Zurück in die Zukunft III – OT: Back to the Future Part III (1990)

Aktualisierung: Ich habe „Zurück in die Zukunft III“ am 24. Januar 2023 zum zweiten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Gestern Abend habe ich wieder einmal Abschied von Marty McFly und Doc Brown genommen. Ich bin mir auch sicher, dass die nächste Sichtung von „Zurück in die Zukunft III“ einige Zeit auf sich warten lassen wird. Früher dauerte dies – so ich denn meine Eltern davon überzeugen konnte – höchstens bis zur nächsten TV-Ausstrahlung der Trilogie. Heute allerdings warten zu viele neue Filme darauf gesehen zu werden, andere Klassiker stehen in der Warteschlange und Zeit hat sich ohnehin zu einer viel wertvolleren Ressource entwickelt. Schade eigentlich…

Zurück in die Zukunft III (1990) | © Universal Pictures Germany GmbH

Zurück in die Zukunft III (1990) | © Universal Pictures Germany GmbH

Auch wenn ich den dritten Teil schon immer am schwächsten fand, so hatte ich doch immer eine ganz besondere Beziehung zum Abschluss der Trilogie. Ich konnte – und kann heute teils immer noch – große Teile des Films mitsprechen. Warum? Natürlich aufgrund der Hörspiel-Kassette von Europa, die ich als Kind rauf und runter gehört habe, und deren Konsum die Anzahl der Filmsichtungen bei weitem übersteigt. Somit kollidierte meine Fantasie stets etwas mit der Filmhandlung, doch bei der gestrigen Sichtung konnte ich diesem Problem ganz einfach aus dem Weg gehen, da ich zum ersten Mal auf die englische Originaltonspur zurückgegriffen habe. Zwar keine ganz neue Erfahrung, doch zumindest nicht mehr so verstörend nostalgisch, wie die synchronisierte Fassung, die auch Grundlage des Hörspiels war.

Im Gegensatz zum Original und besonders der ersten Fortsetzung, wirkt „Zurück in die Zukunft III“ viel geradliniger und weniger komplex konstruiert. Marty muss Doc zurückholen, bevor er erschossen wird. Viel mehr gibt die Zeitreisehandlung nicht her. Das Besondere ist eher das Setting, welches – für Westernfreunde – wahrlich famos eingefangen wurde. Somit fällt der dritte Teil interessanterweise ein wenig aus dem Rahmen, was besonders verwunderlich ist, da ja die beiden Fortsetzungen back-to-back gedreht wurden. In meiner Wahrnehmung werden jedoch stets die ersten beiden Teile inhaltlich näher zusammengehören.

Aufgrund der abnehmenden Komplexität, konzentriert sich der Film mehr auf seine Figuren und insbesondere auf Doc Brown, der 1885 seine große Liebe findet. Man gönnt ihm als Zuschauer dieses private Glück und drückt auch allen anderen Beteiligten die Daumen für das große Happy End – und dennoch mochte ich Doc als verrückten Erfinder lieber, ebenso wie Marty als völlig überforderten Wanderer zwischen den Zeiten. Somit ist der dritte Teil eher romantisches Western-, als konfuses Zeitreiseabenteuer. Das funktioniert durchaus gut, kann mich aber nicht mehr so vollständig begeistern, wie die beiden Vorgänger. Das Ende ist zudem etwas zu over-the-top und zuckersüß, was ich den Figuren aber durchaus zugestehen möchte.

Fazit

Auch wenn der Film etwas abfällt, so liebe ich „Zurück in die Zukunft III“ dennoch. Der Abschluss ist inhaltlich rund, die Actionszenen sind famos gefilmt und es gibt genügend Referenzen zu den beiden Vorgängern. Am Ende des Films bin ich dann stets etwas traurig, dass dieses fantastische Abenteuer – immerhin fügen sich alle drei Filme ja nahtlos aneinander – nun erst einmal wieder vorbei ist. Eigentlich würde ich mir wünschen jedes Jahr mindestens einmal Zeit für die Trilogie zu finden, doch Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude… ein wirkliches gelungenes Finale: 9/10 Punkte.

