlich stellt sich somit auch die Frage, ob eine Serie dieses Formats heute noch funktioniert, hatte ich ja selbst 2003 meine Teenager-Jahre schon hinter mir gelassen. Die Antwort ist einfach: Ja, auch heute weiß die Serie noch zu unterhalten. Sei es durch den Indie-Soundtrack, der auch meine Zwanziger geprägt hat, die Themen rund um Liebe und jugendlichen Leichtsinn, die nie alt werden, oder die Erzählstränge der Eltern, die uns einen Blick in die Oberschicht Kaliforniens werfen lassen – schon nach wenigen Episoden setzt der Soap-Opera-Effekt gnadenlos ein und man lässt sich von der Welt der Reichen und Schönen wunderbar einlullen.

Wenn man „The O.C.“ mit den Qualitätsserien vergleicht, wie wir sie heute gewohnt sind, dann fällt die Serie ein wenig aus der Zeit. Wenn man sich jedoch darauf einlässt und mit dem Genre generell etwas anfangen kann, dann macht Josh Schwartz‘ (u.a. „Chuck“) Serie auch heute noch unglaublich viel Spaß. Zudem funktioniert sie gerade in stressigeren Zeiten perfekt als eskapistisches Element am Ende eines langen Tages. Glaubt mir, ich habe es selbst ausführlich getestet: 8/10 (8.1) Punkte.

Girls – Season 3

In den letzten paar Wochen hat es „Girls – Season 3“ bei mir auf den Bildschirm geschafft. Von der ersten Staffel war ich damals ziemlich begeistert und auch das zweite Jahr mit den Girls konnte mich überzeugen. Nach der dritten Staffel treten allerdings erste Ermüdungserscheinungen auf, was vielleicht weniger an der Serie als an mir liegt. Lasst es uns in dieser Besprechung doch gemeinsam herausfinden…

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Erneut betreten wir das Leben der vier Freundinnen, die sich inzwischen allesamt ein wenig auseinander gelebt haben: Hannah ist abermals mit Adam (Adam Driver, „Star Wars: Das Erwachen der Macht“) liiert und scheint ihr Leben einigermaßen im Griff zu haben. Jessa befindet sich in einer Entzugsklinik, Marnie leidet irgendwie vor sich hin und Shoshanna – ja, was macht eigentlich Shoshanna? Um all diese Probleme kreist das Leben der Charaktere. All das ist abermals sehr unterhaltsam erzählt, doch kam ich irgendwann an den Punkt, dass ich den Figuren zurufen wollte: „Jetzt reißt euch mal zusammen! Ihr habt keine Probleme. Macht etwas aus eurem Leben!“

Ich schätze Lena Dunham so ein, dass dieser Effekt auch zu einem gewissen Teil beabsichtigt ist und es gibt immer mal wieder Szenen, die hinter die Fassade und die Egozentrik der Figuren schauen. Vielleicht bin ich inzwischen auch schon zu alt und spießig, um dieses Lebensgefühl nachempfinden zu können. Vielleicht aber tritt die Serie inzwischen auch ein wenig auf der Stelle. Davon einmal abgesehen funktioniert „Girls“ für mich weiterhin sehr gut. Ich mochte die einzelnen Episoden und fand so manchen Handlungsstrang wirklich toll, wie z.B. die satirischen Spitzen auf gekauften Journalismus und Hannahs Umgang damit.

Insgesamt ist „Girls“ weiterhin eine famose Serie, doch spätestens jetzt sollte Lena Dunham das Steuer herumreißen und eine echte Weiterentwicklung der Figuren anstreben. Ich glaube, dann könnte die Serie auch weiterhin zu den Highlights zählen, die mehr zu bieten habe als nur sehr gute Unterhaltung: 8/10 (8.2) Punkte.

