King Arthur – Director’s Cut (2004)

Kurz nach der Jahrtausendwende lagen epische Stoffe voll im Trend. Ob Fantasy- oder Historienfilm, alles was auch nur annähernd nach großen Schlachtszenen roch wurde auf die Leinwand gebracht. Auch die Disney-Produktion „King Arthur“ (gesehen im Director’s Cut) schwamm auf dieser Welle mit und erzählt eine pseudohistorische Version der Legende um König Artus und seinen Rittern der Tafelrunde.

Wie bereits Wolfgang Petersons „Troja“ wurden auch der Geschichte um Artus, Merlin und Co. jegliche mythische Elemente entrissen. Antoine Fuqua macht von Beginn an klar, dass man es hier mit der angeblich wahren Geschichte hinter der Legende zu tun hat. Dies ist natürlich grober Unfug und deshalb sollte man sich auch nicht über historische Ungereimtheiten aufregen und den Film eher als moderne Interpretation der Legende sehen. Inhaltlich sollte man auch weniger einen Monumentalfilm erwarten, als einen historischen Abenteuerfilm mit Roadmovie-Anleihen und ausufernden Schlachtszenen.

Erzählt wird somit eine klassische Geschichte, die gnadenlos auf modern getrimmt wurde. Wackelkamera, hektische Schnitte und eine derart penetrante Farbkorrektur, dass ich ob der artifiziellen Qualität der durchaus sehenswerten Bilder mehr als einmal aus dem Film gerissen wurde, inklusive. Diese dreckig-moderne Inszenierung mag oft nicht zu den pathosschwangeren Dialogen passen, die trotz des emotional dominierenden Scores nie ins Herz treffen – doch damit möchte ich meine Kritik an dem Film nun auch beenden.

Sieht man von den teils unrunden Aspekten hab, kann man durchaus viel Spaß mit „King Arthur“ und seiner Bande an Raufbolden haben. Gerade die Gruppendynamik hat mir gut gefallen, da trotz des großen Ensembles jeder Figur genügend Platz eingeräumt wird und man sich gerne mit ihnen auf die Reise begibt. Überhaupt sind die ersten zwei Drittel die gelungeneren, da man in diesen ein Abenteuer erleben darf, das durch wirklich atmosphärische Bilder und spannende Einzelszenen erzählt wird. Die Endschlacht dagegen hätte meiner Meinung nach durchaus kürzer ausfallen dürfen.

Letztendlich kann man festhalten, dass ich den Film durchaus mochte – trotz Waldschrat-Merlin und Amazonen-Guinivere. Für starke Frauenrollen bin ich ohnehin immer zu haben und Keira Knightley macht hier wahrlich keine Gefangenen. Schade nur, dass sie unseren Till Schweiger als kahlrasierten Sachsen nicht kleinkriegen konnte. Ihr seht schon: Allzu ernst nehmen sollte man den Film nicht, doch wenn ihr euch an Historienschinken immer noch nicht satt gesehen habt, dann bietet „King Arthur“ durchaus nette Abwechslung – und somit gibt es knappe 7/10 Punkte.

X-Men: Erste Entscheidung – OT: X-Men: First Class (2011)

Nach einer gefühlten Ewigkeit habe ich mir heute einmal wieder einen Film angesehen. Endlich. Matthew Vaughns „X-Men: Erste Entscheidung“ war zudem eine sehr gute Wahl. Ins Kino hatte ich es damals – wie so oft – leider nicht geschafft und da mich die „X-Men“-Reihe größtenteils ausgezeichnet zu unterhalten wusste, hatte ich mich trotz des mittelmäßigen „X-Men Origins: Wolverine“ schon sehr auf die Heimkinoauswertung gefreut.

Der jüngste Spross der niemals enden wollenden Superhelden-Saga wirkt über weite Strecken wunderbar altmodisch. Das 60er Jahre Gefühl wird perfekt eingefangen und spätestens mit dem Auftritt von January Jones (Betty Draper, „Mad Men“) war ich in diesem alternativen Universum angekommen. Auch die Inszenierung passt zum Look des Films. Zwar gibt es durchaus modern inszenierte Actionszenen, doch bleibt die Kamera dabei wunderbar bodenständig und ordnet sich der Handlung unter.