Going Postal: Ab die Post (2010)

Gestern Abend stand endlich ein weiterer Besuch der Scheibenwelt auf dem Plan. Mit „Going Postal“ hatte man dieses Mal sogar wieder einen Roman verfilmt, dessen Vorlage mir bekannt ist. Bereits damals fragte ich mich, wie man die komplexe und technisch teils äußerst aufwendige Geschichte jemals verfilmen könnte. Umso überraschter war ich insofern, dass man sich gerade dieses Buch ausgesucht hatte – andererseits: Welches Terry Pratchett-Werk wäre aufgrund seiner überbordenden Fantasie nicht schwierig zu verfilmen?

Wie bereits zuvor „Hogfather“ und „The Color of Magic“ wurde auch diese dritte Scheibenwelt-Verfilmung vom britischen TV-Sender Sky One produziert. Demzufolge handelt es sich bei „Going Postal“ auch um einen TV- und keinen Kinofilm. Dies hat Vor- und Nachteile, doch meiner Meinung nach kann man als Zuschauer und Terry Pratchett-Fan wirklich froh sein, dass man sich bei der Adaption für dieses Format entschieden hat. So gibt es zwar deutliche Einschränkungen was das Budget angeht, doch kann man sich aufgrund der Laufzeit von gut drei Stunden wunderbar auf die Geschichte und die Charaktere konzentrieren. Und mal ehrlich: Würden sich Hochglanz-Effekte tatsächlich gut bei der Visualisierung von Ankh-Morpork machen?

Als Adaption funktioniert „Going Postal“ wirklich tadellos. Ich war wirklich überrascht, wie gut es gelungen ist das Gefühl, die Figuren und die Struktur der Vorlage abzubilden. Eine Verfilmung, die „Ab die Post“ – so der deutsche Titel der Vorlage – absolut gerecht wird. Natürlich gibt es Abweichungen und manche Charaktere sind nicht so gut ausgearbeitet, wie ich mir das gewünscht hätte. Insgesamt jedoch kann man sich auch als Freund und Kenner der Vorlage absolut nicht beschweren und auch wenn „Ab die Post“ nicht zu meinen Lieblingsbüchern der Scheibenwelt-Reihe zählt, so funktioniert der Film als Adaption doch noch einmal deutlich besser, als dies bei „The Color of Magic“ der Fall war. Bitte mehr davon, Sky One!

Neben der natürlich exzellent ausgearbeiteten Geschichte, die eine Satire auf das Unternehmertum, die moderne Telekommunikation und noch unzählige andere Elemente des modernen Leben ist, überzeugen vor allem die allesamt exzellent gewählten Schauspieler: So wird die Hauptfigur Feucht von Lipwig von Richard Coyle (Jeff, „Coupling“) gespielt, Charles Dance (Tywin Lannister, „Game of Thrones“) gibt einen herrlich undurchschaubaren Lord Vetinari und Tamsin Greig (Beverly Lincoln, „Episodes“) ist in einer Nebenrolle als Reporterin zu sehen. Auch die restlichen Darsteller passen erstaunlich gut ins Scheibenwelt-Setting und vermitteln das richtige Gefühl für diese herrlich absurde Welt.

Glaubt man den Gerüchten, so soll die nächste Scheibenwelt-Verfilmung bereits in den Startlöchern stehen. Sky One hat sich anscheinend „Unseen Academicals“ (deutscher Titel: „Der Club der unsichtbaren Gelehrten“) ausgesucht, das bereits in Buchform allerdings erstaunlich schlechte Kritiken bekommen hat. Ich bin dennoch gespannt und kann die Bemühungen des Senders weitere Verfilmungen zu produzieren nur unterstützen. Sie haben das Unmögliche möglich gemacht und Terry Pratchetts wunderbare Welt glaubhaft auf den Bildschirm gezaubert. Für Fans und solche, die es werden wollen eine großartige Erfahrung: 9/10 Punkte.

Super 8 (2011)

Wie man es von J.J. Abrams-Produktionen gewohnt ist – seien es Serien oder Filme – wurde auch „Super 8“ sehr stark durch virales Marketing gepusht. Ließ der erste Teaser noch ein „Cloverfield“-Prequel vermuten, so ging schon bald das Raunen durch die filmische Blogosphäre, dass sich Abrams dieses Mal an einem 80er Jahre-Jugendabenteuer im Stil der Amblin-Produktionen versucht. Ab diesem Zeitpunkt war mir klar, dass ich diesen Film sehen muss. Unbedingt. Konnte er meinen immensen Erwartungen gerecht werden?

