Winter’s Bone (2010)

Seltsamerweise hatte mich der Film bis zur heutigen Sichtung nicht sonderlich interessiert. Obwohl „Winter’s Bone“ größtenteils sehr gut besprochen wurde, brachte ihn erst die kürzlich vermehrte Medienpräsenz von Jennifer Lawrence auf meinen Radar. Und obwohl mir nach einer vollen Arbeitswoche eher nach seichter Unterhaltung war, habe ich mich letztendlich an die düstere Literaturverfilmung herangewagt. Ob das die richtige Entscheidung war?

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Wenn ich den Film mit nur wenigen Worten beschreiben wollte, dann wären diese wohl: bedrückend und doch hoffnungsvoll. Bedrückend ist das Setting, die Lebensumstände der gezeigten Charaktere und die damit verbundene Ausweglosigkeit. Hoffnungsvoll ist einzig und allein die von Jennifer Lawrence („Die Tribute von Panem: The Hunger Games“) fantastisch gespielte Hauptfigur Ree – doch ihr aufopferungsvolles und zugleich anpackendes Wesen ist genug, um diesen Aspekt des Films zu tragen und ein Gegengewicht zu all der bedrückenden Trostlosigkeit zu schaffen.

„Winter’s Bone“ ist kein fröhlicher Film und doch hat er seltsam schöne Szenen. Selbst die ausgewaschenen Landstriche besitzen eine gewisse Ästhetik, der man sich nur schwer entziehen kann. Rees Suche nach ihrem Vater ist alles andere als effekthascherisch inszeniert und doch wirkt ihre Reise unwahrscheinlich bedeutend. Das Ergebnis der Suche ist dabei beinahe schon vernachlässigbar und im Mittelpunkt stehen eher Begegnungen und einzelne Situationen. Der dokumentarische Look unterstreicht dabei die Unmittelbarkeit. Auch wenn die eigentliche Geschichte am Ende des Films abgeschlossen scheint, so habe ich diese Welt, die einem im Unterhaltungskino sonst nicht gezeigt wird, mit sehr gemischten Gefühlen verlassen.

Weder die Handlung noch die Inszenierung sind sonderlich aufregend. Der Film lebt in meinen Augen von seinem Setting, den tollen Schauspielern (größtenteils Laien aus der Region) und eben dem dokumentarischen Erzählstil. Unbedingt sehenswert, jedoch kein Film, den ich mir einmal im Jahr anschauen würde: 8/10 Punkte.

Kampf der Titanen – OT: Clash of the Titans (2010) (WS1)

Nach beinahe zwei Wochen notgedrungener Filmpause, sollte man wohl nicht gerade mit einer Wiederholungssichtung von Louis Leterriers „Kampf der Titanen“ in die Welt der bewegten Bilder zurückkehren. Doch die anderen Filme auf meiner Liste sprengen die 140-Minuten-Grenze, der Tag war anstrengend, die Uhrzeit schon fortgeschritten und die Fortsetzung „Zorn der Titanen“ steht schließlich auch schon zu lange ungesehen im Regal…

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Um es kurz zu machen: Heute war ein actiongeladener, bereits bekannter Popcornfilm nötig, bei dem ich notfalls auch hätte wegdämmern können. Doch auch wenn ich ein paar Mal kurz davor stand, so schaffte es der Schlaf nicht, mich zu übermannen. Somit erlebte ich – nach der Erstsichtung vor gut zwei Jahren – abermals, wie sich Halbgott Perseus mit allerlei Gestalten der griechischen Mytologie kloppt und gegen Zeus und Co. aufbegehrt. Die Handlung bleibt dabei auf das Wesentliche beschränkt und lenkt nicht mit so etwas wie Charakterzeichnung oder intelligenten Dialogen ab. Alles ist leicht verdaulich und morgen werde ich den Film abermals wieder vergessen haben.

Normalerweise sind alle Fantasyfilme der Post-„Der Herr der Ringe“-Ära episch und ausufernd, besonders in ihrer Laufzeit, der Anzahl der Charaktere und der Beschreibung der Welt, in der die Geschichte spielt. In dieser Hinsicht ist es beinahe schon erfrischend, wie wenig sich das 2010er „Clash of the Titans“-Remake um all das kümmert. Es geht Schlag auf Schlag und der Film macht in seiner wilden Hetzjagd durch die meisten Genreklischees keine Gefangenen. Wer hier wirklich kritisiert, dass Leterrier die griechische Mythenwelt nicht ernst nimmt, der sollte am besten bei Phoenix bleiben.