Oft hat mich „X-Men: First Class“ mehr an die „James Bond“-Abenteuer der 60er Jahre erinnert, als an einen Superheldenfilm. Unterstützt wird dieser Eindruck wohl durch die geschickte Verknüpfung der fiktiven Handlung mit der Kubakrise. Etliche Elemente dieses Handlungsstrangs könnten direkt in den Sets eines 007-Films gedreht worden sein. Ein Auftritt des jungen Sean Connerys hätte mich demnach kaum verwundert. Ungewöhnlich für heutige Sehgewohnheiten, aber gerade deshalb herausragend.

Die Geschichte des Films läuft relativ überraschungsfrei ab und man darf sich als Zuschauer an diversen Mutanten und ihren Fähigkeiten erfreuen. Kevin Bacon gibt einen netten Bösewicht und James McAvoy entwickelt eine schöne Dynamik mit Michael Fassbender. Überhaupt ist die Besetzung sehr gelungen und macht Lust auf mehr. Über ein 70er oder 80er Jahre Abenteuer der „X-Men“ wäre ich wahrlich nicht traurig. Endlich ein Prequel, das dem Original in nichts nachsteht: 8/10 Punkte.

Fluch der Karibik 4: Fremde Gezeiten – OT: Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides (2011)

Aktualisierung: Ich habe „Pirates of the Caribbean: Fremde Gezeiten“ am 17. September 2022 zum dritten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Dank rapide fallender Blu-ray Preise bin ich früher als gedacht in den Genuss des von mir im Kino verpassten „Pirates of the Caribbean: Fremde Gezeiten“ gekommen. Die allgemeinen Kritiken waren ja durchaus gemischt: So gab es einerseits Stimmen, die vom besten Teil seit dem Ursprung der Reihe redeten, andererseits wurde der Film als unnötiges Produkt eines geldgeilen Studios gesehen. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen…

Pirates of the Caribbean: Fremde Gezeiten (2011) | © Walt Disney

Pirates of the Caribbean: Fremde Gezeiten (2011) | © Walt Disney

Tatsächlich erinnert das vierte Abenteuer um Captain Jack Sparrow wieder eher an den famosen ersten Teil, als an den überladenen Abschluss der ursprünglichen Trilogie. Back to the roots sozusagen. Allerdings merkt man deutlich, dass Regisseur Rob Marshall die Popcornkino-Erfahrung eines Gore Verbinski fehlt. Die Inszenierung wirkt demnach weniger spritzig und um einiges angestaubter, als dies bei den Bombastwerken Verbinskis der Fall war. Hinzu kommt, dass das Drehbuch erzählerische Tiefe vermissen lässt und die Dialoge teils zu sehr nach einstudiertem Text klingen.

Ist „Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides“ dennoch eine würdige Fortsetzung der Piratenfilmreihe? Jein. Der Film wirkt weniger wie eine Fortsetzung, als wie ein Spin-off. Obwohl Johnny Depps Figur bereits die vorhergehenden Filme getragen hat, so fehlt doch die übergreifende Handlung, die stets mit imposanten Bösewichten und einer beinahe schon epischen Hintergrundgeschichte aufwarten konnte. Die in diesem Film thematisierte Suche nach der Quelle der ewigen Jugend wirkt wie eine beliebige Nebenhandlung, die genauso gut als Prequel funktioniert hätte.

Auch wenn dieser Teil der Reihe nicht wirklich zwingend nötig gewesen wäre, so macht es jedoch wieder enorm viel Spaß Captain Jack Sparrow bei seinen Abenteuern zu begleiten. Leider jedoch bleibt Blackbeard als Bösewicht erschreckend blass und kann weder Barbossa, geschweife denn Davy Jones das Wasser reichen. Penélope Cruz als Blackbeards Tochter ist dagegen wieder stets nett anzusehen und liefert sich unterhaltsame Plänkeleien mit unserem stets angetrunkenen Captain.

Erstaunlicherweise hat mir besonders der Beginn des Films in London recht gut gefallen, obwohl dieser Schauplatz etwas aus der Reihe fällt. Die Kutschenverfolgungsjagd wies zudem etliche Parallelen zu Renny Harlins „Cutthroat Island“ auf, ohne jedoch dessen Klasse zu erreichen. Was bleibt also am Ende? Unterhaltsame zwei Stunden, die ein weiteres Jack Sparrow-Abenteuer zeigen, über das man sich als Fan der Reihe durchaus freuen darf – alle anderen verpassen aber auch nichts, wenn sie es bei der usprünglichen Trilogie belassen. Knappe 7/10 Punkte.