Ganz weit hinten – OT: The Way, Way Back (2013)

Nach einem hoffnungslos verregneten Samstag, an dem wir nur die angefallene Wäsche der Woche gewaschen und gebügelt sowie im Haus für Ordnung gesorgt haben (ja, unser Leben ist unglaublich aufregend), sollte wenigstens der Film am Abend ein Highlight sein. Die Wahl fiel letztendlich auf „Ganz weit hinten“, der schon viel zu lange ungesehen im Regal stand und tatsächlich ein wenig Sommergefühl in unser Wohnzimmer bringen sollte…

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Ich muss gestehen, dass ich „Little Miss Sunshine“ – damit wird dieser Film immer wieder verglichen – noch nicht gesehen habe. Allerdings strahlt „Ganz weit hinten“ dieses typische Indie-Dramedy-Gefühl aus, das in den letzten Jahren ziemlich populär geworden ist. Das Drehbuch stammt von Nat Faxon und Jim Rash (genau, Dean Craig Pelton aus „Community“), die beide auch die Regie des Films übernommen haben und zwei der Nebenfiguren spielen. Auch darüber hinaus ist „The Way, Way Back“ mit Steve Carell, Toni Collette, Allison Janney, Sam Rockwell, Maya Rudolph und Amanda Peet überaus prominent besetzt – und auch die Jungschauspieler wissen zu überzeugen.

Im Grunde erzählen Jim Rash und Nat Faxon hier eine Coming-of-Age-Geschichte, in deren Zentrum die Freundschaft zwischen einem unglücklichen Teenager und dem Manager eines Wasserparks steht. Durch diese ungewöhnliche Beziehung schöpft der unter der Trennung seiner Eltern leidende Duncan neuen Mut und findet wieder Freude am Leben. Es ist keine komplexe Geschichte, doch wirkt sie echt und nahbar. An das Gefühl nicht dazuzugehören kann sich wohl schließlich jeder erinnern – und in Duncans Situation muss es sich noch viel schlimmer anfühlen. Man leidet mit ihm und ist dankbar für die Möglichkeit aus dem tristen Urlaubsalltag ausbrechen zu können. Dies liegt auch größtenteils an Steve Carell, der hier wirklich ein ziemliches Arschloch spielt. Da lobe ich mir doch Michael Scott.

Letztendlich ist „The Way, Way Back“ ein herzerwärmender und stets unterhaltsamer Coming-of-Age-Film, der uns einen Sommer lang am Leben dieser kaputten und doch irgendwie sympathischen Figuren teilhaben lässt. Kein großer Film, doch ein Film, der mir öfter ein Lächeln auf das Gesicht zauberte und mit einem gut geschriebenen Drehbuch sowie sehr spielfreudigen Schauspielern aufzuwarten weiß: 8/10 Punkte.

It Follows (2014)

Was für eine Woche. Nach einer erneut sehr kurzen Nacht hätte ich schwören können, dass ich keinen Film durchhalte. Doch dann waren die Kinder im Bett und wir haben es tatsächlich um 20 Uhr auf das Sofa geschafft. Ich wollte dennoch auf Nummer sicher gehen und habe mich mit „It Follows“ somit für einen spannungsgeladenen Horrorfilm entschieden. Nach „Predator 2“ mein zweiter spontaner Beitrag zum diesjährigen #Horrorctober – mal sehen, was noch folgen wird…

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Ich habe viele Lobeshymnen über den Film gehört. Ein Genrefilm, der das Horrorkino der 80er Jahre atmet. Ein Score, wie von John Carpenter höchstpersönlich geschrieben. Versatzstücke, die etwas komplett Neues ergeben. Ja, die Erwartungen waren hoch, doch war ich auch vorsichtig, nachdem mit „The Guest“ bereits ein Film mit ähnlichen Attributen bei mir nur bedingt gezündet hat. David Robert Mitchells Film hatte mich jedoch schon nach dem Prolog: Der treibende Elektro-Score, die famose Kameraarbeit, die klischeehaft und doch überraschend inszenierte Scream Queen – „It Follows“ schien wirklich alles zu haben, was ich am Horrorkino der späten 70er und frühen 80er Jahre liebe.

Es ist wirklich erstaunlich: Wenn nicht ab und zu ein Mobiltelefon gezückt worden oder moderne Autos durch das Bild gefahren wären, ich hätte schwören können, dass der Film in den 80er Jahren spielt. Doch gerade die Kombination aus modernem Setting und 80er Jahre Inszenierung (z.B. Zooms statt Kamerafahrten) lassen uns Zuschauer den Film so erleben, wie wir die Klassiker von damals in Erinnerung haben. Ein starker Kniff, der einfach funktioniert. Selbst Schauspieler und Charaktere wirken wie die Filmfiguren, an die wir uns zu erinnern scheinen. Formal ist „It Follows“ wahrlich ganz großes Kino. Wie sieht es jedoch inhaltlich aus?