Von vielen Filmen wird behauptet sie seien eine Hommage an ein bestimmtes Genre. Nur die wenigsten dieser Filme können also solche wirklich überzeugen. „Super 8“ ist solch eine astreine Hommage. Nicht nur an ein Genre, sondern vor allem an eine Zeit, an einen Regisseur und eine Art und Weise Geschichten zu erzählen. Man merkt in nahezu jeder Szene die Liebe J.J. Abrams für das Genrekino der 70er/80er Jahre und besonders für das Kino Steven Spielbergs. So ist es auch kein Wunder, dass sich besonders Elemente aus drei auch meiner Lieblingsfilme („Die Goonies“, „E.T. – Der Außerirdische“ und „Unheimliche Begegnungen der dritten Art“) in diesem modernen und doch so herrlich altmodischen Jugendabenteuer wiederfinden lassen.

Dem Film gelingt es unbeschreiblich gut die späten 70er Jahre wieder aufleben zu lassen. Über weite Strecken hätte „Super 8“ tatsächlich in diesem Jahrzehnt gedreht werden können. Leider jedoch hat man diese Wirkung für einige übertriebene Effektszenen geopfert. Dies ist auch mein einziger großer Kritikpunkt an dem Film: Warum musste das – zugegebenermaßen beindruckend anzusehende – Zugunglück so übertrieben bombastisch inszeniert werden? Weniger wäre hier in meinen Augen mehr gewesen. Doch kann ich auch verstehen, dass man sich bei solch einer Produktion nicht einzig und allein auf den Nostalgiefaktor verlassen kann und für ein jüngeres Publikum entsprechende Schauwerte bieten muss.

Wer nach dem ersten Teaser etwas mehr Mystery erwartet hatte, wird auch enttäuscht worden sein. Die Geschichte um das entflohene Monster ist weder sonderlich wendungsreich noch innovativ. Hier hätte ich mir mehr Abenteuer und Überraschungsmomente gewünscht. Auch die Bedeutung des titelgebenden Super 8-Films ist leider nicht halb so groß, wie erwartet. Wirklich schade. Davon jedoch abgesehen erzählt „Super 8“ eine unerwartet rührende Geschichte und auch wenn das Finale zunächst in Effekten unterzugehen droht, so hat mir die letzte Szene jedoch Tränen in die Augen getrieben – und es hat sich gezeigt, dass Abrams Spielbergs Kino auch inhaltlich verstanden hat.

Neben der wunderbaren Ausstattung und den famosen Jungschauspielern, überzeugt vor allem die größtenteils klassische Inszenierung und Kameraarbeit (wenn man einmal von den übertriebenen Lens Flares absieht). Zwar ist die Geschichte nicht sonderlich innovativ oder mitreißend, was durch die nahegehende Reise der Charaktere und ihrer Familien mehr als nur ausgeglichen wird. „Super 8“ ist auf keinen Fall frei von Fehlern, doch wenn man – wie ich – mit den Amblin-Produktionen aufgewachsen ist und diese zu den persönlichen Lieblingsfilmen zählt, dann darf man auch gerne mal ein Auge zudrücken und in Nostalgie schwelgen: 9/10 Punkte.

Bolt: Ein Hund für alle Fälle – OT: Bolt (2008)

Gestern Abend wanderte das zweite meiner filmischen Weihnachtsgeschenke in den dazugehörigen Player. Auf Disneys „Bolt: Ein Hund für alle Fälle“ hatte ich mich schon lange gefreut, war aber gleichzeitig skeptisch, da es sich um einen Alleingang des Animationsgiganten ohne ihren langjährigen Partner Pixar handelt. Der letzte große Disney-Animationsfilm „Tangled“ gefiel mir jedoch ausgezeichnet und so war ich guter Dinge, dass mich auch „Bolt“ nicht enttäuschen würde…

Um es kurz zu machen: Ich wurde nicht enttäuscht. Ich wurde sogar außergewöhnlich gut unterhalten. Bereits der Prolog des Films feuert solch ein Actionfeuerwerk ab, dass es eine wahre Freude ist. Völlig übertrieben und zügellos gibt man sich sämtlichen Klischees und Unarten hin, die sich im jüngeren Actionkino Hollywoods etabliert haben. Herrlich! Man bekommt folglich eine überzeichnete Persiflage des Genres zu sehen, die gleichzeitig als Hintergrund für die nun folgende Geschichte dient. Die Prämisse ist dabei so einfach, wie genial: Ein tierischer Filmstar, dem nicht bewusst ist, dass er stets nur eine Rolle gespielt hat, muss sich durch eine Welt mit ihm unbekannten Regeln kämpfen. Eine herrliche Fish-Out-of-Water-Geschichte, die nicht nur manchmal an die Abenteuer von Don Quijote (oder Buzz Lightyear) erinnert.