Ich für meinen Teil wurde erneut ziemlich gut unterhalten und freue mich tatsächlich schon auf die Fortsetzung, von der ich mir vor allem zwei Dinge erhoffe: noch mehr Monster und noch mehr Gekloppe. Zur kritisieren gibt es natürlich zuhauf, doch das wisst ihr schließlich selbst. Ich habe die erneute Sichtung nicht bereut und auch wenn der Film neben seinen Schauwerten kaum etwas zu bieten hat, so reichen diese vollkommen aus mich alle paar Jahre für knapp 100 Minuten bei Laune zu halten: 6/10 Punkte.

Boardwalk Empire – Season 1

Über die letzten Abende haben wir es tatsächlich geschafft ein paar Serienepisoden zu sehen – und das ohne sofort dabei einzuschlafen. Der HBO-Serie „Boardwalk Empire – Season 1“ ist es tatsächlich gelungen, mich auch unter diesen erschwerten Bedingungen bei der Stange zu halten. Ich wollte keine Sekunde verpassen und so genoss ich den kurzen Ausflug in das Atlantic City der 1920er Jahre stets in vollen Zügen. Dabei war ich anfangs skeptisch und hätte nicht erwartet von dieser Serie so gefesselt zu werden…

Boardwalk Empire - Season 1

Boardwalk Empire – Season 1 | © Warner Home Video

Der perfekte Gangsterfilm in Serie

Eine Serie, die in den 1920ern spielt und uns die Anfänge des organisierten Verbrechens zeigt? Diese Prämisse schien mir nicht sonderlich vielversprechend und ohne das Mitwirken Martin Scorseses (u.a. „GoodFellas“) und den überaus positiven Kritiken hätte ich wohl nicht in die Serie reingeschaut. Glücklicherweise habe ich mich dennoch zum Kauf der wahrlich fantastischen Blu-rays bewegen lassen und konnte die gesamte Serie somit nahezu am Stück genießen. Die Sogwirkung, die von „Boardwalk Empire“ ausgeht, ist wirklich enorm, was sich – obwohl die Serie langsam erzählt ist – durch die hohe Dichte an Ereignissen erklären lässt: In jeder einzelnen Episode passiert so unglaublich viel, da können manche Staffeln anderer Serien nicht mithalten. Füllerfolgen? Ein Fremdwort in Atlantic City.

Wenn man über „Boardwalk Empire“ schreibt, dann kommt man nicht umhin den Look und die Ausstattung der Serie zu erwähnen. Atlantic City sieht so unglaublich gut aus: Kostüme, Sets, Kameraeinstellungen und Montage. Die Serie ist ein audiovisueller Hochgenuss und jede einzelne Einstellung atmet großes Kino. Im Gegensatz zu anderen quasi-historischen HBO-Serien, wie „Rome“ oder „Game of Thrones“, hatte ich hier erstmals nicht das Gefühl, dass mit mehr Geld mehr möglich gewesen wäre. Der Gesamteindruck ist einfach nur rund. Dies trifft übrigens auch auf die durchaus vorhandenen Gewalt- und Sexszenen zu, die hier nicht so aufgesetzt, wie in den oben genannten Serien, wirken.

Wo sich die Gangstergrößen treffen

Handlung und Figuren der Serie sind angenehm komplex, doch bereits nach ein paar Episoden findet man sich in Nucky Thompsons (grandios gespielt von Steve Buscemi) Welt gut zurecht. Inhaltlich erinnert die Serie natürlich an „The Sopranos“, wenngleich sie andere Schwerpunkte setzt. Aufgrund der historischen Begebenheiten – nahezu jeder Charakter besitzt eine Entsprechung in der Realität – erlebt man als Zuschauer die Geburt der organisierten Kriminalität hautnah. Ob Al Capone oder Lucky Luciano, jede bekannte Gangstergröße der damaligen Zeit hat – aufgrund des besonderen Stellenwerts Atlantic Citys während der Prohibition – Geschäfte mit Nucky Thompson gemacht.

