Mad Max 2: Der Vollstrecker – OT: The Road Warrior (1981)

Zum Abschluss des gestrigen Tages habe ich mir mit „Mad Max 2: Der Vollstrecker“ erneut einen Klassiker meiner Jugend gegönnt. Wohl zum ersten Mal in der ungeschnittenen Fassung (R-Rated) und im Originalton. Ein herrlich nostalgischer Trip zurück in das wilde Kino der frühen 80er Jahre.

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Wenn man von Mad Max redet, dann denkt man meist an „The Road Warrior“. Das Sequel ist der Inbegriff aller Endzeitfilme. Laut, bunt, dreckig und mit einem rotzigen Helden. Man hat die erfolgreichsten Elemente des wunderbaren ersten Teils destilliert und eine relativ klassische Westerngeschichte darum gebaut. Nicht sonderlich innovativ, aber in der Ausführung brilliant. Auch die Rahmenhandlung um die letzten Ölreserven ist aus heutiger Sicht natürlich famos gewählt und gibt dem Film eine verstörende Relevanz.

„The Road Warrior“ lebt in erster Linie natürlich von seinen herausragend inszenierten Actionszenen. George Miller hat den Straßenkampf hier wahrlich perfektioniert. Visuell einfach nur eine Wucht. Daneben stechen besonders einzelne Charaktere mit trockenen Onelinern heraus. Hier merkt man auch deutlich, wie kalkuliert das Sequel – trotz des scheinbaren Chaos – doch im Vergleich zum Vorgänger ist. Mit dem Gyro Captain – herrlich gespielt von Bruce Spence (Zeddicus Zu’l Zorander, „Legend of the Seeker“) – als Comic Relief, dem Jungen als emotionalen Anker, der Stilisierung von Max als Helden usw. fehlt etwas die raue Ungeschliffenheit des Vorgängers.

Für mich ist „The Road Warrior“ einer der stilprägenden Filme der 80er Jahre. Großes Kino, keine Frage. Insgesamt kann ich ihm – besonders im Vergleich zum Vorgänger – jedoch nicht mehr so viel abgewinnen, wie in meiner Jugend. Vielleicht sollte ich ihn mir auch einfach öfter wieder ansehen. Es ist schließlich einer der Filme, die mit jeder Sichtung wachsen. Pflichtprogramm für Genrefreunde: 8/10 Punkte.

The Cave (2005) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „The Cave“ am 25. August 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nachdem ich mit dem Roman „Ritual“ kürzlich erst wieder in unheimliche Höhlenwelten abgetaucht bin, hatte ich Lust auf Bruce Hunts „The Cave“ bekommen. Ein Film, der mir bei der ersten Sichtung wider Erwarten enorm viel Freude bereitet hat. Der perfekte Snack für einen verregneten Nachmittag.

The Cave (2005) | © Constantin Film (Universal Pictures)

The Cave (2005) | © Constantin Film (Universal Pictures)

Auch heute hat mich der Film wieder bestens unterhalten. Für mich sind mit Monstern, viel Wasser und einer ungewöhnlichen Location alle Voraussetzungen für einen Genrehit vorhanden. Herz, was willst du mehr? Der Film ist zudem extrem schön gefilmt, was ein sehr atmosphärisches Abbild der unterirdischen Welt zeichnet. Ich kann wirklich nicht verstehen, warum der Film bei der Kritik und den meisten Genrefans so durchgefallen ist. Vermutlich war „The Descent“ im Kinojahr 2005 einfach zu übermächtig.

Natürlich ist „The Cave“ in erster Linie ein klischeebeladener Genrefilm und keine große Filmkunst. Dennoch – oder gerade deshalb – sollte man ihn auch als solchen genießen und nicht zu sehr hinterfragen. Er fällt somit in direkte Linie mit Filmen wie „Das Relikt“ oder „Pitch Black“, welche ich mir auch immer wieder gerne ansehe. Dieses Mal ist mir zudem – die mir bei der Erstsichtung noch unbekannte – Lena Headey (Sarah Connor, „Terminator: The Sarah Connor Chronicles“) positiv aufgefallen.