Fluch der Karibik – OT: Pirates of the Caribbean: The Curse of the Black Pearl (2003)

Aktualisierung: Ich habe „Fluch der Karibik“ am 27. August 2022 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Der aktuellste Teil der Filmreihe dürfte wohl der in den letzten Wochen am häufigsten rezensierte Film der Blogosphäre sein. Der ideale Zeitpunkt also für mich mit „Fluch der Karibik“ noch einmal den Ursprung des bombastischen Franchise unter die Lupe zu nehmen. Ich war ja schon immer ein Freund der filmischen Freibeuter und so hatte ich mich damals enorm über die Ankündigung zu Gore Verbinskis Piratenabenteuer gefreut.

Fluch der Karibik (2003) | © Walt Disney

Fluch der Karibik (2003) | © Walt Disney

Nachem Renny Harlins „Die Piratenbraut“ im Jahr 1995 so gnadenlos gefloppt ist, darf man es schon beinahe als Wunder betrachten, dass Disney das Multi-Millionen-Dollar-Projekt überhaupt in Auftrag gegeben hat. Dazu noch eine Idee, die auf einer Freizeitparkattraktion beruht. Insofern also nicht sonderlich erstaunlich, dass „Fluch der Karibik“ darauf getrimmt wurde für nahezu jede Zielgruppe als perfekter Unterhaltungsfilm zu funktionieren – und noch erstaunlicher: Es ist ihm tatsächlich gelungen. Abenteuer, Humor, Action, Romantik, angenehmer Grusel und eine neue Kultfigur. Ein Traum made in Hollywood – und das sowohl für die Produzenten als auch die Zuschauer.

Auch bei meiner inzwischen dritten (vielleicht auch vierten) Sichtung hatte ich wieder enorm viel Spaß mit Captain Jack Sparrow und Co. Dieses Mal ist mir besonders aufgefallen, wie zielstrebig der Film darauf abziehlt möglichst viele Knöpfe bei seinem Publikum zu drücken. Keine Szene wirkt nebenbei erzählt oder überflüssig. Das Timing stimmt, die Charaktere sind ausformuliert, als hätte man sie bereits auf dutzenden von Abenteuern begleitet und die Handlung ist kompakt und mitreißend zugleich. Hinzu kommt Klaus Badelts unverkennbar aus der Schmiede Hans Zimmers stammender Score, der wohl die meistverwendeten Musikstücke der jüngeren Zeit geliefert haben dürfte.

Kritikpunkte gibt es zwar ein paar, doch insgesamt schmälern sie den ungemeinen Unterhaltungswert des Films kaum. So sind mir die Kampfszenen etwas zu dominant in die Handlung eingebaut. Da wäre weniger sicher mehr gewesen. Weiterhin hätte man dem Film ruhig ein wenig mehr Ecken und Kanten geben können, doch dann wäre vielleicht nicht genau diese Art Film dabei herausgekommen, was auch irgendwie schade gewesen wäre.

Was bleibt sonst noch zu erwähnen? Natürlich „Monkey Island“ – ein paar Szenen scheinen wie aus dem Spiel übernommen (das sich wiederum ebenso bei Disneys Freizeitparkattraktion bedient hat), doch letztendlich ist ein Will Turner eben kein Guybrush Threepwood und Captain Jack Sparrow steht sowieso auf einem anderen Blatt. Insofern wäre ich einer Verfilmung der originalen Computerspielreihe immer noch nicht abgeneigt (dann aber bitte mit dem originalen LucasArts-Score).

Wie bereits geschrieben, dürfte nahezu jeder Zuschauer gefallen an Gore Verbinskis Auftakt zu seiner Piratensaga finden. Nicht umsonst begann damit eine der größten Erfolgsgeschichten des vergangenen Kinojahrzehnts. Ich für meinen Teil freue mich nun auf die Wiederholungssichtungen des ersten und zweiten Sequels und hoffe, dass ich damit durch bin, bis der vierte Teil die Heimkinos erreicht. Nach wie vor ein bunter, lauter und vor allem sehenswerter Piratenspaß: 9/10 Punkte.