Auch inhaltlich wirkt David Robert Mitchells Horrorfilm wie ein modernes Kondensat an allem, was uns das Genrekino der 80er Jahre lehrte: Sex wird bestraft, was in „It Follows“ plakativ auf die Spitze getrieben wird. Zugleich wird der Twist etabliert, dass Sex auch Befreiung sein könnte, es aber niemals wirklich ist. Ob man den Film nun als Allegorie auf sexuell übertragbare Krankheiten sieht oder einfach nur als strikte Fortführung der etablierten Genreformel – der daraus resultierende Horror funktioniert erschreckend gut. Die Regeln sind einfach und das Monster alltäglich. Es ist mitten unter uns und fällt uns meist zu spät auf. Auch als Zuschauer ist man am Ende völlig paranoid und sucht jede Einstellung danach ab. Famos. Und ja, ich habe mich gefürchtet und hinter meiner mutigeren Hälfte verkrochen…

Ich kenne nur noch wenige moderne Vertreter des Genres und befürchte, dass die meisten nicht halb so stilsicher inszeniert sind und inhaltlich ebenso beeindrucken können, wie „It Follows“. Mich hat der Film wirklich beeindruckt, auch wenn nicht jede Idee in letzter Konsequenz zündet. So lasse ich mich gerne gruseln: 8/10 Punkte.

Alles steht Kopf – OT: Inside Out (2015)

Aktualisierung: Ich habe „Alles steht Kopf“ am 1. Mai 2023 zusammen mit den Kindern erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nach dem Kurzfilm „Lava“ stand natürlich der Hauptfilm „Alles steht Kopf“ auf dem Programm, auf dessen Sichtung ich mich bereits seit einem Jahr freue. Die Idee klang in meinem Kopf einfach großartig und ich hoffte sehr, dass Pixar damit – nach dem ein wenig schwächeren „Die Monster Uni“ – zu alter Größe zurückkehren würde. Zudem war es mein erster Animationsfilm in diesem Jahr, was die Vorfreude darauf zusätzlich steigerte…

Alles steht Kopf (2015) | © Walt Disney

Alles steht Kopf (2015) | © Walt Disney

Um das Fazit direkt vorwegzunehmen: Ja, „Inside Out“ ist großartig und der beste Pixar-Film seit „Toy Story 3“ und „Die Monster AG“ oder vielleicht sogar gleichauf mit den beiden Klassikern. Es ist unglaublich, was für ein Feuerwerk an Ideen das Animationsstudio hier abfeuert – und das sowohl auf audiovisueller als auch auf inhaltlicher Ebene. Hinzu kommt, dass der Film trotz seines erklärungsbedürftigen Ansatzes immer zugänglich und leicht wirkt. Das Wichtigste ist jedoch: Pixar schafft es erneut Emotionen zu entfachen, die voll und ganz ins Schwarze treffen. Wie bereits bei der „Toy Story“-Serie geht es um den Verlust der Kindheit und den Aufbruch in eine neue Welt. Herzzerreißend ohne kitschig zu sein. Einfach wunderbares Kino.

Um alle Ebenen, die „Alles steht Kopf“ aufmacht, zu begreifen, muss ich den Film wohl noch etliche Male sehen. Die Autoren haben wunderbare Bilder für komplexe neurowissenschaftliche Zusammenhänge gefunden, die nicht nur absolut treffend, sondern dabei auch unglaublich unterhaltsam sind. Das Zusammenspiel zwischen Innenwelt und Außenwelt funktioniert dabei extrem gut, wobei jeder Schauplatz seinen individuellen Stil beibehält – und dennoch wirkt alles wie aus einem Guss.

Fazit

Spätestens wenn die Erinnerungen an die Kindheit verblassen und man sich, und als Elternteil seine Kinder, in der Geschichte um Riley wiedererkennt, gibt es kein Halten mehr. „Inside Out“ wäre wahrlich prädestiniert für einen Platz unter den Filmen, die mir das Herz brechen, gewesen. Was soll ich sagen? Pixar ist nach wie vor das Animationsstudio, das mit wahrlich originellen Geschichten aufzuwarten weiß, auch wenn nicht mehr jeder Film zündet. Wenn wir alle paar Jahre ein Werk in dieser Qualität bekommen, dann bin ich mehr als zufrieden. Absolut großartig: 10/10 Punkte.