Im Gegensatz zu „Tangled“, der eher an die großen Disneyklassiker anschließt, erinnert „Bolt“ mehr an die Pixar-Filme der jüngeren Zeit. Oft legt der Film ein unglaubliches Tempo vor, nur um in der nächsten Sekunde wieder mit ruhigen Charaktermomenten zu glänzen. Besonders die Nebenfiguren Mittens und Rhino treiben die Geschichte wunderbar komisch voran, ohne jedoch nur als Stichwortgeber zu fungieren. Die Balance stimmt hier einfach, was besonders den Drehbuchschreibern hoch anzurechnen ist.

Neben der kurzweiligen Handlung, hat mich vor allem die Inszenierung überzeugt. Detailreiche Charaktermodelle und ein zum Teil herzerweichender Animationsstil sind das Grundgerüst für einen visuellen Genuss erster Güte. Hinzu kommen teils gezeichnet wirkende Hintergründe, welche dem Film einen handgemachten Eindruck verleihen. Einzig die Darstellung der menschlichen Charaktere wirkt teils etwas befremdlich, doch das ist bei den meisten Animationsfilmen der Fall und wirkt hier keineswegs störend.

Ich bin wahrlich begeistert und kann „Bolt“ allen Animationsfreunden nur ans Herz legen. Eine nette und kurzweilige Geschichte, starke Sprecher (u.a. John Travolta und Susie Essman) und eine mitreißende Inszenierung machen den Film für nahezu jede Altersklasse sehenswert. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass der Film bei kommenden Sichtungen noch wachsen wird: 9/10 Punkte.

Children of Men (2006) (WS1)

Manchmal hat man es als arbeitender Filmfreund und Vater nicht leicht (= Erste-Welt-Probleme). So bleiben meist nur wenige Abende, um seinem Hobby zu frönen. Nimmt jedoch die Arbeit überhand und verkürzen sich die Nächte aufgrund kränkelnden Nachwuchses auf ein paar Stunden, so fallen meist auch diese Abende der Müdigkeit zum Opfer. Trotz dieser denkbar schlechten Voraussetzungen habe ich mir gestern erneut Alfonso Cuaróns „Children of Men“ angesehen und war wieder begeistert – wenn auch nicht aufgrund der exakt gleichen Gesichtspunkte, wie noch bei der letzten Sichtung.

Eigentlich könnte ich meinen letzten Eintrag nahezu 1:1 übernehmen und müsste ihn nur um wenige Punkte ergänzen. Erneut hat mich die inszenatorische Wucht umgehauen, erneut hat mich der Film an die großen Dystopien der 70er Jahre erinnert und erneut hat mich die schiere Ausweglosigkeit beinahe erdrückt. Dennoch gibt es ein nicht zu vernachlässigendes Element, welches die gestrige Sichtung noch einmal deutlich intensiviert hat: die Geburt meiner Tochter. Erst jetzt konnte ich das volle Ausmaß des Entsetzens nachvollziehen, das mit dem komletten Fehlen menschlichen Nachwuchses einhergeht. Das Leben hört einfach auf zu existieren. Es gibt keine Hoffnung mehr. Keine Zukunft. Die Theorie war mir zwar auch schon beim letzten Mal klar, doch die emotionale Intensität dieser Prämisse konnte ich erst als Vater vollständig nachvollziehen.

Auch das Ende hat mir dieses Mal bedeutend besser gefallen. Nicht zwangsweise in Bezug auf The Human Project, doch die Hoffnung, die Theo Faron (Clive Owen) aus der reinen Existenz neuen Lebens schöpft, kam mir plötzlich sehr bekannt vor. Es geht weiter. Somit hat sich mein Wunsch bestätigt und diese Zweitsichtung war genauso intensiv, wie der erste Durchgang. Großartiges Kino, das man nicht nur als Genrefreund gesehen haben sollte: 9/10 Punkte.