Batman Begins (2005) (WS1)

Vielleicht liegt es an meiner relativ langen Filmabstinenz – immerhin sind seit meiner letzten Filmsichtung bereits drei Wochen vergangen – doch Christopher Nolans „Batman Begins“ hat mir gestern weit besser gefallen, als noch bei der Erstsichtung vor dreieinhalb Jahren. Inzwischen kann ich den Film auch gut mit dem Nachfolger „The Dark Knight“ vergleichen, was neue Blickwinkel auf Nolans bombastische Comicaction zulässt.

Wie bereits bei der letzten Sichtung hat mir die erste Hälfte des Films wirklich ausgezeichnet gefallen. Man erlebt die Heldengeburt in all ihren Facetten, ohne dass diese jedoch zu abgedroschen oder vorhersehbar erscheint. Nolan zementiert hier bereits – auch wenn man dies als Zuschauer anfangs nicht wahrnimmt – das Fundament für den Hauptteil des Films, in der Batman zu voller Größe heranwächst. Ein weiterer Grund für die wirklich unterhaltsame Art und Weise der Heldengeburt ist Nolans auf düsteren Realismus getrimmte Inszenierung, welche damals noch ein Novum im Superheldengenre darstellte.

Die zweite Hälfte des Films hat sich für mich dieses Mal besser in den Film integriert, als noch bei der Erstsichtung. Zwar ist stilistisch durchaus ein gewisser Bruch festzustellen – auch besonders im Vergleich zu „The Dark Knight“ – doch macht dieser für die erzählte Geschichte durchaus Sinn. In diesem Abschnitt des Films erinnert Nolans Werk deutlich mehr an die „Batman“-Filme Tim Burtons, was sich besonders in der artifiziellen Darstellung von Gotham City und speziell The Narrows verdeutlicht. Hätte man den Film zuvor auch als klassischen Actionthriller klassifizieren können, gibt es nun keinen Zweifel mehr, dass „Batman Begins“ der Comicwelt entspringt.

Auch wenn mich der Film bei meiner gestrigen Sichtung nahezu perfekt zu unterhalten wusste, so habe ich doch immer noch einen Kritikpunkt. Wie auch in „Inception“ übertreibt es Nolan hier mit einer Actionszene. War es in dem Sci-Fi-Thriller die Schießerei in den Bergen, so gibt es hier deutliche Längen in der Verfolgungsjagd mit dem Batmobil. Zwar gut und mitreißend inszeniert, doch oft redundant und auf Dauer etwas ermüdend. Insgesamt ist dies aber nur ein kleiner Kritikpunkt an einem großartigen Filmerlebnis.

Nach der gestrigen Sichtung bin ich nun wieder richtig heiß auf „The Dark Knight“ und freue mich auch bereits auf dessen Nachfolger, der wohl wieder alle Rekorde brechen dürfte. Im Moment sehe ich „Batman Begins“ noch als stärksten Film der Reihe, doch dies kann sich mit der erneuten Sichtung der Fortsetzung wieder schlagartig ändern. Nahezu perfekt inszeniertes Unterhaltungskino: 9/10 Punkte.

Tödliches Kommando – OT: The Hurt Locker (2008)

Zugegebenermaßen habe ich mir „Tödliches Kommando“ nur angesehen, weil es sich um den neuen Film von Frau Bigelow handelt. Der Oscar-Rummel war mir ziemlich egal und das Genre halte ich auch für überstrapaziert. Kriegsfilme erzählen doch irgendwie immer die gleiche Geschichte. „The Hurt Locker“ kann dem Thema aber glücklicherweise neue Aspekte abgewinnen.

Zunächst einmal begleiten wir eine Einheit des Kampfmittelräumdienstes, was einen neuen Blickwinkel auf die Kampfhandlungen zulässt. Diese Einheit besteht aus drei Soldaten, welche auch stets im Mittelpunkt der Geschichte stehen. Endlich einmal ein Kriegsfilm, in dem nicht von Charakter zu Charakter gesprungen wird. Durch die besondere Arbeit dieser Einheit wird eine für das Genre ganz neue Art von Spannung erzeugt, welche durch die Inszenierung im Dokumentarstil noch verstärkt wird.

Normalerweise reagiere ich ziemlich allergisch auf übermäßigen Wackelkamera-Einsatz: Man hat als Zuschauer keine Orientierung und oft wird versucht dadurch Inszenierungsschwächen zu vertuschen. In „The Hurt Locker“ wird man durch diese Art der Kameraführung allerdings wirklich in die Geschichte hineingezogen. Man fühlt sich als Teil des Einheit. Man läuft selbst zur Bombe. Man ist den spontanen Angriffen selbst ausgesetzt. So intensiv habe ich wohl noch keinen Film dieses Genres erlebt. Absolut großartig.