Fazit vom 24.11.2012

Meine Begeisterung dürfte an dieser Stelle schon deutlich geworden sein und ich freue mich sehr, dass die zweite Staffel bereits in meinem Regal steht und nur noch auf ihre Sichtung wartet. Danach wird der Entzug erst einmal hart, doch Ausnahmeserien, zu denen „Boardwalk Empire“ unzweifelhaft zählt, sollte man eben auch entsprechend genießen. Pflichtprogramm für alle Freunde des klassischen Mafia- oder Gangsterfilms und für alle anderen immerhin große Serienkino: 9/10 (9.4) Punkte.

Fazit vom 15.09.2017

Ihr habt es vielleicht gemerkt: Bisher habe ich es nicht geschafft, „Boardwalk Empire“ komplett zu sehen. Seit geraumer Zeit stehen doch bereits alle Staffeln im Regal und somit bin ich dieses Großprojekt endlich angegangen. Da ich mich an die ersten beiden Jahre jedoch nur noch bruchstückhaft erinnern konnte, habe ich die Serie noch einmal von vorne begonnen. Und was soll ich sagen? Ich bin abermals extrem begeistert. Sogar noch mehr als vor fünf Jahren. Hier stimmt einfach alles und es ist eine große Freude, Steve Buscemi und Co. in dieser lebendig gewordenen Vergangenheit beim Aufbau ihres Imperiums zuzusehen. Wahrlich großartig: 10/10 (9.7) Punkte.

Damages – Season 3

Gestern hat sich mit dem Finale von „Damages – Season 3“ wieder einmal eine Serie von meinem persönlichen Programmplan verabschiedet – zumindest vorerst. Die beiden letzten Staffeln werden nachgeholt, sobald sie auf DVD erhältlich sind. Über die erzwungene Pause bin ich im Moment allerdings gar nicht so traurig. Warum das so ist, könnt ihr in der folgenden Besprechung lesen…

Wie bereits die vorhergehende Staffel startet auch das dritte Jahr mit einem neuen Fall für Patty Hewes. Erneut geht es um Finanzbetrug der Sorte, wie man ihn in den letzten Jahren auch immer wieder in den Nachrichten verfolgen konnte. Aktualität und Brisanz sind somit auf jeden Fall gegeben. Da Ellen inzwischen einen neuen Job hat, bekommt die Dynamik zwischen ihr und Patty anfangs einen anderen Drall. Über den Verlauf der Staffel verfallen beide Charaktere jedoch wieder in alte Verhaltensmuster, was wieder für die unterhaltsamsten Szenen der Staffel sorgt. Herrlich fies und berechnend gespielt von Glenn Close und Rose Byrne.

Meine größten Probleme hatte ich in dieser Staffel wohl mit dem Antagonisten bzw. der gesamten Familie des Finanzbetrügers. Besonders in der ersten Staffelhälfte bleiben die neuen Figuren unglaublich blass und wirken dadurch einfach zu uninteressant. Hinzu kommt ein Handlungsstrang rund um Ellens Schwester, der absolut unnötig ist und den Fokus von den eigentlich spannenden Elementen der Serie nimmt. Glücklicherweise wird gegen Ende wieder Fahrt aufgenommen und man darf Patty beim Schmieden perfider Pläne zusehen. Auch Arthur Frobisher bekommt einen amüsanten, kleinen Handlungsbogen, wodurch seine Geschichte nun auch vermutlich zu Ende erzählt ist.

Ingesamt hat mir auch diese Staffel wirklich viel Spaß gemacht, jedoch treten gewisse Abnutzungserscheinungen inzwischen immer mehr in den Vordergrund: der formelhafte Aufbau mit seinen Flashforwards, die ewigen Intrigen, die Beziehung zwischen Ellen und Patty usw. Im letzten Drittel haben diese Elemente zwar wieder recht gut funktioniert, doch gab es davor zu viel Lehrlauf. Ich werde mich nun zwar erst einmal wieder anderen Serien zuwenden, doch irgendwann bestimmt mit viel Freude wieder in die Welt von „Damages“ zurückkehren: 8/10 (7.8) Punkte.