Fazit

Ich kann „The Cave“ allen Freunden von guten Monster- und/oder Unterwasserfilmen nur ans Herz legen. Sieht man einmal von ein paar ziemlich plumpen und ausgelutschten Wendungen in der Geschichte ab, bleibt ein schön gefilmter Monsterfilm mit einer tollen Location übrig. Macht wirklich enorm viel Spaß: 7/10 Punkte.

Monsters vs. Aliens 3D

Gestern war ich seit langer Zeit einmal wieder in einem Kinofilm, der mich nicht wirklich interessiert hat. DreamWorks Animations „Monsters vs. Aliens 3D“ sah zwar in den Trailern recht unterhaltsam aus, doch weit davon entfernt einen der seltenen Kinobesuche zu rechtfertigen. Doch der Film läuft schließlich in 3D und da ich bisher jeden der neueren 3D-Filme (z.B. „Die Legende von Beowulf“) verpasst  hatte, gab ich schließlich den Monstern eine Chance.

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Nach dem Kinobesuch kann ich sagen: Ja, netter Film. So ziemlich wie erwartet. Ein paar nette 50er Jahre Sci-Fi-Reminiszenzen (z.B. „Die Fliege“ und „Der Blob“) und viel Action. Leider jedoch hat man die recht erwachsenen Anspielungen (Musik aus „Unheimliche Begegnungen der dritten Art“) den meist zu kindgerechten Gags untergeordnet. Wäre ansich nicht so schlimm, denn schließlich darf man die Zielgruppe nicht vergessen. Wirklich schade fand ich dagegen die recht lineare und vorhersehbare Geschichte und die einfach gezeichneten Charaktere. Eben nicht Pixar. Für Animationsfreunde dennoch durchaus sehenswert.

Nun noch ein paar Worte zur 3D-Technik: Man merkt hier tatsächlich eine gewisse Verfeinerung in der Wirkung, wenn man den Film mit älteren 3D-Filmen vergleicht. Zwar immer noch anstrengend für die Augen, doch man gewöhnt sich schneller daran. Die Tiefenwirkung erschien mir besser und das Erlebnis ist in vielen Einstellungen gigantisch. Jedoch denke ich, dass man 3D – sollte man hier von der nächsten großen technischen Innovation im Kino ausgehen – auch mehr in den bildgestalterischen Prozess einbeziehen sollte, sprich Aufnahmen dediziert für 3D komponieren. Damit meine ich nicht die recht billig wirkenden Popup-Effekte, sondern den Bildern Tiefe geben. Auf zu schnelle Schnitte verzichten. Eben angemessene Bildkompositionen. Schließlich werden Bilder für das Normalformat (1,37:1) und Cinemascope (2,35:1) auch anders gestaltet. Ich hoffe hier sehr auf die Verantwortung der führenden Filmemacher, die diese Technik einsetzen (u.a. James Cameron). Bei manchen Einstellungen bzw. Kamerafahrten fand ich den 3D-Effekt eher störend und die eigentliche Geschichte verdrängend, bei anderen (z.B. Pärchen im Auto) grandios. Da gibt es noch einiges zu tun.

Als Resümee kann ich sagen, dass „Monsters vs. Aliens 3D“ besonders für Genrefreunde durchaus sehenswert ist. Lacher sind garantiert! Man sollte nur nicht zu viel erwarten. Zudem bietet der Film eine gute Gelegenheit sich das Phänomen des neuen 3D-Films einmal anzusehen. Man darf gespannt sein, ob und wie sich das Kino dadurch verändern wird. Als reine Filmwertung vergebe ich 6/10 Punkte. Mag sich in der Originalversion (u.a. Seth Rogen, Hugh Laurie, Kiefer Sutherland, Rainn Wilson, Stephen Colbert und Paul Rudd) noch steigern.