Ebenso spannend, wie die Kriegshandlungen, ist die Entwicklung der Charaktere bzw. deren Zusammenwachsen als Einheit. Im Fokus steht Draufgänger William James (großartig gespielt von Jeremy Renner), der der Droge Krieg bereits hilflos verfallen ist. Dennoch gibt es hier keine Schwarzweißmalerei und die Figur offenbart eine Tiefe, die man ihr zu Beginn nicht zugetraut hätte.

Wenn ich etwas kritisieren müsste, dann wohl das Ende. Es ist nicht schlecht, doch es fühlt sich an, als hätte man auch dem letzten Zuschauer erklären wollen, dass James in der zivilen Gesellschaft nicht mehr funktionieren kann. Man hätte den Film auch einfach vor dem Müsli-Regal enden lassen können und es wäre dennoch bereits alles gesagt gewesen.

„The Hurt Locker“ ist ein fantastischer Film einer großartigen Regisseurin. Ein Film, der den Hype auf jeden Fall verdient und auch von Zuschauern gesehen werden kann, die dem Genre normalerweise nichts abgewinnen können. Mitreißend, bewegend, erschreckend und dennoch unterhaltsam. Well done, Frau Bigelow: 9/10 Punkte.

Mary Poppins (1964)

Mit Walt Disneys Kinderbuchverfilmung „Mary Poppins“ bin ich zu einer nostalgische Reise aufgebrochen. Einerseits weil ich den Film seit meiner Kindheit nicht mehr gesehen habe und andererseits, weil er wunderschöne Erinnerungen an das Broadway Musical heraufbeschwört, das ich vor zwei Jahren während meiner Hochzeitsreise gesehen habe.

Man kann wirklich sagen, was man will, doch Disneys Klassiker sind einfach wunderbare Filme. Sie mögen teils naiv erscheinen, es wird viel gesungen, die Geschichte samt ihrer Botschaft ist leicht zu durchschauen und doch verströmen sie unwiderlegbar eine ganz eigene Kinomagie. Mir persönlich fällt es ziemlich leicht diese Filme mit staunenden Kinderaugen zu betrachten. Besonders im heutigen Kino, in dem es besonders angesagt ist der Welt mit möglichst großem Zynismus zu begegnen, finde ich diese Art von Film einfach nur erfrischend und herzerwärmend.

Mit „Mary Poppins“ hat Regisseur Robert Stevensen unter der Aufsicht von Walt Disney ein ganz besonderes Meisterwerk geschaffen. Julie Andrews und Dick Van Dyke spielen ihre Rollen so ungezwungen, dass es eine wahre Freude ist. Die Geschichte wird durch kunterbunte Bilder erzählt, welche man so vorher noch nie auf der Leinwand gesehen hatte. Doch am meisten wissen wohl Richard M. und Robert B. Shermans Songs zu begeistern, welche sich aus der Musicalgeschichte heute nicht mehr wegdenken lassen.

Wie in jedem Disneyfilm gibt es auch hier eine Botschaft, die allerdings – zumindest wenn man sich auf den Film einlassen kann – erfreulich unaufdringlich daherkommt. Überhaupt finde ich es wunderbar, wie viel man auch als Erwachsener aus dem Film mitnehmen kann und komplett auf schwarzen Humor hat man hier schließlich auch nicht verzichtet. Ein wunderbar zeitloser Film, der sich umfassend wohl nur mit dem Wort Supercalifragilisticexpialidocious beschreiben lässt. Absolutes Pflichtprogramm für alle Disney- und Musicalfreunde: 10/10 Punkte.

Shutter Island (2010)

Nach einem langen Arbeitstag hat es mich gestern Abend einmal wieder in unser Fremdsprachenkino gezogen. Martin Scorseses „Shutter Island“ stand schon länger auf meiner Liste und war somit die perfekte Abendunterhaltung. Irgendwo zwischen Traum und Realität. Ein diffuser Wachzustand, von dem ein unbeschreibbarer Sog ausgeht.