Mr. Nobody – Director’s Cut (2010)

Manche Filme üben bereits vor der Sichtung eine enorme Faszination auf mich aus. Als ich das erste Mal von „Mr. Nobody“ las, war ich von der Grundidee fasziniert. Jedoch hat mich die Arthouse-Ecke abgeschreckt, aus der der Film zu kommen schien. Lange bin ich um die Blu-ray herumgeschlichen, bevor ich mich zu einem Kauf durchringen konnte und noch länger habe ich gezögert, bis ich mich schließlich zu einer Sichtung hinreißen ließ. Während dieser Wartezeit habe ich eine ziemlich genaue Vorstellung des Films entwickelt. Ob es dieser auch nur annähernd gelang an die Realität heranzureichen?

Die Handlung des Films in Worte zu fassen würde ihm nicht gerecht werden. Dennoch möchte ich es versuchen: In ferner Zukunft erinnert sich der letzte sterbliche Mensch (Jared Leto) an sein Leben. Dabei beschränkt er sich jedoch nicht auf sein tatsächlich gelebtes Leben, sondern bezieht jede Entscheidung samt daraus resultierender Konsequenz mit in seine Geschichte mit ein. Da aus unzähligen Entscheidungen auch unzählige mögliche Zeitstränge entstehen würden, stellt der Film exemplarisch drei Beziehungen in den Vordergrund, die jedoch wiederum erneut unzählige Entscheidungsmöglichkeiten bieten. Am Ende des Films gibt es noch einen Twist, der die teils seltsam anmutenden Handlungselemente erklärt und dem Kaleidoskop an Geschichten einen beinahe schon profanen Sinn gibt. Bis dahin bietet „Mr. Nobody“ jedoch einen audiovisuellen Rausch, der seinesgleichen sucht…

Man hat ja oft das Gefühl, dass der Filmbranche nichts mehr Neues einfällt. Der dutzende Superheldenfilm, ein weiteres Remake, das nächste Prequel und – wenn den Produzenten gar nichts mehr einfällt – ein Reboot. Die immer gleichen Bilder, die immer gleichen Geschichten. Im Kontrast dazu steht sperriges und sprödes Arthouse-Kino und nur selten, ganz selten darf man einen Film bewundern, der die Grenzen sprengt und sich in keine Schublade einordnen lässt. Jaco Van Dormaels „Mr. Nobody“ gehört zweifellos zu dieser seltenen Gruppe von Filmen. Bereits in der ersten halben Stunde gibt es mehr zu bestaunen, als andere Filme über die gesamte Laufzeit zeigen. Sowohl inhaltlich als auch formal überrascht der Film stets aufs Neue und auch wenn er aufgrund seiner Struktur nicht wirklich einfach zu rezipieren ist, so belohnt er die Anstrengungen des Zuschauers doch stets mit ergreifenden Einzelszenen und wunderschönen Momentaufnahmen.

Auch wenn es anfangs den Anschein macht, so ist der Film in letzter Konsequenz nicht sonderlich schwer zu verstehen. Ein Entscheidungsbaum wird filmisch abgebildet, in den Zufall, Schicksal, wissenschaftliche Erklärungen usw. mit aufgenommen werden. Eingebettet werden diese unzähligen Möglichkeiten des Lebens in eine Sci-Fi-Rahmenhandlung, die befremdlich wirken mag, doch letztendlich durchaus Sinn ergibt. Man sollte sich sowieso nicht darauf versteifen jede einzelne Szene des Films in das große Ganze einordnen zu können, sondern lieber die Bilder, den Score bzw. Soundtrack und die Emotionen auf sich wirken lassen. Dann kann die Sichtung von „Mr. Nobody“ zu einem wirklich großen Filmerlebnis werden.

Ob ich den Film uneingeschränkt empfehlen kann? Vielleicht nicht für jeden. Filmfreunde, die nach neuen Erfahrungen suchen, sollten auf jeden Fall einmal reinschauen. Ich selbst war nach einer zuvor nahezu schlaflosen Nacht vor der Sichtung recht müde und wurde dennoch mitgerissen. Vermutlich muss jeder selbst entscheiden, was er aus „Mr. Nobody“ mitnehmen möchte. Wenn dieses Kaleidoskop des Lebens tatsächlich zu einem durchdringt, dann wird der Film definitiv nachwirken. Großartig anders: 9/10 Punkte.