Der 13te Krieger – OT: The 13th Warrior (1999)

Lange hat es gedauert, bis John McTiernans bzw. Michael Crichtons „Der 13te Krieger“ seinen Weg in mein Heimkino fand. Obwohl ich den Film damals bereits im Kino kennen und lieben gelernt hatte und unzählige Sichtungen auf diversen Videoabenden folgen sollten, konnte ich mich nie zum Kauf der qualitativ minderwertigen DVD durchringen. Dank durchaus respektabler Blu-ray habe ich dieses Versäumnis nun endlich nachgeholt.

Ich weiß noch genau, dass die Freigabe des Films damals wilde Diskussionen entfachte. Im Kino war „Der 13te Krieger“ nämlich noch ab 12 freigegeben. Auch ich musste mich sehr wundern, erlebten wir bei der damaligen Sichtung doch ein recht brutales Historienabenteuer. Männerkino eben. Folglich durfte der Film auch bei etlichen, damals noch an der Tagesordnung stehenden, Videoabenden nicht fehlen. Die meisten Szenen haben sich demnach unauslöschbar in mein filmisches Langzeitgedächtnis gespielt. Umso gespannter war ich also, wie sich das Historienvehikel denn heute schlagen würde.

Um es kurz zu machen: Ich bin immer noch begeistert. Auch wenn bekannt ist, dass die Produktion unter keinem guten Stern stand und Michael Crichton John McTiernans Version um mehr als 45 Minuten beraubte, den Rest umschnitt und den kompletten Score austauschte, so muss ich doch sagen, dass „Der 13te Krieger“ immer noch verdammt gut funktionert. Er ist kurzweilig, äußerst atmosphärisch und schön gefilmt. Die Handlung ist treibend und der Spannungsaufbau exakt ausgearbeitet. Die Charaktere sind gut geschrieben und wachsen einem schnell ans Herz. Auch wenn man teils merkt, dass gewisse Handlungsstränge (z.B. rund um den Sohn des Königs) weichen mussten, so wirkt der Film kompakt und wie aus einem Guss.

Erfrischend ist, wie bedächtig Antonio Banderas Figur als untypischer Held aufgebaut wird. Kleine Details, wie das schön visualisierte Erlernen der nordischen Sprache, tragen zudem dazu bei, dass die Filmwelt – trotz mythischer Ankläge – real und fundiert wirkt. Weiterhin liebe ich die grandiosen Landschaftsaufnahmen. Der Drehort rund um das Dorf ist wirklich perfekt gewählt. Auch Jerry Goldsmiths Score könnte ich immer wieder hören. Episch und doch passend für dieses doch recht intime Historienabenteuer.

Für mich wird „Der 13te Krieger“ wohl immer ein ganz besonderer Film sein und ich würde einiges geben, um einmal John McTiernans Director’s Cut sehen zu können. Doch auch Michael Crichtons Version hat sich in mein filmisches Herz gespielt und ich werde ihn nun wohl wieder öfter anschauen. Zweiflern sei dieses herrlich altmodisch inszenierte Actionabenteuer auf jeden Fall ans Herz gelegt. Dank Blu-ray nun auch endlich in ansprechender Qualität: 9/10 Punkte.

Fluch der Karibik 2 – OT: Pirates of the Caribbean: Dead Man’s Chest (2006) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Pirates of the Caribbean: Fluch der Karibik 2“ am 31. August 2022 zum dritten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nun bin ich doch schneller als gedacht dazu gekommen mir „Pirates of the Caribbean: Dead Man’s Chest“ erneut anzusehen. Auf dieses Erlebnis war ich ziemlich gespannt, hatte ich den Film nach der damaligen Kinosichtung doch überraschend gut bewertet. Oft ist es ja so, dass man sich von der spontanen Euphorie übermannen lässt und der Film bei genauerer Betrachtung den positiven Erinnerungen nicht stand hält. Doch trifft dies auch auf die Fortsetzung der Piratensaga zu?

