Normalerweise stehe ich typischen Oscar-Abräumern eher skeptisch gegenüber. Danny Boyles „Slumdog Millionär“ übte dennoch eine große Faszination auf mich aus. Vielleicht weil der Film optisch so gar nicht ins typische Schema passt, vielleicht weil ich Indien noch nie als Filmland besucht habe oder vielleicht mich die Einfachheit der Geschichte angesprochen hatte.

Der Aufhänger – das indische Pendant der TV-Show „Wer wird Millionär?“ – ist nur Mittel zum Zweck, um die Lebensgeschichte des jungen Slumdogs Jamal zu erzählen. Mit seinen 18 Jahren hat er bereits mehr erlebt, als wohl die meisten Menschen während ihres gesamten Lebens. Dass er soweit kommt hat er nur Glück, Zufällen und seinem starken Willen zu verdanken. Im Film heißt das dann Schicksal, welches ihn auch immer wieder seiner großen Liebe über den Weg laufen lässt.
Mit der Verfilmung von „Slumdog Millionär“ hat Danny Boyle wahrlich den Puls der Zeit getroffen. Ein komprimierter Blick auf das Leben in einer der aufstrebendsten Nationen unserer globalisierten Welt. Es ist unglaublich, wie viel Lebendigkeit der Film ausstrahlt. Der Oscar für besten Filmschnitt ist sowas von gerechtfertigt. Ebenso empfand ich den Einsatz moderner digitaler Kameras zum ersten Mal als völlig gerechtfertigt. Man ist wirklich mittendrin. Starke, moderne Bilder, die jedoch nicht verfremded wirken oder unpassend nach Video – das geht an Sie, Mr. Michael Mann! – aussehen. Der Stil unterstützt die Geschichte. Einfach nur klasse!
Abgesehen von der mitreißenden Inszenierung hat mir die Struktur des Films sehr gut gefallen. Sicher bekommt man – wenn man es genau betrachtet – nur eine weitere Liebesgeschichte präsentiert, doch sind die einzelnen Stationen in Jamals Leben so mitreißend erzählt, dass der herzerwärmende Kern niemals kitschig oder aufgesetzt wirkt. Ein tragendes Element sind hier natürlich die famosen Darsteller, welche stets die Rolle ihres Lebens gefunden zu haben scheinen. Grandioses Casting und herausragende Schauspielführung, besonders der unerfahrenen Kinder.
Wie man inzwischen wohl merkt, hat mir „Slumdog Millionär“ unglaublich gut gefallen. Wohl Danny Boyles bester Film seit „Trainspotting“, was als großes Kompliment zu verstehen ist. Ich freue mich jetzt schon auf weitere Sichtungen. Eine gelungene Überraschung im sonstigen Oscarfilmeinerlei. Großes Kino: 9/10 Punkte.