Iron Man 2 (2010)

Aktualisierung: Ich habe „Iron Man 2“ am 1. April 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Nach einer anstrengenden Arbeitswoche, freute ich mich heute ganz besonders auf einen entspannten Filmabend. Meine Sichtung der Prolog-Filme zu Marvels „The Avengers“ geht mit „Iron Man 2“ somit bereits in die dritte Runde. Damit komme ich schneller vorwärts, als ich ursprünglich gedacht hatte. Das Franchise bereitet mir immer noch großen Spaß und inzwischen ist die Vorfreude auf das große Finale schon ziemlich gewachsen…

Iron Man 2 (2010) | © Walt Disney

Iron Man 2 (2010) | © Walt Disney

Nach der letztwöchigen Sichtung von „Der unglaubliche Hulk“, ging es heute wieder zurück zu den Anfängen der Superheldensaga. Die Geschichte setzt ein paar Monate nach dem ersten Teil ein und ich hatte irgendwie das Gefühl die Hochphase des eisernen Helden verpasst zu haben. Man erfährt zwar, dass Iron Man der Welt Frieden gebracht hat, doch springt der Film sofort zur Demontage seines Ansehens in der Öffentlichkeit. Dies fand ich ein wenig schade, doch letztendlich brauchte man wohl das persönliche Drama, um die Handlung zügig nach vorne zu bringen.

Die Bösewichte sind meiner Meinung nach wieder die Schwachpunkte des Films. Nach dem großartigen ersten Auftritt Whiplashs (Mickey Rourke), lässt man diesen wieder verschwinden, nur um ihn am Ende gegen langweilige Dronen und einen weiteren Roboteranzug auszutauschen. Sehr schade, denn das erste Design war fantastisch und dürfte wohl die ikonografischste Szene des Films bilden – von Black Widows (Scarlett Johansson) erstem Kampfeinsatz einmal abgesehen.

Im Vergleich zu „Iron Man“ wirkt das Sequel holpriger erzählt und unstrukturierter. Der erweiterte Cast (u.a. Sam Rockwell) hat mir zwar sehr gut gefallen, doch bleiben die neuen Figuren größtenteils leider recht blass. Sehr schön fand ich dagegen die größere Rolle, welche die S.H.I.E.L.D.-Agenten in dem Film einnehmen. Habe ich Scarlett Johansson schon erwähnt? Sehr sehenswert. Auch Samual L. Jacksons Nick Fury bekommt langsam Profil und wirkt nicht mehr nur wie eine undefinierbare graue Eminenz.

Fazit

Insgesamt wirkte „Iron Man 2“ auf mich etwas schwächer als sein Vorgänger. Dieser hatte mich bei seiner Erstsichtung allerdings auch noch nicht vollständig überzeugt. Letztendlich bin ich mit dem Film durchaus zufrieden, da er wie das typische Sequel von allem einfach nur mehr bietet, was natürlich nicht immer der ideale Weg ist, doch hier größtenteils funktioniert: 7/10 Punkte.

Buried: Lebend begraben – OT: Buried (2010)

Wieder einmal habe ich einen Film gesehen, der mich alleine aufgrund seiner Prämisse reizte. Rodrigo Cortés‘ „Buried“ versprach einen unkonventionellen Ansatz, wenngleich die Idee dahinter auch nicht so originell ist, wie man vielleicht vermuten würde. Die Kombination aus lebendig begraben sein und Thriller wurde bereits in diversen TV-Serien (u.a. von Quentin Tarantino für „CSI: Las Vegas“) umgesetzt. So konsequent wie Cortés ist zuvor jedoch noch niemand an die Thematik herangegangen… Spoiler sind zu erwarten.

Zunächst einmal muss ich dem Team rund um „Buried“ meinen Respekt zollen, dass man die Grundidee konsequent bis zum Ende durchgezogen hat. Sicher hätte es ein paar Kameraspielereien nicht gebraucht, um die Situation noch realer und beängstigender erscheinen zu lassen, doch auch mit diesen wird die klaustrophobische Enge deutlich spürbar. Ziemlich beeindruckend fand ich Lichtgestaltung, die ihre Wirkung aus den im Film vorkommenden natürlichen Lichtquellen zieht. Wirklich sehr gelungen. Auch Ryan Reynolds‘ Leistung als Schauspieler ist durchaus herausragend und kann insbesondere als One-Man-Show voll und ganz überzeugen.