Stand by Me: Das Geheimnis eines Sommers (1986) (WS1)

Nach einem langen Samstag, den ich damit verbracht habe unser Carport zu lasieren, hatte ich abends keine Energie mehr für Experimente. Seit Flo Liebs Besprechung zu „Stand by Me: Das Geheimnis eines Sommers“ hatte ich wieder extrem Lust auf Rob Reiners Klassiker und meine letzte Sichtung lag ohnehin schon viel zu lange zurück. Somit habe ich mich mit Gordie, Chris, Teddy und Vern abermals auf dieses letzte große Abenteuer der unbeschwerten Jugend begeben…

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Bei der heutigen Sichtung ist mir zum ersten Mal aufgefallen, wie dominant das Thema Tod bzw. Verlust und Vergänglichkeit in der Geschichte ist. Ein Todesfalls bildet den Aufhänger für die Erinnerung der Hauptfigur, die im Jahr 1959 erst vor Kurzem ihren Bruder verloren hat. Auch die Leiche, die der Kurzgeschichte von Stephen King den Titel verleiht, steht symbolisch für den Verlust, den die Charaktere an diesem Wendepunkt ihrer Jugend in der einen oder anderen Form durchmachen bzw. zu erwarten haben. All dies hätte in einem schweren Drama erzählt werden können, doch Rob Reiner inszeniert das Jugendabenteuer so wunderbar leicht und doch mit der nötigen Tiefe, dass es eine wahre Freude ist.

Durch die fast schon archetypischen Charaktere fühlt man sich als Zuschauer automatisch an seine eigene Jugend erinnert und entdeckt so manche Wahrheit, die der Film enthält. So auch das unausgesprochene Zitat am Ende des Films, über das ich schon oft nachdenken musste:

‚I never had any friends later on like the ones I had when I was twelve. Jesus, does anyone?‘ (The Writer)

Neben der inhaltlich perfekt auf den Punkt erzählten Geschichte (in gerade einmal 87 Minuten, liebes Hollywood von heute!), ist auch die Inszenierung großartig gelungen. Man befindet sich tatsächlich mit den vier Jugendlichen im Wald und auf den Schienen. Die langen Einstellungen geben ein Gefühl des Raumes bzw. der zurückgelegten Wegstrecke und lassen uns somit direkt am Abenteuer teilhaben. Ein sowohl formaler als auch inhaltlicher Kontrast bietet sich mit der älteren Generation von Halbstarken rund um Ace (Kiefer Sutherland), was wie ein Ausblick in die Zukunft unserer Freunde wirkt: Die Zeit der Unschuld ist schon bald vorbei. Und zumindest Chris (River Phoenix) und Gordie (Wil Wheaton) spüren das.

Ich könnte noch viel schreiben, doch es ist schon spät und morgen steht auch für mich und meine Familie eine größere Wanderung durch Wald und Flur auf dem Programm. Außerdem muss ich euch den Film vermutlich auch gar nicht mehr verkaufen, da ihr ihn sowieso schon alle kennt. Wenn nicht, dann schaut ihn euch an und kehrt für wertvolle 87 Minuten in eure Jugend zurück. Genießt es, denn die Zeit ist flüchtig: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Mud: Kein Ausweg (2012)

Die letzte Woche ist unglaublich schnell vergangen. Sie war sehr turbulent und endete heute mit einem der seltenen Tage im Home Office. Morgen steht der letzte Termin meines Blockseminars auf dem Programm und doch möchte ich zu fortgeschrittener Stunde noch meine Gedanken zu „Mud: Kein Ausweg“ festhalten. Der Film stand bereits viel zu lange im Regal und ich hatte die Sichtung, aus welchen Gründen auch immer, stets aufgeschoben. Heute war es endlich soweit und tatsächlich hat sich Jeff Nichols Film als Kleinod unter den Indie-Dramen präsentiert…

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Auf den ersten Blick erzählt „Mud“ ein Jugendabenteuer, wie man es aus Klassikern wie „Stand by Me“ kennt. Sogar einer der beiden Jungschauspieler, Jacob Lofland, erinnert an River Phoenix aus Rob Reiners Stephen-King-Verfilmung. Doch Nichols Werk ist komplexer und besitzt mehr Schichten, die sich dem Zuschauer erst nach und nach offenbaren. Teils hat er mich auch an das düstere Ozark-Drama „Winter’s Bone“ erinnert, was die beinahe schon dokumentarische Schilderung der Lebensumstände der Flussanwohner Arkansas angeht. Dabei bleibt „Mud“ jedoch stets hoffnungsvoll und lässt uns nie in das Herz der Finsternis blicken, auch wenn man es nach der ersten oberflächlichen Betrachtung hinter der nächsten Ecke vermuten könnte.