Pirates of the Caribbean: Fluch der Karibik 2 (2006) | © Walt Disney

Pirates of the Caribbean: Fluch der Karibik 2 (2006) | © Walt Disney

Um es kurz und knapp zu machen: Ich hatte heute wieder genauso viel Spaß, wie vor fünf Jahren – unglaublich, oder? – im Kino. Der Film ist komischer als der erste Teil, um einiges düsterer und er hat mehr Schauwerte zu bieten. Die Figuren scheinen sich noch mehr gefunden zu haben und es gibt einen famosen Bösewicht. Einzig und allein die Geschichte bleibt etwas auf der Strecke bzw. man bekommt nur eine unnötig aufgeblasene Version der Handlung des Vorgängers präsentiert. Normalerweise müsste ich den Film nun abstrafen, doch feuert Gore Verbinski hier ein Feuerwerk an Actionszenen ab, dass es eine wahre Freude ist. Unterhaltungskino in Perfektion.

Schon alleine die Kannibaleninsel ist an Actionslapstick kaum zu überbieten. Herrlich überdreht und völlig absurd choreographiert bleibt hier kein Auge trocken. Überboten wird das Spektakel nur noch durch den Mühlenrad-Kampf, der ein grandioses comic timing besitzt und zu den unterhaltsamsten Filmszenen überhaupt zählt. Neben diesen lockerleichten Actioneinlagen stimmt der Film bereits ziemlich düstere Töne an, welche sich in „Fluch der Karibik 3: Am Ende der Welt“ letztendlich komplett durchsetzen werden. In diesem Teil stimmt die Mischung jedoch noch und macht das beste aus beiden Welten.

Beeindruckend fand ich auch bei der heutigen Sichtung die Effekte. Nicht so sehr den Kraken, als viel mehr Davy Jones und seine Crew. Selbst in strahlendstem Sonnenschein kann man hier keine CGIs ausmachen. Oberflächenbeschaffenheit, Licht und Animation – alles ist perfekt getroffen. Hinzu kommt, dass man den Schauspieler Bill Nighy tatsächlich hinter den Effekten erkennt. Ein lebendiger, atmender Charakter. Für mich eine der ganz großen Leistungen der VFX-Kunst.

Nun stellt sich mir natürlich die Frage, welchen Teil der Reihe ich bisher am besten finde. Der erste ist insgesamt wohl runder und erzählt die schlüssigere Geschichte. Der zweite dagegen quillt schon fast über vor fantastischen Szenen, die oft wohl auch außerhalb ihres Kontexts funktionieren würden. Unterhalten haben mich beide Filme ausgezeichnet und dabei möchte ich es auch belassen: 9/10 Punkte.

Fluch der Karibik – OT: Pirates of the Caribbean: The Curse of the Black Pearl (2003)

Aktualisierung: Ich habe „Fluch der Karibik“ am 27. August 2022 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Der aktuellste Teil der Filmreihe dürfte wohl der in den letzten Wochen am häufigsten rezensierte Film der Blogosphäre sein. Der ideale Zeitpunkt also für mich mit „Fluch der Karibik“ noch einmal den Ursprung des bombastischen Franchise unter die Lupe zu nehmen. Ich war ja schon immer ein Freund der filmischen Freibeuter und so hatte ich mich damals enorm über die Ankündigung zu Gore Verbinskis Piratenabenteuer gefreut.

Fluch der Karibik (2003) | © Walt Disney

Fluch der Karibik (2003) | © Walt Disney

Nachem Renny Harlins „Die Piratenbraut“ im Jahr 1995 so gnadenlos gefloppt ist, darf man es schon beinahe als Wunder betrachten, dass Disney das Multi-Millionen-Dollar-Projekt überhaupt in Auftrag gegeben hat. Dazu noch eine Idee, die auf einer Freizeitparkattraktion beruht. Insofern also nicht sonderlich erstaunlich, dass „Fluch der Karibik“ darauf getrimmt wurde für nahezu jede Zielgruppe als perfekter Unterhaltungsfilm zu funktionieren – und noch erstaunlicher: Es ist ihm tatsächlich gelungen. Abenteuer, Humor, Action, Romantik, angenehmer Grusel und eine neue Kultfigur. Ein Traum made in Hollywood – und das sowohl für die Produzenten als auch die Zuschauer.