Die Handlung an sich ist dagegen weit weniger verzwickt, als man dies anfangs noch vermuten würde. Erzählt wird ein ziemlich geradliniger Thriller, der sich letztendlich einzig und allein um die Rettung Paul Conroys (Ryan Reynolds) dreht. Wird sie gelingen oder nicht? Alles dazwischen lebt einzig und allein vom Spiel mit der Urangst lebendig begraben zu sein – und dies macht der Film auch ziemlich gut. Wenn er 20 Minuten kürzer gewesen wäre und man sich z.B. die Schlangen-Episode gespart hätte, wäre der Film in seiner Wirkung meiner Meinung nach jedoch noch deutlich intensiver gewesen.

Nicht gelungen fand ich dagegen den Twist am Ende. Dieser wirkte weder sonderlich originell noch wäre er nötig gewesen. Auch wenn ein Happy End für mich als Zuschauer befriedigender gewesen wäre, so hadere ich nicht einmal so sehr mit dem Ausgang, sondern eher der plumpen Umsetzung. Die vorherigen 90 Minuten verpuffen völlig und gerade die unnötig erzählten Sequenzen fallen rückblickend betrachtet umso stärker ins Gewicht. Auch wenn Cortés versucht sich – wie man schon alleine an den sich an Saul Bass orientierenden Opening Titles sieht – an Alfred Hitchcock anzunähern, so bleibt es in meinen Augen jedoch bei diesem Versuch.

Mich hat „Buried“ durchaus beeindruckt und ich werde die Sichtung bestimmt in Erinnerung behalten. Letztendlich verspielt der Film etliche Möglichkeiten jedoch aufgrund seiner zu sehr auf Effekt setzender Inszenierung und der zu aufgeblasenen Handlung. Auch mit dem Ende kann ich mich nicht anfreunden, was potentiell interessierte Leser jedoch nicht davon abschrecken sollte, dem Film eine Chance zu geben. Interessant und sehenswert, wenn auch nicht frei von Fehlern: 7/10 Punkte.

Prince of Persia: Der Sand der Zeit – OT: Prince of Persia: The Sands of Time (2010)

Nachdem der Film im Dibbelabbes-Blog kürzlich positiv erwähnt wurde und er zudem günstig zu erstehen war, gab ich „Prince of Persia: Der Sand der Zeit“ trotz Vorbehalte eine Chance. Damals hätte ich die Videospielverfilmung sogar beinahe im Kino gesehen, doch es kam letztendlich anders. Aus heutiger Sicht muss ich sagen, dass dies kein sonderlich großer Verlust war, doch lest selbst…

Mit der direkten Vorlage kam ich selbst nie in Berührung. Ich kenne nur das Ursprungsspiel aus dem Jahr 1989, das ich damals ab und zu auf dem Computer (286er mit Monochrom-Bildschirm) des Vaters eines Freundes spielte. Heute erinnere ich mich hauptsächlich an die flüssige Animation der Spielfigur, einige Frustmomente und die herrlich düdelige Orientalmusik. Mit diesem Klassiker hat der Film nicht mehr viel gemein, obwohl die Umsetzung dessen Geschichte auch nicht viel platter hätte ausfallen können. Nun also eben der Sand der Zeit, ein magischer Dolch und allerlei Verschwörungsunfug.

An sich habe ich mich ja durchaus auf die Zeitreise-Thematik gefreut. Nach der kürzlichen Sichtung der „Zurück in die Zukunft“-Trilogie sogar sehr. Leider jedoch macht der Film – außer ein paar netten Effektspielereien – so rein gar nichts aus diesem Potential. Alles läuft sehr linear nach dem 08/15-Abenteuerschema ab, ohne dass es auch nur die geringsten Überraschungsmomente gibt. Selbst die Nazgûl-Verfolgung aus „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ wird nahezu identisch inszeniert nachgestellt. Einzig und allein die Orientatmosphäre weiß teilweise zu gefallen, bleibt aber aufgrund der nur zu bekannten westlichen Schauspieler viel zu generisch.

Anfangs hatte ich große Probleme den von mir sehr geschätzten Jake Gyllenhaal als Prinz Dastan ernst zu nehmen. Damit meine ich weniger seinen extra für diese Rolle gestählten Körper oder die übertriebenen Actioneinlagen, sondern eher die Figur, wie sie im Drehbuch angelegt ist: ein Draufgänger, stets ein flotter Spruch auf den Lippen, ein Außenseiter unter seinen Brüdern und doch von seinem Vater bevorzugt sowie als vernünftiger und edler Erlöser gefeiert? Irgendwie passt hier Einiges nicht zusammen. Genauso wie bei den meisten anderen Charakteren, die oft handeln als wäre ihren Schauspielern kurz vor der Szene eine neue Drehbuchfassung unter die Nase gehalten worden.