TRON (1982)

Aktualisierung: Ich habe „TRON“ am 28. Juni 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Was war gestern Abend wohl der Auslöser dafür, dass ich plötzlich enorme Lust auf Steven Lisbergers „TRON“ hatte? Vielleicht das Poster in Chuck Bartwoskis Zimmer, vielleicht die immerwährende Faszination der Thematik ‚Mensch gegen Maschine‘ oder vielleicht auch einfach nur die Lust auf einen der wohl einflussreichsten Filme der letzten 30 Jahre.

TRON (1982) | © Walt Disney

TRON (1982) | © Walt Disney

Wenn man sich heute „TRON“ ansieht, muss man sich vor Augen führen, dass der Film bereits vor 27 Jahren gedreht wurde und was das für die Weiterentwicklung von CGI bedeutet. In den 60er/70er Jahren war das Science-Fiction Genre von Dystopien beherrscht. Ob nun „Planet der Affen“, „THX 1138“, „Soylent Green“ oder „Logan’s Run“ – all diese Filme zeigten eine düstere Welt, in der die Menschheit im großen Stil scheiterte. Erst 1977 nahm das Genre mit George Lucas‘ „Star Wars“ eine Wende hin zum reinen Unterhaltungsfilm, dessen herausragende Effekte einen Großteil seiner Faszination ausmachten. Steven Lisbergers Meilenstein steht ganz in dieser Tradition, wenngleich er auch nie den popkulturellen Stellenwert zugesprochen bekam, wie Lucas‘ Weltraummärchen.

Wenn sich die Jugend von heute „TRON“ ansieht, wird sie vermutlich über die absurden Kostüme und antiquierten CGI-Sequenzen lachen. Auch die Geschichte verlangt dem Zuschauer ein großes Vorstellungsvermögen ab. Computerprogramme dargestellt von Personen. Wie albern! Man muss den Film allerdings in seinem kontemporären Kontext sehen. Damals war das Internet noch eine Zukunftsvision. Große Zentralrechner beherrschten die Computerwelt und PC-Lösungen, wie wir sie heute kennen, konnten sich gerade einmal IT-Theoretiker vorstellen. Insofern darf man die Geschichte beinahe schon als prophetisch ansehen, ging die Entwicklung doch tatsächlich hin zu einer dezentralisierten Rechnerstrukur.

So absurd die neonfarbene Rechnerwelt heute auch wirken mag, sie ist doch eine Meisterleistung des Designs. Man hat hier einen perfekten Kompromiss aus möglicher Darstellungsqualität und gezielter Vereinfachung gefunden. Nicht umsonst stammen die Visualisierungskonzepte von zwei der genialsten Science-Fiction-Designer aller Zeiten: Jean ‚Moebius‘ Giraud (u.a. „Das fünfte Element“) und Syd Mead (u.a. „Blade Runner“). Die von ihnen aufgebaute Welt wirkt absolut stimmig und die Verbindung von CGI- und Realbildern weiß auch heute noch zu beeindrucken. Man hat hier aus der Not wahrlich eine Tugend gemacht. Für alle Technikfreunde da draußen gibt es wohl kaum einen faszinierenderen Film, als „TRON“.

Die einzigen Kritikpunkte, die ich finden kann liegen in der teils etwas sprunghaften Geschichte. Doch man sollte nicht vergessen, dass der Geist von „Star Wars“ zu diesem Zeitpunkt der Filmgeschichte allgegenwärtig war und die Studios demnach auf einen ähnlichen Effekt geschielt haben. Ich für meinen Teil kann darüber jedoch hinwegsehen und werde somit jedes Mal aufs Neue famos unterhalten. Wo bleibt eigentlich „TRON 2.0“?

Fazit

„TRON“ ist einer dieser Filme, die sich über die Zeit in mein Herz gespielt haben. Seit meiner intensiveren Beschäftigung mit CGI weiß ich heute zudem die unglaubliche Leistung zu schätzen, die alle an dem Film beteiligten gestemmt haben. Lisbergers Film mag nicht perfekt sein, doch er war damals einfach nur mutig. Mutig und seiner Zeit weit voraus. Ein Pflichtfilm für alle Nerds, Geeks und solche die es werden wollen: 10/10 Punkte.