Auch bei meiner inzwischen dritten (vielleicht auch vierten) Sichtung hatte ich wieder enorm viel Spaß mit Captain Jack Sparrow und Co. Dieses Mal ist mir besonders aufgefallen, wie zielstrebig der Film darauf abziehlt möglichst viele Knöpfe bei seinem Publikum zu drücken. Keine Szene wirkt nebenbei erzählt oder überflüssig. Das Timing stimmt, die Charaktere sind ausformuliert, als hätte man sie bereits auf dutzenden von Abenteuern begleitet und die Handlung ist kompakt und mitreißend zugleich. Hinzu kommt Klaus Badelts unverkennbar aus der Schmiede Hans Zimmers stammender Score, der wohl die meistverwendeten Musikstücke der jüngeren Zeit geliefert haben dürfte.

Kritikpunkte gibt es zwar ein paar, doch insgesamt schmälern sie den ungemeinen Unterhaltungswert des Films kaum. So sind mir die Kampfszenen etwas zu dominant in die Handlung eingebaut. Da wäre weniger sicher mehr gewesen. Weiterhin hätte man dem Film ruhig ein wenig mehr Ecken und Kanten geben können, doch dann wäre vielleicht nicht genau diese Art Film dabei herausgekommen, was auch irgendwie schade gewesen wäre.

Was bleibt sonst noch zu erwähnen? Natürlich „Monkey Island“ – ein paar Szenen scheinen wie aus dem Spiel übernommen (das sich wiederum ebenso bei Disneys Freizeitparkattraktion bedient hat), doch letztendlich ist ein Will Turner eben kein Guybrush Threepwood und Captain Jack Sparrow steht sowieso auf einem anderen Blatt. Insofern wäre ich einer Verfilmung der originalen Computerspielreihe immer noch nicht abgeneigt (dann aber bitte mit dem originalen LucasArts-Score).

Wie bereits geschrieben, dürfte nahezu jeder Zuschauer gefallen an Gore Verbinskis Auftakt zu seiner Piratensaga finden. Nicht umsonst begann damit eine der größten Erfolgsgeschichten des vergangenen Kinojahrzehnts. Ich für meinen Teil freue mich nun auf die Wiederholungssichtungen des ersten und zweiten Sequels und hoffe, dass ich damit durch bin, bis der vierte Teil die Heimkinos erreicht. Nach wie vor ein bunter, lauter und vor allem sehenswerter Piratenspaß: 9/10 Punkte.

Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt – OT: Scott Pilgrim vs. the World (2010)

Ich liebe Edgar Wright. Bereits mit „Spaced“ hat er mein kleines Nerdherz schneller schlagen lassen. So viele Ideen, so grandios umgesetzt. Dann „Shaun of the Dead“, der Traum eines jeden Zombiefans. Mit „Hot Fuzz“ lieferte er einen der unterhaltsamsten Actionfilme der letzten Jahre ab und nun? „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ – erstmals ohne das Duo Simon Pegg und Nick Frost, dafür mit gefeierter Vorlage. Konnte das wirklich gut gehen?

Oh ja! Edgar Wright ist wieder einmal ein grandioser Film gelungen. Ein Film, wie ein Rausch. Ein Film, dessen audiovisueller Stil alles zu ersticken droht – und wohl gerade deshalb die stillen Szenen umso mehr hervorhebt. Ein Film, der wohl nur von einer bestimmten Generation verstanden werden wird. Lieben oder hassen – eine Grauzone ist kaum vorstellbar. Mich hatte der Film ja bereits beim 8-bit Universal-Logo und dem „The Legend of Zelda“-Jingle. Man muss kein nerdiger Hipster sein, um der audiovisuellen Flut Herr zu werden. Aber es hilft. Vermutlich.

Die Vorlage kenne ich zugegebenermaßen nicht. Noch nicht. Die Lektüre der „Scott Pilgrim“-Comics steht allerdings schon jetzt ganz oben auf meiner Leseliste. Insofern kann ich die Vorlagentreue nicht beurteilen. Das Mitwirken des Autors lässt aber hoffen. Zudem wirkt der Film als geschlossene Einheit und nicht, wie eine schöne 1:1-Umsetzung der Panels. Die Dialoge sind nahezu perfekt. Zwar nicht immer zum laut Lachen, doch stets zum leise Freuen. Herzerwärmend, witzig und pointiert. Man merkt hier auch immer wieder Edgar Wrights perfektes Gefühl für Timing.