Auch wenn ich mich in meiner Kritik eher auf die negativen Aspekte des Films konzentriert habe, so bleibt doch festzuhalten, dass „Prince of Persia: The Sands of Time“ ein recht unterhaltsamer Film ist. Die Action ist nett in Szene gesetzt, sieht aber oft zu künstlich aus. Geschichte, Schauspieler (positiv: Gemma Arterton, negativ: Ben Kingsley) und Score (typisch Hans Zimmer-Schmiede) schaffen es dagegen nicht den Film über den Durchschnitt zu heben. Kann man sehen, muss man aber nicht: 5/10 Punkte.

Trust (2010)

Der Film wurde mir von einer geschätzten Kollegin mit der Warnung empfohlen, dass er für Väter wohl besonders harte Kost sei. Wahrscheinlich ist „Trust“ auch nicht die beste Wahl für einen entspannten Feierabend, doch manchmal muss man sich eben auch unbequeme Filme ansehen – und wie unbequem die Sichtung war. Manche Filmerlebnisse wollen hart erarbeitet werden und das trifft auf David Schwimmers eindringliches Vergewaltigungsdrama zweifellos zu.

Wenn man sich das Cover anschaut und sich die Inhaltsangabe durchliest, dann wird dem potentiellen Zuschauer vom Verleih ein knallharter Rachethriller suggeriert. Nichts jedoch könnte ferner von der Wahrheit sein. Die perfide Tat wird bereits innerhalb der ersten halben Stunde verübt. Zuvor gibt es Bilder einer ganz normalen Familie zu sehen: liebevolle Eltern und lebensfrohe Kinder. Von Anfang an nimmt digitale Kommunikation einen großen Stellenwert im Leben der älteren Tochter ein. Die Eltern setzen sich damit auseinander und zeigen durchaus Interesse am (digitalen) Leben ihrer Kinder. Auch wenn die Entwicklung bis zum Treffen mit dem Täter recht schnell geht, so wird der Weg dorthin doch erschreckend realistisch und ohne platte Erklärungsversuche (unaufmerksame Eltern o.ä.) dargestellt.

Richtig interessant wird der Film erst nach der Vergewaltigung durch den für den Zuschauer nahezu gesichtslosen Täter. Eine Allerweltsperson, die ihre Machtposition gegenüber der verunsicherten Annie (grandios gespielt von Liana Liberato) schamlos ausnutzt. Ab hier beginnt die Familie in sich zusammenzufallen: die Eltern sind rat- und fassungslos, die Tochter gebrochen und Freunde hilflos. In der folgenden Stunde wird schmerzhaft gezeigt, welchen emotionalen Tribut die Tat fordert. Besonders Annies Unverständnis und Verdrängung dessen, was ihr in dem Hotelzimmer angetan wurde, ist wirklich nur schwer zu ertragen. Auf der anderen Seite steht der Vater (Clive Owen), der absolut verloren ist und sich Rachefantasien hingibt.

Viele Themen werden in dem Film nur am Rande angesprochen und wirken deshalb vielleicht umso nachhaltiger. Sei es die Sexualisierung von Tweens (Kinder zwischen 10 und 13) in der Werbung oder das Herunterspielen von emotionalem und körperlichem Missbrauch in der Gesellschaft – der Film geht dahin, wo es wehtut und gibt weder dem Zuschauer noch den Charakteren Erlösung in Form von Gerechtigkeit oder ausgelebten Rachegelüsten. Konsequent konzentriert sich der Film bis zum Ende auf die Aufarbeitung der Tat und zeigt, dass man gemeinsam weitergehen muss. So schmerzhaft dies auch sein mag.