Nichols erzählt seine Geschichte beinahe vollständig durch die Augen seiner jugendlichen Protagonisten. Nur in wenigen Momenten wird mit dieser Perspektive gebrochen, was tatsächlich auffällt und beinahe schon befremdlich wirkt. Dies sind dann auch die Szenen, in denen „Mud“ in Richtung Kriminalfilm kippt, welche teils wie Fremdkörper in dieser ruhig und fließend erzählten Geschichte wirken. Das ist auch mein einziger Kritikpunkt an diesem großartigen Film. Vielleicht hätte sich Nichols vollständig innerhalb von Ellis‘ Erzählperspektive bewegen sollen, wodurch auch die letzte Szene einen gewissen Interpretationsspielraum bekommen hätte. Vielleicht wäre dies dann auch ein ganz anderer Film geworden. Schon alleine, dass „Mud“ zu solchen Spekulationen einlädt, macht ihn sehenswert.

Neben den beiden großartigen Jungschauspielern, überzeugt vor allem Matthew McConaughey („Interstellar“ oder „True Detective“) als titelgebender Mud. Die Beziehung, die sich zwischen den drei Protagonisten entwickelt, wirkt echt, glaubhaft und ist beinahe schon anrührend. Doch es sind gerade die Lebensumstände von Ellis (Tye Sheridan), die sich in der Beziehung zu Mud und auch zu seiner Freundin Juniper (Reese Witherspoon) spiegeln. Neben all den angerissenen Themen ist „Mud“ im Kern eine Coming-of-Age-Geschichte, in der der gestrandete Mud den beiden Freunden Ellis und Neckbone als symbolhafte Vaterfigur dient – und in der sich alle anderen Beziehung in irgendeiner Form wiederfinden lassen.

Neben den inhaltlichen und schauspielerischen Stärken, überzeugt „Mud“ vor allem auch durch seine formalen Aspekte. Man fühlt sich als Teil der Wildnis Arkansas und ich hätte aufgrund der oft fast schon kitschigen Schönheit so mancher Motive den Film manchmal am liebsten pausiert. Wieder einmal habe ich viel zu lange mit der Sichtung gewartet und hätte „Mud“ schon vorher kennenlernen können. Macht nicht den gleichen Fehler und seht diesen wunderbaren Film – am besten sofort: 9/10 Punkte.

American Pie: Das Klassentreffen – OT: American Reunion (2012)

Dieses Jahr steht mein 15-jähriges Abitreffen an, höchste Zeit also mich auch filmisch darauf vorzubereiten. Dies ist wohl auch die einzige Erklärung, warum es heute ausgerechnet „American Pie: Das Klassentreffen“ in den Player geschafft hat. Nach der Sichtung bin ich nun zwar nicht vorbereitet, was meine eigene Jubiläumsfeier angeht, aber ich hatte zumindest eine unerwartet gute Zeit mit Jim, Stifler und Co.

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Wenn ich an „American Pie“ denke, dann ist diese Erinnerung zweifellos mit meiner eigenen Schulzeit verknüpft. Der Film kam in meinem Abschlussjahr ins Kino und es entwickelte sich tatsächlich ein kleiner Hype um ihn. Auch wenn er weit von der selbst erlebten Party- und Schulrealität entfernt war, so bot dieser offen hormongetriebene Eskapismus doch einen gewissen Reiz. Zudem besaß der Soundtrack mit Bands wie Blink 182 und Co. ein paar veritable Hits, durch die man sich im House- und Techno-verseuchten Freundeskreis endlich bestätigt sehen konnte. Letztendlich war ich zwar ein wenig enttäuscht, da ich den Film nicht halb so lustig fand, wie ich erwartet hatte, doch würde ich durchaus sagen, dass er für die damalige Jugend irgendwie wichtig war.