Martin Scorsese baut in seinem undurchsichtigen Thriller bereits in den ersten Minuten eine so dichte Atmosphäre auf, dass man sich beinahe selbst auf der düsteren Klinikinsel wähnt. Getragen wird diese Atmosphäre nicht nur durch Robert Richardsons fantastisch stimmungsvolle Bilder, sondern auch durch den irritierenden Score, welcher die allgegenwärtige Paranoia hörbar macht. Stilistisch ist „Shutter Island“ – wie nahezu alle Scorsese Filme – ein wirklich großer Wurf. Bittersüßer Zucker für Augen und Ohren.

Auch inhaltlich braucht sich „Shutter Island“ nicht zu verstecken. Als Zuschauer wird man zusammen mit Leonardo DiCaprios Charakter Teddy Daniels immer tiefer in den Strudel aus Paranoia und Wahnsinn gezogen. Schon früh zeichnet sich der Ausgang der Geschichte ab und es ist wirklich angenehm, dass der Twist nicht mit dem Holzhammer inszeniert wurde. Es steht nicht die vermeintlich große Überraschung im Vordergrund, sondern die Emotionen der Charaktere. Eine Reise ins Herz der Finsternis.

Auch wenn „Shutter Island“ unspektakulärer erscheint, als die meisten anderen Filme des Regisseurs, so darf man jedoch nicht den Fehler machen ihn zu unterschätzen. Besonders für Genrefreunde bietet der Film großartige Unterhaltung und muss sich hinter verwandten Produktionen, wie „Angel Heart“ oder „The Machinist“ absolut nicht verstecken.

Wer einmal wieder einen mitreißenden, großartig gespielten und kunstvoll inszenierten Thriller sehen möchte, der kann zurzeit wohl keine besseren Film im Kino sehen, als „Shutter Island“. Mich wird diese Insel wohl noch länger verfolgen: 9/10 Punkte.

In meinem Himmel – OT: The Lovely Bones (2009)

Gestern war ich endlich einmal wieder im Kino und habe mir Peter Jacksons Verfilmung von „In meinem Himmel“ angesehen. Bereits seit seiner Ankündigung habe ich mich auf den Film gefreut, wenngleich mir die Vorlage auch unbekannt ist. Ich mag Jacksons Stil und spätestens seit „Heavenly Creatures“ traue ich ihm auch ernstes Drama zu.

Die Bewertung des Films bringt mich in eine Zwickmühle. Einerseits hatte er grandiose Szenen zu bieten, welche mir auch immer im Gedächtnis bleiben werden, andererseits habe ich mich aber auch selten so über gewisse Szenen geärgert. Zu Beginn der Vorstellung war ich mir noch sicher einen der besten Filme des Jahres zu sehen, nach der Vorstellung war ich dagegen bitter enttäuscht. Heute Nacht jedoch hat mich die Geschichte selbst bis in meine Träume verfolgt, was wiederum für die emotionale Kraft des Films spricht. Doch was hat Jacksons Werk nüchtern betrachtet zu bieten?

Der Anfang des Films hat mir ausgezeichnet gefallen. Toll inszeniert, geschrieben und gespielt. Der grausame Höhepunkt war schließlich die Szene in der Susie Salmon auf ihren Mörder trifft. Ich glaube solch einen Kloß hatte ich im Kino nur selten im Hals. Wirklisch erschreckend gut gemacht. Auch die weiteren Szenen in der realen Welt haben bei mir Eindruck hinterlassen. Besonders die Spannungsszenen sind Peter Jackson famos gelungen, was wohl auch Stanley Tuccis beängstigendem Portrait des Serienkillers George Harvey zu verdanken ist.

Neben den wirklich spannenden und emotional ergreifenden Szenen gibt es allerdings noch die Szenen in Susie Salmons persönlicher Zwischenwelt. Die Szenen, die den Film eigentlich hervorheben sollten. Szenen, wie man sie noch nie gesehen hat. Leider jedoch sind gerade diese überflüssig, kitschig und mehr als nur holprig in die Gesamthandlung eingebunden. Ab und zu gibt es ein paar schöne Bilder zu sehen, doch der Rest verkommt zu brachialem CGI-Kitsch. Wirklich enttäuschend. Da hätte ich lieber nur Susies Voice-over gelauscht. Eine Erzählform, die bereits in „American Beauty“ tadellos funktioniert hat.