Auch wenn ich mir sicher bin, dass ich „Trust“ wohl kein zweites Mal sehen werde, so hat mich der Film doch stark beeindruckt. Er hebt keinen Zeigefinger und lässt falsche Moral außen vor. Er ist grausam, verstörend und doch hoffnungsvoll. Das Leben geht weiter. Auch für den Täter, dessen Auftritt im Abspann noch einmal ein Tritt in die Magengrube war. David Schwimmer (Ross aus der TV-Serie „Friends“) hat mit „Trust“ einen nachdenklich machenden Film abgeliefert, dessen Inszenierung angenehm zurückhaltend ist und der nahezu vollständig von seinen Schauspielern lebt. Willkommen in der schönen neuen Kommunikationswelt: 8/10 Punkte.

Going Postal: Ab die Post (2010)

Gestern Abend stand endlich ein weiterer Besuch der Scheibenwelt auf dem Plan. Mit „Going Postal“ hatte man dieses Mal sogar wieder einen Roman verfilmt, dessen Vorlage mir bekannt ist. Bereits damals fragte ich mich, wie man die komplexe und technisch teils äußerst aufwendige Geschichte jemals verfilmen könnte. Umso überraschter war ich insofern, dass man sich gerade dieses Buch ausgesucht hatte – andererseits: Welches Terry Pratchett-Werk wäre aufgrund seiner überbordenden Fantasie nicht schwierig zu verfilmen?

Wie bereits zuvor „Hogfather“ und „The Color of Magic“ wurde auch diese dritte Scheibenwelt-Verfilmung vom britischen TV-Sender Sky One produziert. Demzufolge handelt es sich bei „Going Postal“ auch um einen TV- und keinen Kinofilm. Dies hat Vor- und Nachteile, doch meiner Meinung nach kann man als Zuschauer und Terry Pratchett-Fan wirklich froh sein, dass man sich bei der Adaption für dieses Format entschieden hat. So gibt es zwar deutliche Einschränkungen was das Budget angeht, doch kann man sich aufgrund der Laufzeit von gut drei Stunden wunderbar auf die Geschichte und die Charaktere konzentrieren. Und mal ehrlich: Würden sich Hochglanz-Effekte tatsächlich gut bei der Visualisierung von Ankh-Morpork machen?

Als Adaption funktioniert „Going Postal“ wirklich tadellos. Ich war wirklich überrascht, wie gut es gelungen ist das Gefühl, die Figuren und die Struktur der Vorlage abzubilden. Eine Verfilmung, die „Ab die Post“ – so der deutsche Titel der Vorlage – absolut gerecht wird. Natürlich gibt es Abweichungen und manche Charaktere sind nicht so gut ausgearbeitet, wie ich mir das gewünscht hätte. Insgesamt jedoch kann man sich auch als Freund und Kenner der Vorlage absolut nicht beschweren und auch wenn „Ab die Post“ nicht zu meinen Lieblingsbüchern der Scheibenwelt-Reihe zählt, so funktioniert der Film als Adaption doch noch einmal deutlich besser, als dies bei „The Color of Magic“ der Fall war. Bitte mehr davon, Sky One!

Neben der natürlich exzellent ausgearbeiteten Geschichte, die eine Satire auf das Unternehmertum, die moderne Telekommunikation und noch unzählige andere Elemente des modernen Leben ist, überzeugen vor allem die allesamt exzellent gewählten Schauspieler: So wird die Hauptfigur Feucht von Lipwig von Richard Coyle (Jeff, „Coupling“) gespielt, Charles Dance (Tywin Lannister, „Game of Thrones“) gibt einen herrlich undurchschaubaren Lord Vetinari und Tamsin Greig (Beverly Lincoln, „Episodes“) ist in einer Nebenrolle als Reporterin zu sehen. Auch die restlichen Darsteller passen erstaunlich gut ins Scheibenwelt-Setting und vermitteln das richtige Gefühl für diese herrlich absurde Welt.

Glaubt man den Gerüchten, so soll die nächste Scheibenwelt-Verfilmung bereits in den Startlöchern stehen. Sky One hat sich anscheinend „Unseen Academicals“ (deutscher Titel: „Der Club der unsichtbaren Gelehrten“) ausgesucht, das bereits in Buchform allerdings erstaunlich schlechte Kritiken bekommen hat. Ich bin dennoch gespannt und kann die Bemühungen des Senders weitere Verfilmungen zu produzieren nur unterstützen. Sie haben das Unmögliche möglich gemacht und Terry Pratchetts wunderbare Welt glaubhaft auf den Bildschirm gezaubert. Für Fans und solche, die es werden wollen eine großartige Erfahrung: 9/10 Punkte.