„American Pie 2“ hatte ich etliche Jahre später im TV gesehen und fand ihn doof. Der dritte Teil lief dann irgendwann an einem DVD-Abend bei Freunden. Ich kann mich kaum noch daran erinnern. Als eine Neuauflage angekündigt wurde, hielt sich mein Interesse in Grenzen – und doch hat ihn ein günstiger Preis irgendwann in meine Sammlung gespült. Nach der Sichtung muss ich nun zugeben, dass ich besser unterhalten wurde, als ich dies für möglich gehalten hätte. Sicher drückt der Film ganz bewusst alle Knöpfe, auf denen auch nur im Entferntesten Nostalgie geschrieben steht, doch das macht er erstaunlich gut. Man erinnert sich an den ersten „American Pie“ – und damit auch unzweifelhaft an die eigene Jugend und reflektiert automatisch eigene Lebenssituation, auch wenn sich diese (wie bereits damals) stark von den gezeigten Lebensmodellen unterscheidet.

Neben der Nostalgie bietet „American Reunion“ teils spaßige, größtenteils ziemlich flache Unterhaltung, die – wie nicht anders zu erwarten – stets die Gürtellinie umkreist. Ich hatte meinen Spaß damit und fand es durchaus nett, die altbekannten Schauspieler einmal wieder zu sehen, von denen es neben Alyson Hannigan (Lily aus „How I Met Your Mother“) kaum jemand wirklich weit gebracht hat. Wenn man eine Schwäche für Nostalgie hat, und ab und zu auch flacheren Komödien nicht abgeneigt ist, dann kann man durchaus Spaß mit diesem Klassentreffen haben: 7/10 Punkte.

Die Bestimmung: Divergent – OT: Divergent (2014)

Nachdem die letzte Filmsichtung schon wieder über zwei Wochen zurückliegt, habe ich der Müdigkeit nach einer anstrengenden Woche nicht nachgegeben und „Die Bestimmung: Divergent“ in den Player geschoben. Die Wahl traf dieses Mal meine bessere Hälfte, da sie die Vorlage gelesen hatte, davon jedoch nicht sonderlich begeistert war. Umso gespannter war ich also, ob sie der Verfilmung mehr abgewinnen kann – und ob mich die Geschichte genug reizt, um auch einmal einen Blick in die Roman-Trilogie zu werfen…

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Der Vergleich zu „Die Tribute von Panem: The Hunger Games“ drängt sich natürlich auf: Eine dystopische Zukunft, Teenager die sich einer Wahl stellen müssen, eine starke weibliche Heldin, intensive Trainingssequenzen und eine Verschwörung. Ja, sonderlich originell wirkt „Divergent“ ein paar Jahre nach dem stilprägenden Jugendabenteuer nicht. Leider sind Geschichte, Charaktere und Inszenierung auch in jeder Instanz unterlegen. War mein Interesse für die Vorlage nach der ersten Sichtung von „The Hunger Games“ sofort geweckt, so blieb mir „Divergent“ seltsam fremd. Die Grundidee der verschiedenen Fraktionen ist eigentlich ganz nett, doch wirkt die präsentierte Welt in letzter Konsequenz einfach nicht glaubwürdig und schlüssig.

Bietet – und ja, wieder der Vergleich – Suzanne Collins‘ Geschichte eine teils beängstigend wirkende Dystopie, in die die starke Präsenz der jugendlichen Protagonisten ähnlich glaubhaft verankert ist, wie zum Beispiel in die „The Maze Runner“, so wirken die wild herum hopsenden Teenager hier einfach nur albern. Da werden die düster dreinblickenden Beschützer der Stadt als knallhart eingeführt und doch düdelt bei jedem größeren Auftritt ein radiokompatibler Popsong im Hintergrund. Die Welt wirkt einfach nicht stimmig, auch wenn die Dynamik der Figuren untereinander sowie die diversen Trainingseinheiten durchaus nett in Szene gesetzt sind. Während „The Hunger Games: Catching Fire“ selbst im zweiten Teil die für das Genre obligatorische Liebesgeschichte stets spannend und relevant für Charaktere und Geschichte erzählt, kommt es hier schon nach ein paar Minuten zum unmotivierten und plumpen Kuss.