Cypher

Gestern Abend habe ich nach langem Überlegen einmal wieder einen Film aus der Anfangszeit meiner DVD-Sammlung angesehen. Vincenzo Natalis „Cypher“ ist ein eher unbekannter Sci-Fi-Thriller, der Vergleiche zu Genrehits wie „Equilibrium“ jedoch nicht zu scheuen braucht.

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Beeindruckend ist vor allem die erste Stunde des Films. Eine sehr ruhige, ausdrucksstarke Inszenierung wird mit einer Handlung gepaart, die Philip K. Dicks Kurzgeschichten entsprungen scheint. Düster und faszinierend. Die dabei vorherrschende Kälte und Distanz findet ihren Ausdruck in faszinierenden Bildern. Bis hier wirklich großes Kino.

In der letzten halben Stunde kippt der Film leider etwas und Actionsequenzen halten Einzug in die zuvor so faszinierende Zukunftswelt. Plötzlich verliert die Inszenierung an Ausdruckskraft und obwohl die finale Wendung wirklich zu überraschen vermag – selbst bei der zweiten Sichtung – kann sie emotional nicht überzeugen. Die letzten Minuten wirken dann nur noch aufgesetzt und beinahe schon lächerlich. Schade.

Über weite Strecken ist „Cypher“ ein wahres Genrejuwel, welches ein größeres Publikum verdient gehabt hätte. Die gegen Ende zu konstruiert wirkende Geschichte und mangelndes Feingefühl bei der Inszenierung hinterlassen beim Film des „Cube“-Regisseurs leider einen schalen Beigeschmack. Dennoch wirklich sehenswert: 7/10 Punkte. Kennt jemand eigentlich Natalis „Nothing“ und kann eine kurze Einschätzung abgeben?

Burn After Reading (2008)

Eine aktualisierte Besprechung des Films habe ich am 29. Dezember 2009 veröffentlicht.

Gestern relativ spontan im Fremdsprachenkino gewesen und „Burn After Reading“ gesehen. Schlappgelacht. Zuvor wusste ich von dem Film nur, dass es das jüngste Werk der Coens ist und dass es sich wohl um eine schwarze Komödie handelt. Man muss eben doch nicht immer perfekt informiert sein, um großartig unterhalten zu werden.

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Die Geschichte um einen gefeuerten CIA-Agenten (John Malkovich), dessen Memoiren Washington, D.C. auf den Kopf stellen, ist zu komplex, um sie hier auch nur annähernd wiederzugeben. Möchte ich auch gar nicht, denn wie hier unterschiedliche Handlungsfäden zusammenlaufen und wie sich die Geschichte entwickelt macht einen großen Teil des Unterhaltsungswertes des Films aus. Vom Aufbau her erinnert die Geschichte etwas an die früheren Coen-Werke, wie „Fargo“ oder „The Big Lebowsky“ – was als absolutes Kompliment zu verstehen ist.

Besonders großartig ist die Besetzung gelungen. Ob Brad Pitt als Fitnessjunkie, ein sexsüchtiger George Clooney, ein manischer John Malkovich oder Francis McDormand, die sich nach der großen Liebe (und unzähligen Schönheitsoperationen) sehnt – das zündet! Da sitzt jede Dialogzeile, das Timing ist perfekt und die 90 Minuten vergehen wahrlich wie im Flug. Der Humor ist dabei oft wirklich tiefschwarz, aber nur selten subtil – und spätestens wenn George Clooneys Charakter sein Heimwerkerprojekt enthüllt, bleibt wirklich kein Auge trocken.

Mit „Burn After Reading“ ist den Coens eine fabelhafte Komödie gelungen, die mich wohl öfter laut lachen ließ, als die letzten alle anderen Komödien des letzten Jahres zusammen. Ein kleiner, feiner Film. Absolut stimmig und mit prefektem comic timing inszeniert: 9/10 Punkte. In diesem Sinne: What a clusterfuck!