Mein Kritikpunkt? Wohl der starke Schwerpunkt auf die Kämpfe. So bombastisch diese anzusehen sind, so sehr hätte ich mir doch noch mehr Dialoge und zwischenmenschliche Szenen gewünscht. Dennoch sind die Kämpfe natürlich wunderbare Allegorien, die einen bestimmten Lebensabschnitt ziemlich gut einfangen. Wie ihre langfristige Wirkung ist, müssen garantiert folgende Wiederholungssichtungen zeigen. Bis dahin hoffe ich auf weitere Filme. Please, Mr. Wright (and Producers, of course).

Für mich ist „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ ein fantastischer Film, der ein ziemlich undefinierbares Zeitgefühl ziemlich perfekt einfängt. Videospiele, Musik, Leben. Ja, diesen Themen hat dieser Film gefehlt. Nun ist er da und ich bin hoch erfreut. Michael Cera hat natürlich abermals seine Rolle gefunden. Wie hätte es auch anders kommen können? Nicht für jeden, aber für seine diffuse Zielgruppe eben einer dieser speziellen Filme: 9/10 Punkte.

The Social Network (2010)

Als ich zum ersten Mal vom Facebook-Film hörte, dachte ich: Wirklich, muss das sein? Dann wiederum waren David Fincher und Aaron Sorkin federführend beteiligt, die ich beide sehr schätze. Schließlich strich „The Social Network“ etliche Auszeichnungen ein und wurde von den Kritikern gefeiert. Aus dem zunächst unwirklich erscheinenden Projekt wurde einer der angesehensten Filme des Jahres. Höchste Zeit also, mir eine eigene Meinung zu bilden.

Man muss nicht bei Facebook angemeldet sein, um „The Social Network“ etwas abgewinnen zu können. Das Projekt ist keine Softwareverfilmung – und doch hilft es bestimmt ungemein, wenn man den Erfolg des sozialen Netzwerks sowie den damit verbundenen Aufstieg Mark Zuckerbergs zumindest am Rande verfolgt hat. Auch wenn Sorkins Drehbuch eher als Fiktion mit wahrem Kern zu betrachten ist, so zeigt der Film doch wunderbar die Mechanismen auf, die dieser fast schon unglaublichen Erfolgsgeschichte zugrunde liegen.

Durch seine Erzählstruktur, die zwischen der Entwicklungsphase von Facebook und den Anhörungen nach dem bombastischen Erfolg des sozialen Netzwerks wechselt, bekommt der Film eine ganz eigene Dynamik. Diese Art des Erzählens ist natürlich nicht neu, doch wurde sie selten so effektiv eingesetzt, wie in diesem Film. Ich hätte wahrlich nicht erwartet, dass diese eigentlich bereits bekannte Geschichte so mitreißend und spannend erzählt werden kann. Man merkt dem Drehbuch auch oft – ganz besonders in der Eröffnungsszene – den Stil Aaron Sorkins an, der ja spätestens seit „The West Wing“ für seine pfeilschnellen und pointierten Dialoge bekannt ist.

Erwähnenswert ist natürlich die schauspielerische Leistung von Jesse Eisenberg (Columbus, „Zombieland“), dem ein intensives Portrait des Facebook-Gründers gelingt. Ob diese Darstellung dem echten Mark Zuckerberg entspricht? Dies können wohl nur die Personen beurteilen, die dabei waren. So oder so hat Eisenberg dem Filmcharakter einen Stempel aufgedrückt, der von nun an wohl auch immer mit dem realen Vorbild verbunden werden wird. Andrew Garfield dagegen fand ich anfangs noch recht blass, gegen Ende hat sein Eduardo Saverin jedoch immer mehr an Profil gewonnen. Insgesamt auf jeden Fall ein starkes Ensemble an Jungschauspielern.

Insgesamt hat mir David Finchers „The Social Network“ wirklich ausgezeichnet gefallen. Erzählt wird eine altbekannte Geschichte in einer neuen Zeit. Das Spiel ist das gleiche, nur Spielfeld und Spieler haben gewechselt. Gerne hätte ich noch mehr über die genauen Hintergründe erfahren und als 10-teilige Miniserie wäre dies wohl auch durchaus möglich gewesen. Dann aber wohl ohne den famosen Score von Trent Reznor, die beeindruckenden Originalschauplätze und Finchers erneut perfekten VFX-Einsatz (z.B. CG-Winklevoss-Zwilling). Zu Recht einer der angesehensten Filme des letzten Jahres: 9/10 Punkte.