Wie man es auch dreht und wendet: „Divergent“ ist ein zumindest nett anzusehendes Sci-Fi-Abenteuer mit guten (und leider auch verschenkten) Schauspielern, der es nie schafft das Prädikat Teenie-Film abzustreifen. Speziell im Vergleich zum mehr als offensichtlichen Vorbild fällt Neil Burgers uninspirierte Jugend-Sci-Fi doch erheblich ab. Nicht wirklich schlecht, aber auch nicht gut. Gerade noch mittelmäßig, was mein Interesse an der Vorlage so ziemlich beerdigt: 5/10 Punkte.

Veronica Mars (2014)

Nachdem ich heute nach der Arbeit noch spontan meine zwei Wasserratten ins Freibad entführt hatte, war ich danach eigentlich reif für einen ausgiebigen Sofaschlaf. Doch es kam ein neues Päckchen mit zwei Filmen an – und „Veronica Mars“ war einer davon. Eigentlich sollte man meinen, dass ich nach acht Jahren des Wartens (dem Ende meiner Sichtung der dritten Staffel) noch einen Abend länger hätte warten können, doch dem war nicht so. Und somit ging es zurück nach Neptune, Kalifornien…

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Als ich damals von der Kickstarter-Kampagne hörte, war ich sehr erfreut, aber auch nicht übermäßig gehypt, da meine Sichtung der Serie doch schon wieder sehr lange zurücklag. Dennoch verfolgte ich die Neuigkeiten um die Entstehung des Films mit großem Interesse und markierte mir den Kinostart im Kalender. Ins Kino geschafft habe ich es aufgrund der verschwindend geringen Anzahl an O-Ton-Kopien natürlich nicht – und wie man am Datum der Sichtung merkt, hat die Blu-ray auch nicht sofort ihren Weg in mein Filmregal gefunden. Vorfreude war zwar noch vorhanden, doch die Erwartungen eher gemäßigt. Vielleicht einer der Gründe, warum mich der Film deshalb umso mehr überzeugte. Hach, toll!

Schon nach ein paar Minuten sahen meine Frau und ich uns an und sprachen zeitgleich aus, wie sich der Film anfühlt: Es ist als würde man nach Hause zurück kommen. So, damit habe ich es gesagt. Spätestens jetzt sollte allen Lesern klar sein, dass ich trotz meiner gedämpften Erwartungen im Vorfeld ein komplett rosarotes Fanboy-Erlebnis hatte. Well, you know what they say: Veronica Mars, she’s a marshmallow. Auch heute noch. Auch nach acht Jahren ist die Magie wieder da gewesen, die Dialoge waren schmissiger denn je und alle wichtigen Charaktere haben Neptune einen Besuch abgestattet. Es gab Fanservice an allen Ecken, jedoch nie aufdringlich und plump, sondern immer sympathisch und authentisch.

Wie zu erwarten fühlt sich die Geschichte an, wie eine große Episode der TV-Serie. Dies mag für Zuschauer, welche die Serie nicht kennen, seltsam erscheinen, doch Fans werden sich sofort zu Hause fühlen. Auch wenn eine Produktion wie „Veronica Mars“ natürlich auf finanziellen Erfolg aus ist, so wirkt die Fan-Komponente hier echt und sympathisch genug, dass ich dem gesamten Erlebnis unglaublich wohlwollend gegenüberstand – ganz ähnlich wie „Hit & Run“, dem Film von Kristen Bells Ehemann Dax Shepard, der auch im Film seiner Frau einen urkomischen Cameo-Auftritt absolvieren durfte.

Was soll ich sagen? Ich bin begeistert und fast ein wenig traurig, dass es nur ein Film war und kein Pilot einer neuen Serienstaffel. Zu gerne würde ich noch weitere Fälle mit Veronica Mars lösen und Neptune auf den rechten Pfad bringen. Aber man muss ja dankbar sein für das, was man bekommt – und nach „Firefly“ und „Serenity“ hat es nun also auch mit „Veronica Mars“ geklappt. Dass beide Filme kein großer finanzieller Erfolg waren, unterstreicht den Fan-Gedanken und macht sie deshalb wohl umso exotischer und besonders für die Serien- bzw. Filmgeschichte. Schon lange hat kein Film mehr so konsequent über seine gesamte Laufzeit ein Lächeln auf meine Lippen gezaubert – deshalb lautet die Fanboy-Wertung: 9/10 Punkte.