Texas Chainsaw Massacre (2003)

Da die DVD nun schon seit Jahren auf ihren großen Auftritt wartet, habe ich mir heute endlich einmal Michael Bays Remake von Tobe Hoopers „Texas Chainsaw Massacre“ angesehen. Eine durchaus interessante Erfahrung, besonders wenn ich die Wirkung des Films mit der des Originals vergleiche.

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Ich kann nicht sagen, dass Tobe Hoopers Horrorklassiker zu meinen Genrefavoriten zählt – dafür kenne ich ihn zu wenig. Ich sah den Film damals auf einem Videoabend. Ein verrauschtes VHS-Band zeigte uns die verstörenden Bilder eines Films mit dem wunderbaren deutschen Titel „Blutgericht in Texas“ – ein Titel, der entsprechende Erwartungen schürte. Letztendlich wurde der Film sehr gemischt aufgenommen. Die meisten fanden ihn zu langweilig und überhaupt zu altmodisch. Ich jedoch war überrascht, wie stark mich der psychologische Horror dieses kleinen Filmchens mitgenommen hatte.

Etliche Jahre und unzählige Horrorfilme später kann ich mich immer noch gut an bestimmte Szenen erinnern. Szenen, die ich mit größter Spannung auch im Remake erwartet hatte – sie kamen jedoch nicht. Alles was den Film inhaltlich so beängstigend machte (u.a. die verstörte Famile, das Ritual am Essenstisch) wurde nicht mit in die 2003er Version hinüber gerettet. Was also bleibt? Ein 08/15-Slasher. Nur eben mit Kettensäge.

War Tobe Hoopers 1974er Film wie eine Dokumentation aufgezogen und hat in verwackelten Handkamerabildern das Grauen unmittelbar eingefangen, so ist Marcus Nispels Adaption der Geschichte typisch Hollywood. Man muss sich nur einmal das Bild der Hauptfiguren (siehe oben) ansehen und schon bekommt man einen guten Eindruck von der Optik des Films: Durchtrainierte, schwitzende Körper in Jeanswerbung-Ästhetik. Ebenso werden die Schauplätze dargestellt. Alles ist dreckig und ekelhaft, aber eben überstilisiert. Vom Licht, über die Kamera bis hin zum Setdesign. Da ist nichts dem Zufall überlassen. Perfektes gestyltes Grauen.

Ich kann nicht behaupten, dass diese durchkomponierten Bilder keinen Eindruck auf mich gemacht haben. Wie Jessica Biel in atmosphärischem Licht durch den Wald rennt hat durchaus Schauwerte. Selbst die abstoßenden Bilder haben eine gewisse Ästhetik, der man durchaus gerne zusieht – und genau das ist das Problem: Bei Tobe Hoopers Original wollte man wegsehen, weil man den Terror kaum noch ertragen konnte. Hier? Sicher! Zeigt mir ruhig mehr davon! Nur leider bleibt gerade aufgrund der ansprechenden Bilder der Horror völlig auf der Strecke.

Letztendlich hat Marcus Nispel mit seiner Interpretation von „Texas Chainsaw Massacre“ einen durchaus brauchbaren Film geschaffen. Man sollte nur in keinster Weise einen Vergleich zum Original ziehen – weder inhaltlich noch ästhetisch. Einzig die perfekte Besetzung von R. Lee Ermey als sadistischer Sheriff weiß so etwas wie Unbehagen zu erzeugen. Horrorfans, Freunde von schönen Bildern sowie Jungs die nicht genug von Jessica Biel in nassen T-Shirts bekommen können dürfen ruhig einmal einen Blick riskieren: 5/10 Punkte.