Neben den enttäuschenden Zwischenwelt-Szenen hat sich die Handlung auch noch einige Ausreißer erlaubt, welche für mich einfach nur unpassend wirkten. Das beste Beispiel ist hier der Kuss. Ich habe ja nichts gegen Kitsch, doch muss dieser auch angemessen in eine Geschichte integriert werden. Überhaupt hatte der Film teils das Problem die Waage zwischen Drama, Humor und Thriller zu halten. Hier hätten Peter Jackson, Fran Walsh und Philippa Boyens etwas mehr Fingerspitzengefühl beweisen müssen. Das Ende des Films war für mich schließlich auch unbefriedigend. Zwar weiß ich, dass es aus der Vorlage übernommen wurde, doch schien mir der CGI-lastige Absturz einfach nur platt und aufgesetzt. Wirklich schade.

Letztendlich hat mich „In meinem Himmel“ wirklich enttäuscht, besonders nach der wunderbar intensiven Eröffnung. Ich bereue die Sichtung jedoch nicht, denn in seinen besten Momenten liefert der Film famoses Drama sowie beklemmende Spannung. Dazwischen wirkt der Film jedoch wie eine billige Kopie von Vincent Wards „Hinter dem Horizont“, was leider nicht als Kompliment zu verstehen ist. Schade, dass man hier das Potential der Geschichte nur ansatzweise genutzt hat: 6/10 Punkte.

Rob Roy

Was gibt es Schöneres, als einen äußerst schmackhaften Feiertag mit einem Film ausklingen zu lassen? Wohl nur wenig. Zufrieden und mit vollen Bäuchen haben wir uns Michael Caton-Jones‘ Historiendrama „Rob Roy“ angesehen, welches seit meiner Sichtung von „Braveheart“ ganz weit nach vorne auf meine Liste der wieder einmal zu sehenden Filme gerutscht ist.

Mein erster Kontakt mit Caton-Jones‘ Werk dürfte irgendwann 1994 oder 1995 gewesen sein, als ich meinen ersten PC mein Eigen nennen durfte. Diesem lag eine Windows 95 CD-ROM bei, welche ein paar Videoschnipsel enthielt, unter denen sich eben auch der Trailer zu „Rob Roy“ befand. Ich kann nicht sagen, wie oft ich mir diesen damals angeschaut hatte. Man kann sich heute in Zeiten von YouTube und Co. eben kaum noch vorstellen, wie außergewöhnlich und beeindruckend es damals war bewegte Bilder auf dem Bildschirm zu bewundern.

Bis ich endlich den vollständigen Film sah, sind noch einige Jahre ins Land gestrichen. Heute waren mir von den damaligen Sichtungen nur noch einige Szenen und der grobe Handlungsverlauf im Gedächtnis. Demnach hat sich der Film weit nicht so sehr in mein filmisches Bewusstsein gespielt, wie dies Mel Gibsons „Braveheart“ gelang. Ein Vergleich beider Filme bietet sich durchaus an und das nicht nur aufgrund der Nationalität ihrer Helden.

Ist „Braveheart“ ein großes Epos, in dem es um die Freiheit einer gesamten Nation geht, erzählt „Rob Roy“ eine eher persönliche Geschichte, welche das Ideal der Ehre in den Mittelpunkt stellt. Caton-Jones‘ Film ist dabei ruhiger und dezenter inszeniert. Die Geschichte bewegt sich in kleineren Kreisen und hat kaum Auswirkungen auf die gesamte Bevölkerung. Teils wirkt der Film sogar etwas altbacken, wenngleich dies nur einige wenige Einzelszenen betrifft.

So sehr mir bei meinen damaligen Sichtungen Tom Roths Darstellung des Archibald Cunningham gefallen hat, so enttäuscht war ich dieses Mal beinahe. Sicherlich ist er wohl das Abziehbild eines fiesen Psychopathen, doch erschien mir seine Rolle gerade deshalb allzu klischeehaft. Im Gegensatz dau hatte ich John Hurt nicht als ebenso hinterhältig in Erinnerung. Liam Neesons Heldenfigur ist toll gespielt, manchmal jedoch hatte ich den Eindruck ihm würde es etwas an Leidenschaft mangeln. Man merkt schon: Hundertprozentig konnte ich mich auf emotionaler Ebene nicht mit dem Film anfreunden.

Für mich war das Wiedersehen mit „Rob Roy“ durchaus gelungen, wenngleich ich den Film auch stärker in Erinnerung hatte. Freunde von historischen Abenteuerfilmen dürften auf jeden Fall Gefallen an dem filmischen Denkmal der schottischen Legende finden: 7/10 Punkte.