Session 9

Nach dem gestrigen Halloween-Raclett, gab es anschließend natürlich den obligatorischen Gruselfilm. Dieses Jahr ist die Wahl auf den mir noch unbekannten „Session 9“ von Brad Anderson gefallen. Bis auf den Schauplatz der verlassenen Nervenheilanstalt und das Mitwirken von David Caruso hatte ich auch noch kein Vorwissen in Bezug auf die Handlung – eigentlich die besten Voraussetzungen für einen gruseligen Filmabend. Spoiler sind zu erwarten.

Gleich zu Beginn ist mir der Look des Films aufgefallen – leider nicht besonders positiv. Ich hatte schon den Verdacht, dass unsägliche Bildverschlimmbesserer à la 100 Hz am Werk sind, doch dem war nicht so. „Session 9“ wurde mit der damals jungen 24P HD Technik von Sony gefilmt, was man dem Film leider in jeder Einstellung ansieht. Dadurch konnte zwar eine große Tiefenschärfe sowie eine natürliche Beleuchtung erreicht werden – doch sieht das Ergebnis eben nicht aus wie Film. Besonders für dieses Genre der Atmosphäre nicht wirklich zutragend.

In Bezug auf die Handlung hat der Film schnell eine ganz eigene Atmosphäre aufgebaut, was vor allem der grandiosen Location zu verdanken ist. Das verlassene Sanatorium wirkt wie gemacht für Horrorfilme. Besonders wenn man einen ebensolchen erwartet. „Session 9“ ist jedoch kein Horrorfilm. Nicht einmal ein Gruselfilm. Er lässt sich wohl am ehesten mit Andersons wunderbarem Nachfolgewerk „The Machinist“ vergleichen, ohne ihm jedoch auch nur annähernd das Wasser reichen zu können.

Ob ich die Handlung nun komplett richtig interpretiert habe, oder nicht – was bleibt ist eine 08/15-Auflösung, die ich bereits vermutet hatte als das erste Mal von Schizophrenie die Rede war. Die berühmte Endmontage, in der es den Zuschauern wie Schuppen von den Augen fallen soll ist dann bei mir auch etwas wirkungslos verpufft. Eigentlich schade, hat der Film bis dahin doch – zumindest in einigen Szenen – eine wunderbar schaurige Atmosphäre aufgebaut.

„Session 9“ ist ein netter Mysterythriller mit gewöhnungsbedürftiger Optik und relativ schwacher Auflösung. Freunde des Genres dürfen jedoch gerne einmal einen Blick riskieren. Unterhaltsam, für Halloween aber letztendlich zu wenig echter Grusel: 6/10 Punkte.

WALL·E (WALL-E) (2008)

Aktualisierung: Ich habe „WALL·E“ am 1. April 2022 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nach dem grandiosen Vorfilm „Presto“, ging es mit großen Schritten weiter in die Superlative der Animationswelt. Wie eigentlich jeder Pixarfilm setzt auch „WALL·E“ neue Standards – sowohl von technischer, als auch von inhaltlicher Seite. Es war einmal wieder eine Freude dem kreativen Genie der Animationsschmiede beiwohnen zu dürfen.

WALL·E (2008) | © Walt Disney

WALL·E (2008) | © Walt Disney

Nach der ersten Hälfte des Films war ich mir sicher einen neuen Genrefavoriten zu sehen. Ohne Dialog mit nie gesehenen Bildern wird hier ein wahres Animationsfest gefeiert. Da stimmt jede kleine Geste. Zwei so unterschiedliche Figuren wie WALL·E und EVE harmonieren perfekt miteinander. Man sieht echte Charaktere – und das obwohl die Figuren aufgrund ihres technischen Ursprungs zunächst recht eingeschränkt scheinen. Was Pixar mit „Cars“ begonnen hat, wurde in „WALL·E“ perfektioniert. Wunderschön und – was das Rendering angeht – mit einem nie gesehenen Realismus.

Dann beginnt die zweite Hälfte des Films und man befindet sich auf einem Raumschiff, das von Menschen bevölkert ist. Plötzlich hält die Sprache Einzug in den Film und die beiden Roboter schwinden etwas aus dem Fokus. Zwar ist das alles ganz nett anzusehen, doch wirkt die Geschichte für mich ab hier etwas forciert. Die Leichtigkeit der vorangehenden Szenen fehlt. Alles hat nun ein Ziel. Trotz diverser Schwächen gibt es aber auch in der zweiten Filmhälfte noch genügend wunderschöne Szenen mit WALL·E und EVE zu sehen, die einfach nur Spaß machen.

Wunderbar fand ich neben dem überwältigen visuellen Eindruck vor allem das Sounddesign des Films, das die Welt wirklich zum Leben erweckt. Überhaupt ist der Film wieder einmal ein Beispiel an technischer Perfektion. Leider jedoch habe ich dieses Mal eine kreative Entscheidung des Pixarteams zu bemängeln: Wer ist bitte auf die Idee gekommen zwei unterschiedliche Darstellungsweisen für die Menschen zu wählen? Mich hat der gefilmte Aspekt nicht gestört, doch als dann klar wurde, dass später animierte Menschen eine Rolle spielen sollten, hat das für mich überhaupt keinen Sinn mehr ergeben. Schade!

Mit „WALL·E“ haben Pixar sich teils wieder selbst übertroffen, teils sind sie aber leider in zu ausgetretenen Pfaden gewandelt. Trotz kleinerer Schwächen bleibt dennoch ein wunderbares Kinoerlebnis, welches aber nicht ganz an den letztjährigen „Ratatouille“ heran reicht: 9/10 Punkte.

Beste Gegend (2008)

Gestern Abend haben wir uns „Beste Gegend“ – den zweiten Teil von Marcus H. Rosenmüllers Coming-of-Age-Trilogie – angesehen. Eigentlich hätte ich jedoch lieber einen Thriller oder anderweitiges Spannungskino gesehen – und vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum mich die Fortführung der sympathischen Geschichte aus dem tiefsten Bayern nicht mehr so restlos überzeugen konnte.

Als Zuschauer bekommen wir so ziemlich genau das, was wir nach „Beste Zeit“ wohl erwartet hatten: Die Figuren haben sich etwas weiterentwickelt, ihre Konstellation hat sich etwas verschoben, aber im Grunde ist alles beim Alten. Es gibt neue Zukunftsängste, große Pläne und natürlich die Liebe. Angereichert mit etwas Drama und Humor – und fertig ist die Fortsetzung. Habe ich nicht das gleiche – nur um einiges positiver formuliert – über den ersten Teil gesagt? Warum erscheinen mir dessen Stärken nun wie Schwächen?

Zum Einen mag es wirklich daran liegen, dass ich gestern nicht in der richtigen Stimmung war – und es ist ja auch überhaupt nicht so, als hätte ich keinen Spaß mit dem Film gehabt oder als hätte mich die Geschichte nicht berührt. Nein. Ganz und gar nicht. Als Katis Opa in einer wunderschönen Szene von ihr gegangen ist, musste ich sogar ein paar Tränen verdrücken. Gelacht habe ich auch mehr als einmal. Wo liegt also das Problem?

Es gibt zu wenige Veränderungen zum ersten Teil. Wieder will Kati in die große Welt aufbrechen und wieder bleibt sie in letzter Sekunde zu Hause. Letztendlich ist wirklich alles beim Alten – und auch wenn der Film Veränderung und Weiterentwicklung propagiert, so erlebe ich als Zuschauer doch nur Stillstand. Das ganze macht den Film nicht schlecht, doch er wirkt dadurch in seinen Aussagen (Freiheit, Veränderung etc.) eher forciert und es fehlt etwas die sympathische Leichtigkeit, die den Vorgänger so stark machte.

Meine Einschätzung mag sich nun weit negativer lesen, als ich den Film letztendlich wahrgenommen habe. Doch seine positiven Eigenschaften hatte ich ja bereits in der Besprechung zu „Beste Zeit“ aufgezählt. Insgesamt ein Rückschritt, der die Vorfreude auf „Beste Chance“ leider etwas dämpft: 7/10 Punkte.